33. Familie. Harpidae. Troschel.

Gewinde niedrig, letzter Umgang bauchig, mit regelmäßig voneinander abstehenden, scharfen Querrippen. Mündung weit, mit kurzem, weitem Ausguß. Innenlippe schwielig. Deckel fehlt. Marin.

Die typische Gattung Harpa Lam. (Silia Meyer) (Fig. 955) beginnt im Eocän und dauert bis jetzt fort.

Cryptochorda Mörch. Harpopsis Mayer (Fig. 956). Länglich eiförmig, Gewinde kurz, letzter Umgang groß, glatt, glänzend. Mündung mit kurzem, zurückgebogenem Kanal. Innenlippe schwielig. Im Eocän häufig.

Fig. 955.

Fig. 955.

Harpa mutica Lam. Grobkalk. Grignon.

Fig. 956.

Fig. 956.

Cryptochorda stromboides Lam. sp. Grobkalk. Damery bei Epernay.

34. Familie. Olividae. d'Orb.

Schale länglich eiförmig bis subzylindrisch, solid, glatt und glänzend. Gewinde kurz. Letzter Umgang sehr groß. Mündung schmal, Außenlippe scharf; Spindel vorne mit einer nach außen umgeschlagenen Schwiele. Kanal sehr kurz. Kreide bis jetzt. Marin.

Oliva Brug. (Fig. 957). Schale subzylindrisch, glänzend; Naht durch eine vertiefte Rinne bezeichnet. Spindelschwiele schräg gefaltet. Kreide bis jetzt.

Ancillaria Lam. (Fig. 958). Länglich eiförmig bis subzylindrisch. Nähte von einer glänzenden Schmelzschicht bedeckt. Mündung vorne etwas erweitert. Spindelende schwielig und etwas gedreht. Kreide bis jetzt.

Fig. 957.

Fig. 957.

Oliva clavula Lam. Miocän. Dax bei Bordeaux.

Fig. 958.

Fig. 958.

Ancillaria glandiformis Lam. Miocän. Steinabrunn.

35. Familie. Cancellariidae. Adams.

Schale eiförmig bis turmförmig, Gewinde zugespitzt, letzter Umgang bauchig; Oberfläche quergerippt und meist durch Spiralrippen gegittert. Mündung mit kurzem Kanal oder Ausguß. Innenlippe mit schiefen Falten, Außenlippe innen gefurcht. Ob. Kreide bis jetzt. Marin.

Die typische Gattung Cancellaria Lam. (Fig. 959) ist am häufigsten im jüngeren Tertiär und in der Jetztzeit.

Fig. 959.

Fig. 959.

Cancellaria cancellata Lin. Miocän. Gainfahrn bei Wien.

36. Familie. Terebridae. Adams.

Schale turmförmig, schlank, zugespitzt, letzter Umgang klein. Mündung oval oder vierseitig. Kanal kurz, gebogen. Außenlippe scharf. Deckel hornig.

Von den beiden Gattungen Terebra Lam. (Fig. 960) und Acus Humphr. zeichnet sich erstere durch eine der Sutur parallel laufende Linie aus, welche eine schmale Nahtbinde verursacht. Tertiär und lebend.

Fig. 960.

Fig. 960.

Terebra acuminata Borson. Miocän. Baden bei Wien.

37. Familie. Pleurotomidae. Stol.

Schale spindelförmig, mit ziemlich hohem Gewinde; Mündung länglich, vorne in einem mehr oder weniger verlängerten Kanal verlaufend. Außenlippe unter der Naht mit einem Schlitz oder einer Ausbuchtung. Deckel hornig, zuweilen fehlend. Kreide bis jetzt. Marin.

Gegen 700 lebende und über 900 fossile Arten beschrieben, davon ca. 20 aus der Kreide.

Pleurotoma Lam. (Fig. 961. 962. 964. 968). Spindelförmig, Kanal gerade; Innenlippe glatt. Deckel spitz eiförmig, mit terminalem Nucleus. Kreide bis jetzt.

Fig. 961.

Fig. 961.

a Pleurotoma notata Brocchi var. (= Pl. monilis Hörnes). Miocän. Baden bei Wien.

b Pleurotoma (Surcula) Lamarcki Bell. Miocän. Baden bei Wien.

c Pleurotoma (Surcula) Belgica Nyst. Oligocän. Weinheim bei Alzey.

Fig. 962.

Fig. 962.

a Pleurotoma (Genota) ramosa Bast. Miocän. Grund, Ungarn.

b Pleurotoma (Cryptoconus) filosa Lam. Grobkalk. Grignon.

Fig. 963.

Fig. 963.

Clavatula asperulata Lam. Grund, Ungarn.

Subgenera: Surcula Ad. (Fig. 961 b, c), Genota Ad. (Fig. 962 a), Dolichotoma (Fig. 964), Oligotoma, Rouaultia Bellardi, Cryptoconus v. Koenen (Fig. 962 b), Drillia, Bela Gray, Lachesis Risso, Pholidotoma Cossm., Beisselia Holzapfel etc.

Clavatula Lam. (Fig. 963). Wie vorige, aber Außenlippe mit seichter, dreieckiger Bucht. Deckel mit Nucleus in der Mitte des Vorderrandes. Kreide bis jetzt.

Subgenera: Pseudotoma, Clinura Bellardi.

Borsonia Bellardi (Fig. 965). Einschnitt der Außenlippe seicht, Spindel mit 1-2 Falten. Deckel unbekannt. Eocän bis jetzt.

Mangilia Risso (Fig. 966). Klein, spindelförmig, Außenlippe meist etwas verdickt, hinten mit seichtem Ausschnitt, Spindel glatt. Deckel fehlt. Tertiär und lebend.

Subgenera: Clathurella Carp. (Fig. 967 a), Homotoma (Fig. 967 b), Raphitoma (Fig. 969), Atoma Bellardi, Daphnella Hinds, Eucithara Fischer etc.

Fig. 964.

Fig. 964.

Pleurotoma (Dolichotoma) cataphracta Brocchi. Miocän. Baden bei Wien.

Fig. 965.

Fig. 965.

Borsonia Deluci Nyst. Unter-Oligocän. Lattdorf bei Bernburg.

Fig. 966.

Fig. 966.

Mangilia angusta Jan. Pliocän. Occiano bei Pisa.

Fig. 967.

Fig. 967.

a Mangilia (Clathurella) strombillus Duj. Miocän. Kienberg bei Wien.

b Mangilia (Homotoma) reticulata Brocchi. Pliocän. Sassuolo bei Modena.

Fig. 968.

Fig. 968.

Pleurotoma (Drillia) incrassata Duj. Miocän. Steinabrunn bei Wien. (2/1).

Fig. 969.

Fig. 969.

Mangilia (Raphitoma) vulpecula Brocchi. Pliocän. Sassuolo bei Modena.

38. Familie. Conidae. Adams.

Schale eingerollt, verkehrt kegelförmig bis subzylindrisch. Gewinde kurz, konisch; Mündung lang, schmal, vorne mit Ausguß. Außenlippe scharf, unter der Naht zuweilen mit Ausschnitt, Innenlippe glatt. Deckel hornig. Kreide bis jetzt. Marin.

Die Kegelschnecken stehen gegenwärtig in höchster Blüte, sind aber auch im Tertiär ziemlich häufig. Sie resorbieren vom vorletzten Umgang an die innere Schalenschicht vollständig.

Die typische Gattung Conus Lin. (Fig. 970) wird von den Konchyliologen in zahlreiche Subgenera zerlegt, die jedoch durch vielfache Übergänge verbunden sind.

Conorbis Swainson zeichnet sich durch hohes Gewinde und gebogene, hinten mit tiefem Ausschnitt versehene Außenlippe aus. Eocän und Oligocän.

Fig. 970.

Fig. 970.

a Conus ponderosus Brocchi. Miocän. Lapugy, Siebenbürgen.

b Conus Parisiensis Desh. Eocän. Grignon bei Paris.

B. Ordnung. Heteropoda. Lam. Keilschnecken.
(Nucleobranchiata Blv.)

Zu den Heteropoden gehören nackte oder beschalte, freischwimmende und pelagische Meerschnecken mit gesondertem Kopf und hochentwickelten Sinnesorganen. Herz, Kiemen, Geschlechtsorgane und Nervensystem sind wie bei den Ctenobranchiern, die Radula wie bei den Tänioglossen beschaffen. Durch den zu einer vertikalen Flosse umgestalteten Fuß erhalten sie jedoch ein von den Prosobranchiern total abweichendes Aussehen. Sie zeigen sich meist abends in großen Schwärmen an der Oberfläche des Wassers und schwimmen sehr rasch, wobei sie den Rücken nach unten, den Flossenfuß nach oben kehren. Es sind ungemein zarte, häufig durchscheinende, bald nackte, bald mit leichten dünnen Schalen versehene Organismen.

Von den zwei auch fossil in jungtertiären Ablagerungen nachgewiesenen Gattungen hat Carinaria Lam. eine mützenförmige, gekielte, glasartige Schale; bei Atlanta Lesson (Fig. 971) ist die zarte Schale spiral in einer Ebene aufgerollt und die Mündung mit Schlitz versehen.

Die große Ähnlichkeit von Atlanta und Oxygyrus mit gewissen paläozoischen Bellerophontiden macht eine Verwandtschaft beider wahrscheinlich. Letztere unterscheiden sich nur durch massivere, dickere, zuweilen buntgefärbte Schalen von den lebenden Heteropoden.

Fig. 971.

Fig. 971.

Atlanta Peronii Lesueur. Recent. Atlantischer Ozean.

C. Ordnung. Opisthobranchia. M. Edw.

Nackte oder beschalte, hermaphroditische Schnecken, deren Kiemen hinter dem Herzen frei auf dem Rücken oder auf der Seite liegen. Herz mit einer Vorkammer.

Die Opisthobranchier senden das venöse Blut nicht, wie die Prosobranchier, von vorne, sondern von hinten her in den Vorhof des Herzens; die Kiemen liegen weit hinten in Gestalt mehr oder weniger verästelter Blätter, entweder in zwei Reihen auf dem Rücken oder kranzförmig um den After oder in Büscheln auf der rechten Seite. Dieselben werden häufig vom Mantel bedeckt und sind zuweilen verkümmert. Die Radula erinnert an jene der Lungenschnecken. Der Körper und das Nervensystem zeigen meist bilateral symmetrischen Bau.

Den meisten Opisthobranchiern fehlt die Schale (Nudibranchia), nur bei den Tectibranchina ist dieselbe vorhanden und zwar bald klein und zart, bald groß und spiral gewunden. Sie bewohnen geschützte Orte an der Meeresküste und bevorzugen sandigen und schlammigen Boden.

Fossile Vertreter beginnen schon in paläozoischen Ablagerungen; in Trias, Jura und Kreide entwickeln einige ausgestorbene Genera großen Formenreichtum, im Tertiär finden sich vorzugsweise Arten von noch jetzt existierenden Gattungen.

1. Familie. Actaeonidae. d'Orb.

Schale eiförmig bis subzylindrisch; Mündung lang, schmal, vorne abgerundet, seltener mit breitem Ausguß. Innenlippe vorne häufig mit Querfalten. Deckel hornig. Karbon bis jetzt.

Die lebenden Formen sind meist klein, die fossilen teilweise massiv und ziemlich groß.

Actaeonina d'Orb. (Orthostoma Desh.) (Fig. 972. 973). Schale oval bis spindelförmig, meist glatt, selten spiral gestreift. Gewinde konisch, letzter Umgang sehr groß, gegen unten verschmälert. Spindel gerade, ohne Falten, Außenlippe scharf. Karbon bis jetzt.

Subgenera: Euconactaeon, Conactaeon Meek (Lias), Douvilleia Bayle (Tertiär).

Cylindrites Fer. (Fig. 974). Zylindrisch-eiförmig mit kurzem Gewinde. Spindel vorne mit Falte. Trias bis Kreide.

Bullina Fer. (Fig. 975). Jura bis jetzt, Cylindrobullina v. Ammon (Trias, Lias).

Etallonia Desh. (Jura, Tertiär), Bullinula Beck etc.

Actaeonella d'Orb. (Fig. 976. 977). Dickschalig, bauchig, glatt; Gewinde kurz; Spindel vorne verdickt mit drei scharfen Falten. Sehr häufig in der mittleren und oberen Kreide; hauptsächlich in Hippuritenkalken der Alpen verbreitet.

Fig. 972.

Fig. 972.

Actaeonina Dormoisiana d'Orb. Koralrag. Valfin, Ain.

Fig. 973.

Fig. 973.

Actaeonina myosotis Buv. Koralrag. St. Mihiel, Meuse. (2/1) (Nach Buvignier.)

Fig. 974.

Fig. 974.

Cylindrites acutus Sow. sp. Groß-Oolith. Minchinhampton, England.

Fig. 975.

Fig. 975.

Bullina exerta Desh. Oligocän. Jeurres bei Étampes. (Nach Deshayes.)

Fig. 976.

Fig. 976.

Actaeonella gigantea Sow. Turonkreide. Grünbach, Niederösterreich.

Fig. 977.

Fig. 977.

Actaeonella voluta Goldf. Turon. Gams, Steiermark.

Subgenus: Volvulina Stol. (Fig. 978). Wie vorige, aber Gewinde eingesenkt. Kreide.

Actaeon Montf. (Tornatella Lam.) (Fig. 979). Oval, Gewinde mäßig hoch, Oberfläche spiral gestreift oder spiral punktiert. Spindel vorne mit 1-3 Querfalten. Trias bis jetzt.

Volvaria Lam. Zylindrisch, Gewinde eingerollt, verhüllt. Oberfläche spiral gestreift; Mündung eng. Spindel vorne mit mehreren Falten. Eocän.

Fig. 978.

Fig. 978.

Actaeonella (Volvulina) laevis Sow. Turonkreide. Gosau.

Fig. 979.

Fig. 979.

Actaeon simulatus Sow. sp. Oligocän. Lattdorf bei Bernburg.

Fig. 980.

Fig. 980.

a Cinulia (Avellana) incrassata Mant. sp. Gault. Perte du Rhône. b Cinulia (Ringinella) lacryma Mich. Gault. Folkestone. c Cinulia (Eriptycha) decurtata Zekeli. Turonkreide. Gosau.

Fig. 981.

Fig. 981.

Ringicula Hörnesi Seguenza. Miocän. Steinabrunn bei Wien.

Cinulia Gray (Fig. 980). Kugelig, bauchig, spiral gefurcht oder punktiert. Gewinde kurz; Mündung halbmondförmig; Außenlippe umgeschlagen und verdickt; Spindel und Innenlippe mit mehreren Querfalten. Kreide.

Subgenera: Avellana, Ringinella d'Orb., Eriptycha Meek., Fortisia Bayan. Eocän.

Ringicula Desh. (Fig. 981). Klein, oval bis kugelig, dickschalig. Gewinde kurz; letzter Umgang groß, meist glatt, Mündung mit Ausguß; Innenlippe schwielig mit 2-3 Falten, Außenlippe verdickt, umgeschlagen. Kreide bis jetzt.

2. Familie. Bullidae. d'Orb.

Schale dünn, zylindrisch bis kugelig, eingerollt, glatt oder mit punktierten Spirallinien; Gewinde kurz oder eingesenkt und verhüllt. Mündung lang, vorne abgerundet, Außenlippe scharf. Trias bis jetzt. Marin.

Bulla Klein (Fig. 982). Bauchig, glatt, Gewinde eingesenkt, Scheitel durchbohrt. Mündung vorne und hinten abgerundet. Jura bis jetzt.

Hydatina Schum., Haminea Leach., Atys Montf.

Cylichna Lovèn (Fig. 983). Klein, zylindrisch, solid. Gewinde eingesenkt, involut. Mündung spaltförmig, Spindel vorne verdickt mit schwacher Falte. Trias bis jetzt.

Fig. 982.

Fig. 982.

Bulla ampulla Lin. Pliocän. Asti, Piemont.

Fig. 983.

Fig. 983.

Cylichna conoidea Desh. Oligocän. Weinheim bei Alzey.

Fig. 984.

Fig. 984.

Acera striatella Lam. Oligocän. Castel Gomberto bei Vicenza.

Fig. 985.

Fig. 985.

Philine excarata Desh. Eocän. (Grobkalk.) Grignon.

Fig. 986.

Fig. 986.

Scaphander conicus Desh. Eocän. Bracklesham, England.

Acera Müll. (Fig. 984). Dünnschalig, biegsam; Gewinde abgestutzt, Umgänge durch vertiefte Nähte getrennt. Außenlippe hinten von dem Gewinde abgelöst. Eocän bis jetzt.

Scaphander Montf. (Fig. 986). Schale subzylindrisch mit Epidermis, spiral gestreift. Gewinde eingehüllt. Mündung vorne stark erweitert, hinten verengt. Kreide bis jetzt.

Philine Ascan. (Bullaea Lam.) (Fig. 985). Kreide bis jetzt.

Die Familien Umbrellidae und Aplysiidae sind durch seltene Arten von Umbrella Lam. und Aplysia Phil. auch im Pliocän vertreten. Umbrella angeblich sogar schon im Jura.

D. Ordnung. Pteropoda. Cuv. Flossenfüßer.[52]

Nackte oder beschalte hermaphroditische, pelagische Mollusken ohne deutlich gesonderten Kopf, mit rudimentären Augen und statt des Fußes zwei seitliche, flügelförmige Flossen am Vorderende des Körpers. Kiemen hinter dem Herzen.

Der Körper dieser freischwimmenden Meeresmollusken ist bald länglich gestreckt, bald hinten spiral eingerollt; zuweilen von einer dünnen durchscheinenden Schale umgeben (Thecosomata), häufiger nackt (Gymnosomata). Sie halten sich in dichten Schwärmen in der offenen See auf und kommen erst in der Dunkelheit an die Oberfläche. Ihre Schalen sind zuweilen in ungeheurer Menge auf dem Meeresgrund angehäuft und bilden daselbst Kalkabsätze von ansehnlicher Verbreitung.

Cuvier hatte die Pteropoden als selbständige Klasse den Gastropoden gegenübergestellt, allein nach den Untersuchungen von Pelseneer verhalten sie sich zu den Opisthobranchiern, wie die Heteropoden zu den Prosobranchiern; es sind pelagisch gewordene Hinterkiemener, deren Fuß zu einem zweilappigen Schwimmorgan umgewandelt wurde, während gleichzeitig der Kopf verkümmerte. Die Radula ist sehr mannigfaltig ausgebildet, das Herz hat nur eine Vorkammer.

Manche beschalte Pteropoden (Limacidae) besitzen einen hornigen Deckel, bei anderen fehlt ein solcher.

Fossile, den jetzt lebenden Formen verwandte Pteropoden finden sich nicht sonderlich häufig im Tertiär und in der oberen Kreide. Im Pliocän und Oligocän sind zuweilen tonige Schichten von meist schlecht erhaltenen zusammengedrückten Cleodoren erfüllt.

In paläozoischen Ablagerungen und zwar schon im Kambrium spielen Pteropoden ähnliche Schalen (Conularia, Tentaculites, Hyolithes) eine wichtige Rolle. Dieselben wurden von d'Archiac, Verneuil, G. Sandberger,[53] Barrande[54] und vielen anderen Autoren[55] unbedenklich den Pteropoden beigesellt. Erst Neumayr und Pelseneer[56] sprechen sich neuerdings mit großer Entschiedenheit gegen ihre Vereinigung mit den Pteropoden aus, ohne denselben jedoch einen besseren Platz in dem zoologischen System anweisen zu können. Neumayrs Vorschlag, die Tentaculiten und paläozoischen Styliolen den tubicolen Anneliden zuzuweisen, wurde von Nicholson durch mikroskopische Untersuchung der Schalen widerlegt. Die schon von Miller, Fleming, Hall und später wieder von Ihering befürwortete Hypothese, wonach die Conularien als Verwandte der Orthoceraten zu den Cephalopoden zu stellen seien, konnte niemals ernstlich begründet werden.

Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß namentlich Conularien und Hyolithen sowohl durch ihre Größe als auch durch den Bau ihrer Schale und vermutlich auch durch ihre Lebensweise erheblich von den recenten Pteropoden abweichen; aber trotz der von Pelseneer[57] so scharf betonten Differenzen, stehen sie doch unter allen beschalten Organismen den Pteropoden am nächsten und können keiner anderen Abteilung der Mollusken mit größerer Wahrscheinlichkeit angeschlossen werden.

Unterordnung. Thecosomata.

1. Familie. Limacinidae. Gray.

Schale dünn, spiral, linksgewunden mit glasartigem, paucispiralem Deckel.

Die Gattungen Spirialis Eyd., Limacina Cuv., Embolus Jeffreys finden sich ganz vereinzelt im Tertiär (Eocän und Pliocän). Valvatina Watelet ist für flache, linksgewundene Schälchen aus dem Pariser Grobkalk, Planorbella Gabb. für ähnliche aus dem Miocän von San Domingo errichtet.

2. Familie. Cavoliniidae. Fischer.

Schale symmetrisch dünn, glasig, bauchig, pyramidal oder konisch röhrenförmig, nicht spiral.

Fig. 987.

Fig. 987.

a Cavolinia (Hyalaea) tridentata Forsk. Recent.

b, c Cavolinia (Gamopleura) Taurinensis Sism. Miocän. Turin.

Cavolinia Gioeni (Hyalaea Lam., Gamopleura Bellardi) (Fig. 987). Schale kugelig, seitlich gekielt und geschlitzt, hinten zugespitzt, aus zwei ungleichen gewölbten Stücken zusammengesetzt, wovon eines das andere an der Mündung helmartig überragt. Recent und fossil im Miocän und Pliocän von Italien.

Cleodora Péron u. Lesueur (Fig. 988 a). Pyramidenförmig, dreikantig, hinten zugespitzt, vorne erweitert. Recent und tertiär. Im Pliocän des Monte Mario bei Rom, von Messina und Turin häufig. Auch im Oligocän des Mainzer Beckens und im Crag von England.

Balantium Leach. (Flabellulum, Poculina Bellardi) (Fig. 988 b). Wie vorige, aber im Querschnitt elliptisch, Oberfläche häufig von der Spitze an mit divergierenden Rippen. Lebend und fossil in Neogen und oberer Kreide (B. fabelliforma Blanckenh.).

Vaginella Daudin (Fig. 988 c). Scheidenförmig bis zylindrisch, konisch, häufig zusammengedrückt, hinten zugespitzt, glatt, Querschnitt elliptisch. Obere Kreide und Tertiär.

Fig. 988.

Fig. 988.

a Cleodora pyramidata Lin. Pliocän. Monte Mario bei Rom.

b Balantium recurvum A. Ad. Schale mit Tier (nach Adams).

c Vaginella depressa Daudin (Cleodora strangulata Desh.). Miocän. Dax bei Bordeaux.

Fig. 989.

Fig. 989.

a Styliola recta Lesueur. Recent (nach Adams).

b Styliola striatula Nov. Devon. (Et. H). Zusammengedrücktes Exemplar. Hlubocep, Böhmen. (3/1).

c Ein Stück Schiefer mit Styliola clavulus Barr. Devon (Et. H). Hostin bei Prag. (Nat. Gr.)

Cuvieria Rang, Triptera Quoy. (Fibiella O. Meyer). Lebend und tertiär. Euchilotheca Fischer, Bovicornu O. Meyer. Eocän.

Styliola Lesueur (Creseis Rang, Crisia Menke) (Fig. 989). Konisch-röhrenförmig, hinten zugespitzt, vorne erweitert, im Querschnitt rund. Lebend und tertiär. Im Devon von Böhmen, Nassau, Ural, Nordamerika finden sich zuweilen in großer Menge glatte, drehrunde, längsgestreifte, konische Röhren, deren hintere Spitze zu einer kleinen Blase angeschwollen ist. Sie unterscheiden sich äußerlich nicht wesentlich von Styliola oder Creseis. Ähnliche Röhren beschreibt Blanckenhorn auch aus der oberen Kreide von Syrien.

Anhang.
Formen von zweifelhafter Stellung.

1. Familie. Tentaculitidae. Walcott.

Dickschalige schlanke verlängert konische Röhren von rundem Querschnitt, hinten zugespitzt oder mit einer Embryonalblase beginnend; Oberfläche mit parallelen erhabenen Querringen verziert. Der hintere Teil der Schale öfters durch Kalkmasse ausgefüllt oder durch konkave Querböden abgeschlossen.

Die einzige Gattung Tentaculites Schloth. (Fig. 990) ist ungemein häufig in Silur- und Devonablagerungen und erfüllt zuweilen ganze Schichten. Die Schale besteht aus einer dichten Außenschicht und einer aus parallelen, der Oberfläche gleichlaufenden Blättern zusammengesetzten Innenschicht. Die von Ludwig und Blanckenhorn aus dem Oligocän beschriebenen angeblichen Tentaculiten sind dünnschalige, quergerippte konische Röhren, die wohl eher in die Nähe von Styliola und Euchilotheca gehören.

2. Familie. Torellellidae. Holm.

Dickschalige, glatte, quer- oder längsgestreifte, hinten zugespitzte, gerade oder gebogene Röhren ohne Deckel. Kambrium. Silur.

Torellella Holm. Stark zusammengedrückt, vorne und hinten abgeplattet, im Querschnitt elliptisch, fein quergestreift; aus bräunlichem phosphorsaurem Kalk bestehend. Kambrium, Silur (Schweden).

Hierher wohl auch Hyolithellus, Salterella Billings, Coleoloides Walcott aus dem unteren Kambrium von Nordamerika.

Fig. 990.

Fig. 990.

a Tentaculites scalaris Schloth. Unt. Silur. Diluvialgeschiebe. Berlin. (Nat. Größe.)

b Tentaculites ornatus Sow. Ob. Silur. Dudley. (Nat. Größe.)

c Tentaculites acuarites Richt. Ob. Silur. (Tentaculitenknollen.) Thüringen. (10/1) In dem größeren Exemplar steckt ein kleineres. (Nach Novák.)

3. Familie. Hyolithidae. Nicholson.[58]

Schale symmetrisch, konisch oder pyramidenförmig, gerade oder scharf gebogen, im Querschnitt dreieckig, elliptisch oder linsenförmig, eine Seite häufig abgeplattet, die andere gewölbt oder in der Mitte mit stumpfem Kiel. Oberfläche glatt oder fein quer gestreift, selten längsgestreift oder gerippt. Deckel die Mündung vollständig schließend, halbkreisförmig, dreieckig oder linsenförmig mit seitlichem Nucleus, konzentrisch gestreift. Kambrium bis Perm.

Die ziemlich großen Schalen bestehen aus kohlensaurem Kalk und sind am hinteren Ende zuweilen durch Querscheidewände abgeschlossen.

Nach Holm zerfällt die typische Gattung Hyolithes Eichwald (Theca Sow., Pugiunculus Barr.) (Fig. 991) in zwei Subgenera, wovon Orthotheca Novák die Formen mit gerade abgestutztem Oberende enthält, während bei Hyolithes der Rand der abgeplatteten Seite über den der anderen Seite vorragt. Die Gattungen Cleidotheca, Centrotheca Salter, Camerotheca, Diplotheca Matthew, Pharetrella Hall, Ceratotheca, Bactrotheca Novák fallen in die Synonymik von Hyolithes. Hauptverbreitung in kambrischen und silurischen Ablagerungen von Schweden, Nordamerika, Großbritannien, Rußland, Böhmen, seltener in Devon, Karbon und Perm.

Pterotheca Salter, Phragmotheca Barr. Silur, Matthewia Walcott, Kambrium.

Fig. 991.

Fig. 991.

a, b Hyolithes elegans Barr. Unt. Silur (D). Lodenice, Böhmen. (Etwas verkleinert.)

c Hyolithes maximus Barr. Oberer Teil restauriert. Von der Seite gesehen, mit Deckel. (1/2.)

d Deckel von Hyolithes maximus Barr. Kambrium (Et. C). Mleschitz. Böhmen. (Nach Barrande.)

4. Familie. Conulariidae. Walcott.

Schale gerade, in der Jugend mit der Spitze festgewachsen, verkehrt pyramidal, hinten zugespitzt oder abgestutzt, im Querschnitt quadratisch bis rhombisch, meist scharfkantig. Jede der vier quergestreiften oder quergerippten Seitenflächen außen durch eine Medianfurche, welcher innen eine vertikale Leiste entspricht, in zwei Hälften geteilt. Das hintere Ende der Schale mit Scheidewänden. Mündung an gut erhaltenen Exemplaren durch vier dreieckige oder zungenförmige eingebogene Lappen des Oberrandes verengt.

Die einzige Gattung Conularia Mill. (Fig. 992, 993) erreicht zuweilen eine Länge von 20 cm. Es sind gegen 100 Arten beschrieben, welche im unteren Silur beginnen und im Lias erlöschen. Hauptverbreitung im Silur von Böhmen, Normandie, England, Schweden, Nordamerika und im Devon von Nordamerika und Bolivien. Selten im Karbon und Perm; je eine Art in Trias und Lias.

Fig. 992.

Fig. 992.

Conularia anomala Barr. Unt. Silur (D). Drabov, Böhmen.

Fig. 993.

Fig. 993.

Conularia quadrisulcata Sow. Oberer Kohlenkalk von Williamswood bei Glasgow. Mit wohlerhaltenen Mundrändern (nach Etheridge).

E. Ordnung. Pulmonata. Cuv. Lungenschnecken.

Beschalte oder nackte hermaphroditische Schnecken mit Lunge. Herz mit einer Vorkammer hinter der Lunge. Fuß breit, söhlig. Deckel fehlt. Meist Land- oder Süßwasserbewohner.

Neben den Prosobranchiern bilden die Lungenschnecken die formenreichste Gruppe der Gastropoden. Man kennt gegen 6000 lebende und ca. 700 fossile Arten. Die wichtigsten und artenreichsten Gattungen (Helix, Bulimus, Clausilia) leben auf dem Land, andere (Planorbis, Limnaeus, Physa) ausschließlich im süßen Wasser. In anatomischer Hinsicht stehen die Pulmonaten zwischen den Opisthobranchiern und Prosobranchiern. Die Kiemen sind durch eine sackförmige Höhle auf der rechten Seite hinter dem Kopf ersetzt, deren Decke mit einem feinverzweigten Netz von Blutgefäßen eingenommen ist, und welcher eine verschließbare Öffnung (Spiraculum) die Luft zuführt.

Die Süßwasserschnecken kommen zum Atmen entweder an die Oberfläche des Wassers oder sie benutzen ihre Lunge zur Wasseratmung. Ein eigentlicher Deckel fehlt, doch sperren viele Landschnecken während des Winterschlafes ihre Mündung durch ein Kalkblatt (Epiphragma) ab, das im Frühjahr wieder abfällt. Die ältesten Landpulmonaten beginnen vereinzelt in der Steinkohlenformation; sie finden sich nur spärlich in Jura und Kreide, werden in der Tertiärzeit häufiger, erreichen aber erst in der Jetztzeit ihre höchste Formenentwicklung.

Die Thalassophilen und Auriculiden kommen stets in marinen, die übrigen Pulmonaten fast ausschließlich in Süßwasserablagerungen vor; sie sind meist mit anderen Süßwasserorganismen vermengt und in der Regel durch Regen oder fließendes Wasser in ehemalige Sümpfe oder Ästuarien verschwemmt.

1. Unterordnung. Thalassophila. Gray.

Schale napf- oder niedrig kegelförmig, ohne Gewinde, etwas unsymmetrisch. Tiere außer der Lungenhöhle noch mit einer Kieme versehen. Tentakeln mit dem scheibenförmigen Kopf verschmolzen. Augen sitzend.

Die Thalassophilen bewohnen die Littoralzone der Ozeane oder brackische Ästuarien. Fossil vom Devon an. Die beiden Familien der Siphonariiden und Gadiniiden sind durch ihre Schalen allein nicht voneinander zu unterscheiden.

Siphonaria Blainv. (Fig. 994). Schale meist radial gerippt. Wirbel nach hinten oder links gebogen, im Innern zwei ungleiche Muskeleindrücke, welche rechts vorne durch eine breite Furche unterbrochen sind. Tertiär und lebend.

Fig. 994.

Fig. 994.

Siphonaria crassicostata Desh. Eocän. Anvers bei Paris.

Fig. 995.

Fig. 995.

Hercynella Bohemica Barr. Ob. Silur (Et. F). Lochkow, Böhmen.

Hercynella Kayser (Fig. 995) Devon, Anisomyon Meek und Hayden. Jura. Kreide.

Valenciennesia Rousseau. Sehr dünnschalig, breit schüsselförmig, konzentrisch gerippt. Wirbel dem Hinterrand genähert. Rechte Seite mit einer breiten Falte für die Atemröhre. In brackischen Congerienschichten von Ungarn, Rumänien und Südrußland.

2. Unterordnung. Basommatophora. A. Schmidt.

Augen am Grunde der beiden Fühler gelegen; stets beschalt. Wasserbewohner.

1. Familie. Auriculidae. Blainv.

Schale dick, eiförmig, Gewinde kurz, letzter Umgang sehr groß. Innenlippe oder Spindel mit Falten. Kreide bis jetzt. Bewohnen Meeresküsten und salzige Sümpfe.

Auricula Lam. (Fig. 996). Länglich oval mit Epidermis; Mündung schmal, unten gerundet, Innenlippe mit 2-3 Falten, Außenlippe innerlich verdickt, zuweilen mit Zähnen. Jura bis jetzt.

Subgenera: Cassidula Fér., Plecotrema Ad., Alexia Leach (Fig. 997), Pythiopsis Sandb. (Fig. 998).

Carychium Mke. (Fig. 999). Klein, glatt, glänzend. Innenlippe mit 1-2 Falten, Außenlippe verdickt, zuweilen mit Zahn. Jura, tertiär und lebend.

Scarabus Montf. (Polyodonta Fischer und Waldh.), Melampus Montf., Leuconia Gray, Blauneria Shuttlew. etc. Tertiär und lebend.