Übersicht einiger Hauptdaten[1952].
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v. Chr.
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Zeitalter der Horus-Verehrer
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um 4250
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Zeitalter der Thiniten
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3315–2895
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Altes Reich
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2895–2540
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Zeitalter des Überganges
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2540–2160
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Mittleres Reich
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2160–1785
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Zeitalter der Zersetzung; Hyksos-Könige
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1785–1580
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Neues Reich
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1580–1100
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Herrschaft der Söldner, Äthiopier, Assyrier
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1100–663
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Zeitalter der Restauration
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663–525
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Herrschaft der Perser
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525–332
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Ptolemäische Könige
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331–30
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Ägypten römische Provinz
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30
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Einführung des verbesserten 365tägigen Kalenders: am 15. Juni 4241 v. Chr.[1953]. |
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Da die ägyptische Religion schon zu Beginn des neuen etwa von 1580–1100 währenden Reiches in vielen Richtungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt und in anderen nur mehr der Form nach annähernd erhalten war[1954], so bietet es große Schwierigkeiten, ihre Entwicklung bis in die Zeit des mittleren oder gar des alten Reiches (etwa von 2160–1785 und 2895 bis 2540) zurückzuverfolgen. So weit dies indessen möglich ist, zeigt sich, daß keine Gottheit in höherem Ansehen stand als der Sonnengott RÊ, neben dem allenfalls noch der Mondgott THOT in Betracht kommt, während andere Sterngötter, — denn nicht die Gestirne verehrt man, sondern die Wesen, die sich in ihnen offenbaren[1955] —, keinerlei Rolle in Sachen des Glaubens spielen[1956].
Anfänglich scheinen Sonne und Mond als Augen einer Gottheit gegolten zu haben, des „großen HORUS“, des „HORUS der beiden Augen“[1957], den man sich als Falken mit leuchtenden Augen vorstellte; demgemäß heißt auch RÊ später „der große Gott“, „der Herr des Himmels“, wird falkenköpfig abgebildet und trägt auf dem Haupte die Sonnenscheibe, umwunden von der flammenspeienden Schlange APOPHIS, der „Vernichterin der Feinde“; an weiteren Beinamen, — betreff derer zu beachten ist, daß die ägyptische Religion gewohnheitsgemäß auch an gänzlich widerspruchsvollen Angaben keinen Anstoß nimmt und sie als gleichwertig nebeneinander gelten läßt —, besitzt der „große Lichtgott“ u. a. „Stier seiner Mutter“ sowie „CHEPRE der Käfer“, und zwar hängen diese mit den sehr mannigfaltigen Vorstellungen über seinen Ursprung zusammen[1958]. Nach der einen von diesen wird HORUS jeden Morgen neu geboren und zeugt dann sich selbst (d. h. die am folgenden Tage aufgehende Sonne) im Leibe der Himmelsgöttin, die bald (nach ägyptischer Sitte) als seine Schwester und Gemahlin, bald wieder als seine Mutter gedacht wird[1959], und zu deren besonderen Formen auch ISIS zählt, — weshalb in der späteren Sage deren Sohn, der aber ganz verschieden vom großen Lichtgotte HORUS-RÊ ist, wiederum HORUS heißt[1960]. Nach einer anderen ist der große HORUS sein eigener Erzeuger und schuf sich selbst, sowie seine Namen; dieser Zusatz weist darauf hin, wie innig zusammenhängend auch den Ägyptern Sache oder Person und Namen erschien[1961]: sogar die Götter müssen sich demjenigen fügen, der sie durch Verrat ihres „wahren Namens“ in jedermanns Macht zu geben droht, und selbst in äußerster Gefahr teilt RÊ den seinen nur der ISIS mit, „allein für sie und ihren Sohn HORUS“[1962]. Wieder eine andere läßt, wie den Skarabäus-Käfer sein Ei, d. i. die Mistkugel, in der er (nach ägyptischer Annahme) ungeschlechtlich seine Nachkommen zeugt, so HORUS das seinige, d. i. die Sonne, vor sich herwälzen[1963] und dann aus diesem „von ihm selbst geschaffenen Ei“ auskriechen[1964], als „Keim eines schönen und edlen Eies“[1965], als „Sonnenkind, aus dem Ei entspringend“[1966]; man erzählt aber auch, daß dieses Ei als „Weltenei“ bei Beginn der Schöpfung aus dem finsteren, die männlichen und weiblichen Keime in sich bergenden Urwasser NUN hervorging, und daß es Gott PTAH von Memphis oder Gott CHNUM von Esne, „der Weltbaumeister“, auf der Töpferscheibe rund drehte[1967]. — Sagen dieser Art über Entstehung von Welt und Mensch sind übrigens auf der ganzen Erde sehr verbreitet, weshalb auch Eier, wirkliche, nachgemachte oder gemalte, eine wichtige Rolle im Totenkult spielen, nicht nur im ägyptischen, in dem sie oft verbunden mit der Schlange als „Seelentier“ auftreten[1968]: das Ei ist eben von geheimer Lebenskraft erfüllt, wird deshalb auch von den Anhängern mancher Geheimlehren nicht genossen und sichert (ebenso wie das Blut) dem Toten das Leben[1969]. Auf einen babylonischen Mythus geht die Erzählung zurück, daß Fische an das Ufer des Euphrat ein Ei von wunderbarer Größe herausschoben, aus dem eine Taube die „große syrische Göttin“ (Dea Syria) ausbrütete[1970]; bei den Iraniern zerreißt der „eiförmige Felsen“ des „Welteneies“ in zwei Hälften, deren obere die Himmelswelt mit ORMUDZ und deren untere die Unterwelt mit AHRIMAN ergibt, während aus der Mitte MITHRAS entspringt, und dies ist das berühmte „mithräische Mysterium des Steines, der kein Stein ist“ (μιθριακὸν μυστήριον τοῦ λίθου, ὃς οὐ λίθος)[1971]; durch persische Vermittlung soll es schon frühzeitig den kleinasiatischen und europäischen Griechen zugekommen sein[1972] und seither nicht minder in den alten Mysterien-Diensten des PYTHAGORAS und ORPHEUS (Ei des PHANES!) seine Rolle gespielt haben, wie noch in den späten Lehren gewisser gnostischer Sekten, z. B. der Sethianer[1973].
Die Ansicht, daß HORUS identisch sei mit OSIRIS, ist unzutreffend und entspringt jedenfalls der Tatsache, daß HORUS, aus nicht recht durchsichtigen Gründen, zuweilen für OSIRIS eintritt, so z. B. schon frühzeitig im sog. „Totenbuche“[1974], das man vornehmen Bestatteten als eine Art Wegweiser im und ins Jenseits mit in das Grab zu geben pflegte. Dieses als Grundlage für die Unsterblichkeits-Lehre sehr wichtige Buch ist schon zu Anfang des neuen Reiches (um 1600) eine weitläufige Sammlung von Texten und Textsätzen mannigfaltiger Herkunft und verschiedensten, zum Teil bis etwa 3300 zurückgehenden Alters, das weiterhin noch ständig und in ganz willkürlicher Weise aus vieldeutigen und unzuverlässigen Quellen ergänzt und vermehrt wird, so daß es größtenteils nur ein wirres und unklares Gemisch darstellt, das zudem noch ungenau und fehlerhaft überliefert ist[1975].
Was nun die außerordentlich bedeutsame Gestalt des OSIRIS betrifft, so war er ursprünglich (gleich dem Getreidegott NEPERA)[1976] ein Erd- und Vegetations-Gott, der in der Tiefe des Bodens haust und aus ihr Saaten, Kräuter und Bäume hervorwachsen heißt; die sommerliche Glut, die sein göttlicher Bruder SETH sendet, macht diese verwelken und auch ihn dahinsterben, jedoch nicht völlig, vielmehr erweckt ihn der Zauber des „neuen Wassers“ aus seinem Grabe zu neuem Leben, so daß er wieder aufersteht und von früherer Zeugungskraft erfüllt die Felder abermals ergrünen läßt[1977]. Den bösartigen SETH, der im übrigen wenig bekannt ist und angeblich den Esel zum „heiligen Tiere“ haben soll, bringt die Sage nach verschiedener Weise mit OSIRIS in Verbindung[1978]. Nach der einen Überlieferung tötete er ihn heimtückisch und warf den Sarg mit seiner Leiche in den Nil, so daß er bis ins Meer und weiter bis Byblos schwimmt, wo ihn ISIS auffindet und nach Ägypten zurückbringt; hierdurch erklärt sich die Verbindung mit den Kulten der „großen Göttin“ von Byblos und des einem Eber zum Opfer gefallenen ADONIS (semitisch = der große Gott)[1979]. Einer anderen zufolge zerstückelte SETH den Körper des OSIRIS und trennte ihm den Kopf ab, weshalb auch das sog. „Rückgrat des OSIRIS“, eigentlich wohl nur ein Baumstamm mit mehreren Querbalken, als sein Fetisch gegolten haben soll[1980]; da nun ursprünglich, wie bei vielen Völkern, so auch bei den Ägyptern der älteren Zeit die sog. „sekundäre Bestattung“ des wie angegeben behandelten und durch Abschaben vom Fleische befreiten Leichnams gebräuchlich war, — Beispiele hierfür kommen selbst noch zur Zeit der persischen Eroberung vor[1981] —, so ist die Sage wohl erst nachträglich dieser Sitte entsprechend umgestaltet worden; und wie der Spruch „die Glieder mögen sich wieder vereinigen, der Kopf füge sich wieder an die Knochen“ mit „Erneuerung des Lebens“ (παλιγγενεσία, Palingenesía) gleichbedeutend war[1982], so hielt man es auch betreff des OSIRIS: sein Sohn HORUS sucht mit Hilfe des Gottes THOT oder des ANUBIS die Knochen zusammen, balsamiert die Überreste ein, umwickelt die Leiche mit weißen und farbigen Binden, wie das (schon im alten Reiche) bei den Mumien, aber auch bei den Götterbildern geschieht, und macht sie durch Zauber lebendig[1983]. Später wirkt hierbei auch ISIS mit, und das „neue Wasser“, das HORUS und THOT schon auf sehr alten Wandzeichnungen über den toten OSIRIS ausgießen[1984], das „Wasser, das das Leben wiederholt“ (erneut), den der Dürre SETHS Erlegenen „wieder aufleben“ läßt und ursprünglich nichts anderes war als das Überschwemmungswasser des Nils[1985], geht dann allmählich in ein „Wasser des Lebens“ über im Sinne eines von der ISIS erfundenen „Zaubermittels der Unsterblichkeit“ (φάρμακον τῆς ἀθανασίας)[1986], das auch mit dem „Blute der ISIS“ und dem symbolischen „Knoten (Gürtelknoten) der ISIS“ in Verbindung gebracht wird[1987]. — Solches „Wasser des Lebens“ kennt übrigens auch die alte babylonische Litteratur[1988] u. a. schon in „ISTARS Höllenfahrt“[1989], ferner erwähnen es griechische Grabschriften spätestens des 4. Jahrhunderts[1990], und selbst ALEXANDER DEN GROSSEN soll einer seiner Züge bis zur „Quelle des Lebenswassers“ geführt haben[1991].
Wenngleich nun der erstandene OSIRIS, wie schon seine Darstellung als bekrönte Mumie zeigt[1992], als Toter angesehen wurde, so galt er doch als eine tote Gottheit, die in Mumiengestalt auf Erden weiterherrscht, und in dieser Eigenschaft verdrängte er schon gegen Ende des alten Reiches den mächtigen Gott ANUBIS, der bis dahin zu Abydos als eigentlicher „Totengott“ und „Schützer der Toten“ Gegenstand einer der wichtigsten Kulte gewesen war[1993]; hieran anschließend entstand wohl die Tradition, daß der vornehmste Teil der OSIRIS-Leiche, das Haupt des Toten (caput mortuum), gerade an der altheiligen Stelle zu Abydos begraben gelegen habe[1994], und daß das „Totenbuch“, das seit jeher vornehmlich als „dem Herrn von Abydos“ geweiht galt, mit OSIRIS und demgemäß mit der Auferstehungs- und Unsterblichkeits-Lehre in Verbindung zu bringen sei[1995]. Bereits im alten Reiche wird OSIRIS zum „Vorbild aller Toten“, zum „Ersten aller Toten“: er verbürgt die Unsterblichkeit, indem er wie ein Mensch stirbt, bestattet wird, nachher aber mit allen körperlichen und geistigen Eigenschaften zu neuem Leben aufersteht[1996]. Wie nun überhaupt der Mensch nur, indem er sich mit den Göttern identifiziert, Anteil an ihrer Macht zu gewinnen vermag[1997], so hat er sich auch „mit OSIRIS zu vereinigen“, „zu OSIRIS zu werden“, damit er gleich ihm die Totenwelt durchwandere, so den Tod überwinde und unsterblich erstehe[1998]. In solchem Sinne wird nicht nur ein verstorbener König angeredet als „dieser OSIRIS“[1999], sondern jeder Tote heißt einfach „der OSIRIS N. N.“, ANUBIS balsamiert ihn ein und bestattet ihn wie einstens den OSIRIS, und wenn sein Grab gefunden ist, wird zur rechten Zeit das „neue Wasser“ auch ihn wieder neu aufleben lassen[2000]. Bei den sog. „Mysterien des OSIRIS“ wurde dies, anknüpfend an das Wiedererblühen der Natur nach totenähnlicher Ruhe, durch Vorzeigen und Herumtragen keimender Pflanzen angedeutet[2001]; noch bis in die späteste Zeit des Altertums erhielt sich zu Abydos eine große, dreitägige, im Laufe des November stattfindende Feier, die dem Tode des OSIRIS, dem Suchen und Finden seiner Leiche, sowie der Auferstehung galt[2002]; auf sie spielen u. a. OVIDS Worte vom „nie genug gesuchten OSIRIS“ an[2003], JUVENALS (47–127) Erwähnung des endlosen Jubelgeschreies unter dem Volke „wenn OSIRIS gefunden ist“[2004], sowie die Berichte des SENECA (gest. 65), FIRMICUS (um 315) und LACTANTIUS (gest. 330)[2005].
Hinsichtlich des Mondes, des „Stieres unter den Sternen“, ist zu bemerken, daß sein Gott „THOT, der Ibis“ war, vielleicht so benannt, weil die Sichel des Halbmondes einige Ähnlichkeit mit dem krummen Schnabel dieses Vogels zeigt[2006]; bereits weiter oben wurde erwähnt, daß der Mondgott auch als Urheber von Zeitmessung, Maß und Ordnung, als Erfinder von Sprache, Schrift, Zeichen- und Mal-Kunst, als Schöpfer aller Wissenschaft und Kultur, aber auch als Arzt galt, dessen Speichel die Wunden der Götter heilt[2007].
Die fünf Planeten waren schon im alten Reiche wohlbekannt, und Erwähnungen des Saturn als „Stieres des Himmels“ und des Morgen- und Abend-Sternes (die man für verschieden hielt) sind nicht selten; im neuen Reiche wird um 1400 Jupiter „König OSIRIS“ benannt, Saturn „HORUS der Stier“, Venus „Schiff des PHOENIX-OSIRIS“, Merkur „Stern des SETH“ und Mars „der leuchtende HORUS“, während seine Bezeichnung als „der rote HORUS“ erst sehr viel später aufzutreten scheint; in Verbindung mit Sonne und Mond finden sich dabei die Wandelsterne niemals gebracht[2008]. An irgendwelcher genauerer Kenntnis ihrer Bewegungen mangelt es vollständig, ja eine solche wird nicht einmal (wie so manche andere) seitens der Spätzeit als „uralte Überlieferung“ in Anspruch genommen[2009], und da man überdies die Planeten nicht als himmlische Körper, sondern als „Lampen“ anzusehen pflegte[2010], blieben Astronomie, Astrologie und Sterndienst dem alten Ägypten fremd[2011]. Entgegen früheren Annahmen besteht auch kein Zusammenhang zwischen Planeten-Verehrung und Zauberei, der schon zur Zeit der Thiniten-Dynastie, also im 4. Jahrtausend, eine wichtige Rolle zukam, besonders was das Wissen um die Verkörperung der Götter (vor allem in den heiligen Tieren) und um ihre „wahren Namen“ betrifft[2012]. Astrologische Anspielungen fehlen ferner vollständig in den Erzählungen über die „Zauberbücher“: diese umfangreichen Werke gelten zum Teil schon dem alten Reiche als in grauer Urzeit von den Göttern, u. a. von THOT, verfaßt und selbst niedergeschrieben, später durch Weise und Gelehrte weiter überliefert, schließlich von den Priestern in Gräbern, Grabgefäßen oder Mumien aufgefunden und in den Bibliotheken der Könige oder der Tempel niedergelegt; sie füllen in diesen die „Bücherkisten der Weisheit“, und man eignet sich die Kraft ihrer Zauberformeln an, indem man solche auf ein Stück Papyrus schreibt, das man, mit Bier befeuchtet oder ausgezogen, hinunterschluckt[2013].
Verhältnismäßig spät und nur gelegentlich tritt im neuen Reiche, also nach 1600, die Siebenzahl auf, z. B. in Gestalt von 7 Fäden, Ringen oder Knoten bei Zaubereien und medizinischen Beschwörungen[2014], niemals aber im Zusammenhang mit den 7 Planeten. Auch im ganzen folgenden Jahrtausende würde man vergeblich nach Spuren der Astrologie suchen, und es scheint, daß diese Kunst, wenngleich sie in Ägypten nach der Zeit der persischen Eroberung (525) schon einigen Boden zu fassen begann, doch zur eigentlichen Entwicklung erst seit Beginn der ptolemäischen Herrschaft (332) gelangte, als ein Mischprodukt orientalischen und griechischen Geistes[2015]. Zunächst handelte es sich allerdings nur um bloße Übertragung neubabylonischer (chaldäischer) Gedanken, die unter persischer, zum Teil wohl auch jüdischer Vermittlung als „persische“ Eingang fanden, angeblich herrührend (später auch „übersetzt“) aus uralten persischen Schriften des ZOROASTER, OSTANES, HYSTASPES usf.[2016]; genügende Beweise ihres wirklichen Ursprunges liefern indessen schon die Auffassung der Planetengötter als „böser Geister“[2017], sowie die Verbindung der Planeten mit Engeln und Dämonen, deren die meisten sogar mehrere haben, der „oberste und mächtigste“ Saturn aber nur je einen, KTETOEL und BEELZEBUB[2018]. Späterhin wurde die Astrologie aber auch in recht selbständiger Weise weiterentwickelt und erfuhr eine vielfach eigenartige Lokalisierung[2019], auch unter Heranziehung sowohl griechischer wie einheimischer Vorstellungen, z. B. der „Dekane“ genannten Götter der zehntägigen ägyptischen Woche[2020].
Vom ältesten astrologischen Gesamtwerke der ptolemäischen Zeit, dem spätere Überlieferung den Titel „Hermetische Untersuchungen“ beilegten, wissen wir bisher nur, daß es gegen 200 v. Chr. verfaßt wurde und seither als „astrologische Bibel“ die gemeinsame, unerschöpflich fließende Quelle immer erneuter, fast zahlloser Kommentare, Auszüge und Darstellungen bildete[2021]. Unter diesen ist das weitaus wichtigste und einflußreichste das als Ganzes gleichfalls verlorene, in einzelnen Teilen jedoch u. a. bei VETTIUS VALENS (im 2. Jahrhundert n. Chr.) erhaltene Buch der ἀστρολογούμενα (Astrologúmena)[2022] aus der Zeit gegen 150 v. Chr.[2023], aufgefunden „in den Archiven der alten Priester“ und auf Mitteilungen der Götter THOT und IMHOTEP (IMUTHES) hin verfaßt vom Oberpriester PETOSIRIS, „dem weisen Alten“, und vom „göttlichen Pharao NECHEPSO“, den man später auch zum „Könige von Assyrien“, ja zum „Kaiser von Ägypten“ vorrücken ließ[2024]; beide Persönlichkeiten hat man um so mehr für rein sagenhafte anzusehen, als ägyptische Priester, die astrologische Werke verfaßt haben, bisher überhaupt nicht nachgewiesen werden konnten[2025]. Die „Astrologúmena“ machen indessen nicht nur eingehende Angaben über rein Astrologisches, namentlich über die Einflüsse der Planeten auf alle Einzelheiten der Lebensumstände, Berufe und Schicksale, sondern beschäftigen sich auch ausführlich mit astrologischer Medizin, sog. Iatromathematik[2026]: so fest glaubte man z. B. an ein Band der Sympathie, das die kranken Körperteile, die erforderlichen Heilmittel und die Gestirne vereinige[2027], daß noch der große GALENOS (gegen 200 n. Chr.) nachdrücklich versichert, „NECHEPSOS Jaspis“ bewähre sich auch ohne die vorgeschriebene Eingravierung von Sternen oder Zauberzeichen[2028]!
Unter den verschiedenen astrologischen Theorien stellen die einen mehr die 7 Planeten, die anderen die 12 Zeichen des Tierkreises, noch andere alle beide in den Vordergrund und verbinden sie auch mit den vergöttlichten Elementen als leitende und geleitete στοιχεῖα (Stoicheía), z. B. indem sie die „Leiter“ den Planeten solche Bewegungen erteilen lassen, daß aus diesen die erforderlichen Einwirkungen auf die Elemente entspringen[2029]. Die 12 Zeichen als „Herrscher der Schicksale“ anzusehen, lag angeblich den ägyptischen Priestern näher, die 7 Planeten als solche anzuerkennen aber den „persischen“ Magiern, deren einzelne schon im 2. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten ansässig gewesen sein sollen[2030], während sie als Mitglieder eigentlicher Priesterschaften dort erst sehr viel später auftreten[2031]; hierüber Genaueres anzugeben ist indessen um so schwieriger, als die einschlägigen Nachweise spärlich sind, und z. B. das ältestbekannte Ostrakon (Tonscherbe), das die 5 Planeten und 12 Tierkreisbilder in ägyptischer Sprache aufzählt, erst dem Beginn unserer Zeitrechnung entstammt[2032]. Unzutreffend ist auf alle Fälle die Annahme, schon zur Zeit der persischen Eroberung im 6. Jahrhundert hätten die Magier den Ägyptern Kunde von der wahren Anordnung der Planeten (Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond) zugebracht, denn von ihr wußten sie damals selbst noch nichts, in Ägypten aber kennen zuerst PETOSIRIS-NECHEPSO dieses sichtlich noch sehr neue System; hauptsächlich weil ihm der Vorzug innewohnte, daß es der Sonne als „König“ ihren Platz gerade in der Mitte der Planetenreihe einräumte, fand es den allgemeinen Beifall der Astrologen und wurde alsbald von ihnen als herrschendes angenommen[2033].
Auf PETOSIRIS-NECHEPSO ist allem Anscheine nach auch die Einführung der durchlaufenden siebentägigen Planeten-Woche zurückzuführen, deren große Künstlichkeit vermuten läßt, daß ein Einzelner sie ausklügelte[2034]. Die ägyptischen astrologischen Kalender aus der Zeit um 200 v. Chr. verraten noch keine Spur von ihr, und schon die Tatsache, daß sie die Kenntnis der richtigen, griechischer Forschung zu verdankenden Reihe der Planeten voraussetzt, weist auf ihren wahren Herkunftsort hin[2035] und erledigt die Vermutung über ihre Erfindung durch Babylonier oder Juden, denen allerdings, ebenso wie den Griechen, bloße siebentägige Fristen (wie bereits weiter oben erwähnt) seit altersher bekannt und geläufig waren[2036]. Daß die Planetenwoche, wie u. a. IDELER schon 1831 bestimmt aussprach[2037], in Ägypten aufkam und sich von dort aus, besonders im Laufe des 1. vorchristlichen Jahrhunderts, weiter verbreitete, — gegen Anfang unserer Zeitrechnung auch nach dem Westen —, unterliegt keinem Zweifel[2038]; nach PHILO von Alexandria (etwa 30 vor bis 30 nach Chr.) steht sie bereits allerorten in Gebrauch[2039], nach CASSIUS DIO (150–235) wurde sie aus Ägypten her erst in der neueren Zeit bekannt, ist aber schon allgemein angenommen[2040], und tatsächlich bezeugen dies Gemälde und Inschriften zu Pompeji, sowie Anspielungen bei TIBULL, HORAZ, PETRONIUS, PLUTARCH (48–125), PHILOSTRAT und vielen Späteren[2041]. Ursprünglich begann die Woche mit dem Tage des „höchststehenden“ Planeten SATURN, und erst im Laufe des 2. Jahrhunderts führte die steigende Bedeutung der orientalischen Sonnen-Verehrung und namentlich die Begünstigung des MITHRAS-Kultes durch die römischen Kaiser zur Vorherrschaft der Sonne und des Sonntags, die aber endgültige Anerkennung erst im 4. Jahrhundert fand, und zwar bei den Christen nicht ohne andauernde, aber vergebliche Bekämpfung seitens der Kirche[2042]. Auf die Herabsetzung des Saturntages[2043] zum letzten Wochentage verweist eine (verloren gegangene) Schrift des PLUTARCH: „Warum die nach den Planeten benannten Tage in der umgekehrten Reihenfolge gezählt werden“[2044]; begünstigt wurde die Verbreitung einer mit dem „dies Saturni“ schließenden Woche durch ihre Übereinstimmung mit den bei den Juden üblichen siebentägigen Fristen[2045], deren Ursprung aus Babylon übrigens durchaus fraglich ist[2046]. Die Feier des Sabbats am Tage des SATURN (KRONOS) und der Wortwitz Κρόνος (Krónos) — ὄνος (Onos = Esel)[2047] scheint in Alexandria und später auch in Rom zur Behauptung Anlaß gegeben zu haben, die Juden verehrten als Gott einen Eselskopf, — auf welchen Aberglauben u. a. wieder die sog. „Spottkruzifixe“ der römischen Katakomben zurückgehen[2048].