Die Tatsache, daß der gesamte Umkreis der Antike noch niemals einen aus Zink bestehenden Gegenstand an das Tageslicht gelangen ließ, sowie daß jede Gewinnung des Zinks die Anwendung gewisser, dem Altertum selbst in ihrer unvollkommensten Gestalt fremd gebliebener Destillations-Methoden voraussetzt, führt zur Folgerung, daß Griechen und Römer keinerlei Kenntnis vom metallischen Zink besaßen. Zwar erwähnt STRABON gelegentlich[6354] ein zu Andeira in der Troas auftretendes Gestein, das beim Brennen Eisen ergebe, beim Schmelzen mit einer gewissen Erde „Pseudárgyros“ (nach FORBIGER[6355] „Scheinsilber“) abtropfen lasse, — das nämliche, das sich auch im Gebirge Tmolos vorfinde —, mit Kupfer aber die Oreichalkos genannte Legierung (κρᾶμα) liefere; dieses Pseudárgyros nun erklärten ältere und auch neuere Ausleger für Tropfzink, entstanden aus einem der nicht gerade seltenen eisenhaltigen Zinkerze[6356]. Wie indessen schon HOFMANN und BLÜMNER hervorhoben[6357], ist die fragliche Stelle völlig unklar, was nicht wundernehmen kann, da STRABON kein Fachmann war und über vieles Technische (ebenso wie etwa PLINIUS) nur auf Hörensagen hin und nach Maßgabe seines Verständnisses berichtete; die Annahme, es sei bei ihm vom Zink die Rede, ist daher durchaus abzuweisen[6358]. Dahingestellt bleibt dabei, was man unter dem Pseudárgyros zu verstehen habe, ob nach GSELL[6359] metallisches Arsen, nach ZIPPE[6360] Arsenkupfer, nach SCHÄFER[6361] eine sonstige Arsen-Legierung, nach einem anderen Autor metallisches Nickel usf.; daß es aber kein Zink gewesen sei, darf dem ganzen Sachverhalte gemäß und nach den Auseinandersetzungen zwischen DIERGART[6362] und NEUMANN[6363] für unzweifelhaft gelten.
Wenn nun auch nicht das Zink selbst, so waren aber den Alten doch gewisse zinkhaltige Mineralien bekannt, und sie verwendeten diese, oder einige aus ihnen gewonnene Produkte, zu technischen und medizinischen Zwecken, ohne freilich (wie in so zahlreichen anderen Fällen) die Ursache der eintretenden Wirkungen im geringsten zu ahnen; als Beispiel sei nur auf des PSEUDO-ARISTOTELES „Wundergeschichten“ verwiesen, die von der Darstellung des Messings aus Kupfer mittels einer im Lande der Mossynöken vorkommenden „Erdart“ erzählen, sowie von der bei Augenkrankheiten so heilsamen „phrygischen Asche“[6364], vermutlich der nämlichen Substanz, deren zu gleichem Zwecke schon der medizinische „Papyrus EBERS“ gedenkt[6365] (niedergeschrieben um 1500 v. Chr. auf Grund noch weit älterer Vorlagen). Unter jenen Mineralien dürfte in erster Linie das heute „Galmei“ genannte in Frage kommen, ein Zinkcarbonat, aus dem man u. a. durch Erhitzen und Rösten mit gewissen (reduzierenden) Zusätzen den Pómpholyx (weißes, staubfeines Zinkoxyd) und den Spodós (dunklen, zinkhaltigen Rückstand, sog. Ofenbruch) abzuscheiden verstand[6366]; was indessen PLINIUS[6367], DIOSKURIDES[6368], GALENOS[6369] und einige andere Schriftsteller über diese Vorgänge mitteilen, ist zum großen Teile verworren und läßt namentlich auch Vorkommen und Beschaffenheit der benützten Rohstoffe mehr als billig im Dunklen. Wie es scheint, führen bereits die dem HIPPOKRATES zugeschriebenen Werke, in denen der „Ofenbruch“ (zuweilen als cyprischer bezeichnet) schon eine vielseitige Rolle spielt[6370], Galmei mit unter der Bezeichnung „Chalkitis“ an; doch ist dies ein bloßer Sammelname, der auch Alaun, eisen- oder kupferhaltigen Alaunstein, Eisenoxyde, Schwefeleisen, Eisenvitriol, Kupfervitriol, eisenhaltigen Kupfervitriol u. dgl. mehr umfassen kann[6371], und dessen große Vieldeutigkeit daher nur selten bestimmte Schlüsse zuläßt. In jüngerer Zeit taucht der Name καδμία, καδμεία (Kadmeía) auf[6372], der als abgeleitet gilt „von jenem des Phöniziers KADMOS“, der das Gestein und seine Verwendung entdeckt und diese zuerst aus dem Orient nach Griechenland gebracht haben soll[6373]. Die Deutung des Namens KADMOS als eines phönizischen oder überhaupt semitischen im Sinne des „Östlichen“, des „Orientalischen“, der gemäß sich auch jener des Metall-grabenden und -bearbeitenden Kabiren KADMOS auf Samothrake erkläre[6374], wird jedoch neuerdings völlig abgelehnt: KADMOS ist ursprünglich Heros eponymos der Burg Kadmeia zu Theben und dort allein nachweisbar[6375], auch kennen die ältesten Berichte keine phönizischen Ansiedlungen im ägäischen Meere; erst seit dem 7. Jahrhundert läßt die Sage wie den DANAOS aus Ägypten so den KADMOS aus dem Orient kommen, bringt ihn mit dem Karischen Bergnamen Kadmos (= Ostberg?) in Verbindung[6376], sieht in ihm später (bei HEKATAIOS; zum Teil sogar erst in hellenistischer Periode) einen phönizischen König oder Heros[6377] und identifiziert ihn schließlich mit einer etwa dem HERMES analogen semitischen Gottheit KADMILLOS oder KAMILLOS[6378]. Sollte nun in KADMILOS oder KADMOS ein semitisches Wort für Gold verborgen sein[6379], und das Gestein Kadmia seinen Namen von KADMOS führen, so könnte es nur das „zu Gold machende“, d. h. dem Kupfer Goldfarbe verleihende, bedeuten; diese weithergeholte Annahme ist aber allein Obigen zufolge durchaus unwahrscheinlich, es liegt vielmehr erheblich näher, an den tatsächlich Zinkerz führenden Bergvorsprung Kadmos des Tmolos zu denken[6380], wonach also das Mineral einfach, wie in so manchen anderen Fällen, nach einer frühzeitig gutbekannten Fundstätte benannt worden wäre.
Aus dem griechischen Kadmeia entstand später bei den Arabern, wie KARABACEK 1891 zeigte[6381], vermöge fortschreitender Entstellung der anfangs richtigen Transkription zunächst Kalmeia, sodann Kalimija und Kalimina; hieraus wieder ging bei der Rückübersetzung ins Lateinische das mittelalterliche „lapis calaminaris“ hervor, schließlich aber auf verschiedenen Umwegen das moderne Galmei mit seinen Nebenformen, unter denen eine nächst Aachen noch jetzt gebräuchliche, Kalmis oder Kelmis, dort bereits gegen 1500 nachweisbar ist[6382]. Ein ebenfalls durch die Araber verbreiteter Ausdruck ist Tutia, entstammend (wie schon in früheren Abschnitten erwähnt) dem persischen Dûd, d. i. Rauch, nämlich der in Gestalt einer dichten weißen Wolke feinsten Zinkoxydes aufsteigende Rauch der Galmeiöfen; noch MARCO POLO, dessen Reisen in die Jahre 1275 bis 1291 fallen, schildert Anlage und Betrieb solcher zu Cobinam zwischen Yezd und Kerman in Persien errichteter Öfen[6383] und gedenkt ihrer beiden, unter den Bezeichnungen Pómpholyx und Spodós bereits den Griechen bekannten Produkte; die Namen dieser wichtigen Arzneimittel gingen schon frühzeitig aus der medizinischen Litteratur der Araber in die gesamte europäische über, die sie entweder in den latinisierten Gestalten Tutia und Spodium kennt, oder in entsprechenden einheimischen, als welche z. B. ALDEBRANDINO DI SIENAS altfranzösisches „Regime du corps“ von 1225 „Tuschie“ und „Podien“ gebraucht[6384]. Irrtümlich ist die Angabe, die Perser hätten in sehr alter Zeit auch schon die Darstellung metallischen Zinks verstanden; soweit hierbei die Pharmakologie des ABU MANSUR (um 975) in Betracht kommt, handelt es sich, wie LIPPMANN vermutete und DIERGART des näheren bewies, um einen Übersetzungsfehler[6385]; bei MARCO POLO aber ist von der Gewinnung eines Metalles aus Galmei überhaupt mit keinem Worte die Rede.
Auch die Schriften der fast durchaus aus persischen Quellen schöpfenden alten arabischen Augenärzte ALI IBN ISA (gegen 1000), AL-MAUSILI (um 1000), sowie die ihrer späteren Nachfolger und Ausschreiber ALHALABI (um 1256) und SALAH ADDIN (um 1296)[6386], erwähnen nur „gewöhnliche“ und „leichte“ Tutia [= nihilum album] aus den persischen Orten Kirman[6387] und Haschar[6388], ferner „gewöhnliche“, „beste“ und „grüne“ Tutia ohne Herkunftsbezeichnung[6389], sodann Zinkblume („gewöhnliche“, „grüne“, „indische“)[6390], Zinkasche (auch „grüne“)[6391], sowie Galmei aus Kirman und Ispahan[6392], mit keinem Worte jedoch gedenken sie des metallischen Zinks.
Nicht nach Persien, sondern nach Indien will G. OPPERT die Erfindung der Zinkdarstellung verlegen, sie jedoch nicht erst den eigentlichen Indern zuschreiben, sondern bereits den Ureinwohnern des Landes[6393] in deren Sprache (nicht im Sanskrit) bedeute Kalam, oder eigentlich Kal-Ijam, den „Stein des Bleies oder Zinnes“, ganz so wie Kar- und Vel-Ijam das „schwarze und weiße Blei“; desgleichen heiße im Tamulischen Ven-Kalam das „Weißmetall“ (= Messing) und im Malayischen Kalang das „Zinn“, usf. Kalang hätten die Araber in der Form Kalai nach Indien zurückgebracht, und von Kalai und Kalam leiteten sich einerseits die Ausdrücke Kalaïm und Calaëm ab, unter denen die Portugiesen das ostindische Zink im 16. Jahrhundert in Europa bekannt machten, andererseits aber auch die alten Worte Kalimija, Klimia, Calaminaris und sogar Cadmia, bei welchem letzteren die häufige Lautverschiebung l—d zugrunde liege, wie z. B. bei lacrima — δάκρυ (Träne). Kaum bedarf es nach allem Vorausgehenden des Beweises, daß diese Darlegungen OPPERTS sprachlich zum Teil anfechtbar, sachlich durchaus unhaltbar und nur aus seiner eigentümlichen, oft zur Hintansetzung jeglicher Kritik führenden Sucht erklärlich sind, das älteste Indien als Ursprungsstätte aller nur möglichen wichtigen Erfindungen hinzustellen. Unterlagen für die Behauptung, die alten Inder hätten das Zink durch eine Art absteigender Destillation mittels gewisser unvollkommener, nach RÂY noch gegenwärtig benützter Apparate im kleinen dargestellt[6394], fehlen gänzlich, auch in medizinischer Richtung[6395], und wenn es zutrifft, daß die Messingbereitung erst im 6. Jahrhundert aus Persien nach Indien gedrungen sei, so ist es auch unwahrscheinlich, daß die Inder sich vorher überhaupt schon viel mit dem Galmei beschäftigten. HIUEN-THSANG (629 n. Chr.) sagt zwar[6396], das nordwestliche Indien sei reich an Galmei, da aber die Übersetzung des betreffenden chinesischen Wortes unsicher und strittig ist[6397], Galmei überdies noch zur Zeit MARCO POLOS in das westliche Vorderindien eingeführt wurde[6398], so kann jene Angabe vorerst nicht als beweisend gelten. Wenig zuverlässig ist auch alles das, was die in einem früheren Abschnitte besprochenen indischen Werke chemischen oder mineralogischen Inhaltes über die Entdecker und die Entdeckung des metallischen Zinkes vorbringen; denn über die Abfassungszeit fast aller dieser Schriften besteht große Ungewißheit, und über das Alter der zahlreichen Einschiebungen, die sie nach indischer Gewohnheit bis in die neueste Zeit fortgesetzt erfuhren, liegen wissenschaftliche Untersuchungen noch kaum vor. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß keines der Bücher, in denen metallisches Zink erwähnt sein soll, älter ist als die Zeit der Tantras (beginnend etwa 1100 n. Chr.); das Wort yaçada oder yasada für Zink findet sich nach dem indischen Gelehrten RÂY sogar erst in einem Wörterbuche von 1374. Über die damalige Darstellungsweise aus Galmei (rasaka) wird berichtet, daß man das Mineral zerkleinerte, mit Hilfe organischer Zusätze [die als Reduktionsmittel dienten] zu Kugeln formte, diese in bedeckten Tiegeln erhitzte und das gebildete Zink vermöge einer Art absteigender Destillation abfließen ließ und sammelte[6399]; sie war also eine äußerst unvollkommene und gewährte bestenfalls eine ganz geringe Ausbeute. Es bleibt überdies zweifelhaft, ob sie wirklich in Indien ausgearbeitet und später von dort, wie es heißt, nach China verpflanzt wurde[6400]; verschiedene Tatsachen sprechen vielmehr für den umgekehrten Vorgang[6401], unter ihnen als wichtigste die, daß fraglos Zink im großen zuerst in China gewonnen wurde[6402].
Die ausführliche chinesische Enzyklopädie des LI-SCHI-TSCHIN von 1552, „Pen-tsao“ genannt, soll allerdings noch nichts über Zink enthalten, vielleicht weil seine Bereitung geheimgehalten wurde, und auch was die späteren Enzyklopädien von 1637 und 1713 mitteilen, ist (vermutlich aus dem nämlichen Grunde) äußerst unvollständig und unklar; da sich aber, wie aus den Berichten der europäischen Entdecker hervorgeht, im 16. Jahrhundert bereits größere Mengen Zink im Handel befanden, so kann seine Darstellung damals schon längst nichts Neues mehr gewesen sein. Soweit die dürftigen Angaben älterer und die flüchtigen Erzählungen späterer Schriftsteller zu ersehen gestatten, erhitzte man ein Gemenge von Galmei und Kohle in gut verschlossenen tönernen Gefäßen oder Tiegeln auf nicht zu hohe Temperatur, ließ die Zinkdämpfe durch ein Abzugsrohr aufsteigen und verdichtete sie in kaltem Wasser[6403]. Das so im großen, aber freilich doch nur in geringer Ausbeute erhaltene Metall galt als solches eigener Art und kann daher weder mit dem weiter oben besprochenen Char Sînî identifiziert werden[6404], noch mit der Kupfer-Zink-Nickel-Legierung Packfong[6405], noch mit der Kupfer-Zink-Eisen-Legierung Tutanego (Tutenage), dem sog. „chinesischen Kupfer“ der Malayen[6406]. Bei letzteren, also in Hinterindien und im Archipelagus, scheinen die Portugiesen und später die Holländer zuerst die Bekanntschaft des Zinkes gemacht, es aber mit dem dort gleichfalls vorgefundenen Zinn verwechselt, oder für eine bloße Abart des Zinns, für „indisches Zinn“, gehalten zu haben, — woraus sich auch die dem malayischen Namen des Zinns, kalai, nachgebildete portugiesische Benennung Calaïm oder Calaëm erklärt. Noch VAN LINSCHOTEN, der 1579, gelegentlich seiner Fahrt an der Küste von Malakka, zu Para dem Zink begegnete, spricht darüber in seiner Reisebeschreibung[6407] mit Worten, die erkennen lassen, daß es ihm sichtlich ganz neu war; zur Zeit des Reisenden De LAVAL (1601) prägten die Könige der indischen Inseln Münzen aus dem „allerorten hochgeschätzten Metall Kalin, das so weiß wie Zinn, aber viel härter und schöner ist“, und die Portugiesen hatten ihnen diesen Brauch damals schon nachgeahmt[6408]; 1620 kaperten die Holländer ein portugiesisches Schiff und verkauften das auf ihm vorgefundene indische Zinn als „Speautre“[6409]. Dieser Name, der auch als Spiauter, Spelter, Piautre, Pewter auftritt[6410], leitet sich nach KARABACEK von einem persischen Beinamen des Zinnes ab, der isbîdâr lautet und selbst wieder auf das persische sefîd rûy (= das Weißglänzende) zurückgeht[6411]. In Persien scheint metallisches Zink unter der Bezeichnung jest oder dschest, die selbst wieder mit dem indischen jasada zusammenhängen dürfte[6412], erst in später Zeit aufzutreten; es fand Anwendung zur Herstellung der zahlreichen, bis dahin aus Kupfer und Galmei gewonnenen Legierungen, unter denen hervorzuheben sind: Rotguß mit 80–97% Kupfer nebst 20–30% Zink; Gelbguß mit 50–70% Kupfer nebst 50–30% Zink; Weißmessing mit 20–55% Kupfer und 80–45% Zink; schmiedbares Messing mit 60% Kupfer und 40% Zink; Beidri (aus der Stadt dieses Namens?) mit 94% Zink nebst etwa 3% Kupfer, 3% Blei und etwas Zinn; Koftgari; Haftdschausch aus je ⅐ Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei und Zink, — eine Legierung, deren Perlen in Persien noch jetzt als Amulett um den Hals getragen werden[6413].
In Europa scheint man an den alten Erzeugungsstätten des Messings schon frühzeitig eine richtige, jedoch nirgends weiter verfolgte Ansicht über die Natur des Galmeis gewonnen zu haben; spricht doch bereits ALBERT DER GROSSE an einer allerdings nicht ganz einwandfreien[6414] Stelle seiner mineralogischen Schrift vom Goslarer „Gold-Markasit“ (marchasita aurea) im Sinne eines „zu Gold machenden“ (das Kupfer zu Gold färbenden) und sagt, daß sein Metall im Feuer verfliege und nur unnützen Rückstand hinterlasse[6415]. Die Frage, wann und wo es dennoch glückte, des Metalles habhaft zu werden, und ob das, wie PARACELSUS (1493–1541) in seiner 1538 erschienenen „Chronik des Landts Kärnthen“ behauptet, tatsächlich in diesem Herzogtum zuerst gelang, läßt sich nicht mit Sicherheit beantworten, zumal die Angaben des PARACELSUS, wie in so vielen Fällen, genügender Bestimmtheit ermangeln. In der „Chronica“ ist er der (irrtümlichen) Ansicht, daß allein in Kärnten „das Ertz Zincken, ... ein gar frembdes Metall“ vorkomme[6416]; hiernach, sowie auf einige gleich unklare Äußerungen hin[6417], hat man angenommen, PARACELSUS habe mit „Zincken“ nur das Galmeierz benannt, — der zackigen Formen wegen, nach denen auch viele Bergspitzen in den Ostalpen Zinken heißen —, das Metall Zink sei ihm hingegen unbekannt geblieben[6418]. In Wirklichkeit aber redet er zwar öfters von den „künstlichen Bollen oder Zincken der falschen Korallen“[6419], von den „Zincken des Hirschhorns“[6420], von den „Spitzen und Ecken, Schroffen und Zincken der Mineralien“[6421], unterscheidet jedoch sehr wohl einerseits den „Galmey, der Messing macht“[6422], und andererseits den „Zincken, ... der ein Metall ist unbekannt in der Gemein, ... flüssig [= gießbar] aber nicht hämmerbar“[6423], den „Zincken, ... der ein Metall ist, nicht bei den Alten“[6424], den „Zinck, der ein Metall ist und auch keins, ... ein Bastart vom Kupfer“[6425]. Ausdrücklich erklärt er ferner „im Zincken wird gefunden primum ens stanni“[6426] (= das Wesen des Zinnes, mit dem er das Zink gleichstellt), und wenn dieser Ausspruch dadurch Verdunkelung erleidet, daß gelegentlich auch Kupfer, Blei oder Eisen aus „Zincken“ hervorgehen, so setzt ihn doch die Bezeichnung des Quecksilbers als des „primum ens“ des Zinnobers wieder ins rechte Licht: PARACELSUS gebraucht eben Zincken oder Zinck in der Regel von Erzen und so auch vom Galmeierz, überträgt den Namen aber auch auf das aus dem „einzigen“ kärnthner Erze gewinnbare Metall, und ihm, als dem Schöpfer einer ebenso ausgedehnten wie willkürlichen Nomenklatur auf zahlreichen Gebieten, ist ein solches Vorgehen ohne weiteres zuzutrauen. Umgekehrt nimmt er „Metall“ keineswegs nur im strengen heutigen Sinne, es ist ihm vielmehr (wie noch so manchen späteren) häufig gleichbedeutend mit Gefördertem oder Mineral überhaupt.
AGRICOLA wendet in seinem Hauptwerke „De re metallica“, das schon um 1530 vollendet gewesen sein soll, aber erst 1550 erschien, das Wort Zink nicht an, scheint aber das Metall als „Conterfey“ zu kennen[6427], d. h. als eine „Nachbildung“ sei es des Zinns und Silbers, sei es (gemeinsam mit Kupfer, demnach als Messing) des Goldes; in den erst nach seinem Tode erschienenen Schriften „De natura fossilium“[6428] und „Bermannus“[6429] erwähnt er zwar „das, was die Kärnthner und Tiroler Zink nennen“ (quod Norici et Rheti Zincum vocant) und „das, was sie in Rauris Zink heißen“ (quod Zincum nominant), versteht aber hierunter, der ganzen Beschreibung nach, kein Metall, sondern offenbar eine Art Kies[6430]. LUTHERS Freund MATHESIUS sagt 1555 in der 3. „Bergpredigt“[6431], zu Freiberg habe man „roten und weißen Zink“, womit er ebenfalls nur gewisse Erze meinen kann, und auch in des ALBINUS „Meißnischer Bergchronika von 1590 ist „Zincken“ nur „eine Bergarth, die in Freyberg schön roth und weiß bricht“[6432]. FABRICIUS wieder erklärt 1565 in „De metallicis rebus“[6433] das „Cincum“ für ein gut gießbares, aber nicht hämmerbares Metall und mutmaßt dessen Identität mit Antimon, während sich DORN 1583 im „Dictionarium Paracelsi“[6434] ungefähr ebenso wie sein Meister äußert, nur noch etwas unbestimmter. Nach des LIBAVIUS „Alchymia“ und den „Commentationes metallicae“ von 1597 ist „Zinckum“ eine Art weißer oder roter Markasit von der Natur des Kupfers[6435], und die nämliche Definition geben auch noch 1615 seine „Arcana Alchymiae“[6436]. Inzwischen hatte LIBAVIUS zwar sowohl das Goslarer Zink kennen gelernt, — er klagt in einem Briefe, daß er sich nicht noch mehr davon verschaffen könne —, als auch das ostindische (ihm 1597 aus Holland zugekommene) Calaëm, das er „indisches und malabarisches Blei“ oder „malabarisches Zinn“ nennt[6437], aber er blieb im unklaren, ob das Messing Galmei oder Zink enthalte, und ob Zink und Calaëm das nämliche seien oder nicht[6438]; schließlich entscheidet er sich dafür, daß Calaëm nicht aus „Conterfey“ bestehe, sondern aus Quecksilber, Arsen und Silber, in welches letztere es daher auch überzugehen vermöge[6439].
In deutlicher Weise erklärt 1617 LÖHNEYSS das Zink oder Conterfeyt, das zum Nachmachen des Goldes dient, für ein Metall (das er aber irrtümlich dem Wismut gleichsetzt) und schildert, wie es sich an und vor den Wandungen der Goslarer Schmelzöfen ansammle und dort von den Knechten, falls ihnen jemand ein Trinkgeld verspreche, abgeklopft werde[6440]. Der französische Arzt JEAN REY (1583–1646), der zuerst die Gewichtszunahme der Metalle beim „Verkalken“ durch Aufnahme eines Bestandteiles aus der Luft erklärte, spricht 1630 auch vom Verbrennen des indischen Calaëm zu Zinkblumen[6441]; GLAUBER (1657)[6442] und BECHER (1661)[6443] halten Zink oder Spiauter für ein Metall, „aber für ein unzeitiges, wie Quecksilber, Antimon, Zinnober und Vitriol“; auch BOYLE (1626–1691) gedenkt in seinen Schriften neben dem neuen ostindischen Metall „Tutanag“[6444] wiederholt des Metalls „zink“[6445], „pewter“[6446], „zink or spelter“[6447], unter welchem letzteren Namen es bei den Händlern bekannt sei[6448]. In deutschen Städten, z. B. in Nürnberg, wurde nach JUNGIUS (1667) zu dieser Zeit einheimisches Zink auch bereits in größeren Mengen verkauft und zu verschiedenen Zwecken verwendet[6449]; ob zu diesen auch die medizinischen zählten, ist fraglich, denn was einige Apotheker-Taxen von 1687 und 1700 unter dem Namen „Marchasita pallida“ aufführen[6450], kann nicht das Metall „Zinck“ sein. Über die Darstellung des letzteren findet sich noch nichts in dem ausführlichen Kapitel des „Museum museorum“ VALENTINIS von 1714[6451], 1721 war sie jedoch dem deutschen Bergmeister HENCKEL[6452] und spätestens 1730 auch englischen Hüttenleuten bekannt, es gelang aber, sie einige Jahrzehnte lang weiterhin versteckt zu halten. Noch in seiner „Kieshistorie“ von 1754 teilt HENCKEL zwar die Gewinnung aus Galmei und Kohle mit[6453], spricht öfters von „zinkischem Wesen“[6454] und beschreibt das Metall[6455], gibt jedoch vor, „vom Halbmetall Zink oder Spiauter ... könne die Entstehung noch nicht so gar eigentlich gelehret werden“[6456] und ähnlich behauptet er auch 1755 in seiner „Terra saturnizans“[6457]: „Der Zink, ... ein Körper von der allerseltensten Mischung und Eigenschaft, wird auf den Harzer Schmelzhütten in denen Spuren der Öfen gefunden, ... und man kann eigentlich nicht sagen, woraus er kommt und besteht.“ So blieb es denn dem großen Chemiker MARGGRAF (1709–1782) vorbehalten, auf dem Wege selbständiger Forschung das eigentliche Geheimnis der Darstellung ausfindig zu machen, nämlich die Fernhaltung der Luft, die das reduzierte Zink sogleich zu Zinkoxyd verbrennt, und da er weder zu den Dunkelmännern zählte, noch anderen als rein wissenschaftlichen Zielen nachstrebte, gab er seine Beobachtungen auch umgehend (zuerst 1743) öffentlich bekannt[6458]; praktische Verwendungen bahnte er jedoch auch in diesem Falle nicht an.
Was den Namen „Zink“ anbelangt, so hat man ihn mit dem neupersischen seng in Verbindung zu bringen gesucht[6459]; obwohl sich als Bestätigung anführen ließe, daß nach HAMMER auch jener des Musikinstrumentes Zinke (einer helltönenden Trompete) vom persischen „Tscheng“ herstammen soll[6460], so dürfen doch beide Ableitungen als unzutreffend gelten, die erstere besonders deshalb, weil seng im Persischen nicht etwa gerade Zink bedeutet, sondern Stein, Erz oder Mineral überhaupt, ferner auch, weil das Zink nachweislich nicht aus oder über Persien nach Europa gelangte. Wenig wahrscheinlich ist auch ein Zusammenhang von Zink mit dem althochdeutschen zinco oder zincho, mittelhochdeutsch zinke, d. i. nach KLUGE „der weiße Fleck im Auge“ (von tinka = weiß?)[6461]. Am naheliegendsten und natürlichsten ist es, an das von KLUGE gleichfalls angeführte althochdeutsche zinko zu denken, altnordisch tindr, angelsächsisch tind, mittelhochdeutsch zint oder zinke, d. i. Zacke oder Zinke, also an das Wort, von dem PARACELSUS tatsächlich ausgeht, das sich in gleichem Sinne auch bei späteren Schriftstellern vorfindet, z. B. bei HAINHOFER, der von den „Zincken der Aloe und der Korallen“ redet[6462], und dessen sich in nämlicher Weise auch die heutige Sprache noch zu bedienen pflegt. Daß sich in dem Briefwechsel REYS und des ihm befreundeten Apothekers BRUN mit dem hochgelehrten MERSENNE, dem 1632 das „Calaëm“ noch etwas ganz Unbekanntes war[6463], der „indische Regulus“ nicht nur „Speautre, deutsch Spiauter“ benannt findet, sondern auch „Zinc“[6464], und daß dieses deutsche Wort ebenso dem BOYLE ganz geläufig ist, erklärt sich jedenfalls aus der Bekanntschaft dieser Forscher mit den einschlägigen (lateinisch abgefaßten) Schriften deutschen Ursprungs, auf die sie sich nicht selten ausdrücklich beziehen, so BOYLE auf GLAUBER, und REY auf LIBAVIUS[6465].