DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN.
Nürnberg: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. Augsburg: Hans Schönsperger d. ä. Frankfurt am Main: Chr. Egenolff, Sigism. Feyerabend, die Merians. Mainz: Die Nachfolger Schöffers. Tübingen: Der slawische Druck. Cotta. Strassburg: Illustrierter Druck. Basel: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus. Zürich: Chr. Froschauer. St. Gallen: Leon. Straub. Wien: Johan Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. Leipzig: Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. Wittenberg. Der Norden. Berlin.
DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. Dänemark, Norwegen und Island, Schweden und Finnland.
D DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten.
Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I. veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden.
Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere angesehene Künstler.[1]
Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher Dürers gedruckt wurden.
Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann. Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die Zieraten, behielt bis in das xvii. Jahrhundert ihre Geltung, sowohl in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften bildeten sich nach derselben.
Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der Sohn Ant. Koberger war damals minderjährig. Der eigentliche Chef des Hauses scheint Johannes Koberger, entweder ein Sohn des älteren Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein; das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr. Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543.
Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich Johann Petreijus aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende Endtersche Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste deutsche typographische Handbuch (1721).
Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war Paul Fischer bedeutend. Sein Schüler Johann Neudörffer d. ä. war der erste, der die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich Pancratius Lobinger, dessen Schriften noch um die Mitte des xviii. Jahrhunderts beliebt waren[2].
AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es war Hans Schönsperger der ältere, der von 1481 bis 1523 eine Reihe ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen Druckwerken war das Regimen sanitatis das erste, das „Neue Testament“ das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck auszuführen, wissen wir nichts näheres.
Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: Erhard Oeglin (Ocellus), der zuerst in Deutschland hebräische, und Hans Müller, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. Hans Froschauer brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: Lilium musicae planae. Auch Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt Sigmund Grimm und der reiche Kaufmann Marx Würsing; ja man lernt selbst eine Art Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: Ad insigne Pinus, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war Johann Rainmann berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten Typen von ihm bezogen habe.
Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier erschien auch 1564 der erste Messkatalog.
FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam, wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst 1531 eine Buchdruckerei durch Christian Egenolff[3] aus Hadamar im Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann, der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt. Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne Sabon stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel.
Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt Sigismund Feyerabend (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog. Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius, Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau; Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten.
Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten die Merian, Vater und Sohn. Matthias Merian der Vater (geb. 1593 zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry, und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab. Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn Matthias Merian d. j. (geb. 1621 zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4].
Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich Andreas Wechel, Sohn des berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im gleichen Geiste fortgesetzt.
Die von Johann Andreae 1667 gegründete Buchdruckerei und Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle Stelle ein.
Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren Rang.
In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische Buchdruckerei 1508 auf Friedrich Hewmann aus Nürnberg über. Schöffer hatte zwei Söhne, Johann und Peter. Peter Schöffer der jüngere[5] druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528 gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von 1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn Ivo blieb bei dem Onkel Johann in Mainz.
Johann Schöffer, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung des Geschäfts folgte ihm sein Neffe Ivo, der im Jahre 1552 kinderlos starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von Balthasar Lips über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt.
Johann Schöffer ii, der Sohn des obengenannten, etablierte sich später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796 fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem Jakob Schöffer ausstarb.
Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt, erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch Johannes Ottmar 1498. Eine interessante Episode bildet um die Mitte des xvi. Jahrh. der slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber, 1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm die Morhardsche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien 1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments vollendet, 1560 der zweite.
Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph. Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands iii. nach Rom in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen.
Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen Etablissements. Die Familie Cotta war eine der ältesten und reichsten Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte Joh. Georg Cotta den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode.
Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der berühmte Hieronymus Commelinus (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus' Tod von Judas Bonnutius fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch Ernst Vögelin, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen Schriften hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug auf typographische Ausstattung dürften wohl die römischen Geschichtschreiber von Haurisius sein.
STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling, Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche zum Schluss des xv. und zum Beginn des xvi. Jahrhunderts einen grossen Einfluss übten.
Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im xv. Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher Martin Schongauer, sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. Kein deutsches Buch damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg gehabt wie Seb. Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes „Narrenschiff“, zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst Zeichnungen, sogar Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die Beteiligung Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen des Johann Reinhard, genannt Grüninger (1483-1528), welch grosses Gewicht dieser merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung von Text und Illustration legte.
Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der „Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio, von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des xvi. Jahrh. Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke des xvi. Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben.
Ein merkwürdiges Buch ist die von Grüninger gedruckte Logica memorativa, ein Lehrbuch der Logik des Thomas Murner in Krakau in Form von Spielkarten. Die erste Auflage war in Krakau erschienen; der Verfasser erlitt als Zauberer den Flammentod. Auch zwei grosse illustrierte Ritterromane erschienen bei Grüninger, die wahrhaftige Historie von Hug Schapler, einem Fleischersohn, der die Krone Frankreichs errang (als Hugo Capet) und die Geschichte einer französischen Königstochter, die nach vielem Unglück Königin von England wurde. 1503 erschien bei ihm: Hortulus animæ mit 57 Holzschnitten von Hans Springinklee und Erhard Schön.
Johann Knoblauch brachte 1508 eine „Passion“ mit 25 Blatt von Urse Graff, ferner Geiler von Kaisersbergs „Granatapfel“, von Hans Baldung illustriert.
Ausser den Genannten druckten noch Joh. Scott, Wendelin Richel, Reichart Beck, Bernh. Jobin u. a. viele illustrierte Ausgaben. Besonders nennenswert sind Jobins: Icones illustrium virorum, recensente Nic. Reusnero, 1587, mit Zeichnungen von Tob. Stimmer. Zu HAGENAU waren Heinr. Grau und Theodor Anselm unternehmende Verleger, die mit auswärtigen Künstlern von Rang, z. B. mit Hans Schaeuffelein, in Verbindung standen. Ein Elsasser Formenschneider, Jakob von Strassburg, gab 1503 in Venedig den „Triumphzug Cäsars“ in 12 Folioblättern heraus.
Das Auftreten der Renaissance in Strassburg beginnt mit Joh. Wächtlin, genannt Pilgrim oder der Meister mit den gekreuzten Pilgerstäben, der Maler und Formenschneider zugleich gewesen sein soll. Er zeichnete sich namentlich durch den xylographischen Farbendruck aus. Mit dem „Clair-obscur-Druck“ sollte durch zwei oder drei Holzstöcke mit verschiedenen Farben die Wirkung der damals sehr beliebten Federzeichnungen auf farbigem Papier mit weiss aufgesetzten Lichtern erreicht werden. Der Ursprung gehört jedenfalls Deutschland, in der Weiterbildung war jedoch bald Italien voran.
Nur wenige Städte haben auf eine so glanzvolle Druck-Periode zurückzublicken, wie BASEL auf seine in der ersten Hälfte des xvi. Jahrh. Selten haben Wissenschaft, Kunst und Technik brüderlicher zusammen gewirkt, als dort. Namentlich ist es das Dreigestirn Froben, Petri und Oporinus, welches einen hellen Glanz verbreitet.
Johannes Froben (geb. um 1460, gest. im Okt. 1527) stammt aus Hammelburg in Franken. Er bezog die Universität zu Basel und bekam durch die Bekanntschaft mit Ammerbach, in dessen Offizin er als Korrektor arbeitete, Lust zur Buchdruckerei. Im Jahre 1491 fing er seine Thätigkeit mit dem Druck einer Bibel in höchst zierlicher Schrift an. Seine Hauptwirksamkeit beginnt aber erst von der Zeit, als Erasmus 1514 nach Basel zog und seine Wohnung im Frobenschen Hause aufschlug, wo er mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tode weilte. Erst mit vier, dann mit sieben Pressen druckte er über dreihundert, meist sehr bedeutende Werke, darunter die erste griechische Ausgabe des Neuen Testaments.
Das Verhältnis zu Erasmus erweckte grossen Neid unter Frobens Kollegen; aber nicht nur mit dem Neide, sondern auch mit dem Nachdruck und anderen geschäftlichen Sorgen hatte er zu kämpfen. Neben den Vorteilen, welche die Verbindung mit Erasmus ihm brachte, musste er den Nachteil mit in den Kauf nehmen, dass Luthers Schriften, die vorzugsweise nachgefragt wurden, und alle anderen Schriften in den Hintergrund drängten, von seiner Druckthätigkeit ausgeschlossen blieben, während sein Kollege, Adam Petri, der Luther-(Nach-)drucker Basels wurde.
Trotz aller Thätigkeit erwarb Froben kein Vermögen. Eine nicht gut geregelte Wirtschaft und die Ausgaben, die er auf seine Druckwerke, namentlich auf eine sorgfältige Korrektur derselben, verwendete, waren zu gross. Als Korrektoren, oder „Kastigatoren“ wirkten für ihn, ausser Erasmus, namentlich sein Schwiegervater Wolfgang Lachner, dann Marc. Heiland, Wolfg. Musculus und Joh. Oecolampadius. Zu den Titeln liess er sich meist Zeichnungen von Hans Holbein d. j. und Urse Graff liefern. Froben verlor sein Leben infolge eines Falles von einer Leiter. Die Vollendung seines Lieblingswerkes, der schönen Ausgabe des Augustinus, welche er im Verein mit Ammerbach und Petri angefangen hatte, sollte er nicht erleben, aber sein treuer Freund Erasmus that alles, damit die Ausgabe im Interesse der Kinder Frobens rasch gefördert wurde. Der Sohn Hieronymus Froben (geb. 1501, gest. 1563) hielt das Verhältnis zu Erasmus aufrecht, der in Frobens Hause „Zur Luft“ im Jahre 1536, siebenzig Jahre alt, starb. Hieronymus druckte später im Verein mit seinem Schwager Nikolaus Episcopius d. ä. (Bischoff) und seinen Söhnen Ambrosius und Aurelius Froben eine Reihe von bedeutenden Werken[7].
Johannes Petri, zu Langendorf an der Saale 1441 geboren, ward 1488 Bürger von Basel. Er druckte nur wenige Bücher allein, die meisten gemeinschaftlich mit Ammerbach und Froben. Er brachte seinen sechsjährigen Neffen Adam Petri (geb. 1482, gest. um 1525), der nach Johannes' Tod (1511) das Geschäft übernahm, mit nach Basel. Die Reformatoren, namentlich Luther, wurden gute Beute für seine Pressen. Blitzschnell folgten seine Nachdrucke den Originalen auf dem Fusse. Luthers Neues Testament erschien im Sept. 1522; im Dez. war schon der Nachdruck Petris da. Er machte bessere Geschäfte als sein Freund Froben und scheint trotz seiner reformatorischen Druckthätigkeit gut katholisch gesinnt gewesen zu sein, wenigstens stand er in dem besten Verkehr mit den Kartäusern. Für die künstlerische Ausschmückung seiner Druckwerke arbeitete namentlich Hans Schaeuffelein. Der Sohn Heinrich Petri (geb. 1508, gest. 1579) studierte erst die Medizin, übernahm jedoch später die Druckerei und führte sie mit Eifer fort. Vom Kaiser Karl v. wurde er in den Ritterstand erhoben.
Die Druckthätigkeit seiner Nachfolger war seit 1620 nur eine geringe, doch bestand die Firma noch 1660. Durch verschiedene Hände kam die Offizin schliesslich in die Thurneisens und Schweighausers.
Zu grossem Ansehen gelangte auch Johannes Oporinus[8] (Herbster). Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren, wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg, wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein.
Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter und druckte mehr als siebenhundert und fünfzig grössere und kleinere Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte Klassiker.
Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians, zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: De humani corporis fabrica zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten Ausgaben der Nachdrucker empören.
Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am 6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes häusliches Glück zu geniessen.
Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner Michael Isengrin, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte, dann auch Josias Münsch (1550), Konrad von Mecheln (1685) und Emanuel Thurneisen.
Mit Stolz blickt ZÜRICH auf Christoph Froschauer[9] (oder Froschower), dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines litterarischen Lebens verdankt. Im xv. Jahrhundert zeigt sich in Zürich noch keine Spur der Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck ist ein, am 6. Januar 1504 von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen des Druckers. Wahrscheinlich war dieser Hans am Wasen, der 1508 einen Kalender mit guten Vignetten druckte. Von Wasen hörte man weiter nichts.
Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des xv. Jahrh. Ob Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer, war, ist nicht bekannt.
Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise.
Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte Hans Hager (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich Andreas Gessner, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner, etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther), C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden von Froschauer verlegt.
Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren 1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden, die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von Moses Coverdale übersetzt und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt.
Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster, welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält.
Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch in Zürich aufhielten.
In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos verheiratet, hinterliess er dem Neffen Christoph Froschauer das ganze Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1. April 1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr. 1585, wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst. Die Druckerei ging auf Johann Wolf über, der jedoch noch bis 1595 einzelnen Werken die Bezeichnung typis Froschovianis beifügte. Das Verzeichnis des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern, von da bis 1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz der Familie Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der Orellschen Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt.
ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch Leonhard Straub, der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten Offizinen gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat eine zu merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu übergehen. Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter das Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes, dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur; schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607 in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel über hundert Jahre fort[10].
In WIEN eröffnete Hieronymus Victor aus Liebenthal im Fürstenthum Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514 wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete. Joh. Singrieners Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin hervor, unter welchen das 1517 erschienene Tripartium opus juris consuetudinarij incluti regis Hungarie, über 70 Bogen stark, einen bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40 Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann. Unter seinen vielen Drucken sind besonders schön ausgeführt: Pomponius Mela in Fol.; Bandinus auf Pergament; Cicero, Pro lege Manilia. Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit dem Tode des letzteren erlischt.
Hans Kohl (Johannes Carbo) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen, hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst in Verbindung mit Aegidius Adler (Aquila), aus den Niederlanden gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er starb bereits am 17. Aug. 1552.
Die Offizin wurde von Michael Zimmermann (Cymbermannus) übernommen, dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit illuminierten Figuren und Landkarten.
Ein Pole, Rafael Hofhalter (Skrzetuski), der sein Vaterland auf Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach vielen Wanderungen nach Wien, wo er mit Kaspar Kraft, 1556, ein Privilegium für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die neue französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte sehr hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm (1561) erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen Titel und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565 druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen.
Ferdinand i. hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus Nymwegen verfasste Katechismus, der in viele Sprachen übersetzt wurde und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau gründete.