3. Familie. Procyonidae (Subursi Blainville).
3.1.4-3.2.3.1.4-3.2. P4 und M1 nicht als typische Reißzähne entwickelt. Obere M und P4 gerundet, viereckig, trituberkulär oder quadrituberkulär. Untere M mit stumpfzackigem Trigonid und zweihöckerigem Talonid. Schädel kurz und breit. Extremitäten fünfzehig, plantigrad.
Die Procyoniden bewohnen in der Gegenwart Nord- und Südamerika, mit Ausnahme der auf den Himalaya beschränkten Gattung Ailurus. Sie haben sich aus Miaciden entwickelt.
Procyon Storr. Waschbär. Lebend und im Pleistocän von Nord- und Südamerika.
Bassariscus Coues. Lebend und im Pleistocän und Pliocän von Nordamerika. B. antiquus Matthew.
Nasua Storr. Lebend und fossil im Pleistocän von Südamerika.
Cyonasua, Pachynasua Ameghino in der Paranastufe und Amphinasua Moreno in der araukanischen Stufe — Pliocän — von Argentinien.
Phlaocyon Wortm. und Matthew. (Fig. 557.) 44 P. 23 M. Schädel und Skelett Procyon-ähnlich. P4 mit zwei Innenhöckern. Große Bullae osseae. Untermiocän von Colorado. P. leucosteus Wortm. und Matthew.
Leptarctus Leidy. 3.1.3.2. P mit Talonid. Miocän Loup. Fork. Süd-Dakota.
Parailurus Schlosser. Sehr komplizierte M, aber einfachere P als bei der lebenden Gattung Ailurus. Pliocän — Red Crag — von England und Lignite von Baroth, Siebenbürgen.
Cynarctus Matthew. 3 M im Unterkiefer. Auch M2 mit Protoconid und M1 mit Zacken an Außenseite des Protoconid. Von Matthew zu den Amphicyoninen gestellt. Obermiocän, Loup. Fork, Colorado. C. saxatilis Matthew.
Fig. 557.
Phlaocyon leucosteus Matthew. Miocän. Colorado. Schädel von unten. 1/2 nat. Gr. (Nach Matthew.)
4. Familie. Mustelidae. Marder.
3.1.4.2-1.3.1.4.2. P4 mit langer Schneide hinter dem Hauptzacken und mit kräftigem Innenzacken. M1 mit wohlentwickeltem, grubigem oder schneidendem Talonid, meist auch mit kleinem Metaconid. M1 querverbreitert, öfters groß und viereckig, in der Regel mit sehr starkem Basalband. M2, wenn vorhanden, sehr klein, M2 ebenfalls stark reduziert, aber öfters zweiwurzelig. Bulla ohne Septum, gewölbt, meist klein, getrennt vom Processus paroccipitalis. Ohne Alisphenoidkanal. Körper gestreckt, Füße meist fünfzehig, plantigrad oder digitigrad.
Die Musteliden sind kleine bis mittelgroße, schlanke, bewegliche Räuber, die gegenwärtig mit Ausnahme von Australien über die ganze Erde verbreitet sind, hauptsächlich aber die nördliche Hemisphäre bewohnen. Die fossilen haben die nämliche Verbreitung und erscheinen zuerst im Oligocän von Europa und Nordamerika. Auf Grund der Schädelbasis werden sie zu den Arctoidea gestellt. Die ältesten Formen haben große gewölbte Bullae und 22-3 M und sind gegen die ältesten Viverren nicht scharf abzugrenzen. Sie gehen wohl auf Viverravinen zurück.
1. Unterfamilie. Putoriinae.
Anfangs mit 22, später 12 M, ausgezeichnet durch Reduktion der P 44, des M2 und des Metaconid an M1 sowie durch das kleine Talonid von M1.
Palaeoprionodon Filhol. 22 M. Obere M trituberkulär. M2 klein, zweiwurzelig, M1 mit Metaconid und grubigem kleinen Talonid. Oligocän. Phosphorite von Quercy.
Stenoplesictis Filhol. (Fig. 558.) Oligocän. Phosphorite von Quercy.
Bunaelurus Cope. (Fig. 559.) Oligocän. White River. Colorado. B. lagophagus Cope. Schädel gut bekannt.
Parictis Scott. Untermiocän. John Daybed.
Haplogale Schlosser. 12 M. M1 mit sehr kurzem Talonid und kleinem Metaconid. M2 einwurzelig. Oligocän, Phosphorite, bis Obermiocän.
Proputorius Filhol. Obermiocän, Sansan.
Stenogale Schlosser. M1 mit Metaconid, M2 schneidend, einwurzelig. Oligocän bis Obermiocän.
Pseudictis Schlosser. M2 zweiwurzelig. Obermiocän.
Palaeogale v. Meyer. M1 ohne Metaconid, M2 zweiwurzelig. Oligocän bis Obermiocän.
Putorius Cuv. Wiesel. M1 ohne Metaconid, M2 einwurzelig. Pliocän der Auvergne. Lebend und im Pleistocän von Europa, besonders häufig P. vulgaris zusammen mit Lemming. In Nordamerika im Obermiocän, Loup fork P. nambianus Cope.
Paroligobunis Peterson. 4 P. 2 M. Metaconid klein. Talonid schneidend. Untermiocän. Nebraska. P. simplicidens Peterson.
Fig. 558.
Stenoplesictis Cayluxi Filhol. Phosphorite. Quercy. A Linker Oberkiefer von unten, B Linker Unterkiefer von innen. (Nat. Gr.)
Fig. 559.
Bunaelurus lagophagus Cope. Oligocän. White Riverbed. Colorado. Schädel von unten, nat. Gr. (nach Matthew.)
Fig. 560.
Plesictis lemanensis Pomel. Unt. Miocän. St. Gérand-le-Puy. Allier. A Schädel von unten. 3/4 nat. Gr. (Nach Filhol.)
Aelurocyon Peterson, 34 P. Megalictis Matthew, 33 P, beide groß, mit verkürzter Schnauze. M1 ohne Metaconid, M2 winzig. Miocän. Süd-Dakota. M. ferox Matthew.
Gulo Storr. Vielfraß. 4.1.4.2. P und M dick, M1 zweihöckerig, M1 ohne Metaconid. Gegenwärtig zirkumpolar. Fossil im Pleistocän von Europa und Nordamerika.
2. Unterfamilie. Martinae.
M1 stets mit Innenzacken und grubigem Talonid. M1 klein, P4 mit sehr kleinem Innenhöcker.
Plesictis Pomel. (Fig. 560.) 22 M. M1 trituberkulär. M2 zweiwurzelig. M2 klein oder fehlend. Oligocän, Phosphorite, und Untermiocän von Allier, Ulm, Mainz. Obermiocän, Steiermark, La Grive St. Alban.
Mustela Linn. 12 M. M2 einwurzelig. Obermiocän. Sansan, La Grive St. Alban, Steiermark. Pliocän. Pikermi und Siwalik. Pleistocän Europa. In Nordamerika, Miocän von Colorado M. ogygia Matthew. Pliocän M. minor Douglass.
Galictis Bell. Lebend in Südamerika. Fossil im Pleistocän von Brasilien und Maryland.
Oligobunis Cope. 4-34 P. 2-12 M. Dachsgröße. Untermiocän. John Day bed O. crassivultus Cope. Dakota O. lepidus Matthew.
3. Unterfamilie. Lutrinae.
Mittelgroße aquatile Formen. M1 mit Metaconid und schneidendem Talonid. P4 mit breitem Innenhöcker.
Plesiocyon Schlosser. 23 M. Oligocän. Phosphorite von Quercy.
Amphictis Pomel. 22 M. M2 mit langem Talonid. Ebenda u. Untermiocän.
Potamotherium Geoffroy (Lutrictis Pomel, Stephanodon v. Meyer). (Fig. 561.) 4.2.4.2. P4 mit verbreitertem Innenhöcker. M1 querverlängert trituberkulär. M2 sehr klein, M1 mit großem Talonid. Bullae osseae flach. Skelett stärker spezialisiert als bei Lutra. Metapodien und Zehen abgeplattet. Untermiocän. Dep. Allier, Ulm, Mainz. Im Miocän von Nordamerika P. lycopotamicum Cope, Pliocän lacota Matthew. Wohl generisch verschieden.
Lutra Erxleben Otter. 12 M, gedrungener als bei voriger Gattung. Lebend auf der nördlichen Hemisphäre. Fossil im Miocän, Pliocän und Pleistocän von Europa, Asien und Nordamerika.
Brachypsalis Cope. M2 sehr lang. Pliocän, Nebraska.
Enhydriodon Falconer. Unterpliocän, Monte Bamboli und Pliocän Siwalik.
Fig. 561.
Potamotherium Valetoni Geoffroy St. Hilaire. Unt. Miocän. St. Gérand-le-Puy. Schädel von unten 2/3 nat. Gr.
Fig. 562.
Promeles palaeattica Weithofer sp. Unt. Pliocän. Pikermi bei Athen. A Gaumen von unten, B Unterkiefer von oben, nat. Gr. (Nach Weithofer.)
4. Unterfamilie. Melinae.
12 M. M1 mit großem grubigem Talonid und meist mit Metaconid. M1 stark vergrößert und kompliziert. Vordere P stark reduziert.
Trochictis v. Meyer. M1 mit kurzem Talonid. Obermiocän. Europa.
Trochotherium Fraas. M abgeplattet. Obermiocän. Steinheim.
Promeles Zittel. (Fig. 562.) 3.1.3.2. P4 gestreckt. M1 trituberkulär, viereckig, mit starkem Basalband, M1 mit langem, vielhöckerigem Talonid. Unterpliocän. Pikermi.
Meles Storr. Dachs. P4 kurz. Lebend in Europa und Asien. Fossil im Unterpliocän von Maragha und China und im Pleistocän von Europa.
Taxidea Waterh. Lebend und im Pleistocän von Nordamerika.
Mellivora Storr. Lebend in Südasien und Südostafrika. Fossil im Pliocän der Siwalik.
Trocharion Major. M2 zweiwurzelig. Obermiocän. La Grive St. Alban.
Promephitis Gaudry. P bis auf 22 reduziert. Unterpliocän. Pikermi.
Mephitis Cuv. Lebend und fossil im Pleistocän von Nordamerika. Thiosmus Illiger in Südamerika.
Brachyprotoma Brown. 23 J. Pleistocän von Nordamerika.
5. Familie. Viverridae. Zibetkatzen.
3.1.4.2.3.1.4.2. P4 gestreckt mit Vorderzacken vor dem Hauptzacken und kräftigem, weit vorne stehendem Innenhöcker. Obere M trituberkulär. M1 mit hohem, dreizackigem Trigonid und beckenförmigem, zackig begrenztem Talonid. M 22 ähnlich M 11. Schädel gestreckt, niedrig, mit ziemlich langer Schnauze. Bulla ossea groß, durch ein Septum vom Tympanicum geschieden. Extremitäten kurz, schlank, plantigrad oder digitigrad, fünf-, selten vierzehig. Schwanz lang.
Fig. 563.
Viverra simplicidens Schloss. Phosphorite. Quercy. Rechter Unterkiefer von innen, nat. Gr.
Fig. 564.
Herpestes lemanensis Pomel (Viverra antiqua Blainv.). Unt. Miocän. Tretaux. Allier. Gaumen von unten, nat. Gr.
Die Viverren sind meist kleine schlanke, schnellfüßige Raubtiere, welche jetzt ausschließlich Asien, Afrika und Südeuropa bewohnen und auch fossil im europäischen Tertiär und im Pliocän und Pleistocän von Südasien vertreten sind. Sie stammen von den Viverravinen des nordamerikanischen Eocän ab. Im Gebiß und Skelett weisen sie noch viele primitive Merkmale auf und zeigen vielfach Anklänge an die ältesten Caniden — Cynodictinae und die ältesten Musteliden — Palaeoprionodon.
Fig. 565.
Ictitherium robustum Nordm. sp. Unt. Pliocän. Pikermi bei Athen. Linker Oberkiefer von unten. Nat. Gr. (Nach Gaudry.)
Viverra Linn. (Fig. 563) und Herpestes Illiger (Fig. 564) leben jetzt in Südasien, Südeuropa und Nordafrika. Fossile Formen — »Viverra« — mit kleinem Talonid und kleinem M2 im Eocän von Quercy und England. Auch die »Viverra-« und »Herpestes«-Arten des europäischen Untermiocän weichen noch von den echten ab. Erst im Obermiocän — Progenetta incerta Lartet — und im Pliocän von Südfrankreich, Roussillon — Viverra Pepratxi Depéret — und in den Siwalikschichten von Ostindien treten typische Viverra-Arten auf.
Ictitherium Wagner (Thalassictis Nordmann, Palhyaena Gervais). (Fig. 565.) Schädel lang, schmal. M1 und M2 klein im Verhältnis zu P4. Unterpliocän. Pikermi, Samos, Maragha, Lébéron, Bessarabien, China und Ostindien.
6. Familie. Hyaenidae. Hyänen.
3.1.4-3.1.3.1.4-3.1-2. P4 langgestreckt, kräftig, vor der Hauptspitze ein Vorderzacken und dahinter eine lange Schneide. Vordere P klein, hintere und C sehr massiv, kegelförmig. M1 klein, quer verlängert, von P4 verdeckt. M1 mit zwei langen Schneiden und schwachem Talonid, selten mit Metaconid. Untere J stets nebeneinanderstehend. Schädel kurz und dick. Bulla ossea ohne Septum. Hinterbeine etwas kürzer als Vorderbeine. Hand und Fuß digitigrad. Hand meist, Fuß stets vierzehig. Metacarpale II stark über III übergreifend, Penisknochen schwach.
Das Gebiß der Hyänen zeichnet sich durch Reduktion des M1 und des M2 und durch Reduktion des Talonid und Metaconid des M1 aus, wofür jedoch sein Paraconid und Protoconid zu kräftigen Schneiden umgestaltet werden, und die P mit Ausnahme des vordersten sich in dicke Kegel umwandeln, wodurch das Gebiß zum Zermalmen von Knochen vorzüglich geeignet wird.
Fig. 566.
Hyaena eximia Roth und Wagn. Unt. Pliocän. Pikermi bei Athen. 1/3 nat. Gr. (Nach Gaudry.)
Die Hyaeniden werden gewöhnlich von den Viverren abgeleitet, wobei Ictitherium das Zwischenglied bilden soll. Sie bewohnen in der Gegenwart Afrika und Westasien, fossil treten sie zuerst im Pliocän von Europa und Asien auf. Es darf nicht verschwiegen werden, daß gewisse Caniden des nordamerikanischen Obermiocän, Aelurodon, Hyaenognathus, im Gebiß auffallende Ähnlichkeit mit den Hyänen aufweisen.
Lycyaena Hensel (Agnotherium, Agnocyon Kaup.) und Hyaenictis Gaudry aus dem Unterpliocän von Pikermi, Eppelsheim, Baltavar unterscheiden sich von Hyaena durch die schlankeren Zähne und den Besitz eines kleinen M2.
Hyaena Linn. (Fig. 566.) Zuerst im Unterpliocän von Pikermi, Samos, Maragha, Baltavar, Mont Lébéron. H. eximia Roth u. Wagn. Im Pliocän der Siwalik Colvini, macrostoma Lydekker, felina, sivalensis Bose; in China H. gigantea Schlosser. Im Oberpliocän der Auvergne und von Val d'Arno H. arvernensis — auch in Roussillon und im Pleistocän von Mosbach —, Perrieri Croiz. Job. und brevirostris Aym. Im älteren Pleistocän von Südeuropa H. striata, der arvernensis ähnlich, im jüngeren europäischen Pleistocän Hyaena crocuta var. spelaea Goldf., der Perrieri ähnlich, auch in den indischen Karnulhöhlen. Im Pleistocän von China H. sinensis Owen.
7. Familie. Felidae. Katzen.[132]
3.1.3-2.1.3.1.3-2.1.(2). C kräftig, am Vorder- und Hinterrand meist zugeschärft. P4 verlängert, schneidend, mit Innenhöcker und drei Außenzacken. M1 mit zwei konvergierenden, aus Paraconid und Protoconid entstandenen Schneiden und rudimentärem Talonid, selten auch mit rudimentärem Metaconid. M1 und M2 stets klein. Zahl der P stets reduziert, die bleibenden P mit Nebenzacken versehen. Bulla tympanica hochgewölbt, durch ein Septum geteilt, ohne verlängerten äußeren Gehörgang. Schnauze kurz. Cranium gewölbt, Extremitäten lang und schlank, digitigrad. Humerus mit Foramen entepicondyloideum. Hand mit fünf, Fuß in der Regel mit vier Zehen, Krallen retraktil. Penisknochen klein.
Die Feliden sind gegenwärtig über die ganze Erdoberfläche mit Ausnahme von Australien verbreitet; fossil finden sie sich in denselben Gebieten, jedoch erscheinen sie zuerst in Europa und fast gleichzeitig auch in Nordamerika.
Die Katzen besitzen das reduzierteste aber zugleich spezialisierteste, zum Zerschneiden von Fleisch geeignetste Gebiß. Auch das Skelett vereinigt die zierlichste Form mit der größten Stärke. Von den übrigen Raubtieren sind sie scharf geschieden und selbst ihre ältesten Vertreter geben uns keine befriedigende Auskunft über ihre Abstammung, da sie schon alle typischen Merkmale besitzen. Selbst wenn die miocäne Gattung Proailurus, welche Filhol wegen der Ähnlichkeit mit der lebenden Gattung Cryptoprocta von Madagaskar für den Ahnen der Feliden hält, wirklich zu dieser Familie gehören sollte, so kann sie höchstens der Stammvater der echten Katzen, aber nicht auch der Machairodontinen sein, weil diese bereits im Oligocän oder sogar im Obereocän beginnen. Matthew leitet sowohl den Stamm der Machairodontinen als auch den der Felinen von Dinictis ab.
1. Unterfamilie. Machairodontinae.
Einkerbung von P4 und M1 seicht. Innenzacken von P4 schwach. Obere C allmählich größer, untere C kleiner werdend. P3 klein, P3 rudimentär oder fehlend. Occiput hoch, schmal, Mastoidfortsatz vorspringend und größer werdend. Extremitäten massiv, Zehen gespreizt, Hallux und Pollex kräftig.
Eusmilus Gervais. 2.1.1.1. M1 ohne Talonid und Metaconid. Symphysenlappen weit herabhängend. Phosphorite von Quercy. E. bidentatus Filhol. Oberoligocän. Dakota. E. dacotensis Hatcher.
Hoplophoneus Cope. (Pogonodon Merriam.) 3.1.3-2.1.3-2.1.3-2.1. M1 mit Metaconid. P 22 und P 33 klein, P2 meist fehlend. Oberer C schlank. Bulla unvollständig verknöchert. Oligocän. White River. H. occidentalis Leidy.
Machairodus Kaup. 3.1.2.1.3.1.2-1.1. P4 meist mit vier Außenspitzen. M1 ohne Metaconid und meist ohne Talonid. P 33 rudimentär. C lang, am Hinterrand gezähnelt, Symphysenlappen groß. Bullae vollständig verknöchert. Obermiocän. Sansan, Steinheim M. palmidens Blv. La Grive St. Alban M. Jourdani Filhol. Unterpliocän von Pikermi, Eppelsheim, Samos (Ägypten) M. aphanistus Kaup, Maragha M. orientalis Macquenem. China M. horribilis Schlosser. Siwalik M. sivalensis Lyd. Im europäischen Mittel- und Oberpliocän M. cultridens Cuv. und im europäischen Pleistocän M. latidens Owen.
Smilodon Lund (Trucifelis Leidy, Dinobastis Cope, Smilodontopsis Brown). 3.1.2.1.3-2.1.2-1.1. P4 meist nur mit drei Außenzacken, M1 ohne Talonid und Metaconid. P3 klein, P3 meist fehlend. Hallux kräftig. Nur in Amerika. Pleistocän von Nordamerika S. gracilis Cope, floridanus Leidy. Südamerika S. neogaeus Lund.
2. Unterfamilie. Felinae.
Einkerbung an P4 und M1 tief. P4 mit kräftigem Innenzacken. Oberer C allmählich kleiner, unterer C allmählich größer werdend. P3 groß, P3 und 4 fast gleich stark. Mastoidfortsatz reduziert, Unterkieferkronfortsatz vergrößert. Extremitäten verlängert, digitigrad, Hallux reduziert.
Aelurictis Trouessart (Aelurogale Filhol). 33 P, 12 M. M2 schwach. M1 ohne Metaconid, mit kräftigem Talonid, Metapodien lang, Symphyse mit Außenkante. Obereocän? Phosphorite von Quercy. A. intermedia, minor Filhol.
Fig. 567.
Dinictis felina Leidy. Oligocän. White Riverbed. Schädel u. Unterkiefer. 1/2 nat. Gr. (nach Matthew.)
Dinictis Leidy (Daptophilus Cope). (Fig. 567.) 33 P, 12 M, öfters mit 4 unteren P und zuweilen mit M2. M1 mit Talonid und Metaconid. C lang, Hinterseite schwach gekerbt. Unterkiefersymphyse mit herabhängendem Lappen. Carotidforamen getrennt vom Foramen lacerum posterius. Bulla unvollständig verknöchert. Hallux funktionierend. Metapodien kurz. Oligocän, White Riverbed, Nordamerika D. felina Leidy, squalidens Cope. Untermiocän, John Day, Oregon D. cyclops Cope.
Nimravus Cope (Archaelurus, Pogonodon Cope), 4-33-2 P, 11-2 M, sehr ähnlich Aelurictis. M1 ohne Metaconid, C mäßig entwickelt. Symphyse ohne Lappen. Untermiocän, John Day, Oregon N. debilis, platycopis, gomphodus Cope. Süd-Dakota sectator Matthew.
Pseudaelurus Gervais. (Fig. 568.) 33-2 P, 11 M. M1 ohne Metaconid, mit kleinem Talonid, C normal. Symphyse ohne Lappen. Obermiocän. Sansan P. quadridentatus Blv. La Grive St. Alban P. Lorteti Gaillard.
Felis Lin. 2-32 P, 11 M. P4 mit drei Außenzacken. M1 ohne Metaconid und Talonid. M1 rudimentär, Condylar- und Carotidforamen mit F. lacerum posterius verbunden. Mastoidfortsatz klein, dicht an die knöcherne Bulla gerückt. Symphyse ohne Lappen und ohne Kante. Lebend in der Alten Welt und Amerika, fossil im Obermiocän. Sansan F. media, pygmaea Gerv., Steiermark turnauenis Toula. La Grive St. Alban F. Zitteli Gaillard. Unterpliocän. Pikermi F. attica Wagn. Eppelsheim F. antediluviana Kaup. Pliocän von Roussillon und Maragha F. brevirostris Croiz. In Toskana und Auvergne F. pardinensis, arvernensis Croiz. Im Pleistocän Europas Felis leo (L. spelaea Goldf.), pardus, lynx etc. In Nordamerika (F. atrox Leidy), Südamerika (F. onca Lin.) und Ostindien.
Fig. 568.
Pseudaelurus quadridentatus Blv. (Felis hyaenoides Lartet). Miocän. Sansan. Gers. A rechtes Oberkieferfragment, B oberer Reißzahn von unten, C rechter Unterkiefer von außen. 2/3 nat. Gr. (Nach Filhol.)
Marine Fleischfresser mit kurzen Flossenfüßen, großem, stark gefurchtem Gehirn und vollständigem Gebiß mit gleichartig ausgebildeten P und M, entweder konisch oder aus hoher Hauptspitze und vorderer und hinterer Nebenspitze bestehend. Die zwei hinteren M meist fehlend. J an Zahl häufig reduziert, konisch, C ziemlich kräftig. Extremitäten fünfzehig. Scaphoid mit Lunatum und Centrale verwachsen. Sämtliche Zehen durch Schwimmhaut verbunden.
Die Pinnipedia schließen sich im anatomischen Bau und in der Entwicklungsgeschichte ziemlich eng an die übrigen Carnivoren an, die Abweichung im Körperhabitus und in der Gestalt der Extremitäten sowie die Spezialisierung des Gebisses, bestehend teils in Reduktion der Zahl, teils in Vereinfachung der Zähne, öfters aber auch in Komplikation der P, beruht auf der Anpassung an das Wasserleben. Sie bewohnen die kälteren Regionen beider Hemisphären. Fossile Reste sind stets sehr selten und beginnen erst im Miocän. Über die Herkunft der Pinnipedia gibt uns weder die Ontogenie noch auch die Paläontologie eine befriedigende Auskunft. Wortman leitet sie von Patriofelis, einem Creodonten, Weber von Ursiden ab. Mehr Beachtung verdient die Vermutung Matthews, daß sie den Pantolestiden nicht ganz fernestehen dürften.
| Zeitliche und räumliche Verbreitung der Carnivora. | ||||||||||
| Unter- eocän |
Mittel- eocän |
Ober- eocän |
Oligo- cän |
Unt. Miocän |
Ob. Miocän |
Pliocän | Pleisto- cän |
Jetzt | ||
| I. Creodontia. | ||||||||||
| 1. Oxyclaenidae | NA. | |||||||||
| 2. Mesonychidae | NA. E. | NA. E. | NA. | Af.? | ||||||
| 3. Oxyaenidae | NA. E. | NA. | NA. E. | |||||||
| 4. Hyaenodontidae | NA. | NA. E. | NA. E. | NA. E. Af. | ||||||
| 5. Arctocyonidae | NA. E. | |||||||||
| 6. Miacidae | NA. | NA. | NA. E.? | |||||||
| II. Fissipedia. | ||||||||||
| 1. Canidae | NA. E. | NA. E. | NA. E. | NA. E. | NA. E. As. | NA. SA. E. As. Af. Au. | NA. SA. E. As. Af. Au. | |||
| 2. Ursidae | SA. E. | NA. E. As. | NA. SA. E. As. Af. | NA. E. As. Af. | ||||||
| 3. Procyonidae | NA. | NA. | SA. E. | NA. SA. | NA. SA. As. | |||||
| 4. Mustelidae | NA. E. | NA. E. | NA. E. | NA. SA. E. As. | NA. SA. E. As. | NA. SA. E. As. Af. | ||||
| 5. Viverridae | E.? | E. | E. | E. | E. As. | As. | E. As. Af. | |||
| 6. Hyaenidae | E. As. | E. As. Af. | As. Af. | |||||||
| 7. Felidae | E.? | NA. E. | NA. | NA. E. | NA. SA. E. As. Af. | NA. SA. E. As. Af. | NA. SA. E. As. Af. | |||
| III. Pinnipedia. | ||||||||||
| 1. Otariidae | NA. | SA. Au. | NA. SA. Au. | NA. SA. | ||||||
| 2. Phocidae | E. NA. Af. | E. NA. | E. NA. | NA. SA. E. As. | ||||||
| 3. Trichechidae | E. | E. NA. | NA. E. As. | |||||||
| NA. = Nordamerika, SA. = Südamerika, E. = Europa, As. = Asien, Af. = Afrika, Au. = Australien. | ||||||||||
Von den drei Familien der Otariiden, Phociden und Trichechiden ist die erste im Miocän von Maryland —, Pontoleo True —, im Tertiär und Pleistocän von Argentinien sowie im Pleistocän von Nordamerika —, Otaria — im Pliocän von Victoria und im Pleistocän von Neu-Seeland — Arctocephalus — nachgewiesen. Fossile Reste von Trichechiden — Walroß — kennt man aus dem Pleistocän von England, Belgien (hier auch im Pliocän), Holland und Nordamerika. Phociden fanden sich im Miocän von Ägypten. Von Maryland Leptophoca True, von New Jersey Lobodon, von Virginien Phoca. Im Miocän des Wiener Beckens Phoca vindobonensis Toula, Ungarn P. holitschensis Brühl, Südrußland P. pontica Nordmann, im Pliocän von Montpellier Pristiphoca, von Belgien Monatherium, Prophoca, im Pliocän von Orciano in Italien Monachus von Antwerpen, Phoca, Palaeophoca etc. Phoca auch im Pleistocän von Schottland, England, Norwegen und Norddeutschland. Orca in Holland.
Nackte, glatthäutige, fischähnliche Wasserbewohner mit zylindrischem Körper. Kopf nicht vom Rumpf abgesetzt. Nasenlöcher auf der Oberseite, weit hinten gelegen. Vorderfüße flossenförmig, Hinterextremitäten rudimentär. Schwanzflosse horizontal. Milchdrüsen in der Leistengegend neben der Scheide. Uterus bicornis, Placenta diffus, adeciduat.
Die Waltiere bilden eine durch Lebensweise und fischähnliche Gestalt von allen übrigen Säugetieren abweichende Ordnung.
Den Körper umgibt eine dicke, glatte Haut, unter welcher sich eine die Wärme schlecht leitende, dicke Fettschicht befindet. Haare fehlen im erwachsenen Zustand entweder gänzlich oder sind bei einigen Gattungen auf wenige Gesichtsborsten reduziert.
Fig. 570.
Tursiops (Delphinus) tursio Fabr. sp. Atlantischer Ozean. A Schädel von oben, B von der Seite (nach Cuvier), 1/6 nat. Gr. Pmx Zwischenkiefer, Mx Oberkiefer, ME Mesethmoideum, Na Nasenbein, N Nasenlöcher, Fr Stirnbein, Pa Scheitelbein, Ju Jochbogen, Sq Schuppenbein, So oberes Hinterhauptsbein, co Condylus, Exo Exoccipitale, Md Unterkiefer.
Die Skelettknochen der Cetaceen und namentlich die Wirbel zeichnen sich durch schwammige, grobmaschige Struktur aus und sind meist stark mit Fett imprägniert. Die Epiphysen bleiben nicht nur an den Wirbeln, sondern auch an den marklosen Extremitätenknochen lange getrennt. Die vorderen und hinteren Flächen der Wirbelkörper sind eben und durch dicke Knorpelscheiben verbunden; die Halswirbel zwar vollzählig vorhanden, jedoch häufig außerordentlich verkürzt, scheibenförmig und zuweilen alle oder einige miteinander verschmolzen. Hinter den 7 meist stark verkürzten Halswirbeln folgen 9-16 Rücken-, 3-24 Lenden- und 18-30 Schwanzwirbel. Ein Sacrum fehlt. Die oberen Bögen und verknöcherten Epiphysen der Rumpfwirbel bleiben lange vom Zentrum getrennt und verschmelzen erst im Alter vollständig mit demselben, die Zygapophysen verkümmern mehr oder weniger. Die Diapophysen dagegen sind namentlich in der Lendenregion lang und kräftig. Die Rippen der Cetaceen unterscheiden sich von denen der übrigen Säugetiere durch ihre lockere Verbindung mit der Wirbelsäule und mit dem Brustbein. Das Brustbein selbst besteht bei den Bartenwalen aus einer einfachen, breiten, schildförmigen, am Vorderrand häufig ausgeschnittenen Knochenplatte, bei den Zahnwalen liegen 2-5 Knochenstücke hintereinander.
Der Schädel (Fig. 570) erleidet höchst auffällige, wahrscheinlich durch die Lebensweise verursachte Umbildungen und besteht aus leichten, grobzelligen und dünnen Knochen. Die Gehirnhöhle zeichnet sich durch ungewöhnliche Höhe, ansehnliche Breite, aber sehr geringe Länge aus, und da sie sich nach oben verengt, so erhält das Gehirn die Form eines abgestutzten Kegels mit allseitig gerundetem Umriß. Die sehr stark gewundenen Hemisphären des Großhirns bedecken das Kleinhirn fast vollständig. Die Riechlappen fehlen gänzlich oder sind nur ganz schwach angedeutet, die Nasenhöhlen haben keine Muscheln und können nicht als Riechorgane, sondern lediglich zum Atmen verwendet werden. Mit Ausnahme von Zeuglodon stoßen die Scheitelbeine nicht in einer Sagittalnaht zusammen und berühren sich in der Mittelebene überhaupt nur bei den Bartenwalen. Aber auch bei diesen legt sich die ungemein große Hinterhauptsschuppe (Os supraoccipitale) über die Scheitelbeine und über das zwischengeschobene Interparietale und bildet den größeren Teil des Schädeldaches. Durch die Verkürzung und seitliche Abdrängung der Scheitelbeine stoßen das Supraoccipitale und Interparietale bei den Zahnwalen und den meisten Bartenwalen direkt mit dem ungemein kurzen Stirnbein zusammen, das sich nach außen jederseits in große, die Augenhöhlen überdachende Knochenplatten erweitert. Die hohe, schräg nach hinten abfallende Hinterhauptsfläche wird fast ganz vom Supraoccipitale gebildet. Das tief gelegene Schläfenbein (Squamosum Sq) sendet einen starken Fortsatz nach vorne und oben, welcher sich mit dem hinteren Seitenflügel des Stirnbeins verbindet und dem bei den Zahnwalen dünnen, stabförmigen, bei den Bartenwalen ziemlich kräftigen, die länglichen Augenhöhlen unten begrenzenden Jochbein (Ju) als Stütze dient.
Die stark verlängerte, meist niedergedrückte und verschmälerte Schnauze besteht aus den häufig asymmetrischen Zwischenkiefern, den Oberkiefern, dem Vomer und Mesethmoid. Die Zwischenkiefer legen sich vorne entweder dicht aneinander an oder lassen eine nach oben offene Furche zwischen sich frei, die sich nach hinten erweitert. An ihrem hinteren Ende, also unmittelbar vor den Stirnbeinen, befinden sich die fast senkrecht nach oben, oder schräg nach vorne gerichteten Nasenlöcher, aus denen Wasserdampf ausgeatmet wird (Spritzlöcher). Die äußeren Nasenlöcher sind bei den Bartenwalen von kurzen, aber wohl ausgebildeten, bei den Zeuglodonten von sehr langen Nasenbeinen (Na) überdacht, während bei den Zahnwalen eine starke Verkümmerung der Nasenbeine stattfindet, so daß sie häufig nur durch kleine Knochenhöcker angedeutet sind. Die Embryone zeigen noch primitive Verhältnisse. Das Zurückweichen der Nasenlöcher bewirkt Streckung der Ober- und Zwischenkiefer bis hinter die Orbita und Verkürzung der Stirn-, Scheitel- und Nasenbeine, welche hierbei auch meist auf die Seite rücken. Die Hirnhöhle wird nach vorne durch eine steil abfallende, breite und hohe Knochenplatte (Mesethmoideum) abgeschlossen. Bei allen lebenden Cetaceen sind die Zwischenkiefer ihrer ganzen Länge nach seitlich von den Oberkiefern (Mx) umschlossen und werden nur am vorderen Rand der Schnauzenspitze frei; bei den fossilen Zeuglodontiden und bei den Squalodontiden ragen die Zwischenkiefer vorne über die Oberkiefer heraus und sind am Unterrand mit Zähnen besetzt. Tränenbeine existieren nur bei einigen Bartenwalen und bei den Physeteriden.
Die Unterseite der Schnauze wird vorherrschend aus den horizontalen Ästen der Oberkiefer gebildet, doch nimmt häufig auch noch der Vomer, als eine schmale, zwischen den Oberkiefern gelegene Medianleiste an der Zusammensetzung des Gaumendaches teil. An die Oberkiefer legen sich hinten die Gaumenbeine als kurze, bandförmige Knochen an und werden hinten von den stark entwickelten, in der Mitte vereinigten Flügelbeinen begrenzt, welche den harten Gaumen verlängern und die seitlichen Wände der Choanen bilden.
Besonderes Interesse beanspruchen die zwischen dem Schuppenbein und Exoccipitale gelegenen Ohrknochen (Fig. 571) (Perioticum und Tympanicum). Sie zeichnen sich durch ungewöhnliche Dicke und dichte Struktur aus, sind nur lose mit den Schädelknochen verbunden und fallen darum beim Fossilisationsprozeß leicht heraus. Isolierte Felsenbeine oder Paukenbeine (Cetolithen) finden sich fast überall, wo Überreste von fossilen Cetaceen vorkommen, und auch aus der Tiefe des Ozeans wurden Gehörknochen von Walen herausgeholt.