Körper im reifen Zustand aus drei Abschnitten (Kopf, Brust und Hinterleib) zusammengesetzt; meist zwei Paar Flügel vorhanden. Unter dem Rumpf drei Fußpaare. Entwicklung in der Regel durch Metamorphose.

Bei den Insekten sind die Kopfsegmente so innig verschmolzen, daß deren Zahl schwer bestimmt werden kann; am Kopf befindet sich vorne ein Antennenpaar und außerdem 3 Paar zu Mundteilen umgestaltete Anhänge. Die Brust enthält nie mehr als 3 Segmente, welche die Extremitäten tragen; am fußlosen Hinterleib zählt man 9-10 Segmente.

In der Systematik spielen die Flügel wegen ihrer außerordentlichen Mannigfaltigkeit eine besonders wichtige Rolle.

Die fossilen Insekten lassen sich meist ohne Schwierigkeiten in die noch jetzt existierenden Ordnungen der Aptera, Orthoptera, Neuroptera, Hemiptera, Coleoptera, Diptera, Lepidoptera und Hymenoptera einfügen, nur die paläozoischen zeigen eine geringere Differenzierung namentlich im Bau der Flügel und stehen einander näher als ihre späteren Nachkommen aus den entsprechenden Ordnungen. Scudder vereinigt darum diese primitiven Vorläufer zu einer besonderen Gruppe (Palaeodictyoptera) und stellt deren Vertreter unter der Bezeichnung Orthopteroidea, Neuropteroidea, Hemipteroidea und Coleopteroidea den typischen Orthopteren, Neuropteren etc. gegenüber. Die Untersuchungen Brongniarts über die reiche paläozoische Insektenfauna von Commentry führten jedoch zum Ergebnis, daß bereits in der Steinkohlenformation in den verschiedenen Gruppen stark differenzierte Formen auftreten, welche hinter den noch jetzt existierenden wenig zurückbleiben.

1. Ordnung. Aptera.

Flügellose Insekten mit wenig differenzierter Segmentierung, Hinterleib mit rudimentären Anhängen. Keine Metamorphose.

Zu diesen niedrig organisierten Insekten gehören die Tysanuren und Collembolen. Von ersteren entdeckte Brongniart in der Steinkohlenformation von Commentry eine dem lebenden Zuckergast (Lepisma) nahestehende Form (Dasyleptus Lucasi Br.). Im Bernstein und im Oligocän von Florissant finden sich eine Anzahl Arten, die zu verschiedenen, zum Teil noch jetzt existierenden, zum Teil ausgestorbenen Gattungen gehören. (Petrobius [Fig. 1375], Lepidion, Forbicina, Planocephalus etc.)

Fig. 1375.

Fig. 1375.

Petrobius seticornis Koch u. Berendt. Bernstein. Ost-Preußen. 2/1. (Kopie.)

2. Ordnung. Orthoptera. Geradflügler.

Vorderflügel pergamentartig, Hinterflügel dünner, fein geädert, einfaltbar. Die fünf Hauptnerven der Flügel samt ihren Verästelungen bis zum Außenrand reichend. Metamorphose unvollständig.

Fig. 1376.

Fig. 1376.

Palaeoblattina Douvilléi Brongt. Mittel-Silur. Jurques, Calvados. (Nach Brongniart.) 2/3 nat. Gr.

Die paläozoischen Vertreter dieser Ordnung vereinigen häufig Merkmale, welche gegenwärtig auf verschiedene Familien verteilt sind; auch zeigt die Nervatur ihrer Flügel eine geringere Differenzierung als bei den jüngeren Orthopteren, und ebenso unterscheiden sich Vorder- und Hinterflügel weniger bestimmt voneinander. Ein isolierter Flügel aus dem mittleren Silur von Jurques, Calvados (Palaeoblattina Douvilléi Brongt. Fig. 1376) ist bis jetzt der älteste Überrest eines Insektes, gestattet jedoch keine genauere Bestimmung, dagegen enthält die Steinkohlenformation von Nordamerika und Europa eine große Anzahl von Gattungen und Arten, welche sich mehr oder weniger eng an die typischen Orthoptera anschließen und teilweise riesige Dimensionen aufweisen. Die reichste Fundstätte derartiger Reste sind Commentry im Dep. Allier, die Gegend von Saarbrücken und Halle und Illinois in Nordamerika. Von vielen Gattungen kennt man nur isolierte Flügel. Zu den größten und best erhaltenen Formen aus der Steinkohlenformation gehören Titanophasma (Fig. 1377), Protophasma Brongt., Aedoeophasma Scudder (Fig. 1378) und Paolia Smith. Kleinere Formen sind Mylacris, Lithomylacris, Etoblattina (Fig. 1379), Gerablattina Scudder, Polioptenus (Fig. 1380), Dictyoneura Goldbg., Goldenbergia Scudder.

Fig. 1377.

Fig. 1377.

Titanophasma Fayoli Brongt. Steinkohlenformation. Commentry, Allier. 1/4. (Nach Brongniart.)

Die Forficularien (Ohrwürmer) sind aus dem Lias von Aargau, aus dem Bernstein und dem Tertiär von Öningen, Aix, Monte Bolca und Florissant bekannt.

Fig. 1378.

Fig. 1378.

Aedoeophasma anglica Scudd. Steinkohlenformation. England. 1/1.

Fig. 1379.

Fig. 1379.

Etoblattina manebachensis Goldenbg. sp. Steinkohlenformation. Manebach, Thüringen. 1/1.

Fig. 1380.

Fig. 1380.

Polioptenus elegans Goldenbg. sp. Steinkohlenformation. Saarbrücken. 1/1.

Die Blattariae (Schaben) beginnen in der Trias von Colorado (Etoblattina, Spiroblattina, Neorthroblattina) und Europa, finden sich auch ziemlich reichlich im Lias von Schambelen (Aargau) und im oberen Jura (Purbeckschichten) von England und Bayern (Blattidium, Rithma, Mesoblattina, Blabera) und sind außerdem im Bernstein und verschiedenen Tertiärlokalitäten nachgewiesen.

Sehr spärlich kommen fossile Reste von Mantiden und Phasmiden im Tertiär vor, dagegen sind die Acrididen (Feldheuschrecken), Locustiden (Laubheuschrecken) und Grylliden (Grabheuschrecken) vom Lias an bekannt und namentlich im Tertiär ziemlich verbreitet (Fig. 1381). Eine große Locusta speciosa Mstr. findet sich im lithographischen Schiefer von Bayern; auch Pygolampis gigantea (Chresmoda obscura) wird von Haase als ein Vorläufer der Mantiden und Phasmiden angesehen.

Fig. 1381.

Fig. 1381.

Gryllus macrocerus Germ. Bernstein. Ost-Preußen. 3/2. (Nach Germar.)

3. Ordnung. Neuroptera. Netzflügler.

Beide Flügelpaare groß, dünn, netzförmig geädert, fast gleich. Fühler einfach. Metamorphose vollständig oder unvollständig.

Wie bei den Orthopteren, zeichnen sich auch hier die paläozoischen Formen durch geringere Differenzierung aus und werden von Scudder Neuropteroidea genannt. Die ältesten Vertreter dieser Ordnung finden sich im Devon von Neu-Braunschweig (Lithentomum, Xenoneura, Homothetus Scudder). Aus der Steinkohlenformation von Commentry, Saarbrücken, Böhmen, Sachsen, Großbritannien und Illinois kennt man eine ganze Reihe zum Teil schön erhaltener Reste aus den Gattungen Acridites, Palingenia, Genopteryx, Genentomum, Propteticus (Fig. 1382), Strephocladus, Lithomantis (Fig. 1383), Lithosialis, Brodia, Chrestotes, Hemeristia, Gerarus, Meganthotemum etc.

Fig. 1382.

Fig. 1382.

Propteticus infernus Scudd. Karbon. Illinois. 3/2. (Nach Scudder.)

Fig. 1383.

Fig. 1383.

Lithomantis carbonaria Woodw. Karbon. Schottland. 2/3. (Nach Woodward.)

Die Familie der Termitidae (Termiten) beginnt im Lias und ist im Tertiär, namentlich im Bernstein (130 Arten), im Oligocän von Florissant und im Miocän von Rott, Öningen, Radoboj stark verbreitet. Eine ungewöhnlich große Art Gigantotermes (Apochrysa) excelsa Haase findet sich schon im lithographischen Schiefer von Eichstätt.

Fig. 1385.

Fig. 1385.

Petalia longialata Münst. sp. Aus dem oberen Jura von Solnhofen, Bayern. 2/3 nat. Gr.

Von Psociden und Perliden liefert namentlich der Bernstein fossile Vertreter; Ephemeriden erscheinen zuerst im lithographischen Schiefer und finden sich außerdem im Bernstein (Cronicus) (Fig. 1384), bei Öningen und Florissant.

Besonderes Interesse beanspruchen die zahlreichen und prachtvoll erhaltenen Libellen (Odonata) aus dem lithographischen Schiefer von Bayern (Petalia [Fig. 1385], Stenophlebia, Isophlebia, Aeschna, Anax, Heterophlebia etc.), welche bereits im Lias beginnen und auch im Tertiär in erheblicher Menge vertreten sind. Von Sialiden, Hemerobiden, Panorpiden und Phryganiden kennt man schon aus dem Jura, teilweise sogar schon aus der Trias fossile Reste, die sich im Tertiär beträchtlich vermehren. Die Röhren von Phryganiden bilden im Tertiär zuweilen Kalkschichten von 2-3 m Mächtigkeit (Indusienkalk der Auvergne).

Fig. 1384.

Fig. 1384.

Cronicus anomalus Pictet sp. Bernstein. Ostpreußen. 3/2. (Nach Pictet.)

4. Ordnung. Hemiptera. Wanzen.

Vorderflügel lederartig oder häutig, größer und gröber geädert als die niemals gefalteten Hinterflügel. Mund mit Stechrüssel oder Saugschnabel. Metamorphose unvollständig.

Von paläozoischen Gattungen dürften Eugereon (Fig. 1386) und Fulgorina aus dem unteren Rotliegenden hierher gehören.

Von Aphiden (Blattläusen) finden sich die ältesten Reste im Wealden und zahlreiche Arten im Tertiär. Schildläuse (Coccidae), Laternenträger (Fulgoridae), Membraciden, Cicadelliden und Singcicaden kennt man vorzugsweise aus dem Tertiär, namentlich aus Bernstein, doch sind die meisten Familien auch schon im Lias und Jura durch spärliche Reste nachgewiesen; so namentlich die Singcicaden durch die Gattungen Eocicada und Prolystra im lithographischen Schiefer von Bayern.

Von den im Wasser lebenden Nepiden (Scarabaeides Fig. 1387), Hydrometriden, Reduviiden, Lygaeiden, Coreiden und Cimiciden kommen die ältesten Formen im Lias und oberen Jura (Scarabaeides), die übrigen im Tertiär vor. Als Beispiele mögen die Gattungen Naucoris (Fig. 1388), Harpactor (Fig. 1389), Cephalocoris (Fig. 1390), Berytopsis und Acanthosoma genannt werden.

Fig. 1386.

Fig. 1386.

Eugereon Böckingi Dohrn. Rotes Totliegende. Birkenfeld, Rhein-Oldenburg. 3/4 (Nach Dohrn.)
Fig. 1387.

Fig. 1387.

Scarabaeides deperditus Germ. Lithographischer Schiefer. Eichstätt, Bayern. 2/3 nat. Gr.

Fig. 1388.

Fig. 1388.

Naucoris dilatatus Heer. Miocän. Öningen, Baden. 1/1. (Nach Heer.)

Fig. 1389.

Fig. 1389.

Harpactor maculipes Heer. Miocän. Öningen, Baden. 1/1. (Nach Heer.)

Fig. 1390.

Fig. 1390.

Cephalocoris pilosus Heer. Miocän. Öningen, Baden. 3/1. Ergänzt. (Nach Heer.)

5. Ordnung. Coleoptera. Käfer.

Vorderflügel hornig, dick, mit verwischten Adern, Hinterflügel häutig, gefaltet, mit weitmaschigem Geäder. Mundwerkzeuge zum Kauen. Metamorphose vollständig.

Von fossilen Käfern sind bis jetzt nur spärliche Reste aus der Steinkohlenformation bekannt; dagegen spielen sie in den mesozoischen und tertiären Ablagerungen unter den Insekten eine hervorragende Rolle.

Aus der Trias von Vaduz und Rütihard bei Basel sind Curculioniden (Curculionites), Chrysomeliden (Chrysomelites) und Buprestiden nachgewiesen. Dieselben Familien kommen reichlicher im Rhät von Schweden und Hildesheim, im Lias von Schambelen (Aargau), Dobbertin (Mecklenburg) und England, im Dogger und Purbeck von England und im lithographischen Schiefer von Bayern vor und werden dort begleitet von Meloiden, Cisteliden, Cerambyciden, Scarabaeiden, Lampyriden, Elateriden, Dascylliden, Parniden, Byrrhiden, Nitiduliden, Coccinelliden, Staphyliniden, Dytisciden, Carabiden und anderen Familien. Als die reichsten mesozoischen Fundorte wären Schambelen im Aargau, der Dogger von Stonesfield und die Purbeckschichten von England hervorzuheben. Der lithographische Schiefer von Bayern enthält nur wenige und meist schlecht erhaltene Käfer (Pseudohydrophilus, Chrysobothris).

Fig. 1391.

Fig. 1391.

Cyphon vetustus Gieb. Purbeck-Schichten. Vale of Vardour, England. 6/1. (Nach Brodie.)

Fig. 1392.

Fig. 1392.

Cerylon striatum Brodie. Ob. Jura. Vale of Vardour. England 7/1. (Nach Brodie.)

Fig. 1393.

Fig. 1393.

Fossile Käfer aus dem oligocänen Gipsmergel von Aix, Provence.

Fig. 1394.

Fig. 1394.

Käfer aus dem Bernstein von Ost-Preußen.

Fig. 1395.

Fig. 1395.

Fossile Käfer aus der untermiocänen Braunkohle von Rott bei Bonn.

Im Tertiär steigert sich die Zahl der Käfer bedeutend und zwar gehören dieselben ganz überwiegend zu noch jetzt existierenden Gattungen. Besonders reich sind die oligocänen Süßwasserschichten von Aix in der Provence (Fig. 1393), von Florissant in Colorado, ferner der Bernstein von Ostpreußen (Fig. 1394), die miocänen Braunkohlen von Rott (Fig. 1395), Sieblos, Westerwald, Kutschlin in Böhmen, die Süßwassermergel von Öningen in Baden (Fig. 1396), Radoboj in Kroatien, Sinigaglia in Italien u. a. O. Der Erhaltungszustand dieser fossilen Reste läßt häufig wenig zu wünschen übrig, wie die nebenstehenden Abbildungen zeigen.

Fig. 1396.

Fig. 1396.

Käfer aus miocänem Süßwassermergel von Öningen, Baden.

6. Ordnung. Diptera. Zweiflügler.

Vorderflügel häutig, schmal, geädert, Hinterflügel zu einem Schwingkolben verkümmert. Mundteile zu Saug- oder Stechorganen umgebildet. Metamorphose vollkommen.

Die ältesten Dipteren werden aus dem Lias (Macropeza), dem lithographischen Schiefer (Musca, Cheilosia, Empidia), den Purbeckschichten (Corethrium, Cecidomium, Rhyphus) und dem Wealden angegeben, sind aber meist so schlecht erhalten, daß ihre Bestimmung problematisch bleibt.

Fig. 1397.

Fig. 1397.

Psilites bella Heer. Miocän. Radoboj. 1/1. (Nach Heer.)

Fig. 1398.

Fig. 1398.

Chironomus Megeri Heer. Miocän. Öningen, Baden. 6/1. (Nach Heer.)

Fig. 1399.

Fig. 1399.

Empis Melia Heyd. Miocän. Rott am Rhein. 2/1. (Nach Heyden.)

Fig. 1400.

Fig. 1400.

Palembolus florigerus Scudd. Oligocän. Florissant, Colorado. 2/1. (Nach Scudder.)

In großer Menge kennt man dieselben aus dem Tertiär. Am häufigsten finden sich Tipuliden (Schnaken) und Bibioniden (Haarmücken) im Oligocän von Aix und Florissant, im Bernstein und im Miocän von Öningen, Radoboj, Sicilien u. s. w. Von sonstigen Dipteren weisen die eigentlichen Fliegen (Syrphidae, Muscidae, Ostridae, Agromyzidae), die Empidae (Tanzfliegen), Bombylidae (Hummeln), Nemestrinidae, Asilidae (Raubfliegen), Stratiomyidae (Waffenfliegen), Chironomidae (Zuckmücken), Culicidae (Stechschnaken), Mycetophilidae (Pilzmücken) und Cecidomyidae (Gallmücken) eine Anzahl fossiler Vertreter auf.

7. Ordnung. Lepidoptera. Schmetterlinge.

Vorder- und Hinterflügel gleichartig, beschuppt, meist bunt gefärbt. Mundteile einen Rollrüssel bildend. Metamorphose vollständig.

Fossile Schmetterlinge gehören zu den seltensten Versteinerungen und sind bis jetzt auf das Tertiär beschränkt. Aus dem lithographischen Schiefer von Bayern wurde Pseudosirex (Sphinx) Schröteri von Oppenheim für einen Schmetterling gehalten, jedoch von Deichmüller als eine Holzwespe (Uroceride) erkannt.

Fig. 1401.

Fig. 1401.

Prodryas Persephone Scudd. Oligocän. Florissant, Colorado. 1/1. (Nach Scudder.)

Aus dem Tertiär kennt man von den meisten größeren Gruppen vereinzelte Vertreter. So sind namentlich Motten (Microlepidoptera) in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien aus dem Bernstein bekannt. Von Phalaeniden kommen zwei Arten in Radoboj und eine dritte bei Aix vor und ebendaher sowie von Öningen sind auch Noctuiden und mehrere Bombyciden beschrieben. Von Nachtschwärmern (Sphingidae) kennt man Sphinx aus dem Bernstein, Sesia aus Aix. Die Tagfalter sind ungemein selten, doch enthalten die Süßwasserschichten von Aix, Rott, Radoboj und Florissant Reste von etwa einem halben Dutzend fossiler Gattungen.

8. Ordnung. Hymenoptera. Immen.

Vorderflügel größer als die Hinterflügel, dünn, häutig, mit wenigen und entfernten Adern. Mundteile beißend und leckend. Metamorphose vollständig.

Die ältesten Hymenopteren beginnen im Lias von Schambelen im Aargau und gehören zu den Phytophagen. Aus dem lithographischen Schiefer werden verschiedene Arten von Apiaria, Belostomum (Fig. 1390) und Pseudosirex, aus den Purbeckschichten Ameisen und Myrmidium beschrieben. Alle übrigen Reste stammen aus dem Tertiär und gehören zu den Blattwespen (Tenthrediniden), Holzwespen (Uroceriden), Gallwespen (Cynipidae), Schlupfwespen (Ichneumonidae), Braconiden, Goldwespen (Chrysiden), Wespen (Vespidae), Bienen (Apidae), Ameisen (Formicidae) etc. Sie sind am zahlreichsten im Bernstein, im Süßwassermergel von Aix, Florissant, Öningen und Radoboj.

Fig. 1402.

Fig. 1402.

Belostomum elongatum Germ. Lithographischer Schiefer. Eichstätt, Bayern. 2/3 nat. Gr.

Fig. 1403.

Fig. 1403.

Xylocopa senilis Heer. Miocän. Öningen, Baden. 1/1. (Nach Heer.)

Fig. 1404.

Fig. 1404.

Prionomyrmex longiceps Mayr. Bernstein. Ost-Preußen. 2/1. (Nach Mayr.)

Fig. 1405.

Fig. 1405.

Ichneumonites bellus Heer. Miocän. Öningen, Baden. 5/2. (Nach Heer.)

Zeitliche und räumliche Verbreitung der Insekten.

Nach Scudder waren im Jahr 1885 ca. 2600 fossile Insekten beschrieben, wovon 155 paläozoische, 475 mesozoische und 1972 tertiäre. Diese Zahlen haben sich seitdem namentlich durch Funde aus Commentry, Florissant und dem Bernstein erheblich vermehrt.

Das älteste fossile Insekt ist Palaeoblattina aus dem Silur von Jurques in Calvados. Nächstdem folgen einige devonische Orthopteren aus Nordamerika.

In größerer Zahl und Mannigfaltigkeit treten Hexapoda in der produktiven Steinkohlenformation auf und zwar stehen hier die Lokalitäten Commentry, Allier und Mazon Creek, Illinois, obenan. Andere Fundstellen für karbonische Insekten sind Zweibrücken, Wettin-Löbejün bei Halle, Manebach in Thüringen, die belgischen und britischen Steinkohlenreviere in Europa; Neu-Schottland und Pennsylvanien in Nordamerika.

Das permische System liefert (namentlich im Rotliegenden von Weißig in Sachsen, Stockheim in Bayern und Lebach bei Saarbrücken) zwar nur wenige, aber zum Teil hochinteressante Formen, wie z. B. Eugereon. Aus der Trias beschreibt Heer einige Orthoptera aus verschiedenen Lokalitäten, sowie 2 Käfer aus Vaduz in Liechtenstein, zu denen noch etwa 20, erst neuerdings entdeckte, fast alle zu den Schaben gehörige Formen aus dem Süd-Park von Colorado kommen. Im Lias von Schambelen im Aargau, von Gloucestershire in England und Dobbertin in Mecklenburg liegt eine ziemlich reiche Insektenfauna begraben. Die Stonesfield-Schiefer (Dogger) enthalten nur wenige Formen; reiche Fundstätten dagegen sind die Purbeck-Schichten im südlichen England und vor allem der lithographische Schiefer des oberen Jura von Bayern, namentlich bei Eichstätt, Solnhofen und Kelheim. Sehr spärlich dagegen sind Insekten-Reste aus der Kreide (die meisten aus Böhmen).

Die Insel Wight und die Phosphorite des Quercy liefern einige eocäne, meist noch nicht näher beschriebene Formen, dagegen zeichnen sich von oligocänen Ablagerungen die Süßwasser-Mergel von Aix (Provence), von Florissant (Colorado), vom Green River in Nordamerika und vor allem der baltische Bernstein durch einen erstaunlichen Reichtum an fossilen Insekten aus. Kaum weniger reich sind die miocänen Lokalitäten Öningen, Radoboj, Parschlug, Rott u. a.

Im Pleistocän sind namentlich die interglazialen Tone der Schweiz, die Torfmoore von Nordfrankreich und England, die Braunkohlen von Hösbach als Fundstätten von Insekten zu erwähnen.

Beifolgende Tabelle zeigt die geologische Verbreitung der fossilen Insekten.

 

  Si Dev Kar Perm Tri Lias Jura Krei Ter Jet
Aptera                    
Orthoptera ?                    
Neuroptera                    
Hemiptera                    
Coleoptera                      
Diptera                    
Lepidoptera                    
Hymenoptera                    
                     
Legende:
Si = Silur; Dev = Devon; Kar = Karbon; Tri = Trias; Krei = Kreide; Ter = Tertiär; Jet = Jetztzeit

 

Fußnoten:

74 Literatur:

75 Bosquet, J., Monographie des Crustacés fossiles du terrain crétacé du duché de Limbourg. Mém. de la commission pour la carte géologique de la Néerlande Haarlem 1854. — Notice sur quelques Cirripèdes recemment découvertes dans le terrain crétacé du duché de Limbourg. Haarlem 1857. 4o. Mit 3 Tafeln. — Darwin, Ch., A Monograph of the subclass Cirripedia, with figures of all the species. London. Ray Society. Vol. I. 1851 (Lepadidae). Vol. II. 1854 (Balanidae). — A Monograph of the fossil Lepadidae of Great Britain. Palaeontographical Society 1851. 4o. Mit 5 Tafeln. — A Monograph of the fossil Balanidae and Verrucidae of Great Britain. ibid. 1854. Mit 2 Tafeln. — Marsson, Th., Die Cirripeden und Ostracoden der weißen Schreibkreide der Insel Rügen. Mitteil. d. naturw. Vereins von Neu-Vorpommern und Rügen. XII. 1880. — Seguenza, G., Ricerche palaeontologiche interno ai Cirripedi terziarii della Provincia di Messina. Parte I. Napoli 1873. Parte II. 1876.

76 Bosquet, J., Description des Entomostracés fossiles de la craie de Maestricht. Mém. Soc. Roy. des Sciences de Liège. vol. IV. 8o. 1847. — Description des Entomostracés fossiles des terrains tertiaires de la France et de la Belgique. Mém. des sav. étrang. de l'Acad. Roy. de Belgique. vol. XXIV. 1852. — Monographie des Crustacés fossiles du terrain crétacé du duché de Limbourg. (Mém. de la commission pour la carte géologique de la Néerlande.). Haarlem 1854. — Brady, G. St., Crosskey and Robertson, Monograph of the Post-tertiary Entomostraca of Scotland. Palaeont. Soc. 1874. — Egger, J. G., Die Ostracoden der Miocänschichten bei Ortenburg. Neues Jahrb. f. Mineralogie S. 403. 1858. — Jones, Rup., A Monograph of the Entomostraca of the Cretaceous formation of England. Palaeontographical Society. 1849. — A Monograph of the tertiary Entomostraca of England. ibid. 1856. — Notes on palaeozoic bivalved Entomostraca (zum Teil mit Kirkby und Holl). Nr. I-XXVIII Ann. and Mag. nat. history. 1855-1889. — Jones, Kirkby, G. Brady, A Monograph of the British fossil bivalved Entomostraca of the carboniferous Formations. Palaeont. Soc. 1874 and 1884. — Reuß, F. A., Die fossilen Entomostraceen des österreichischen Tertiärbeckens. (Haidingers naturw. Abhandl. III. 1. 1850.) — Die Foraminiferen und Entomostraceen des Kreidemergels von Lemberg. ibid. 1850. — Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. Stuttgart 1845-1846. — Speyer, Osk., Die Ostracoden der Kasseler Tertiärbildungen. Kassel 1863 — Lienenklaus, E., Monographie der Ostracoden des nordwestdeutschen Tertiärs. Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1894. — Sherborn, C. D., The Literature of fossil Ostracods. Nat. Sciences X. 1897.

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79 Novák, Studien an Hypostomen böhmischer Trilobiten I und II. Sitzungsbericht d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 1879 und 1884.

80 G. Lindström: Researches on the visual organs of the Trilobites. K. Svensk. Vet. Ak. Handl. 34. Nr. 8. 1901.

81 American Journ. Sc. Arts 1893. XLVI. S. 121.

82 ibid. S. 467 u. XLVII. 1894 S. 298, 1895 S. 307, 1896 S. 251 und American Geologist 1895 S. 91.

83 Proceed. Biol. Soc. Washington 1894. IX. S. 89.

84 Outline of a natural classification of the Trilobites. Am. Journ. of Sc. 1897 S. 4. Bd. III. p. 89-207.

85 Claus, C., Über den Bau und die systematische Stellung von Nebalia. Zeitschr. f. wissensch. Zoologie 1872. Bd. XXII. — Packard, A. S., A Monograph of the Phyllopod Crustacea of N.-Amerika with remarks on the Order Phyllocarida. 12th Ann. Rep. U. S. geol. and geograph. Survey of the Territories. 1883. — Salter, J., Ann. Mag. nat. hist. 1860. 3 ser. vol. V und Quart. journ. geol. Soc. 1856 XII und 1863 XIX. — Barrande, J., Système Silurien du centre de la Bohème. Vol. I Supplém. 1872. — Clarke, J. M., American journ. of Science 1882 3. ser. vol. XXIII p. 476 und 1883 vol. XXV p. 120. — Neues Jahrbuch f. Mineralogie 1884 Bd. I S. 178. — Dames, W., ibid. 1883 Bd. I S. 319; 1884 Bd I S. 275 u. Bd. II S. 107. — Woodward, H., Geol. Mag. 1872 vol. IX p. 564; 1882 II. Dec. vol. IX p. 385 u. 444; 1884 III. Dec. vol. I p. 348. — Hall and Clarke, J. M., Palaeontology of New York vol. VII. 1888. — Jones, J. R. and Woodward, H., Monograph of the British Palaeozoic Phyllopoda part. II. Palaeontograph. Soc. 1898.

86 Brocchi, P., Note sur un Crustacé foss. dans les Schistes d'Autun. Bull. Soc. géol. de France 1879 3e sér. vol. VIII p. 1. — Burmeister, Über Gampsonychus. Abh. d. naturf. Ges. in Halle 1855 Bd. II S. 191. — Jordan, Verhandl. des naturhist. Vereins für Rheinland 1847 Bd. IV S. 89. — Jordan und Meyer, H. von, Palaeontographica 1854 vol. IV. p. 1. — Meek and Worthen, Acanthotelson und Palaeocaris. Proceed. Ac. nat. sc. Philadelphia 1865 p. 46, 50. — Spence Bate, C., On Palaeocrangon. Quart. journ. geol. soc. 1859 vol. XV p. 137. — Woodward, H., Geol. Magazine 1881 II. Dec. vol. VIII p. 529.

87 Ammon, L. von, Ein Beitrag zur Kenntnis der fossilen Asseln. Sitzungsbericht d. bayer. Akad. Math.-phys. Kl. 1882 S. 507. — Kunth, A., Über wenig bekannte Crustaceen von Solenhofen. Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1870 Bd. XXII S. 771. — Meyer, H. von, Über Palaeoniscus obtusus aus Sieblos. Paläontogr. 1858 Bd. V S. 110 u. 111. — Milne-Edwards, H., Sur deux Crust. foss. de l'ordre des Isopodes. Ann. Sc. nat. Zoologie 1843 2e sér. vol. XX p. 326. — On a fossil Crust. (Archaeoniscus) in the Wealden. Ann. Mag. nat. hist. 1844 vol. XIII. — Woodward, H., Geol. Mag. 1870. VII. 495 und Quart. journ. geol. Soc. 1879 XXXV. 346. — Carter, J., On fossil Isopoda. Geol. Mag. 1899. [3]. VI.

88 Münster, G. Graf zu, Beiträge zur Petrefaktenkunde 1840 Heft III S. 19-23 und 1842 Heft V S. 76 Taf. IX. — Kunth, A., Über wenig bekannte Crustaceen von Solenhofen. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. 1870 Bd. XXII S. 771. — Schlüter, Cl., Palaeontographica XV S. 304. — Woodward, H., Quart. journ. geol. Soc. 1879. XXXV. 549.

89 Meyer, H. von, Neue Gattungen fossiler Krebse aus Gebilden von buntem Sandstein bis in die Kreide. Stuttgart 1840. 4o. — Jurassische und triasische Crustaceen. Palaeontographica 1854 vol. IV p. 44-55. — Münster, G. Graf zu, Über die fossilen langschwänzigen Krebse in den Kalkschiefern von Bayern. Beiträge zur Petrefaktenkunde II. Heft 1839. — Oppel, Alb., Paläont. Mitteilungen aus dem Museum des kgl. bayer. Staates. I. Über jurassische Crustaceen. Stuttgart. 1862. — Peach, B. N., On new Crustacea of the lower Carboniferous Rocks of Eskdale and Liddesdale. Trans. Roy. Soc. Edinburgh 1880 vol. XXX p. 73 und 1882 vol. XXXII p. 512. — Reuß, E. A., Über fossile Krebse aus den Raibler Schichten. Beiträge zur Paläontographie Österreichs Bd. I 1858. — Salter, Carboniferous Crustacea. Quart. journ. geol. Soc. vol. XVII p. 528. — Schlüter, Cl., Die Macruren-Decapoden der Senon- und Cenoman-Bildungen Westfalens. Zeitschr. der deutschen geol. Ges. 1862 Bd. XIV S. 702. — Neue Kreide- und Tertiär-Krebse des nördlichen Deutschlands. Ibid. 1879 Bd. XXXI S. 586. — Schlüter und v. d. Mark, Neue Fische und Krebse aus der Kreide von Westfalen. Palaeontographica vol. XI, XV.

90 Bittner, Alex., Die Brachyuren des vicentinischen Tertiärgebirges. Denkschriften der k. k. Akad. Wien 1857 Bd. XXXIV und 1883 Bd. XLVI. — Beiträge zur Kenntnis tertiärer Brachyuren-Faunen. Ibid. 1883 Bd. XLVIII. — Über Phymatocarcinus speciosus. Sitzungsbericht der k. k. Akad. Wien 1877 Bd. LXXV. — Fischer-Benzon, Über das relative Alter des Faxoe-Kalkes und über die in demselben vorkommenden Anomuren und Brachyuren. Kiel 1866. — Meyer, H. von, Die Prosoponiden oder Familie der Maskenkrebse. Palaeontographica 1860 vol. VII. — Milne-Edwards, Alph., Hist. des Crustacés podophthalmaires fossiles. I. Portuniens et Thalassiens. Ann. des Sciences nat. Zoologie 4e sér. tome XIV 1871. II. Cancériens. Ibid. 4e sér. tome XVIII 1862, XX 1863; 5e sér. tome I 1864, III. 1865. — Reuß, A., Zur Kenntnis fossiler Krabben. Denkschr. Wiener Akad. 1857. Bd. XVII. — Mörike, W., Die Crustaceen der Stramberger Schichten. Palaeontogr. Supplem. II. 1897. — Lörenthey, E., Beitrag zur Decapodenfauna des ungarischen Tertiärs. Mathem.-naturw. Ber. aus Ungarn XIV. 1898.

91 Dekay, J. E., On a fossil Crustacean. Ann. R. Y. Lyceum Nat. Hist. I 1825. — Hall, James, Natural history of New York. Palaeontology vol. III 1859. — Huxley, Th. and Salter, On the Anatomy and Affinity of the genus Pterygotus. Mem. geol. Surv. U. Kingdom. Monograph I. 1859. — Nieszkowski, Joh., De Euryptero Remipedo. Dissert. inaug. Dorpat 1858 (auch in deutscher Sprache im Archiv f. Naturkunde Liv-, Est- u. Kronlands 1859 1. Ser. vol. II p. 299). — Salter, J. W. On some fossil Crustacea from the Coal-Measures and Devonian. Quart. journ. geol. Soc. 1863 vol. XIV p. 75. — Woodward, H., Geol. Mag. 1864 vol. I p. 107, 196; 1872 vol. IX p. 433. — Quart. journ. geol. Soc. London 1865 vol. XXI p. 486; vol. XXIV p. 298. — A Monograph of British fossil Crustacea belonging to the order Merostomata. Palaeontographical Society Part. I-V 1866-1878. — Grote, A. R. and Pitt, N. H., New species of Eusarcus and Pterygotus Bull. Buffalo Soc. Nat. Sc. III. 1875. — Schmidt, Fr., Miscellanea Silurica III. Die Crustaceenfauna der Eurypterusschichten von Rootziküll auf Oesel. Mém. de l'Acad. impér. de St. Pétersbourg. 7e sér. vol XXXI. 1883. — Hall, J. and Clarke, J. M., Palaeontology of New York VII. 1888. — Laurie, M., Eurypterid Remains from Pentland Hills. Trans. Roy. Soc. Edinburgh XXXVII. 1892. Anatomy and Relations of Eurypterida. Ibid. XXXVIII. 1893. — Holm, Gerh., Über die Organisation des Eurypterus Fischeri. Mém. Acad. imp. St. Petersburg VIII. 1898. — Om den yttre Anatomien hos Eurypterus Fischeri. Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandl. 1899. Bd. 21 S. 83.

92 Hoeven, v. d., Recherches sur l'hist. nat. et l'anatomie des Limules. Leyden 1838. — Dohrn, A., Zur Embryologie u. Morphologie des Limulus polyphemus. Jenaische Zeitschr. f. Med. u. Naturw. 1871. VI. — Milne-Edwards, Alph., Recherches sur l'anatomie des Limules. Ann. Sciences nat. 5e sér. Zoology vol. XVII. 1873. — Münster, Graf, Beiträge zur Petrefaktenkunde. Bayreuth 1840 Heft III p. 26 u. Heft I p. 71. — Packard, A. S., The Anatomy, Histology and Embryology of Limulus polyphemus. Anniversary Memoirs of the Boston Soc. of nat. hist. 1880.

93 Genauere Auskunft über Literatur, Systematik, Vorkommen und Abstammung der fossilen Tracheaten gibt S. Scudder in Zittel, Handbuch der Paläontologie Bd. II.

94 Die beigefügten Zahlen beziehen sich auf die bis jetzt bekannten Arten jeder Ordnung oder Familie.

Register.