Die Geschichte der Bronze, der Legierung von Kupfer und Zinn, ist auf das Innigste mit jener dieses letzteren Metalls verknüpft, auf die jedoch aus verschiedenen Gründen erst weiter unten des näheren eingegangen und daher an dieser Stelle nur hingewiesen werden kann.
Die Erfindung der Bronze, sei sie anläßlich zufälligen gemeinsamen Verschmelzens von Kupfererzen und Zinnstein, oder von fertigem Kupfer und Zinn gemacht worden[5858], setzt jedenfalls gewisse metallurgische Erfahrungen voraus, namentlich solche im Darstellen und Gießen des Kupfers, und zwar eines ziemlich reinen[5859], — wenngleich es unmöglich ist, ihr, mit KAHLBAUM und HOFFMANN[5860], schon die klare Absicht unterzulegen, den hohen Schmelzpunkt des Kupfers (1135°) durch den niedrigen des Zinns (228°) auf den mittleren der Bronze (900°) herabzudrücken. Sie einem einzigen bestimmten Volke zuzuschreiben, etwa den Ägyptern[5861] oder den Phöniziern[5862], erweist sich als unzulässig, vielmehr scheint sie an mehreren, wenn auch nur wenigen Punkten selbständig gemacht und dann von diesen aus allmählich weiter verbreitet worden zu sein[5863], wobei sich zwar Vorderasien, Europa und Afrika als zusammengehörig ergeben, ein völlig gemeinsamer Herd aber selbst für die alte Welt so gut wie undenkbar erscheint[5864]. Auch im vorliegenden Falle mahnt nämlich die neue zur Vorsicht in allen weitgehenden Schlüssen, denn „in beiden Hemisphären findet sich die Kunst dieser Legierung“, wie bereits HUMBOLDT hervorhob[5865]: so besaßen die Mexikaner, bei denen CORTEZ Zinn in großen Mengen gewinnen und an Geldes Statt benützen sah[5866], auch bronzene Geräte und Werkzeuge, 94% Kupfer und 6% Zinn enthaltend, und waren im Gusse größerer und großer Gegenstände wohlerfahren[5867]; die Peruaner, bei denen sich auch Wagen und Gewichte vorfanden, die in Mexiko fehlten, verstanden ebenfalls, Bronze mit 6% Zinngehalt herzustellen und zu gießen, und wandten sie zu den mannigfaltigsten Zwecken an, obwohl ihnen das Eisen nicht mehr unbekannt war[5868]; endlich bedienten sich auch einige, jedoch nicht alle Völkerschaften Chiles, vermutlich von Peru aus beeinflußt, neben der kupfernen auch bronzener Schmucksachen, Werkzeuge, Geräte und medizinischer Instrumente[5869].
Für die oben erwähnte Vermutung SMITHS, die Bronze sei in Ägypten erfunden worden, lassen sich zureichende Gründe nicht vorbringen, dagegen kannte man sie daselbst in weit früherer Zeit, als GSELL annahm[5870], nämlich schon unter der Regierung der Thiniten und der ersten Königsdynastien[5871], also etwa seit 3000; um 2500 war sie bereits verbreiteter[5872], und dem alten Reiche scheint auch ein aus Kupfer gegossenes Gefäß anzugehören, das schon ein mittels eines Bronze-Plättchens verlötetes Loch aufweist[5873]. In einem Gedichte aus der Zeit um 2000 ist von „Riegeln aus Bronze an Türen aus Kupfer“ die Rede[5874], und spätestens um 1500 verstand man den Hohlguß auch größerer Stücke und Statuen[5875], der jedenfalls eine lange andauernde Übung voraussetzt. Die Frage, ob die Bronze, als deren Namen thisd, thesed, aber auch chesmen angegeben werden[5876], sowie die Bronze-Technik, den Ägyptern aus einem bestimmten Lande des Orients zugekommen sei, aus welchem, und namentlich aus oder über Cypern, muß vorerst unentschieden bleiben, ebenso wie die nach der Herkunft des zu ihrer Darstellung erforderlichen Zinns. Tatsache ist, daß dieses anfangs nur in sehr kleiner Menge vorhanden war[5877]: der Gehalt beträgt bei den ältesten Bronze-Funden (um 3000) nur 1–2%[5878], bei den etwas jüngeren (um 2500) schon 6%[5879], und steigt dann rasch auf die normale Höhe von 10–12%, die im 2. Jahrtausend bereits die gewöhnliche ist[5880]. Die Fundstücke umgekehrt, auf Grund ihres Zinngehaltes, einem bestimmten Zeitalter zuzuteilen, ist aber im Einzelfalle ganz unzulässig, da man zinnarme Bronzen auch in späterer Zeit weiter erzeugte, ferner aber auch Bronze-Gegenstände, wahrscheinlich aus religiösen Gründen, zu gewissen Zwecken, z. B. als Grabbeigaben, nicht anwandte, diese vielmehr (noch um 1500) ausschließlich aus reinem Kupfer anfertigte[5881]. In älteren, gegossenen Bronze-Gegenständen findet sich nicht selten ein merklicher, zwischen 6 und 12% schwankender Zusatz an Blei, offenbar weil dieses die Verflüssigung und Handhabung der Legierung erleichtert[5882], während jüngere, geschmiedete, zuweilen 1–2% Eisen enthalten, das vermutlich aus den benützten Kupfererzen herstammt und ihnen eine bedeutende, aber zur Bearbeitung der Hartgesteine doch nicht ausreichende Härte verleiht[5883]. Mit was für Werkzeugen die Ägypter Granit, Syenit, Diorit und Basalt meisterten, ist noch strittig; ein Härten der Bronze nach Art des Stahles, durch Abschrecken in Wasser oder Öl (διά τινος βαφῆς), von dem PROKLOS und einige Spätere fabeln[5884], darf für ausgeschlossen gelten, die Bereitung einer Art Phosphor-Bronze mittels phosphorhaltiger Beigaben ist unbewiesen und unwahrscheinlich[5885], und ein Zusatz von 22–30% Zinn macht die Bronze zwar stahlhart, aber auch äußerst spröde[5886]. Da indessen ägyptische Prägestempel des 6. Jahrhunderts v. Chr. von gerade dieser Zusammensetzung vorliegen[5887], die Sprödigkeit zum großen Teil durch Ausglühen zu beheben ist[5888], ferner sehr harte Instrumente, z. B. medizinische, durch anhaltendes starkes Hämmern hergestellt werden können[5889], endlich aber auch bronzene Feilen aufgefunden wurden[5890], so scheint die Existenz einer Hartbronze doch noch keineswegs ausgeschlossen; weitere Untersuchungen müssen Aufklärung darüber bringen, ob bei ihrer Gewinnung mechanische Behandlungsweisen die Hauptrolle gespielt haben, chemische Beimischungen (unter denen auch noch das Arsen zu berücksichtigen wäre), oder beide.
Den Sumerern war die Bronze schon gegen 3000 gut bekannt, da die ältesten Schichten zu Telloh (um 2900) zahlreiche bronzene Ringe, Äxte und Götterbilder aufweisen[5891], aus der nämlichen Zeit ein prächtiger Stierkopf in Bronze herrührt[5892], und aus der nur wenig jüngeren des Königs URNINA (um 2800) zahlreiche Bronzefiguren vorliegen[5893], sowie Bronzestifte von Rollsiegeln[5894]. Um 2700 tragen die Krieger auf der sog. Geier-Stele des EANNATUM, Sohnes des ENTEMENA, mit Metallbuckeln beschlagene Schilde, Lederhelme mit Metallrändern, sowie Lanzen mit zweischneidigen Metallspitzen, und das Metall scheint Bronze zu sein[5895]; eine ganze Anzahl kleiner, sehr gut gearbeiteter Bronzefiguren sind nur etwa 30 Jahre nach dieser Stele angefertigt[5896]. Unter der Regierung GUDEAS, der zu den „Königen von Sumer und Akkad“ gehört[5897], etwa um 2300, stand die Verarbeitung von Gold, Kupfer, Zinn und Bronze auf einer hohen Stufe, und letzteres Metall wird auch in Inschriften und Zaubersprüchen erwähnt[5898]; auffälligerweise erteilen die Sumerer in dieser Periode den Göttergestalten nicht mehr den Typus ihres eigenen Volkes, sondern jenen der Semiten[5899], von denen sie anscheinend auch die Verbindung der Götter mit den Gestirnen sowie mit dem Lebenswasser übernahmen, — wie denn auch auf dem Siegel GUDEAS ein sitzender Gott Vasen hält, aus denen das Wasser des Lebens hervorsprudelt[5900]. Im Zeitalter HAMMURABIS, um 2000, war die Bronze längst allgemein bekannt[5901], und im 16. Jahrhundert bilden bronzene Rüstungen und Waffen einen Gegenstand der Ausfuhr nach Syrien[5902]. Wie bei den Bronzen Ägyptens, so ist im allgemeinen auch bei denen Babyloniens und Assyriens der Gehalt an Zinn anfangs sehr gering, oft nur 0,1–0,3%, steigt dann auf 3–5 und später auf 10–12, zuweilen auch auf 16–20%, und wird nicht selten von einem solchen an Blei (3–7%), Antimon (4%), Eisen (2–4%,), Arsen (0,6%) und etwas Nickel begleitet, die, mit Ausnahme des Bleies und vielleicht des Antimons, wohl sämtlich aus dem benützten Rohkupfer herrühren[5903]. Bestimmte Anhaltspunkte über das Alter einzelner Gegenstände liefert aber der Zinngehalt auch hier nicht, so z. B. fand BERTHELOT in einigen Stücken aus dem 2. Jahrtausend 10–12% Zinn, in jüngeren (Anfang des 1. Jahrtausends) 11%, in noch jüngeren (um 800) 8,5%, aber auch 14–20%, neben 3,5–7% Blei und 2–3% Eisen oder Nickel[5904]. — Was die Frage betrifft, ob das Land der Sumerer als die (oder doch als eine) Ursprungsstätte der Bronze anzusehen sei, so ist zu bemerken, daß allein dieses Volk neben dem Worte für Kupfer, urudu, noch ein besonderes für Bronze besitzt, zabar, das „feurigrot, glänzend“ bedeutet; in einem zweisprachigen Hymnus an GIBIL, den Gott des Opfer-, Herd- und Welt-Feuers, den Lehrmeister der Schmiede[5905], heißt es: „Du bist es, der Gold und Silber läutert; Du bist es, der Kupfer (urudu) und Zinn (anna) mischt“[5906], und in diesen Versen wird unleugbar dem Gotte die Erfindung der Legierung zugeschrieben[5907]. Sollte aber wirklich „anna“ ursprünglich nicht Zinn, sondern Blei bedeutet haben[5908], so läge die Vermutung nahe, daß die Blei-Bronze, — es sei hier nur an die Statue des Königs BUR-SIN von Ur (um 2600) mit 18% Blei erinnert[5909] —, älter ist als die Zinn-Bronze, und daß der anfängliche Zusatz ein solcher von Blei war, das erst späterhin durch Zinn ersetzt wurde. — In jüngerer babylonischer Zeit führt die Bronze auch andere Namen, so z. B. weihte NEBUKADNEZAR II. (um 600) einer Göttin je zwei Hunde aus Gold, Silber und Bronze, für welche Metalle die Bezeichnungen hurasu, kaspu, und eru oder namru stehen, d. h. „glänzendes Kupfer“[5910]. Ob der ältere Name zabar in dem noch bei den späteren Arabern gebräuchlichen zafar, zafr, safr, fortlebt[5911], ist fraglich.
In der Ägäis soll nach KARO das Kreta der frühminoïschen Periode (3. Jahrtausend) Bronze noch nicht, und das der spätminoïschen (2. Jahrtausend) anfangs nur spärlich, reichlicher erst seit etwa 1600, besonders aber seit 1500, besessen haben[5912]; nach MEYER ist aber Bronze schon zu Beginn des 3. Jahrtausends bekannt[5913] und nach FORRER bald nach dessen Ende in Knossos nicht selten[5914]. Das nämliche gilt nach den zuletzt genannten Autoren von Cypern, woselbst jedoch die Bronze-Gegenstände noch lange Zeit hindurch die Formen der kupfernen festhalten und sich neben diesen nur sehr allmählich Bahn brechen[5915]. Auch die Cykladen sind, entgegen KAROS Ansicht[5916], um 2500 schon reich an Bronze-Geräten, -Gefäßen und -Waffen; nur die Spitzen der dortigen Pfeile sind nicht aus Bronze gefertigt, sondern aus dem Obsidian der vulkanischen Insel Melos[5917].
Zu Troja findet sich Bronze, wenngleich vereinzelt, schon in sehr tiefliegenden Schichten, und ist anfangs arm an Zinn[5918]; um 2500 ist bereits viel Bronze und solche von 8–11% Zinngehalt vorhanden[5919], um 2000 treten Schmucksachen (auch gelötete) und getriebene Gefäße auf[5920] und um 1500, in der sog. homerischen Schicht, mannigfaltige Geräte und Waffen[5921].
Das mykenische Zeitalter (um 2000) war mit der Verarbeitung der Bronze durchaus vertraut, namentlich auch mit der Herstellung größerer Gegenstände in Hohlguß[5922]; der Gehalt an Zinn ist sehr wechselnd, kaum 1% bei einem Kessel aus Mykene[5923], 5,5% bei einem Schwert und 9,5% bei einem Szepter (?) ebendaher[5924], dagegen 10–13% bei Fundstücken aus Tiryns[5925]. Nach einigen Forschern waltet hierbei der Zufall, nach anderen sollen die zinnreichen Geräte durch die Phönizier eingeführt sein[5926]; die Herstellung kleinerer Gußsachen dürften diese schon sehr frühzeitig verstanden haben, und jedenfalls reichte ihre Erfahrung aus, um ihnen im 11. Jahrhundert den Guß der gewaltigen Bronzesäulen vor dem Tempel zu Gades (der sog. Säulen des HERKULES) zu ermöglichen, und im 10. Jahrhundert den der Prunkstücke im Tempel SALOMONS, wobei sie Tonformen benützten[5927]. Unter mykenischem Einflusse standen auch die Inseln des östlichen Mittelmeeres sowie Sizilien[5928]; betreffs ersterer ist dem weiter oben Gesagten noch hinzuzufügen, daß in Cypern die einheimischen Erzeugnisse auch während dieser Zeit noch die alten Formen beibehielten und daher durchaus archaisch erscheinen[5929], während sich in Kreta starke babylonische Einflüsse geltend machten, deren Spuren auch die Bronze-Barren von ¼, ½ und 1 Talent babylonischen Gewichtes verraten[5930].
Unter den Griechen lernten die Bronze zuerst jedenfalls jene Kleinasiens kennen, woselbst man gegen Ende des 10. Jahrhunderts z. B. in Ephesus schon Zahlbarren (ohne Prägung) in Gold, Silber, Elektron, Bronze und Blei besaß[5931] und wo auch der Hohlguß um diese Zeit längst in Anwendung stand, so daß dessen „Erfinder“, THEODOROS und RHOIKOS von Samos (6. Jahrhundert), von denen PAUSANIAS und andere erzählen, in Wirklichkeit wohl nur die Verbreiter waren[5932]. Das nämliche gilt betreffs der Bronze selbst, die nach den „Wunder-Geschichten“ des PSEUDO-ARISTOTELES ein Lyder SKYTHES, nach THEOPHRASTOS ein Phryger DELAS, und nach den „Fabulae“ des HYGINUS der Phönizier KADMOS zu Theben zuerst bereitet haben soll[5933]. Auch von der Erfindung durch die im Ida-Gebirge hausenden Daktylen berichten ältere Sagen[5934], doch ist es unzutreffend, daß dieser bereits HOMER gedenke; bei ihm bedeutet χαλκός (Chalkós) bald Kupfer, bald Bronze, die dem geschilderten Zeitalter wohlbekannt ist und als φαεινός (glänzend), αἶθοψ (funkelnd), νῶροψ (blendend) bezeichnet wird[5935]. Wann die europäischen Griechen zuerst von ihr Gebrauch machten, läßt sich nicht bestimmt angeben, doch fehlt sie z. B. noch in den tiefsten, bis in das 2. Jahrtausend zurückreichenden Schichten Olympias[5936]; auf frühzeitiges erstes Auftauchen deuten die Sagen vom ehernen Zeitalter, sowie die Anschauungen, daß Bronze als das ältere Metall sich auch besser und edler erweise als Eisen, für kultische und daher auch für medizinische Anwendungen den Vorzug verdiene, den Göttern wohlgefällig sei, ihre Stimme in seinem Klange wiedertönen lasse, die bösen Geister und Gespenster vertreibe, Zauber und Zauber-Wirkungen breche, u. dgl. mehr[5937]. Die Darstellung der Bronze aus Kupfer und Zinn, sowie ihre Eigenschaften, waren zwar spätestens im 5. Jahrhundert ganz allgemein bekannt, — EMPEDOKLES (gest. 444) erwähnt ihrer, und AESCHYLOS (gest. 456) sagt, „das Erz ist ein Spiegel des Körpers wie der Wein einer der Seele“[5938] —, aber über ihr Wesen als Legierung kam man nicht ins klare; noch ARISTOTELES war, wie schon weiter oben ausführlich erörtert, der Ansicht, daß das Kupfer durch Zinn etwa ebenso zu Bronze „gefärbt“ werde, wie durch Galle zu „Gold“, und daß das Zinn sich völlig auflöse und im Kupfer verschwinde, wobei es dieses hart, rein, glänzend mache und „färbe“[5939]. Die griechischen Erzgießer und Künstler verstanden es, der Bronze durch allerlei Beimischungen die verschiedensten Farbentöne zu erteilen (s. das aes hepatizon, graecanicum usf. bei PLINIUS)[5940], und dies trug vielleicht dazu bei, die aristotelische Lehrmeinung zu bestätigen und zu festigen, so daß sie als übliches Schulbeispiel dauernd in jedermanns Munde blieb, wie denn z. B. noch PLUTARCH (48–125) sie bei jeder Gelegenheit immer wieder vorbringt[5941].
In Etrurien weisen schon die älteren Nekropolen, sowie die wiederholt erwähnten Grabstätten zu Villanova und Felsina (Bologna) viel Bronze auf[5942], die ursprünglich gegossen, sehr frühzeitig aber auch schon getrieben wurde, derart, daß die ältesten Tonwaren des Landes sich als Nachahmungen solcher getriebener Bronzegefäße zu erkennen geben[5943]; diese besitzen einen eigenartigen Stil, den die Phönizier mindestens seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr tiefer beeinflußten[5944], und sind an ihm meist mit Sicherheit kenntlich, z. B. im Norden, wohin sie bereits in alter Zeit ihren Weg nahmen[5945]. Die auch für den vorliegenden Fall bedeutsame Frage nach orientalischen, insbesondere babylonischen Beziehungen der Etrusker, für die unleugbare religiöse Anhaltspunkte vorliegen sollen (Zauberwesen, Aberglauben, Leberschau)[5946], ist, ebenso wie die nach ihrer orientalischen Herkunft und nach der Stellung ihrer Sprache, vorläufig noch strittig und nicht spruchreif. — Bei den Römern, deren Glauben und Aberglauben so vielfach an den etruskischen anknüpft, ist die kultische Bedeutung der Bronze bemerkenswert, so z. B. dürfen sich die Flamines genannten Priester gelegentlich gewisser Opfer nur tönerner Gefäße, wollener Kleider mit Erzspangen und bronzener Geräte bedienen[5947]. Noch um 300 v. Chr. stand die Bronze so hoch im Preise, daß unter den Geschenken, die FABRICIUS den Samniten wieder zurücksandte, außer fünf Sklaven und fünf Pfunden Silbers auch zehn Pfunde Erz aufgezählt werden[5948]. Im Laufe des 2. Jahrhunderte wurde Campanien, und ganz besonders die Stadt Capua, zum Hauptsitze einer ausgedehnten Bronze-Industrie, namentlich auch Kunst-Industrie, die seither, zumeist aber vom Beginne der Kaiserzeit an, ganz Italien sowie die Provinzen mit ihren Erzeugnissen versorgte, u. a. mit Spiegeln, deren beste, die Brundisium (Brindisi) lieferte, etwa 30% Zinn, zuweilen auch etwas Blei (5–6%) enthielten[5949]; anderen Bronzewaren wurde jedoch, besonders in späterer Zeit, viel mehr Blei beigemischt.
In Mitteleuropa ist, wie schon oben erwähnt, bereits während der jüngeren Steinzeit ein Handel anzunehmen, der sich auf Feuersteine, Steinwerkzeuge, Tongeräte und primitiven Schmuck, vor allem Bernstein, erstreckte, gegen Ende der Periode aber auch Muscheln des Mittelmeeres, Glasperlen, Kupfer in Barren und Doppeläxten, Gold, Zinn und Bronze umfaßte[5950]. Die sog. Bronzezeit setzt in Mitteleuropa um 2000 ein, erstreckt sich in mehreren Stufen bis zu dem nicht überall gleichzeitig (etwa zwischen 1000 und 600) erfolgenden Eintritte der Eisenzeit, dauert aber auch während deren älteren (sog. Hallstädter) und jüngeren (sog. La Tène-)Abschnittes weiter fort, — die Grenze beider bildet ungefähr das Jahr 400 —, und endigt vollständig erst um 100 v. Chr.[5951]; im nördlichen Europa beginnt sie erst gegen 1700 und währt bis etwa 50 v. Chr.[5952]. Da gerade jene Gegenden Mitteleuropas, in denen sich die Bronzezeit am reichsten entfaltete, damals weder Kupfer noch Zinn erzeugten[5953], das Zinnland Britannien aber keine Bronze besaß[5954], so fanden die Behauptungen einiger Gelehrten, z. B. WILSERS[5955], von einer selbständigen Erfindung der Bronze in Mittel- oder Nordeuropa bisher keinen Anklang in der Wissenschaft; die allgemeine Meinung geht vielmehr dahin, daß der Gebrauch der Bronze aus dem Südosten des Weltteils, woselbst sie zuerst bekannt war, sich allmählich nach Mittel- und von da aus nach Nordeuropa ausgebreitet habe[5956]. Träger dieser Verbreitung, die um 2000 nachweisbar wird, aber erst einige Jahrhunderte später ihren Höhepunkt erreicht, waren anfangs Tauschhändler, durch deren Tätigkeit die besondere Wichtigkeit des Bernsteins, auf die schon weiter oben aufmerksam gemacht wurde, sichtlich zutage tritt[5957], später wohl auch wandernde eigentliche Erz-Händler und -Arbeiter, aus deren Händen die in den ältesten Pfahlbauten vorgefundenen bronzenen Geräte und Schmucksachen herrühren dürften[5958]. Diese wurden also zunächst in fertiger Gestalt eingeführt, und zwar offenbar von wenigen gemeinsamen Ausgangspunkten her[5959], wobei als erste Hand, anscheinend bis gegen 1500, kretische, nachher aber phönizische Vermittler ins Spiel kamen, so daß sich hieraus das Auftreten von Ringen, Barren und Geräten anfänglich kretischen, später aber (bis in die ältere Hallstädter Zeit hinein) phönizischen Gewichtes genügend erklärt[5960]. Jedenfalls „zehren die Funde aus der Bronzezeit überall vom Einflusse des Ostens und der Ägäis“[5961], und für ihren einheitlichen Ursprung zeugen die fast allerorten gleichmäßigen Formen, Verzierungen und Mischungsverhältnisse[5962]. Die ältesten weisen einen geringen Zinngehalt auf, doch steigt dieser alsbald auf den regelmäßigen von 10–12%[5963], während Blei gänzlich zu fehlen pflegt[5964]. Wann das für die allgemeine Verbreitung ausschlaggebende Gießen an Ort und Stelle begann, — zunächst wohl durch die fremden Händler und Wanderarbeiter, nachher auch durch Einheimische —, läßt sich genauer nicht feststellen, um so mehr als fürs erste nur kleine Gegenstände in Frage kamen, die teils aus eingeführten Barren, teils aus Bruchstücken oder Resten angefertigt wurden[5965]; auf einen frühen Anfang solcher Bemühungen deutet aber die Benützung von Gußformen aus einheimischen Gesteinen, sowie die beharrliche Nachahmung der Gestalten von Stein- und Kupfergeräten[5966], die namentlich im Norden bis in späte Zeiten hinein andauert, obwohl man zu diesen auch dort schon verhältnismäßig vollendete Gegenstände anzufertigen verstand, wie Wagen, Wagenräder mit Speichen, u. dgl.[5967]. Im Laufe des 2. Jahrtausends schreitet die Gußtechnik jedoch allenthalben erheblich fort[5968]; ihr schließt sich die Treibarbeit an, die fraglos südlichen Vorbildern nacheifert[5969], und zuletzt, wohl erst seit Beginn der Eisenzeit (etwa um 1000), folgt das Schmieden, als jüngste der Künste[5970].
Über den Bahnen, auf denen die Kenntnis der Bronze nach Mitteleuropa gelangte, schwebt noch Dunkel. Zwischen der Ägäis und der ostkarpathischen Ebene walten zwar sehr alte, bis gegen 2500 zurückreichende Zusammenhänge, sie brechen aber bald nach dieser Zeit jäh ab[5971] und ob sie sich wirklich später erneuerten und zu einer Benützung des Weges Donau-aufwärts Anlaß gaben, bleibt ungewiß. Unter den westlichen Pfaden gilt als der wichtigste der längs der Rhone aufwärts bis in das Quellgebiet des Rheins und weiterhin der Donau, und dann wieder diese Flußläufe abwärts führende, doch läßt die genauere Erforschung dieses Hauptzuges noch ebensoviel zu wünschen übrig wie die seiner Verzweigungen, besonders der auf französischem Boden vorauszusetzenden; sehr auffällig sind die Bronzen der Charente, die zeitweise ebenfalls bis 3% Arsen (aus dem Kupfer herrührend) enthalten[5972], sowie einige sog. Depotfunde, z. B. die von Bonneville (um 1000?), die neben 7% Zinn bis 5% Blei und zuweilen auch Antimon führen[5973]. Was endlich die jüngeren etrurischen Einflüsse anbelangt, so soll sie GENTHE[5974] nach manchen Richtungen überschätzt haben, ob aber in so hohem Grade wie PARTSCH und einige andere Forscher behaupten[5975], bleibt fraglich.
Ein durchaus selbständiges Entstehungs- und Verbreitungsgebiet der Bronze ist, soweit sich dermalen übersehen läßt, das ostasiatische, u. a. das indische, malayische und chinesische. In China erfanden nach „uralten Überlieferungen“ heilige Männer den Nutzen des Feuers und verfertigten mit seiner Hilfe Gefäße aus Kupfer und Bronzen[5976], deren Bestandteile, Kupfer und Zinn, schon unter der Regierung des völlig mythischen Kaisers YÜ (angeblich um 2200 v. Chr.) von gewissen Völkern neben Gold und Silber als Tribut geliefert wurden[5977]; nach anderen, ebenso alten Erzählungen sollen aber fremde Eroberer vor unvordenklichen Jahren die Kunst der Bronze-Darstellung nach China gebracht haben[5978]. Jedenfalls ist eine erste Blütezeit der Bronzetechnik schon in die Periode 1800–1500 v. Chr. zu setzen und eine zweite in die der Tschou-Dynastie, d. i. 1000–900 v. Chr.[5979]; aus letzterer sind datierte Stücke von ganz außerordentlicher Vollendung erhalten[5980], auch liegen Rezepte über sechs verschiedene Mischungsverhältnisse vor, die den Zinnzusatz auf 20–100% des Kupfers bemessen, niemals aber auf den im Mittelmeergebiete vorherrschenden von 10–12%[5981]. Die ältesten Bronzen, z. B. die im Lössboden gefundenen Gefäße[5982], sollen ausschließlich aus Kupfer und Zinn bestehen[5983] und sich dadurch jenen der Altai-Gegenden und der Tschudengräber anschließen, die gleichfalls 20 und mehr Prozent Zinn zu enthalten pflegen[5984]; spätere Legierungen, darunter bereits die der Glocken, deren Gebrauch in China aber immerhin schon sehr alt ist, weisen dagegen nicht selten auch bis 3% Arsen und Antimon auf[5985].
In Indien besaß man Bronze schon in der älteren vedischen Zeit, aus der zahlreiche Funde vorliegen sollen, die bemerkenswerterweise sehr zinnarm sind[5986]; da die Indogermanen vor ihrer Trennung noch nichts von der Bronze wußten[5987], so müßten die Einwanderer sie entweder bei der indischen Urbevölkerung schon vorgefunden, oder unterwegs kennen gelernt haben. — Den alten Iraniern scheint die Bronze unbekannt geblieben zu sein; einige Erwähnungen im „Avesta“ sind fragwürdiger Natur, zudem läßt sich ihre Abfassungszeit nicht ermitteln[5988]. In späteren Epochen waren dagegen die Perser wie mit metallurgischen Verfahren aller Art, so auch mit der Gewinnung und Verwendung der Bronze wohlvertraut; noch 629 n. Chr. berichtet der chinesische Pilger HIUEN-THSANG von den Platten, aus denen die riesigen Statuen des BUDDHA zusammengesetzt werden, und sagt, daß zu ihrer Herstellung der „Stein“ Teou-Schih von goldgelber Farbe diene, der angeblich in Persien gefunden werde[5989]. Zur Zeit des Khalifats waren persische Bronzen, nach dem Haupthandelsplatze auch Mossul-Bronzen genannt, ein wichtiger Gegenstand der Ausfuhr[5990].
Was die Namen der Kupfer-Zinn-Legierung anbetrifft, so stehen ganz abseits das irische créd-uma = „Zinn-Kupfer“ und das deutsche Erz (althochdeutsch aruz, erezi; altnordisch arud, so auch in Ortsnamen; mittelhochdeutsch erz), das HEHN von „aes arretium“ ableiten will, da Arezzo lange Zeit hindurch einen der wichtigsten Erzeugungsorte der über die Alpen gehenden Waren bildete[5991]. Alle anderen neueren Sprachen bedienen sich aber der Bezeichnung „Bronze“, die bei den alten Griechen und Römern unbekannt war, und über deren Herkunft schon eine ganze Anzahl sehr verschiedener Vermutungen ausgesprochen worden sind.
DUCANGE im 17. Jahrhundert und ihm folgend MURATORI im 18. und DIEZ im 19., nahmen als Stammwort das spätlateinische bruntus und brunus an, das bald soviel wie braun besagen soll, bald so viel wie glatt oder glänzend[5992]; diese Vieldeutigkeit entspringt nach EASTLAKE dem Umstande, daß das Wort ursprünglich die Farbe des armenischen Bolus bezeichnete, den man im Kunstgewerbe als Untergrund für das Auflegen von Gold zu benützen pflegte[5993]. Hiernach scheint es erklärlich, daß z. B. schon in älteren Schriften des Mittelalters, aus denen dann noch mehr als ein halbes Jahrtausend schöpfte, „brunire“ = deaurare (vergolden) und „or bruni“ = aurum politum (glänzendes, poliertes Gold) ist[5994], daß BOILEAUS erstes Pariser Statutenbuch, das „Livre des métiers“ von 1254, unter brunti oder bruni nichts weiter als poli versteht[5995], und daß die mittelhochdeutschen Dichter und Schriftsteller brunit auf Waffen, Schmucksachen, Gläser usw. abwechselnd im Sinne von braun, von glatt, oder von glänzend anwenden[5996]. Aus „aes brunum“ oder „brunum aes“ soll dann nach ROSSIGNOL[5997], der als „verkürzte Sprechweise“ „brunses“ annimmt, sowie nach SCHRADER[5998], das mittellateinische bronzium hervorgegangen sein, sowie das italienische bronzo, bronza (auch = glühende Kohle), das französische bronce und braise, das deutsche Bronze, wohl auch das angelsächsische braes, das englische brass, das albanesische brunto, das russische bronza usf.; desgleichen aus dem mittellateinischen brunitius das italienische brunizzo, bruniccio, bronzino[5999]. Mit brunus bringt ROSSIGNOL auch das von DUCANGE für 804 nachgewiesene „brunia“ in Verbindung, d. i. der erzene Küraß[6000]; hiermit befindet er sich aber jedenfalls im Irrtum, denn dieses Wort, gotisch brunjo, altnordisch brynja, angelsächsisch byrne, altfranzösisch broigne und brunie, provençalisch bronha, althochdeutsch brunja und bronja, mittelhochdeutsch bruyna, neuhochdeutsch Brünne, leitet sich vom keltischen und irischen „bruisne“, d. i. Brust, ganz ebenso ab, wie altfranzösisch harnais, französisch harnois, italienisch arnese, spanisch arnes, altnordisch hardneskja, mittelhochdeutsch harnasch, neuhochdeutsch harnisch, vom keltischen und irischen „iarn“ oder „haiarn“, d. i. Eisen[6001]. — Obwohl sich nun der Zusammenhang vieler der angeführten Worte mit bruntus und brunus nicht bezweifeln läßt, so erscheint es doch auffällig, daß nach SCHRADER diese selbst wieder in letzter Linie vom germanischen bruno = braun herkommen sollen[6002]; denn da die Spätlateiner die Bronze nicht von den Germanen kennen lernten, sondern umgekehrt, und die braune Farbe auch nicht wohl als die für Bronze charakteristische anzuerkennen ist, so behält hierdurch die ganze Erklärungsweise etwas Gezwungenes.
Das nämliche gilt von einer anderen, durch POTT[6003] und später durch KARABACEK[6004] aufgestellten, der gemäß die Stammworte der Bronze das armenische plinj, das kaukasische pilindz und spilendzi, das mittelpersische barnidz und beredsch, vor allem aber das neupersische baradsch und birindsch sein sollen[6005]; als ihre eigentliche Bedeutung wird „leuchtend, glänzend“ angegeben, und aus dieser dürfte es sich erklären, daß die Perser mit Birindsch u. a. auch gewisse Pflanzen und Pflanzenteile bezeichnen, z. B. die Reiskörner[6006]. Die Frage aber, wann, wo, und unter welchen Umständen gerade dieses persische Wort zur Benennung der Bronze auserkoren und für sie maßgebend geworden wäre, läßt sich vorerst nicht in überzeugender Weise beantworten.
In den von BERTHELOT unter dem Namen „Technische Abhandlungen“ zusammengestellten, meist spätgriechischen Vorschriften findet sich auch eine zur Herstellung des für Gußsachen dienlichen βροντήσιον (Brontésion) „aus einem Pfunde cyprischen Kupfers und zwei Unzen Zinn“[6007]. BERTHELOT glaubt, sie stamme aus der Zeit gegen 1100 und war zunächst der Meinung, daß hier zum ersten Male das wahre Ursprungswort der Bronze, βροντήσιον, auftauche; von Gegenständen ἀπὸ βροτισίων (Brotisíon) spricht aber schon eine Stelle bei ZOSIMOS[6008], und wenn sie auch angeblich erst ein byzantinisches Einschiebsel aus dem 8.–10. Jahrhundert sein soll[6009], so bezeugt sie doch ein bereits erheblich höheres Alter des Ausdruckes. Daß dieser bereits vor 800 wohlbekannt war, ergibt sich aus zwei von BERTHELOT zuerst nachgewiesenen Rezepten: die im 8. Jahrhundert verfaßten „Compositiones ad tingenda ...“, derer schon weiter oben eingehend gedacht wurde, beschreiben als „compositio Brandisii“ und „alia compositio Brandisii“ Legierungen aus 2 Teilen Kupfer, 1 Teil Zinn, 1 Teil Blei, oder aus 2 Teilen Kupfer, ½ Teil Zinn, 1 Teil Blei und ½ Teil Glas (vitrum)[6010]; die desgleichen oben erwähnte „Mappae clavicula“ enthält ebenfalls die „Compositio Brindisii“, und zwar nach GIRY allein im älteren Schlettstädter Texte, während der jüngere WAYsche die betreffende Vorschrift, jedoch mit 1 Teil statt ½ Teil Zinn, als „compositio brondisono“ nur unter den einzelnen Rezepten aufweist, die die letzten Blätter der Handschrift ausfüllen[6011]. BERTHELOT wirft nun die Frage auf, wonach eigentlich die Kupfer-Zinn-Legierung βροντήσιον heiße? Die Benennung nach der Farbe, also nach bruntus, scheint ihm wenig zutreffend; ihr Befürworter, DUCANGE, führt eine „Compositio Brundi“ an (2 Teile Kupfer, 1 Teil Zinn, 1 Teil Blei), deren das nicht näher ermittelte alte Werk eines Autors namens PALLADIUS gedenke[6012]; ferner kommt ein Mineral βροντήσινος (Brontésinos), vermutlich eine Art Pyrit, auch im sog. „Lexikon“ vor[6013], das einen Bestandteil schon der ältesten alchemistischen Handschriften bildet, aber allerdings einen erst nachträglich beigefügten und nicht einheitlichen. Eine Beziehung zu dem anklingenden βροντή (Bronté) = Donner ist auch nicht anzunehmen, ebensowenig eine solche zu einem Erfindernamen. Die größte Wahrscheinlichkeit spricht daher für die zu einem Ortsnamen, nämlich zu Brundisium (= Brindisi), dem wichtigsten und hervorragendsten Fabrikationsorte römischer Bronzewaren[6014]. Wie es nach PLINIUS ein korinthisches, aeginetisches, delisches Erz gab, so vermutlich auch ein brundusisches, „aes brundusinum“, das die Bronze im Gegensatze zum „aes cyprium“, dem Kupfer, bezeichnet haben mag, und das wohl schon PLINIUS im Sinne hatte, als er von der Vortrefflichkeit der „brundisina specula“ sprach[6015], d. i. der brundusischen (also bronzenen) Spiegel; in diesem Zusammenhange scheint es beachtenswert, daß auch der WAYsche Text der „Mappae clavicula“ im Abschnitt 89, der von Versilberung handelt, der „brundisini speculi, tusi et cribellati“ Erwähnung tut, der „zerstoßenen und gesiebten [Masse] der brundisischen Spiegel“[6016].
Nach FESTUS (4. Jahrhundert n. Chr.), der seine etymologischen Darlegungen dem VERRIUS FLACCUS (einem Autor der beginnenden Kaiserzeit) entnahm, den selbst wir aber wieder nur aus kärglichen Auszügen des PAULUS DIACONUS (um 800) kennen, hieß Brundisium ursprünglich Βρεντήσιον (Brentésion), abgekürzt auch Βρέντη (Brénte), Brenda, Breonda, Brendum, Brentium, und zwar nach den Worten βρέντη, βρέντον, βρέντιον, die bei den Gründern der Stadt, — es sollen Kreter oder Messapier gewesen sein —, Hirsch und Hirschgeweih bedeuteten; der Name des Handelshafens hätte also eine Anspielung auf seine vielfach verzweigte Gestalt und Ausbreitung gebildet[6017]. Dies bestätigen auch im 5. Jahrhundert HESYCHIOS[6018], im 7. ISIDORUS[6019] und zu Beginn des 9. WARNEFRIED, der in seiner „Geschichte der Longobarden“ bemerkt, „nach der Gestalt des Hirschkopfes hießen die griechischen Gründer den Ort Brondisium“[6020]. Von diesem Namen, der sich bis in die Neuzeit hinein erhielt, — sagt doch z. B. noch 1538 HOLLANDA in den „Gesprächen über die Malerei“[6021], daß die Via Appia „bis Brondusio“ führt —, wäre also der des brundisischen oder brondisischen Erzes abzuleiten, dessen verschiedene Formen Brunzo, Brunzi, Bronze, Bronza, Bronsa, Brense gleichfalls bis in das 15., ja bis in das 17. Jahrhundert hinein nachweisbar bleiben[6022].
Die Hypothese BERTHELOTS haben indessen schon K. B. HOFMANN[6023] sowie SCHRADER abgelehnt[6024], und in der Tat sprechen vielerlei Gründe gegen sie. Vor allem war Brundisium gar nicht „der wichtigste und hervorragendste Fabrikationsort für Bronzewaren“, als welcher vielmehr, wie oben erwähnt, Capua in Betracht kommt; der Behauptung, die Bronze sei gerade nach den Spiegeln Brundisiums benannt, die zwar schon PLINIUS rühmt, die aber doch immerhin nur eine beschränkte Spezialität bildeten, wohnt daher nicht viel Wahrscheinlichkeit inne. Wenig glaubhaft ist es ferner, daß sich von der Stadt Brundisium auch das spätgriechische oder frühbyzantinische βροντήσιον der „Technischen Abhandlungen“ und des Zusatzes bei ZOSIMOS herleite, welches Wort in den folgenden Jahrhunderten noch weiter entstellt wird, wie denn z. B. nach DUCANGE von einem Gebäude zu Konstantinopel (?) die Rede ist, das πόρτας προύτζινες (prútzines) = bronzene Türen hatte[6025]. Endlich läßt sich auch das Mineral βροντήσινος nicht wohl mit Brundisium in Verbindung bringen, und daß die brundisischen Spiegel der „Mappae clavicula“ aus Bronze bestanden, ist gewiß sehr möglich, aber nicht erweisbar. Was schließlich die Zusammensetzung der verschiedenen „Compositiones“ anbelangt, so spricht der hohe Bleigehalt von 25% zwar für spätrömischen Ursprung der Rezepte, er erscheint aber, sobald die Herstellung der vortrefflichen brundisischen Spiegel in Betracht kommt, als so ungeeignet wie möglich, da ein derartig starker Zusatz an Blei die Härte und Politurfähigkeit der Legierung ganz erheblich beeinträchtigt, dem angestrebten Hauptzwecke also völlig zuwiderliefe; nach BIBRA[6026] enthält daher gutes antikes Spiegelmetall ebenso wie das heutige etwa 70% Kupfer und 30% Zinn, und entweder gar kein Blei, oder nur geringe Mengen, allenfalls 5–6%.
Sämtliche Vorteile von BERTHELOTS Annahme lassen sich indessen wahren, wenn man zwar mit ihm Bronze von βροντήσιος (Brontésios) ableitet, dieses Wort aber nicht mit dem verführerischen Brundisium in Verbindung bringt, sondern mit dem von ihm nur im Vorübergehen erwähnten und ohne weiteres abgelehnten βροντή (Bronté) = Donner. In der griechischen Mythologie ist Bronte der personifizierte Donner, der Donner- und Blitzschlag, — schon OLYMPIAS empfing ALEXANDER den Großen von dem unter Donnergerolle, βροντή, in der Schlangengestalt des Blitzes niedergefahrenen Zeus[6027] —, und BRONTES heißt ein Gewitter- und Vulkan-Dämon, der später zum Cyklopen und Schmiedegehilfen des HEPHAISTOS wird[6028]. Aus den Donnerwolken herab (e tonitribus) fällt nach PLINIUS und ISIDORUS der wunderbare Donnerstein Brontea oder Brontia, der das vom Blitz gezündete Feuer zu löschen vermag[6029], dessen Zauberkräfte das gesamte Mittelalter rühmt, ja dem noch 1648 ALDROVANDI in seinem trefflichen, von wissenschaftlichem Geiste erfüllten „Museum metallicum“ eine ausführliche, mit vielen Abbildungen ausgestattete Abhandlung widmet[6030]. ZEUS BRONTOS, BRONTAIOS oder BRONTESIOS endlich ist „ZEUS der Donnerer“, der JUPITER TONANS, tonitrator oder tonitrualis der Römer[6031]. An den Namen des Donnersteines Brontia und des ZEUS BRONTESIOS läßt sich völlig ungezwungen jener der Bronze anknüpfen, also des χαλκὸς βροντήσιος des donnernden, einen mächtigen Donnerschall verbreitenden Erzes; dieser Voraussetzung gereicht es zur Bestätigung, daß nach den spätantiken Autoren die Donnermaschine der Theater βροντεῖον (Bronteíon) hieß und aus einem λέβης χαλκοῦς, einem bronzenen Kessel, bestand, der mit großen Kieseln gefüllt war[6032]. Auch bezeichnet das Italienische mit „Bronzino“ noch jetzt gewisse Steine, z. B. venetianische Marmorarten, deren Platten, vermöge ihrer eigenartigen Struktur, beim Anschlagen einen starken, lange nachhallenden Klang von sich geben[6033]; in ähnlicher Weise mag das der pyritähnliche Stein βροντήσινος getan haben, dessen Namen BERTHELOT mit „fulgurante“ übersetzt[6034], — soferne für seine Benennung nicht schon seine bronzeartige Farbe maßgebend war.
Noch bleibt aber die Frage zu beantworten, an welche Form des Erzes der Beiname des „donnernden“ mit besonderer Berechtigung zu knüpfen war, und ob sich in der Zeit, zu der der Name Bronze gebräuchlicher wurde, d. i. jedenfalls schon vor dem 8. Jahrhundert, ein bestimmter Anlaß zu einer derartigen Anknüpfung geboten hatte? In dieser Hinsicht sei die Vermutung ausgesprochen, daß als solcher die Ausbildung oder Vervollkommnung des Glocken-Gusses zu betrachten ist.
Bronzene Glocken sollen in China schon um 1000 v. Chr. im Gebrauch gestanden, ursprünglich, wie BECKMANN bereits 1799 anmerkte, aus den hölzernen sog. Lärmbrettern und Lärmtrommeln hervorgegangen und deshalb auch, gleich diesen, durch äußeres Anschlagen zum Tönen gebracht worden sein[6035]. Eine kleine bronzene Glocke mit Klöppel (9 cm hoch), etwa von 860 v. Chr., kam bei den Ausgrabungen nächst Ninive zum Vorschein[6036], und daß man ähnliche kleinere Glocken, sowie Glöckchen, Schellen, Cymbeln u. dgl. mehr auch in Persien, Vorderasien, Ägypten, Griechenland und Rom sehr wohl kannte, ist vielfach bezeugt, und kann der Natur der Sache nach nicht wundernehmen[6037]; völlig fehlt es dagegen an Berichten über große Glocken im Sinne der unsrigen, sowie an Überresten von solchen. Ebenso alt wie die Glocken, ja vermutlich noch älter, waren in China die gleichfalls durch Umwandlung der hölzernen Lärmbretter entstandenen Gongs, runde, meist zum Aufhängen, oft aber (durch Anbringen eines schrägen Randes) auch zum Aufstellen eingerichtete Bronzeplatten, denen man mittels eines Schlägels laute, weithin hörbare Töne entlockte[6038]; auch derlei Vorrichtungen genossen im westlichen Asien weite Verbreitung und können daselbst ebenso selbständig erfunden worden sein wie in China. Nach der „Glockenkunde“ BOSSIS[6039], des gelehrten Mitgliedes der päpstlichen „Liturgischen Akademie“, steht es nun fest, daß sich die ersten christlichen Gemeinden im Orient, ihnen nachfolgend aber auch die des Okzidentes, zur Berufung ihrer Versammlungen, sowie zu anderen liturgischen Zwecken anfänglich großer hölzerner Tafeln bedienten, die entweder gegeneinander gestoßen oder mit schweren hölzernen Hämmern bearbeitet wurden[6040]. Im Orient blieb diese Sitte sehr allgemein lebendig und wurde in späteren Jahrhunderten, als nach Ausbreitung des Islams den Christen das Glockenläuten verboten war, sogar wieder alleinherrschend; aber auch das katholische Ritual bewahrte „als Erinnerung an die alte, noch glockenlose Zeit“ den Gebrauch, daß während der Passionszeit, wenn die Glocken zu schweigen haben, „statt ihrer das Crotalum, d. i. eine starke Holzplatte, mittels schwerer Holzkugeln geschlagen wird“[6041]. Vielfach trat jedoch, sowohl im Osten wie im Westen, an Stelle der hölzernen Tafel eine bronzene oder eiserne, die man in der Nachbarschaft der Versammlungsstätten an hohen Bäumen, an passenden Gerüsten, oder an eigenen freistehenden Türmchen befestigte und mit metallenen Hämmern anschlug[6042]; derlei Vorrichtungen zum Geben gewisser, bürgerlichen und häuslichen Bedürfnissen dienlicher Signale, daher „Signa“ genannt, besaß übrigens schon das spätere Altertum[6043]. Im Okzident erhielten sie sich bis gegen Ende des Mittelalters zu allerlei Zwecken, und zwar namentlich zum „Schlagen“ der Stunden durch besondere Wächter und durch die mit Zeitmessern und Uhren verbundenen „Schlagwerke“[6044]; aber auch der Orient bediente sich ihrer, so z. B. spricht schon der arabische Dichter IBN ALMUʿTAZZ (861–909) vom Schlage „der den Morgen verkündet“ und „durch den die Christen ihren Ruf ergehen lassen“[6045], die Erzählungen „1001 Nacht“ berichten vom Schlagen der Metallplatte auf dem Dache einer christlichen Kirche[6046], und die Schriften der „Treuen Brüder“ erörtern die Fortpflanzung solchen Schalles durch die Luft. Wo und wann zuerst der Gedanke verwirklicht wurde, mehrere metallene Bleche zu einem schallgebenden Gefäß (vas) zusammen zu nieten, ist bisher nicht ermittelt, doch scheint dies bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung geschehen zu sein[6047], da ein angeblich 613 angefertigtes, jedenfalls aber außerordentlich altes Exemplar, bestehend aus drei mit Bronzenägeln vernieteten Eisenplatten, in Köln erhalten geblieben ist[6048]. Den weiteren Fortschritt, derartige „vasa“ in einem Stück zu gießen, knüpft die Überlieferung an den Bischof PAULINUS von NOLA in Campanien, um 400, und findet es hiernach erklärlich, daß bald darauf eigentliche große Glocken unter dem Namen „signum“ oder „campana“ und kleine unter der Bezeichnung „nola“ bekannt zu werden beginnen[6049]. Erwähnungen der Campana aus dem Anfange des 6. Jahrhundert[6050] sind nicht ausreichend sicher bezeugt[6051], 580 aber kennt der Geschichtsschreiber GREGOR von TOURS die Glocke schon am Seile hängend[6052], 613 läutet man bei der Belagerung von Sens durch den merowingischen König CHLOTAR I. die Glocke der Kirche, „um das Volk zusammen zu rufen“[6053], und um etwa die nämliche Zeit wird des Signums oder der Campana auch in Paris gedacht[6054]. BEDA VENERABILIS (gest. 735) nennt den Schall der Glocken, „der die Gemeinde versammelt“, einen wohlbekannten (notum campanae sonum)[6055]. ALKUIN (gest. 804) sagt in „De divinis officiis“, „es sei nicht neu, die Glocken zu weihen, zu ölen und zu benennen“[6056]; KARL DER GROSSE verbietet diese Taufe der Campanae, „deutsch Clocae genannt“[6057], und 874 stellt die Kirche das Läuten gegossener Glocken als rituale Vorschrift auf[6058], obwohl noch Papst LEO IV. (gest. 855) „eine Glocke mit einem bronzenen Hammer“ gestiftet hatte (campana cum malleo aereo)[6059]. Bemerkenswert ist es, daß 864 der Doge ORSO PATRITIACO dem Kaiser MICHAEL zwölf große Glocken für die Sophien-Kirche als Geschenk zusandte, denn da die Byzantiner mit dem Erzgusse sehr vertraut waren und den Venetianern viele seiner Feinheiten erst beibrachten[6060], so muß man annehmen, daß sie selbst sich damals der Glocken nicht bedienten; dies scheinen sie auch später nicht getan zu haben, denn noch gegen 1200 meldet ANTONIUS von NOWGOROD in seinem „Pilgerbuche“: „... in der Sophien-Kirche haben sie [die Griechen] keine Glocken, sondern kleine Handklopfer aus Eisen (?), ... die man gemäß der Vorschrift eines Engels gebraucht; ... die Lateiner hingegen läuten mit Glocken“[6061].