WeRead Powered by ReaderPub
Kreuz und Quer, Erster Band / Neue gesammelte Erzählungen cover

Kreuz und Quer, Erster Band / Neue gesammelte Erzählungen

Chapter 22: Hinweise zur Transkription
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A collection of short narratives presenting vignettes of varied places and incidents. Pieces open with a young painter who draws a grotesque wall caricature and tells of an alpine encounter with a frightened young woman; other stories include a seafaring episode on a remote island, a comic adventure, a scene in a mission hospital, and a police patrol in Cincinnati. The tales combine lively, detail-rich descriptions and satirical character sketches, alternating brisk action with quieter reflection to examine human folly, bravery, and social manners across disparate settings.

Wieder in die Straße hinüberkreuzend, betraten wir ein anderes Schenklokal, in welchem drei Neger Karten mitsammen spielten.

»Wo habt ihr denn den Einsatz?« frug sie der Polizeimann, und sie wußten recht gut, daß sie nicht um Geld spielen durften.

»O, Mister,« sagte der eine Neger grinsend, »wissen wohl, wir sind viel zu arm, als daß wir um Geld spielen könnten – spielen nur darum, wer von uns nächstes Jahr Präsident wird.«

Der Polizeilieutenant lachte und ging der Hinterthür zu.

»For Gods sake Massa!« sagte der eine Neger aufspringend, und mit ziemlich lauter Stimme: »Nehmen Sie sich in Acht, ist ein großes Loch im Hof.«

»Schon gut, mein Bursch,« rief aber der Polizeimann ärgerlich, »kümmere Du Dich um Dich; ich kenne den Platz vielleicht so gut wie Du« – und ohne sich weiter irre machen zu lassen, stieg er im Hof rasch einige in den Grund gestochene Stufen – die bei Regenwetter völlig unpassirbar sein mußten – hinauf und verschwand dann in dem oberen Haus oder vielmehr in der Dunkelheit. Ich muß jedoch gestehen, daß wir Anderen ihm viel vorsichtiger folgten, denn die Warnung mit dem tiefen Loch war an uns nicht so spurlos vorübergegangen. Wir erreichten jedoch glücklich das obere Gebäude, ohne freilich etwas Verdächtiges dort zu finden. Hatte sich irgend Jemand da versteckt gehabt, so war es ihm auch ein Leichtes gewesen, sich aus dem Staub zu machen, denn er brauchte nur über eine der nächsten, niederen Planken zu steigen, um damit schon vollständig aus Sicht und Bereich zu kommen.

In der nächsten Bude fanden wir, neben anderen weiblichen Gästen, eine junge, aber sehr leidend aussehende Frau, die nichtsdestoweniger ein Glas mit Whisky vor sich stehen hatte.

»Und bist Du wirklich hier wieder zurück in das Viertel gekommen, Margot?« sagte der Amerikaner, »hast Du nicht fest versprochen, daß wir Dich hier nicht wieder finden sollten?«

»Ich halte auch mein Versprechen,« sagte die junge Frau finster und leerte dabei das Glas auf einen Zug; »habt keine Furcht, daß Ihr mich hier wieder trefft, denn zum zweiten Mal möchte ich das nicht durchmachen. Nur hereingekommen bin ich, um meine Kiste abzuholen, aber vor einer Viertelstunde kam der Mann erst mit seinem Pferd nach Haus, und jetzt muß ich hier schon noch einmal die Nacht schlafen. Heute bringt er sie mir nicht mehr fort, und wenn ich ihm einen Dollar dafür böte.«

Es war überall das Nämliche: Jammer und Elend, aber nirgends Rauferei oder wüster Lärm, eine sichere Folge der schweren Zeiten. Bei nur geringem Verdienst konnten die Leute die fabelhaft hohen Whiskypreise nicht mehr erschwingen, denn wo sie sonst die Flasche um zehn Cents gehabt, sollten sie jetzt einen Dollar dafür bezahlen – deßhalb auch dieser anscheinend moralische Frieden in dem »schlechten Viertel.«

Auf dem Rückweg nach dem bessern Theil der Stadt sprachen wir noch, der Merkwürdigkeit wegen, in einem echten Negerbillardsaal vor, denn die schwarzen, neugebackenen »Gentlemen« haben sich jetzt eifrig diesem Spiele zugewendet. Der Besitzer desselben schien indessen ebenfalls unter den »schlechten Zeiten« zu leiden, denn wir fanden keinen einzigen Gast mehr in dem elegant genug ausgestatteten Raum, der, eine Treppe hoch gelegen, ein großes, hübsches Billard und einen reich ausgestatteten Schenkstand zeigte. Wir tranken auch dort einmal und ließen uns einige Cigarren geben und fanden beides, Getränk und Tabak, gut und preiswürdig.

Am nächsten Morgen wohnte ich auch einer Gerichtssitzung bei, wo die über Nacht aufgebrachten Vagabonden abgeurtheilt und verschiedene andere Dinge verhandelt wurden. Es war aber die alte, sich ewig wiederholende Geschichte: Trunkene, die in ihrem Rausch Prügeleien angefangen, Frauen, die von ihren Männern mißhandelt worden, und in ihrer Verzweiflung bei den Gerichten Schutz suchten, nichtsnutzige Dirnen, die einander in die Haare gerathen, und würdige dicke Damen, die Hüte mit allen möglichen seidenen Bändern und Blumen besteckt, die bezüchtigt waren, ein lüderliches Haus zu halten, das durch seinen ewigen Lärm die Nachbarschaft ununterbrochen störte. Es that Einem dann ordentlich in der Seele wohl, die gerechte Entrüstung zu sehen, mit welcher sie eine solche Verdächtigung von sich wiesen, und die Resignation zugleich, mit der sie sich zu fünfzig Dollars Strafe oder auch sechs Monat Gefängniß verurtheilen ließen. Ueberhaupt fiel mir auf, daß die Strafen von einem alten, sehr ruhigen Herrn, besonders für Straßenunfug, außerordentlich streng und unerbittlich diktirt wurden. Sechs bis zehn Monat Arbeitshaus kamen in den paar Stunden für gewöhnlichen Unfug mehrere Male vor, aber es mag auch unumgänglich nöthig sein, denn wenn man nur in die von Verbrechen und allen bösen Leidenschaften gefurchten Züge dieser Menschenklasse schaut, so kann man sich nicht verhehlen, daß sie eine leichte Strafe nur verspotten würden. Selbst diese kann sie nicht heilen, sondern entzieht sie nur für kurze Zeit ihrem lüderlichen und wüsten Leben, das sie, wenn wieder freigegeben, doch augenblicklich von Neuem beginnen.

Ein höchst interessanter Fall kam an dem Morgen vor, leider aber nicht zur Entscheidung, und zwar ein junges, der Brandstiftung beschuldigtes Mädchen. In der Nachbarschaft waren, bald hintereinander in unerklärlicher Weise, mehrere Brände ausgebrochen, und das halbe Kind, denn sie konnte kaum dreizehn Jahre zählen, wurde beschuldigt, das Feuer an allen diesen Stellen angelegt, ja es sogar gegen Einen der Zeugen gestanden zu haben. Aber keiner von Allen klagte sie an, die That böswillig verübt zu haben, denn dazu lag nicht der geringste Grund vor, der dagegen in einer Art von Wahnsinn, in einer Krankheit, gesucht werden sollte, die sie zwang, überall Feuer anzulegen, um sich nachher an der Gluth zu freuen.

Sie selber saß gebückt auf der Anklagebank, und das große Bonnet, das sie trug, beschattete ihre, nur selten sichtbaren Züge. Ihr Advokat saß an ihrer Seite, flüsterte nur manchmal mit ihr, und behauptete ihre Unschuld. Sie selber sprach fast gar nicht, nur wenn er sich mit einer Frage leise an sie wandte, schien sie mit ein paar ganz kurzen Worten zu erwiedern. Die gegen sie vorgebrachten Verdachtgründe reichten indessen noch lange nicht hin, sie zu verurtheilen – wirkliche Beweise waren gar nicht vorhanden, und der Fall mußte deshalb auf einige Zeit hinausgeschoben werden, um beiden Theilen Gelegenheit zu geben, sich zu Anklage wie Vertheidigung zu rüsten.

Leider verließ ich schon vor der Zeit Cincinnati.

Leipzig,
Druck von Giesecke & Devrient.

Hinweise zur Transkription

In "Den Teufel an die Wand malen" fehlen Kennzeichnung und Überschrift des siebten Kapitels.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription werden gesperrt gesetzte Schrift sowie Textanteile in Antiqua-Schrift hervorgehoben.

Fehlende und falsch gesetzte Anführungszeichen wurden korrigiert, sowie gegebenenfalls "«," geändert in ",«".

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Billette" – "Billete", "Cajüte" – "Kajüte", "Compaß" – "Kompaß", "erwiderte" – "erwiederte", "Hôtel" – "Hotel", "müssig" – "müßig", "Paar" – "paar", "weshalb" – "weßhalb",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 1:
"hiel" geändert in "hielt"
(in der Hand ein großes Herz hielt)

Seite 1:
"," entfernt hinter "sie"
(wie man sie wohl von Pfefferkuchen macht)

Seite 1:
"," eingefügt
(ohne vorheriges Anklopfen, die der Wand gegenüber)

Seite 5:
"." eingefügt
(einen guten und väterlichen Rath zu ertheilen.)

Seite 5:
"grünbebewachsenen" geändert in "grünbewachsenen"
(einem grünbewachsenen, ziemlich schräg abfallenden)

Seite 5:
"irgend wo" geändert in "irgendwo"
(noch irgendwo einen Räuberhauptmann anbringen)

Seite 13:
"." geändert in "?"
(»Und woher willst Du das wissen?«)

Seite 25:
"So bald" geändert in "Sobald"
(Sobald er aber hinter die Aehnlichkeit kommt)

Seite 28:
"meist" geändert in "meinst"
(daß Du es wirklich gut mit mir meinst)

Seite 30:
"," eingefügt
(und fürchte fast, daß ich morgen)

Seite 33:
"," eingefügt
(aber er fing an, die Sache in einem anderen Licht)

Seite 33:
"," eingefügt
(und beschloß deshalb, langsam und in aller Ruhe)

Seite 34:
"ab" geändert in "ob"
(sondern als ob sein eigenes Schicksal)

Seite 40:
"ein" geändert in "eine"
(Also eine Mademoiselle war die Dame)

Seite 42:
"," eingefügt
(Papa,« sagte Clemence)

Seite 42:
"," eingefügt
(Unsinn,« rief lachend der alte Herr)

Seite 42:
"." geändert in ","
(»Nichts daran auszusetzen,« wiederholte der Vater)

Seite 47:
"Wären" geändert in "Waren"
(Waren Sie jener junge Fremde?)

Seite 53:
"," eingefügt
(fand ihn entschlossen, heute sich durch Nichts)

Seite 62:
"Sie" geändert in "sie"
(»Nein,« sagte sie)

Seite 62:
"Sie" geändert in "sie"
(setzte sie freundlicher hinzu)

Seite 74:
"." geändert in "?"
(»Und wo hält er sich jetzt auf?«)

Seite 76:
"du" geändert in "Du"
(Bleibst Du hier in M–?)

Seite 118:
"Biberich" geändert in "Bieberich"
(»Und wohin wenden wir uns von Bieberich?«)

Seite 122:
"hatt" geändert in "hatte"
(und sie hatte nicht viel Zeit)

Seite 123:
"," eingefügt
(»Ich habe einen Begleiter gefunden,« sagte Clemence)

Seite 136:
"vorrigen" geändert in "vorigen"
(ganz das nämliche im vorigen Jahr)

Seite 140:
vertauschte "," und "." korrigiert
(setzte, denn von dem Augenblick an hielt sie sich für sicher.)

Seite 144:
"so bald" geändert in "sobald"
(denn sobald er die lieben)

Seite 159:
"Trautena" geändert in "Trautenau"
(Aber Trautenau war nicht in der Stimmung)

Seite 160:
"," eingefügt
(»Wir sind die Ersten,« begann der Officier)

Seite 165:
"Hauskecht" geändert in "Hausknecht"
(was ich eben von dem Hausknecht gehört)

Seite 182:
"den" geändert in "denn"
(denn auf den anderen Inseln waren die Früchte)

Seite 184:
"Kapitan" geändert in "Kapitän"
(Der Kapitän hoffte noch)

Seite 186:
"ihre" geändert in "Ihre"
(Rufen Sie Ihre Wacht an Deck.)

Seite 189:
"," hinter "dem" entfernt
(fühlten sie mit dem ausgeworfenen Loth)

Seite 201:
"?" geändert in "!"
(Die Schwarzen haben Booby-island besetzt!)

Seite 214:
"," eingefügt
(Steuermann – Ihr, Bill)

Seite 222:
"Zimmermannn" geändert in "Zimmermann"
(Der Zimmermann that dies mit Vergnügen)

Seite 227:
"ihm" geändert in "im"
(Tabaksbeutel vorn im Knopfloch baumelnd)

Seite 238:
"mußte" geändert in "wußte"
(von dem lustigen Leben draußen wenig wußte)

Seite 252:
";" geändert in ":"
(seinen Hut schnell herunterreißend, erwiederte er höflich:)

Seite 263:
"keinen" geändert in "kleinen"
(dem Haus mit dem kleinen Thurm)

Seite 265:
"ihn" geändert in "ihm"
(Lange Zeit ließen ihm aber die Insassen nicht)

Seite 273:
"." eingefügt
(Und nun komm, Kamerad – es ist Zeit.)

Seite 276:
"," eingefügt
(von Seeschlangen, Algen und Korallen keine Spur)

Seite 278:
"." geändert in "?"
(stammelte Hasenmeier, »hab' ich denn Alles bezahlt?«)

Seite 278:
"," eingefügt
(bist Du aber noch schuldig, mein Bursch)

Seite 300:
"Aufenthalsort" geändert in "Aufenthaltsort"
(in jenem entsetzlichen Aufenthaltsort liegen bleiben)