Der Name Lassalle wurde zum Banner, für das sich die Massen immer mehr begeisterten, je mehr die Schriften Lassalles ins Volk drangen. Für den unmittelbaren Erfolg berechnet, mit einem außergewöhnlichen Talent geschrieben, populär und doch die theoretischen Gesichtspunkte hervorhebend, übten sie und üben sie zum Teil noch heute eine große agitatorische Wirkung aus. Das „Arbeiterprogramm”, das „Offene Antwortschreiben”, das „Arbeiterlesebuch” usw. haben Hunderttausende für den Sozialismus gewonnen. Die Kraft der Überzeugung, die in diesen Schriften weht, hat Hunderttausende zum Kampf für die Rechte der Arbeit entflammt. Dabei verlieren sich die Lassalleschen Schriften nie in ein gegenstandsloses Phrasengeklingel, — ein verständiger Realismus, der sich zwar gelegentlich in den Mitteln vergreift, der aber stets die Wirklichkeit im Auge zu behalten sucht, herrscht in ihnen vor und hat sich durch sie auch der Bewegung mitgeteilt. Wovon Lassalle in seiner Praxis eher etwas zu viel hatte, davon hat er in seine ersten und besten Agitationsschriften das rechte Maß dessen hineingelegt, was die Arbeiterbewegung brauchte. Wenn die deutsche Sozialdemokratie den Wert einer kräftigen Organisation zu allen Zeiten zu schätzen gewußt hat, wenn sie von der Notwendigkeit des Zusammenfassens der Kräfte so durchdrungen ist, daß sie auch ohne das äußere Band einer Organisation doch alle Funktionen einer solchen aufrechtzuerhalten gewußt hat, so ist das zum großen Teil eine Erbschaft der Agitation Lassalles. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß diejenigen Orte, wo in der Arbeiterschaft die Traditionen der Lassalleschen Agitation am stärksten waren, in bezug auf die Organisation in der Regel am meisten geleistet haben.
Indes, man kann die Vorteile einer Sache nicht haben, ohne auch ihre Nachteile in den Kauf nehmen zu müssen. Wir haben gesehen, welchen doppelt zwieschlächtigen Charakter die Lassallesche Agitation trug, zwieschlächtig in ihrer theoretischen Grundlage, zwieschlächtig in ihrer Praxis. Das blieb natürlich lange noch bestehen, nachdem Lassalle selbst aus dem Leben geschieden war. Ja, es verschlimmerte sich noch. Festhalten an Lassalles Taktik hieß Festhalten an der Schwenkung, die er während der letzten Monate seiner Agitation vollzogen, er selbst in dem Bewußtsein und mit dem Vorbehalt, jeden Augenblick umkehren, die Maske abwerfen zu können. Aber, um einen seiner eignen Aussprüche anzuwenden: Individuen können sich verstellen, Massen nie. Seine Politik fortführen hieß, wenn es buchstäblich genommen wurde, die Massen irreführen. Und die Massen wurden irregeführt. Es kam die Zeit der Schweitzerschen Diktatur. Ob J. B. von Schweitzer je ein Regierungsagent im buchstäblichen Sinne dieses Wortes war, scheint mir sehr zweifelhaft; kein Zweifel aber kann bestehen, daß seine Politik zeitweise der eines Regierungsagenten nahekam. Kam es doch unter seiner Leitung dahin, daß von Agitatoren des „Allgemeinen deutschen Arbeitervereins” Republikaner sein für gleichbedeutend mit Bourgeois sein erklärt wurde, weil die bisherigen Republiken Bourgeoisrepubliken gewesen. Schweitzer war unzweifelhaft der begabteste Nachfolger Lassalles. Aber wenn er ihn an Talent nahezu erreichte, so übertraf er ihn zugleich in einigen seiner bedenklichsten Fehler. Mit noch weniger Scheu als Lassalle hat er mit den preußischen Hof-Sozialdemagogen geliebäugelt. Daß er dies jedoch konnte, ohne je um einen, seine Politik unterstützenden Satz aus Lassalles Reden in Verlegenheit zu sein, ist ein Vorwurf, der Lassalle nicht erspart bleiben darf. Schlimmeres, als die um die verfassungsmäßigen Rechte der Volksvertretung kämpfenden Parteien, unter denen sich Männer wie Johann Jacoby, Waldeck, Ziegler usw. befanden, einfach als eine „Clique” zu bezeichnen, hat selbst Schweitzer nie getan.
Auch andre Fehler Lassalles erbten sich in der Bewegung fort, und es hat langwierige und schwere Kämpfe gekostet, bis sie völlig überwunden wurden. Was die theoretischen Irrtümer Lassalles anbetrifft, die ich oben ausführlicher behandelt habe, so sei hier nur daran erinnert, wie heftige Kämpfe es gekostet hat, bis sich in der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft eine richtige Wertschätzung der Gewerkschaftsbewegung Bahn gebrochen hat, wie lange die Gewerkschaften von einem großen Teil der Sozialisten mit dem Hinweis auf das „eherne Lohngesetz” bekämpft wurden. Die persönliche Färbung, die Lassalle der Bewegung gab, hatte zur Folge, daß diese nach seinem Tode in das Fahrwasser der Sektiererei geriet und noch lange Jahre in ihm trieb.
Leute, die eine hervorragende Rolle gespielt und auffallende Eigenschaften entwickelt haben, pflegen alsbald eine große Anzahl Nachahmer zu erzeugen. So auch Lassalle. Die Viertels- und Achtels-Lassalle sproßten nach seinem Tode fröhlich aus dem Boden. Da sie aber in Ermangelung seines Talents sich darauf beschränken mußten, ihm nachzuahmen „wie er sich geräuspert und wie er gespuckt”, und dies, wie wir gesehen haben, nicht gerade das Beste an ihm war, so bildeten sie eine der unerquicklichsten Erscheinungen der Arbeiterbewegung.
Heute ist das alles überwunden, und die Sozialdemokratie kann ohne Bitterkeit darüber hinweggehen. Aber es gab eine Zeit, wo die Bewegung darunter litt, und darum sei es hier erwähnt.
Damit indes genug. Es möchte sonst der Eindruck dessen, was ich vorher von dem Erbe gesagt, das Lassalle der Arbeiterschaft bis auf heute hinterlassen, wiederum abgeschwächt werden, und das liegt durchaus nicht in meiner Absicht. Solange ich das Wirken Lassalles im einzelnen zu untersuchen hatte, mußte ich scharf sein; denn höher als der Ruhm des einzelnen steht das Interesse der großen Sache, für die der Kampf geht, und diese fordert vor allen Dingen Wahrheit. Die Sozialdemokratie hat keine Legenden und braucht keine Legenden, sie betrachtet ihre Vorkämpfer nicht als Heilige, sondern als Menschen, und kann es daher auch vertragen, wenn sie als Menschen kritisiert werden. Sie würdigt darum nicht weniger ihre Verdienste und hält das Andenken derer in Ehren, die das Werk der Befreiung der Arbeiterklasse wesentlich gefördert haben.
Und das hat Lassalle in hohem Maße getan. Vielleicht in höherem Maße, als er selbst am Vorabend seines Todes geahnt hat. Es ist anders gekommen, als wie er glaubte, aber die Bewegung ist heute dieselbe, für die er im Frühjahr 1863 das Banner aufpflanzte. Es sind dieselben Ziele, für die sie heute kämpft, wenn sie auch in andrer Weise und mit andern Forderungen kämpft. Nach etlichen Jahren wird sie vielleicht wieder in andrer Weise kämpfen, und es wird doch dieselbe Bewegung sein.
Kein Mensch, und sei er der größte Denker, kann den Weg der Sozialdemokratie im einzelnen vorherbestimmen. Niemand weiß, wie viele Kämpfe noch vor ihr liegen und wie viele Kämpfer noch werden ins Grab sinken müssen, bis das Ziel der Bewegung erreicht ist; aber die Leichensteine ihrer Toten erzählen von den Fortschritten der Bewegung und erfüllen ihre Kämpfer mit Siegesgewißheit für die Zukunft.
Lassalle hat die deutsche Sozialdemokratie nicht geschaffen, so wenig wie irgendein andrer sie geschaffen hat. Wir haben gesehen, wie es bereits unter den vorgeschrittenen Arbeitern Deutschlands gärte und brodelte, als Lassalle sich an die Spitze der Bewegung stellte. Aber wenn er auch nicht als Schöpfer der Partei bezeichnet werden darf, so gebührt Lassalle doch der Ruhm, daß er Großes für sie ausgerichtet hat, — so Großes, wie es Einzelnen selten gegeben ist. Er hat, wo meist nur erst unbestimmtes Wollen vorhanden war, bewußtes Streben verbreitet, er hat der deutschen Arbeiterwelt die Erkenntnis von ihrer geschichtlichen Mission beigebracht, er hat sie gelehrt, sich zur selbständigen politischen Partei zu organisieren, und er hat auf diese Weise den Entwicklungsprozeß der Bewegung ganz erheblich beschleunigt. Sein eigentliches Unternehmen schlug fehl, aber der Kampf für es war kein vergeblicher. Lassalle hat nicht umsonst die Fahne für die Erkämpfung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts erhoben. Dank der Agitation des von ihm gegründeten Allgemeinen deutschen Arbeitervereins für diese Forderung wurden die Fortschrittler genötigt, sich nun gleichfalls ihrer anzunehmen, und so verschwand sie nicht mehr von der Tagesordnung und mußte die Berliner Regierung in sie einwilligen, als nach dem deutschen Kriege von 1866 die Verfassung des Norddeutschen Bundes geschaffen wurde. Das allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht wurde wenigstens für den Reichstag des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches verfassungsmäßiges Volksrecht. Noch war freilich die Zeit der Siege durch die Waffe dieses Wahlrechts nicht da. Aber um siegen zu können, mußte die Arbeiterschaft erst kämpfen lernen. Die Siege sind dann nicht ausgeblieben, von Wahl zu Wahl haben sie sich gehäuft, und im Augenblick, wo diese Abhandlung in neuer Form ins Land geht, hat die deutsche Arbeiterschaft vermittelst des nun auf die Wahlen zu allen Gesetzgebungskörpern und den Selbstverwaltungsvertretungen ausgedehnten und in jeder Hinsicht demokratisierten Wahlrechts eine politische Machtstellung erlangt, die ihr die glänzendsten Aussichten auf Durchsetzung tiefgreifender Maßnahmen sozialer Befreiung eröffnet. Sie zum Kampf einexerziert, ihr für ihn und ihre weiteren Ziele, wie es im Liede heißt, Schwerter gegeben, zugleich aber auch in die Seelen deutscher Arbeiter Sinn und Verständnis für diesen organischen Weg gepflanzt zu haben, der unter allen Gesichtspunkten dem wilden Massenkampf vorzuziehen ist, — bleibt das große, das unvergängliche Verdienst Ferdinand Lassalles.
[1] Auf Vorgänge, die mit Führung und Ausgang des Hatzfeldt-Prozesses in Verbindung stehen, bezieht sich ein Teil der Anklagen, welche im Jahre 1855 eine von Düsseldorf, dem damaligen Wohnort Lassalles, nach London entsandte Deputation rheinischer Sozialisten bei Karl Marx und Freiligrath gegen Lassalle erhob und die auf diese beiden, wie Marx an Engels schrieb, einen entscheidenden Eindruck machten.
[2] G. Brandes, Ferdinand Lassalle. Ein literarisches Charakterbild. Berlin 1877.
[3] Das Vorstehende war seinerzeit gerade geschrieben, als ich durch die Freundlichkeit von Friedrich Engels die im Nachlaß von Karl Marx vorgefundenen Briefe Lassalles an Karl Marx erhielt, die seitdem von Franz Mehring herausgegeben sind (Stuttgart, J. H. W. Dietz Nachfolger). Ein vom 7. Mai 1859 datierter, an Marx und Engels adressierter Brief handelt bis auf wenige Zeilen ausschließlich vom „Franz von Sickingen”. Lassalle hatte von dem Drama, sobald es im Druck erschienen, je ein Exemplar an Karl Marx und Friedrich Engels geschickt, worauf ihm diese, die damals noch örtlich getrennt lebten, eingehend ihre Urteile über es mitteilten, und der erwähnte Brief Lassalles ist dessen Antwort auf diese Urteile. Er verbindet sie in einem und demselben Schreiben, weil, wie er sich ausdrückt, „Eure beiderseitigen Einwürfe, ohne geradezu identisch zu sein, doch in der Hauptsache dieselben Punkte berühren”.
Aus dem Lassalleschen Schreiben geht hervor, daß die Kritik von Marx wie Engels eben die Punkte betrifft, die auch ich im obigen kritisieren zu müssen glaubte. „Ihr stimmt beide darin überein,” schreibt Lassalle an einer Stelle, „daß auch Sickingen noch zu abstrakt gezeichnet ist.” In diesem Satze ist in nuce dasselbe gesagt, was ich oben ausgeführt habe. Der Lassallesche Sickingen ist nicht der streitbare Ritter der ersten Jahrzehnte des sechzehnten Jahrhunderts, er ist der in des letzteren Rüstung gesteckte Liberale des neunzehnten Jahrhunderts, das heißt der liberale Ideologe. Seine Reden fallen gewöhnlich vollständig aus der Epoche, in der sie gehalten sein sollen, heraus. „Ihr begegnet Euch Beide”, schreibt Lassalle an einer andern Stelle, „daß ich die Bauernbewegung ‚zu sehr zurückgesetzt’, ‚nicht genug hervorgehoben habe’. Du (Marx) begründest dies so: Ich hätte Sickingen und Hutten daran untergehen lassen müssen, daß sie, wie der polnische Adel etwa, nur in ihrer Einbildung revolutionär waren, in der Tat aber ein reaktionäres Interesse vertraten. ‚Die adligen Repräsentanten der Revolution’, sagst Du, ‚hinter deren Stichwörtern von Einheit und Freiheit immer noch der Traum des alten Kaiserthums und des Faustrechts lauert — durften dann nicht so alles Interesse absorbiren, wie sie es bei Dir thun, sondern die Vertreter der Bauern, namentlich dieser, und der revolutionären Elemente in den Städten mußten einen ganz bedeutend aktiveren Hintergrund bilden. Du hättest dann auch in viel höherem Grade gerade die modernsten Ideen in ihrer naivsten Form sprechen lassen können, während jetzt in der That, außer der religiösen Freiheit, die bürgerliche Einheit die Hauptidee bleibt’. ‚Bist Du nicht selbst’, rufst Du aus, ‚gewissermaßen wie Dein Franz von Sickingen in den diplomatischen Fehler gefallen, die lutherisch-ritterliche Opposition über die plebejisch-bürgerliche zu stellen?’”
Ich habe aus diesem Zitat die Lassalleschen Zwischenbemerkungen fortgelassen, weil sie sich meist auf im Brief vorhergehende Ausführungen beziehen, hier also unverständlich wären. Im wesentlichen verteidigt sich Lassalle damit, daß er nachzuweisen sucht, die ritterliche Beschränktheit, soweit sie überhaupt im historischen Sickingen vorhanden, damit genügend zum Ausdruck gebracht zu haben, daß Sickingen, statt sich an die ganze Nation zu wenden, statt alle revolutionären Kräfte im Reich zum Aufstand aufzurufen und sich an ihre Spitze zu stellen, seinen Aufstand als einen ritterlichen beginnt und fortführt, bis er an der Beschränktheit seiner ritterlichen Mittel zugrunde geht. Gerade darin, daß Sickingen unterliegt, weil er nicht weit genug gegangen, liege die tragische und zugleich die revolutionäre Idee des Dramas. Der Bauernbewegung aber habe er in der einen Szene des Stückes, in der er die Bauern selbst auf die Bühne bringe, und in den verschiedenen Hinweisen auf sie in den Reden Balthasars usw., vollauf die Bedeutung zugeschrieben, welche ihr in Wirklichkeit innegewohnt habe und noch darüber hinaus. Geschichtlich sei die Bauernbewegung ebenso reaktionär gewesen, wie die des Adels.
Die letztere Auffassung hat Lassalle bekanntlich auch in verschiedenen seiner späteren Schritten verfochten, so u. a. im „Arbeiterprogramm”. Sie ist aber m. E. keineswegs richtig. Daß die Bauern mit Forderungen auftraten, die auf die Vergangenheit zurückgriffen, stempelt ihre Bewegung noch zu keiner reaktionären, die Bauern waren zwar keine neue Klasse, aber sie waren keineswegs, wie die Ritter, eine untergehende Klasse. Das Reaktionäre in ihren Forderungen ist nur formell, nicht das Wesentliche. Das übersieht Lassalle, der als Hegelianer hier wieder in den Fehler verfällt, die Geschichte aus den „Ideen” abzuleiten, so vollständig, daß er zu der Marxschen Bemerkung: „Du hättest dann auch in viel höherem Grade gerade die modernsten Ideen in ihrer naivsten Form sprechen lassen können”, ein doppeltes Fragezeichen, verstärkt durch ein Ausrufungszeichen, macht.
Der andere Teil seiner Verteidigung hätte dann seine Berechtigung, wenn im Stück auch nur die leiseste Andeutung gegeben wäre, daß Sickingens Beschränkung auf seine ritterlichen Mittel seiner ritterlichen Beschränktheit geschuldet war. Das ist aber nicht der Fall. Im Stück wird sie lediglich als ein taktischer Fehler behandelt. Das reicht aus für die tragische Idee des Dramas, aber nicht für die Veranschaulichung des historischen Anachronismus, an dem das Sickingensche Unternehmen in Wirklichkeit zugrunde gegangen ist.
[4] Daß Vogt verdächtig war, hatte Lassalle, der ursprünglich Vogt in Schutz genommen, schon früher zugegeben.
[5] Desgleichen auch in einer zweiten Broschüre von Engels „Savoyen, Nizza und der Rhein”. Lassalle hatte in seiner Broschüre die Annexion Savoyens an Frankreich als eine ganz selbstverständliche und, wenn Deutschland eine dieser Vergrößerung aufwiegende Kompensation erhielte, „ganz unanstößige” Sache hingestellt. Engels weist nun nach, welche außerordentlich starke militärische Position der Besitz Savoyens Frankreich Italien und der Schweiz gegenüber verschaffe, was doch auch in Betracht zu ziehen war. Sardinien gab Savoyen preis, weil es im Moment mehr dafür eintauschte, die Schweizer waren aber durchaus nicht erbaut von dem Handel, und ihre Staatsmänner, Stämpfli, Frey-Herosé u. a., taten ihr möglichstes, die Überlieferung des bisher neutralen Savoyer Gebiets in französische Hände zu verhindern. Im „Herr Vogt” kann man nachlesen, durch welche Manöver die bonapartistischen Agenten in der Schweiz jene Bemühungen hintertrieben. Alles übrige sagt ein einfacher Blick auf die Landkarte.
[6] Hierzu macht Lassalle in Klammern die Bemerkung: „Nur daß zum Glück auch Ihr ihm dieselbe nicht beibringen werdet, und darum erscheint mir der revolutionäre Nutzen allerdings als gesichert.” Wenn dem aber so war, wozu dann erst die Broschüre?
[7] Auf diesen Satz folgte in der ersten Auflage die oben in griechische Klammern gesetzte Betrachtung, die nicht nur durch die russische Revolution mit der Auflösung des russischen Imperiums den größten Teil ihrer sachlichen Bedeutung verloren hat, sondern die auch Wendungen enthält, zu denen ich mich grundsätzlich nicht mehr bekennen kann. Ich habe sie nur deshalb nicht ganz weggestrichen, weil sie immerhin erkennen läßt, wie sich zur Zeit, wo sie geschrieben wurde — 1891 — nach meiner Ansicht die durch 1866 geschaffene Lage unter deutschem Gesichtspunkt darstellte.
In der englischen Ausgabe hat die Betrachtung eine redaktionelle Abänderung erfahren, die mir deshalb der Erwähnung wert erscheint, weil sie zweifelsohne auf Friedrich Engels zurückzuführen ist, der, wie im Vorwort mitgeteilt wurde, jene Ausgabe durchgesehen hat. Ins Deutsche zurückübersetzt lautet die Einleitung dort:
„Wohin hat die preußische Lösung der nationalen Frage Deutschland gebracht? Lassen wir die Frage Elsaß-Lothringen beiseite — die Annexion dieser Provinzen war ein weiterer Bockstreich — und betrachten wir nur die Lage des deutschen Volkes gegenüber Rußland und dem Panslawismus. Österreichs Verdrängung aus dem Deutschen Bund” (weiter, wie im Original).
Obwohl bei mir die Annexion Elsaß-Lothringens mit keiner Silbe erwähnt war und sie für Engländer damals noch kein spezielles Interesse hatte, nimmt Friedrich Engels doch die Gelegenheit wahr, ihrer zu erwähnen, um sie als einen groben politischen Fehler zu bezeichnen — „an additional blunder” heißt es im Englischen. Ein Beweis, wie wenig Engels diese Annexion für endgültig ansah.
Daß im Englischen statt „uns gebracht” gesagt wird: „Deutschland gebracht”, war durch die Rücksicht auf das andre Lesepublikum von selbst geboten. Ich würde aber heute auch aus stilistischen Gründen diese präzisere Ausdrucksweise vorziehen.
[8] Unter dem Titel „Eine Liebes-Episode aus dem Leben Ferdinand Lassalles”. Die Verfasserin ist nun auch längst aus dem Leben geschieden.
[9] Noch hinreißender schildert Lassalle sein seelisches Verhältnis zu Sophie von Hatzfeldt in einem Fragment gebliebenen Brief an eine ungenannte Adressatin, der er darin die Liebe aufkündigt, weil die Dame ihm erklärt hatte, sie könne es nicht vertragen, neben sich noch Sophie von Hatzfeldt um Lassalle zu sehen. Der Brief ist eine ganze Abhandlung über seelische Liebe. (Vgl. Intime Briefe Ferdinand Lassalles, Nachtrag.)
[10] Unter Naturrecht oder Vernunftrecht versteht man die Gesamtheit derjenigen Rechtsgrundsätze, die durch die philosophische Untersuchung vom Begriff und Wesen des Rechts und der Rechtsverhältnisse gewonnen werden und als den Menschen sozusagen angeborenes, ihr natürliches Recht gelten sollen. Es werden daher vielfach Rechtsphilosophie und Naturrecht als Gleiches bezeichnende Begriffe gebraucht.
[11] Vgl. Fr. Engels, „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Im Anschluß an Lewis H. Morgans Forschungen”. 1. Aufl. S. 93.
[12] Um das Jahr 450 v. Chr.
[13] Neuere Untersuchungen haben festgestellt, daß das Aufkommen des Ahnenkultus bei allen Völkern mit dem Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht zusammentrifft.
[14] Übrigens brauchen auch die Römer das Wort familia nicht bloß zur Bezeichnung der einzelnen, unter einem Oberhaupt stehenden Hausgenossenschaft, sondern bereits ebenfalls für den mehr oder minder gelockerten Geschlechtsverband. In einer Stelle des römischen Juristen Ulpian, die Lassalle zitiert, wird ausdrücklich zwischen der „familia” im engeren Sinne (jure proprio) und der familia im weiteren Sinne (communi jure) unterschieden, zu welch letzterer alle diejenigen gehören „... die aus demselben Haus und derselben gens hervorgegangen sind.” Für Lassalle ist die betreffende Stelle ein weiterer Beweis, daß das römische Intestaterbe — kein Familienerbe gewesen sei. „Denn,” sagt er u. a., „man wird doch ... das Erbrecht der Gentilen nicht als ein ‚Familienrecht’ ausgeben wollen!”
[15] Auch gegen die Art, wie in Preußen bei der Aufhebung von Grundsteuerfreiheiten usw. Entschädigungen von der Volksvertretung erpreßt wurden, sagt Lassalle manches kräftige Wort. „Wenn eine Staatsregierung”, schreibt er mit Bezug auf einen, 1859 von der preußischen Regierung eingebrachten und solche Entschädigungen stipulierenden Entwurf — „die unbegreifliche Schwäche hat, einen solchen Vorschlag zu machen, so verzichtet sie dabei grundsätzlich auf das Souveränitätsrecht des Staates, und wenn eine Kammer pflichtvergessen genug sein könnte, aus Rücksicht auf diese Schwäche auf einen solchen Vorschlag einzugehen, so würde sie wenigstens weit logischer handeln, gleich geradezu die Hörigkeit des Volkes von den adeligen Grundbesitzern neu zu proklamiren.” Was hätte er wohl gesagt, wenn ihm jemand erwidert hätte, noch nach dreißig Jahren werden in Preußen solche „Schwächen” und solche „Pflichtvergessenheit” berechtigte nationale Institutionen sein! Freilich, Lassalle war damals noch naiv genug, zu schreiben, daß, als in England die Kornzölle aufgehoben wurden, die Tories nicht die „Schamlosigkeit” gehabt haben, „sich aus ihren jetzt unspekulativ gewordenen Güterankäufen ein Ersatzrecht gegen den öffentlichen Geist zu drehen!” Hätte er dreißig Jahre länger gelebt, so würde er erfahren haben, daß was den Tories 1846 fehlte, weiter nichts war, als das richtige „praktische Christentum”.
Aber welche Ironie der Geschichte, daß die Aufgabe, die Neuauflage des „Systems der erworbenen Rechte” zu besorgen, gerade Lothar Bucher zufallen mußte. Bucher schrieb 1880 im Vorwort zur zweiten Ausgabe, nur seine Berufstätigkeit habe ihn verhindert, den Nachweis zu versuchen, wie das „System in den Gesetzberatungen der letztverflossenen zehn Jahre hätte benutzt oder erprobt werden können”. Tatsächlich schlagen die meisten der dafür in Betracht kommenden Gesetze der Ära Bismarck dem Geist dieses Buches direkt ins Gesicht.
[16] Man muß sich freilich das Verhältnis nicht gar zu mechanisch vorstellen. Nach dem Gesetz der Wechselwirkungen können die religiösen, Rechts- usw. Anschauungen, kurz das, was man unter dem Begriff des Volksgeistes zusammenfaßt, ihrerseits wiederum einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Produktionsverhältnisse ausüben, innerhalb gewisser Grenzen z. B. ihre Fortentwicklung hindern oder verlangsamen. Schließlich sind es doch immer die Menschen, die ihre eigene Geschichte machen. Aber es handelt sich hier um die letzten Ursachen, die der geschichtlichen Entwicklung zugrunde liegen.
[17] In einem Briefe vom 11. September 1860 nennt er es „ein Meisterwerk”, das ihn „zur höchsten Bewunderung hingerissen” habe.
[18] Daß die Führer der Italiener Becker sehr gut kannten, geht aus einem Briefe Mazzinis an Becker vom Juni 1861 hervor. Vgl. die Veröffentlichungen R. Rüeggs aus den Papieren Joh. Ph. Beckers im Jahrgang 1888 der „Neuen Zeit”, S. 458 usf.
[19] Die Briefe Lassalles an Hans von Bülow sind Mitte der achtziger Jahre im Buchhandel erschienen. (Dresden und Leipzig, H. Minden.) So dünn das Bändchen, so liederlich ist es zusammengestellt. Im Vorwort wird eine Stelle aus einem Brief Heines über Lassalle dem Fürsten Pückler-Muskau zugeschrieben; die Briefe selbst sind nicht einmal chronologisch geordnet, wozu deren Nichtdatierung von seiten Lassalles den Vorwand liefern muß, obwohl bei den meisten aus dem Inhalt das ungefähre Datum leicht festzustellen war. In einem der Briefe ist von „Salingers genialer Komposition” die Rede. Der Herausgeber, der die Briefe von Hans von Bülow selbst erhalten, macht dazu die Note „Arbeiterhymne von Herwegh”. Daß der Name Salinger bzw. Solinger Pseudonym für Hans von Bülow war, wird dagegen nicht einmal angedeutet. Bülow hatte die Komposition des Herweghschen Gedichts unter dem Namen Solinger veröffentlicht.
[20] Wohl ein Druckfehler.
D. H.
[21] Wir haben oben, bei Besprechung des „Italienischen Krieges” gesehen, mit welchem kühlen, gar nicht in die Schablone des „guten Patrioten” passenden Blick Lassalle die Rückwirkung auswärtiger Verwicklungen auf die innere Politik betrachtete. Sehr bezeichnend dafür ist auch eine Stelle in der Schrift „Was nun?”, die schon deshalb hierher gehört, weil Lassalles dort entwickelter Vorschlag tatsächlich nur zwei Lösungen zuließ: Entweder Staatsstreich oder Revolution. Anknüpfend daran, wie unmöglich und unhaltbar die auswärtige diplomatische Stellung der preußischen Regierung wäre, wenn sein Vorschlag befolgt würde, fährt Lassalle fort:
„Daß Keiner von Ihnen, meine Herren, glaube, dies sei ein unpatriotisches Räsonnement. Einmal hat der Politiker, wie der Naturforscher, Alles zu betrachten, was ist, und also alle wirkenden Kräfte in Erwägung zu ziehen. Der Antagonismus der Staaten unter einander, der Gegensatz, die Eifersucht, der Konflikt in den diplomatischen Beziehungen ist einmal eine wirkende Kraft und, gleichviel ob gut oder schlimm, müßte sie hiernach schon unbedingt in Rechnung gezogen werden. Überdies aber, meine Herren, wie oft habe ich Gelegenheit gehabt, in der Stille meines Zimmers bei historischen Studien mir die große Wahrheit auf das Genaueste zu vergegenwärtigen, daß fast garnicht abzusehen wäre, auf welcher Stufe der Barbarei wir, und die Welt im Allgemeinen, noch stehen würden, wenn nicht seit je die Eifersucht und der Gegensatz der Regierungen unter einander ein wirksames Mittel gewesen wäre, die Regierung zu Fortschritten im Innern zu zwingen! Endlich aber, meine Herren, ist die Existenz der Deutschen nicht von so prekärer Natur, daß bei ihnen eine Niederlage ihrer Regierungen eine wirkliche Gefahr für die Existenz der Nation in sich schlösse. Wenn Sie, meine Herren, die Geschichte genau und mit innerem Verständniß betrachten, so werden Sie sehen, daß die Kulturarbeiten, die unser Volk vollbracht hat, so riesenhafte und gewaltige, so bahnbrechende und dem übrigen Europa vorleuchtende sind, daß an der Nothwendigkeit und Unverwüstlichkeit unserer nationalen Existenz garnicht gezweifelt werden kann. Geraten wir also in einen großen äußeren Krieg, so können in demselben wohl unsere einzelnen Regierungen, die sächsische, preußische, bayerische zusammenbrechen, aber wie ein Phönix würde sich aus der Asche derselben unzerstörbar erheben das, worauf es uns allein ankommen kann — das deutsche Volk!”
Es ist in diesen Sätzen sehr viel Richtiges enthalten, doch darf man zweierlei nicht vergessen. Erstens, daß, ein so wichtiger Faktor des Fortschritts der Völker die Rivalität der Regierenden sein kann und unzweifelhaft oft gewesen ist, sie doch auch recht oft als ein Faktor im entgegengesetzten Sinne gewirkt, sich als ein Hemmnis des Fortschritts erwiesen hat. Es sei nur an die beiden Gesichter des heutigen Militarismus erinnert. Zweitens, daß ein äußerer Krieg zwar ein großes Kulturvolk nicht aus der Reihe der Nationen auslöschen, es aber doch so wesentlich in seinen Lebensinteressen schädigen kann, daß er immer eine Sache bleibt, die man in Betracht ziehen, aber auf die man nicht spekulieren soll. In dem erwähnten Beispiel tut Lassalle nur das erstere, aber wie der Schlußsatz und seine Briefe zeigen, war er auch zu dem Letzteren sehr geneigt — eine übrigens weit verbreitete, aber darum nicht minder zu bekämpfende Tendenz.
[22] Auf 3428457 selbsttätige Personen in der Landwirtschaft kamen damals in Preußen erst 766180 selbsttätige Personen in der Fabrikindustrie, die Geschäftsleiter und Beamten eingeschlossen.
[23] Ursprünglich hatte es in Rodbertus' „Offenem Brief” geheißen: „Und ich wiederhole, daß ich mir auch von den Produktivassoziationen nicht im Geringsten einen Beitrag zu dem verspreche, was man die Lösung der sozialen Frage nennt.” Auf Wunsch Lassalles wurden aber diese Worte beim Druck fortgelassen, da er der Sache nach eine Wiederholung des in dem Brief vorher Gesagten sei, in dieser scharfen Form aber notwendigerweise „die Arbeiter, wenn sie so schroffen Widerstreit zwischen ihren Führern sehen, entmutigen müsse”. (Lassalles Brief an Rodbertus vom 22. April 1863.)
[24] „Neue Zeit”, Jahrgang 1890/91: „Zur Frage des ehernen Lohngesetzes.” Die so betitelte Abhandlung ist von mir später gesondert in das Buch „Zur Theorie des Lohngesetzes und Verwandtes” (erster Teil der Sammelschrift „Zur Theorie und Geschichte des Sozialismus”, Berlin, Ferd. Dümmler) übernommen worden.
[25] Proudhon selbst hatte die Produktivassoziation Louis Blanc „entlehnt” — richtiger, Louis Blancs Assoziationsplan in seiner Weise umgearbeitet. Lassalles Vorschlag nimmt eine Mittelstellung zwischen Louis Blancs und Proudhons Vorschlägen ein; mit dem ersteren hat er die Staatshilfe, mit dem letzteren die Selbständigkeit der Assoziation gemein.
[26] In der von Prof. Ad. Wagner besorgten Ausgabe der Lassalleschen Briefe heißt es „nicht gehört”. Das „nicht” beruht aber, wie sich im folgenden zeigt, auf einem Druckfehler. Es fehlt auch in dem Abdruck des Briefes bei Rudolph Meyer (vgl. a. a. O. S. 463).
[27] D. h. als der Überschuß des Bodenertrags über einen gewissen Mindestsatz, unter dem Boden überhaupt nicht bewirtschaftet wird, weil er nicht einmal vollwertige Bezahlung für die in ihn gesteckte Arbeit abwirft.
[28] Hier nicht zu verwechseln mit den Vorschlägen von Henry George, Flürscheim usw., da Lassalle die allgemeine Verwirklichung der Assoziationen voraussetzt, ohne welche, wie wir früher gesehen haben, jede Steuerreform nach seiner Ansicht am ehernen Lohngesetz scheitern müßte.
[29] Auch war es bei solcher Auffassung nur logisch, wenn Lassalle z. B. in seiner Leipziger Rede „Zur Arbeiterfrage” den sogenannten Manchestermännern u. a. schon daraus einen Vorwurf machte, daß sie, wenn sie könnten, den Staat „untergehen lassen würden in der Gesellschaft”. Tatsächlich liegt das Bezeichnende jedoch darin, daß die Manchestermänner den Staat in der kapitalistischen Gesellschaft untergehen lassen wollen.
[30] Ich erinnere mich, obwohl ich damals noch ein Schulknabe war, noch sehr gut jener Epoche; aus ihr datieren meine ersten politischen Eindrücke. In der Schulklasse, auf dem Turnplatz — überall wurde in jenen Tagen politisiert, und natürlich gaben wir Knaben nur in unserer Art wieder, was wir im elterlichen Hause, in unserer Umgebung, zu vernehmen pflegten. Meine Mitschüler gehörten den bürgerlichen Klassen, meine Spielkameraden dem Proletariat an, aber die einen wie die andern waren gleich fest davon überzeugt, daß eine Revolution „kommen muß”, denn „mein Vater hat es auch gesagt”. Jede Äußerung der Wortführer der Fortschrittspartei, die als ein Hinweis auf die Revolution gedeutet werden könnte, wurde triumphierend von Mund zu Mund kolportiert, desgleichen Spottverse auf den König und seine Minister.
[31] So ist z. B. gleich der erste Einwurf Lassalles gegen Schulze-Delitzsch, „Bedürfnis” und „Trieb nach Befriedigung” seien „nur zwei verschiedene Wortbezeichnungen für dieselbe Sache” falsch. Beides fällt in der Regel zusammen, ist aber keineswegs dasselbe. Einige Seiten darauf macht sich Lassalle darüber lustig, daß Schulze-Delitzsch den Unterschied zwischen menschlicher und tierischer Arbeit darin erblicke, daß die erstere Arbeit für künftige Bedürfnisse sei, verfällt aber seinerseits in den noch größeren Fehler, diesen Unterschied einfach darin zu sehen, daß der Mensch mit Bewußtsein, das Tier ohne solches tätig sei. Und ähnlich an anderen Stellen.
[32] Es sei hier noch einmal an das Auftreten Eichlers erinnert. Ferner ist interessant folgende Stelle aus dem Schlußwort einer Ansprache des Herrn Herm. Wagener, Vertrauten des Herrn von Bismarck und tonangebenden Leiter der „Kreuz-Zeitung”, in einer Sitzung des konservativen preußischen Volksvereins vom 2. November 1862: „Meine Herren, täuschen wir uns nicht, lernen wir von unsern Gegnern, denn sie sagen mit Recht, wenn es Euch nicht gelingt, die soziale Frage zu lösen, so ist all Euer Laufen und Mühen umsonst. Ich schließe deshalb mit der Aufforderung, treiben wir das, was wir als die Aufgaben und Bedürfnisse der nächsten Zukunft erkennen, treiben wir das mit noch mehr Energie, treiben wir es nicht bloß für die Zeit der Wahlen.”
[33] Der Aufsatz ist in unserer Gesamtausgabe der Lassalleschen Schriften dem für das große Publikum bestimmten Vorwort Lassalles zum Franz von Sickingen angefügt (vgl. Bd. I).
[34] Die Stelle lautet: „Mit dem Trost einer möglichst baldigen gesetzlichen Regelung der Frage und dadurch Abhülfe ihrer Not entließen Seine Majestät die Deputation. Das königliche Versprechen wird erhebend und ermuthigend in allen Thälern des Riesengebirges widerhallen und vielen hundert duldenden redlichen Familien neue Hoffnung und neue Kraft zum muthigen Ausharren geben.”
[35] In einen Brief Lassalles an den Vize-Präsidenten Dr. Dammer, an den Lassalle in der ersten Aufregung zwei sich durchaus widersprechende Telegramme gesandt, hatte es wörtlich geheißen: „Die erste Depesche ... erließ ich sofort, weil mir der ganze Schleswig-Holstein-Dusel in vieler Hinsicht höchst unangenehm ist.” Der Widerspruch in den Telegrammen erklärt sich jetzt durch die widerspruchsvolle Situation, in die Lassalle geraten war. Er war, ohne es selbst zu wissen, nicht mehr frei.