2 Soldi in Bull. soc. d'Anthropol. 1881. 34 ff.

3 Lepsius in Verhandl. Berliner Anthropol. Ges. 1873. 63. 64.

4 Manners and Customs of the ancient Egyptians. III. 247.

5 Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1871. 19.

6 Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. 102. Abhandlungen der Berl. Akad. der Wissenschaften 1871.

7 Wilkinson, Manners and Customs. III. 246. It lies in the eastern desert, between the Nile and the Red Sea, at a place called Hammámi, and was discovered by my friend Mr. Burton, who visited it in 1822 and found the metal to be in the form of specular and red iron ore.

8 Lepsius a. a. O. 107. 112.

9 „Altes Eisen.“ Allgemeine Zeitung, 12. Januar 1868.

10 Das Meteoreisen in technischer und kulturhistorischer Beziehung. Arch. f. Anthropol. XII. 297 (1880).

11 Schweinfurth, Artes africanae Taf. XIV. Fig. 5-7 und Wilkinson, Ancient Egyptians II. 287.

12 Wilkinson a. a. O. III. 339.

13 Jeremias 6, 20.

14 Klunzinger, Bilder aus Oberägypten. Stuttg. 1877. 13.

15 Editio Fabricius. Leipzig 1883. 42.

16 III. 49, 4.

17 II. 19 in Karl Müller's Geographi graeci minores. Par. 1855.

18 Strabo 771. 772. ed. Casaub.

19 Morlang, in Petermann's Mittheil. Ergänzungsband II. (122).

20 Pogge, Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.

21 Bleek, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71.

22 Die Steinzeit Afrikas. Globus XLI. 169 ff.

23 Durchbohrte Steine vom Tanganjikasee beschreibt Hore in Proc. Roy. geogr. Soc., 1882. 7. Durchbohrte Porphyrsteine, die Zauberkraft besitzen sollen und deren ursprüngliche Verwendung den Leuten bereits unbekannt war, Livingstone in Centralafrika. (Letzte Reise, deutsche Ausgabe I. 271.)

24 Sprachvergleichung und Urgeschichte. Jena 1883. 218 Anm.

25 Purchas, Pilgrims I. 118. 133. 275. 417.

26 Sanderson im Journ. Anthropol. Instit. VIII. 17 (1879).

27 Hutchinson, Western Africa. London 1858. 192.

28 Reise im Gebiete des Blauen und Weißen Nil. Wien 1874. 33, Taf. 2.

29 Wilhelm v. Harnier's Reise am oberen Nil. Darmstadt 1866. Taf. XIX.

30 S. W. Baker, Der Albert Nyanza. Jena 1867. I. 182.

31 Schweinfurth, Im Herzen von Afrika. I. 224. 227.

32 Schweinfurth, Artes africanae. Leipzig 1875. Taf. II.

33 John Petherick, Egypt, the Soudan and Central-Africa. Edinburg 1861. 396.

34 Th. v. Heuglin, Reise in das Gebiet des Weißen Nil. Leipzig und Heidelberg 1869. 196.

35 Artes africanae taf. V.

36 A. a. O. 197.

37 Schweinfurth, Im Herzen von Afrika. II. 116.

38 Wilson und Felkin, Uganda, deutsch. Stuttgart 1883. I. 73.

39 A. a. O. I. 89.

40 Stanley, Durch den dunklen Weltteil. I. 514.

41 Stanley a. a. O. II. 156.

42 Journal Anthropol. Instit. VI. 170. Livingstone (Letzte Reise II. 174) kam in dieser Gegend an 30 Schmelzhütten vorüber.

43 Cameron, Quer durch Afrika. I. 291. 293.

44 Cameron a. a. O. I. 319.

45 Cameron a. a. O. I. 320.

46 Cameron a. a. O. II. 44.

47 Cameron a. a. O. II. 157.

48 Pogge, Im Reiche des Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.

49 O. Schütt, Reisen im südwestlichen Becken des Kongo. Berlin 1881. 128.

50 Reisen in Südafrika. Pest und Leipzig 1859. 384. 376.

51 Serpa Pinto's Wanderung quer durch Afrika. Leipzig 1881. I. 118.

52 Serpa Pinto I. 236. II. 31.

53 Jos. Thomson, Expedition nach den Seen von Centralafrika. Jena 1882. II. 209. I. 227.

54 Burton, Lake Regions of Central Africa. London 1860. II. 312.

55 v. d. Deckens Reisen II. 17. 19.

56 Burton a. a. O. II. 312.

57 v. d. Decken a. a. O. II. 19.

58 v. d. Decken II. 19.

59 Blauer und Weißer Nil. Taf. II.

60 Expedition to the Zambezi. 113.

61 Proceedings R. Geogr. Soc. 1883. 586.

62 David Livingstone's Letzte Reise, deutsch. Hamburg 1875. I. 183.

63 Livingstone, Expedition to the Zambezi. London 1865. 113.

64 Letzte Reise I. 180.

65 Monteiro, Der Muata Cazembe. Deutsch von W. Peters in Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. VI. 268. Berlin 1856.

66 Proceed. R. Geogr. Soc. 1883. 531.

67 Du Chaillu, Equatorial Africa. London 1861. 90. — O. Lenz, Skizzen aus Westafrika. Berlin 1878. 85.

68 Lenz a. a. O. 274.

69 Mungo Park's Reise in das Innere von Afrika. Deutsch. Hamburg 1799. 32.

70 Rohlfs, Quer durch Afrika. II. 62. — Nachtigal im Globus XXIV. 231.

71 Mitt. Hamburg. Geogr. Ges. 1878-79. 316. Tafel 8, Fig. 9.

72 Schweinfurth, Im Herzen von Afrika. I. 224. 306.

73 Bastian, Geogr. und ethnolog. Bilder. Jena 1873. 171.

74 L. Wilson, Western Africa. London 1856. 304.

75 H. Barth, Reisen. II. 154. 157. 158.

76 Nachtigal, Sahara und Sudan. I. 457. 451.

77 Nachtigal a. a. O. I. 680. Der Blasebalg wird in Bornu durch ein Onomatopoeon: bubutu bezeichnet (Barth, Reisen II. 458).

78 Barth a. a. O. II. 645. III. 400.

79 Rohlfs, Quer durch Afrika. II. 207.

80 Doelter, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. 224.

81 Tour du Monde. III. 388 (1861).

82 Mollien, Reise in das Innere von Afrika. Weimar 1820. 226.

83 Mungo Park's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 332.

84 Doelter, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. 178.

85 Bowdich, Mission nach Ashantee. Weimar 1820. S. 417.

86 Fritsch, Eingeborene Südafrikas. 434.

87 Peter Kolben's Beschreibung des Vorgebirges der guten Hoffnung. Frankfurt und Leipzig 1745. 177.

88 Fritsch a. a. O. 72.

89 Fritsch a. a. O. 71. 72.

90 Kranz, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 66.

91 Fritsch a. a. O. 172.

92 Holub in den Mitt. der Wiener geograph. Ges. 1879. 321. 322.

93 Nur noch die Gerberei wird bei den Mandingo von den von Stadt zu Stadt reisenden Karrankea oder Gaungay zünftig betrieben, während die übrigen Einwohner sich nicht damit abgeben (Mungo Park's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 330).

94 Thomson, Expedition nach den Seen von Centralafrika. II. 209.

95 Petermann's Geographische Mitteilungen. 1882. Taf. 1.

96 Ausland. 1883. S. 850.

97 Doelter, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. 220 ff.

98 Lichtenstein, Reise im südlichen Afrika. Berlin 1812. 523.

99 Serpa Pinto a. a. O. I. 236. Diese Art des Härtens war schon zur Homerischen Zeit bekannt, wie aus der Stelle hervorgeht, wo Odysseus den Polyphem blendet, Odyssee IX. 393-395:

So wie der Erzarbeiter die Holzaxt oder das Schlichtbeil
In abkühlendes Wasser mit mächtigem Zischen hinabtaucht,
Um es zu härten mit Kunst; das giebt ja dem Eisen die Stärke.

100 Auch bei unseren indogermanischen Vorfahren bestanden die ursprünglichen Schmiedewerkzeuge aus Stein; Beweis dafür die Häufigkeit der Namen dieser Werkzeuge, welche aus dem Worte für Stein (Sanskrit áçman = Altslavisch kamen) hervorgehen. Hierher gehören im Germanischen altnordisch hamarr = althochdeutsch hamar und griechisch κἁμινος , Ofen. Im Sanskrit áçman Hammer und Amboß.

101 Tylor, Anfänge der Kultur. I. 140.

102 Schönwerth, Aus der Oberpfalz. II. 113.

103 Mannhardt, Baumkultus. Berlin 1875. 132.

104 2 Mos. 20, 25.

105 Vergl. das Hereromärchen in Bleek, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71.

106 D. Livingstone's Letzte Reise. Deutsch. Hamburg 1875. I. 183.

107 R. Andree, Ethnographische Parallelen. Stuttgart 1878. 153. „Der Schmied.“

108 Es läßt sich historisch nachweisen, wie Schmiede und Metallarbeiter von den Siegern in deren Land verpflanzt wurden, wo sie, dem besiegten Stamme angehörig, nun eine Kaste bildeten. Nebukadnezar führte die Schmiede aus Juda nach Babel (2 Kön. 24, 14) und der Inka Yupanqui brachte die Metallarbeiter des von ihm eroberten Reiches Chimu nach seiner Hauptstadt Cuzco (Squier, Peru. London 1877. 170).

109 Es möge hierzu eine indische Parallele Platz finden. Bei den Bhils, einem der wilden Urstämme Vorderindiens, steht das Eisen in hoher Verehrung. Lanzenspitzen oder Pflugscharen werden an Baumzweige gehängt und diesem Eisen widmet der Bhil die Erstlingsfrüchte der Ernte oder Teile seiner Beute. Der Ursprung dieses Brauches soll in die Zeit der Einführung des Eisens bei den Bhils zurückreichen. L. Rousselet, Revue d'Anthropol. II. 61. 1873.

110 Bastian, San Salvador. 161. — Lenz, Skizzen aus Westafrika. 85. — Magyar, Reisen in Südafrika. I. 338. — Rohlfs, Quer durch Afrika. II. 156. — v. Harnier in Petermann's Ergänzungsheft No. 10. 133. — Pruyssenaere daselbst No. 50. 25. — Mollien, Reise in das Innere von Afrika. 49. — Nachtigal, Sahara und Sudan. I. 443. — Derselbe in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde zu Berlin. VI. 533 und XII. 43. — Hildebrandt in Zeitschrift für Ethnologie. 1875. 4.

111 Arch. f. Anthropologie. XI. 401.

112 Korrespondenzblatt d. deutsch. Anthropol. Ges. 1877. 151.

113 Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 88.

114 Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 133.

115 Korrespondenzblatt. 1878. 73.

116 Mitt. d. Wiener Anthropol. Ges. VIII. 312.

117 Korrespondenzblatt. 1883. 147.

Das Kupfer bei den Nigritiern.

Vorkommen und Darstellung. Kupfer gehört in Afrika zu den nicht selten vorkommenden, in der Ausbeute aber auf einige wenige Lokalitäten beschränkten Metallen. Seit alter Zeit wird es im Norden wie im Süden von den Eingeborenen erschmolzen und in den Handel gebracht. Daß es als gediegenes Metall zur direkten kalten Verarbeitung gelange, ist mir für Afrika nicht bekannt geworden. Die Hauptvorkommnisse, von denen aus es auf Handelswegen weit und breit über den Kontinent verbreitet wird, sind folgende:

Zunächst die vielfach genannte Hofrat e Nahhas im Süden von Darfur. Russegger, der zuerst diese Kupferbergwerke erwähnt, gab an, daß das Metall dort gediegen in Form feiner Gräupchen vorkomme.[118] Indessen dieses beruht auf falschen Erkundigungen. Nach den von v. Heuglin eingezogenen Nachrichten wird das Kupfer dort metallurgisch gewonnen. „Die Kupfererze werden an Schluchten gebrochen, gewaschen und in einer Vertiefung mit Kohle geschichtet. Zwei bis drei Schafhäute dienen den Arbeitern als Blasebälge. Beim Niedergehen des Satzes entwickelt sich eine giftige grüne Flamme. Das Ausbringen eines Schmelzprozesses beträgt zwischen 12 bis 15 Rottel schönes Rotkupfer.“[119]

Schweinfurth sah das Kupfer von Hofrat e Nahhas im Handel in der Form geschmiedeter kantiger, sehr plumper Ringe von 21/2 bis 25  kg Gewicht und in 1/2 oder 1  kg schweren, länglich ovalen Barren oder Kuchen von ziemlich unreiner Gußmasse. Er zahlte für 40  kg 75 Mariatheresiathaler. Auch von dem kupferhaltigen Mineral erhielt Schweinfurth Proben; es bestand aus Kies- und Quarzstücken mit Malachitbeschlag.[120] Wie weit dieses Kupfer von Hofrat in Afrika durch den Handel verbreitet wird, erkennen wir aus der Angabe von Heinrich Barth[121], daß es, über Wadai kommend, auf dem Markte von Kano den hauptsächlichsten Vorrat ausmacht und hier in Konkurrenz mit dem europäischen, über Tripolis importierten Kupfer tritt.

Hofrat e Nahhas ist zum ersten Male im Jahre 1876 von dem Amerikaner Purdy besucht worden, dessen Bericht[122] ich vollständig hier wiedergeben will. „Heufrah,“ schreibt er, „liegt auf dem rechten Ufer des Bahr-el-Fertit, einem Zuflusse des Bahr-el-Arab. Das Dorf ist von dem Flusse eine halbe Meile (mille) entfernt und die im Sudan so berühmten Kupferwerke liegen einen Kilometer südwestlich vom Dorfe. Die Mineralader ist schon in weiter Entfernung sichtbar; sie tritt etwa 50  cm über die Oberfläche des Bodens hervor und verläuft von Nordwest nach Südost. Man hat hier eine etwa 140  m lange, 14  m breite und 2-3  m tiefe Ausgrabung gemacht. Aus dieser Aushöhlung ist eine große Menge Mineral herausgefördert worden; etwas weiter westlich hat man einen 8,5  m tiefen Schacht abgeteuft, der eine weißliche Thonmasse durchsetzt. Die Arbeiter benutzen nicht das ganze Mineral, sondern nur den kupferreichsten Teil desselben, ein fast reines Karbonat oder Bikarbonat. Die Ausschmelzung erfolgt in einfachen Thonöfen. Die gemachten Beobachtungen berechtigen zu dem Glauben, daß man hier eine große Menge dieses guten Minerals finden kann. Die Minen liegen etwa 28  m über dem Hochwasser des Bahr-el-Fertit. Die oben erwähnte Erzader ist die einzige, welche heute bearbeitet wird. Doch findet man in einem Umkreise von 500  m unzählige alte Schächte. Heufrah liegt unter 9°  48´  24´´ nördl. Br. und 24°  05´  38´´ östl. L. v. Gr. Das Land ist ringsum durchaus eben und der Horizont nirgends von Bergen begrenzt.“

Leider erfahren wir von diesem einzigen Augenzeugen gar nichts näheres über den eigentlichen metallurgischen Prozeß. Es wäre aber gerade sehr wünschenswert, daß über diese primitive Ausbringung der Kupfererze uns Kunde würde, da das Kupfer denn doch nicht so einfach wie das Eisen darzustellen ist, wenigstens nicht das „gare“, für die Technik verwendbare Kupfer, welches erst eine Raffinierung durchgemacht haben muß, wie dieselbe auch in Indien ausgeführt wird.

Fig. 15.

Fig. 15. Handakupferbarre. Nach Cameron.

Ein zweites und für die Verbreitung des Kupfers in Afrika wichtiges Vorkommen ist jenes von Katanga, welches nach Cameron's Karte etwa unter 10° südl. Br. und 26° östl. L. liegt. Es wird hier in großen Mengen gewonnen und zu Stücken von 11/4 bis 11/2  kg Schwere geformt, welche den Namen Handa führen. Sie haben die Gestalt eines roh geformten Andreaskreuzes und messen in der Diagonale 33-35  cm, während die Arme etwa 41/2  cm breit und 1  cm dick sind. Bei manchen läuft oben an den Armen ein erhabener Streifen hin (Fig. 15). Diese Kupferminen sind noch von keinem Europäer besucht worden, sondern nur durch Erkundigungen und durch das Vorkommen ihres Produktes im Handel bekannt geworden. Cameron traf die kreuzförmigen Kupferstücke zuerst in Uguhha, westlich vom Tanganjikasee. Je neun bis zehn Stücken davon werden übereinander gelegt, zusammengebunden und an die beiden Enden einer Stange gebunden, um so eine Traglast zu bilden. Während das Kupfer so weit nach Osten geht, erreicht es umgekehrt die Westküste, wo es nach Lux in 11/2-2  kg schweren Stücken in den Handel kommt. In Kimbundu heißen diese kreuzförmigen Stücke „Uwanda“, offenbar derselbe Name wie Handa.[123] Livingstone fand Katangakupfer beim Cazembe. Es hatte die Form wie ein großes I; ein Barren wog 25-50  kg. In Uniamwesi (Tabora oder Kaseh, zwischen dem Tanganjika und der Ostküste) sah derselbe Reisende das gleiche Kupfer; es hieß dort Vigera. Daneben war aber auch das in Kreuzesform gegossene zu finden und es wurde dort Handiplé Mahandi genannt.[124] Im letzteren Worte haben wir das „Handa“ Cameron's wieder. Dieses Katangakupfer ist dasjenige, welches am weitesten durch Afrika verbreitet ist.

Von geringerer Bedeutung scheint das Kupfervorkommen und die Kupfergewinnung im Gebiete des Binué, des großen östlichen Zuflusses des Nigers, zu sein. Robert Flegel schreibt[125], daß Kupfer in größeren Mengen vorkomme und verarbeitet werde in der Gegend von Gazza, einer Stadt etwa drei Tagereisen südlich von Ngaundere gelegen. „Ich habe selbst verschiedene Gegenstände, nach Aussagen aus jenem Kupfer gefertigt, erworben und man erzählt, daß zwei ganz aus Kupfer bestehende große menschliche Figuren dem Ardo Isa, früheren Herrn von Ngaundere, als Kriegsbeute in die Hände gefallen seien.“

Im portugiesischen Westafrika werden durch Europäer die großen Kupferminen von Pembe in Angola ausgebeutet, die ausführlich von A. Bastian geschildert sind.[126]

Großartig und seit altersher bekannt ist der Kupferreichtum von Klein-Namaqualand, wo die Kupferminen sich über einen Flächenraum von 8000-9000 englischen Quadratmeilen ausdehnen und wo das Erz sich nicht nur in den Schichten der Erde, sondern reichlich an der Oberfläche findet. Zahlreiche Aktiengesellschaften beuten dasselbe aus.

In Transvaal findet sich häufig Buntkupfererz und Kupferlehm und es ist von Wichtigkeit zu hören, daß hier alte Gruben in Menge vorkommen, die früher von den Kaffern ausgebeutet wurden[127], denn keineswegs ist die Kupferindustrie in Südafrika erst durch die Europäer eingeführt worden. Selbst die Hottentotten stellten dieses Metall (wie das Eisen) durch Ausschmelzen der Erze mit Holz in Gruben dar. „Sie graben, schmelzen und polieren es mit unglaublicher Kunst und bereiten die kleinen Zieraten davon, womit sie sich schmücken,“ sagt der alte Peter Kolben.[128]

Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege. Dieses sind die wichtigsten Vorkommnisse des Kupfers in Afrika, soweit bekannt, und von hier hat dasselbe sich auf dem Handelswege zu den Völkern verbreitet, die es nicht selbst erschmelzen, wohl aber, bei der bekannten Schmiedegeschicklichkeit der Schwarzen, gut zu verarbeiten verstanden. Die Monbuttu in Centralafrika kannten das Kupfer bereits, ehe sie mit den von Norden vorrückenden Mohamedanern in Berührung kamen und ihr König besaß große Massen davon. Es stammte aus dem südwestlichen Afrika, ja vielleicht, wie Schweinfurth vermutet, aus Angola. Doch dürften die Minen von Katanga wohl auch hierbei in Betracht zu ziehen sein. Bei diesem Volke sind fast alle künstlichen Zieraten aus diesem Metalle gearbeitet, welches (außer Eisen) das einzige ihnen bekannte ist. Am häufigsten wird es in Gestalt klafterlanger, ausgezogener und flach geschlagener Drähte angewendet, um die Handhaben an Säbeln und Messern, die Lanzenschäfte, Bogen etc. zu umwickeln. Von Kupfer und Eisen sind auch die agraffenartigen Klammern, welche zur Zier an den Holzschilden angebracht sind. Lange Halsketten von Kupfer sieht man häufig und Kupferbeschlag fehlt weder an den aus Büffelhaut geschnittenen Ringen, noch an den dicken Gürtelriemen. Jeder Schmuck, an dem sich Kupfer anbringen läßt, ist damit versehen. Vornehme bestellen sich eigens aus Kupfer geschmiedete Prunkwaffen.[129]

Und noch weit tiefer im Innern Afrikas, bei den Wavinzu am mittleren Congo, fand Stanley, der als der erste Weiße zu ihnen kam, Kupfer im Überfluß. „Es war um die Speerschäfte gewunden und umgab in Ringen ihre Beine und Arme, die Griffe ihrer Messer, ihre Spazierstöcke und hing in Perlenform von ihren Hälsen herab, während schrotförmige Kügelchen desselben an ihren Haaren befestigt waren.“[130]

Wie massenhaft Kupfer- und Messingringe oft zu Zieraten verwendet werden, erkennt man an dem Hauptweibe des Häuptlings Sescheke am mittleren Sambesi. Livingstone schreibt: „Sie trug achtzehn massive fingerdicke Messingringe an jedem Bein und drei Kupferringe unter dem Knie; neunzehn Messingringe am linken und acht Messing- und Kupferringe am rechten Arm. Das Gewicht derselben behinderte ihr Gehen.“[131]

Kupferlegierungen in Afrika. Bei den Altägyptern hieß das Kupfer Chomt; es erscheint wie Silber und Blei in großen aneinandergelehnten Platten abgebildet in der Schatzkammer Ramses III. im Tempel zu Medinet Habu. Unter den Tributgaben, welche die Völker Syriens und Assyriens, die Rotennu, Anaukasa, Asi u.  a. Thutmosis III. bringen, wird vorzüglich auch Kupfer in rohen Klumpen, massiv, aber nicht raffiniert, erwähnt, welches nach Tob, d.  i. Ziegeln von ca. 2  kg, gemessen wurde.

Chomt bezeichnete aber nicht bloß das Kupfer, sondern auch die verschiedenen Mischungen von Bronze, wie sie häufig bei der Verarbeitung zu Gefäßen, Instrumenten und kleinen Statuen angewendet wurden. In der That bestehen viele Gegenstände in den europäischen Museen, die hierher gehören, nicht aus reinem Kupfer, das sich namentlich für den Guß weniger eignet, sondern aus mannigfaltigen Legierungen, an denen man ohne Zweifel auch die helleren Farben schätzte. Einzelne Stücke des Berliner Museums sind von Vauguelin analysiert worden. Ein Spiegel, den er untersuchte, enthielt 85% Kupfer, 14% Zinn und 1% Eisen. Wenig verschieden sind die Kompositionen anderer Spiegel und Instrumente; ein Dolch enthielt „wenig Zinn“. Götter, heilige Tiere, Embleme wurden aus Bronze dargestellt. Das Berliner Museum besitzt eine besonders interessante Bronzestatuette des Königs Ramses II. in Osirisform von feinster Arbeit, welche hohl gegossen ist, wohl das früheste Beispiel von Hohlguß, da sie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus stammt. Außerdem finden sich in den Museen noch Instrumente aller Art, wie Sistren, Schlüssel, Löffel, Nägel, chirurgische Instrumente; Waffen, wie Dolche, Beile, Messer, Lanzenspitzen; ferner Spiegel, Spangen, Gefäße, namentlich heilige Schöpfgefäße mit ihren langstieligen Löffeln, Schalen, Näpfe und vieles andere.[132]

Was das Alter der Bronze in Ägypten betrifft, so ist sie schon in den frühesten Zeiten konstatiert worden. Es würde genügend sein, sich auf die im britischen Museum noch vorhandene Zwinge des szepterartigen Stabes Pepis, eines Königs der sechsten Dynastie (3233 v. Chr.), zu berufen. Auch hat Chabas bereits hervorgehoben, daß man Gegenstände aus Bronze in Texten erwähnt findet, die man in vor der Errichtung der großen Pyramiden liegende Zeiten setzen darf. Sehr schöne Bronzestatuetten der Posno'schen Sammlung werden bis in die Zeit der sechsten Dynastie zurückversetzt; sie sind, bis auf die angesetzten Arme, im Ganzen geformt, der Guß hohl und der Sandkern steckt noch darinnen. Im Gießen von Bronzefiguren scheint danach Ägypten die Priorität zu behaupten.[133]

So verhält es sich mit dem thatsächlichen Vorkommen. Dem gegenüber aber muß hervorgehoben werden, daß in den alten Inschriften Kupfer und Kupfergerät als aus Asien stammend, von asiatischen Völkern gebracht, erwähnt wird, was wieder auf asiatischen Ursprung der Bronze deuten könnte, eine Ansicht, die dadurch bestärkt wird, daß Zinn auf den ägyptischen Denkmälern nicht nachzuweisen ist, wiewohl es, als zur Bronze dienend, den Ägyptern bekannt sein mußte.[134]

An Zinn, um Bronze darzustellen, fehlt es übrigens in Afrika nicht und es wird sogar von den Schwarzen gewonnen. „Ein sehr ergiebiges Zinnbergwerk ist bei Rirué (in Sokoto) im Betrieb, von wo das geförderte Metall nach Wukari und Adamaua, sowie nach Kano und Sokoto verführt wird.“[135] Legierungen von Kupfer und einem anderen Metall sind erst spät von Norden her zu den Völkern am Weißen Nil gelangt, durch die Baggara, welche das Messing den Negern jener Gegenden zuführten, die es höher als das selbstbereitete Kupfer schätzten. Zu Schweinfurth's Zeit (1870) war das Messing erst bis zu den Djur (zwischen 9° und 12° nördl. Br.) vorgedrungen, bei den südlicher wohnenden Völkern aber noch ziemlich unbekannt.[136] Nirgends aber findet sich in diesen Gegenden eine Spur, daß ihre Bewohner die Bronze gekannt oder dargestellt hätten. Wenn Livingstone[137] erwähnt, daß er von einem Häuptling am Südende des Tanganjikasees „zum Andenken ein Messer aus Bronze mit elfenbeinerner Scheide“ erhalten habe, so ist dieses eine isolierte, ohne jede Analogie dastehende Äußerung, die auf einer Verwechselung beruhen kann, und der ich keinen Wert beilegen möchte, wenigstens insoweit es sich um die Darstellung von Bronze bei den Eingeborenen handelt. Die Ausnahme, welche ich oben andeutete, ist aber folgende.

Als Heinrich Lichtenstein im Anfange unseres Jahrhunderts seine südafrikanische Reise machte, kam er auch zu den südlichen Bedschuanenstämmen, bei denen er Ringe aus Kupferdraht, wie er sagt, fand, die durch langes Hämmern selbst hergestellt worden waren, wie ihm halbfertige Stücke bewiesen. Das Metall dieser Ringe aber bestand nach einer Analyse Klaproth's aus 93% Kupfer und 7% Zinn. „Da nun bis jetzt,“ fügt Lichtenstein hinzu, „noch kein zinnhaltiges Mineral im südlichen Afrika gefunden worden ist, so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Ringe noch weiter von Norden herstammen und vielleicht von den Kaffervölkern auf ihren Wanderungen von Alters her aufbewahrt worden sind.“[138]

Nach unserer jetzigen Kenntnis der Verhältnisse ist es jedoch nicht notwendig, das letztere anzunehmen, denn Zinn kommt in Südafrika vor, Merensky kennt zwei Fundstellen in Transvaal[139], doch ist über die Darstellung des Metalles durch die Eingeborenen noch nichts bekannt geworden und es muß die Quelle des Zinns zu jener Bronzedarstellung noch erforscht werden. Dieses von Lichtenstein mitgeteilte Beispiel des Vorkommens von Bronze bei den Südafrikanern ist nicht das einzige, da dieselbe auch bei den Zulu beobachtet worden ist.

Dr. Kranz, auf den ich mich wegen der Thatsache beziehe[140], nennt die Legierung „Messing“, jedenfalls eine falsche Bezeichnung, da es sich um ein Gemenge von Zinn und Kupfer handelt. Das Kupfer, sagt er, verstehen die Zulu selbst aus den Erzen zu reduzieren — woher aber das Zinn stammt, darüber berichtet er kein Wort und doch wäre dieses von größter Wichtigkeit zu erfahren. Wäre dasselbe europäischen Ursprunges, dann würde diese Bronzebereitung der Zulu auch keinesfalls als autochthone Kunst aufzufassen sein. Den Prozeß selbst stellt unser Gewährsmann folgendermaßen dar: „In einem zerbrochenen irdenen Topf als Schmelztiegel wird ein wenig Kupfer und Zinn mitten in einem Holzkohlenfeuer geschmolzen. Vorher werden nach Art spielender Kinder Haufen oder Häufchen von feinem Sand gemacht und mit einem dünnen Stock Löcher in schiefer Richtung hineingebohrt, wohinein das geschmolzene Metall nachher gegossen wird. Die so entstandenen dünnen Messingstöcke (sic!) werden dann mit einem kleinen Hammer auf einem Stein gehämmert und zwischendurch wieder im Feuer erweicht, bis dieselben beinahe 3  mm dick sind. Das eine Ende wird dann durch Reiben auf einem Steine zugespitzt und durch die auch in Europa bekannte eiserne Platte gezogen und immer dünner, bis der Messingdraht ungefähr wie dicker Sattlerzwirn ist.“ Genau so wird der Prozeß von dem bekannten Missionar Moffat, Livingstone's Schwiegervater, geschildert. Die Ziehplatten sind sehr roh geformt aus weichem Eisen, die Löcher sind ungleich und so wird auch der Draht sehr unregelmäßig.[141]

Drahtziehen und Gießen in Afrika. Auch südlich vom Tanganjikasee verstehen es die Neger Kupferdraht zu ziehen, zu welchem das Kupfer aus Katanga kommt, „indem sich die Drahtzieher zu einem Teil des Herstellungsverfahrens eines siebenzölligen Kabels bedienen“, was eine sehr unklare Beschreibung ist. „Sie machen sehr schönen Draht und dieser wird hauptsächlich zu Knöchel- und Beinringen verarbeitet.“[142]

Mit dem oben geschilderten Verfahren des Tiegelschmelzens und Barrengießens der Zulu vor Augen, wird uns auch die nachstehende, sonst wenig klare Schilderung Livingstone's verständlich, welche sich auf eingewanderte, am Nordgestade des Bangweolosees wohnende Wanjamwesi bezieht. Mit den gewöhnlichen afrikanischen Gebläsen schmelzen sie „Stücke der großen Kupferstangen in einem Tiegel, nahezu gefüllt mit Holzasche. Das Feuer ist angemacht inmitten vieler Ameisenhügel, in welche Höhlungen gebrochen sind zur Aufnahme des geschmolzenen Kupfers; beim Ausgießen des Metalls wird der Tiegel in der Hand gehalten, die durch nasse Lumpen geschützt ist“.[143] Letzteres, weil eine Zange in unserem Sinne den Afrikanern unbekannt ist; was die Ameisenhügel betrifft, so scheinen sie die Rolle zu spielen wie die oben erwähnten Sandhäufchen der Zulu.

Zur Charakterisierung der Metallindustrie Afrikas mag hier noch erwähnt werden, daß die Neger es im Formen und Gießen zu einer vergleichsweisen hohen Stufe gebracht haben, wenn auch nicht in Eisen (da sie kein Roheisen darstellen) und selten in Kupfer, sondern in Gold. Von den Negern an der Goldküste sagt Cruickshank[144]: „Sie sind erfinderische Goldarbeiter und machen Ringe, Ketten und Broschen, welche einem europäischen Künstler nicht zur Unehre gereichen würden. Sie formen das Gold in jederlei Gestalt, als Tiere, Vögel, kriechende Geschöpfe und schmücken ihre Person mit solchen Zieraten.“ Den Prozeß finden wir bei Bowdich geschildert, der sich auf die Bewohner von Dagwumba (Dagomba, nördlich vom Rio Volta unter 0° L. und 9° nördl. Br.) bezieht. „Um das Modell zu machen, streicht man Wachs über ein glattes Stück Holz neben einem Feuer, worauf ein Topf mit Wasser steht; nun taucht man einen hölzernen Leisten hinein und macht damit das Wachs gehörig weich. Sie brauchen ungefähr eine Viertelstunde, um das Modell zu einem Ringe zu machen. Ist dieses fertig, so umgiebt man es mit einer Masse von nassem Thon und Kohle, welche man ringsherum fest andrückt, um so die Form zu bekommen, trocknet es in der Sonne und bringt eine Art von Trichter von derselben Masse an, der mit dem Modell durch eine kleine Öffnung in Verbindung steht, um das Gold hineinzugießen. Ist nun das Ganze fertig, und das Gold sorgfältig in dem Trichter verwahrt, so wird es, der Trichter nach unten, über ein Steinkohlen(?)feuer gehalten. Denkt man, daß das Gold gehörig geschmolzen ist, so kehrt man das Ganze um, damit das Gold an die Stelle des geschmolzenen Wachses hereinfließt und bricht den Thon herunter, sobald es kühl geworden, wo dann mit dem nicht gelungenen der ganze Prozeß noch einmal vorgenommen wird. Um dem Golde seine eigentümliche Farbe zu geben, umgeben sie es mit einer Lage von feingemahlenem Ocker, den sie Inchuma nennen, und tauchen es in siedendes Wasser, worin ebenfalls Ocker und ein wenig Salz gethan wird; hierin siedet es eine halbe Stunde, wird dann herausgenommen und sorgfältig von allem gereinigt, was noch daran hängen könnte.“[145] Die Schilderung ist nicht ganz klar, was an der unbeholfenen Übersetzung liegen mag. Sehr schöne Exemplare solcher Goldgießereien aus Aschanti besitzt das Berliner ethnographische Museum.

Gegossen scheinen auch die seltsamen Figuren gewesen zu sein, die Stanley in der Schatzkammer des Königs Rumanika von Karagwé (westlich vom Victoria Nyanza) sah. Er berichtet darüber: „Es befanden sich daselbst ungefähr sechzehn roh aus Messing gearbeitete Figuren von Enten mit Kupferflügeln, zehn sonderbare Dinge aus demselben Metall, welche Elenantilopen darstellen sollten, und zehn Kühe von Kupfer ohne Kopf.“[146] Weiteres giebt Stanley nicht an; jedenfalls handelt es sich hier um einheimische Arbeit, zu der das „Messing“ wohl importiert sein dürfte. — Von den Mpongwe am Gabon sagt Wilson[147]: They show a good deal of mechanical ingenuity in casting copperrings.

Verhältnis von Eisen und Kupfer. Prioritätserwägungen. Ist das Kupfer in Afrika auch nicht gerade selten zu nennen, so ist seine Darstellung im großen doch nur auf wenige Gegenden beschränkt, von denen aus es auf dem Handelswege über den größten Teil des Kontinentes verbreitet wird. Hofrat e Nahhas, Katanga, Angola, Namaqualand sind diese Hauptcentren der Kupfergewinnung. Mag das Kupfer auch im gediegenen Zustande in Afrika vorkommen, so haben wir doch kein Zeugnis dafür, daß es in dieser Form direkt von den Negern verarbeitet und wie bei den nordamerikanischen Indianern als „weicher Stein“ gehandhabt wird. Im Gegenteil, überall ist die Gewinnung des Kupfers bei den Negern eine metallurgische, durch Reduktion aus den Erzen mittels Kohlen bewirkte. Im allgemeinen wird dieser Prozeß, soweit er uns bekannt wurde, gerade wie derjenige der Eisengewinnung und mit den gleichen Öfen und Instrumenten betrieben. Das Verfahren erscheint überall so ursprünglich und in den fernsten Gegenden gleichartig, daß an eine Entlehnung von auswärts nicht leicht gedacht werden kann.

Aus der ganz gleichen Behandlung der Kupfererze und der weichen Brauneisensteine läßt sich eher auf eine gleichalterige Entstehung der Kupfer- und der Eisengewinnung schließen als darauf, daß das eine Metall vor dem anderen im Gebrauche gewesen sei. Es deuten aber manche Umstände darauf hin, daß das Eisen in Afrika doch früher und jedenfalls allgemeiner im Gebrauche als das Kupfer war. Überall erscheint das Eisen durchaus urwüchsig und Dutzende von afrikanischen Vokabularien, welche ich auf seine Benennung durchging, zeigen echt heimische Namen. Die Geräte bei der Darstellung sind meist ursprüngliche und in ihren primitiven Formen auf eigene Erfindung deutend. Sind auch, wie wir gesehen haben, „alte“ Kupferwerke in Südafrika vorhanden, so fehlen doch andererseits alte Kupfergeräte gänzlich; von Funden derselben ist gar nichts bekannt geworden, wiewohl gerade sie — gegenüber altem Eisen — sich vortrefflich erhalten. Alte Steingeräte sind aber durch ganz Afrika nachgewiesen worden. Auf die Steinzeit dürfte direkt die Metallzeit, eine Zeit gefolgt sein, in der ungefähr gleichzeitig Eisen und Kupfer geschmolzen und verarbeitet wurde. Eine besondere „Kupferperiode“ vor der Eisenzeit erscheint schon wegen der durchaus lokalen Verbreitung des Kupfers gegenüber der ganz allgemeinen des Eisens nicht wahrscheinlich. Das Eisen wird fast überall an Ort und Stelle gewonnen und ist in weit geringerem Maße Handelsgegenstand als das Kupfer.

Das Kupfer dagegen findet in Afrika seine Verbreitung wesentlich durch den Handel. Von den oben angeführten Mittelpunkten seiner Gewinnung verbreitet es sich fast über den ganzen Kontinent, meist aber im rohen Zustande, in Barrenform, indem die weitere Ausarbeitung den allenthalben schmiedekundigen Völkern überlassen bleibt, die es zu Draht ausziehen, zu den verschiedensten Zieraten und Prunkwaffen verarbeiten, ja zu gießen verstehen, wenn auch diese Kunst selten ist und sich zumeist auf die Westküste beschränkt, wo sie jedoch (in Gold) anerkennenswertes leistet. Das von Hofrat e Nahhas kommende Kupfer geht über Wadai bis Kano, dasjenige von Katanga in Centralafrika bildet einen höchst wichtigen Handelsartikel, der sowohl nach der Ost- als der Westküste verführt wird. Zu Livingstone's Zeit hatten arabische Händler in Lunda den Kupferhandel in der Hand. Ein gewisser Said bin Habib hatte dort neben 150 Farsilahs (2625  kg) Elfenbein 300 Farsilahs (5250  kg) aus Katanga stammendes Kupfer zusammengebracht, das weiter nach Udschidschi transportiert werden sollte. „Mit hundert Trägern muß er vier Ablösungen haben zu einer Reise, sonst aber die ganze Reise viermal machen.“[148] Dieses giebt eine Idee von der verhältnismäßigen Großartigkeit des centralafrikanischen Kupferhandels und seiner Ausdehnung.

Über die gegenseitige Wertstellung des Eisens und des Kupfers in Afrika besitzen wir einige Andeutungen. Schweinfurth[149] sagt: „Im Verhältnis zu anderen Werten des täglichen Lebens beansprucht das Eisen in Afrika überall einen Wert, der mindestens demjenigen des Kupfers bei uns gleich zu achten wäre, das Kupfer daselbst würde an Wert unserem Silber entsprechen.“ Livingstone, als er in Manjema in Centralafrika war, ließ sich durch seine Schmiede aus Kupfer große kupferne Armbänder machen, „denn sie werden als sehr wertvoll betrachtet und haben die eisernen Armbänder ganz aus der Mode gebracht“.[150] In Uganda dürfen nur der König und die Großen Speere mit Kupferspitzen tragen.[151] Und so ist es im ganzen Kontinente ähnlich.[152]

Daß Kupfer das teurere, geschätztere Metall ist, liegt wesentlich aber an seiner größeren Seltenheit und daran, daß es im größten Teile des Kontinentes erst durch den Handel bezogen werden muß. Eisen ist nur wegen seines massenhaften Vorkommens billiger in Afrika, nicht wegen leichterer Arbeit. In dieser Beziehung mag der Wert beider Metalle ursprünglich derselbe gewesen sein. Viel Arbeit und wenig Produkt heißt es hier wie da. Es läßt sich hieraus eine allgemeine Anschauung ableiten, die für unsere europäischen Prioritätsfragen wohl nicht ohne Interesse ist. Das Eisen ist bei uns überhaupt erst infolge der technischen Fortschritte in der Neuzeit billig geworden, seit die kontinuierlich wirkenden Hochöfen ein gießbares Roheisen liefern. Ursprünglich war es auch bei uns so teuer wie Kupfer, vielleicht nicht viel billiger als Bronze. Unter gleichen oder fast gleichen Preisverhältnissen wurde aber die letztere, weil sie nicht rostete und eine schönere Farbe hatte, dem Eisen vorgezogen. Dieses mag das häufigere Vorkommen von Bronze in alten Funden, gegenüber den Eisensachen, teilweise mit erklären.

Wollte man die Darstellung des Kupfers und kupferner Geräte, das Gießen und Formen, wie es in einzelnen Fällen für Afrika von uns nachgewiesen wurde, für eine Art „Bronzezeit“ dieses Kontinentes im Sinne der skandinavischen Archäologen ansehen, so geben wir zu bedenken, daß es bei dem primitiven Stande der afrikanischen Kupferindustrie sich höchstens um einen ersten Akt, um die Uranfänge einer solchen „Periode“ handeln kann, abgesehen davon, daß diese „Kupferzeit“ höchst wahrscheinlich, ja fast sicher später als die „Eisenzeit“ auf afrikanischem Boden erscheint. Zur Annahme einer „Bronzezeit“, repräsentiert durch die erwähnten Kupfergeräte, können wir für Afrika aber auch darum nicht gelangen, weil jene höhere Kultur und künstlerische Ausbildung bei den Negern fehlt, die überall die entwickelte Bronzezeit — sei es in Ägypten oder China, in Mexiko oder Peru — charakterisiert.

Fußnoten: