Von hoher Bedeutung für die Ausgestaltung des Synkretismus in Ägypten war, wie bereits weiter oben erwähnt, die Lehre der jüngeren Stoa, insbesondere in Form jener Vereinigung pythagoräischer, platonischer und stoïscher Gedanken, als deren letzter Gipfelpunkt das System des POSEIDONIOS anzusehen ist[2139]; REITZENSTEIN bezeichnet sogar die schließliche völlige Zersetzung und Hellenisierung der ägyptischen Religion geradezu als „das Werk der Stoa“[2140], wobei natürlich nicht an einen rasch und einheitlich stattfindenden Vorgang zu denken ist, sondern an einen in den verschiedensten Abstufungen verlaufenden und nur sehr allmählich zu Ende gehenden.
Mit besonderer Vorliebe entwickelten die Stoïker die babylonische Idee von der Parallelität des Makro- und Mikrokosmos, und zwar auf Grundlage der Theorie von der Einwirkung der großen auf die kleine Welt gemäß der „gegenseitigen allgemeinen Sympathie sämtlicher Teile und Dinge“[2141], wobei sie Himmel = oberste Ursache = ewige Zeit = unentrinnbares Schicksal (Heimarméne) = höchstes Wesen = Gottheit setzten[2142] und die Einheitlichkeit des Weltganzen als durch das Prinzip „ἓν καὶ πᾶν“ (Hen kai pan: Alles ist Eines, Eines ist Alles) verbürgt ansahen[2143]. An dieses anknüpfend machten sie, teils auf orphischen Ideen, teils auf der falschen Etymologie πᾶν = Πάν fußend, aus dem Gotte PAN, ganz entgegen seinem ursprünglichen Wesen, einen Allgott und weiterhin, durch Identifizierung mit dem pantheistisch gefaßten ägyptischen CHNUM, einen ebenfalls pantheistischen „Universal-Regenten“, der Gegenstand eines feierlichen Kultus war, in symbolischem Abbilde inmitten des Tierkreises thronte und nicht selten die orphische Allgöttin „Physis“ als würdiges Gegenstück zugesellt erhielt[2144].
Die Materie betrachteten die jüngeren Stoïker in Fortbildung der platonischen Anschauung als an sich durchaus unwandelbar, trotz jenes scheinbar unaufhörlichen Wechsels der Formen, den sie von der „Zeit“ = AION = CHRONOS abhängig sein ließen[2145], wobei CHRONOS dem KRONOS und dieser wieder, unter dem Einflusse des iranischen ZERVAN, der „ewigen Zeit“ gleichgesetzt wurde[2146]. Die vier Elemente sind, wie ARISTOTELES und die Peripatetiker lehrten, teils aktiv (ποιητικά, poïetisch), teils passiv (παθητικά, pathetisch), sie gehen mehr oder minder leicht ineinander über, sie vereinigen als [ὕλη (Hýle) alle Qualitäten in sich[2147] und bedingen durch ihre Mischung (κρᾶσις, Krásis), besonders durch ihre richtige Mischung (εὐκρασία, Eukrasía), die rechte Beschaffenheit aller Dinge, zumal auch die Gesundheit von Körper und Seele[2148]; beim Menschen kommen hierbei nach der Ansicht Einiger allein σῶμα (Soma) = Körper und νοῦς (Nûs) = Geist in Betracht, nach der Anderer aber neben σῶμα noch ψυχή (Psyche) als die niedere physiologische Lebenskraft und νοῦς oder λόγος (Logos) als die höhere spezifisch-menschliche Vernunft[2149]. Ein fünftes Element ist der Äther, den aber viele auch als „Pneuma“ ansehen[2150], denn bei der Entstehung der Elemente aus dem Urwesen soll ein Rest „Ur-Pneuma“ (= „reinstes Feuer“ der Iranier und des HERAKLIT) verblieben sein[2151], das als Äther jenseits der Grenzen der Welt schwebt und sie als Gottheit regiert[2152].
Das Pneuma spielt bei den jüngeren Stoïkern eine außerordentlich wichtige Rolle, und seine allmähliche Entwicklung aus einem von Anfang an rein physischen und sinnlichen Faktor zu einem durchaus geistigen, ja göttlichen, wurde durch sie zum endgültigen Abschlusse gebracht[2153]. Bei den jonischen Philosophen und den älteren Atomistikern ist Pneuma, wie weiter oben erwähnt, nichts anderes als bewegte Luft und Windhauch[2154], bei PLATON der einströmende Atemzug[2155], bei XENOPHANES (als Erstem!) Odem = Seele, ψυχή[2156], bei HIPPOKRATES und den Hippokratikern ursprünglich Luft, Wind und „Nahrung des Feuers“[2157], später der luftartige Inhalt der Adern und Vermittler des Lebens[2158], bei DIOKLES von KARYSTOS auch die natürliche Wärme des Körpers[2159]; für ARISTOTELES und die Peripatetiker stellt es u. a. die treibende Kraft des Windes und Spannkraft des Sturmes dar und entzündet sich bei Gewittern zum Blitz[2160]; ERASISTRATOS (um 258 v. Chr.) und seine ärztliche Schule lassen, vermutlich dem STRATON folgend, mit der Atemluft das belebende Pneuma dem Herzen und das beseelende dem Hirn zuströmen (πνεῦμα ζωτικόν, ψυχικόν) und aus dem Pneuma, der luftgeist-artigen δύναμις des männlichen Samens, als Kraft, sowie aus der Hyle, dem weiblichen Blute, als Stoff, den Fötus entstehen[2161], wobei also das Pneuma den „mechanischen Träger der Seelenfunktion“ abgibt[2162]. Der Stoa endlich ist Pneuma eine Art Seelensubstanz, eine Vorstufe der Psyche, so daß die Geburt als μεταβολή εἰς ψυχήν (Metabolé, Umänderung zur Psyche) und der Tod als Umkehrung dieses Vorganges erscheint[2163]: bei Ersterer geht das Pneuma zum Teil in das Blut über und bewirkt so Leben und Bewegung, bei Letzterem kehrt die ψυχή in die höhere Region reinen Pneumas und Äthers zurück, während der Schlaf, als ein Mittelzustand beider, der Ergänzung des zur Zeit des Wachens verbrauchten Pneumas dient[2164]. Die Seele ist wesensgleich dem göttlichen Hauche, dem πῦρ νοερόν, dem feurig belebenden Äther, den sie nur weitaus an Feinheit übertrifft[2165], und wie sie als unsichtbare Lebenskraft dem Einzelnen Dasein und Belebung, Empfindung und Beweglichkeit, Denkkraft und Vernunft verleiht, so geschieht dies dem Kosmos gegenüber durch das Pneuma als Weltseele und Einheit der unsichtbaren göttlichen Obmacht: es ist der ganzen Welt immanent, hält sie durch seine Spannung zusammen, erfüllt sie vermöge seiner Schöpferkraft als ihre aktive Grundlage und als allgemeines Lebensprinzip (= spiritus) und steigt so zum Range einer göttlichen Persönlichkeit, ja eines eigentlichen Gottes auf[2166].
Aus der Mannigfaltigkeit dieser Anschauungen über das Pneuma erklärt sich auch die der Auffassungen bei den verschiedenen seitens der Stoa beeinflußten philosophischen und religiösen Schulen und u. a. auch bei PAULUS: Manche sehen im Pneuma eine Einheit von Materie und Geist, Manchen dagegen tritt es auseinander in ὕλη (Hýle) = πάσχον = materia als Inbegriff der Elemente, und in οὐσία (Usía) = ποιοῦν = spiritus als Inbegriff der Lógoi spermatikoí, und diese werden dann von der Gottheit oder von HERMES als Sendboten und Träger ausgesät, um die Hyle und den gesamten Kosmos durch ihre Keimkräfte zur Entwicklung zu bringen[2167]. Einigen ist Pneuma allgemeine Gottheits-Bezeichnung, Innerstes der Gottheit, Kraft des Herzens, immaterieller geistiger Teil (= ψυχή)[2168], Anderen wunderbares Wissen und Vermögen[2169], noch Anderen Gebetsmurmeln und zauberkräftiges Wort[2170], — insoferne nach den Lehren der ägyptisch-hellenistischen Mystik allein das δοξάζειν, d. i. das „rechte“ Sprechen der Formeln und Anrufungen, zum „Verklärten“ macht[2171]. Die in den Einzeldingen wirkenden Kräfte sind πνεύματα (Pneúmata) und diese wieder bald reine Geisteshauche, bald geistige Gewalten, gute Engel und böse Dämonen, die gleich angenehmen und widerlichen Gerüchen in der Luft wehen und schweben[2172]. Der niedrigsten Klasse der Ungläubigen und Fleischesmenschen (σαρκικοί) übergeordnet ist die der Proselyten und Seelenmenschen (ψυχικοί), und ihr wieder jene der Geweihten (τέλειοι) und Geistesmenschen (πνευματικοί)[2173]; der „Psychikos“, dessen Seele (ψυχή) noch irdischen Stoffes ist, kann der γνῶσις (Gnosis), d. i. der himmlischen Erkenntnis, und des Lichtes der γνῶσις θεοῦ (Gnosis, Erkenntnis der Gottheit) nicht teilhaftig werden[2174], dem „Pneumatikos“ aber, dem von der Last der ψυχή Befreiten und übersinnlichen Geistes Vollen, erschließt sie sich auf dem Wege der Erleuchtung[2175]: einer orientalisch-religiösen Grundvorstellung gemäß gewährt sie ihm Kunde des „wahren Namens“ der Gottheit und dadurch ungeheure Macht[2176], sie ermöglicht es ihm, sich der Gottheit anzugleichen, aus ihren Strahlen Pneuma einzuziehen und dadurch „ihr Teil“ (also selbst Pneuma) zu werden und läßt ihn so zum göttlichen Lichte höherer Sphären aufschweben und sich der „Himmelfahrt“ würdig erweisen[2177].
Die Idee von der Himmelfahrt oder Himmelsreise der Seele[2178], die völlig ausgebildet und in Verbindung mit jener von der Seelenwanderung gebracht bei POSEIDONIOS (135–51 v. Chr.) vorliegt[2179], geht auf Grundlagen verschiedener Herkunft zurück: den Griechen war sie mindestens seit PARMENIDES (um 480 v. Chr.) bekannt, der sie wohl der orphisch-pythagoräischen Mystik, indirekt also vielleicht deren orientalischen Quellen entlehnte[2180]; bei den Ägyptern vermittelt schon im 14. Jahrhundert v. Chr. ein Spruch des „vom Gotte THOT selbst geschriebenen Zauberbuches“ die Kunst, „von der Unterwelt zur Erde und von dieser zum Gotte RÊ in den Himmel zu gelangen“[2181]; nach chaldäischer Lehre endlich ist der oberste oder Fixstern-Himmel die Heimat der Seele, von dort aus steigt sie bei der Geburt des Menschen durch die Milchstraße und die Sphären der 7 Planeten herab und nach seinem Tode kehrt sie auf dem nämlichen Wege und wenn nötig nach Läuterung in der Milchstraße wieder ebendahin zurück[2182], — in welchem Sinne es noch in dem um 90 n. Chr. verfaßten sog. „4. Buche Esra“ heißt: „Die Verklärten werden glänzen wie Sterne des Himmels“, d. h. sie werden in den Fixsternhimmel gelangen und dort als Unsterbliche weilen[2183]. Da die Perser, als sie sich die Vorstellungen der Chaldäer teilweise anzueignen begannen, deren Planetengötter zu Dämonen herabsetzten, ließen sie die Seele beim Heruntersteigen durch die Sphären „die unseligen Geschenke der 7 Planeten“ (d. s. die 7 Todsünden des Mittelalters) in Empfang nehmen[2184] und sich „aus ihrer Substanz, nach Art von Gewändern, mit den luftartigen pneumatischen Leibeshüllen beschweren“, von denen sie sich dann umgekehrt beim Wiederaufstiege, den die bösartigen Dämonen zu verhindern suchen, zunächst wieder zu befreien haben. In dieser Gestalt kennen den Weg der Seele ἄνω καὶ κάτω (áno kai káto) die späteren Stoïker[2185], die von diesen beeinflußten Neu-Pythagoräer und -Platoniker, Orphiker und Gnostiker[2186], PORPHYRIOS (232–304?)[2187], die Verehrer des MITHRAS[2188], die Verfasser der jüngeren Teile des Avesta und der Pehlewi-Tradition aus sassanidischer Zeit (3. Jahrhundert n. Chr.), sowie die der Schrift von der „Himmelfahrt des frommen ARDA-VIRAF“ (4. Jahrhundert?) durch die ursprünglich 3 (persischen), später 7 (chaldäischen) Himmel[2189], — wichtig als ein frühes Beispiel der „ekstatischen Vision in einer Art Rauschnarkose“, wie sie bei den Schiiten Persiens noch gegenwärtig im Schwange ist[2190]. Die jüdische Litteratur nimmt den Gedanken der Himmelsreise anscheinend erst in hellenistisch beeinflußten Texten auf[2191]. Das Buch „HENOCH“ z. B., das in griechischer, äthiopischer und ausführlicher in slavischer (aus dem Griechischen übersetzter) Fassung vorliegt, kennt die Auffahrt HENOCHS durch die 7 Himmel[2192], es erwähnt die 7 Sphären mit den 7 Planeten Kronos, Aphrodite, Ares, Sonne, Zeus, Hermes, Mond[2193] und läßt ADAM aus 7 Bestandteilen zusammengesetzt und mit 7 Eigenschaften oder Naturen ausgestattet sein[2194]. Ähnliche Anspielungen enthalten u. a.[2195]: die „Testamente der 12 Patriarchen“, die (stark christlich überarbeitete) „Ascensio JESAIAE“, die griechisch und slavisch bekannte „Apokalypse des BARUCH“, die „Himmelfahrt des MOSES“, die sog. „Oden SALOMONS“[2196], die paulinischen Schriften (die aber nur von 3 Himmeln wissen) und christlichen Apokalypsen, die Apokryphen „Leben JOSEF des Zimmermannes“ und „Die sieben Aeonen der Finsternis“ usf.[2197]; von mehreren Himmeln spricht ORIGENES (185–254), von 7 Himmeln CLEMENS ALEXANDRINUS (gest. 216), und auf christliche oder jüdische Überlieferung scheint auch der spätislamische Bericht von MUHAMMEDS Himmelfahrt zurückzugehen[2198].
Die Vergöttlichung der Elemente, wie sie bereits im Orient und frühzeitig bei den Orphikern gebräuchlich war, fand bei den Stoïkern allgemeine Aufnahme[2199], desgleichen die mit ihr in naher Verbindung stehende Anschauung, daß, wie jede Gottheit, so auch jedes Moment ursprünglich mannweiblicher Natur sei[2200]. Den Ägyptern war schon von altersher die Annahme geläufig, das finstere Urwasser NUN habe männliche und weibliche Keime in sich getragen, aus denen ein Ei hervorging, das Einige als „Weltenei“ durch CHNUM der Göttin NEITH übergeben ließen um es auszutragen, während Andere es mit dem Skarabäus oder dem Geier in Verbindung brachten, die man als zweigeschlechtlich (zuweilen auch als ungeschlechtlich) ansah[2201]; nicht altägyptisch ist hingegen die von SENECA[2202] und IAMBLICHOS (gest. 330)[2203] erwähnte Lehre, daß jedes der vier Momente einen männlichen und weiblichen Teil enthalte, die man als die acht Elementen-Götter verehre, vielmehr ist diese erst ein Erzeugnis ptolemäischer Zeit und geht wohl auf griechische Überlieferung zurück[2204]. Der Glaube an androgyne Gottheiten war nämlich bereits der älteren griechischen Welt keineswegs fremd[2205], doch nahm er erst gegen 400 v. Chr. und besonders in Athen lebhaften Aufschwung, teils unter dem Einflusse kleinasiatischer und cyprischer Kulte (z. B. des der „bärtigen APHRODITE“, APHRODITE barbata, geweihten), teils zufolge der Bestrebungen großer Künstler, männliche und weibliche Körperschönheit in der nämlichen Statue harmonisch zu vereinigen, das ἀρῥενόθηλυ in Gestalt von Hermaphroditen darzustellen[2206]; da er zuerst bei Pythagoräern und Orphikern nachweisbar wird, — es sei nur an das Ei des PHANES und dessen Zweigeschlechtigkeit erinnert, — und zum Teil mit unzüchtigen Kultgebräuchen zusammenzuhängen scheint[2207], so ist es sehr wohl möglich, daß es ihnen aus dem Oriente zukam[2208], und tatsächlich ist es eine echt orientalische, in der babylonischen, iranischen und vielleicht auch jüdischen Litteratur nachweisbare Vorstellung[2209], daß das, was zu allem werden, was alles aus sich schaffen und was alles Leben in der Natur hervorbringen kann, die Zeugungskraft beider Geschlechter in sich vereinigen muß[2210]. Die Stoïker, die diese Vorstellung aufgriffen, erweiterten und pantheistisch umdeuteten, nahmen daher eine androgyne höchste Gottheit an[2211], deren männliche und weibliche Teile späterhin auch als ζωὴ καὶ φῶς (Leben und Licht), ψυχὴ καὶ νοῦς (Seele und Geist), Leben (ζωή = Milch oder Trank der Unsterblichkeit, φάρμακον τῆς ἀθανασἰας) und Tod (νοῦς = guter Hirt = Totengott ANUBIS) allegorisiert werden[2212]. Soweit hellenistische Einflüsse reichen, haben sich auch ähnliche Gedanken erhalten, z. B. in den mannweiblichen Urgottheiten der Gnostiker und Manichäer[2213], den Gestalten zahlreicher gnostischer Erzählungen und Legenden[2214], den (mit den Urgottheiten oft wesensgleichen oder verwandten) Urmenschen phrygischer, iranischer und jüdischer Mythen[2215], den 7 zweigeschlechtlichen Menschen bei POIMANDRES[2216], den Dämonen der meist im 2. Jahrhundert verfaßten, jedoch zum Teil erst im 3. oder 4. niedergeschriebenen Zauberpapyri[2217] usf. Fraglich bleibt es, ob aus den nämlichen Gesichtspunkten, wie manche wollen, auch die Annahme männlicher und weiblicher Edelsteine, Mineralien und selbst Drogen zu erklären sei, denn da das Vorhandensein männlicher und weiblicher Palmbäume und anderer Gewächse im Orient seit altersher und in Griechenland mindestens seit HERODOT und KTESIAS bekannt war[2218], kann es sich hierbei auch um unmittelbare Analogien anderer Art handeln; jedenfalls sprechen als von etwas Wohlbekanntem schon THEOPHRASTOS und seine späteren Nachfolger, aus deren Werken PLINIUS die betreffenden Kapitel der „Naturgeschichte“ kompilierte, von männlichem und weiblichem Carneol (σάρδων), Lasurstein (κύανος), „Luchsstein“ (λυγκούριον), „Adlerstein“ (ἀετίτης), Stimmi (στίμμι = Antimonglanz) usf., wobei die größeren, härteren, dunkleren und glänzenderen Exemplare für die männlichen gelten[2219]; ebenso ist bereits bei HIPPOKRATES u. a, von männlichen Weihrauchtropfen die Rede[2220], unter denen offenbar gleichfalls die größeren und längeren zu verstehen sind, wie man denn auch bei Sträuchern und Kräutern die höher und kräftiger aufschießenden Varietäten, ja Individuen, kurzweg als „männliche“ zu bezeichnen pflegte.
Schon weiter oben wurde darauf hingewiesen, daß zu den sonstigen Lehren, die die Stoïker zwar nicht aufbrachten, aber zu tonangebenden ausgestalteten, erstens die von der Umwertung der irdischen Elemente zu Elementen und Grundpfeilern des Himmels zählt, — die fortan gleichfalls στοιχεῖα (Stoicheía) heißen und namentlich in Gestalt der 7 Planeten als „Herren“ der Tage, Jahre und Zeitperioden, sowie als κοσμοκράτορες (= Weltregenten) das gesamte allgemeine und besondere Geschehen beherrschen und lenken[2221] —, und zweitens die vom Zusammenhange zwischen Planeten und Erzeugnissen der Erde, z. B. Tieren, Pflanzen, Mineralien, Metallen, aber auch Gewürzen, Wohlgerüchen usf.[2222]; da indessen derlei Theorien in engster Verbindung mit den eigentlich astrologischen stehen, so sollen sie im nachfolgenden Absatze gemeinsam mit diesen besprochen werden.