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Sechstes Kapitel.
Nebenkriege 1740–1793.

Kämpfe mit den Barbaresken. Schwedisch-Russischer Krieg 1741–1743. Die schwedische und russische Marine im Siebenjährigen Kriege. Russisch-Türkische Kriege 1768–1774 und 1787–1791. Schwedisch-Russischer Krieg 1788–1790.

Kämpfe mit den Barbaresken[195].

Auch noch während der Zeit des vierten Abschnittes belästigten die Fahrzeuge der Raubstaaten Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis die Schiffahrt im Mittelmeer, und die Marinen der größeren Seestaaten traten, besonders in Friedenszeiten, zum Schutze ihres Handels in Tätigkeit; die Malteserritter sahen in der Unterdrückung des Seeraubes die Fortsetzung ihrer ursprünglichen Aufgabe des Kampfes gegen die Ungläubigen. Aber wie früher hatte das Auftreten der europäischen Staaten keine dauernden Erfolge, die Barbaresken brachen immer wieder die ihnen durch Demonstrationen oder Strafexpeditionen aufgezwungenen Verträge. Es wird genügen, die Tätigkeit der beteiligten Marinen kurz anzuführen.

England hielt stets Schiffe in solcher Zahl an der afrikanischen Küste und im Mittelmeer überhaupt, daß — wie seine Quellen sagen — der Handel nicht so litt wie im 17. Jahrhundert, und daß es nicht nötig war, größere Expeditionen zu entsenden; es wird nur eine solche unter Kommodore Keppel 1751 nach Algier erwähnt, die schwebenden Verhandlungen Nachdruck geben sollte[196]. Die Barbaresken scheuten mit Recht die Seemacht Englands.

Holland scheint weit mehr Mühe gehabt zu haben, seine Schiffahrt zu schützen, obgleich es sich soweit demütigte, den Herrschern der Barbareskenreiche in der Form von Geschenken einen nahezu regelmäßigen Tribut zu zahlen; zwischen ihm und den einzelnen Raubstaaten, besonders Marokko und Algerien, kam es mehrfach zur förmlichen Kriegserklärung. Man war genötigt, ständig kleine Geschwader von Linienschiffen und Fregatten im Mittelmeer zu halten, seine Konvois stets zu decken und verschiedentlich Expeditionen zu entsenden, um seinen Forderungen Nachdruck zu geben. Zu größeren Waffentaten kam es jedoch nicht.

Frankreich dagegen, das im übrigen auch stets einzelne Schiffe und kleinere Verbände im östlichen wie im westlichen Mittelmeer kreuzen ließ, entsandte mehrfach Strafexpeditionen, die schärfer vorgingen. Im Juni 1765 beschoß der Chef d'Escadre Graf Du Chaffault mit einem Linienschiffe, 4 Fregatten, 2 Mörserbooten und 2 kleineren Fahrzeugen die Städte Sale und Larache an der Westküste Marokkos; der Versuch, mit den Schiffsbooten in einen Fluß nahe der letztgenannten Stadt einzudringen, um dort liegende Raubschiffe zu zerstören, ward aber unter Verlust von 300 Mann zurückgeschlagen. Als Frankreich 1769 mit der Besetzung Corsicas einen guten Stützpunkt im Mittelmeer gewann, sah der Bei von Tunis darin eine Gefahr für seine Interessen, d. h. den Seeraub; er versuchte England aufzureizen und erregte so Frankreichs Zorn. 1770 beschoß der Kapitän Graf de Broves mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Mörserbooten im Juni die Städte Biserta und Susa, worauf der Bei um Frieden bat.

Spanien unternahm 1775 sogar eine Expedition mit einer starken Flotte und einem Landungskorps von 25000 Mann gegen die Stadt Algier. Man landete auch, aber das schlecht geleitete Unternehmen schlug unter großen Verlusten fehl.

Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743[197].

Bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges fürchtete Frankreich, daß Rußland für Österreich Partei nehmen würde, und suchte ihm Schweden auf den Hals zu hetzen, um es anderweitig zu beschäftigen. Seine Ränke fanden guten Boden, weil die im schwedischen Reichstage herrschende, kriegerische Adelspartei der „Hüte“ in den seit dem Tode der Kaiserin Anna zerfahrenen inneren Verhältnissen Rußlands, sowie in dem nach Peter des Großen Tode eingetretenen Verfall der russischen Marine eine günstige Gelegenheit zu finden glaubte, die im Frieden von Nystad (1721) aufgegebenen Provinzen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelien und damit die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen. Obgleich Schweden selber im Innern durch jahrzehntelange Zwiste der französisch gesinnten Partei der „Hüte“ und der russisch gesinnten der „Mützen“ sehr geschwächt war, gelang es doch der ersteren, den Reichstag am 4. August 1741 zu einer übereilten Kriegserklärung zu bestimmen.

Bei dem mangelhaften Zustand der Flotten auf beiden Seiten hatten die Unternehmungen zur See wenig Bedeutung; es genügt deshalb, den Krieg ganz kurz zu fassen.

Die Streitmittel[198]. Die russische Marine zählte zwar 1736 36 Linienschiffe, 12 Fregatten und etwa 250 Galeren für den Schärenkrieg, aber die Fahrzeuge waren in schlechter Verfassung und es mangelte an Seeleuten, da es eine Handelsflotte kaum gab; 1740 war von den für die Linienschiffe nötigen 9000 Mann kaum die Hälfte vorhanden.

Die schwedische Marine besaß 1734 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und einige 30 Fahrzeuge für den Küstenkrieg.

In Voraussicht des kommenden Krieges war der schwedische Vizeadmiral von Rajalin schon im Mai 1741 mit 10 Linienschiffen und 4 Fregatten von Karlskrona nach den Aspöinseln südlich von Frederikshamn an der finnländischen Küste gesegelt, wo er Verstärkungen erwarten sollte. Infolge schlechter Verpflegung brach aber bald auf der Flotte eine Epidemie aus, der bis Anfang August über 700 Mann erlagen. Da außerdem der Krankenbestand mehr als 2000 Mann betrug, waren die Schiffe völlig gefechtsunfähig; zum Glück zeigte sich die russische Flotte nicht. Rajalin unternahm nichts und kehrte im Oktober nach Karlskrona zurück; die inzwischen eingetroffene Schärenflottille folgte ihm, ohne irgendwie verwendet worden zu sein. Nur schwedische Kreuzer waren im Skagerrak und in der Ostsee durch Aufbringen von Schiffen mit Zufuhren für Rußland von Nutzen gewesen.

Im Landkriege hatte Rußland 1741 einen Erfolg zu verzeichnen. General Keith — der spätere preußische Feldmarschall — drang Ende August in Finnland ein, schlug die Schweden bei Wilmanstrand und erstürmte diese wichtige Grenzfestung. Beide Heere bezogen dann Winterquartiere. Im Februar 1742 plante der Feldmarschall Lacy von Narwa aus über das Eis in Finnland bei Frederikshamn einzufallen. Eintretendes Tauwetter verhinderte die Ausführung und das Eindringen von Karelien aus ward durch Unruhen im Heere längere Zeit hingehalten; erst Ende Juni begann der Feldmarschall längs der Küste vorzurücken, wobei er mit den Seestreitkräften in Verbindung zu bleiben strebte.

1742 hatten die schwedischen Seestreitkräfte ebensowenig Erfolg. Zwar sammelte sich im Sommer wiederum eine Flotte von 12 Linienschiffen nebst 6 Fregatten unter Vizeadmiral Sjöstjerna, sowie eine Schärenflottille bei den Aspöinseln, abermals jedoch schwächte Krankheit die Besatzungen. Als dann der am Lande befehligende General Löwenhaupt die Forderung stellte, den russischen Seestreitkräften — 12 Linienschiffe und 40 Galeren — entgegenzutreten, die das von Wiborg her vordringende feindliche Heer begleiteten, wagte der Admiral dies nicht. Er segelte mit dem Hochseegeschwader nach Hangö-Udde und berief auch die Flottille zu sich, als die russische Hochseeflotte dort erschien. Löwenhaupt leistete nirgend ernstlichen Widerstand, sondern wich von Ort zu Ort zurück; so konnten die Russen ohne Kampf das befestigte Frederikshamn besetzen und im September mit 17000 Mann das schwedische Hauptheer von 12000 Mann, das westlich von Helsingfors zu Lande und zu Wasser eingeschlossen war, zur Übergabe zwingen. Sie drangen dann noch unter Keith bis Abo vor.

Durch einen nach der Kapitulation geschlossenen Waffenstillstand wurden die schwedischen Seestreitkräfte frei und kehrten nach Schweden zurück. Man sandte nun ein Geschwader nach der Nordsee, um 6 russischen Linienschiffen entgegenzutreten, die in Archangel ausgerüstet waren; diese sahen sich genötigt, umzukehren. Die Russen benutzten aber die Abwesenheit der schwedischen Flotte, sich im Herbst noch der Aalandsinseln zu bemächtigen.

Im Frühjahr 1743 setzten sich die Schweden durch rasches Vorgehen wieder in Besitz dieser Inseln und sammelten hier 30 Galeren; ein Versuch, nach Osten vorzudringen, ward aber durch Keith mit 30 Galeren von Abo aus verhindert. Im Juni kam dann Lacy mit 50 Galeren bis Hangö-Udde heran, konnte sich jedoch nicht mit Keith vereinigen, weil inzwischen die schwedische Flotte von 16 Linienschiffen unter Admiral von Utfall hier erschienen war. Bald aber zeigte sich auch der russische Admiral Golowin mit 17 Linienschiffen bei Hangö, Utfall ließ sich von ihm zur Verfolgung bis Reval verlocken und die Vereinigung der beiden russischen Schärenflottillen fand statt. Lacy hatte nun über 70 Galeren mit 20000 Mann gegenüber den 30 schwedischen, während sich die beiderseitigen Hochseeflotten in Schach hielten.

Schweden mußte jetzt wie zu Ende des Nordischen Krieges eine Verwüstung der eigenen Küsten befürchten und war deshalb zu Verhandlungen bereit. Am 18. August 1743 ward der Frieden zu Abo geschlossen, in dem Schweden die Grenzfestungen Wilmanstrand, Nyslot und Frederikshamn, sowie Finnland bis zum Kymeneflusse abtrat.

Der Krieg hatte Schweden 11 Millionen Taler und große Menschenopfer gekostet; auf der Hochseeflotte waren 6000 und auf der Schärenflottille 1500 Mann allein Krankheiten erlegen. Die Gründe seiner Mißerfolge liegen in der Uneinigkeit der Führer am Lande infolge der Parteizwiste in Schweden, die bei einigen Führern hart an Verrat streiften, sowie in dem Mangel eines einheitlichen Zusammenwirkens der Land- und Seestreitkräfte; auf russischer Seite ist dagegen ein planmäßiges Hand in Hand Gehen der beiden Waffen zu erkennen.

Ein Zusammenstoß Schwedens mit Dänemark ward durch russische Hilfe verhindert. In Schweden war nach langen Wahlkämpfen Herzog Adolf Friedrich von Holstein-Lübeck zum Thronfolger erwählt. Da auch der Kronprinz von Dänemark zur Wahl gestanden hatte, begann Dänemark im Sommer 1743 zu einem Einfall in Schweden zu rüsten. Dieses bat nach dem Friedensschluß Rußland um[421] Unterstützung und eine russische Galerenflottille mit 10000 Mann nahm Winterquartiere zwischen Nyköping und Westerwik. Darauf stand Dänemark von seinem Vorhaben ab.

Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege 1756–1763.

Die Beteiligung der beiden Marinen an diesem Kriege war sehr gering.

Die Hochseeflotten wurden nur zu Demonstrationen und zur Beschießung Kolbergs benutzt. Als 1758 eine englische Flotte in der Ostsee zu erwarten war, vereinigten sich im Juni ein schwedisches, sowie ein russisches Geschwader mit einem dänischen in der Kjögebucht und blieben dort bis zum Herbst liegen. 1759 trat eine schwedisch-russische Flotte zusammen, die Swinemünde blockierte und die Einnahme der Insel Usedom unterstützte, als man sichere Nachricht erhalten hatte, daß die Engländer nicht kommen würden. 1760 ging eine verbündete Flotte der drei Ostseemächte schon nach einer vierzehntägigen Kreuzfahrt wieder auseinander. Das russische Geschwader von 27 Schiffen, unter Admiral Mischakow, durch 8 schwedische verstärkt, erhielt dann Befehl, Kolberg zu bombardieren und dort 8000 Mann zu landen; das Unternehmen hatte aber keinen Erfolg. Auch 1761 erschien Ende August eine russisch-schwedische Flotte von 40 Schiffen vor der belagerten Stadt und beteiligte sich an der Beschießung, doch erst am 16. Dezember ergab sich Kolberg aus Hungersnot.

Es war ein Glück für Friedrich den Großen, daß Schweden und Rußland mit ihren Flotten nicht Landungen in größerem Maße an den pommerschen oder mecklenburgischen Küsten unternahmen. Dagegen hätte das versprochene Auftreten englischer Seestreitkräfte in der Ostsee durch Erschwerung der Zufuhren für Schweden und Rußland dem König große Erleichterung gebracht.

Ein Teil der schwedischen Schärenflotte erhielt vorteilhaftere Verwendung. 1757 ging eine Flottille von 4 Galeren und 2 Geschützprähmen mit einer Besatzung von 1000 Mann nach Pommern hinüber und wurde 1758 noch durch einige Fahrzeuge verstärkt. Mehrfach unterstützte sie Unternehmungen der Landtruppen, beschoß die Befestigungen bei Peenemünde, griff die Fähre bei Anklam an und räumte im Fahrwasser von Swinemünde versenkte Fahrzeuge fort. Sie lief dann in die Haffs ein, um eine in Stettin gebildete preußische Flottille von 4 Galeren, 4 Galioten und einigen Barkassen mit insgesamt 700 Mann zu vernichten.

Diese stellte sich am 11. September in der Enge zwischen dem Großen und dem Kleinen Haff beim Reppiner Haken der schwedischen, die z. Z. 4 Galeren, 4 Halbgaleren und 3 Schaluppen zählte. Die Preußen lagen zu Anker, ihre Galeren in der Mitte, je 2 Galioten auf den Flügeln, die Barkassen dahinter. Die Schweden griffen an und gingen sogleich zum Entern über, weil sie die Überlegenheit der feindlichen Artillerie erkannt hatten. Die preußische Flottille mußte die Ankertaue kappen, um nach Osten zu entkommen, auf der Verfolgung wurden 8 Fahrzeuge mit 106 Kanonen, 26 Offizieren und 640 Mann genommen; die Überlegenheit der Schweden an Mannschaften und ihre größere seemännische Geschicklichkeit hatten den Ausschlag gegeben.

Trotz dieser Niederlage stellte Preußen eine neue Flottille von 2 flachgehenden Fregatten mit je 12 18-Pfündern und kleineren Schiffen auf, die auch im weiteren Verlauf des Krieges einige schwedische Fahrzeuge nahmen.

Über die Stellung Friedrich des Großen zur Schaffung einer Flotte, über die Gründe hierfür, die Vorschläge, die dem Könige gemacht wurden, und dessen Entscheide darauf gibt Kirchhoff (Band I, Seite 311–317) lesenswerte Angaben. Es sei daraus hier nur erwähnt, daß Friedrich nach seinem berühmten Testament von 1752 die Schaffung einer Flotte neben dem Halten eines starken Heeres für nicht angebracht erachtete, weil das Land zu arm und sein Hauptgegner zunächst Österreich sei. Man muß bedenken, daß der König beim Regierungsantritt nichts von Seestreitkräften vorfand und daß eine neugegründete Flotte bis zum Beginn der von ihm sicher vorausgesehenen Kriege kaum leistungsfähig werden konnte. Nachher lagen ihm andere Aufgaben zur Erhaltung und Stärkung seines Staates näher.

Die russisch-türkischen Kriege 1768–1774 und 1787–1791.

Der Krieg 1768–1774. Die Versuche der Kaiserin Katharina II., das polnische Reich ganz ihrem Willen zu unterwerfen, erregte die Besorgnis der Türkei, die von Frankreich und Österreich noch gesteigert wurde, um dadurch Rußland von Polen abzuziehen. 1768 erklärte die Pforte den Krieg.

Rußland hatte im Österreichisch-Russisch-Türkischen Kriege 1736–1739 Asow gewonnen und war so ans Schwarze Meer gelangt; Katharina (1762–1796) begann am Don eine Flotte zu bauen, wie es schon Peter der Große geplant hatte[199]. Diese war allerdings zum ersten Kriege noch nicht bereit, aber die russische Ostseeflotte sollte in diesem für das Mittelmeer eine Rolle spielen.

Der Hauptkrieg am Lande in Europa ist für diese Darstellung ohne Bedeutung; er verlief zum Nachteil der Türken. Diese drangen zwar 1769 gegen die russische Grenze vor, wurden aber am Dnjestr geschlagen, und die Russen eroberten 1770 die Moldau sowie die Walachei und 1771 die Krim. Im Juni dieses Jahres trat ein Waffenstillstand ein, die Friedensverhandlungen führten aber nicht zum Ziel. 1773 wurde der Krieg an der Donau fortgesetzt, bis die Türkei nach einer schweren Niederlage im Juni 1774 zum Frieden bereit war.

Im Mittelmeere geriet nämlich die Türkei durch Aufstände in Griechenland, Ägypten und Syrien, die von Rußland unterstützt wurden, in Bedrängnis.

Katharina sandte im Oktober 1769 eine Flotte von 12 Linienschiffen, 12 Fregatten nebst Transportern mit einigen Bataillonen Infanterie zum Mittelmeer. Den Oberbefehl führte dem Namen nach Alexej Orlow, ein Günstling der Kaiserin, der gar keine maritime Kenntnis besaß, in Wahrheit Admiral Spiridoff, unterstützt durch seinen Flaggkapitän, Kontreadmiral Greigh, und seinen Vizeadmiral Elphinstone; beide waren Engländer, wie auch sonst viele Seeoffiziere dieser Nation in der russischen Flotte dienten.

Die türkische Flotte zählte einige 20 Linienschiffe, die an sich wohl besser waren als die russischen, aber Offizieren wie Besatzungen fehlte jede Ausbildung; nur eine geringe Zahl von Angehörigen der Barbareskenstaaten waren seemännisch-militärisch brauchbar.

Orlow traf im April 1770 in Griechenland ein und landete die Soldaten auf dem Peloponnes. Hier hatten sich die Mainoten des Taygetus erhoben, durch russische Agenten aufgewiegelt; sie drangen nun mit den Russen im Peloponnes vor, wobei viele Grausamkeiten an türkischen Einwohnern in Mistra und Kalamaka verübt wurden. Man erreichte nicht viel; Methone und Koroni auf der Südwestspitze der Halbinsel wurden vergeblich belagert. Die Türken, durch Albanesen vom Festlande her verstärkt, unterdrückten nach und nach den Aufstand, besonders nachdem Ende Mai die schwachen russischen Truppen wieder eingeschifft waren.

Eine herangekommene türkische Flotte ward dagegen durch die russische gezwungen, sich unter die Kanonen von Nauplia zu legen und hier am 15. und 16. Mai beschossen; sie zog sich dann in den Archipel zurück, wo auf einigen Inseln Aufstände ausgebrochen waren. Orlow folgte ihr nach Einschiffung der Truppen, fand sie nach längerem Suchen — 16 Linienschiffe, 6 (9?) Fregatten und 11 kleinere Fahrzeuge stark — in der Straße von Chios und vernichtete sie völlig in der Bucht von Tscheschme am nahen Festlande.

Die Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme, 5. Juli 1770. Gejagt von den Russen, hatte die türkische Flotte am 5. Juli am Eingange der unverteidigten Bucht geankert; der befehligende Kapudan-Pascha begab sich sofort an Land, „um den Bau von Schanzen zu veranlassen“ und überließ das Admiralschiff dem Algerier Hassan. Spiridoff enterte dieses mit seinem Flaggschiffe; während des Kampfes fingen beide Feuer, das türkische flog auf, das russische verbrannte. Hassan, der sich heldenmütig verteidigt hatte, kam mit dem Leben davon und tat später lange Jahre hindurch als Kapudan-Pascha viel zur Hebung der türkischen Marine. Die übrigen türkischen Schiffe kappten ihre Ankertaue und trieben in völliger Verwirrung eng zusammengedrängt zum Ende der Bucht. Die Russen richteten schnell drei Fahrzeuge als Brander zu; mit diesen, durch englische Offiziere geführt und beim Angriff durch das Feuer der Flotte gedeckt, wurden noch in der folgenden Nacht fast alle türkischen Schiffe verbrannt oder aufgesprengt; gegen 8000 Mann fanden ihren Tod. Ein Linienschiff und 5 kleinere Fahrzeuge wurden genommen.

Orlow nutzte den Sieg nicht weiter aus, obgleich Elphinstone riet, bis Konstantinopel vorzudringen und auch am 26. Juli mit 3 Linienschiffen und 4 Fregatten bei der Verfolgung zweier türkischer Linienschiffe die Befestigungen am Eingange der Dardanellen passierte. (Kum Kaleh und Seddil Bahr.) Er scheint dann aber nur bis Kepes Burun gelangt zu sein, weil die durch einen französischen Offizier kürzlich verstärkten Werke an der Enge (Kilid Bahr und Kaleh Sultanie) zu mächtig waren; es steht dahin, ob nicht der gesamten Flotte ein weiteres Vordringen doch gelungen wäre.

Die russische Flotte trat hierauf noch im Mittelmeer auf. In Akka hatte sich ein Beduinenscheich, Daher, und in Ägypten der Pascha Ali Bey gegen den Sultan erhoben; beide vereint führten Krieg gegen die Paschas von Damaskus und Saïda. Orlow unterstützte sie beim Angriff auf Küstenstädte, z. B. Jaffa, Beirut und Damiette, konnte aber ihr schließliches Unterliegen nicht hindern. Im allgemeinen beschränkte sich die Tätigkeit der Flotte sonst auf den Kreuzerkrieg. Im Januar 1775 kehrte sie nach der Ostsee zurück. Hin- und Rückreise brachten bei der Unerfahrenheit der Besatzungen viele Fährnisse, hatten aber doch wie der Aufenthalt im Mittelmeer überhaupt die Ausbildung der russischen Ostseeflotte sehr gefördert.

Der Frieden von Kücük-Kainardschi, 21. Juli 1774, war für Rußlands Stellung am Schwarzen Meere und die Entwicklung seiner Seemacht dort von großer Bedeutung. Es erhielt Asow, Kertsch mit der Festung Jenikale und Kinburn an der Einfahrt zu dem Mündungsgebiet des Dnjepr und Bug Otschakow gegenüber, das noch türkisch blieb; ferner wurde ihm das Recht der freien Schiffahrt in den türkischen Gewässern, selbst in den Dardanellen, zugestanden. Die Moldau und die Walachei gab es zurück und die Krim wurde für unabhängig erklärt.


Der Krieg 1787–1791. 1783 trat der Khan der Krim sein Gebiet gegen ein Jahrgeld an Katharina ab. Die Türkei war darüber erbittert, und da Rußland sich auch in Georgien festzusetzen suchte, erklärte sie im August 1787 wiederum den Krieg. Obgleich die russische Ostseeflotte seit 1774 sehr erstarkt und auch im Schwarzen Meere eine neue Seemacht geschaffen war, spielten doch deren Streitkräfte in diesem Kriege keine große Rolle. Die Anführung ihrer wenigen Waffentaten wird genügen.

Der Verlauf des Landkrieges. Österreich war durch Verträge zu Rußlands Beistand verpflichtet; der Kaiser versuchte zunächst vergeblich zu vermitteln und trat dann Februar 1788 in den Krieg ein. Die österreichischen Truppen fochten an den türkischen Grenzen von Kroatien bis Galizien, das Hauptheer an der Donau, rechts und links davon selbständig das kroatische, slawonische, banater, siebenbürger und galizische Korps, die Russen schlossen sich vom linken Flügel bis zum Schwarzen Meere an. Wenn auch mit wechselndem Waffenglück gekämpft wurde, so blieb doch der Enderfolg den Verbündeten. Die wichtigen Festungen Jassy (September), Otschakow (Dezember 1788), Belgrad (September), Bender (November 1789) und Orsova (April 1790) nebst anderen wurden genommen; Bessarabien, die Walachei sowie ein Teil von Serbien fielen in ihre Hände. Auf Vermittlung Preußens und Englands schloß Österreich am 23. September 1790 Waffenstillstand und am 4. April den Frieden zu Sistowa, in dem es seine Eroberungen zurückgab. Rußland setzte den Krieg fort, eroberte Ismail an der unteren Donau (Dezember 1790) und drang im April 1791 über diesen Fluß vor. Nach einer empfindlichen Niederlage bei Tultscha (9. Juni) schloß die Türkei am 9. Januar 1792 den Frieden zu Jassy.

Die russische Ostseeflotte sollte auch in diesem Kriege kräftig im Mittelmeere eingreifen, wurde aber durch den Ausbruch des Kampfes mit Schweden im Norden zurückgehalten. Die Schwarze Meer-Flotte war aber schon kampfkräftig. Am Dnjepr war 1778 die Stadt Cherson als Kriegshafen gegründet[200] und 1788 standen hier 19 Schiffe von 36 bis 66 Kanonen in Dienst, während noch 11 an der Werft lagen; hierzu trat eine starke Flottille von kleinen Segelfahrzeugen und Ruderkanonenbooten für den Küstenkrieg. Rußland war jetzt der Türkei an Seestreitkräften gewachsen.

Als die Belagerung von Otschakow im Mai 1788 aufgenommen wurde, erhielten die Hochseeflotte unter Kontreadmiral Paul Jones — dem bekannten amerikanischen Freibeuterführer (vgl. Seite 406) — und die Küstenflottille unter dem Prinzen von Nassau-Siegen Befehl, die Stadt von der See abzuschließen. Sie lieferten der türkischen Flotte unter dem Kapudan-Pascha Gazi-Hassan verschiedene Gefechte und vernichteten am 28. und 29. Juni einen großen Teil von ihr. Vom 12. Juli an war die Festung von der See abgeschnitten und blieb es, obgleich die türkische Flotte später noch einmal erschien, bis zum erfolgreichen Sturm im Dezember, den die Ruderflotte durch ihr Feuer von See her mit vorbereitet hatte.

1791 sandten die Türken eine Flotte von 18 Linienschiffen und 12 Fregatten ins Schwarze Meer, um die russische Seemacht dort anzugreifen. Es kam zuerst am 19. Juli unweit Jenikale zu einer unentschiedenen Schlacht, später vertrieb dann Admiral Uschakow durch siegreiche Gefechte am 8. und 9. September die Türken.

Bei der Belagerung von Ismail zu Ende des Krieges schloß die Küstenflottille die Stadt von der See ab.

Im Frieden von Jassy, 9. Januar 1792, gab Rußland zwar seine sonstigen Eroberungen zurück, behielt aber die Krim und die Küste bis zum Dnjestr mit der Festung Otschakow; Rußlands Stellung am Schwarzen Meere war damit fest begründet.

Der Schwedisch-Russische Krieg 1788–1790[201].

Gustav III. von Schweden (1771–1792) hatte seit langem geplant, unter günstigen Umständen Dänemark und Rußland anzugreifen, um durch kriegerischen Ruhm wie Gustav Adolf Macht und Ansehen zu erringen, insbesondere die auf dem Festlande verlorenen Provinzen wieder zu erobern. Die Verwicklungen Rußlands mit der Türkei erschienen ihm geeignet, zunächst gegen diesen Staat vorzugehen. Er knüpfte mit England und der Türkei Verhandlungen wegen Lieferungen von Subsidien an, aber ehe diese noch zu einem Abschluß gekommen waren, beschloß er, loszuschlagen, durch Umtriebe der Kaiserin Katharina II. hierzu gereizt. Diese betrachtete die seit längerer Zeit mit französischem Gelde betriebene Rüstung der schwedischen Marine mit Recht als gegen sich gerichtet und schürte deshalb den Streit der Parteien in Schweden; da sie ferner die Eroberung Finnlands stets im Auge hatte, wirkte sie auch hier zuungunsten Schwedens auf den Adel des Landes ein, der sich mit dem Gedanken eines Abfalls von Schweden trug. Bei einer Reise Gustavs in Finnland 1787 zeigte sich klar, daß die aufrührerische Bewegung unter dem Adel und den Offizieren des schwedisch-finnländischen Heeres große Fortschritte gemacht hatte; ein Umstand, der den König gleichfalls bewog, den Krieg sobald als möglich zu beginnen.

Da der Norden Rußlands infolge des Türkenkrieges fast ganz von Truppen entblößt war, hoffte Gustav mit einem plötzlichen Schlage Großes zu erreichen; sein Plan war, Petersburg zu überrumpeln. Bei Oranienbaum in Ingermanland wollte er 20000 Mann landen und gleichzeitig von Finnland aus vordringen. Der Krieg ward aber ohne genügende Vorbereitung und ohne Rückhalt begonnen. Die Streitmittel waren nicht rechtzeitig fertig und die fremde Unterstützung entsprach nicht der Erwartung. Die Türkei hatte die ersten Ausgaben erstatten und später jährlich eine Million Piaster zuschießen wollen, machte dies aber davon abhängig, daß Schweden die Abfahrt russischer Schiffe nach dem Mittelmeer hindere; erst 1789 ward ein Subsidienvertrag in sehr abgeschwächter Form geschlossen. England zahlte überhaupt nichts.

Die Seestreitkräfte Rußlands. Die Hochseeflotte in den nördlichen Gewässern hatte unter Katharina einen großen Aufschwung genommen; sie zählte 1788 nahezu 50 Linienschiffe nebst einem Dutzend Fregatten. Die in Kronstadt, Reval und Archangel stationierten Schiffe befanden sich in gutem Ausrüstungszustande. Als Offiziere und Unteroffiziere dienten viele Ausländer, besonders Briten; der englische Admiral Knowles hatte die Ausbildung der Seeoffiziere mit gutem Erfolge geleitet. Die Besatzungen ließen jedoch noch immer zu wünschen übrig, da bei den Nationalrussen nur wenig Neigung und Anlage zum Seedienste vorhanden war; die Flotte, die 1788 auftrat, war zum großen Teile mit eben ausgehobenen Leuten ohne jede Seeerfahrung bemannt.

Schon im Herbst 1787 war mit den Vorbereitungen zu einer Expedition ins Mittelmeer begonnen, die wie im Türkenkriege 1768 Truppen und Kriegsmaterial für einen Aufstand in Griechenland mit sich führen sollte; infolgedessen war die Indienststellung der Flotte bei Ausbruch des Krieges mit Schweden erleichtert.

Rußland verfügte ferner über bedeutende Reste der früher großen Galeren- und Schärenflottille, doch waren die Fahrzeuge so verwahrlost, daß sie im ersten Kriegsjahre kaum verwendet werden konnten.

Die Seestreitkräfte Schwedens. Die Hochseeflotte war nach dem letzten Kriege wegen Geldmangels so heruntergekommen, daß man 1765 nur noch 10 brauchbare Linienschiffe besaß, und erst von 1767 an, besonders aber seit der Thronbesteigung Gustavs III. ward ihr wieder die nötige Fürsorge zuteil. 1788 zählte sie 26 Linienschiffe von 64–74 Kanonen und 13 Fregatten, die sich in gutem Zustande befanden; sie war in Karlskrona stationiert, ein kleineres Geschwader ständig nach Gothenburg abgezweigt. Zu einer beabsichtigten jährlichen Indienststellung von Übungsgeschwadern hatten meist die Mittel nicht gereicht, aber für die wissenschaftliche Ausbildung der[427] Offiziere hatte man viel getan und einige von ihnen in fremde Marinen abkommandiert, um Erfahrungen zu sammeln.

Der Küstenflottille hatte man schon seit 1756 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Man hatte sie unter der Bezeichnung „Armeeflotte“ ganz von der Hochseeflotte abgezweigt und im Laufe der Jahre neben den alten Galeren — nach Mittelmeermuster mit Masten zum Niederlegen und mit 1 oder 2 Geschützen — durch verschiedene neue Typen ergänzt[202]. Besonders traten verschiedene Klassen größerer Segelfahrzeuge hinzu, die eine feste Takelage (die größeren Vollschiffstakelung) besaßen, 4–24 schwere Geschütze führten und deren Batterien sowie Ruderreihen eingedeckt waren. An Ruderfahrzeugen mit Hilfstakelage zum Niederlegen waren Kanonenschaluppen mit 2 und Kanonenbarkassen mit einem schweren Geschütz eingeführt.

1788 zählte die Armeeflotte in ihrem schwedischen Geschwader zu Stockholm: 28 Galeren nebst je einem großen Beiboot und 30 Schaluppen; in dem finnländischen Geschwader zu Sweaborg: 15 Fahrzeuge des neuen Segeltyps, 8 Mörserbarkassen; 40 Schaluppen und 15 Kanonenbarkassen. Zu jedem Geschwader gehörten 2 Fregatten sowie ein großer Troß von anderen Fahrzeugen, die bei dem mangelnden Raum an Bord der stark bemannten Ruderschiffe zum Unterbringen von Munition, Proviant, Wasser und Kranken stets folgen mußten.

Der Aufmarsch der Schweden 1788. Im März ließ Katharina in Stockholm bekanntgeben, daß sie eine Flotte ins Mittelmeer zu senden beabsichtige, und Gustav befahl daraufhin die Indienststellung der Flotte; 12 Linienschiffe nebst 5 Fregatten sollten Ende Mai seeklar sein. Als der russische Gesandte am 18. Mai nach dem Zwecke dieser Maßnahme fragte, erhielt er am 23. die gereizte Antwort, er habe innerhalb 8 Tagen Stockholm zu verlassen, und schon am 22. bekam die finnländische Hauptmacht Marschbefehl an die russische Grenze; 15000 Mann sammelten sich am Kymeneflusse.

Die Hochseeflotte lief in voller Stärke mit 3500 Soldaten am 9. Juni unter Herzog Karl von Södermanland, dem Bruder des Königs, von Karlskrona aus, unter ihm befehligte als Flottenchef Admiral Graf Wrangel. Gegen Ostwind aufkreuzend, gelangte sie erst am 21. bis zur Insel Dagö am Eingang zum Finnischen Meere und stieß hier auf ein russisches Geschwader von 3 Dreideckern und 4 Fregatten unter Admiral van Dessen. Diese Schiffe waren bestimmt, der noch in Kronstadt ausrüstenden Mittelmeerflotte Vorräte vorauszuführen; man hatte sie so zeitig abgesandt, weil die Dreidecker während des Passierens der Drogden bei Kopenhagen die Materialien auf Fregatten abgeben mußten. Herzog Karl hatte noch keinen Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten und ließ Dessen ungehindert vorbei — eine grobe Nachlässigkeit der Oberleitung, da ein überraschender Bruch mit Rußland beabsichtigt war. Am 28. Juni traf die Flotte bei Hangö ein.

Die Schärenflottille von Stockholm war schon Ende Mai in See gegangen. Sie führte auf Transportern 9000 Soldaten mit sich, und der König Gustav begleitete sie. Gleichfalls durch Gegenwinde aufgehalten, erreichte sie erst am 2. Juli Helsingfors, wo die Truppen gelandet wurden. Die gesamte schwedische Landmacht in Finnland betrug Anfang Juli gegen 44000 Mann, in Schweden standen noch 14000 und in Pommern 4000.

Inzwischen hatte König Gustav an Katharina ein Ultimatum mit kaum glaublichen Forderungen gesandt: Strenge Bestrafung des russischen Gesandten wegen seiner Umtriebe, Herausgabe der in den Friedensschlüssen von Nystad und Abo abgetretenen Landesteile, Überlassung der Krim an die Türkei. Die Kaiserin wies es schroff zurück, obgleich Petersburg in großer Gefahr schwebte, denn die russische Landmacht war sehr gering; in der Umgebung der Hauptstadt standen nur 8000 Mann, die während des ganzen ersten Kriegsjahres kaum auf das Doppelte verstärkt werden konnten. In Finnland vermochte man dem Feinde nicht mehr als 10000 Mann entgegenzustellen; die Festungen waren ungenügend besetzt und in schlechtem Zustande. Die Hochseeflotte war noch nicht kriegsbereit und die Küstenflottille wurde es in diesem Jahre überhaupt nicht.

Ein schnelles und tatkräftiges Vorgehen der Schweden würde verhängnisvoll geworden sein, aber sie hatten schon viel Zeit verloren und waren auch weiterhin nicht vom Glück begünstigt.

Die Operationen der Hochseeflotten 1788. Die schwedische Flotte erhielt am 6. Juli die Nachricht von der Kriegserklärung. Am 8. langte sie vor Sweaborg an und ward hier auf 15 Linienschiffe und 11 Fregatten verstärkt, ging aber erst am 14. wieder in See, um den Feind im Osten zu suchen. Am 17. Juli trat ihr der aus dem ersten türkischen Kriege bekannte russische Admiral Greigh mit 17 Linienschiffen (1 zu 108, 16 zu 66–74 Kanonen) und 8 Fregatten — die Expedition nach dem Mittelmeer, die dieser Admiral führen sollte, war natürlich aufgegeben — etwa 30 Seemeilen westlich der Insel Hogland entgegen, und es kam zur rangierten Schlacht.

Die Schlacht bei Hogland, 17. Juli 1788. Die russische Flotte stand bei östlichem Winde zu Luward; die Gegner sichteten sich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags. Nach verschiedenen Manövern lag die schwedische gegen 4 Uhr nachmittags in Kiellinie über Steuerbordbug beim Winde und die russische griff in gleicher Formation und über denselben Bug liegend in der bekannten englischen Art an, so daß sich der Kampf beider Linien Schiff gegen Schiff entspann, wobei sich wie gewöhnlich die Vorhuten und Mitten näher standen als die Nachhuten. Da die Russen 2 Linienschiffe mehr zählten, hatten die Schweden 5 40-Kanonenfregatten (von ihnen oft Linienfregatten genannt) in die Linie eingestellt; die Russen hingen eine solche der ihrigen an; es standen 1450 russische gegen 1290 schwedische Geschütze im Gefecht. Der Kampf war heiß; mehrere russische Schiffe mußten beschädigt hinter ihre Linie geschleppt werden, aber auch das schwedische Flaggschiff wurde fast manövrierunfähig.

Um 8 Uhr abends ließ Herzog Karl alle Schiffe zugleich halsen, weil die Spitze sich den Bänken vor der estländischen Küste zu sehr näherte, und Greigh folgte diesem Beispiele. Des flauen Windes halber konnte das Manöver mit den beschädigten Schiffen nur schwer ausgeführt werden, beide Linien verloren ihre Ordnung; dadurch gerieten sowohl ein russisches wie ein schwedisches Schiff zwischen mehrere feindliche und mußten die Flagge streichen. Um 10 Uhr abends endete der Kampf und die Flotten trennten sich während der Nacht.

Der Verlust betrug auf schwedischer Seite 130 Tote und 340 Verwundete, auf russischer fast 1000 Mann.

Die Schlacht blieb unentschieden. Die Schweden schrieben sich den Sieg zu, weil der Gegner wegen der Beschädigung seiner Schiffe den Angriff nicht erneuert habe, obgleich er zu Luward stand. Die Russen sagten, der Feind habe das Feld geräumt. Es war tatsächlich ein strategischer Erfolg der Russen, denn die Schweden unterließen den Angriff zur See auf Petersburg, weil sie erkannt hatten, daß ihre Flotte der feindlichen nicht so unbedingt überlegen sei, wie man bisher angenommen hatte.

Die russische Flotte ging nach der Schlacht zum Ausbessern bis zur Insel Seskär, 40 Seemeilen westlich von Kronstadt, zurück; hier vermochte sie Zufuhren zu erhalten und die Verbindung Petersburgs mit den Festungen Wiborg und Frederikshamn zu sichern. Die Schweden segelten nach Sweaborg, um Vorräte, vor allem Munition, aufzufüllen, die jedoch von der Heimat kommen mußten, da man versäumt hatte, in Helsingfors Depots anzulegen. Greigh erschien bald wieder, überraschte am 6. August eine schwedische Erkundungsdivision und nahm ihr ein Linienschiff ab. Er segelte dann nach Reval, ließ aber 8 Linienschiffe vor Sweaborg, die den Gegner beobachteten und der finnländischen Küste die Zufuhren von See her erschwerten. Die schwedische Flotte blieb für dieses Jahr untätig.

Der Schären- und Landkrieg 1788. Die Armeeflotte ging erst am 26. Juli — 2 Fregatten, 15 der großen Küstensegler, 18 Galeren und 36 Kanonenschaluppen stark — mit 6000 Soldaten nach Osten vor. Man wollte Frederikshamn durch das Landheer und eine Landung angreifen. Die Stadt wurde auch am 3. August eingeschlossen und wäre sicher gefallen, wenn nicht eine Empörung im Landheere den König gezwungen hätte, die Belagerung aufzugeben. Der größere Teil der Offiziere gehörte der Oppositionspartei in Schweden an, die den ohne Zustimmung der Stände begonnenen Angriffskrieg für verfassungswidrig erklärte. Sie forderten die Rückberufung der Armee, und der König sah sich genötigt, diese hinter den Kymene zurückzuziehen; die Flottille ward nach Westen bis Borgaa gesandt, wo man die Landungstruppen ausschiffte. Die Meuterer gingen noch weiter. Nach einer Versammlung in Anjala — nach der sie sich den Anjalabund nannten — traten sie mit Katharina in Verhandlung und schlossen einen Waffenstillstand ab. Gustav reiste zu seiner eigenen Sicherheit am 27. August nach Stockholm; die Nachricht von einem dänischen Angriff auf Schweden gab ihm guten Vorwand dazu. Herzog Karl, der den Oberbefehl übernahm, bestätigte den Vertrag des Anjalabundes.

Der Krieg war am Lande zu Ende und bald auch zur See. Greigh blockierte bis Ende Oktober die finnländische Küste. Er hatte inzwischen Hangö-Udde besetzt und sperrte hier die Schären ab, so daß auch auf diesem Wege die westlich dieser Halbinsel gesammelten Zufuhren von Schweden nicht nach Helsingfors-Sweaborg gelangen konnten; sie wurden schließlich zu Lande über die Halbinsel geschafft und dann wieder verladen. Mit Beginn des früh einsetzenden Winters ging Greigh nach Kronstadt zurück. Die nun freigewordene schwedische Flotte segelte am 19. November nach Karlskrona; die Schiffe mußten schon ausgeeist werden und am Tage darauf fror der Hafen vor Sweaborg ganz zu.

Dänemarks Angriff auf Schweden 1788. Nach einem älteren Bündnisvertrage war Dänemark verpflichtet, 6 Linienschiffe sowie 12000 Mann Landtruppen für Rußland zu stellen und auch dem Gegner in den Rücken zu fallen, wenn es von Schweden angegriffen würde. Als nun 1788 der Krieg ausbrach, kam die dänische Regierung ihrer Verpflichtung zwar nicht sofort und völlig nach, aber sie ließ doch im September von Norwegen aus Truppen in Schweden einrücken; die ersten Schüsse waren an der Grenze schon Ende Juni gefallen. Sie erklärte dabei, es sei kein Krieg Dänemarks gegen Schweden, die verwendeten Soldaten seien nur Hilfstruppen Rußlands. Ähnliche Auslegungen von Unterstützungen hat schon der österreichische Erbfolgekrieg gebracht (vgl. z. B. Seite 48). Dem weiteren Vordringen der Dänen machte aber das persönliche Erscheinen und tatkräftige Auftreten König Gustavs in Gothenburg ein Ende, um so leichter, da England und Preußen die Auffassung Dänemarks nicht teilten und mit ihrem Einschreiten drohten.

Die Verwicklung mit Dänemark geriet König Gustav zum Glück. Die neue, durch Rußland heraufbeschworene Gefahr brachte die Stände auf seine Seite; die Umtriebe des Anjalabundes scheiterten in Schweden; Bauern, Bürger und Geistlichkeit erklärten sich für den König, diesem ward das Recht zugestanden, auch Angriffskriege selbständig zu erklären; die Vorrechte der Krone wurden erweitert und der Krieg gegen Rußland ward volkstümlich.

Das russische Geschwader van Dessen in Kopenhagen nahm an dem dänischen Angriffe nicht teil. Dagegen landete es, noch mit den Umschiffungsarbeiten begriffen, Anfang August Mannschaften bei Helsingborg und plünderte einige Ortschaften; anderseits aber wurden später zwei seiner Fregatten im Skagerrak von drei schwedischen genommen, denen dabei viel Kriegsmaterial in die Hände fiel. Dessen trat dann seine Reise zum Mittelmeer an, kehrte jedoch in der Nordsee um, als ihm bekanntgeworden war, daß er in englischen Häfen keinerlei Unterstützung finden würde. Zu ihm stießen 4 Linienschiffe nebst 2 Fregatten von Archangel, und er überwinterte darauf in Kopenhagen. Es ist unverständlich, daß er nicht zurückgerufen wurde, als man die Expedition ins Mittelmeer aufgab; man scheint ihn fast daheim vergessen zu haben.

Die Gründe der schwedischen Mißerfolge 1788. Die Mißerfolge sind in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, daß der an sich gute Plan, Petersburg anzugreifen, nicht früh genug durchgeführt wurde; erlaubten dies die Verhältnisse nicht, so waren eben die Vorbereitungen ungenügend. Er ist auch später nicht umsichtig und tatkräftig verfolgt worden, noch Anfang Juli wäre es aussichtsreich gewesen, die unfertige russische Flotte bei Kronstadt anzugreifen, und die Armeeflotte hätte mit den um diese Zeit in Sweaborg vorhandenen Truppen weiter östlich landen müssen. Nach den ersten Mißerfolgen erlahmte dann Schwedens Tatkraft gänzlich; die Offensive schlug völlig in Defensive um; besonders bei der Hochseeflotte, die infolge ungenügender Vorbereitungen durch Mangel an Munition längere Zeit lahmgelegt war. Rechtzeitige Erfolge hätten belebend gewirkt, vielleicht sogar den Ausbruch der offenen Meuterei im finnländischen Heere gehindert.


Die Tätigkeit der Hochseeflotten 1789. Die schwedische Flotte war Ende Mai seeklar, litt aber noch an Mannschaftsmangel; erst am 6. Juli ging Herzog Karl mit 21 Linienschiffen, 9 Linien- und 5 kleineren Fregatten in See. Seine Aufgabe war, die Vereinigung der russischen Flotten von Kronstadt und Kopenhagen zu verhindern, sowie die Überführung der Truppen von Vorpommern nach Schweden zu sichern. Während er bis zum 11. zwischen Schonen, Rügen und Seeland kreuzte, wurden die Soldaten nach Schweden übergeführt. Das russische Geschwader van Dessens lag neben einem dänischen in der Kjögebucht; es anzugreifen, verbot der Umstand, daß die Friedensverhandlungen mit Dänemark noch nicht abgeschlossen waren. Herzog Karl hielt sich dann östlich von Bornholm und erfuhr hier am 23. Juli, daß man die Kronstadtflotte bei Gotland gesehen habe.

Diese russische Hauptflotte unter Admiral Tschitschagoff zählte 21 Linienschiffe, darunter 3 Dreidecker, und 10 Fregatten. Sie war schon seit Ende Juni in See und hatte sich Anfang Juli vor Hangö Udde gezeigt. Nach den schlechten Erfahrungen des Vorjahres hatten aber die Schweden hier Befestigungen angelegt, und die Russen machten keinen ernsten Versuch, sich dieser wichtigen Stellung zu bemächtigen, sondern segelten nach Westen weiter.

Am 25. Juli sichteten sich die Gegner etwa 50 Seemeilen südöstlich der Insel Öland und die schwedische Flotte suchte nun der russischen den Weg nach der Kjögebucht zu verlegen. Abends waren beide einander ziemlich nahe, da aber der Wind sehr heftig wurde, blieben sie die Nacht über in Gefechtslinie parallel zueinander liegen. Am 26. Juli kam es zur Schlacht bei Öland, die jedoch unentschieden blieb. Die Schweden standen zu Luward und Herzog Karl griff an. Da er aber von seiner Nachhut im Stich gelassen[203] wurde und Tschitschagoff durch Abhalten beständig auswich, kam es nur zweimal zum ernsteren Zusammenstoß zwischen den Vorhuten und Mitten; die Schlacht endete mit Eintritt der Dunkelheit ohne große Verluste auf beiden Seiten. An den beiden nächsten Tagen gelang es den Schweden überhaupt nicht, an den Feind heranzukommen, ebensowenig am 30. Juli, als sich die Gegner nochmals bei Bornholm sichteten; der russische Admiral wollte eben einen Entscheidungskampf vor seiner Vereinigung mit Dessen vermeiden. Als dann der Wind für dessen Herankommen günstig wurde, lief Herzog Karl in Karlskrona ein, um nicht durch den übermächtigen Feind von diesem Stützpunkte abgeschnitten zu werden; zudem litten seine Besatzungen schwer unter Krankheiten. Am 2. August sollte auf Befehl des Königs eine Division von 3 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Finnland auslaufen, mußte aber umkehren, weil sie die Russen vor dem Hafen antraf.

Karlskrona war blockiert. Tschitschagoff hatte sich mit Dessen vereinigt und verfügte jetzt über 33 Linienschiffe, darunter 6 Dreidecker, nebst 13 Fregatten; er hielt die Blockade bis Ende August aufrecht und segelte dann zum Finnischen Meerbusen. Nun erst konnte die schwedische Division in See gehen. Ihre Bestimmung war, eine russische Stellung bei Porkala zu nehmen, die den Verkehr in den Schären hinderte, da sie aber bald auf eine größere Zahl russischer Schiffe stieß, kehrte sie unverrichteter Dinge zurück.

Herzog Karl ersetzte seine Kranken durch Landrekruten, lief aber erst auf wiederholten Befehl Mitte Oktober aus und kreuzte dann nur auf Übungsfahrten in der südlichen Ostsee; als er erfahren hatte, daß neun russische Schiffe in Reval aufgelegt hätten und der Rest nach Kronstadt gesegelt sei, kehrte er am 21. Oktober nach Karlskrona zurück.

Der Landkrieg 1789. Nach einem harten Winter begann der Feldzug in Finnland erst im Juni und wurde dann mit wechselndem Waffenglück geführt. Das schwedische Hauptheer unter König Gustav stand am Kymeneflusse, ein kleineres unter Oberst von Stedingk weiter nördlich in Savolaks. Hier überschritten die Russen Anfang Juni die Grenze und drängten ihre Gegner zurück. Der König war am 25. Juni über den Grenzfluß gegangen und siegreich vorgedrungen, ging aber dann der Lage im Norden halber wieder bis Likala nahe Frederikshamn zurück; durch weiteres Vorgehen gegen Wilmanstrand und Wiborg hätte er voraussichtlich Stedingk entlastet und selber mehr erreicht; später wurden durch das Vorgehen des Hauptheeres tatsächlich die Russen im Norden zum Rückzuge gezwungen und der Oberst konnte wieder vorrücken. Bald aber gelang es dem Feinde, die Verbindungstruppe zwischen dem Hauptheere und Stedingk zu schlagen, und so dieses in der Flanke zu bedrohen. Der König wich darauf bis zum Kymene, und nach der Schärenschlacht im Svensksunde, am 24. August, sogar über den Fluß zurück, weil die Russen schon westlich von seiner Mündung landeten.

Bei Eintritt der Winterruhe war die Stellung der Heere nahezu die gleiche wie im Frühjahr.

Die Operationen der Schärenflotten. Das schwedische Stockholmgeschwader litt wie die Hochseeflotte unter Mannschaftsmangel. Im Juni und Juli ging es nach und nach zur finnländischen Küste, wobei es Truppen geleitete; diese Transporte erforderten große Vorsicht, weil die russische Hochseeflotte die nördliche Ostsee und den Finnischen Busen beherrschte. Dieses Galerengeschwader erreichte eine Stärke von 30 Fahrzeugen mit 1650 Seeleuten und 6700 Soldaten. Das Sveaborggeschwader wurde Anfang Juni abteilungsweise bis zum Svensksunde, etwa 10 Seemeilen südwestlich von Frederikshamn vorgeschoben; hier verfügte der Oberadmiral Graf Ehrensvärd über 86 armierte Fahrzeuge mit rund 5600 Mann Land- und Seetruppen.

Das weitere Vorgehen des Stockholmgeschwaders nach Osten ward aber durch den Feind erschwert. Die Russen hatten sich zwar der Stellung bei Hangö nicht wieder bemächtigen können, weil die Schweden sie befestigt hatten, sich aber eine ähnliche auf der Halbinsel Porkala, 20 Seemeilen westlich von Sweaborg, geschaffen und sperrten hier das Schärenfahrwasser, das sie außerdem durch Schiffe ihrer Hochseeflotte an der ganzen Küste, besonders in der Nähe von Helsingfors, beunruhigten. Die Schweden besetzten deshalb eine große Zahl von Wachtstellen, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wodurch Ehrensvärd sehr geschwächt und verhindert wurde, auf dem rechten Flügel des Landheeres weiter nach Osten vorzudringen.

Die russische Küstenflottille war in diesem Jahre rechtzeitig bereit und fast doppelt so stark als die schwedische beim Svensksunde. Sie erschien Mitte August dort; das Hauptgeschwader von 78 Fahrzeugen führte der Prinz von Nassau-Siegen, den man nach seinen Erfolgen im Schwarzen Meere nach Norden berufen hatte; ein zweites von 29 Fahrzeugen befehligte Admiral Kruse.

Dieser Macht konnte Ehrensvärd nur 48 Schiffe entgegenstellen. Nassau plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen durch Kruse im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die Schärenschlacht im Svensksunde. Ehrensvärd hatte das Fahrwasser im Osten notdürftig durch Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen stationiert, seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform verankert. Hier griff Kruse am 24. August an, wurde aber abgewiesen. Der schwedische Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen zurückzuziehen, er erhielt jedoch von König Gustav, der dem Kampfe am Lande beigewohnt, ausdrücklichen Befehl, Nassau entgegenzutreten, der jetzt nach Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht mußten die Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition ausging. Der Feind verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung Svartholm, etwa 20 Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses.

Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt. Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der Landung westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische Landheer genötigt, über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala ward erst wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen Hochseeflotte am 23. Oktober die Küste verließen; Mitte September hatten sie noch eine schwedische Küstendivision im Barösunde angegriffen.

Die Kriegführung 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. Für ihr Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären unentbehrlich. Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei Porkala getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man zunächst von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf Wachstationen zu verzetteln. Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den Schutz der Schärenflotte übernehmen und zu diesem Zwecke alles daransetzen müssen, frühzeitig im Finnischen Meerbusen aufzutreten, um hier die Seeherrschaft zu erringen. Tschitschagoff handelte mithin richtig, wenn er Herzog Karl in der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht festhielt, bis er überlegen war. Daß Rußland zu Lande nicht tatkräftiger vorging, scheint an der Unfertigkeit seines Heeres gelegen zu haben; Potemkin, der gegen die Türken kommandierte, weigerte sich hartnäckig, Truppen nach dem Norden abzugeben.


Der Kriegsplan Schwedens 1790 ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche König Gustavs, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, hatte Katharina mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von diesem selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. Gustav war empört und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf Petersburg die Entscheidung schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im allgemeinen Karlskrona am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und Kronstadt erst am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die eigenen Streitkräfte so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in Reval und Kronstadt getrennt liegenden Geschwader der russischen Hochseeflotte, sowie die auf Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte vor ihrer Vereinigung einzeln zu vernichten; dann sollte bei Petersburg gelandet werden.

Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor der Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und Wiborg nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung der feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß überraschend sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem Vorgehen zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar oder Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien einzubrechen und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte, nördlich und an der Küste mit je einem kleineren Korps.

Der Angriff am Lande verzögerte sich aber, da der König aus politischen Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch Ende Mai zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der Unternehmungen zur See.

Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790. Die schwedische Flotte verließ unter Herzog Karl von Södermanland — Chef des Stabes Kontreadmiral Nordenskjöld — 21 Linienschiffe und 13 Fregatten stark am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren 2 Fregatten, eine Brigg und ein Schoner in See gegangen und hatten am 17. die Stadt Raagervik, das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich von Reval zur Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse und andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, aber den Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein baldiges Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und ankerte am 12. bei Raagervik.

Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790. Admiral Tschitschagoff hatte 8 Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich von der Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten nach See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so fast die ganze Bucht. Herzog Karl griff diese Stellung am 13. Mai an, indem er bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, an der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie war schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der Leeküste wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast beständig manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich nur auf 3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während diese das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind während des Kampfes zum Sturm wurde, gab Herzog Karl den Befehl zum Abbrechen des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und 8 Fregatten, die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte dann vor der Bucht.

Die Verluste der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden verloren auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie ins Feuer gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen; ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, gleichfalls auf Grund geraten und ward von den Russen genommen.

Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt die Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter mit Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. Herzog Karl schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen Ausbesserung nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine Verstärkung von 2 Linienschiffen und einer Fregatte. Er blieb bis zum 24. Mai vor Reval, ging dann nach der Insel Hogland und von hier erst am 31. auf Befehl des Königs gegen Kronstadt vor. Tschitschagoffs Flotte ließ man im Rücken, nachdem man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu vervollständigen. Herzog Karl und Admiral Nordenskjöld sollen dies allerdings gemißbilligt haben.

Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790. In Schweden waren durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, 27 Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und Mörserbarkassen und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht wurde bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen.

Angriff auf Frederikshamn. Am 14. Mai erschien König Gustav mit etwa 100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille von Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte mit der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends zurückzogen. Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19. Mai, das allerdings nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie die Hochseeflotte vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere Versuche auf und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter nach Osten vor, am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte, passierte am 2. Juni die Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im Björkösunde etwa 30 Seemeilen südlich dieser Stadt; sie hatte durch Zuzüge von Westen nach und nach fast ihre volle Stärke, 282 armierte Fahrzeuge, erreicht.

Gustav entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden.

Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790. Schon während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und Herzog Karl hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den Ankerplatz erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am 3. Juni kam es zur Schlacht.

Die Stärke der Flotten. Die russische unter Vizeadmiral Kruse zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74 Kanonen und 13 Fregatten. Die Schiffe waren in guter Verfassung, die Besatzungen jedoch noch nicht ausgebildet. Die schwedische bestand aus 21 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen und 13 Fregatten. Zwei schwere Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch standen in dieser nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren Fregatten wurde[437] eine leichte Division gebildet, die selbständig an geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen sollte.

Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand Kruse bei leichtem östlichen Winde etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher Weise Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4½ Uhr begann der Kampf der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen erst später ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung. Manöver der Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr, auch scheint Kruse einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am Nachmittage kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über Backbordbug, aber jetzt die Schweden zu Luward und Herzog Karl griff um 2½ Uhr an. Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde abhielt, kam es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten.

Herzog Karl erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen wollte. Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am Abend Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte es hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen konnten. Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine Entscheidung herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht standhielt; nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie. Die Flotten hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis auf 12–15 Seemeilen genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8 Uhr abends zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann der nördlichen Küste zu nahe kamen.

Wesentliche Verluste hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht gebracht, nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt.

Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral Tschitschagoff mit der Revalflotte — 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten — in Sicht und Herzog Karl mußte sich vor allen Dingen aus dem engen Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte zu werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber nicht gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, daß dann auch König Gustav mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde weichen und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen würde. Dementsprechend berichtete er.

Dem Rückzuge der Schweden folgte Kruse, der die Revalflotte gleichfalls gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es war ein Glück für Herzog Karl, daß der Wind während der Nacht abflaute und auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war es diesig, so daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten und deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge, erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die Bucht von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte am 6. morgens in deren Eingange.

Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert.

Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch. Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel Biskopö im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen Punkten und durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird aber das Fahrwasser auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei Krosserort sowie auf eine zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt. Hinter diesen Durchfahrten wurden die Schiffe der Hochseeflotte — 21 Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge — in Verteidigungslinien verankert.

Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden Insel Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt 1½, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße von Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier lag die schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann Besatzung[204].

Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem Oberbefehl des Admirals Tschitschagoff, 30 Linienschiffe und 20 Fregatten stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen von der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den Björkösund unter dem Prinzen von Nassau. Anfangs waren es nur 49 Fahrzeuge aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte von Kronstadt wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7 Fregatten und 74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48 Fahrzeuge.

Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der nächsten Wochen immer gefährdeter. Tschitschagoff legte nach genauem Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des Königs Gustav vom 11.–20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten, um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das Fahrwasser beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen mit ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser ein, da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am 29. Juni ging Nassau gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis zur engsten Stelle zurück.

Unter diesen Umständen mußte Gustav alles daransetzen, sich aus seiner unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung verschiedener Pläne ward der Durchbruch mit beiden Flotten in der engen Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde beschlossen. Herzog Karl hatte schon früher wiederholt hierzu geraten, ehe die Einschließung so eng geworden war, der König aber wies es schroff zurück, weil er es für feige hielt.

Der Durchbruch am 3. Juli 1790. Der Plan zum Durchbruch war genau ausgearbeitet. Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus dem Björkösunde in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, sowie die Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht mit der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4½ Uhr abbrachen, um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der Feind nicht, vielleicht wollte er den Leuten nach dem nächtlichen Kampfe Ruhe gönnen.

Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten vorbereitet; die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn festgemacht, so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die Takelage zu schicken und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre Ankerplätze und setzten sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. Um 7½ Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort. Hier lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer zum Fahrwasser. Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr Feuer mit solchem Erfolge abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff passierte; von den etwa 4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3–400 unverwundet geblieben sein. Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten in Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch behindert.

Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See erreicht haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten wäre. Beim Passieren von Krosserort wurden ein Linienschiff und eine Fregatte durch einen eigenen Brander in Flammen gesetzt und flogen auf; der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande sein Fahrzeug ohne Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche liefen verschiedene Schiffe auf Grund.