Hyänen

Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets, wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.

Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich, wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.

Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen. Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten, stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am Leben.

Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues Verfahren.

Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben. Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug bringen.

Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb. Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten — ohne Hyäne. Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing. Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.

Schabrackenschakale (Canis [Lupulella] mesomelas Schreb).

Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs. Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck, wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze Lebensweise ist die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.

Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.

Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.

Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.

Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage, wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die ganze Gegend durchzieht.

Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.

Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer Fabel.

In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde kollerten, brachten sie mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest. Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen ruhig bei ihrem Glauben.

Schakal

Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt, den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.

Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen. Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen, vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«, so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter brachten, von mir hingegen ließ er sich die schönsten Knochen weit hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.

»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen wilden Schakal und schoß ihn tot.

Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.

Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in Gemeinschaft leben.

Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in »Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres Reineke.

Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten Sachen aufgebunden werden.

So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den Fehler hat, daß er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten, ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40 Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.

Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen »Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.

Wilde Hunde (Lycaon pictus Temm) [auch Hyänenhunde genannt].

In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf, das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten meine Leute und ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend, wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur Tränke geführt worden sei.

Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch, um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch, damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck beinahe meine Melone fallen lassen.

Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich, irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich, oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit den Kühen zur Tränke.

Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute wurde mir immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun, in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur ein paar Knochen übrig.

Hyänenhund

Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und Pulver auch — »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« — wie mir eifrigst versichert wurde.

Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich für die Reise zurechtmachenden Träger.

Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite, spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke (Aepyceros suara Mtsch.) direkt auf mich zu, mitten durch die Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten.

Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb. 8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand, schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar.

Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen — Muttertier und fast ausgewachsenes Kitz — erholen und nach Belieben entfernen konnten.

Dies war meine erste Begegnung mit wilden Hunden. Noch häufig traf ich diesen Schrecken des armen Wildes an. Einmal, als ich gerade Wildbret für meine Tafel brauchte und bei Morgenlicht im Wildgebiet eintraf, galoppierte ein Wasserbock (Cobus ellipsiprymnus Ogilb.) auf mich zu. Ich nahm an, daß er mich früher wahrgenommen hatte und mir auf seiner Flucht wieder in den Weg lief, weil ich durch Gebüsch gedeckt war. In hohen Fluchten quittierte er auf meinen Blattschuß. Der erst spärlichen, dann reicher werdenden Schweißfährte folgend, fanden wir ihn, nach etwa 1000 Meter Suche, verendet in einem Dickicht.

Einen Augenblick bei dem zur Strecke gebrachten Bock ausruhend, hörte ich plötzlich den Schreckton eines Buschbockes (Tragelaphus roualeyini Gord. Cumm.). Da das Fleischbedürfnis meiner europäischen Nachbarn groß war, wollte ich auch diesen strecken. Vorsichtig schiebe ich mich aus der Dickung heraus und habe vor mir: sechs Wildhunde. Auf vier Meter Entfernung bleiben sie ruhig vor mir sitzen, indem sie mich anäugen. Sie müssen meine Anwesenheit schon vorher bemerkt haben und waren höchstwahrscheinlich auch schon vorher hinter meiner Beute her. Den Vordersten schoß ich spitz von vorn. Er fiel ohne einen Laut. Die anderen machten nun einen Luftsprung, dann saßen sie wieder. Einer steht auf und nimmt Witterung an seinem toten Kameraden, aber nur einen Augenblick. Hastig faßt er ihn dann mit den Zähnen, und im Nu bilden die übrigen vier mit ihm einen Knäuel. Sie reißen große Fetzen aus dem Geschossenen und würgen die Bissen ohne Kauen hinunter. In kurzer Zeit ist auch kein Knochen oder Haarbüschel von ihm übrig. Als ich den zweiten schoß und nach seinem Fall gleich auf die Wildhunde zuging, zogen sie sich knurrend zurück und verschwanden dann. Eine halbe Stunde danach hörte ich, wie sie mit einem Löwen stritten. Als ich mir durch das Dickicht einen Weg nach dem Kampfgetöse zu gebahnt hatte, waren alle Beteiligten verschwunden. Nur das niedergetretene Gras gab Zeugnis von einer Balgerei.

Wer den kürzern gezogen hatte, ließ sich nicht ermitteln. Ich glaube aber der Löwe. Selbst habe ich es zwar noch nicht mit angesehen, aber mir bei verschiedenen eingeborenen Jägerstämmen erzählen lassen, daß der Löwe deshalb eine so große Furcht vor meinen Doggen hätte, weil er sie für wilde Hunde hielte, die ihm stets so arg zusetzten, daß er das Weite suchte. Käme es zu einem Kampf, so stürzten alle zugleich auf den Löwen und bissen ihn überall, wobei immer ein Stück Fell und Fleisch in ihrem Fang bliebe. Der Löwe selbst wäre nicht flink genug, sich so vieler Angreifer zu erwehren. Etwas Wahres muß daran sein, denn stets brachten meine Hunde den Löwen zur Flucht und konnten ihn nur dann stellen, wenn ich mehr als zwei bei mir hatte.

Wie das Wild die Wildhunde fürchtet, sah ich häufig daran, daß Gebiete, die dicht mit Wild bevölkert waren, plötzlich wie ausgestorben dalagen und nur einige Buschböcke und Ducker (Sylvicapra grimmia L.) (kleine Antilopen, die durch Ducken sich vorzüglich verbergen), die ihren Standort schwer wechseln, übrig waren. Wasser- oder Futtermangel war nicht eingetreten. Stets ergab es sich dann, daß Wildhunde dort gehetzt hatten. Rudel bis zu dreißig Stück waren keine Seltenheit. Eine solche Panik unter dem Wild ruft kein Löwe hervor. Wohl zeigt das Wild bei Löwenanwesenheit Unruhe, ich sah aber mehrfach weit auseinandergezogen äsende Wasserböcke und Hartebeeste, die von einem Löwen, der mitten durch die Herde lief, kaum Notiz nehmen.

Strichweise bewegen sich die Wildhunde durchs Land und steigen auch in hügeliges Gelände auf. 1910 traf ich sie auf 1200 Meter Höhe nahe Langenburg, wo sie die weidenden Viehbestände schwer schädigten.

Nach meinen Erfahrungen bevorzugen sie alles Hornwild mit Ausnahme des Büffels, der ihnen wohl zu wehrhaft ist. Warzen- und Wildschweine verschmähen sie nach meinen Beobachtungen gänzlich. Übrigens nahmen auch meine Hunde (Doggen und deutsche Schäferhunde) Schweinefleisch nur ungern auf. Bei Zebras und Giraffen fürchten sie Schläge mit dem harten Huf. Überall bestätigten mir die Eingeborenen, daß diese beiden Tiere von Wildhunden verschont würden, wenn es sich nicht um ein junges Stück handelte, das sich von der Herde entfernt hatte und den Anschluß nicht mehr erreichen konnte.

Erstaunlich ist die Muskelkraft der Kieferpartie der Wildhunde. Einer meiner Bekannten in Langenburg zog zwei junge Hyänenhunde auf. Sie liefen frei herum und kamen auf Ruf zum Futter. Als sie ein Vierteljahr alt waren, hatten sie das Bestreben, nicht unter Beobachtung zu fressen. Sie nahmen deshalb die Blechbüchse, die ihr Futter — Reis und gekochtes Fleisch — enthielt, in den Fang, und einer trug den für beide bestimmten Teil, der mit Büchse mehr als sein Körpergewicht betrug, wagrecht davon, ohne daß dem Tier eine Anstrengung anzumerken war.

Übrigens waren die Tiere trotz ihrer Gefräßigkeit äußerst mager. Nur der dicke Kopf, der durch die sehr großen, aufrechten Lauscher (Ohren) noch größer erschien, fiel auf, so daß der übrige Körper dagegen ganz zurücktrat.

Im Gegensatz zu anderen vierfüßigen Raubtieren sind Wildhunde ausgesprochene Tagestiere. Nase, Gehör und Gesicht sind außerordentlich scharf.

Deutsche Schäferhunde, die nach meinem Dafürhalten unter allen Hunderassen das beste Gesicht haben, erkannten auf 200 Meter Entfernung sich schwer vom Gelände abhebende, sehr ruhig weidende Esel nicht, d. h. sie nahmen sie nicht wahr. Die beiden jungen Wildhunde verfolgten die Esel aber ständig mit dem Auge. Keine laufende Ratte entging ihrer Aufmerksamkeit, und zwar auf viel größere Entfernung, als wie ich dies bei meinen sonst sehr regen Hunden beobachtete.

Die Farbe der von mir erlegten Wildhunde war verschieden. Niemals fand ich sie rein einfarbig, sondern immer in zwei Farben unregelmäßig gefleckt. Im Südosten der Kolonie fand ich vorwiegend Dunkelbraun bis Schwarz als Grundfarbe mit weißen oder gelben Flecken. Im Westen war die Grundfarbe heller. Mehrmals schoß ich ganz fahlgelbe Exemplare mit weißen Flecken. Einmal brachte ich einen Wildhund zur Strecke von schmutziggelber Grundfarbe und schwarzen Flecken.

Meist beherbergt das Fell zahlreiches Ungeziefer, vorwiegend Flöhe, Zecken und Sarcoptes-Milben. Auch den Eingeborenen ist die Vorliebe des Ungeziefers für den Wildhund als Wirtstier bekannt, und gerade aus diesem Grunde ist das Fell eines Wildhundes den Eingeborenenärzten oder Medizinmännern eine begehrte Sache, aus der sich Kapital schlagen läßt.

Sehr stark ist nämlich die Nachfrage nach Amuletten, die Liebe und Zuneigung erwecken sollen. Ein alter Medizinmann, mit dem ich Freundschaft unterhielt, um mich über die Art seines Wirkens zu unterrichten, gab mir im Laufe der Jahre interessante Aufschlüsse über seine Praxis.

Vieles ist Hokuspokus, ohne jeden Wert, einem großen Teil der angewandten Mittel liegt aber eine gute Kenntnis heilkräftiger Kräuter zugrunde. Es ist dieselbe Art des Wirkens, wie sie bei uns im Mittelalter üblich war und heute noch von Schäfern und Wunderdoktoren ausgeübt wird. Früher standen diese Leute im höchsten Ansehen, es schwindet aber immer mehr, je mehr europäische Ärzte ins Land kommen. Es bricht sich allmählich Bahn, daß diese denn doch etwas mehr vom Heilen verstehen, als die eigenen Ärzte. Außerdem sind sie billiger, d. h. der Eingeborene wird vorwiegend kostenlos behandelt, während der eingeborene Arzt seine Kranken gehörig schröpft und diese bis auf wenig Ausnahmen, wenn überhaupt, so aus Autosuggestion, ihre Gesundheit wiedererlangen. Der europäische Arzt ist diejenige Person, die am leichtesten den Weg zum Herzen der Neger findet, sofern er einigermaßen umgänglich ist. Das Gefühl der Dankbarkeit geht zwar dem Neger völlig ab, dafür erkennt er aber den Vorteil einer mit Erfolg geführten ärztlichen Behandlung voll an. Für ihn sind ja die Wirkungen der Schutzimpfung gegen Pocken und die Salvarsanbehandlung bei Frambösie[4] die reinen Wunder.

Doch ich sprach von der Verwendung des Felles der Wildhunde durch Medizinmänner. Mein alter Freund verwendete deshalb bei der Herstellung von Liebesamuletten stets einige Haare vom Wildhund, weil diese starke Anziehungskraft ausübten, wie ja schon daraus zu ersehen wäre, daß sich alles Ungeziefer zum Wildhund hingezogen fühlte.

Von Eingeborenen wird der Wildhund nur selten erlegt. Einesteils ist es nicht häufig, daß Wildhunde sich weidendes Vieh holen; es fehlt der Anreiz der notwendigen Abwehr. Andernteils flößt der in Herden jagende Wildhund den Negern Achtung ein. Ob diese berechtigt ist oder nicht, hatte ich nie Gelegenheit festzustellen. Es wird zwar vielfach behauptet, daß ab und zu Menschen von Wildhunden angegriffen würden, etwas Bestimmtes scheint aber nicht dahinter zu stecken. Wenigstens konnte ich nicht einen einzigen Fall dieser Art ermitteln.

So wie ich den Neger kenne, wirkt schon das dreiste Verhalten der Wildhunde, die nicht sofort die Flucht ergreifen, wenn einer oder mehrere ihrer Genossen getötet werden, auf sie abschreckend.


Fußnoten:

[1] Die in diesem Bändchen mehrfach vorkommenden weidmännischen Ausdrücke bedürfen wohl meistens keiner besonderen Erklärung, da sich ihr Sinn aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, von selbst ergibt. Wo es uns aber dennoch nötig schien, haben wir eine entsprechende Erklärung als Fußnote gebracht.

[2] D. h. in den Bewegungen innezuhalten (beim Wahrnehmen einer Gefahr oder eines Feindes).

[3] D. h. bei Raubwild eine »Spur« (Tritt) vor die andere setzen.

[4] Die Frambösie ist eine eigenartige Hautkrankheit, die sich nur in den Tropenländern vorfindet und durch das Auftreten kleiner weißer Pusteln auf geröteter und entzündeter Haut, sowie daraus entstehender Geschwüre und schwammiger Auswüchse von Form und Größe einer Himbeere (franz. framboise) zu erkennen gibt.