Fig. 1088.

Fig. 1088.

Vertikaler Durchschnitt A durch einen zellulosen Aptychus, B durch Aptychus profundus, C durch Aptychus punctatus, vergrößert. (Nach Meneghini und Bornemann.)

Im Vergleich mit der auffallenden Übereinstimmung der Nautiloideen- und Ammonoideenschalen in Bezug auf äußere Form, Verzierung, Struktur, Kammerung und Beschaffenheit des Sipho und der Suturlinie erscheinen ihre Differenzen als ziemlich unerhebliche graduelle Abweichungen. Das einzige durchgreifende Merkmal zur Unterscheidung der beiden Unterordnungen liefert die Anfangskammer.

Leopold v. Buch unterschied zuerst die drei Gattungen Goniatites, Ceratites und Ammonites, und teilte darauf die Gattung Ammonites wieder in »Familien« ein, welche mit Adjektivbezeichnung versehen wurden (Falciferi, Amalthei, Planulati etc.); die Zahl dieser Familien erfuhr durch spätere Autoren eine beträchtliche Vermehrung, allein für die überwiegende Mehrzahl der fossilen Ammonshörner wurde der Kollektivname Ammonites beibehalten, und nur die sogenannten Nebenformen (Crioceras, Ancyloceras, Turrilites, Baculites, Rhabdoceras etc.) erhielten besondere Namen.

Für die Unterscheidung der »Familien« und Gattungen waren äußere Form und Verzierung der Schale, sowie die Beschaffenheit der Suturlinie maßgebend. Sueß machte auf die systematische Bedeutung des Mundsaums und der Wohnkammerlänge aufmerksam und führte statt der bisherigen Adjektivbezeichnungen einige neue Gattungsnamen (Phylloceras für Heterophylli, Lytoceras für Lineati, Arcestes für Globosi) ein. Andere Autoren wie Hyatt, Waagen, Mojsisovics, Neumayr etc. folgten dem von Sueß gegebenen Beispiel und errichteten für die Ammonoidea zahlreiche Gattungen, die wieder in verschiedene Familien gruppiert wurden. Branco teilt nach der Embryonalkammer alle Ammonoidea in Asellati, Latisellati und Angustisellati ein, und Fischer unterscheidet nach der Beschaffenheit der Siphonaldüten Retrosiphonata und Prosiphonata. Mojsisovics nennt die glatten oder schwachverzierten triasischen Ammoniten mit zahlreichen Seitenloben Leiostraca, die stark skulptierten, mit normaler Lobenzahl ausgestatteten Formen Trachyostraca. A. Hyatt[66] teilt die Ammonoideen nach den Typen der Sattelbildungen in 9 Gruppen ein: Gastrocampyli, Microcampyli, Mesocampyli, Eurycampyli, Glossocampyli, Discocampyli, Phyllocampyli, Leptocampyli, Pachycampyli. Nach der Lage des Sipho zerfallen die Ammonoidea in Intrasiphonata und Extrasiphonata.

A. Intrasiphonata. Zitt.

Sipho auf der Internseite.

Familie. Clymeniidae. Münst.[67]

Schale weit genabelt, flach scheibenförmig, glatt, fein gestreift, seltener quer berippt. Suturlinie mit einfachen Loben und Sätteln. Anfangskammer asellat. Devon.

Die Clymenien haben mit gewissen Nautiloidea, zu denen sie früher allgemein gestellt wurden, die interne Lage des Sipho gemein und unterscheiden sich dadurch von allen Ammonoidea. Ihre asellate Embryonalkammer stimmt jedoch vollständig mit jener der älteren Goniatiten überein. Auch in der Ausbildung der Suturlinie stehen sie den Goniatitiden nahe, doch vermißt man häufig wegen der internen Lage des Siphos einen Externlobus. Die Siphonaldüten richten sich konstant nach hinten und besitzen zuweilen ansehnliche Länge, so daß sie wie bei manchen Nautiliden (Aturia) trichterförmig ineinander stecken. Die Wohnkammer nimmt 1/2 bis einen Umgang ein. Die Mündung besitzt eine seichte Externbucht, selten ganz kurze Seitenohren. Die Suturlinie bildet auf den Seiten einen, selten mehrere wellig gebogene Lateralloben, unter dem Sipho einen Internlobus und auf der meist gerundeten Externseite einen konvexen Sattel, der zuweilen durch einen Sekundärlobus geteilt wird. Frech vermutet die primitive Goniatitengattung Mimoceras Hyatt (Gyroceras Münst.) als Stammform der Clymeniidae. Sämtliche Clymeniidae gehören ausschließlich der oberen Abteilung des Devon an. Sie finden sich häufig im Fichtelgebirge, in der Grafschaft Glatz (Ebersdorf), seltener in Westfalen, Thüringen, Belgien, England, im Ural und in Nordamerika.

Fig. 1089.

Fig. 1089.

Suturlinie von Clymenia (Cyrtoclymenia) laevigata Mstr.

Fig. 1090.

Fig. 1090.

Clymenia (Oxyclymenia) undulata Mstr. Ober-Devon. Elbersreuth, Fichtelgebirge.

Fig. 1091.

Fig. 1091.

Suturlinie von Clymenia (Cymaclymenia) striata Mstr.

Fig. 1092.

Fig. 1092.

Clymenia (Gonioclymenia) speciosa Mstr. Ober-Devon. Schübelhammer, Fichtelgebirge. 1/2 nat. Größe.

Die Gattung Clymenia v. Münst. (Planulites Münst.) (Fig. 1089-1092) wurde ursprünglich für sämtliche Vertreter dieser Familie aufgestellt, aber später von Gümbel, Hyatt und Frech in mehrere Sektionen (Subgenera) zerlegt.

a) Cyrtoclymenia Gümb. (Fig. 1089). Siphonaldüten kurz. Externsattel breit, ungeteilt; nur ein breiter, gerundeter Laterallobus vorhanden. C. laevigata annulata, binodosa, flexuosa Münst.

b) Oxyclymenia Gümb. (Fig. 1090). Wie vorige, aber Laterallobus zugespitzt. C. undulata, striata Münst.

c) Cymaclymenia Gümb. (Fig. 1091). Wie vorige, aber an der Naht noch ein zweiter Lobus vorhanden. C. bilobata Münst.

d) Gonioclymenia Gümb. (Fig. 1092). Siphonaldüten lang, trichterförmig, ineinander steckend. Seiten gerippt; Externteil abgeplattet. Externsattel durch einen tiefen Medianlobus und jederseits durch einen Adventivlobus geteilt. Seitenloben zackig. C. speciosa, subarmata Münst.

B. Extrasiphonata. Zitt.

Sipho auf der Externseite.

1. Familie. Goniatitidae. v. Buch (emend. Zitt.).

Schale spiral, selten stabförmig, glatt, quer oder spiral gestreift oder gerippt, genabelt oder ungenabelt, außen meist gerundet. Loben und Sättel einfach, fast immer ungezackt; ein bis viele Lateralloben vorhanden. Wohnkammer lang (1 bis 11/2 Umgänge). Mündung am Externteil meistens mit Ausbuchtung, selten mit Seitenohren. Siphonaldüten nach hinten gerichtet, kurz. Embryonalkammer asellat oder latisellat. Obersilur bis Perm.

Die Goniatiten sind die ältesten und primitivsten Vertreter der Ammonoidea und haben ihre Hauptverbreitung im Devon und älteren Karbon. Sie erreichen selten bedeutende Größe, unterscheiden sich von den Clymeniden durch den externen Sipho, von den meisten übrigen Ammoniten durch die höchst einfache Sutur und den ventralen Ausschnitt der Mündung, welcher auch durch den Verlauf der Zuwachslinien angedeutet wird. Die ältesten Formen haben nur einen, die jüngeren zwei Seitenloben.

a) Unterfamilie. Aphyllitinae. Frech. emend. Pompeckj.
(Bactritinae und Aphyllitinae Frech.)

Stabförmig oder in evoluter Spirale gewachsen. Skulptur und Mundrand mit tiefem Externsinus und seitlichen Verbiegungen. Externlobus eng, ungeteilt. Der einzige Laterallobus flach bis zugespitzt.

Fig. 1093.

Fig. 1093.

Bactrites elegans Sandb. Ober-Devon. Büdesheim, Eifel.

a Exemplar in nat. Gr.

b Suturlinie. (Nach Sandberger.)

Fig. 1094.

Fig. 1094.

Goniatites (Anarcestes) plebejus Barr. Devon. (Et. G). Hlubocep, Böhmen. (Nach Barrande.)

Fig. 1095.

Fig. 1095.

Goniatites (Anarcestes) subnautilinus Schloth. Mitteldevon. Wissenbach, Nassau.

Bactrites Sandb. (Fig. 1093). Schlank kegel- bis stabförmig, gerade, im Querschnitt rund oder elliptisch. Sipho dünn, randständig. Suturlinie mit trichterförmigem Siphonallobus, seitlich sehr schwach gebogen. Anfangskammer länglich eiförmig. Devon.

Anarcestes Mojs. (Fig. 1094, 1095). Ziemlich weit genabelt, außen gerundet. Wohnkammer lang. Externlobus trichterförmig, ungeteilt; nur ein flacher Seitenlobus vorhanden. Unteres und mittleres Devon.

Mimoceras Hyatt (Gyroceras Mstr. Frech.). (Fig. 1096). Scheibenförmig, weit genabelt, außen gerundet, die ersten Umgänge in offener Spirale. Einziger Seitenlobus sehr flach. Devon.

Fig. 1096.

Fig. 1096.

Goniatites (Mimoceras) compressus Beyr. Mittel-Devon. Wissenbach, Nassau.

a, b Steinkern in nat. Größe, c die zwei ersten Umgänge, vergrößert.

Fig. 1097.

Fig. 1097.

Goniatites (Aphyllites) occultus Barr. Devon (Et. G.). Hlubocep bei Prag. (Nach Barrande.)

Aphyllites Mojs. (Agoniatites Meek) (Fig. 1097). Nabel ziemlich eng; Umgänge seitlich flach, außen abgeplattet mit zurückspringenden Zuwachsstreifen. Einziger Seitenlobus flach und breit. Obersilur (im Kellerwald), Devon. A. Dannenbergi Beyr., A. evexus v. Buch.

Pinacites Mojs. Devon.

Tornoceras Hyatt. (Fig. 1098). Nabel eng oder fehlend. Umgänge außen gerundet. Externlobus kurz, ungeteilt, Laterallobus tief, gerundet, seltener zugespitzt, von einem großen und breiten Externsattel begrenzt. Ob. Devon. T. simplex v. Buch, T. sublaeve Mstr.

Maeneceras Hyatt (Fig. 1099). Involut, seitlich mit zurückgeschwungenen Linien verziert, außen gerundet. Externlobus kurz, ungeteilt. Externsattel mit Adventivlobus, Seitenlobus zugespitzt. Devon. M. acuto-laterale Sandb.

Fig. 1098.

Fig. 1098.

Goniatites (Tornoceras) simplex v. Buch. Ober-Devon. Büdesheim, Eifel.

Fig. 1099.

Fig. 1099.

Suturlinie von Goniatites (Maeneceras) terebratus Sandb.

b) Unterfamilie. Cheiloceratinae. Frech.

Schale enggenabelt; Wohnkammer 1 Umgang und länger. Mundrand und Anwachsstreifen gerade. Steinkern häufig mit Einschnürungen. Externlobus ungeteilt, 1-2 schmale Loben auf den Seiten; Sättel breit.

Cheiloceras Frech (Tornoceras aut. e. p., Parodoceras Hyatt e. p.). Äußere Form wie Tornoceras, aber ohne Externsinus. Oberdevon.

Brancoceras Hyatt (Prionoceras Hyatt) (Fig. 1100, 1101). Schale involut, außen gerundet. Externlobus ungeteilt; Außensattel schmal, Laterallobus tief, häufig zugespitzt, Lateralsattel breit, ungeteilt. Ob. Devon, Karbon. B. globosum Mstr. Devon. B. Belvalianum de Kon. Karbon.

Fig. 1100.

Fig. 1100.

Goniatites (Brancoceras) rotatorius de Kon. Kohlenkalk. Tournay, Belgien.

Fig. 1101.

Fig. 1101.

Suturlinie von Goniatites (Brancoceras) sulcatus Mstr. Ob. Devon. Fichtelgebirge.

Fig. 1102.

Fig. 1102.

Suturlinie von Goniatites (Sporadoceras) Münsteri v. Buch.

Sporadoceras Hyatt (Fig. 1102). Wie vorige, jedoch die beiden Seitenloben und Sättel gleich groß; der zweite Lateralsattel breit, gerundet. Externlobus kurz. Ob. Devon. S. bidens Sandb.

Ibergiceras Karp. Wie Sporadoceras, aber Externlobus tief. Unter-Karbon. I. tetragonus Roem.

c) Unterfamilie. Gephyroceratinae. Haug, Frech.

Engnablig, scheibenförmig. Wohnkammer kürzer als ein Umgang. Skulptur und Mundrand mit Externsinus. Externlobus mit Mediansattel, meistens zwei Seitenloben, oft 1 Auxiliarlobus. Lateralsattel breit.

Gephyroceras Hyatt (Manticoceras Hyatt) (Fig. 1103). Schale involut oder genabelt. Externlobus tief, durch einen breiten Sekundärsattel geteilt. Laterallobus von einem breiten vorspringenden Externsattel begrenzt. Die abgeplatteten Formen werden von Hyatt als Manticoceras, die dicken genabelten als Gephyroceras unterschieden. G. calculiforme, intumescens, aequabile Beyr., G. complanatum Sandb. Devon.

Timanites (Mojs.) emend. Holzapfel (Höninghausia Gürich, Probeloceras Clarke). Flach, mit zugeschärfter Externseite; Wohnkammer 1/2 Umgang. 1-2 Hilfsloben. Oberdevon. T. acutus Keys. T. (Probeloceras) Lutheri Clarke.

Nomismoceras Hyatt. Wie vorige, aber flach scheibenförmig, weitgenabelt. Karbon. N. vittatum, spirorbis Phill.

Dimorphoceras Hyatt. Enggenabelt, hochmündig, Außenseite gerundet. Externlobus und manchmal auch der Laterallobus zweilappig. Karbon. D. Gilbertsoni Phill. sp.

An Dimorphoceras sind möglicherweise die durch gekerbte Sättel und gezackte Loben ausgezeichneten Gattungen Thallassoceras Gemm. (Perm) und Ussuria Dien. (untere Trias) anzuschließen.

Fig. 1103.

Fig. 1103.

Goniatites (Gephyroceras) intumescens Beyr. Ob. Devon. Nassau.

a Exemplar in nat. Größe, b Suturlinie.

d) Unterfamilie. Prolecanitinae. (Hyatt e. p.) Frech.

Ziemlich weitnablig, mit niedrigen Windungen; Externseite mit weitem, tiefem Sinus. 2 Seitenloben und ein oder mehreren Auxiliarloben; Sättel zungenförmig, Loben zugespitzt.

Prolecanites Mojs. (Pharciceras Hyatt) (Fig. 1104). Schale weitgenabelt, scheibenförmig, glatt oder quer gestreift. Externlobus ungeteilt. Sättel einfach schmal, vorne gerundet, keulenförmig, an der Basis etwas eingeschnürt. Loben zugespitzt. Ob. Devon, Karbon. P. tridens Sandb., P. Becheri Goldf. Devon. P. Henslowi Sow. Karbon.

? Phenacoceras? Pseudarietites Frech. Oberdevon.

Fig. 1104.

Fig. 1104.

Prolecanites lunulicosta Sandb. Ober-Devon Nassau. (Nach Sandberger.)

e) Unterfamilie. Beloceratinae. Frech.

Flachscheibenförmig, enggenabelt, hochmündig mit zugeschärfter Externseite. Loben und Sättel zugespitzt, zahlreiche Adventiv- und Auxiliarloben.

Beloceras Hyatt (Fig. 1105). Devon.

f) Unterfamilie. Glyphioceratinae. Foord u. Crick.

Eng- bis weitgenabelt; Windungen meistens breit, häufig mit deutlicher Längsskulptur. Wohnkammer 1 Umgang und mehr einnehmend. Mundrand gerade oder mit Externsinus, selten mit Seitenohren. Externlobus mit großem, meist geteiltem Mediansattel. Lobenzahl schwankend, 2-7, Sättel gerundet, Loben meist zugespitzt.

Glyphioceras Hyatt (Münsteroceras, Homoceras Hyatt) (Fig. 1106, 1107). Involute, enge oder ungenabelte, glatte oder fein gestreifte, außen gerundete Schalen. Externlobus durch Sekundärsattel geteilt. Externsattel schmal, gerundet oder zugespitzt. Laterallobus spitz, tief. Lateralsattel breit gerundet; über der Naht häufig noch ein kleiner Hilfslobus. Karbon und Permokarbon. G. Oweni Hall, G. sphaericum Martin, G. crenistria Phil., G. diadema Goldf. etc.

Fig. 1105.

Fig. 1105.

Beloceras multilobatum Beyr. sp. Ober-Devon. Adorf, Westfalen.

Fig. 1106.

Fig. 1106.

Goniatites (Glyphioceras) sphaericus Goldf. Kohlenkalk. Suttrop, Westfalen.

Fig. 1107.

Fig. 1107.

Suturlinie von Goniatites (Glyphioceras) diadema Goldf. Kohlenkalk. Choquier bei Lüttich.

Gastrioceras Hyatt (Fig. 1108). Schale genabelt, Umgänge meist spiral gestreift, häufig auch quer gerippt und mit Nabelknoten versehen; außen breit gerundet, mit Einschnürungen. Außenlobus breit und tief, durch einen Sekundärsattel geteilt; nur ein tiefer, zungenförmiger, kurz zugespitzter Laterallobus vorhanden. Karbon, Perm. G. Listeri Phill. G. Jossae M. V. K.

Paralegoceras Hyatt.

Pericyclus Mojs. Wie Glyphioceras, jedoch Umgänge mit einfachen, außen zurückgebogenen Querrippen verziert. Karbon. P. princeps de Kon.

Fig. 1108.

Fig. 1108.

Goniatites (Gastrioceras) Jossae M. V. K. Permokarbon. Artinsk, Ural.

Agathiceras Gemm. (Adrianites Gemm.). Kugelig oder scheibenförmig, eng- oder weitgenabelt, außen breit gerundet, spiral oder quer verziert. Mündung etwas eingeschnürt, zu beiden Seiten des Externteils ein schmaler Vorsprung. Sättel keulenförmig, hinten etwas eingeschnürt, ungezackt. Loben nicht zerschlitzt, kurz zugespitzt. Perm. Sicilien und Ural.

Doryceras, Clinolobus Gemm. Perm. Sicilien.

g) Unterfamilie. Pronoritinae. Pompeckj.

Ziemlich weitgenabelt und niedermündig. Loben und Sättel zahlreich; Sättel meist gerundet, Externlobus gewöhnlich dreispitzig, erster Seitenlobus ganzrandig oder gezackt.

Sandbergeroceras Hyatt (Triainoceras Hyatt) (Fig. 1109). Scheibenförmig, weitgenabelt, Umgänge mit Querrippen, außen breit gerundet; Externlobus ungeteilt oder dreispitzig. Seitenloben gerundet. S. tuberculoso-costatum Sandb. Ob. Devon.

Fig. 1109.

Fig. 1109.

Suturlinie von Sandbergeroceras tuberculoso-costatum Sandb. Ober-Devon.

Pronorites Mojs. (Fig. 1110). Scheibenförmig, glattgenabelt, außen gerundet oder abgeplattet, zuweilen mit schwachem Kiel. Externlobus dreispitzig; erster Seitenlobus zweispitzig, die folgenden Loben einspitzig. Karbon und Perm. P. praepermicus Karp.

? Daraelites Gemm. Mäßig weitgenabelt, außen gerundet, Seiten mit am Externteil zurückgebogenen Querstreifen. Außenlobus breit, durch einen in der Mitte tief eingeschnittenen Sekundärsattel geteilt. Außensattel viel kürzer als der erste Lateralsattel; die zwei ersten Lateralloben im Grund fein gezackt. Perm. D. Meeki Gemm. Sicilien.

Fig. 1110.

Fig. 1110.

Pronorites cyclolobus Phill. sp. Kohlenkalk. Grassington. Yorkshire. (Nach Phillips.)

2. Familie. Medlicottiidae. Karpinsky emend. Pompeckj.

Schale flach scheibenförmig, enggenabelt, hochmündig. Windungen seitlich komprimiert, glatt, selten mit Spirallinien. Externseite meistens gefurcht, häufig mit 2 Seitenkielen oder mit Querfurchen, seltener gerundet oder zugeschärft. Suturlinie mit zahlreichen Auxiliarloben, öfters auch mit Adventivloben. Sättel zungenförmig, vorne gerundet oder zugespitzt, meistens ganzrandig, seltener mit einzelnen seitlichen Einschnitten; Externsattel bei Medlicottia hoch mit zahlreichen seitlichen Einschnitten. Loben meistens zweispitzig. Hauptsächlich im Perm, seltener in der Trias.

Die Medlicottiidae schließen sich wahrscheinlich an die Pronoritinae (Goniatitidae) an.

Parapronorites Gemm. Enggenabelt, glatt, außen gerundet. Externlobus dreizackig. Externsattel schmal und kurz, erster Laterallobus mit vier, die übrigen mit zwei Zacken. Perm. Sicilien und Artinsk. P. Konincki Gemm.

Fig. 1111.

Fig. 1111.

Lobenlinie von Medlicottia primas Waag. Permokarbon. Salt range. (Nach Waagen.)

Fig. 1112.

Fig. 1112.

Medlicottia Trautscholdi Gemm. Permokarbon. Sosio, Sicilien. (Nach Gemmellaro.)

Medlicottia Waagen (Fig. 1111, 1112). Hochmündig, flach scheibenförmig, enggenabelt. Externteil beiderseits mit scharfem Kiel, dazwischen Furche. Außensattel schmal, sehr hoch, vorne gerundet, auf den Seiten mit Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig, die Lateralsättel vorne gerundet, mit einfachem oder einmal eingeschnittenem Körper. Perm. Untere Trias. Ostindien, Ural, Sicilien. M. primas Waagen, M. Orbignyi Vern.

Propinacoceras Gemm. Ungenabelt, scheibenförmig, Seiten flach und glatt; Externteil mit Medianfurche und Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig, die Sättel schmal, vorne gerundet oder kurz zugespitzt. Extern- und erster Laterallobus viel tiefer als die übrigen Loben; dazwischen ein sehr breiter Externsattel, der durch einen sehr kurzen und einen etwas tieferen zweispitzigen Adventivlobus zerteilt ist. Perm. Sicilien und Ural. P. Beyrichi Gemm.

Sicanites Gemm. Schale flach, genabelt; Externteil schmal mit Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig. Externsattel schmal, kürzer als der erste Lateralsattel. Perm. Sicilien.

Pseudosageceras Dien. Flachscheibenförmig, enggenabelt, Externseite zugeschärft. Sättel schmal, oben gerundet. Hauptlobus drei- und vierspitzig, Adventiv- und Auxiliarloben zweispitzig. Untere Trias. Ostsibirien.

Fig. 1113.

Fig. 1113.

Sageceras Haidingeri Hauer sp. Obere Trias. Hallstadt.

Sageceras Mojs. (Fig. 1113). Flach scheibenförmig, hochmündig, Externteil kantig begrenzt. Loben und Sättel sehr zahlreich; erstere zweispitzig. Die Sättel schmal zungenförmig, vorne abgerundet, seitlich nicht eingeschnitten. Die außerhalb des tiefsten Laterallobus gelegenen Loben und Sättel sind Adventivloben und -sättel. Trias der Alpen und Californien.

3. Familie. Ceratitidae. v. Buch.

Schale genabelt, meist mit Querrippen oder Knotenreihen verziert, zuweilen schrauben- oder stabförmig. Wohnkammer kurz; Mündung normal, außen etwas vorgezogen. Suturlinie einfach oder die Loben gezackt, die Sättel vorne breit, ganzrandig oder sehr schwach gezähnelt. Seitenloben meist wenig zahlreich, Externlobus durch Sekundärsattel geteilt und häufig tiefer als der erste Laterallobus. Perm und Trias.

? Paraceltites Gemm. (Paralecanites Dien.). Flach scheibenförmig, weitnablig, niedermündig. Windungsquerschnitt oval, Externseite gerundet oder mit stumpfen Seitenkanten. Skulptur aus feinen Radialfältchen bestehend, auf der Externseite zurückgebogen. Loben und Sättel ganzrandig, gerundet zungenförmig, Externlobus breit, zweiteilig, erster Laterallobus tief, zweiter ganz seicht ohne Auxiliarloben. P. Höferi Gemm. Perm. Sicilien. P. sextensis Dien. Bellerophonkalk, Südtirol.

Lecanites Mojs. Weitgenabelt, evolut. Windungen niedrig, flach mit abgeflachter Externseite, glatt oder mit zarten Sichellinien. Loben und Sättel ganzrandig, zungenförmig, ein kleiner Auxiliarlobus kann angedeutet sein. Trias. L. glaucus Mstr. St. Cassian.

Ambites Waag. Unt. Trias. Indien.

Ophiceras Griesb. (Gyronites Waag.). Weitnablig, Windungen höher als breit, Externseite gerundet; glatt oder mit flachen Radialfalten, selten mit zarter Spiralstreifung. Wohnkammer 1/2-3/4-Windung. Mundrand einfach, mit Einschnürung. Loben fein gezähnt. Sättel lappenförmig, ganzrandig, ein Hilfslobus. Oberes Perm, untere Trias. Indien, Ostsibirien. O. tibeticum Griesb.

Prionolobus Waag. (Meekoceras Hyatt e. p.) Weitnablig, Windungen flach, glatt oder mit flachen Radialfalten. Außer 2 feingezackten Seitenloben ein vielzackiger Hilfslobus. Untere Trias. Indien.

Paranorites Waag. Wie Prionolobus, aber mit einem Adventivlobus. Untere Trias. Indien.

Flemingites Waag. Weitnablig, Windungen evolut, oval; meist mit groben Radialfalten auf den Flanken, mit feiner Spiralskulptur. Loben grob gezähnt, ein Hilfslobus. Untere Trias. Indien.

Aspidites Waag. (Meekoceras Hyatt e. p.) Engnablig, mit flachen, hohen, glatten Windungen, Externseite schmal. Externlobus und Seitenloben grob gezähnt, zahlreiche grobe Auxiliarzacken. Untere Trias. Indien, Alpen.

Koninckites Waag. Proptychites Waag.

Beneckeia Mojs. Flach scheibenförmig, glatt, eng genabelt, hochmündig, außen zugeschärft. Loben und Sättel ganzrandig, zahlreich; Externlobus kurz. Im Röth und im untersten Muschelkalk (Wellendolomit). B. (Ceratites) Buchi Alb. sp.

Otoceras Griesb. Engnablig, hochmündig, Windungsquerschnitt, pfeilspitzförmig, Externseite scharfkantig, selten stumpf. Nabel tief trichterförmig mit erhöhter Randkante. Loben gezähnt, erster Laterallobus tiefer als der zweispitzige Externlobus, 2 und mehr kleine Hilfsloben. Sättel breit zungenförmig, ganzrandig, erster Lateral meistens der größte. Wohnkammer länger als 1/2 Umgang. Oberes Perm, untere Trias. Armenien, Indien, Ostsibirien. O. Woodwardi Griesb.

Hungarites Mojs. Oberes Perm, untere Trias.

Xenodiscus Waagen. Hochmündig, scheibenförmig, enggenabelt, außen gerundet. Seiten glatt oder schwach gerippt. Sättel vorne gerundet, ganzrandig; Loben im Grund schwach gezackt, nur zwei Seitenloben vorhanden. Perm von Ostindien und untere Trias von Nordasien und Ostindien.

Celtites Mojs. (Tropiceltites Mojs.) Weit genabelt. Umgänge niedrig, rechteckig, außen gerundet, seitlich mit einfachen kräftigen, nach vorne gebogenen Querrippen. Suturlinie einfach, meistens nur zwei ungezackte Seitenloben vorhanden. C. Arduini Mojs.; bei C. epolensis Mojs., C. laevidorsatus, C. rectangularis Hauer sp. sind die Seitenloben zweiteilig. Untere bis obere Trias. Indien, Alpen.

Sibirites Mojs. Weit genabelt; Umgänge mit kräftigen Querrippen, die sich neben dem Externteil in zwei Äste spalten und über denselben fortsetzen. Loben und Sättel wenig zahlreich, ungezackt. Unt. Trias von Sibirien. S. (Ceratites) Eichwaldi Keys.; ferner im Himalajah, im Hallstadter Kalk und in Peru.

Stephanites Waag. Unt. Trias. Indien.

Dinarites Mojs. Genabelt, außen gerundet. Seiten glatt oder mit einfachen, geraden Rippen, die in der Regel mit einem Knoten beginnen. Seitenloben wenig zahlreich, ganzrandig oder schwach gezähnelt. Untere und mittlere Trias. Alpen, Dalmatien, Ostsibirien. D. Dalmatinus Hauer, D. Avisianus Mojs.

Fig. 1114.

Fig. 1114.

Tirolites Cassianus Quenst. sp.
Campiler Schichten. Grones-Hof bei St. Cassian.

Tirolites Mojs. (Fig. 1114). Weit genabelt, außen breit, Seiten mit einfachen Querrippen, die in kräftigen Randknoten endigen. Nur zwei Seitenloben vorhanden, der erste schwach gezackt; Sättel breit, ganzrandig. Unt. Trias. Alpen.

Balatonites Mojs. Trias.

Proteusites v. Hauer. Schale anfänglich involut, kugelig, später weit genabelt. Wohnkammer eingeschnürt. Umgänge dick, außen breit gerundet, auf den Seiten mit einfachen Querfalten. Sättel ganzrandig, selten schwach gezackt, Loben gezähnelt. Muschelkalk. Bosnien. P. Kellneri, multiplicatus Hauer.

Fig. 1115.

Fig. 1115.

Ceratites nodosus de Haan. Muschelkalk. Würzburg. a, b Exemplar in 1/3 nat. Gr., c Suturlinie auf der Außenseite, d erster und zweiter Laterallobus und Hilfsloben über der Naht, sowie sämtliche Internloben unter der Naht.
Fig. 1116.

Fig. 1116.

Ceratites trinodosus Hauer. Muschelkalk. Bakony, Ungarn.
(Nach Mojsisovics.)

Fig. 1117.

Fig. 1117.

Badiotites Eryx Mstr. sp. Keuper.
St. Cassian, Tyrol.

Fig. 1118.

Fig. 1118.

Arpadites Cinensis Mojs. Keuper.
Esino, Lombardei.

Fig. 1119.

Fig. 1119.

Polycyclus nasturtium Dittmar sp. Keuper. Sandling bei Aussee.

Fig. 1120.

Fig. 1120.

Choristoceras Marshi Hauer. Rhät. Kendelengraben am Osterhorn, Salzburg.

Ceratites de Haan (Haaniceras Bayle) (Fig. 1115, 1116). Genabelt; außen ziemlich breit, gerundet oder abgeplattet. Seiten meist mit einfachen oder gespaltenen Rippen bedeckt, welche außen zu Randknoten und an den Spaltungsstellen zu Seitenknoten anschwellen. Sättel vorne ganzrandig, Loben schwach gezähnelt. Externlobus kurz, breit. Internlobus schmal, tief, zweispitzig. Häufig und in vielen Arten verbreitet in der unteren und mittleren Trias, hauptsächlich im Muschelkalk der germanischen Provinz[68] (C. nodosus de Haan, C. semipartitus v. Buch, C. enodis Quenst.), der Alpen (C. trinodosus [Fig. 1116] Mojs., C. binodosus Hauer etc.), Ungarn, Bosnien, Spanien, Nordsibirien (C. Middendorfi Keys.), Kirgisensteppen, Himalaja, Japan, Spitzbergen.

Heraclites, Phormedites, Thisbites, Clionites, Steinmannites, Glyphidites, Badiotites (Fig. 1117), Danubites, Japonites Mojs., Clydonites Hauer, Reiflingites Arth. Trias.

Arpadites Mojs. (Fig. 1118). Wie Ceratites, aber flach, scheibenförmig; Externteil mit Furche, meistens mit 2 Kielen. Buchensteiner, Wengener, St. Cassianer und Esino-Schichten. A. Manzonii Mojs.

Tibetites Mojs. Flache, involute Formen, mit Längsfurche auf der Externseite, mit flachen Radialfalten, Seitensättel tief gespalten. Ob. Trias. Himalaja.

Anatibetites, Paratibetites, Hauerites Mojs. Ob. Trias. Himalaja.

Helictites, Polycyclus Mojs. (Fig. 1119). Trias.

Fig. 1121.

Fig. 1121.

Cochloceras Fischeri Hauer. Keuper. Sandling bei Aussee. (Nach Hauer).

Fig. 1122.

Fig. 1122.

Rhabdoceras Suessi Hauer. Keuper. Sandling bei Aussee. (Nach Hauer.)

Choristoceras Hauer (Fig. 1120). Weit genabelt, letzter Umgang teilweise von den übrigen abgelöst. Seiten mit einfachen, auf dem Externteil durch eine Furche unterbrochenen und meist mit ein oder zwei Knotenreihen versehenen Rippen. Erster Laterallobus zweispitzig, die übrigen ganzrandig. Rhät. Alpen.

Cochloceras Hauer (Fig. 1121). Schale schraubenförmig, links gewunden. Umgänge mit Querrippen. Loben und Sättel einfach. Ob. Trias. Alpen.

Rhabdoceras Hauer (Fig. 1122). Schale stabförmig, gerade, Oberfläche mit schrägen Rippen. Suturlinie einfach. Ob. Trias. Alpen.

4. Familie. Ptychitidae. Mojs. (emend. Pompeckj).

Schale meist eng genabelt, außen verschmälert, selten gekielt. Flanken mit sichelförmigen Falten bedeckt oder glatt. Wohnkammer kurz, höchstens 1 Umgang. Suturlinie mit zahlreichen Hilfsloben. Loben und Sättel meistens schlank und hoch, fein gezackt bis tief geschlitzt. Mittlere und obere Trias.

Fig. 1123.

Fig. 1123.

Ptychites flexuosus Mojs. (Am. Studeri Hauer p. p.). Muschelkalk. Schreyer Alp, Salzburg.

Ptychites Mojs. (Plicosi Beyr., Rugiferi Oppel) (Fig. 1123). Schale involut, eng genabelt, dick scheibenförmig, Externseite verschmälert, gerundet, die Seiten mit flachen sichelförmigen Falten. Runzelschicht öfters vorhanden. Mundsaum außen vorgezogen, zuweilen etwas eingeschnürt. Loben und Sättel mäßig gezackt; Außenlobus seicht. Außensattel kürzer als der erste Lateralsattel. Trias, hauptsächlich im Muschelkalk. Norddeutschland (P. dux Gieb. sp., megalodiscus Beyr. sp.), Alpen (P. Studeri Hauer sp., opulentus Mojs.), Bakony, Bosnien, Ostindien, Spitzbergen.

Beyrichites Waag. (Meekoceras Mojs. e. p.). Flach scheibenförmig, engnablig, mit gerundeter, verschmälerter Externseite und flachen Falten auf den Flanken. Lobenlinie weniger geschlitzt wie bei Ptychites, die Sattelendigungen bei manchen Formen noch ganzrandig. Muschelkalk. Alpen, Ostindien. B. Reuttense Mojs. sp., Khanikoffi Opp. sp.

Carnites Mojs. Ob. Trias. C. floridus Wulfen sp.

Sturia Mojs. Scheibenförmig, eng genabelt, außen zugeschärft, mit Spiralstreifen verziert. Externlobus groß mit breitem Mediansattel, Hauptloben meist zweispitzig. Mittlere und obere Trias; Alpen, Bosnien, Indien. St. Sansovini Mojs.

Gymnites Mojs. (Fig. 1124) (Buddhaites Dien.). Weit-, seltener enggenabelt und hochmündig, innere Windungen glatt bis schwach gefaltet, die äußeren zuweilen mit sichelförmigen Faltenrippen und flachen Knoten auf der Flankenmitte. Externseite gerundet bis zugeschärft. Suturlinie der inneren Umgänge schwach, der äußeren besonders bei eng genabelten Formen aber stark zerschlitzt; Hilfsloben einen tief herabhängenden Suspensivlobus bildend. (Die Suturen der innersten Windungen erinnern an die Gattung Daraelites Gemm. aus dem Perm Siciliens, ob aber dadurch ein genetischer Zusammenhang beider Gattungen bedingt wird, ist unentschieden.) Trias, hauptsächlich im Muschelkalk der Alpen, Bosniens und Indiens. G. incultus Mojs., Breuneri Mojs., Credneri Mojs., subclausus Hauer.