Zu den wichtigsten der alten arabischen Schriftsteller über Alchemie wird DSCHABIR gezählt, den die Tradition in die Zeit um das Ende des 8. oder den Anfang des 9. Jahrhunderts versetzt und als Schüler des DSCHAʿFAR ALSADIQ (699–765?) bezeichnet, eines sehr berühmten, angeblich mit dem in verschiedenen Texten genannten ADFAR von ALEXANDRIA identischen Alchemisten, dessen Schriften verloren gegangen sind[3731]. Indessen ist diese Tradition schon in früher Zeit eine merkwürdig schwankende, denn bereits ALNADIMS hochwichtiges, 987 abgeschlossenes Sammelwerk „Fihrist“ erklärt, es gelte für fragwürdig, ob dieser DSCHABIR überhaupt gelebt habe, ob der Name DSCHABIR einer bestimmten Persönlichkeit zukomme, und ob man berechtigt sei, letzterer die Abfassung einer so ungeheuren Anzahl von Werken zuzuschreiben, — deren schon damals einige Hunderte vorlagen, neben denen einige weitere Hunderte nur dem Titel nach bekannt waren[3732]. Alles über das Leben und die Lebensumstände des DSCHABIR Berichtete ist daher als durchaus unsicher anzusehen, auch hat es zweifellos mehrere Gelehrte dieses Namens gegeben, deren Schriften vielleicht erst in späterer Zeit zunächst mit denen des Ältesten unter ihnen sowie mit denen seiner Schule vereinigt, weiterhin aber sämtlich als die seinigen betrachtet, oder doch ausgegeben wurden. Daß man diesen Werken keinesfalls jene zuzählen dürfe, die im Okzident seit etwa 1300 für solche des Arabers DSCHABIR oder GEBER galten, daß dieser vermeintliche GEBER unmöglich mit dem eingangs genannten DSCHABIR identisch sein könne, daß die angeblichen Schriften des GEBER, die ausschließlich in barbarisch-lateinischen „Übersetzungen“ vorliegen, in Wahrheit keine Übersetzungen aus dem Arabischen, vielmehr im Abendlande entstandene Kompilationen seien, und daß die in ihnen niedergelegten Erfahrungen nicht dem wissenschaftlichen Standpunkte um 800, sondern dem um 1300 entsprächen, — alle diese Erkenntnisse reiften endgültig erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und reinigten die Geschichte der Chemie von einem Wuste folgenschwerer Irrtümer und unlösbarer Widersprüche. Auf Einzelheiten kann an dieser Stelle noch nicht eingegangen werden, doch sei hervorgehoben, daß sich BERTHELOT in völligem Unrechte befindet, wenn er, seiner Gewohnheit gemäß, die Herbeiführung dieses Umschwunges für sich ganz allein in Anspruch zu nehmen sucht; ein wirkliches Verdienst erwarb er sich jedoch dadurch, daß er die Herausgabe und Übersetzung einer Anzahl wichtiger arabischer Werke des „echten“ DSCHABIR veranlaßte[3733], die bis dahin allein den Orientalisten von Fach zugänglich, allen anderen Forschern aber nur aus deren Berichten bekannt waren. Auch diese Schriften[3734], die dem chemischen Inhalte nach noch engen Anschluß an die ihrer hellenistischen Vorbilder zeigen, sonst jedoch durch Verwalten mystischer Auslegungen, metaphysischer Betrachtungen und dialektischer Spitzfindigkeiten starke byzantinische Einflüsse verraten[3735], liegen uns übrigens zweifellos nur in vielfach überarbeiteter Gestalt vor, die zahlreiche spätere Zusätze sowie Bemerkungen und Glossen der Schüler mit einschließt[3736].
a) „Buch des Königs.“ Dieses Buch, „das fünfte aus der Reihe der fünfhundert“[3737], rühmt sich „alles ganz klar und ohne jede Allegorie“ darzulegen[3738], und zwar in Gestalt jener raschen und leichten Verfahren, die Könige und Fürsten lieben, weil sie zur Ausführung langsamer und schwieriger weder die Geduld noch die Kenntnisse besitzen; desto dringender ist aber auch die Pflicht, diese Verfahren völlig geheim zu halten[3739], denn wer Gold so wohlfeil und gemein machte wie Glas, der stürzte die ganze Welt in entsetzliches Verderben[3740]. Statt viele (bis 70) Jahre Ausführungszeit, wie die alten Methoden, erfordern diese neuen nur 14 Tage, nur 9 Tage, ja nur den einen Augenblick, der zum Vermischen der Präparate mit dem reinsten und kräftigsten, die Färbung bewirkenden „Ferment“ unumgänglich ist[3741]; auch lehren sie die Darstellung dieses „Fermentes der Fermente“, des „Elixires der Elixire“, das „Imâm“ (= Führer) heißt[3742], und das die Alten entweder gar nicht kannten, oder nur durch gewisse Geheimnamen andeuteten, zu denen z. B. „Pupille des Auges“ zählt[3743]. — Näheres über Gewinnung und Anwendung des „Imâms“ erfährt man natürlicherweise aus dem „Buche der Könige“ schließlich ebensowenig wie aus irgend einem anderen.
b) „Buch der Milde.“ Auch dieses Buch[3744] ist „besonders klar und deutlich gehalten“: der Leser wird versichert, daß das Wesen des großen Werkes einfach auf der Fixierung des Quecksilbers beruhe, die Herstellung des hierzu erforderlichen Elixires „Imâm“ aber auf der geeigneten Kombination der vier Elemente; ein Teil Imâm färbt dann mit Leichtigkeit eine Million Teile gemeiner Metalle zu Silber und Gold[3745].
c) „Buch der Gleichgewichte.“ Das Buch[3746] lehrt, daß das große Werk die richtige Mischung der vier Elemente voraussetze, denn jeder Körper enthält zwar Erde, Wasser, Feuer und Luft und demgemäß Trockenheit, Feuchtigkeit, Geist und Seele[3747], aber die Mengen sind bei den verschiedenen Steinen, Pflanzen und Tieren ebenfalls ganz verschiedene; welche aber zu wählen sind, erkennt der Weise teils aus den Sternen gemäß den astrologischen Regeln des PTOLEMAIOS [der tatsächlich auch ein grundlegendes astrologisches Werk „Tetrabiblos“ schrieb], teils aus den innigst mit dem Wesen verbundenen Namen der Stoffe, — wie z. B. dem kurzen Namen des Essigs (arab. hall) seine besonders kalte Natur entspricht[3748] —, teils aus vielen anderen Anzeichen [betreff derer eine Unzahl abergläubischer Vorstellungen beigebracht wird][3749]. Wie alle anderen Körper, so besteht auch der Stein der Weisen aus den vier Elementen, und diese können jeglicher geeigneten Substanz entnommen werden, sei sie eine tierische, pflanzliche oder mineralische[3750]; zu den brauchbarsten letzteren Ursprungs gehört nach PYTHAGORAS und SOKRATES der Markasit, sowie der wegen seiner Heilsamkeit gegen Epilepsie geschätzte „Barud“[3751]. Ist die Vereinigung der vier Elemente in den rechten Verhältnissen gelungen, so muß der fertige „Stein“ purpur- und kermesfarbig sein, zugleich perlenartig glänzend, von blendendem Schein, weich wie Wachs, aber völlig beständig im Feuer[3752].
d) „Buch des Mitleides.“ Zweck des Buches[3753] ist die eingehende und zutreffende Belehrung der Silber- und Gold-Macher, von denen nicht selten die einen Betrüger sind, die anderen aber Betrogene; jene soll es vom falschen Wege abhalten, diesen aber den richtigen weisen[3754].
Vor allem hat man sich klar zu machen, daß das „Ei der Philosophen“ [hier = Silber und Gold] durch Eindringen des „Geistes“ in den „Körper“ entsteht; der „Geist“ ist das aus seinem ursprünglich kalten und flüssigen Zustande in den heißen und flüchtigen übergegangene Quecksilber, er ist das „Leben“[3755], das jedoch nicht in alle beliebigen toten Körper eingeht, z. B. nicht in Glas, Eierschalen, Talk, Salz, Markasit, Kohol [Schwefelantimon], Tutia[3756], sondern nur in geeignete, die richtig vorbereitet, gereinigt und angepaßt sind, z. B. in Blei, Kupfer, Eisen und die sonst als zum großen Werke brauchbar bekannten[3757]; schon vorhandenes Gold erleichtert ihm seine umwandelnde Wirkung, daher soll man von vornherein etwas Gold einsäen, das dann neues Gold hervorbringt, gleich dem Vater, der ein Kind zeugt[3758].
Wie unter günstigen Umständen die kleinste Zutat Hefe eine ungeheure Menge Teig in Gärung setzt[3759], so kann bei richtigem Verfahren auch ganz wenig Geist, sofern ihm überhaupt die rechte Kraft innewohnt, sich der größten Masse der Körper bemächtigen, mögen diese auch von den Elementen, die alle vier stets in jeder Substanz vorhanden sein müssen, die verschiedensten Anteile enthalten[3760]. Die Art und Kraft des vorhandenen Geistes, ja auch dieses Vorhandensein selbst, läßt sich allerdings meist nicht durch Nachdenken erschließen, sondern nur durch die Erfahrung feststellen: so z. B. zieht der Magnet das Eisen an, und zwar selbst durch einen Schwefelkuchen hindurch, vermöge eines Geistes, dessen Kraft sich aber zuweilen allmählich ändert, denn in einem Falle wurde z. B. im Laufe einer längeren Aufbewahrungszeit ein Rückgang der anfänglichen Tragfähigkeit um 20% beobachtet[3761]. Ebenso kann nur die Erfahrung lehren, welche Mengen Geist sich dauernd mit den Körpern verbinden, in die sie eindringen und die sie umwandeln; die kleinste Menge Geist enthalten Silber, Gold, Edelsteine und Perlen, die sich deshalb als sehr fest und beständig erweisen; die größte Menge aber Schwefel, Arsen und Quecksilber, die daher flüchtig und veränderlich sind[3762]. In Markasit, gelbem und rotem Arsen u. dgl. zeigen sich die Geister ursprünglich an andere Stoffe gebunden, doch entweichen sie beim Erhitzen und bei sonstigen Anlässen in Gestalt rauchartiger, brennbarer, lebendiger Dämpfe; andere mehr erdige Stoffe, z. B. Kalkstein, verhalten sich nicht so, vermutlich weil es ihnen an Geist fehlt[3763]. Betreff aller dieser Punkte ist aber die Beurteilung oft großen Irrtümern ausgesetzt, die sich ebenso auch auf die Beschaffenheit von Erden und Erzen erstrecken, sowie auf die Natur der in letzteren, und zwar stets in schon völlig fertigem Zustande verborgenen Metalle: das Aussehen der Oberfläche und des Äußeren täuscht eben über das Innere[3764]. Diese Umstände erklären zahlreiche der falschen Anschauungen, die hinsichtlich der Brauchbarkeit der Substanzen zum großen Werke herrschen; zahlreiche andere aber rühren daher, daß man Umschreibungen [= Geheim- oder Deck-Namen] wörtlich nahm: weil z. B. Quecksilber auch „Tier“ heißt, — denn es hat wie ein Tier eine spezifische Seele[3765] —, oder weil Gold, Silber, Blei, Kupfer, Eisen auch Blut, Harn, Speichel, Galle, Hirn usf. benannt werden, glaubten manche, diese tierischen Stoffe seien wirklich zum großen Werke dienlich. Weil sie aber den Metallen nicht mehr genügend nahestehen, sind sie dies unmittelbar nicht[3766]; mittelbar jedoch können sich alle tierischen und pflanzlichen Stoffe verwendsam erweisen, da eine völlige Analogie des Mikro- und Makro-Kosmos besteht, ja nach PLATON das große Werk sogar als „die dritte Welt“ zu bezeichnen ist, die jene beiden durchgehends verbindet[3767].
Können aber auch die Bestandteile aller drei Reiche zum großen Werke taugen, so vermag doch nur der Weise, der sie, ihre Eigenschaften, sowie deren Beeinflussungen durch die sieben Planeten genau kennt, die Auswahl so zu treffen, daß sich die Qualitäten in richtigem Maße teils ergänzen und steigern, teils aufheben und neutralisieren, und daß durch die Vereinigung das Elixir zustande kommt, das fertig ein ebenso einheitlicher Körper ist wie der gleichfalls aus unzähligen Materialien zusammengesetzte Theriak[3768]. Nicht anders als die dem Kranken eingegebene Medizin durch die mächtige Kraft ihrer Natur jene des Siechen beeinflußt, verändert auch das Elixir die Natur der gemeinen Metalle, denen man es durch Projizieren oder Aufstreuen einverleibt, — woher es nach einigen eben den Namen „Elixir“ führt[3769] [= aliksir = τὸ ξήριον = das Streupulver]. Weil es selbst entstanden ist durch Vereinigung der vier Elemente, des Körpers und des Geistes, — daher nie ohne Mitwirkung von Quecksilber[3770] —, des Männlichen und des Weiblichen, also durch Zeugung und Entwicklung, Schwangerschaft und Geburt, macht es in gleicher Weise auch die „Körper“ wieder lebendig; es läßt die Toten auferstehen[3771], es überwindet die grobe Beschaffenheit ihrer Leiber, es assimiliert sie, färbt sie weiß oder rot, je nachdem es selbst weiß oder rot ist, und verwandelt sie in Silber und Gold, die von beständiger Farbe sind und besser und reiner als die natürlichen[3772].
e) „Buch der Konzentration.“ Dieses Buch[3773], das auf PYTHAGORAS zurückgehen soll, entwickelt im wesentlichen, auf völlig unklare und wirre Weise, die Theorie der „verborgenen Eigenschaften“[3774]; was z. B. äußerlich Blei ist, das ist innerlich bereits Zinn, Silber oder Gold, und man hat nichts weiter zu tun, als diese „herauszukehren“, indem man, z. B. durch Beifügung entsprechender Mengen der fehlenden Qualitäten, eine Umwandlung bewirkt[3775]. — Die Angabe, daß man durch Destillation des Kupfervitriols eine sehr saure und scharfe Flüssigkeit erhalte, offenbar unreine Schwefelsäure, ist ein ganz später, mit dem sonstigen Inhalte gar nicht zusammenhängender Zusatz[3776].
f) „Buch des Quecksilbers.“ Trotz der Ankündigung besonderer Klarheit und Deutlichkeit übertrifft das „Buch des Quecksilbers“[3777] an Unverständlichkeit und mystischer Dunkelheit noch alle früheren. Als Hauptmittel bei der Darstellung des „Steines“ bezeichnet es das Quecksilber, das orientalische oder „Tier“[3778] und das okzidentalische oder „Myrthe“ und „göttliches Wasser“, so geheißen, weil es die Naturen umwandelt und die Toten wiederbelebt[3779]; ist die Bereitung des Steines richtig gelungen, so gerinnt das fertige Elixir wie die zurechtgekochte Öl- und Alkali-Mischung der Seifensieder, und es entsteht eine weiße glänzende Masse, die „Milch der unbefleckten Jungfrau“[3780].
g) „Buch der Siebzig.“ Unter diesem Titel erwähnt die Liste des „Fihrist“ ein Werk des DSCHABIR[3781], das bisher im arabischen Original nicht aufgefunden ist, von dem jedoch das Manuskript 7156 der Pariser Nationalbibliothek eine in äußerst barbarischem Latein verfaßte, „Liber de septuaginta“ betitelte Übersetzung zu enthalten scheint (?)[3782]. Diese Übersetzung[3783], — sie wäre die einzige lateinische eines Werkes des „echten“ DSCHABIR —, ist übrigens sehr unvollständig und mangelhaft, trotz großer Weitschweifigkeit unklar und verworren, dabei voll von Lücken und Einschiebseln[3784], darunter sehr späten aus christlicher Quelle, z. B. den die Exkommunikation und das Schlagen des Kreuzes erwähnenden[3785]; sie enthält zahlreiche arabische, zum Teil unerklärte oder unverstandene Benennungen und Decknamen, und beruft sich vorzugsweise auf griechische Autoren, u. a. auf die großen Alchemisten PLATON[3786] und ARISTOTELES[3787].
Alle „Körper“ oder „Metalle“, deren es sieben gibt, nämlich Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei und Glas (vitrum)[3788], — denn Quecksilber ist ein „Geist“ —, enthalten stets die vier Elemente, davon zwei in offenem und zwei in verborgenem Zustande, welche letzteren es „heraus zu kehren“ gilt[3789]. Dies vollzieht die Natur allmählich und langsam[3790]; rascher, schon binnen 40 Tagen, vollbringen es die „Medizinen“, indem sie die fehlerhaften „Säfte“ austreiben, verbessern, oder durch die geeigneten ergänzen[3791]; noch rascher, bereits innerhalb einer Stunde, wirkt das „Elixir“[3792], von dem 1 Teil 100, ja 1000 Teile der gemeinen Metalle umwandelt, am leichtesten Blei zunächst in Silber und dieses dann in Gold[3793]. Welche Kraft den „rechten Medizinen“ innewohnt, ersieht man aus der Entstehung der herrlich gefärbten Produkte Bleiglätte, Mennige und Bleiweiß aus dem Blei, doch kommt es stets darauf an, das dem Zweck Entsprechendste, also z. B. Auripigment, Al-Markasit, Talk, Alaun, Salmiak, Kalk, Alkali, Aschen, Bauracia [Boraxe, meist = Alkalien], Salze, Myrthenzweige und Galläpfel [also Gerbstoffe] usf., auch an rechter Stelle zu gebrauchen[3794]. Die größten Kräfte besitzen, einzeln oder zusammen angewandt, die „vier Geister“, d. s. Schwefel, Arsen, Quecksilber und Salmiak[3795], vor allem aber das Quecksilber, das eine „radix in omni re“ ist, ein Wurzel- oder Grund-Bestandteil aller Substanzen[3796]; sämtliche Geister sind auch in pflanzlichen und tierischen Stoffen vorhanden[3797] [deren Bezeichnungen aber oft nur als Decknamen aufzufassen sind]. Was den „Stein der Weisen“ betrifft, so gewinnt man ihn aus den nämlichen vier Elementen, die, nur in anderen Mengenverhältnissen, auch alle übrigen Stoffe bilden[3798]; daher kann man sie allen diesen entnehmen, den mineralischen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen, doch müssen sie sich im Zustande höchster Reinheit befinden[3799] und dürfen nur „zur günstigen Stunde“ vereinigt werden[3800], und zwar in den richtigen Gewichtsverhältnissen, die das eigentlich wichtige und daher, des Wohles der ganzen Menschheit halber, mit äußerster Strenge zu wahrende Geheimnis darstellen[3801]. Wie die geringen anfänglichen Zusätze von Silber und Gold, so wirkt auch das Elixir wesentlich als Ferment, weshalb einige bei seiner Bereitung auch „Sperma“ benützen[3802] [= Samen; Deckname?].
Aus der Reihe der Chemikalien, deren DSCHABIR sich bedient, sind anzuführen: Almizadir [alnûschadîr = sal armoniacum = Salmiak][3803], Duenec [zuģâģ = vitriolum][3804], Baurac [meist Alkali][3805], Seisarat [zarnîch = auripigmentum citrinum, gelbes Schwefelarsen][3806], Tutia femina und „marina“ [= weibliche und männliche Tutia][3807], und Alcofol oder Alchofol [= Spießglanz, Schwefelantimon][3808], aus dem man „plumbum merdaceum ex alcofol“ gewinnt[3809] [d. i. „Abfall-Blei“ = metallisches Antimon].
Von chemischen Verfahren beschreibt DSCHABIR flüchtig: die Darstellung und Reinigung verschiedener Metalle[3810]; die Gewinnung pflanzlicher Öle, die als „allgemeines pflanzliches Element“ gelten[3811], und ihre Aufbewahrung in der „olla stagnata“ (in verzinnten Gefäßen)[3812]; die Sublimation des Sublimates aus Quecksilber[3813], sowie die Sublimation und Krystallisation des Salmiaks[3814]; das Reinigen und „Waschen“ mit Sapo (Seife) und Baurac (Alkali)[3815]; die Destillation, „gleichend jener des Rosenöles“, und zuweilen auch „mehrmals wiederholt“[3816]. Viele Reaktionen nimmt man in der Alutel vor[3817], die auch als „Alutel pergamenum“, Alutel aus Pergamon, bezeichnet wird[3818], und zu deren Erhitzung der als Athanor (tannûr) bekannte Ofen dient[3819].
Neben der Kenntnis der „richtigen Verfahren“ ist auch die der richtigen „Sprüche und Formeln“ von großer Wichtigkeit, daher es vom Ausübenden heißt „et recitavit multa ...“[3820], „er sprach (oder murmelte) Vielerlei“.