Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt, im xvi. Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden. Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich was Lukas Atlantsee betrifft.
Im xvii. Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg, Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist Johann von Gehlen. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht und war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den Studien und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er 1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J. B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser Leopold i. erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k. italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab. Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das Wiener Diarium“, ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener Zeitung.
Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen wurde in den Adelstand erhoben.
BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer Andreas Winkler war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und die Kunst in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn folgten Crispinus Scharffenberg, dessen Sohn Johann, dann Georg Baumann und dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören der nächsten Periode an.
Es wurde schon früher erwähnt, dass ein solches Zusammenwirken der zeichnenden Kunst, der Xylographie und der Buchdruckerei, welches im Süden Deutschlands eine gar stattliche Reihe herrlicher Drucke zuwege brachte, in dem Norden Deutschlands nicht angetroffen wird, wo die Presse sich hauptsächlich nur als treue Dienerin der Wissenschaft und der Reformation zeigte. Es gilt dies ganz besonders von LEIPZIG[11], welches dieser Aufgabe bis auf den heutigen Tag treu geblieben ist. Kunstbegeisterte Fürsten und Künstler ersten Ranges besass Leipzig nicht; Schule und Universität waren die Mäcene seiner Buchdruckereien. Leipzigs Klassiker-Ausgaben zeichnen sich durchweg durch ihre Sauberkeit und Genauigkeit aus und viele derselben stehen noch heute neben den Aldinen und Juntinen in Ansehen. Gelehrte Männer verschmähten es nicht, die Korrekturen zu übernehmen, und Leipzig hat es verstanden, sich den Ruhm der Sorgsamkeit für die Textreinheit seiner Presserzeugnisse zu wahren.
Als Mann von Geschmack ist Martin Landsberg aus Würzburg (1499-1516) zu erwähnen. Er gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, interessierte sich sehr für die Herausgabe wissenschaftlicher Werke und machte sich namentlich durch seine Klassiker-Ausgaben bemerkbar. 1519 siedelte er nach Halle über. Wolfgang Stöckel (Molitor), aus München, ward in Erfurt, wo er eine zeitlang eine Buchdruckerei hatte, Bakkalaureus. 1495 kam er nach Leipzig. Er druckte hauptsächlich Klassiker: Ovid, Priscian, Seneca, Aristoteles, später theologische Schriften, von welchen die, bis zum Jahre 1520 gedruckten, Partei für Luther nehmen, zumteil von diesem verfasst waren. Von da ab wurde er ein heftiger Gegner der Reformation und druckte schon im Jahre 1520 eine Streitschrift des Franziskaner Alveld, eines der erbittertsten Gegner Luthers; wahrscheinlich ist er auch der Drucker der Schriften Emsers gegen jenen. Herzog Georg der Bärtige rief ihn 1524 als Hofbuchdrucker nach Dresden. Valentin Schumann (1525-1535) brachte vorzügliche Klassiker-Ausgaben, darunter das erste griechische Buch Leipzigs. Jakob Thanner (Abiegnus) lieferte sehr gute Schulausgaben.
Unter den Buchdruckern, bei welchen die Reformation eine bereite Hülfe fand, ist Melchior Lotter obenan zu nennen. Er stammte aus Aue im sächsischen Voigtlande, heiratete die Tochter Kachelofens, Dorothea, und erhielt am 16. Juni 1498 das Leipziger Bürgerrecht. Ungefähr in dem Jahre 1500 wurde er der Geschäftsnachfolger seines Schwiegervaters. Die zweite Ausgabe des Meissner Missale hatten Kachelofen und Lotter gemeinsam gedruckt, von nun an ging eine grosse Anzahl Missalen, Breviarien und dergl., die das Bisthum Meissen herausgab, aus Lotters Pressen hervor. Dieser selbst siedelte, vor der Pest aus Leipzig fliehend, für eine zeitlang nach Meissen über. Seine eigene Verlagsthätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie und der Philologie war eine ausserordentliche. Ein treuer wissenschaftlicher Mitarbeiter war ihm Hermann Tulich, der später Professor in Wittenberg wurde. Seit 1518 hatte Lotter wiederholt für Luther Druckaufträge bekommen und letzterer bewog ihn, eine Druckerei in Wittenberg anzulegen, aus der jedoch Lotter kein Segen erwachsen sollte. Er selbst übersiedelte jedoch nicht nach Wittenberg, sondern sandte seine beiden Söhne Melchior und Michael. Zum grossen Teil sind die zahlreichen Schriften, welche Luther im Anfang der zwanziger Jahre in die Welt sandte, aus Lotters Pressen hervorgegangen. Selbst das Monumentalwerk des Reformators, die Bibelübersetzung, wurde von diesem unternommen und schon am 21. Sept 1522 war der Druck des Neuen Testaments vollendet. Während des Drucks des Alten Testaments tritt jedoch ein Erkalten des freundschaftlichen Verhältnisses Luthers zu ihm ein und Hans Lufft erscheint nun als der bevorzugte Bibeldrucker, wenngleich die Verbindung zwischen Luther und Lotter nicht ganz aufhörte. Der Grund, weshalb der letztere von dem ersteren fallengelassen wurde, und weshalb auch der Kurfürst Friedrich ihm ungnädig wurde, ist nicht bekannt. Lotters Thätigkeit, die jedoch sehr erlahmte, lässt sich noch bis Ende der dreissiger Jahre verfolgen. Er soll im Jahre 1542 gestorben sein.
Ein Buchdrucker ersten Ranges ist Valentin Bapst (1541 bis 1589). Seine Erzeugnisse werden von Kennern als den besten ebenbürtig erklärt. Ein reich illustriertes Werkchen sind die „Geistlyche Lieder mit einer neven Vorrede D. M. Luth.“. Interessant dürfte es manchem sein, aus dem Vorwort zu erfahren, wie ein so ernster Mann wie Luther über die Bücher-Illustration denkt:
„Wer nicht singen vnn sagen wil, das ist ein Zeichen, das ers nicht glaubet, vnn nicht ins new fröliche Testament, Sondern vnter das alte, faule, vnlustige Testament gehöret. Darumb thun die Drucker sehr vol dran, das sie gute Lieder fleissig drucken vnd mit allerley zierde, den Leuten angeneme machen, da mit sie zu solcher Frewde des Glaubens gereitzet werden, vnnd gerne singen. Wie denn dieser Druck Valentin Bapsts sehr lustig zugericht ist, Gott gebe, das damit dem Römischen Bapst, der nichts denn heulen, trawren vnd leid in aller welt hat angericht, durch seine verdampte, vntregliche vnd leidige Gesetze, grosser abbruch vnd schaden geschehe, Amen“.
Berühmt waren die Klassiker-Ausgaben von Ernst Vögelin (1559 bis 1578), dem Schwiegersohn V. Bapsts, sowohl hinsichtlich der technischen Ausführung als der Korrektheit, so dass sie den Aldinen gleich geachtet werden. Vögelin, selbst ein studierter Mann, wurde in Religionsstreitigkeiten verwickelt, flüchtete, und starb in Heidelberg 1590. Grossen Ruf erwarben sich Abraham Lamberg (1587 bis 1629), Henning Gross (1575 bis 1621), Gregorius Ritzsch (1624 bis 1643) und dessen Sohn Timotheus Ritzsch (1638 bis 1678), der bedeutende theologische und juristische Schriften verlegte.
Infolge der Reformation war der Schwerpunkt der Kultur immer mehr nach dem Norden verlegt. Hier wehte eine frischere Luft, während der Süden weit mehr dem Einfluss der katholischen Kaiser, den Einflüsterungen des Klerus und den Plackereien der kaiserlichen Bücherkommissionen und Zensoren preisgegeben war. Auch die städtischen Behörden in Frankfurt a. M. hatten nicht den Wert eines vollständig unbehelligten buchhändlerischen Verkehrs genügend erkannt.
Nichts war deshalb natürlicher, als dass der Norden sich von den Büchermessen Frankfurts zu emanzipieren und in der berühmten Messstadt des Nordens — wo die Regierung jetzt liberaleren Ansichten huldigte, die Zensur in humanerer Weise üben liess und die Bücher von der Accise befreit hatte — einen selbständigen Büchermarkt zu gründen wünschte. Zur Michaelis-Messe 1594 erschien der erste Leipziger Messkatalog, herausgegeben von dem Buchhändler und Buchdrucker Henning Gross, zu dem sich in den Jahren 1598-1619 ein zweiter Katalog von Abraham Lamberg gesellte, der 1620 mit dem von Gross vereinigt wurde. Zwar konnte Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1595 nur 68 Artikel gegen 117 in Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis ein besseres, nämlich 125 gegen 148, und 1632 trug Leipzig seinen glänzendsten Sieg davon mit 221 Werken gegen 68 aus Frankfurt. Die Messkataloge von 1565-1640 verzeichnen 8216 in Leipzig erschienene Werke, davon kommen 243, als die stärkste Zahl einer Jahresproduktion, auf das Jahr 1613.
Aber der Rückschlag der ungünstigen Zeiten sowohl für den Buchhandel als für die Buchdruckerei konnte nicht ausbleiben und Leipzig litt mit ganz Sachsen vorzugsweise unter den Drangsalen des dreissigjährigen Krieges. Mangelhafte Schriften, nachlässige Korrektur, schlechtes Papier kennzeichnen die Mehrzahl der Bücher aus damaliger Zeit. Nicht besser war es mit der Xylographie bestellt. Hiergegen halfen natürlich weder Beschränkungen der Buchdruckereien auf Leipzig, Wittenberg und Dresden, noch kurfürstl. konzessionierte Buchdruckereiordnungen, Taxen zur Regulierung der Papier- und Bücherpreise und Visitationsabschiede an die Universitäten, worin Rektor und Dekane ermahnt werden, für guten Druck und sorgfältige Korrektur zu sorgen.
Selbst nach dem endlich eingetretenen Frieden dauerte es lange, ehe sich die Buchdruckerei von ihrem tiefen Verfall erholen konnte. Trotzdem hat Leipzig, selbst aus der trübsten Periode, Druckwerke und Drucker aufzuweisen, die jeder Zeit Ehre gemacht haben würden, und hörte nie auf, namhafte Werke aus allen Gebieten der Wissenschaften an das Tageslicht zu fördern. Ein wesentlicher und andauernder Aufschwung tritt jedoch erst gegen Ende des xvii. Jahrhunderts ein. Die Zahl der angesehenen Verlagshandlungen wuchs, unter denen die von M. G. Weidmann, J. F. Gleditsch, Joh. Fritsch, Joh. Fr. Zedler, Joh. S. Heinsius zu nennen sind.
Der Messkatalog[12], dieser Gradmesser des Buchhandels, wies eine Steigerung auf. Leipzig, das Frankfurt im Jahre 1604 zum erstenmale überholt hatte und von da ab bald vorangeht bald zurückbleibt, behält nun, mit Ausnahme des Jahres 1680, die Führung und weist im Jahre 1689 310 Werke gegen Frankfurts 90 auf; 1699 319 gegen 109 und im Jubeljahre 1740 253 gegen 74. Die Zahl der Presserzeugnisse Leipzigs von 1641 bis 1740 betrug 19711, wozu das Jahr 1698 mit 401 Artikeln das stärkste Kontingent stellte.
Mit den Buchhändlern mussten die Buchdrucker Schritt halten. Unter letzteren zeichneten sich aus: Heinr. Christ. Takke durch orientalische Schriften, ganz besonders aber Bernh. Christoph Breitkopf[13]. Er war am 2. März 1695 in Klausthal geboren. 1718 kam er nach Leipzig, heiratete 1719 die Witwe des Buchdruckers Joh. Kasp. Müller, und übernahm die Buchdruckerei, die damals sehr in Verfall geraten war. Breitkopfs Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit liessen ihn jedoch Gönner finden, die ihn in den Stand setzten, sich herauszuarbeiten und den „Goldenen Bären“ zu bauen, der das Geschäft 135 Jahre lang beherbergen sollte und Veranlassung zu dem Druckerzeichen dem „Bären“ gab. Der „Silberne Bär“ ward dem goldenen gegenüber 1765-67 erbaut. Die Offizin, im Jahre 1722 die dreizehnte in der Rangordnung, war 1742 schon die dritte und der Besitzer zur Zeit des Jubelfestes 1740 angesehener Oberältester der Innung, welche damals 17 Prinzipale mit 137 Gehülfen zählte. Auf dem Boden des tüchtigen Druckerhandwerks erwuchs bald ein ansehnlicher Bücherverlag, der 1723 mit einer hebräischen Handbibel begann. Die Messkataloge von 1725 bis 1761 weisen 656 Verlagswerke Breitkopfs auf. Den wesentlichen Charakter erhielt der Verlag jedoch durch die engen Beziehungen Breitkopfs zu J. Chr. Gottsched und dessen Frau Luise, geb. Kulmus. Gottsched blieb bis zu seinem Ende Breitkopfs Freund und Hausgenosse im Goldenen Bären. Seine Druckerei übergab Breitkopf 1745 seinem Sohn; im Verlage wirkte er noch bis 1762 und starb hochbetagt und geehrt am 26. März 1777. Er erlebte es noch, wie Gottsched ihm 1736 prophezeit hatte, dass, obwohl er als der erste Buchdrucker Deutschlands gegolten hatte, sein Sohn ihn noch überstrahlte. Die Geschichte darf aber nicht vergessen, dass dies dem Sohne vielleicht nur dadurch möglich geworden ist, dass der Vater ihm die Druckerei in einem Zustande hinterliess, der ihm gestattete, sich ohne Schranken seinen, mitunter sehr kostspieligen Versuchen und Erfindungen hinzugeben.
Ein schlagendes Beispiel, wie das Buchdruckergewerbe mit dem geistigen Leben fällt und steigt, giebt WITTENBERG[14], wo Luthers Wirksamkeit die Kunst zu einer schnellen Blüte trieb. Melchior Lotter d. jüng. (1519-1523) begann die Reihe der Reformationsdrucker. Ihm folgte Georg Rhawe (1520-1548), welcher sowohl Schriften von Luther als von Melanchthon druckte. Sein Hortulus animæ mit Cranachs Zeichnungen ist ebenso geschätzt wie Gabr. Schnellboltzs Sammlung von Portraits in einer so vorzüglichen Ausführung, dass man die Zeichnungen Lucas Cranach zuschreibt. Der bekannteste unter Wittenbergs Buchdruckern ist Hans Lufft, „der Bibeldrucker“ (1525-1584). Er druckte 1534 die Luthersche Bibelübersetzung, die 1541, 1545 und 1546 in neuen Auflagen wiederholt wurde. Da auch die meisten andern Schriften Luthers aus seinen Pressen hervorgingen, so gewann sein Geschäft eine grosse Ausdehnung. Für den Bibeldruck allein arbeiteten fortwährend drei bis vier Pressen, und man behauptet, dass gegen 100000 Exemplare der Bibel aus seiner Offizin hervorgegangen sind. Die Pressen von Hans Weyss, Peter Seitz und Johann Kraft wurden ebenfalls durch die Reformation im Gang erhalten.
Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit zu kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch die Reformation fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein mehr oder weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für Werke in niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales, Publikum rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften nicht hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des xvii. Jahrhunderts eine Änderung ein.
In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang (1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564 klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule vorhanden sei.
BERLIN[15] war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk deren vor dem Schluss des xv. Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt.
Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb des Kurfürsten Joachim ii., welcher 1539 Johann Weiss, der schon seit 1525 als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg gewirkt hatte, nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die Kirchenordnung im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540.
Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende einzige Buchdruckerei von Joh. Hanaw eingegangen war, so hatte die Mark Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei.
Frankfurt a. d. O. erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort auf kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder verschwunden war, in Joh. Eichhorn aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit einem alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis 1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint.
Dieser Leonhard Thurneysser war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied, Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt fast nur von Ärzten herausgegeben wurden.
In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand von der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an seinen tüchtigen Gehülfen Michael Hentzke verkauft, der bereits 1580 starb. Dessen Witwe heiratete Nik. Voltz, einen tüchtigen Buchdrucker, der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Wilh. Hilden, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586 wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593 nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben.
Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich iii. Christoph Runge, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er bis 1607 druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten das Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre 1681[16].
Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, Georg Schultze, der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685. Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts weiteres von der Schlossdruckerei.
Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher Wissenschaft und Kunst.
DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, wie in dem Deutschlands. Der König Christian ii. begünstigte zwar die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die Fratres vitæ communis, namentlich aber durch Ludw. Dietz, der 1533 Luthers Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen so guten Klang, dass er vom König Christian iii., als dieser den Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage 1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht. Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, Hans Stockelmann, war der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten. Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an. Selbstverständlich konnte der Buchhandel keine grossen Fortschritte machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die ersten Zeitungsprivilegien erteilt.
Schriftgiessereien hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial, sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der Papierfabrikation wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war.
Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom Tycho de Brahe, neben seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken.
Um die Buchbinderei war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren berief man z. B. im Jahre 1550 Christoph Schoch aus Wittenberg und Paul Knobloch aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten Bibel Christians iii. zu binden, wofür sie neben freier Station den hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten.
Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert.
Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und erst durch Georg Höpfner wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn auch nicht viel besser. Ein Deutscher, Ernst Heinrich Berling, hatte um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und ein Versuch des Buchdruckers Jokum Wielandt, 1723, sie durch Antiqua zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit sich brachte.
In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten. Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden Buchdrucker, Tyge Nielsen aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, Valentin Kuhn.
Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten Norwegern mitgebrachte altnordische (Norräna-)Sprache und ein reges geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch dessen Schreiber, den Schweden Jon Matthiasson, in HOLUM eingerichtet und hier erschien 1531 das erste Buch Missale Nidarosiense (Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück.
In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt; 1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl xi. eine königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand Anund Olai war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen Dirigenten, tüchtiges geliefert hat.
Sowohl Gustav ii. Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina, förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese sonst bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf den Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland Peter von Selou, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke. 1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten Formenschneider und Kupferstecher Heinrich Keyser schenkte er einen, in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser, unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein Werk Insignia nobilitatis Suecanae mit sehr gut ausgeführten Wappen. Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah, zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem 1699 erfolgten Tode, vollendet wurde.
Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker Johann Jansson (nicht der berühmten Blaeu'schen Familie angehörend) nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden ihm manche Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als die Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 Peter Valdius als Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht.
Über der in Gothenburg 1650 von Amund Grefwe errichteten Offizin ruhte ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und Papier aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem grossen Teil von Gothenburg, die Druckerei ab.
In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte Paul Griis 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess. Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem Anfang des xvii. Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702 Peringskjöld.
In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte Olaus Rudbeck, bekannt durch sein grosses Werk Atlantica, sive Manheim, von welchem Band i-iii in Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698 fertig wurden. Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine Druckerei angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702, der noch in der Presse befindliche iv. Band so gründlich vernichtet wurde, dass nur 3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind.
LUND hatte 1666 durch Karl xi. seine Universität erhalten. Die Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg.