§ 47 (386 ff.). Der Glaube an Gespenster, die man meist als ruhelos umherirrende Seelen auffaßt, ist im Gebirge weit verbreitet und Spuckgeschichten sind noch in den letzten Jahren vielfach hie und da (z. B. in Annaberg) aufgetaucht. Dem Gespensterglauben ist der Glaube an Geister nahe verwandt, und es sind namentlich „Berggeister,“ von denen Bergleute dies und jenes zu erzählen wissen. Die gespenstigen Thiere, wie der Drache, der Getreideschneider, der Alp u. s. w., sind bereits durch das früher Angeführte erledigt (vgl. 114, 155, 364, 365 u. 486).
Hier führt uns der Aberglaube in das Gebiet der Sagen, von denen sich im Gebirge ein nicht unbedeutender Schatz findet. Viele derselben sind bereits gesammelt (vgl. Gräße, Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Dresden 1855, S. 313–412. Segnitz, Sagen, Legenden etc. aus der Geschichte des sächsischen Volkes, 2 Bde., Meißen 1839/41. Ziehnert, Sachsen’s Volksagen, 1. Aufl., 3 Bde., Annaberg 1838 ff., neue Ausgabe in Einem Bande, ebenda 1851). Viele derselben aber sind nur mündlich verbreitet. Von letzteren wollen wir die wenigen Mittheilungen, die uns in dieser Beziehung zugegangen sind, anschließen.
548. Es spuckt bei den Sandgruben, welche zwischen Buchholz und Schlettau an der sogenannten alten Straße liegen. — 549. Desgleichen ist es nicht geheuer bei der letzten Vertiefung, welche die Chaussee zwischen Schlettau und Scheibenberg macht, bei dem sogenannten Saubade, das seinen Namen von den wilden Schweinen hat, die sich lange vor Anlegung der Chaussee in dem sumpfigen Moorboden daselbst abkühlten.
550. Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt eine Wiese (nach ihrem Besitzer die Reicheltwiese genannt), die, da dieselbe sumpfigen Untergrund hat, sehr weich und „papprich“ ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr erscheine derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder, knalle mit der Peitsche und rufe: „Hüoh!“ — 551. Bei der Grube „Dorothea“ auf Geiersdorfer Gebiet und bei der Grube „Stern“ auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein Lichtchen sehen. — 552. In der Zschopau giebt es einen Nix, der jährlich sein Opfer fordert.
553. Auf dem Greifenstein bei Geier läßt sich der Kaspar sehen. Er erscheint in weißen Hosen, rothem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und Bonaparthut. Man erzählt z. B.: eines Tages, Nachmittags 4 Uhr, als die Arbeiter eines Steinbruches, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt, ihr Brod verzehrten, ruft aus Unmuth einer von den Arbeitern gegen die Höhe des Felsens: „komm, Kaspar, iß mit.“ In demselben Augenblick kommt ein großer Stein vom Fels herab und fällt gerade neben dem Arbeiter hin. — 554. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte Förster Töpel eines Tages bei dem Greifenstein vorbeiritt, hingen soviel Gras- und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum hindurchreiten konnte. Dabei bleiben einige Halme auf seinem Hute liegen. Als er daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine goldne Kette. Es soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.
555. „Of dem Schladenberg (Schlettenberg bei Marienberg) da lössen sich immer ä paar Lichtle sahn. Da drinn stackt nämlich e goldnes Kinn (Kind). Un an en gewissen Tog wächst do druff eene schüne Blum. Wär nu die nimmt, dar kan in den Barg nei gihn. Do liegt ä goldnes Gungel (Junge) in eener gold’n Pfann. Doas Zeig (Zeug) bewacht ä grußer Hund. Där nu die Blume hoat, darf se nur den grußen Hund hinweißen. Nu ko er die Pfann mit dem Gungel nahm. Nu ober muß er ausreißen. Iß er über’n Hammergraben, do kan der Hund nischt mer thun. Wenn er aber noch nich d’rüber ist, un der Hund hat’n eigehult, do muß er d’s Gungel un d’s annere Zeig her goben un der Hund trogt’s wieder nuff.“