Die fellbekleideten Ski scheinen demnach die ursprünglichste Form gewesen zu sein; sie ist auch über ganz Sibirien verbreitet und scheint dort die gebräuchlichste zu sein. In den ältesten norwegischen Sagen und Skaldengedichten bedient man sich, wie wir bereits gesehen haben, ursprünglich nur des Wortes Aander,[25] das jetzt zur Bezeichnung der kurzen, fellbekleideten Ski der Lappen und Nordländer verwendet wird.
Nach dem russischen Ableitungswort golos zu urtheilen, könnte es, wie bereits bemerkt wurde, den Anschein haben, als ob die Lappen die Benutzung der Ski ohne Fell erst von den Russen erlernt hätten. Dies ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenn wir sehen, daß solche Ski auch häufig ganz östlich in Sibirien, bei den Tungusen, benutzt werden. (Nach Mittheilung von Jakobsen.) Freilich haben sie hier dieselbe Form wie die fellbekleideten Ski und sind wohl häufig nur eine Folge von dem Mangel an Fellen.
Es hat überhaupt den Anschein, als wenn sie ihre hauptsächliche Entwickelung in Europa erhalten haben, wo man wohl auch weniger Vorrath an Fellen, dafür aber eine desto größere Auswahl von Holzsorten zum Verfertigen von guten, unbekleideten Ski hatte.[26]
Indem man die schwere Fellbekleidung fortließ, konnte man den Ski länger machen und ihm dadurch eine größere Tragfläche geben, so daß er weniger einsank und desto leichter über den Schnee dahinglitt. In Skandinavien und besonders in Norwegen hat diese Skiform ihre höchste Entwickelung erreicht, und wo das Dahingleiten über den Schnee und das Vorwärtskommen die Hauptsache sind, da muß diese Skiform wohl als die vollkommenste angesehen werden.
Um einen kurzen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Skis zu geben, so wie wir sie auf Grundlage des oben aufgestellten betrachten, mag folgender Stammbaum aufgestellt werden:
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Nicht mit Fell bekleidete Ski (27 : 1)
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Aandrer (18 : 1)
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tungusische Ski (9 : 1)
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indianische Schneeschuhe
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ovale, fellbekleidete Platten
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Weidenplatten, Truger
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runde Holzplatten.
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Ich habe es für nöthig erachtet, den Ski und ihrer Geschichte eine so ausführliche Behandlung zu geben, nicht allein weil es das erste Mal ist, daß sie in weiterer Ausdehnung im Dienste der Wissenschaft benutzt wurden, oder weil die ganze grönländische Expedition auf ihrer Grundlage geplant und ausgeführt wurde, sondern ich that es auch, weil dies kräftige Hülfsmittel im Kampf des Menschen mit dem Dasein bis dahin durchaus nicht den Platz in der Forschung der Kulturgeschichte erhalten hat, den es verdient. Es ist ein Geräth, das große, sonst kaum bewohnbare Strecken dem Menschen zugänglich gemacht und das gerade den Winter in diesen Gegenden zur Verkehrszeit umgewandelt hat, indem der Schnee über Berg und Thal, von einem Dorf zum anderen Brücken spannt, statt alle Wege und Stege zu verschließen.
Augenblicklich besitzen wir in Norwegen eine ganze Anzahl von Skiformen; einige sind lang und schmal, andere kurz und breit; unter einigen befindet sich ein großer hohler Rand, unter anderen ein kleinerer, wieder andere haben zwei oder noch mehr kleinere Ränder, während eine ganze Reihe von Formen gar keinen Rand haben und auf der Unterseite völlig glatt sind. Es ist der Zweck des Randes, die Ski fester zu machen, so daß sie, besonders auf harter Bahn, geradeaus gehen, ohne nach den Seiten zu schleudern. Soweit mir bekannt ist, werden Aandrer nur an ganz vereinzelten Stellen im Nordland benutzt. Diese verbinden mit ihren vielen Nachtheilen den einen Vortheil, daß sie auf einer bestimmten Schneeart glatter dahingleiten als gewöhnliche Ski, indem die Haare des Fells das Festhängen (Ballen) des Schnees verhindern, was bei Holz, besonders wenn er frisch oder feucht ist, sehr leicht der Fall sein kann. Ferner besitzen sie den Vorzug, daß sie nicht so leicht zurückgleiten, indem die Haare gegenhalten. Dies hat freilich für einen guten Skiläufer nicht viel zu bedeuten.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir uns hier auf eine Beschreibung der zahlreichen verschiedenen Skiformen einlassen wollten, die in Norwegen gebräuchlich sind. Es ist freilich zu beklagen, daß dies noch nicht geschehen ist, wie es auch noch keine Sammlung unserer Skitypen giebt, um so mehr, als unsere merkwürdigsten Formen allmählich durch neue verdrängt werden und verschwinden.
Die Länge des Ski pflegt zwischen 2,2 m bis hinauf zu 3,1 m zu variiren. Das gewöhnliche Maß ist, daß der Mann, welcher sie benutzen soll, wenn sie lothrecht stehen, zur Noth die Spitze mit der ausgestreckten Hand erreichen kann.
Es ist nicht leicht zu sagen, welche Skiform die beste ist, denn dies richtet sich nach der Beschaffenheit des Schnees und des Bodens, auf welchem sie verwendet werden sollen. Will man schnell über Ebenen und offene Berggegenden hinweg gelangen, wo nicht viele Schwingungen zu machen sind, so thut man am besten, wenn man lange und schmale Ski benutzt, während es sich von selbst versteht, daß man z. B. in unwegsamen Waldgegenden kurze und breite Ski vorzieht, die leicht zu wenden sind. Bei schwerem, losem Schnee kann man ferner lange und breite Ski aus losem, leichtem Holz benutzen.
Als Skimaterial wird in den verschiedenen Gegenden äußerst verschiedenes Holz benutzt. Außer Fichtenholz, was das gewöhnlichste ist, verwendet man das Holz der Tanne (auch Grantennar, doch kommt dies nur selten vor) der Esche, Ulme, Eiche, Erle, Espe, des Vogelbeerbaums und ausnahmsweise auch wohl das des Ahorns. Es läßt sich ebenfalls nicht leicht bestimmen, welche Holzart die beste ist, da die verschiedenen Holzsorten ihre Vorzüge zu haben pflegen. Einzelne sind glatter, besonders die Ulme ist hierfür bekannt, ja es wird sogar in manchen Gegenden als gefährlich betrachtet, sich der aus Ulmenholz verfertigten Ski zu bedienen, da man sich leicht darauf todtlaufen kann. Im Volksmunde heißt es, daß der Teufel selber hinten auf den Ulmen-Ski sitzt.
Nicht jeder Schnee ist gleich gut zum Schneeschuhlaufen. So ist feuchter Schnee sehr ungünstig, besonders für Ski, die nicht mit Fell bezogen sind. Er hängt daran fest und ballt sich zuweilen zu einer festen Schicht zusammen, die viele Zoll, ja oft sogar einen Fuß dick werden kann, und die das Vorwärtskommen sehr erschwert, was mancher Skiläufer hat empfinden müssen, wenn er meilenweit entfernt von bewohnten Stätten, und besonders auf dem losen Schnee in den Wäldern von Tauwetter überrascht wurde. Wenn der Schnee so fest hängt, sagt man, daß er „ballt“.
Hiergegen hat man verschiedene Mittel. Eins der gewöhnlichsten ist das Tränken der Ski mit Leinöl oder mit Theer, der zum Theil mit Talg versetzt ist; dies hilft ein wenig. Man reibt auch wohl die untere Fläche mit Talg, Wachs, Stearin oder dergl. ein. Stearin ist nach meiner Erfahrung das Beste, doch wird es ebenso wie die anderen Stoffe schnell abgenutzt und muß erneut werden. Am besten haftet das Stearin, wenn man es bei einem Feuer einreiben kann, über dem die untere Fläche des Skis vor dem Einreiben erwärmt wird. Ein anderes, häufig angewendetes Mittel besteht darin, die Ski mit einem Beutel mit Salz, der ein wenig angefeuchtet ist, einzureiben, oder auch mit einem gesalzenen Hering. Hierdurch kann man den Schnee eine kleine Weile fernhalten, worauf dieselbe Behandlung abermals vorgenommen werden muß.
Nicht bei allen Holzsorten ballt der Schnee gleich leicht; die fettigeren pflegen in dieser Beziehung die besten zu sein; so wird z. B. das Fichtenholz als vorzüglich angesehen. Am zweckmäßigsten auf Schnee, der die Neigung zum Ballen hat, sind und bleiben, wie bereits erwähnt, die Aandrer. Sie haben indessen den Nachtheil, daß das Fell bei Thauwetter die Nässe anzieht und sie schwerer macht.
Auch auf frischgefallenem Schnee gleitet es sich nicht leicht; er pflegt, selbst wenn er bei Kälte fällt, Neigung zum Hängenbleiben zu haben. Dasselbe ist auch der Fall beim Schneetreiben. Der Schnee wird gewöhnlich, nachdem er dem Winde eine Weile ausgesetzt war, fein wie Staub, er ballt sich fest zusammen und fühlt sich beim Gehen zäh wie Tuch an. Besonders ist dies der Fall, wenn der Schnee bei starker Kälte gefallen ist und seither keinem Thauwetter ausgesetzt war, denn er ist dann schon von vornherein sehr fein. Solchen Schnee, und zwar von der zähesten Art, hatten wir fast die ganze Zeit hindurch auf dem Inlandseis in Grönland.
Es ist selbstverständlich, daß der Schnee, wenn man leicht darüber hingleiten soll, nicht allein glatt, sondern auch einigermaßen fest sein muß, so daß die Ski nicht zu tief einsinken.
Als guter Schnee ist deswegen derjenige zu betrachten, der bei Thauwetter fällt, zusammensinkt und darauf scharfer Kälte ausgesetzt ist. Noch besser ist es, wenn der Schnee erst dem Thauwetter und dann der Kälte ausgesetzt war, so daß sich eine feste Kruste bilden konnte. Fällt dann eine ganz dünne, ungefähr einige Centimeter dicke Schicht losen, guten Schnees oder noch besser Reif, so wird es eine Skibahn ersten Ranges, die Ski gleiten ganz erstaunlich leicht und selbst bei der schwächsten Abschrägung geht es ganz von selber abwärts. Eine glatte, harte Kruste ohne Schnee darauf ist insofern gut, als es sich leicht darüber hingleiten läßt. Ist die Kruste aber zu hart, so haben die Ski keinen Halt und schleudern, falls sie nicht eigens für diesen Zweck eingerichtet sind, leicht hin und her. Bei unebenem Terrain ist es deswegen bei solcher Bahn schwer, das Gleichgewicht zu behalten, um so mehr, als man gewöhnlich in fliegender Fahrt dahinsaust.
Das Skilaufen ist nicht immer ohne Gefahr, und Derjenige, der sich z. B. bei mit glatter Kruste überzogenem Schnee über steile Abhänge, in unbekannten unebenen Gegenden dahinbewegt, muß die vollkommene Herrschaft über seine Ski haben; denn sonst könnte es ihm ergehen, wie es in einer alten Beschreibung heißt: „Falls er fällt, kann es ihm leicht passiren, daß er Arm und Beine bricht.“[27] Es ist indessen zu bewundern, wie wenig Unglücksfälle sich im ganzen auf Ski ereignen, und insofern ist es ganz richtig, wenn es in derselben Beschreibung weiter heißt: „Zum Glück für den Burschen pflegt in solchem Fall ein geringeres Unglück einzutreten: seine Ski zerbrechen, was ebenso schnell geschieht, als wie ein Pfeifenrohr zerbricht. Ich bin oft Augenzeuge eines solchen Vorgangs gewesen.“
Völlig so oft, wie es hiernach erscheinen mag, zerbrechen die Ski nun freilich nicht. Für einen tüchtigen Skiläufer, der gute Ski hat, gehört es zu den Ausnahmen, daß so etwas geschieht. Ein zerbrochener Ski fern von Menschen auf tiefem Schnee kann übrigens unangenehm genug sein, obwohl man deswegen nicht rathlos ist. Eins der Stücke wird, so gut es eben geht, hergerichtet und an den Fuß geschnallt und dann geht es darauf weiter vorwärts. Daß ein kühner Schneeschuhläufer bei Ausübung seiner Kunst stets ein wenig wagt, das macht diesen Sport nur um so anziehender, es erhöht die Spannung und trägt dazu bei, den Willen zu stählen und die männliche Kraft zu entwickeln.
In den allerletzten Jahren hat das Schneeschuhlaufen in Norwegen einen gewaltigen Aufschwung genommen; es ist in der Beziehung ein ganz neuer Geist in das norwegische Volk gefahren. Dies haben wir im wesentlichen den öffentlichen Skiversammlungen zu verdanken, namentlich denen in Kristiania, wo die Telemarker sich einstellten und die jungen Städter durch ihre Ueberlegenheit in Erstaunen setzten, und wo diese ihnen ihre Kunstgriffe absahen und sie gar bald zu übertreffen lernten.
Derjenige, der diese mächtige Bewegung Schritt für Schritt mit durchgemacht hat, der sich erinnert, wie öde und leer es noch vor 12 Jahren auf den Skihügeln vor der Stadt war, und der sieht, wie es jetzt im Winter überall von jungen und alten, männlichen und weiblichen Schneeschuhläufern wimmelt, — kann sich nur über dies gesunde, frische Leben freuen.
Bis ganz vor kurzem war der Stab den Skiläufern fast ebenso unentbehrlich wie die Ski selber; auf ihm ritt er den Berg hinab, wenn die Geschwindigkeit zu groß wurde, zu ihm nahm er in jeder schwierigen Lage seine Zuflucht, er war sein einziger Tröster in jeglicher Noth. Dadurch erhielt freilich der Läufer eine gezwungene, hinten überliegende Stellung, ohne die eigentliche Herrschaft über die Ski zu erlangen oder sich auf seine eigenen Beine zu verlassen.
Dann aber entwickelte sich, besonders oben in Telemarken eine neue Richtung. Die jungen Burschen aus Telemarken zeigten uns, daß man, wenn man nur die gründliche Herrschaft über die Ski besitzt, weit größere Schwierigkeiten überwinden kann, ganz abgesehen davon, daß die Haltung sicher und frei wird, indem man den Körper anspannt und sich auf die Kraft der eigenen Beine statt auf den Stab verläßt.
Es sind noch nicht viele Jahre verflossen, seit diese neue Methode sich geltend machte, und doch hat sie schon eine ganze Umwälzung in unserer Skiwelt hervorgerufen. Gleichzeitig damit machte die Kunst des Luftsprunges ganz erstaunliche Fortschritte. Diese Kunst, die bei dem sportsmäßigen Skilaufen stets als Hauptsache betrachtet wurde, hat keine weitere praktische Bedeutung, denn Niemand sucht Schneeschanzen auf oder macht lange Luftreisen, wenn er weite Strecken zurückzulegen hat und seine Ski allen Ernstes gebraucht. Da sucht man dergleichen Schwierigkeiten zu umgehen. Diese Luftsprünge können völlig als Spiel betrachtet werden, aber sie sind ein nützliches Spiel, denn nichts verleiht dem Körper in dem Maße die Herrschaft über sich selbst, nichts giebt uns eine solche Sicherheit, einen solchen Muth und eine solche Herrschaft über die Ski als das Springen.
Will man den Luftsprung ausführen, so sucht man Schneeschanzen auf, die entweder von der Natur gebildet oder aus Schnee aufgeschaufelt sind, und über die hinweg man in sausender Fahrt längere oder kürzere Luftreisen machen kann. Man verlängert den Sprung häufig, indem man auf der Kante der Schneeschanze den Anlauf nimmt. Auf diese Weise kann man 20-25 m durch die Luft schweben, ja, es giebt Skiläufer, die noch viel weiter zu springen vermögen. Man erzählt von einem bekannten Skiläufer aus Telemarken, Sóndre Auersen Nordheim, daß er 30 m von einem Felsblock hinab sprang und auf beiden Füßen stehend unten ankam. Der lothrechte Fall ist bei solchen Luftsprüngen nicht unbedeutend; 8-12 m sind die durchschnittliche Höhe, also ungefähr gleichbedeutend mit einem Fall aus der dritten Etage eines gewöhnlichen Gebäudes. Während der Segelfahrt durch die Luft halten sich Einige gerade wie eine Kerze, während andere die Beine unter sich ziehen (siehe Seite 119 u. 122). Man pflegt, wenn man unten anlangt, das rechte Bein vor das Linke zu schieben, und sinkt einen Augenblick in das linke Knie, indem man mit fliegender Fahrt weitersaust. Gerade der Umstand, daß man die Fahrt so lange beibehält, macht im Verein mit der Weichheit des Schnees solche Sprünge möglich. Daß Viele nach der Luftreise fallen, ist kein Wunder, und wenn man sie die Hügel hinabrollen sieht, — Arme, Beine und Ski durcheinander wirbelnd, — in eine Wolke von Schnee gehüllt, da wird Jeder, der es nicht selbst versucht hat, fest überzeugt sein, daß der kühne Skiläufer mindestens Arm und Beine gebrochen hat. Und doch kommt ein wirklicher Unglücksfall nur äußerst selten vor.
Zu sehen, wie ein tüchtiger Skiläufer seine Luftsprünge ausführt, — das ist eins der stolzesten Schauspiele, welche diese Erde uns zu bieten vermag. Wenn man sieht, wie er frisch und keck den Berg hinabgesaust kommt, wie er sich wenige Schritte vor dem Sprung zusammenduckt, auf der Sprungkante den Anlauf nimmt und — hui! — wie eine Möve durch die Luft dahinschwebt, bis er 20-25 Meter weiter abwärts die Erde berührt und in einer Schneewolke weitersaust, — da durchzittert es den Körper vor Freude und Begeisterung. Und einen solchen Anblick kann man im Winter bei guter Skibahn täglich haben, in Sonderheit aber bei den großen Skiversammlungen. Schon Olaus Magni erwähnt, daß man im 16. Jahrhundert „des Sports wegen auf Ski läuft, wetteifernd wer der Erste sein wird, gleich wie die Läufer beim gewöhnlichen Wettlauf, die um Prämien laufen.“ Diese Wettrennen sind seit dem Jahre 1862 in den südlichen Gebirgsgegenden regelmäßig wieder eingeführt. Die tüchtigsten Skiläufer des Landes treffen hier zusammen und kämpfen um den ersten Preis. Der eine segelt noch eleganter durch die Luft dahin wie der andere, während die Zuschauer in athemloser Spannung warten, bis sie unten anlangen. Stehen sie auf ihren Füßen, so werden sie mit endlosem Jubel begrüßt, während der Unglückliche, welcher fällt, ein schallendes Hohngelächter über sich ergehen lassen muß. Wer ein solches Wettrennen auf dem Huseby-Berge bei Kristiania mitgemacht hat, der vergißt den Anblick nie wieder.
Um aber völlig Herr über seine Ski zu sein, muß man noch etwas mehr verstehen, als nur auf ihnen zu springen. Man muß im stande sein, sie, sobald es erforderlich ist, nach beiden Seiten zu schwingen, sie ganz quer hinzustellen und vor jedem unerwarteten Hinderniß Halt zu machen. Kann man das nicht, da ist man stets in Gefahr, gegen Bäume und Erhöhungen im Terrain anzurennen, ja in unbekannte Abgründe hinabzustürzen. Deswegen wird dies alles bei den jährlichen Zusammenkünften geübt, und auch hierin sind die Bewohner von Telemarken die Lehrmeister der neueren Zeit. Sie in voller Fahrt daherkommen, dann plötzlich die Ski mit einer schnellen Wendung quer werfen und Halt machen sehen, das ist vielleicht ein beinahe so stolzer Anblick, als wenn man sie durch die Luft dahinfliegen sieht.
Die Ski sind vor allen Dingen ein Mittel zum Vorwärtsgelangen, und deshalb ist und bleibt auch die Geschwindigkeit, mit welcher der Skiläufer seinen Weg über ein ungebahntes Feld nehmen kann, der wichtigste Theil des Skilaufens.
Obwohl der Sprung die größte Bewunderung bei den Zuschauern erregt, so wird mit Fug und Recht bei unseren jährlichen Skiversammlungen dem Fernlauf die größte Bedeutung beigelegt. Mancher glaubt, daß es nur darauf ankommt, Stärke und Widerstandskraft zu besitzen, um schnell lange Strecken auf Ski zurücklegen zu können, aber dies ist ein Irrthum. Es kommt in ebenso hohem Grade darauf an, daß man mit dem Gebrauch der Ski vertraut ist; am besten ist es, wenn man von Kindheit an Uebung im Laufen hat, so daß man mit so wenig Schwierigkeit wie möglich vorwärts gleitet. Durch lange Uebung, besonders in der Kindheit, werden auch die Muskeln und derjenige Theil des Nervensystems, der bei der Führung der Ski hauptsächlich in Anwendung gelangt, stärker entwickelt. Was die Gewohnheit macht, ist leicht zu verstehen, wenn man einen geübten und einen ungeübten Skiläufer nebeneinander sieht, — der Geübte gleitet dahin, als wenn das Ganze ein Kinderspiel wäre, während der Ungeübte mit dem ganzen Körper arbeitet und eine ganze Menge Muskelkraft vergeudet, um die nöthige Bewegung zu erzielen. Man wird aus dem Grunde äußerst selten sehen, daß Leute, die erst im späteren Alter die Benutzung der Ski erlernen, sichere und ausdauernde Skiläufer werden. Bei wenig Dingen trifft deswegen die Bedeutung des Sprichwortes: „Guter Haken krümmt sich früh“ mehr zu als bei diesem Sport; das ganze Körpersystem muß am liebsten damit aufwachsen. Man darf aber hieraus nicht schließen, daß das Skilaufen eine einseitige Ausbildung zur Folge hat, — im Gegentheil, wohl nichts entwickelt den Körper gesunder und harmonischer. Nicht allein die Beine, sondern auch der Oberkörper und die Arme werden in Mitleidenschaft gezogen. Die letzteren erhalten eine gesunde Bewegung durch die Benutzung des Stabes während des Laufes, besonders wenn man einen solchen in jeder Hand hat, so wie es in einigen Gegenden von Lappland Sitte ist, und wie es auch in letzter Zeit bei schnellem Laufen in Norwegen in Anwendung gelangte. Auf der Wanderung über das grönländische Inlandseis bedienten auch wir uns zweier Stäbe.
Es ist unmöglich, eine Norm für die Geschwindigkeit aufzustellen, zu der ein tüchtiger und ausdauernder Skiläufer es bringen kann, da dies hauptsächlich von dem Terrain und von der Beschaffenheit des Schnees abhängt. Auf guter Bahn und bei einigermaßen günstigem Terrain kann man jedoch annehmen, daß er täglich ungefähr 100 Kilometer zurückzulegen vermag.
Der längste Distancelauf, der in Norwegen abgehalten wurde, fand im Februar 1888 bei Kristiania statt. Die Bahn war 50 Kilometer lang und ging größtentheils über hügeliges, unebenes Waldterrain, — unterwegs waren viele Hindernisse verschiedenster Art aufgestellt, um die Tüchtigkeit der Skiläufer zu erproben. Der Sieger legte die Bahn in 4 Stunden 26 Minuten zurück.
Der längste Distancelauf auf Schneeschuhen, der überhaupt bekannt ist, wurde auf Veranlassung der Freiherren Dickson und Nordenskjöld am 3. und 4. April 1884 in Jokkmokk im nördlichen Schweden abgehalten. Den ersten Preis errang der Lappe Tuorda — 37 Jahre alt — der Nordenskjöld auf seiner Reise über das grönländische Inlandseis begleitet hatte. Er legte nach Angabe der Preisrichter 220 Kilometer in 21 Stunden 22 Minuten zurück, — der zweite, ebenfalls ein Lappe — 40 Jahre alt — kam 5 Minuten später an, und von den 6 Männern, von denen 5 Lappen waren, kam der letzte 46 Minuten später als der erste an. Die Bahn war beinahe eben und führte zum größten Theil über eisbedeckte Seen, — folglich muß sie sehr leicht gewesen sein, wie auch die Beschaffenheit des Schnees sehr günstig gewesen sein muß.
Bei früheren arktischen Expeditionen sind merkwürdigerweise die Ski nur selten oder gar nicht zur Anwendung gelangt. Auf dem grönländischen Inlandseis sind sie nur von sehr wenigen Expeditionen benutzt worden.
Schon im Jahre 1728 wurde sonderbarerweise der Gedanke in Dänemark rege, daß, wenn das Innere Grönlands untersucht werden sollte, dies nur auf Schneeschuhen geschehen könne, „indem einige junge, kecke norwegische Leute, die daran gewöhnt waren, im Winter auf Ski in den Bergen zu jagen, einen guten Theil des Landes nach allen Richtungen hin erforschen konnten.“ Dieser Gedanke wurde jedoch von den Dänen niemals zur Ausführung gebracht.
In den „Nachrichten von Island, Grönland und Davisstraße“ von Johann Anderson (Hamburg 1746) wird u. a. erzählt, daß ein Schiffer es auf alle Weise versucht habe, in das grönländische Inlandseis einzudringen „sogar mit den langen Fußbrettern, deren sich bekanntlich die Lappen und Andere bei ihren Winterzügen bedienen, doch hat er nicht weit ins Land hinein gelangen können, und nachdem er einen seiner Begleiter verloren hatte, der sich zu weit vor wagte und vor ihren Augen versank, so daß sie wohl seine Schreie und Klagen hörten, ihm aber nicht zu Hülfe kommen konnten, hat er ohne diesen Menschen und ohne die Hoffnung, jemals weiter vordringen zu können, umkehren müssen“.
1878 nahm die dänische Expedition unter Kapitän Jensen Ski mit, benutzte sie aber nicht. Jensen berichtet, daß sie dagegen gute Dienste als Feuerungsmaterial thaten.
Ski wurden ferner von 2 Lappen benutzt, die Nordenskjöld im Jahre 1883 begleiteten, sowie von Peary und Maigaard im Jahre 1886.
Zum Schluß will ich hier noch die Schneeschuhe beschreiben, die wir auf unserer Expedition verwendeten. Sie gehörten eigentlich keiner bestimmten norwegischen Form an, sondern waren so gemacht, wie ich sie für Schneefelder von der Beschaffenheit, wie wir sie im Innern Grönlands vorzufinden glaubten, am passendsten hielt. Wir hatten im ganzen 9 Paar bei uns; 2 waren von Eichenholz, während die übrigen aus Birkenholz verfertigt waren. Die Eichenski hatten eine Länge von 2,30 m. Die Breite betrug vorn bei der Biegung 9,2 cm, von der Mitte bis nach hinten dagegen 8 cm. Auf der Oberfläche der Ski lief der Länge nach sowohl vor wie hinter der Fußplatte eine Leiste entlang, wodurch sie die nöthige Steifheit erhielten, ohne dadurch zu dick oder zu schwer zu werden. An den oberen Seitenrändern waren sie ein Stück vor und hinter dem Zehenriemen ein wenig eingeschnitten (siehe den Querschnitt) so daß dieser nicht zu sehr vorstand und die Fahrt hinderte. Auf der unteren Fläche hatten sie drei schmale Längsrillen. Ungefähr dieselbe Form und dieselben Dimensionen hatten auch die 7 Paar Birkenski. Durch Unachtsamkeit des Verfertigers wurden sie indessen ein wenig schmäler in der Biegung, indem sie hier dieselbe Breite hatten, wie weiter nach hinten zu. Infolgedessen tragen die Vorderenden der Ski nicht so gut über den Schnee, wirken mehr wie ein Schneepflug und erschweren den Gang. Leider erhielten wir die Ski so kurz vor unserer Abreise, daß uns keine Zeit blieb, neue anfertigen zu lassen.
Diese Birkenski waren auf der unteren Fläche mit ganz dünnen Stahlplatten belegt, die unter dem Fuße eine Oeffnung hatten (88 cm lang und 5,3 cm breit), in welche ein Stück Fell von einem Elenthierfuße eingefügt war. Ich hatte diese Stahlplatten an den Ski befestigen lassen, weil ich viel feuchten und körnigen Schnee zu finden erwartete, auf dem gewöhnliche hölzerne Ski nicht gleiten. Durch Einfügen des Felles wollte ich bewirken, daß die Ski trotz der glatten Stahlschienen nicht zurückglitten.
Wir trafen indes keinen solchen Schnee an und hätten uns diese Vorkehrung ersparen können.
Die beiden Paar Eichenski erwiesen sich als sehr zweckmäßig und für künftige Expeditionen glaube ich ausschließlich solche empfehlen zu können.
Die Befestigung der Ski war äußerst einfach und bestand nur aus einem Zehenband von dickem, steifem Leder und einem verhältnißmäßig breiten Fersenriemen, der zu beiden Seiten ganz unten am Ski an das Zehenband befestigt war. Eine steife Befestigung, etwa von Weiden oder spanischem Rohr, wie es in Norwegen allgemein gebräuchlich ist, um bergab zu fahren oder zu springen, eignet sich meiner Meinung zu langen Wanderungen durchaus nicht. Sie ist durchaus nicht erforderlich, um dem Träger die Herrschaft über die Ski zu verleihen, und sie ermüdet und hindert den Fuß weit mehr als eine weichere, geschmeidigere Befestigung durch Leder. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man bei großen Entfernungen um so weniger ermüdet, je weniger man die Befestigung fühlt.
[13] Nach Professor Gustav Storm ist überall im „Königsspiegel“ von Ellen statt von Fuß die Rede.
[14] Prof. Gustav Storm, Kristiania, hat die hier angeführte Stelle gütigst übersetzt. (Königsspiegel, Kristiania-Ausgabe S. 19-20.) Der Königsspiegel wurde ungefähr im Jahre 1250 von einem Norweger geschrieben, der im nördlichen Namthal, entweder auf Vigten oder Naerö, wohnte. (Siehe „Archiv für nordische Philologie“, I. 205-9.)
[15] Aus dem „Jahrbuch des norwegischen Touristenvereins für das Jahr 1889“ ersehe ich, daß in einem Artikel über den größten Wasserfall der Erde von A. G. Guillemard mitgetheilt wird (S. 17), daß es in Australien keinen Schnee giebt, ausgenommen im Winter auf dem Berge Kosciusco und den umliegenden Hochlanden und den Gipfeln der südaustralischen Alpen, wo Schneeschuhe, die den norwegischen Ski sehr ähnlich sind, von fast allen Bauern in der Gebirgsgegend um Kiandra benutzt werden. Es verlautet nichts darüber, woher diese Schneeschuhe gekommen sind, aber es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß sie vor nicht gar langer Zeit von den Skandinaviern eingeführt worden sind.
[16] Bei Touren in den Wald werden dagegen vornehmlich Truger benutzt.
[17] Hierzu ist indessen zu bemerken, daß die Ainos keine zahmen Rennthiere haben, folglich muß hier eine Verwechselung mit einem anderen nordasiatischen Volk, das Rennthiere hält, vorliegen.
[18] O. Donner. Acta soc. fenn. T. II.
[19] In dem Worte suatakha, das bei den Mandschuren, dem südöstlichen Seitenzweig der Tungusen, Schneeschuhe bedeutet, finden wir möglicherweise denselben Stamm takh wie in der Form tokh bei den Mordwinen und Ostjaken und die Form artakh bei den Permiern wieder.
[20] Wie weit das samojedische Wort tudo und tuta dasselbe Wort ist, müssen wir dahingestellt sein lassen.
[21] In den Wörtern sana, hana und taña haben wir einen ganz ähnlichen Lautübergang wie in den Wörtern sok, hok und tokh, wodurch die Annahme, daß diese letzten Wörter Abweichungen von einem Worte sind nur bekräftigt wird.
[22] Ein Paar Ski von den Golden befinden sich im „Museum für Völkerkunde“ in Berlin. Diese sind nach Jakobsen 1,40 m lang und 16 cm breit. Sie sind aus Fichtenholz gemacht und mit Rennthierfell bezogen. Der Zehenriemen besteht aus breitem Seehundsfell mit einem breiten Fersenriemen. Sie sind vorn beträchtlich und hinten ganz schwach in die Höhe gebogen.
[23] Kapitän Jakobsen beschreibt in einem Brief an mich diese Ski folgendermaßen: „Sie sind mit Seehundsfell bezogen und dort, wo der Fuß ruht, mit Birkenrinde ein wenig vertieft; vor und hinter dieser Stelle läuft eine schwache Leiste an dem Ski entlang. Die Biegung nach vorne zu ist ziemlich stark.“
[24] Olaus Magnis Zeichnungen aus den Jahren 1539 und 1555 sind scheinbar unrichtig.
[25] Die Ableitung dieses Wortes läßt sich schwerlich bestimmen. In Smaalenen habe ich das Wort Andre zur Bezeichnung eines ähnlichen Begriffs, nämlich des Eisens unter einer Schlittenschiene, gefunden.
[26] Als Uebergangsform muß wohl die Skiart betrachtet werden, welche noch heute in Österdalen und den benachbarten Gegenden von Schweden, sowie auch wohl noch in Finnland benutzt wird, und von welcher der rechte Ski (Andor) kurz und oft fellbekleidet ist, während der linke lang und unbekleidet ist.
[27] Smith, Beschreibung über Trysild u. s. w. Kap. 9, Seite 13. Topograph. Journal für Norwegen. Bd. 6. Kristiania 1797-98.