Subgenera: Ptychopyge, Megalaspis Angelin, Megalaspides Brög., Basilicus, Brachyaspis Salt., Isotelus Dekay., Onchometopus F. Schmidt, Asaphellus Callaway, Cryptonymus Eichw., Symphysurus Goldf. Tremadoc. Unt. Silur.
Nileus Dalm. Stark gewölbt, undeutlich, dreilappig, mit breiter Achse. Glabella glatt. Hypostoma am Hinterrand kaum ausgeschnitten. Pygidium glatt, kurz, ohne Achse. Unt. Silur. N. Armadillo Dalm.
Illaenus Dalm. (Fig. 1297). Kopfschild und Pygidium groß, halbkreisförmig. Glabella undeutlich begrenzt, glatt. Augen klein, glatt. Umschlag des Kopfschildes mit Schnauzenschild. Hypostoma gewölbt, oval, hinten gerundet. Rumpf mit 10 (oder 8-9) Segmenten; Pleuren meistens glatt. Pygidium glatt, mit kurzer, schwach entwickelter Achse. Häufig im unteren Silur von Europa, Asien und Nordamerika.
Fig. 1297.
a Illaenus Dalmanni Volb. Unt. Silur. Pulkowa bei St. Petersburg. b, c, Illaenus crassicauda Dalm. Unt. Silur. Dalekarlien. (Nach Holm.)
Subgenera: Octillaenus, Panderia Salt. mit 8, Dysplanus Burm. mit 9, Illaenus, Ectillaenus Salt. mit 10 Rumpfsegmenten. Illaenopsis Salt. mit gefurchten Pleuren.
Bumastus Murch. Wie Illaenus, aber die Rhachis des Rumpfes kaum von den Pleuren getrennt. Unt. und ob. Silur.
Stygina, Psilocephalus Salter. Unt. Silur.
Aeglina Barr. (Fig. 1298). Glabella hochgewölbt, glatt, durch Furchen von den Wangen getrennt. Augen enorm groß, facettiert. Rumpf mit 5 bis 6 Segmenten, Pleuren gefurcht. Unt. Silur.
Fig. 1298.
Aeglina prisca Barr. Unt. Silur (Et. D). Vosek, Böhmen. a nat. Gr., b, c vergr. (Nach Barrande.)
6. Familie. Bronteidae. Barr.
Körper breit oval. Kopfschild groß, mit deutlich begrenzter, nach vorn stark verbreiterter, schwach dreilappiger Glabella; Gesichtsnähte vom Hinterrand neben den sichelförmigen Augen vorbei zum Vorderrand verlaufend. Rumpf mit 10 Segmenten, Pleuren nicht gefurcht, schwach gewulstet. Pygidium sehr groß, mit ganz kurzer Achse, von welcher zahlreiche Furchen ausstrahlen.
Einzige Gattung Bronteus Goldf. (Fig. 1299). Häufig im oberen Silur und unteren Devon.
Fig. 1299.
a Bronteus palifer Beyr. Devon (Et. F). Konieprus, Böhmen. Kopfschild, b Bronteus umbellifer Beyr. Devon (Et. F). Slivenetz, Böhmen. Pygidium. (Nach Barrande.)
7. Familie. Phacopidae. Salter.
Kopfschild und Pygidium fast gleich groß. Glabella und Rhachis durch tiefe Furchen begrenzt. Gesichtsnähte am Außenrand vor den Hinterecken beginnend und vor der Glabella vereinigt. Augen mit wenig zahlreichen Facetten. Hypostoma gewölbt, fast dreieckig, ohne seitlichen Saum. Rumpf mit 11 Segmenten. Pleuren gefurcht. Silur. Devon.
Phacops Emmrich (Fig. 1300, 1301). Kopfschild parabolisch mit gerundeten Hinterecken. Glabella vorne stark verbreitert. Augen groß, facettiert. Pygidium hinten gerundet. Ob. Silur bis ob. Devon in Europa und Nordamerika.
Trimerocephalus M'Coy. Augen klein, aus wenig großen Facetten bestehend. Ob. Silur und Devon.
Acaste Goldf. (Fig. 1303). Hinterecken des Kopfes abgerundet oder spitz. Glabella mit starken Seitenfurchen. Pygidium mit 11 Segmenten, häufig zugespitzt. Silur.
Pterygometopus Schmidt (Fig. 1302), Chasmops M'Coy. Unt. Silur.
Dalmania Emmrich (Fig. 1304, 1305). Kopfschild mit zu Stacheln verlängerten Hinterecken. Glabella mit zahlreichen Seitenfurchen. Pygidium mit mehr als 11 Segmenten, hinten zugespitzt. Häufig (ca. 100 Arten) im Silur von Europa, Nordamerika und Ostindien.
Odontocephalus Conr., Cryphaeus Green. Devon.
Fig. 1302.
Pterygometopus sclerops Dalm. sp. Unt. Silur. Iswos, Esthland. (Nach Schmidt.)
Fig. 1304.
Dalmania caudata Emmr. (Asaphus limulurus Green). Ob. Silur. Lockport, New-York. (Nach Hall.)
8. Familie. Cheiruridae. Salter.
Kopfschild groß mit scharf begrenzter Glabella, die zuweilen über den Vorderrand vorragt. Gesichtsnaht am Außenrand oder in den Hinterecken beginnend. Rumpf mit 11 (seltener mit 9-18) Segmenten. Die Pleuren knieförmig geknickt, gefurcht oder wulstig, meist verlängert. Pygidium mit 3-6 Segmenten, welche am Rand als Spitzen hervortreten. Kambrium bis Devon.
Cheirurus Beyrich (Fig. 1306). Kopfschild halbkreisförmig, Glabella mit drei Paar Seitenfurchen. Augen ziemlich klein. Rumpf mit 11 (seltener 9-13) Segmenten. Die zahlreichen (ca. 100) Arten dieser Gattung finden sich vom oberen Kambrium bis zum Devon und werden in eine Anzahl Subgenera verteilt.
Fig. 1306.
Cheirurus insignis Beyr. Ob. Silur (Et. E). Kozolup, Böhmen. 1/1. (Nach Barrande.)
Deiphon Barr. (Fig. 1307). Glabella kugelig angeschwollen, nur mit Nackenfurche, Wangen schmal, jederseits in ein langes gebogenes Horn auslaufend, an deren Basis die Augen sitzen. Rumpf mit 9 Segmenten. Pleuren stachelig endigend. Pygidium jederseits mit einem dornartigen Fortsatz. Ob. Silur.
Placoparia Corda, Areia Barr. Unt. Silur.
Sphaerexochus Beyr. (Fig. 1308). Glabella kugelig, mit Nackenfurche und drei Paar Seitenfurchen, wovon die hinteren halbkreisförmig gebogen sind. Augen klein. Rumpf mit 10 Segmenten. Pleuren konvex, nicht gefurcht. Pygidium sehr klein. Silur.
Amphion Pander (Fig. 1309). Meist eingerollt. Kopfschild kurz, breit, von einem Randwulst umgeben. Glabella schwach gewölbt, mit starken Seitenfurchen und Stirnfurchen. Augen klein. Rumpf mit 15-18 Segmenten. Pleuren wulstig. Pygidium etwas schmäler als Kopf. Ob. Kambrium und unt. Silur.
Staurocephalus Barr., Diaphanometopus Schmidt, Youngia Lindstr. Silur.
Fig. 1308.
Sphaerexochus mirus Beyr. Ob. Silur (Et. E). Listice bei Betraun. 1/1. (Nach Barrande.)9. Familie. Encrinuridae. Linnarson.
Kopfschild groß, höckerig. Glabella scharf begrenzt. Gesichtsnaht am Außenrand oder in den Hinterecken beginnend. Rumpfsegmente 11-12. Pygidium aus zahlreichen verschmolzenen Segmenten bestehend, die Seitenteile stets stark berippt. Silur.
Die hierher gehörigen Gattungen Cybele Lovèn, Dyndimene Corda, Encrinurus Emmrich (Fig. 1310), Cromus Barr. (Fig. 1311) erreichen meist nur geringe Größe und finden sich ausschließlich im unteren und oberen Silur.
Fig. 1311.
Encrinurus Bohemicus Barr. Ob. Silur (Et. E). Lochkow, Böhmen. a Pygidium, nat. Gr., b, c Hypostoma von Encrinurus intercostatus Barr. Vergr.
10. Familie. Acidaspidae. Barr.
Panzer mit zahlreichen Höckern und Randstacheln. Glabella mit zwei Längsfurchen. Augen klein, glatt, bei manchen Arten auf hohen Stielen sitzend. Gesichtsnaht am Hinterrand beginnend, zuweilen fehlend. Rumpf mit 9-10 Segmenten. Pleuren mit Wulst, nicht gefurcht, in lange holde Stacheln auslaufend. Pygidium klein, am Band stachelig.
Die einzige Gattung Acidaspis Murch. (Fig. 1312) enthält ca. 80 Arten, welche in silurischen und devonischen Ablagerungen von Europa und Nordamerika vorkommen.
Fig. 1312.
Acidaspis Dufrenoyi Barr. Ob. Silur (Et. E). St. Iwan, Böhmen. (Nach Barrande.)
11. Familie. Lichadae. Barr.
Große, breite Trilobiten mit gekörnelter Oberfläche. Kopfschild mit großen Wangenhörnern. Glabella breit, oft stark gewölbt, aufgebläht oder in ein stumpfes Horn ausgezogen; erste Seitenfurchen nach hinten umgebogen, als Längsfurchen zum Nackenring verlaufend; vordere Seitenloben der Glabella groß, nierenförmig. Gesichtsnähte am Hinterrand beginnend. Rumpf mit 9-10 Segmenten. Pleuren gefurcht, zugespitzt. Pygidium flach, fast dreieckig, mit kurzer Rhachis, am Rand gezackt.
Die einzige in zahlreiche Subgenera zerlegte Gattung Lichas Dalm. in silurischen Ablagerungen von Europa und Nordamerika enthält in L. (Uralichas) Ribeiroi Delg. aus dem unt. Silur von Portugal und Frankreich den größten bekannten Trilobiten.
12. Familie. Proetidae. Barr.
Körper oval. Glabella seitlich wohl begrenzt, Seitenfurchen mehr oder weniger deutlich, die hinteren häufig einen Basallobus abschnürend. Gesichtsnähte am Hinterrand beginnend. Augen mäßig groß, deutlich facettiert, von glatter Hornhaut überzogen. Rumpf mit 8-22 Segmenten, Pleuren gefurcht. Pygidium segmentiert, Achse und Seitenteile gerippt, meist ganzrandig. Silur bis Perm.
Arethusina Barr. (Fig. 1313). Kopfschild halbkreisrund, Hinterecken zugespitzt; Glabella sehr kurz, kaum von halber Kopflänge, hinten breiter als vorn, mit schrägen Seitenfurchen. Augen klein, halbkugelig, vorragend, deutlich facettiert, durch eine Leiste mit dem vorderen Ende der Glabella verbunden. Rumpf mit 22 sehr kurzen Segmenten; Pleuren viel breiter als die Rhachis. Pygidium sehr kurz, halbkreisförmig, genau wie der Rumpf gegliedert. Nach Barrande vermehrt diese Gattung ihre Rumpfsegmente während der Entwicklung ganz beträchtlich; die kleinsten beobachteten Exemplare besitzen 8, die größten 22 Segmente. Silur. Devon. 5 Arten. A. Konincki Barr. (Silur), A. Sandbergeri Barr. (Devon).
Cyphaspis Burm. (Phaëtonides Barr.) Silur, Devon.
Proetus Steininger (Fig. 1314). Kopfschild halbkreisförmig, von einem deutlichen Randwulst umgeben. Glabella den Stirnrand nicht erreichend, mit seichten, zuweilen verwischten Seitenfurchen. Augen groß, halbmondförmig, deutlich facettiert. Rumpf länger als das Kopfschild mit 8-10 Segmenten, Pleuren gefurcht. Pygidium halbkreisrund, Achse gewölbt mit 4-13 Segmenten, Seitenteile berippt, Rand selten gezackt. Die zahlreichen (ca. 100) Arten verteilen sich hauptsächlich auf Silur, Devon und Karbon. Die jüngsten Formen im Perm Siciliens.
Phillipsia Portlock (Fig. 1315). Wie Proetus, jedoch Glabella durch fast parallele Dorsalfurchen begrenzt, mit 2-3 kurzen Seitenfurchen, von denen die hinteren, bogenförmig rückwärts gerichtet, einen rundlichen Lappen am Grund der Glabella umschließen. Nackenfurche tief. Augen groß, fein facettiert. Rumpf mit 9 Segmenten, Spindel deutlich gegen die gefurchten, an den Enden abgerundeten Pleuren abgegrenzt. Pygidium halbkreisförmig, ganzrandig. Achse aus 12-18 Segmenten bestehend, Seitenteile mit zahlreichen Rippen.
Die Gattung Phillipsia ersetzt Proetus in den jüngeren paläozoischen Ablagerungen. Abgesehen von einer zweifelhaften untersilurischen Art (Ph. parabola Barr.) finden sich alle übrigen Formen im Devon und Kohlenkalk, die jüngsten sogar in Permischen Ablagerungen von Sicilien, Himalaja, Nordamerika. Hauptverbreitung im Kohlenkalk.
Subgenera: Griffithides Portlock, Pseudophillipsia Gemmellaro, Brachymetopus M'Coy. Karbon, Perm. Dechenella Kayser. Devon.
13. Familie. Harpedidae. Barr.
Kopfschild größer als der übrige Körper, von einem breiten punktierten Saum umgeben, welcher sich hinten in zwei Hörner verlängert. Glabella gewölbt, mit 1-3 Seitenfurchen. Augen nicht facettiert (Stemmata). Gesichtsnaht fehlt. Rumpf mit 25-29 Segmenten, einrollbar. Pygidium sehr klein.
Die einzige Gattung Harpes Goldf. (Fig. 1316) im Silur und Devon.
? Harpides Beyr. Ohne punktierten Randsaum, ohne große Wangenhörner. Oberes Kambrium und Unter-Silur.
Fig. 1316.
Harpes ungula Sternb. sp. Ob. Silur (E), Dlouháhora bei Beraun. (Nach Barrande.)
Unter den Crustaceen bilden die Trilobiten die geologisch älteste Ordnung. Sie gehören überhaupt zu den ersten Organismen, welche unseren Planeten bewohnt haben, und erscheinen bereits in kambrischen Ablagerungen in großer Mannigfaltigkeit. Von den ca. 200 bekannten Gattungen und Untergattungen (mit mehr als 1700 Arten) treten über 60 schon im kambrischen System auf; im unteren Silur erreichen die Trilobiten ihren Höhepunkt, gehen im oberen Silur etwas zurück, sind im Devon bereits auf 12 Gattungen und Untergattungen reduziert, von denen 5 bis ins Karbon Perm fortdauern. Hier erlöschen die Trilobiten.
Was die räumliche Verbreitung der Gattungen und Arten betrifft, so gibt es unter den ersteren einige kosmopolitische Typen, wie Conocoryphe, Olenellus, Paradoxides, Trinucleus, Asaphus, Illaenus, Calymmene, Cheirurus, Proetas, Phillipsia u. a.; allein dieselben stehen an Zahl den mehr lokalisierten Sippen entschieden nach; ja, einzelne Gebiete, wie Schweden, Böhmen, England und Nordamerika, zeichnen sich durch eine ansehnliche Menge von Gattungen aus, welche einen verhältnismäßig kleinen Verbreitungsbezirk nicht überschreiten. Arten, die zwei Weltteilen gemeinsam angehören, sind überaus selten.
Die Oleniden liefern die Haupttypen der kambrischen Trilobitenfauna, und zwar sind es vor allem die Gattungen Olenellus, Olenus, Paradoxides, Dikelocephalus, Ellipsocephalus, Conocoryphe, Ptychoparia und Agnostus, welche sich durch Arten und Individuenreichtum auszeichnen und mit Ausnahme der letzten die Grenze des kambrischen Systems nicht überschreiten. Von anderen Familien sind nur die Asaphidae, Cheiruridae und Harpedidae durch vereinzelte Gattungen vertreten.
Die zweite untersilurische Trilobitenfauna erhält namentlich durch das Vorherrschen der Asaphiden und Trinucleiden ihr eigenartiges Gepräge. Durch eine Anzahl Arten von Agnostus und vereinzelte Vertreter der Oleniden schließt sich die untersilurische Trilobitenfauna der kambrischen an, während sie auf der anderen Seite eine noch größere Anzahl von Gattungen mit dem oberen Silur gemein hat. So sind die Calymmenidae, Cheiruridae, Encrinuridae, Proetidae und Lichadae ziemlich gleichmäßig auf unteres und oberes Silur verteilt, während die Acidaspidae, Phacopidae, Bronteidae und Harpedidae ihren Höhepunkt erst in der jüngeren silurischen Periode erreichen.
In den obersilurischen Ablagerungen hat der Formenreichtum an Trilobiten schon beträchtlich abgenommen; die Familien der Agnostiden und Oleniden sind vollständig erloschen; die Trinucleiden und Asaphiden auf je eine Gattung (Ampyx und Bumastus) reduziert und auch die Cheiruriden im Rückgang. In starker Zahl finden sich dagegen Calymmenidae, Acidaspidae, Proetidae und Cheiruridae. Schließlich wäre noch als charakteristisches Leitfossil die Gattung Harpes zu erwähnen.
Der im oberen Silur bemerkbare Rückgang in der Entwicklung der Trilobiten macht sich während der Devonzeit in noch höherem Maße geltend. Die Zahl der Gattungen ist auf 11-12, die der Arten auf etwa 120 reduziert. Die reichsten Fundorte für devonische Trilobiten liegen in Böhmen, im Harz, Eifel, Rheinland, Nassau, Westfalen, Fichtelgebirge, Belgien, Großbritannien (Devonshire) und Nordamerika.
Im Kohlenkalk von Belgien, England, Westfalen, Rußland und Nordamerika, ferner im Perm von Sicilien kommen nur noch die 2 Gattungen Phillipsia und Proetus, sowie die Subgenera Griffithides, Pseudophillipsia und Brachymetopus vor. Eine einzige Phillipsia-Art (Ph. perannulata Shumard) wird aus permischen Schichten Nordamerikas erwähnt.
Kruster mit konstanter Zahl von Segmenten und Gliedmaßen. Kopf und Thorax aus 13, Hinterleib aus 6 (bei den Phyllocariden aus 8) Segmenten und einer terminalen Platte (Telson) bestehend.
Hierher die Ordnungen Phyllocarida, Schizopoda, Isopoda, Amphipoda, Stomatopoda und Decapoda. Sämtliche Ordnungen sind auch durch fossile Formen vertreten.
Die Phyllocariden oder Leptostraca bilden eine zwischen den Entomostraca und Malacostraca stehende Verbindungsgruppe. Ihr Körper besteht aus 5 Kopf-, 8 Brust- und 8 Abdominalsegmenten. Kopf und Brust sind mit einer dünnhäutigen, chitinösen oder verkalkten, häufig aus zwei symmetrischen Teilen bestehenden Schalenduplikatur bedeckt, unter welcher die Brustsegmente frei und gesondert liegen. Vor der zweiklappigen Schale befindet sich ein schmales, bewegliches Schnauzenstück (Rostrum). Der Kopf besitzt zwei Paar Antennen. Die Brustsegmente sind mit weichen Blattfüßen versehen. Der Hinterleib ist aus acht ringförmigen Segmenten zusammengesetzt und endigt häufig in einem Schwanzlappen (Telson) mit stacheligen Fortsätzen.
An die einzige noch jetzt lebende Gattung Nebalia schließen sich zahlreiche paläozoische, früher als Phyllopoden beschriebene Crustaceenreste an, deren Erhaltungszustand allerdings nicht immer eine sichere Deutung gestattet. Die dünnen Schalen sind häufig in eine kohlige Substanz umgewandelt und finden sich vorzüglich in Schiefergesteinen. Die wichtigeren derselben sind:
Hymenocaris Salter (Fig. 1317). Rückenschild halbeiförmig, groß, glatt; dahinter Abdominalsegmente und ein mehrspitziges Telson sichtbar. Kambrium.
Fig. 1318.
Ceratiocaris papilio Salt. Ob. Silur. Lanarkshire. r Rostrum, m Kiefer, a Antennen. 1/1. (Nach Woodward.)
Dictyocaris Salt. Rückenschild groß (bis 1 Fuß lang) mit einer Medianlinie, jedoch nicht zweischalig, dreieckig, vorn zugespitzt, hinten abgestutzt und vorgezogen, am Rand durch eine Furche begrenzt. Oberfläche grob gegittert. Hinterleib unbekannt. Ober-Silur. Schottland. D. Ramsayi Salter.
Ceratiocaris M'Coy. (Fig. 1318). Rückenschale zweiklappig, die zwei ovalen, halbeiförmigen oder fast viereckigen Klappen durch einen geraden Rand verbunden. Körper aus 14 oder mehr Segmenten bestehend, wovon 5-7 aus dem Rückenschild vorragen; das letztere ist verlängert und endigt in einem dicken verlängerten Schwanzstachel, welcher mit zwei kürzeren Nebenstacheln versehen ist. Ziemlich häufig im oberen und unteren Silur von Europa und Nordamerika; selten im Karbon von England.
Echinocaris Whitfield (Fig. 1319). Oberfläche der Schale jederseits mit einer Längskante und mehreren Höckern. Telson dreistachelig. Devon. Nordamerika.
Aristozoë Barr. (Bactropus Barr.) Schale mit wulstigem Randsaum in der Vorderregion mit 4-5 buckligen Höckern; Abdomen aus langgestreckten Segmenten bestehend. Devon. Böhmen.
Elymocaris, Tropidocaris Beecher, Ptychocaris Novak, Dithyrocaris Scouler. Devon. Rhinocaris Clarke, Mesothyra Hall u. Clarke. Devon.
Aptychopsis Barr. (Fig. 1320). Schale kreisrund, zweiklappig, konzentrisch gestreift, vorne mit dreieckigem Rostrum. Silur.
Peltocaris Salt., Discinocaris Woodw. Unt. Silur.
Cardiocaris Woodw. (Fig. 1321). Oval, vorne mit tiefem Ausschnitt, ohne Mediansutur. Ob. Devon. Eifel.
Dipterocaris Clarke (Fig. 1322). Wie vorige, aber zweiklappig. Devon. Die zwei letztgenannten Gattungen, sowie verwandte Formen (Spathiocaris, Lisgocaris Clarke, Ellipsocaris, Pholadocaris Woodw. u. a.) wurden früher für Aptychen von Goniatiten gehalten.
Fig. 1319.
Echinocaris punctata Hall sp. Unt. Devon (Hamilton group). Delphi, New-York. 1/1. (Nach Beecher.)
Fig. 1320.
Aptychopsis primus Barr. Unt. Silur (D). Branik, Böhmen. 1/1. (Nach Barrande.)
Kleine langgestreckte Wasserbewohner mit zusammengesetzten, auf beweglichem Stiel stehenden Augen. Cephalothorax groß, die Rumpfsegmente teilweise bedeckend. Rumpf mit 8 gleichartigen, aus Exopodit und Endopodit bestehenden Spaltfüßen.
Fig. 1323.
Anthrapalaemon gracilis Meek u. Worth. Steinkohlenformation. Illinois. Restaurierte Abbildung in nat. Gr. (Nach Meek u. Worthen.)
Fig. 1324.
Gampsonyx fimbriatus Jordan. Sphärosiderit. (Rotliegendes.) Lebach bei Saarbrücken. 1/1.
Fig. 1325.
Palaeorchestia parallela Fric sp. Steinkohlenformation. Lisek bei Beraun, Böhmen. Nat. Gr. (Nach Fric.)
Die Schizopoden ähneln in ihrem Habitus am meisten den langgeschwänzten Decapoden, zeigen aber in ihrem ganzen Bau primitive Merkmale. Einige fossile, paläozoische Formen, wie Pygocephalus Huxley, Carangopsis Salter (Palaeocrangon Salter, Archaeocaris Meek) aus der produktiven Steinkohlenformation von England und Nordamerika gehören wahrscheinlich hierher. Auch Anthrapalaemon Salter (Fig. 1323) aus der Steinkohlenformation von Schottland und Illinois, sowie Palaeopalaemon Whitfield aus dem Devon von Schottland dürften trotz ihrer großen Ähnlichkeit mit Decapoden besser zu den Schizopoden gestellt werden. Ganz zweifelhaft ist die Stellung von Palaeopemphix Gemmellaro aus dem Perm von Sicilien.
Gampsonyx Jordan (Uronectes Bronn) (Fig. 1324) aus dem unteren Rotliegenden von Lebach bei Saarbrücken bildet mit den karbonischen Palaeocaris Meek und Worthen, Palaeorchestia Zittel (Fig. 1325) und Nectotelson Brocchi eine eigene Familie, welche mit der lebenden Gattung Anaspides Thomson aus Tasmanien mancherlei Verwandtschaft aufweisen.
Körper oval, einrollbar. Kopf und Brustabschnitt getrennt, Augen facettiert, ungestielt. Brust mit sieben Paar Schreit- oder Klammerfüßen. Abdomen kurz, die Segmente häufig verschmolzen, mit blattförmigen, als Kiemen fungierenden Beinanhängen.
Fig. 1326.
Urda rostrata Münst. Lithograph. Schiefer von Solnhofen, Bayern. Nat. Gr. (Nach Kunth.)
Fig. 1327.
Archaeoniscus Brodiei Milne-Edw. Purbeck-Schichten. Vale of Wardour. Wiltshire. Nat. Gr. (Nach H. Woodward.)
a Exemplar in dreifacher Vergrößerung, b Platte in nat. Gr. (Nach Quenstedt.)
Fig. 1328.
Palaega scrobiculata v. Ammon. Unt. Oligocän. Häring, Tirol. 1/2 nat. Gr. (Nach v. Ammon.) an Antennen, o Auge, I-VII Segmente des Thorax. 1-6 Segmente des Hinterleibes, p6 letzter Spaltfuß.
Fig. 1329.
Eosphaeroma Brongniarti Milne-Edw. Cyrenen-Mergel. Butte de Chaumont bei Paris. a Platte mit mehreren Exemplaren in nat. Gr. (nach Quenstedt), b Exemplar in dreifacher Vergrößerung (nach Woodward).
Die Mehrzahl der Isopoden bewohnt das Meer und zwar vorzugsweise die Küstenregionen; einige leben im Süßwasser, andere (die Onisciden) an feuchten Orten auf dem Festland. Von den wenig zahlreichen fossilen Formen kommen die zwei großen Gattungen Praearcturus Woodw. im Old red und Arthropleura Jordan in der Steinkohlenformation vor. Amphipeltis paradoxus Salter stammt aus dem Devon von Neu-Schottland. Im lithographischen Schiefer von Bayern findet sich Urda Münst. (Fig. 1326), in Purbeckschichten von England Archaeoniscus M. Edw. (Fig. 1327), in der oberen Kreide und im Tertiär Palaega Woodw. (Fig. 1328), in brackischen Mergeln (Oligocän) der Gegend von Paris und Insel Wight Eosphaeroma Woodw. (Fig. 1329) und mehrere Arten von Landasseln im Miocän von Oeningen und im Bernstein.
Körper klein, lang gestreckt, schmal. Kopf mit dem ersten Rumpfsegment verwachsen. Augen ungestielt. Die 7 Schreitfüße des Rumpfes tragen an ihrer Basis blättrige Kiemen. Abdomen verlängert, die drei vorderen Segmente mit Schwimmfüßen, die drei hinteren mit Springbeinen.
Diese meist kleinen Krebse leben im Meer und Süßwasser; die ersteren halten sich vorzugsweise in seichtem Wasser zwischen Steinen, Tang oder in Gängen zernagten Holzes auf, oder graben sich in Sand und Schlamm ein. An der Oberfläche hinterlassen sie wurmartige Fährten, die mit paläozoischen Nereiten übereinstimmen.
Die spärlichen fossilen Amphipoden stammen meist aus Süßwasserablagerungen. Aus den oberen Silurschichten von Ludlow beschreibt Woodward Necrogammarus Salweyi, Diplostylus Dawsoni Salt. aus dem Devon und Karbon von Neu-Schottland, sowie Bostrichopus Goldf. aus dem Culmschiefer von Herborn sind problematische Formen von ganz zweifelhafter zoologischer Stellung.
Die wenigen aus dem Tertiär bekannten Isopoden (Gammarus Fabr. [Fig. 1330], Typhis Risso, Palaeogammarus Zadd.) schließen sich eng an lebende Formen an.
Körper lang gestreckt. Kopf und die 5 vorderen Brustsegmente durch einen kurzen Cephalothorax bedeckt. Augen gestielt. Abdomen länger als Brust und Kopf. Die Extremitäten des Kopfabschnittes als Antennen und Kieferfüße ausgebildet, die 5 vorderen Brustsegmente mit Raubfüßen. Unter dem Hinterleib befinden sich Schwimmfüße mit Kiemenbüscheln.
Die wenigen recenten Gattungen leben in den Meeren der warmen und gemäßigten Zone und ernähren sich vom Raub.
Fossile Stomatopoden sind selten. Als Necroscylla Wilsoni beschreibt H. Woodward ein 21mm langes Hinterleibsfragment mit 5 Segmenten und einem wohlerhaltenen Telson; dasselbe stammt aus einer Geode der Steinkohlenformation von Cossall in England und hat einige Ähnlichkeit mit dem Abdomen einer Squilla. Von der Gattung Squilla sind zwei Arten aus der Kreide von Hakel im Libanon (S. Lewisii Woodw.) und Westfalen (S. cretacea Schlüt.), und zwei aus dem Eocän des Monte Bolca (S. antiqua Münst.) und von Highgate in England (S. Wetherelli Woodw.) bekannt.
Sculda Münst. (Reckur Münst., Buria Giebel) (Fig. 1331). Kopf beweglich, breit, mit gestielten Augen und kurzen Antennen. Der meist mit Längsskulptur verzierte Cephalothorax läßt die drei hinteren Segmente des Thorax frei. Abdomen breit und verlängert mit großen Ansatzstellen der (nicht erhaltenen) Schwimmfüße. Schwanzflosse aus einem großen halbkreisförmigen, hinten gefransten Telson und dem hintersten Beinpaar des Abdomen gebildet. 3 Arten im lithographischen Schiefer von Bayern.
Fig. 1331.
Sculda pennata Münst. A Exemplar in nat. Gr, B dasselbe vergr. von der Rückenseite, C dasselbe von der Bauchseite (a innere Antenne, e äußere Antenne). (Nach Kunth.)
Kopf und Brustabschnitt vollständig vom Cephalothorax bedeckt. Augen gestielt. Die 5 hinteren Fußpaare unter dem Cephalothorax groß, mit Scheren oder Nägeln versehen. Stirn mit vorspringendem Rostrum. Kiemen unter dem Cephalothorax in besonderen Höhlen gelegen, an die Coxalglieder der Füße angeheftet. Hinterleib verlängert oder kurz, unter dem Cephalothorax eingeschlagen.
A. Unterordnung. Macrura. Langschwänze.
Hinterleib ebenso lang oder länger als der Cephalothorax, mit 4-5 Paar Füßen und großer Schwanzflosse (Telson).
Die jetzt existierenden Macruren leben im Meer und süßem Wasser. Fossile Formen beginnen in der Trias und entfalten im Jura bereits einen großen Formenreichtum.
Die ältesten Macruren gehören zu den Carididen (Garnelen), welche sich durch dünne, hornartige, meist seitlich zusammengedrückte Schale auszeichnen. Die äußeren Fühler stehen unter den inneren, die Beinpaare des Thorax sind lang, dünn und zum Teil mit Scheren versehen.
Im lithographischen Schiefer von Bayern gehören die Gattungen Penaeus Fabricius (Fig. 1332), Acanthochirus Opp., Bylgia, Drobna, Dusa, Aeger (Fig. 1333), Blacullina, Udora, Hefriga, Elder Münst., Udorella Opp. zu den Carididen; ebenso die Gattungen Pseudocrangon Schlüt. und Hoplophorus Milne Edw. aus der oberen Kreide von Westfalen, sowie Homelys micropsalis v. Meyer und Palaemon Fabr. aus dem Tertiär.
Fig. 1333.
Aeger tipularius Schloth. sp. Lithographischer Schiefer. Eichstätt, Bayern. 2/3 nat. Gr.
Die Familie der Eryonidae hat ebenfalls einen dünnen, aber sehr breiten, flachen, gekielten Cephalothorax; darunter fünf Paar Scherenfüße und kurze Antennen. Hierher die lebenden Gattungen Polycheles Heller und Willemoesia Grote. Unter den fossilen Vertretern findet sich Tetrachela Reuß in der oberen Trias von Raibl, Eryon (Fig. 1334) im Lias, Jura und in der Kreide. Prächtig erhaltene Exemplare von Eryon sind namentlich im lithographischen Schiefer von Bayern häufig.