(Fünftes und sechstes Vollbild.)
Wenn euer Weg zur Schule an einem Flusse entlang führt, wo Bäume das Wasser überschatten, so werdet ihr wahrscheinlich schon ein Wasserhuhn und seine Jungen gesehen haben. Vielleicht wißt ihr auch, wo das Nest ist, das gewöhnlich zwischen Binsen oder Schilf steht oder sich auf einem Baumzweige befindet, der über dem Wasser hängt.
Das Nest besteht aus trockenen Binsen, und obwohl es ganz dicht am Wasser liegt, ist es trocken und warm. Beim Baden kann man wohl hineinsehen. Man wird gegen acht blaßgraue Eier mit rotbraunen Flecken finden. Die Eier sind auch vielleicht schon ausgebrütet, und dann sind die jungen Vögel mit der Mutter in den Binsen verborgen. Sie sehen aus wie kleine schwarze Flaumklumpen mit einem roten Fleck auf dem Kopfe und weißen Federschwänzen, und sie können laufen und schwimmen, sobald sie ausgebrütet sind. Während der ganzen Zeit, wo ihr in der Nähe seid, wird die Mutter rufen „kruck, kruck“, um euch fortzutreiben.
Das Wasserhuhn ist ein schwarzer Vogel mit einer hellroten Stirn und gelbem Schnabel. Am Rande der Flügel und unter dem Schwanze hat es weiße Federn. Wenn es im Wasser ist, schnellt es fortwährend den Kopf nach unten, so daß man die weißen Federn sieht und selbst die grünen Beine mit den roten Bändern.
Sehr bald nachdem die Jungen ausgebrütet sind, schlüpfen sie aus dem Neste und schwimmen um die Mutter herum. Wenn man ganz still in den Büschen liegt, kann man sie vielleicht ans Ufer kommen sehen, um Würmer oder Schnecken zu fressen. Dann kann man beobachten, daß die Füße nicht mit Schwimmhäuten versehen sind wie bei der Ente, sondern daß alle vier Zehen frei sind.
Aber wenn man das geringste Geräusch macht, so stößt die Mutter einen Schrei aus, der wie „krek, krek“ klingt, und alle tauchen ins Wasser und schwimmen zu einer sicheren Stelle in den Binsen. Sie kehren nicht zum Neste zurück und selbst, wenn man mit einem Stocke in die Binsen schlägt, rühren sie sich nicht. Sie wissen, daß sie in ihrem Verstecke sicher sind.
Dieser Vogel wird oft Moorhuhn genannt, weil er sich auch bisweilen auf dem Moore findet. Aber Wasserhuhn ist der bessere Name.
Wenn nun ein größerer See irgendwo in der Nähe ist, kann man das Wasserhuhn dort finden und daneben noch einen anderen Vogel, den man anfangs für ein solches halten kann, denn er taucht in ganz derselben Weise. Aber wenn man ihn genauer betrachtet, wird man erkennen, daß dieser zweite Vogel keine rote Stirn, sondern einen großen kahlen Fleck auf dem Kopfe hat, und daß er größer ist als das Wasserhuhn.
Dieser Vogel heißt Bläßhuhn wegen des weißen Streifens auf der Stirn. Wenn man ihn am Ufer beobachtet, wie er Samen oder Insekten frißt, so kann man sehen, daß die drei Vorderzehen von einer faltigen Haut umgeben sind, doch hängen sie nicht zusammen.
Aber das Bläßhuhn ist nicht leicht zu beobachten; denn es ist sehr scheu. Es fliegt weg oder taucht unter das Wasser, ehe man in seine Nähe kommen kann. Es hat scharfe Krallen, die ihm beim Klettern helfen, und mit denen es den verletzt, der es zu fangen versucht.
Das Bläßhuhn baut sein Nest in die Schwertlilien oder das Schilf und zwar so, daß es fast das Wasser berührt. Manchmal ertrinken die Jungen, wenn ein Hochwasser kommt.
Wenn ein Boot in die Nähe des Nestes kommt, so schlüpft das Bläßhuhn in das Schilf und ruft „käck, käck, käck“, um den Nahenden fortzulocken. Wenn man das Nest aber doch entdeckt, wird man ungefähr zehn Eier darin finden. Sie sehen den Eiern des Wasserhuhns ähnlich, sind aber größer und haben dunklere und kleinere Flecken. Wenn die Eier ausgebrütet sind, kann man die Jungen an der kahlen Stelle auf dem Kopfe erkennen, sonst sind sie schwarz und ähneln Flaumklumpen wie die des grünfüßigen Wasserhuhns.
Im Winter findet man Bläßhühner weder auf den Flüssen noch auf Teichen. Mit vielen anderen ihresgleichen ziehen sie nach dem Süden in wärmere Gegenden und warten dort, bis der Frühling wiederkommt.