Pflicht für jeden.

Immer strebe zum Ganzen! und, kannst du selber kein Ganzes

Werden, als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!

Der Schlüssel.

Willst du dich selber erkennen, so sieh', wie die Andern es treiben;

Willst du die Andern versteh'n, blick' in dein eigenes Herz,

und aus dem Distichon

Wahl.

(Kannst du nicht Allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk,

Mach' es Wenigen recht;) Vielen gefallen ist schlimm.—

Endlich bietet uns ("Mus.-Alm." 1797) Schillers Gedicht

"Das Mädchen aus der Fremde"

die Verse:

Doch eine Würde, eine Höhe

Entfernte die Vertraulichkeit,

und seine "Nadowessisehe Todtenklage" (ebenda) das schalkhaft auf Lebende angewandte:

Mit dem Anstand, den er hatte . . .

und seine Ballade "Ritter Toggenburg" (ebenda) den Vers:

Und so sass er, eine Leiche . . .—

Aus Schillers "Hoffnung" (10. Stück der Horen von 1797, S. 107) sind die Endverse bekannt:

Und was die inn're Stimme spricht,

Das täuscht die hoffende Seele nicht.—

Der Musen-Almanach für 1798 enthält eine Reihe Schillerscher Balladen. Aus dem "Ring des Polykrates" (S. 24) wird citiert Strophe 9:

Des Lebens ungemischte Freude

Ward keinem Irdischen zu Teil,

und Strophe 11:

Noch Keinen sah ich fröhlich enden,

Auf den mit immer vollen Händen

Die Götter ihre Gaben streun;

endlich Strophe 16:

Hier wendet sich der Gast mit Grausen.—

aus dem "Handschuh" (S. 41) stammt:

Die Damen in schönem Kranz

und:

Den Dank, Dame, begehr' ich nicht.—

Aus Schillers "Taucher" (S. 119) wird citiert:

Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,

Zu tauchen in diesen Schlund?

Da unten aber ist's fürchterlich,

Und der Mensch versuche die Götter nicht;

Unter Larven die einzig fühlende Brust;

Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel,

gewöhnlich citiert in der Form:

Lass, Vater, genug sein des grausamen Spiels.—

Ebenda stehen (S. 221) "Die Worte des Glaubens", worin im Anfange der zweiten Strophe:

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,

Und würd' er in Ketten geboren,

und am Schlusse der dritten, mit Benutzung des 1. Kor. 1, 19 vorkommenden "Verstands der Verständigen":

(Und) was kein Verstand der Verständigen sieht,

Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.—

Aus der Ballade "Die Kraniche des Ibykus" (ebenda S. 267) wird citiert:

Wer zählt die Völker, nennt die Namen?

Es steigt (nicht: es ragt) das Riesenmass der Leiber

Hoch über Menschliches hinaus.

und

Sieh' da, sieh' da, Timotheus,

Die Kraniche des Ibykus!—

Aus dem "Gang nach dem Eisenhammer" (ebenda S. 306):

Str. 7:

Red'st du von Einem, der da lebet?

Str. 14:

Dess freut sich das entmenschte Paar.

Str. 25 u. 28:

Der ist besorgt und aufgehoben.

Str. 28:

Herr, dunkel war der Rede Sinn.

Str. 30:

Dies Kind, kein Engel ist so rein.—

In seinem im Okt. 1798 bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar gesprochenen "Prolog" zu "Wallensteins Lager" schuf Schiller die Worte:

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze,

(Denn) wer den Besten seiner Zeit genug

Gethan, der hat gelebt für alle Zeiten.

(s. unten Horaz: "principibus placuisse . . ." u. s. w.)

Im engen Kreis verengert sich der Sinn,

Es wächst der Mensch mit seinen grössern Zwecken.

(vrgl. Seneca: "Natur. quaest." III, praef.: "Crescit animus, quoties coepti magnitudinem attendit".)

Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt,

Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;

Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.—

In "Wallensteins Lager" (1798), 5. Auftritt, ruft der erste Jäger, als die Marketenderin kommt:

Was? der Blitz!

Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.

Im 6. Auftritt wirft der Wachtmeister einem Jäger vor, dass ihm

der feine Griff und der rechte Ton

fehle, den man nur in des Feldherrn Nähe lernen könne. Der Jäger erwidert darauf:

Wie er räuspert und wie er spuckt,

Das habt ihr ihm glücklich abgeguckt.

was aus Molières "Femmes savantes" 1, 1 entlehnt ist, wo Armande sagt:

Wer sich nach andern bilden will und achten.

Hat ihren guten Sitten nachzutrachten.

Das heisst gewiss sein Vorbild nicht erreichen,

Im Räuspern nur und Spucken (tousser et cracher) ihm zu gleichen.

Moland sagt in seiner Molière-Ausgabe, VII, Paris 1864: "Molière bringt hier nur eine sprichwörtliche Redensart, die zu seiner Zeit gebräuchlich war, in Verse", und führt zum Beleg "Francien" von Sorel, Buch XI an: "ce n'est pas imiter un homme que peter et tousser comme lui".

Der Anfang der Kapuzinerpredigt[45] in "Wallensteins Lager" lautet:

Heisa, juchheia! Dudeldumdei!

Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!

[45] Manche meinen, das Wort "Kapuzinade" sei nach dieser Schwankpredigt gebildet, aber es ist älter als Schillers "Wallensteins Lager", und wer es zuerst brauchte, ist noch unentschieden.

Es treten im Lager zwei Arquebusiere auf, philisterhafte Gesellen, die sich zweimalige Kritiken zuziehen, im 10. Auftritt:

(Lass sie gehen, sind) Tiefenbacher,

Gevatter Schneider und Handschuhmacher,

und im 11. Auftritt:

(Schad' um die Leut; sind sonst wackre Brüder)

Aber das denkt wie ein Seifensieder.

Aus dem Schlussworte des letzten von Körner, Zahn, Zelter und Zumsteeg komponierten Chorgesanges in "Wallensteins Lager" wird citiert:

Und setzet ihr nicht das Leben ein,

Nie wird euch das Leben gewonnen sein.—

Dem Musen-Almanach für das Jahr 1799 entnehmen wir folgende Citate: aus Schillers Ballade "Der Kampf mit dem Drachen" (S. 151):

Was rennt das Volk, was wälzt sich dort

Die langen Gassen brausend fort?

Mut zeiget auch der Mameluck,

Gehorsam ist des Christen Schmuck;

aus seiner "Bürgschaft" (S. 176);

Möros, den Dolch im Gewande;

Das sollst du am Kreuze bereuen;

Zurück! du rettest den Freund nicht mehr;

(Der fühlt) ein menschliches Rühren;

(Und) die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.

Endlich wird aus der "Bürgschaft" citiert:

Ich sei, gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der dritte,

was kein ursprünglicher Einfall Schillers war, sondern vielmehr einer der Fundstellen dieser Ballade entlehnt ist. (S. Register: Dionys der Jüngere.)—

Aus "Des Mädchens Klage" (ebenda, S. 208) und dann, um zwei Strophen verkürzt, als Theklas Lied ("Piccolomini" 3, 7) wird citiert:

Ich habe genossen das irdische Glück;

Ich habe gelebt und geliebet.—

Die Schlussverse der letzten Strophe des Gedichts vom Jahre 1799: "An Goethe, als er den 'Mahomed' von Voltaire auf die Bühne brachte":

Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen,

Und siegt Natur, so muss die Kunst entweichen

erfuhren nach Schillers Tode ein bizarre Umgestaltung.

Es giebt nämlich eine alte, gewöhnlich in die Zeit Karls V. von Frankreich verlegte, aber bereits in einem viel älteren französischen Roman enthaltene Sage, nach welcher ein französischer Ritter, Aubry, von einem seiner Waffengefährten, Robert Macaire, dessen Name in Frankreich eine typische Bezeichnung für einen Hallunken geworden ist, meuchlings erschlagen, und die Ermordung Aubrys durch das feindselige Betragen des Hundes des Getöteten gegen den Mörder ans Tageslicht gebracht wird. Diese Sage wurde zu einem Melodrama verarbeitet, in welchem ein dressierter Pudel die Hauptrolle spielte, der den Pariser Janhagel in Begeisterung versetzte. 1816 gab sich die königliche Bühne in Berlin dazu her, den Pudel auftreten zu lassen, was, wie Zelter (Brief 246) an Goethe schreibt, die Berliner zu dem Witze veranlasste, dass "den Hund aufs Theater bringen" eigentlich "das Theater auf den Hund bringen" sei. Auch der Grossherzog von Weimar, ein grosser Hundeliebhaber, wünschte den vierbeinigen Schauspieler auf seiner Bühne zu sehen, stiess aber auf Widerstand bei Goethe, dem Intendanten. Der Pudel wurde jedoch heimlich verschrieben, Goethe ging am Abend der Theaterprobe, am 20. März 1817, mit eigenmächtiger Urlaubserteilung nach Jena, reichte nach der am 12. April stattgehabten Aufführung den Abschied ein und erhielt darauf von Karl August folgende Zeilen: "Aus den mir zugegangenen Äusserungen habe ich die Überzeugung gewonnen, dass der Geheimrat von Goethe wünscht, seiner Funktion als Intendant enthoben zu sein, welches ich hiermit genehmige". Die Tagesblätter veränderten die obigen Verse Schillers demzufolge also:

Dem Hundestall soll nie die Bühne gleichen

Und kommt der Pudel, muss der Dichter weichen,

und nannten den Pudel den "Schicksalspudel". Goethe selbst erwähnt in den "Annalen" unter dem Jahre 1817 von diesen Vorkommnissen nichts.[46]

[46] Carl Eberwein "Weimarer Sonntagsblatt", 1857, S. 312. In Gotthardis "Weimarischen Theaterbildern" II, 168 soll diese Travestie mit einer kleinen Variante stehen.

Schwindet ein Wesen oder ein Werk ohne Ruhm dahin, so hört man sagen, dass es

Klanglos zum Orkus hinab

ging, ein Wort, welches den Schluss von Schillers "Nenie" bildet (ged. 1. Okt. 1799).—

Aus "Hektors Abschied" (zuerst in den "Gedichten von Friedrich Schiller", 1. T., Leipz. 1800) wird citiert:

Will sich Hektor ewig von mir wenden?

und

Theures Weib, gebiete deinen Thränen!

(In Goedekes "Historisch-kritischer Ausg.", T. 11, wird das Gedicht mit der Jahresbezeichnung 1780-93 versehen, was wohl heissen soll, dass die ältere Form, wie sie in den "Räubern", 4, 4 vorliegt, aus dem Jahre 1780, die neuere aus dem Jahre 1793 stammt.)—

Im "Musen-Almanach für das Jahr 1800" S. 243, erschien Schillers "Lied von der Glocke"; daraus werden als Citate verwendet die Worte:

Von der Stirne heiss

Rinnen muss der Schweiss . . .;

Zum Werke, das wir ernst bereiten,

Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;

Wenn gute Reden sie begleiten,

Dann fliesst die Arbeit munter fort;

Nehmet Holz vom Fichtenstamme;

Die schwarzen und die heitern Lose;

Errötend folgt er ihren Spuren;

O zarte Sehnsucht, süsses Hoffen.

Der ersten Liebe goldne Zeit!

Das Auge sieht den Himmel offen,[47]

Es schwelgt das Herz in Seligkeit;

O dass sie ewig grünen bliebe,

Die schöne Zeit der jungen Liebe;

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,

Wo Starkes sich und Mildes paarten,

Da giebt es einen guten Klang;

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

Ob sich das Herz zum Herzen findet;

Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang;

Doch mit des Geschickes Mächten

Ist kein ew'ger Bund zu flechten,

Und das Unglück schreitet schnell;

Wohlthätig ist des Feuers Macht,

Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht;

Mütter irren (!)

Leer gebrannt

Ist die Stätte;

Ein süsser Trost ist ihm geblieben,

Er zählt die Häupter seiner Lieben,

Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt;

[47] Anschluss an Joh. 1, 51: s. Kapitel I.

(Die Berliner sagten 1813 von Bernadottes geringen Verlusten bei Grossbeeren und Dennewitz nach Häussers "Deutscher Geschichte", 3. Aufl., Bd. 4, S. 267:

Er zählt die Häupter seiner Lieben,

Und sieh! es fehlten ihm nur sieben.)

. . die Gattin . . ., die teure;

. . das Auge des Gesetzes wacht;

Wenn sich die Völker selbst befrei'n,

Da kann die Wohlfahrt nicht gedeih'n;

Da werden Weiber zu Hyänen;

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,

Verderblich ist des Tigers Zahn;

Jedoch der Schrecklichste der Schrecken,

Das ist der Mensch in seinem Wahn.—

Aus Schillers Drama "Die Piccolomini" (1800) wird citiert:

Spät kommt ihr, doch ihr kommt (1, 1),

wobei bemerkt werden mag, dass schon in der Odyssee, 23, 7 von Odysseus gesagt wird, er komme nach Hause, obwohl er spät komme. (Ursprünglich begannen weder "Don Carlos" noch die "Piccolomini" mit ihren so berühmten Worten. Der Anfang der "Piccolomini" lautete:

Gut, dass Ihr's seid, dass wir Euch haben! wusst' ich doch,

Graf Isolani bleibt nicht aus.)

Was ist der langen Rede kurzer Sinn? (1, 2.)

Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr. (1, 4.)

In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne. (2, 6.)

Wohl ausgesonnen, Pater Lamormaín! (2, 7.)

Wär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit,

Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen (ebenda).

(O, der ist aus dem Himmel schon gefallen,

Der an der Stunden Wechsel denken muss!)

Die Uhr schlägt keinem Glücklichen (3, 3),

was gewöhnlich in der Form citiert wird:

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde;

Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an,

Wenn man den sichern Schatz im Herzen trägt (3, 4),

Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme (3, 8),

was als Nebentitel des von Hauff unter dem Namen H. Clauren und gegen diesen geschriebenen Romans "Der Mann im Monde" (1825) noch bekannter geworden ist;

Das eben ist der Fluch der bösen That,

Dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären (5, 1).

Derselbe Gedanke wird schon im "Agamemnon" des Äschylus, 758 so ausgesprochen: "Die gottlose That erzeugt mehre, die ihrem Geschlecht gleichen", und von Saxo Grammaticus († 1204) in seiner Erzählung von "Hamlet" folgendermassen: "Das eben ist der Fluch der Schuld, dass sie immer wieder Reiz und Veranlassung zu neuer Schuld enthalten muss". (Simrock, "Quellen des Shakespeare", 2. Aufl., I., 104.)—

Aus "Wallensteins Tod" wird citiert:

1, 4:

Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit;

Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht

Und die Gewohnheit nennt er seine Amme;

Sei im Besitze, und du wohnst im Recht;

1, 5:

Ich hab' hier bloss ein Amt und keine Meinung.

2, 2:

Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort:

Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit—

Leicht bei einander wohnen die Gedanken,

Doch hart im Raume stossen sich die Sachen.

2, 3:

Es giebt im Menschenleben Augenblicke;

Und Ross und Reiter sah ich niemals wieder.

2, 6:

Dank vom Haus Österreich!

3, 9:

Das war kein Heldenstück, Octavio!

3, 10:

Nacht muss es sein, wo Friedlands Sterne strahlen;

(Gern wird für "Sterne strahlen" hier "Sterne glänzen" gesagt, weil es weicher klingt.)

3, 13:

Du hast's erreicht, Octavio!

was gewöhnlich so citiert wird:

Du hast's gewollt! Octavio!

Da steh' ich, ein entlaubter Stamm!

3, 15:

So ist's, mein Feldherr!

Daran erkenn' ich meine Pappenheimer

3, 18:

Max, bleibe bei mir!

4, 10:

Keines Überfalls gewärtig;

Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge;

Man sagt, er wollte sterben.

Theklas Monolog in 4, 12 enthält:

Was ist das Leben ohne Liebesglanz?

und schliesst:

Das ist das Loos des Schönen auf der Erde!

5, 5 findet sich:

Ich denke einen langen Schlaf zu thun,

Denn dieser letzten Tage Qual war gross;

und 5, 11:

Des Menschen Engel ist die Zeit.—

Aus "Maria Stuart" (1801) citieren wir

4, 6:

"Graf! dieser Mortimer starb Euch sehr gelegen",

in der Form:

Der starb Euch sehr gelegen.

Die Schlussverse aus "Maria Stuart" lauten:

Der Lord lässt sich

Entschuldigen; er ist zu Schiff nach Frankreich.—

In Schillers Gedicht "Der Antritt des neuen Jahrhunderts" ("Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1802". S. 167) heisst es:

Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,

Und das Schöne blüht nur im Gesang.

Ebenda, S. 231, steht "Voltaires Pucelle und die Jungfrau von Orleans", später "Das Mädchen von Orleans" genannt. Daraus wird citiert:

Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen

Und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n.

Aus der zweiten Scene des Prologes zur "Jungfrau von Orleans", die zuerst 1801 in Leipzig aufgeführt wurde, und deren erster Druck unter dem Titel: "Kalender auf das Jahr 1802. Die Jungfrau von Orleans" u. s. w. (Berlin, Unger) erschien, wird citiert:

Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?

aus der dritten:

Mein ist der Helm, und mir gehört er zu;

Nichts von Verträgen, nichts von Übergabe.

Der Anfangsvers der ersten Strophe des Monologs Johannas:

Lebt wohl ihr Berge, ihr geliebten Triften,

wird, wie ihr Schlussvers:

Johanna geht, und nimmer kehrt sie wieder,

bei einem Abschiede angewendet. Die Worte des Königs Karl (VII, 1, 2):

Drum soll der Sänger mit dem König gehen,

Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen,

erscheinen mit ihrem "Drum" als eine Schlussfolge aus den vorhergehenden Betrachtungen Karls; citiert wird das Wort, indem man für "Drum" eigenmächtig "Es" setzt.

Mit dem Volke soll der Dichter gehen,

Also les' ich meinen Schiller heut'!

sagt Freiligrath.

Ferner sind uns aus der "Jungfrau von Orleans" folgende Stellen geläufig:

Kann ich Armeen aus der Erde stampfen?

Wächst mir ein Kornfeld in der flachen Hand? (1, 3)

(wobei zu bemerken, dass nach Plutarchs "Cäsar", K. 33, Pompeius einst geprahlt hatte, er könne Armeen aus der Erde stampfen;)

Nichtswürdig ist die Nation, die nicht

Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre (1, 5);

1, 9:

Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen;[48]

[48] Solche Gegenüberstellung findet sich bereits: Livius 5, 44; 22, 48; 23, 40; 25, 14; Curtius 4, 15; Tacitus, hist. 3, 77: "pugna" und "caedes"; Livius 2, 53 und 5, 45; Tacitus, hist. 4, 33: "proelium" und "caedes"; Livius 28, 16: "pugna" und "trucidatio velut pecorum".

1, 10:

Von wannen kommt dir diese Wissenschaft?

(Schiller ahmte sich selbst in diesem Verse nach; denn in "Macbeth", 1, 5 (1801) übersetzt er das Shakespearesche 1, 3 vorkommende:

Say from whence

You owe this strange intelligence?

also:

Sagt, von wannen kam euch

Die wunderbare Wissenschaft?)

1, 10:

Unsinn, du siegst, und ich muss untergeh'n!

3, 6:

Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

4, 1:

Ach, es war nicht meine Wahl!

5, 14:

Wie wird mir? Leichte Wolken heben mich;

und der Schlussvers des ganzen Dramas:

Kurz ist der Schmerz, und ewig ist die Freude!—

Schillers Gedicht "An die Freunde" ("Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1803", Tübingen, Cotta, S. 1 u. 2) enthält das Wort:

(Und) der Lebende hat recht

dann die Umschreibung für Theaterbühne:

Die Bretter, die die Welt bedeuten

S. 201 und S. 202 daselbst steht das Gedicht: "Thekla. Eine Geisterstimme", aus dem der Endvers citiert wird:

Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.—

Aus der "Braut von Messina" (1803) sind bekannt der Anfangsvers

Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb,

der vielleicht aus dem Wort des Apothekers in Shakespeares "Romeo und Julie" (5, 1) entstand:

"My poverty, but not my will, consents",

oder aus Dantes ("Inferno" 12, 87):

"Necessità 'l c' induce e non diletto".

Nachdem Don Manuel zum ersten Male die Bühne verlassen hat, ertönt das Wort des Chors:

Etwas fürchten und hoffen und sorgen

Muss der Mensch für den kommenden Morgen.

Ferner citieren wir:

1, 7:

Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen;

2, 5:

Die ist es oder keine sonst auf Erden!

3, 4:

Blendwerk der Hölle!

3, 5:

Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe!

4, 4:

Nicht an die Güter hänge dein Herz,

Die das Leben vergänglich zieren!

Wer besitzt, der lerne verlieren,

Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz;

4, 7:

Auf den Bergen ist Freiheit!

Die Welt ist vollkommen überall,

Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

Das Leben ist der Güter höchstes nicht,

Der Übel grösstes aber ist die Schuld.

Der zweite Vers ist die Übersetzung von Ciceros [ad. fam. VI, 4, 2]: ("nec esse ullum malum praeter culpam".—A. W. v. Schlegel versah diese Verse mit Bezug auf Müllners Drama "Die Schuld", 1816, im Wendtschen Musen-Almanach von 1832 mit der Überschrift: "Unter Müllners Bildnis" und Carl Bagger ["Digtninger, gamle og nye", 1836] schreibt:

[In ein Stammbuch.]

Das Leben ist der Güter höchstes nicht,

Der Übel grösstes aber sind die Schulden).—

Der erste Vers aus Schillers Romanze "Der Jüngling am Bache", welche in dem am 12. Okt. 1803 in Weimar aufgeführten und 1806 erschienenen "Parasiten" 4, 4 eingeflochten ist, lautet:

An der Quelle sass der Knabe.

Der "Parasit" ist von Schiller aus Picards "Médiocre et Rampant ou le moyen de parvenir" (1797) weniger übersetzt als übertragen; die Schillersche Romanze hat mit der Picards nur die Stimmung gemein, so dass obiges Citat durchaus Schiller angehört, während jedoch der Schluss der Romanze:

Raum ist in der kleinsten Hütte

Für ein glücklich liebend Paar

seine Entstehung wohl einer Reminiscenz verdankt. Nämlich in Wielands "Musarion" (1768), Bd. 1, stottert Fanias: "Gewiss sehr viel Ehre! Allein mein Haus ist klein"; worauf die Schöne versetzt: "Und wenn es kleiner wäre, für eine Freundin hat die kleinste Hütte Raum" und in J. A. Leisewitzens "Julius von Tarent" (1776) 2, 3 ruft Bianca: "Diese Hütte ist klein; Raum genug zu einer Umarmung.—Dies Feldchen ist enge—Raum genug für Küchenkräuter und zwei Gräber; und dann, Julius, die Ewigkeit;—Raum genug für die Liebe!"—

Aus Schillers Ballade "Der Graf von Habsburg" ("Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1804", Tübingen, Cotta) stammt:

die kaiserlose, die schreckliche Zeit!

aus dem "Siegesfest" (ebenda):

Von des Lebens Gütern allen

Ist der Ruhm das höchste doch;

Wenn der Leib in Staub zerfallen,

Lebt der grosse Name noch,

sowie:

Trink ihn aus, den Trank der Labe,

Und vergiss den grossen Schmerz.—

Der vorletzte Vers des von Schiller 1804 für Beckers "Taschenbuch" verfassten Gedichtes "Der Alpenjäger" lautet:

Raum für alle hat die Erde.—

Citate aus "Wilhelm Tell" (1804) sind Tells Worte an Ruodi den Fischer (1, 1):

Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt;

Ruodis Antwort:

Vom sichern Port lässt sich's gemächlich raten;

Ferner Ruodis:

Da rast der See und will sein Opfer haben;

Tells Worte an den Hirten (s.: Erasmus Alberus):

Ich hab' gethan, was ich nicht lassen konnte;

und der Schlussvers der ersten Scene:

Wann wird der Retter kommen diesem Lande?

In der zweiten Scene wendet Gertrud ein Wort an, das nur die Wiederauffrischung eines alten Sprichworts ist:

Dem Mutigen hilft Gott![49]

[49] s.: Fortes fortuna adiuvat.

Der zweite Akt führt uns aus der ersten Scene zu:

Ich bin der letzte meines Stamms;

wobei zu erinnern ist, dass bereits Friedr. Leop. Graf zu Stolberg in seiner "Romanze" (1774; "ges. W." der Brüder Stolberg T. 1, S. 56) sang:

"Er, der letzte seines Stammes

Weinte seiner Söhne Fall".

Aus derselben Scene des "Tell" citieren wir:

Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an,

Das halte fest mit deinem ganzen Herzen,

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;

und: