Von Geyer geht man auf der Chaussee durch den Geyerschen Wald nach Stadt Zwönitz und wendet sich hier, Lössnitz links lassend, nach Lenkersdorf und Affalter, um die bei diesen Orten vorkommenden Schieferbrüche in Augenschein zu nehmen. Nunmehr begiebt man sich nach Hartenstein, dem Hauptorte der gleichnamigen Schönburger Rezessherrschaft. Man besteigt allda das Schloss und wandert dann auf angenehmem Pfade, durch prächtigen Laubwald, nach der Prinzenhöhle, welche jedenfalls ein alter verlassener Stollen, aber dadurch von Interesse ist, dass in ihr Kunz von Kaufungen's Genossen, von Mosen und Schönfels, sich mit dem Prinzen Ernst fast 3 Tage lang versteckt hielten und von ihr aus sich ergaben. Sie liegt oberhalb des rechten Muldenufers und ist von dichtem Laubholz umgeben, nicht weit von ihr ist indess eine Platte, welche eine gute Aussicht nach dem jenseitigen Thalhang, auf das Dorf Wildbach und die Ruine Eisenburg, gewährt. Wir steigen nun zum Flusse hinunter und wandern stromabwärts nach Schloss Stein, das wegen alterthümlicher Bauart und reizender Lage einen längeren Aufenthalt verdient. Später fahren wir auf der Eisenbahn, an Wiesenburg mit seiner Ruine, an Kainsdorf mit seinen Schmelzhütten und an Hohendorf mit seinen Essen vorbei nach der alten Schwanenstadt Zwickau, unserem Tagesziele.
Geyer s. R. XV. S. 94.
Zwönitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1630´ ü. M, mit 2693 E. Hat Klöppelei, Weberei und Strumpfwirkerei, besonders aber Schuhmacherei.
Hartenstein, Stadt am Thierfelder Bache, 1152´ ü. M., mit 2506 E. Beschäftigt sich mit Ackerbau, Weberei, Strumpfwirkerei, Klöppelei und Nähterei. – Zur Herrschaft Hartenstein gehörten früher auch die Aemter Grünhain und Crottendorf, beide sind aber schon 1559 durch Kauf an das Kurhaus Sachsen gekommen. – Hartenstein ist Heimathsort des Dichters Paul Flemming († 1643).
(Eisenbahnroute.)
Man besteigt in Zwickau den Dampfwagen und fahrt zunächst bis Glauchau, um diese wichtige Fabrikstadt in Augenschein zu nehmen. Darnach benutzt man den Zug bis Hohenstein-Ernstthal, weil diese Schwesterstädte sowohl wegen ihrer reizenden Lage als wegen ihrer Industrie Beachtung verdienen. Und endlich lässt man sich durch die Lokomotive bis Chemnitz, der Grossindustrie-Stadt, bringen, welche von den Erzgebirgern nicht ohne Stolz das sächsische Manchester genannt wird und rücksichtlich ihrer Industrie jedem Besucher genug des Interessanten darbietet.
Glauchau, Stadt an der Zwickauer Mulde, 801´ ü. M., mit 22,022 E. Sitz der Schönburgischen Regierung. Enthält zwei gräfliche Schlösser und in der einen Kirche eine Silbermann'sche Orgel. Seine schwunghafte Industrie, die – gleich der von Meerane – wesentlich wollene und halbwollene Kleider- und Mäntelstoffe liefert, hat ein rasches Wachsthum der Bevölkerung ermöglicht. In der Färberei soll Glauchau sogar Chemnitz überholt haben.
Die Städte Hohenstein, 1217´ ü. M., mit 5638 E., und Ernstthal, 1064´ ü. M., mit 3768 E., sind so nah' an einander gelegen, dass in der »Schnabelgasse« die eine Häuserreihe zu Hohenstein und die andere zu Ernstthal gehört. Beide Ortschaften treiben Buntweberei und Strumpfwirkerei. Hohenstein ist, ähnlich wie Buchholz, terassenförmig gebaut und bietet namentlich an der obern Seite des Marktes und am Schiesshause einen prächtigen Blick auf das obere Erzgebirge. Viel umfassender ist allerdings die Sicht auf dem nur eine Stunde von der Stadt entfernten Kapellenberg, da man hier nicht nur das Obergebirge, sondern auch die Muldenländer, sowie die Gegend von Schleiz, Altenburg, Rochlitz, Leipzig, Wurzen und Oschatz sehen kann. – Mineralogisch ist das Terrain bei Hohenstein-Ernstthal dadurch wichtig, dass hier das grosse Zwickauer Kohlenbecken mit dem nördlich von ihm auftretenden Glimmerschiefer raint, welcher an mehreren Stellen verschiedene Einlagen und besonders Serpentin aufweist. – Nicht weit von Hohenstein befindet sich ein Stahlbad, mit dem eine Kaltwasserheilanstalt verbunden ist. – In Hohenstein ist der Erfinder des Pianofortes L. G. Schröder und der Philosoph und Naturforscher Schubert geboren.
Chemnitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, 894´ ü. M., mit 68,229 E. Bietet landschaftlich wenig, um so mehr aber industriell dar und kündigt sich schon durch sein Aeusseres, besonders durch die massenhaften, vielstöckigen, kasernenartigen Gebäude und die grosse Schaar von Dampfessen, als Fabrikstadt an. Von Alterthümlichen ist in Chemnitz wenig zu finden. Ausser den geringen Resten der Stadtmauer deuten nur einige Häuser am Markte mit ihren Lauben und eigenartigen Giebeln und die Kirchen auf die Vorzeit hin. Fast alles Andere ist jüngeren, wenn nicht jüngsten Ursprungs. Denn abgesehen von den Erneuerungen, welche durch Feuer und durch Wegreissen veranlasst worden sind, hat sich der Ort in letzterer Zeit so erweitert, dass seine Vorstädte die anliegenden Dörfer zu umfassen drohen. Von den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich noch aus: die Post, das Theater, die Börse, das St. Georgs-Hospital, die Kaserne und der Bahnhof. Das Schloss, so sehr seine Lage und Umgebung gefällt, ist mit Ausnahme der wohl erhaltenen gothischen Kirche ohne Bedeutung. – Das Sehenswertheste in Chemnitz sind die verschiedenen industriellen Etablissements, wie die Aktienspinnerei, die sächs. Maschinenfabrik (früher Richard Hartmann), die Chemnitzer Werkzeug-Maschinenfabrik (früher Zimmermann), die Buntwaarenfabriken, die Druckfabriken, die Türkischgarnfärbereien und dergl. mehr. Unter den Privatgebäuden verdient das Haus des Maschinenfabrikanten Zimmermann den Preis und liefert selbiges zugleich den Beleg, dass man in Chemnitz bereits begonnen hat, neben der Zweckmässigkeit auch die Schönheit zu betonen. – Chemnitz ist der Geburtsort des grossen Philologen Heyne († 1812).
Geschichtliches von Chemnitz und dessen Industrie. – Chemnitz ist eine alte sorbische Niederlassung und heisst ursprünglich »Kampnitz«, d. i. Steinheim. Die Stadt wurde von Kaiser Heinrich I. zur freien Reichsstadt erhoben, kam aber 1308 als Pfand und 1324 als erblicher Besitz an die Markgrafen von Meissen. Seit dem 12. Jahrhundert war sie stark befestigt; auch widerstanden ihre (25) Mauerthürme 1429 und 1430 mit Erfolg den sie belagernden Hussiten. Schon im früheren Mittelalter zeichnete sich Chemnitz durch Leinweberei und Bleicherei aus, wozu im 15. Jahrhundert noch die durch Niederländer eingeführte Tuchmacherei kam. Aber der 30jährige Krieg zerstörte wie den Wohlstand mancher anderen, so auch den dieser Stadt, und noch vier Jahrzehnte nach dem westphälischen Friedensschluss zählte sie kaum 5000 E. Mit Ende des 17. Jahrhunderts jedoch that Chemnitz einen glücklichen Griff, indem es früher, als andere deutsche Städte, die Verarbeitung der Baumwolle im Grossen begann und sich so einen grosser Steigerung fähigen Erwerbszweig verschaffte. Nun begann eine emsige Thätigkeit. Tausende von Händen rührten sich, um mittelst der Spindel – später benutzte man dazu die Handmühlen mit je 10 bis 30 Spulen – den Baumwollenfaden herzustellen und mittelst des Weberschiffleins das erhaltene Garn zu Barchent (1715), Musselin (1725) und Kattun zu verweben. Man kann behaupten, dass 50 Jahre nach Betreten der neuen industriellen Bahn in und um Chemnitz 2000 Handstühle in Thätigkeit waren. Dazu kam, dass sich schon 1728 zu der Weberei die Strumpfwirkerei gesellt hatte, wenn diese ihre grosse Bedeutung auch erst gewann, als es dem Kaufmann Esche in Limbach (1776) gelungen war, den von dem Engländer Lee erfundenen Strumpfwirkerstuhl nachzubauen. (S. o. Seite 22).
Allein der grossartige Aufschwung, welchen sammt stufenmässiger Entwickelung wir heute an Chemnitz und dessen Industrie gewahren, datirt erst von Beginn dieses Jahrhunderts. Ausser dem rüstigen Fleisse und der unverwüstlichen Thatkraft der Bewohner trugen dazu folgende 5 Ursachen bei:
1) Die Ersetzung der Handarbeit durch Maschinen, wodurch eine raschere Produktion ermöglicht wurde.
2) Die von Napoleon 1806 angeordnete Kontinentalsperre, welche wenigstens für einige Zeit Chemnitz von seinem gefährlichsten Rivalen, von England, befreite.
3) Die Benutzung der Dampfkraft, wodurch der Industrie ein ganz neuer Motor zugeführt wurde.
4) Der Anschluss Sachsens an den Zollverein, welcher (1834) den Chemnitzer Fabrikaten ein weites Absatzgebiet eröffnete, und
5) Die Anlegung von Eisenbahnen, wodurch Chemnitz zum Centralpunkte Sachsens erhoben und nach allen Richtungen hin mit bequemen Handelsstrassen versehen wurde.
Unter den Chemnitzer Industrien, die sich indess nicht auf die Stadt beschränkt, sondern auch in die Umgegend verbreitet haben, steht nach wie vor die Bearbeitung der Baumwolle oben an. Man unterscheidet drei dahin einschlagende Branchen: Spinnerei, Weberei und Strumpfwirkerei.
Als man bei Beginn dieses Jahrhunderts die 1775 von dem Engländer Richard Arkwright erfundene Spinnmaschine bei und in Chemnitz einführte, da wurden die üblichen Baumwollenräder und Handmaschinen zur Ruhe gewiesen und für den Augenblick Tausende von Arbeitern brodlos gemacht. Aber die Zahl der Spinnmühlen nahm mit der Zeit zu, indem man die Wasser der Zschopau, der Flöha, des Wilischbaches u. s. w. zum Treiben der Spindeln benutzte und, wo die Wasserkraft nicht genügte oder fehlte, später auch die Dampfkraft anwandte. So hat Sachsen nach und nach über 250 Spinnereien – die grösste ist die Aktienspinnerei in Chemnitz – mit 1,200,000 Spindeln erhalten und beschäftigt nun bei der Maschinenspinnerei mehr Arbeiter, als sonst beim Handgespinnst thätig waren. – Die enorme Leistungsfähigkeit der Spinnmühlen hat zugleich Chemnitz zum Sitz eines grossartigen Garnhandels gemacht.
An die Spinnerei schliesst sich naturgemäss die Weberei an, die als Hausindustrie und Fabrikindustrie betrieben wird, wenn auch die neuere Zeit immermehr letzterer den Vorzug zu geben scheint. Grosse Fortschritte sind in der Weberei durch Anwendung des Jaquardstuhles gemacht worden, weil dieser mittelst künstlicher Mechanismen allerlei Muster und Figuren in die Zeuge zu weben vermag. Der Verbrauch der hierbei nöthigen Pappdeckel, deren Löcher das Muster vorzeichnen, ist so gross, dass die »Kartenschläger« in Chemnitz eine besondere Arbeiterklasse bilden. Dazu kommt noch, dass man jetzt mechanische Webstühle construirt, bei denen die Schifflein ohne Beihülfe der Menschenhand hin- und herfliegen und rasch und präcis arbeiten. – Während Chemnitz früher fast nur Kattun und Buntwaaren lieferte, so fertigt es seit Einführung des Jacquardstuhles auch prächtig-gemusterte Möbelstoffe, Tischdecken und Tücher.
Die Weberei rief wiederum die mit ihr in Zusammenhang stehenden Färbereien, Appreturanstalten und Druckereien hervor. Im Zeug- und Kattundruck wird die Menschenhand gleichfalls von der Maschine bekämpft. Und wie beim Buchdrucken die Handpresse vor der Schnellpresse das Feld räumen musste, so wird im Zeugdruck bald auch die Handarbeit durch die Maschinenarbeit verdrängt sein.
Die Strumpfwirkerei wird zwar in Chemnitz selbst nicht mehr betrieben, hat sich vielmehr nach dem umliegenden Gebiet gewandt, so dass fast in allen Orten von Zschopau bis Waldenburg und von Lössnitz bis Mittweida das eigenthümliche Schnarren des Wirkerstuhles ertönt. Nichts desto weniger ist Chemnitz für das gelieferte Fabrikat der Hauptstapelplatz; denn dieses kommt zum grössten Theile von hier in den Handel. – Auch in der Strumpfwirkerei sucht man die Handstühle durch Strumpfmaschinen, sogenannte Rundstühle, zu ersetzen, weil diese ihre Maschen ohne Unterbrechung knüpfen und darum schneller produciren.
Ein zweiter wichtiger Industriezweig, welchen Chemnitz bei sich heimisch gemacht hat, ist der Maschinenbau. Des Ortes grosser Bedarf an Spinn- u. Webemaschinen forderte dazu auf, ihre Herstellung nicht auf immer dem Auslande zu überlassen. Und so wurde denn 1826 die Maschinenfabrikation begonnen und nach und nach durch Rührigkeit, Ausdauer und Intelligenz zu voller Blüthe entwickelt. Die Stadt hat jetzt mehr als 50 Werkstätten und fertigt darin alle Arten von Maschinen: als Lokomotiven, Locomobilen, Kalorische Maschinen, Spinnmühlen, Rundstühle, Förderzeuge für Bergwerke, Pumpwerke, Feuerspritzen, Nähmaschinen, Werkzeugmaschinen, landwirthschaftliche Maschinen und dergl. mehr. Das Verzeichniss aller in Chemnitz gebauten Maschinen füllt mehrere Bogen und wird nichts Wichtiges aus der bezüglichen Branche vermissen lassen. Am grössten und vielseitigsten ist die Sächs. Maschinenbau-Anstalt (früher Richard Hartmann). Selbst dem, welcher an anderen Orten bereits Etablissements ähnlicher Art gesehen hat, ist ihr Besuch anzurathen. Was wird da geschmolzen und geschweisst, gefeilt, geschliffen und polirt! Was sind da für Bohr- und Stossapparate, für Drechsel- und Hobelmaschinen in Thätigkeit! Wird doch durch sinnreiche Mechanismen das Eisen hier mit einer Leichtigkeit bearbeitet, als wäre es weiches Holz! Am meisten staunt man aber über die Ruhe und Sicherheit, mit welcher all' diese cyklopischen Kräfte angestellt und geleitet werden. Unter den Tausenden von Beschäftigten verrichtet Jeder, unbekümmert um den Nachbar, nur seine eigene, besondere Arbeit, und dennoch entsteht, wenn ein Beauftragter die vielerlei Stücke und Stangen, Walzen und Räder, Schrauben, Nieten und Nägel planmässig mit einander verbindet, ein Werk, das von einem einzigen Manne gearbeitet zu sein scheint. Wer am Maschinenbau Interesse hat, thut wohl, auch den andern Anstalten, besonders der Chemnitzer Werkzeug-Maschinen-Fabrik (früher Zimmermann) einen Besuch zu machen.
Neben den vier genannten Hauptindustrien besitzt Chemnitz noch viele andere ansehnliche Fabriken: wie Wachstuch-, Blumen-, Lampen-, Regenschirm-, Spielkarten- und Harmonikafabriken, dann Drahtflechtereien, Nagelmaschinen und chemische Fabriken. »Ueberhaupt führt« – um mit dem Verfasser der Lebensbilder vom Sächs. Erzgebirge zu reden – »das Chemnitzer Adressbuch die reichste Musterkarte von Geschäften. Vom Bandage- und Billardfabrikanten geht es durch die Cigarre u. s. w. bis zum Zwirn fast durch alle Buchstaben des Alphabets.«
Durch dies Alles ist Chemnitz zum Mittelpunkte des industriellen Erzgebirges geworden. Wie der Körper vom Herzen die belebenden Pulsschläge erhält, so empfängt von Chemnitz aus der Gewerbfleiss unserer Gaugenossen die befruchtenden Anregungen. Die Stadt spart aber auch nicht Kosten, Mühen und Einrichtungen, um sich auf der Höhe ihrer Sendung zu behaupten. Dafür zeugen ihre technischen Schulen und die für Belebung und Veredelung der Industrie gestifteten Vereine. Denn Chemnitz hat eine höhere Gewerbschule, eine Webschule, eine Baugewerken- und Werkmeisterschule, eine Handelsschule und eine Sonntagsschule, welche sämmtlich für die Jugend bestimmt sind, und daneben den »Industrieverein«, die Permanente Ausstellung und die Kunsthütte, welche auf die Erwachsenen wirken sollen. – Möge Chemnitz auch fürder gedeihen! das der Wunsch, mit dem wir von des Erzgebirges industrieller Hauptstadt scheiden.
Von Geyer (s. o. S. 94) wandert man ins Thal der Greifenbach und dann an der »Gifthütte« vorbei nach Hormersdorf (1311 E.); um sich hier links nach Dorf-Chemnitz (1050 E.) zu wenden, von woaus die Strasse über Brünlos (831 E.) nach Stollberg führt. Der Weg von Stollberg nach Stadt Chemnitz geht über Pfaffenhain und Neukirchen (3322 E.), wird aber besser mit Post, denn zu Fusse zurückgelegt. Freunde des Kohlenbergbaues werden von Stollberg aus die Lugauer-Niederwürschnitzer Kohlenwerke besuchen und sich dann erst nach Chemnitz begeben. Im Ganzen zählt die Würschnitzer Gegend 14 Schächte, von denen jährlich über 3 Millionen Ctr. Kohlen ausgebracht werden. Das mächtigste, wohl 40´ starke Flötz befindet sich im Hedwigschacht bei Oelsnitz, freilich in einer Tiefe von 2000´. Die »Neue Fundgrube« bei Lugau, welche 1867 einstürzte und über 100 Menschen verschüttete, wird jetzt erst wieder aufgewältigt. – Die Würschnitzer Kohlenfelder sind durch Eisenbahn mit Chemnitz verbunden.
Stollberg, Stadt a. d. Gablenz, 1285´ ü. M. mit 5788 E. Nächst Chemnitz Hauptort für das Strumpf-Geschäft. – Auf dem nahen Schlosse Hoheneck befindet sich seit 1864 eine Strafanstalt für Frauen.
Chemnitz, s. R. XXXIII. S. 145.
Von Zschopau (s. o. S. 88) fährt man mit der Eisenbahn, immer den gleichnamigen Fluss entlang, bis Erdmannsdorf (1079 E.). Hier verlässt man den Zug, um gleich hinter dem Bahnhofe, in angenehmem Waldthale (nicht auf der Chaussee!) nach Stadt Schellenberg und der darüber thronenden Augustusburg emporzusteigen. Diese gewährt von ihrer nordwestlichen Zinne eine wundervolle Umschau, indem der Blick über freundliche Ortschaften, lachende Fluren und grüne Wälder dahinschweift und ebensowohl den Kamm des Obergebirges mit den verschiedenen Gipfeln, als die Gegenden des Niederlandes mit dem Rochlitzer- und Kolmberg trifft! Das Schloss, von 1568–72 erbaut, besteht aus vier genau nach den Himmelsgegenden gelegenen Häusern (dem Sommer-, Küchen-, Linden- und Hasenhaus) und enthält 1 Kapelle, 5 Säle, über 150 Zimmer und Kammern und 25 Keller. Die Kapelle ist im byzantischen Style ausgeführt und besitzt ein Altargemälde von Kranach dem Jüngern. Sehenswerth sind auch der 300 Ellen tiefe Schlossbrunnen, eine uralte Linde und der frühere Bärenzwinger.
Von der Burg begiebt man sich, auf ihrer hinteren, d. i. westlichen Seite herabsteigend, über den Kunnerstein, welcher wegen der prächtigen Aussicht auf das Zschopauthal gern besucht wird, zurück nach Erdmannsdorf, um mit dem Dampfwagen nach Niederwiesa (722 E.) zu fahren und dann zu Fusse nach Lichtenwalde zu gehen. Ein schönerer Schlosspark als der von Lichtenwalde ist in ganz Sachsen nicht zu finden. Er ist terassenförmig und im französischen Geschmack angelegt und erstreckt sich über lauschigen Thalgrund wie über freiere Höhen. Wundervoll sind die langen Lindenalleen, ehrwürdig die Gruppen von Eichen, reizend die Baumgänge unter Buchengezweig. Auch wenn die Wasserkünste nicht gehen – gewöhnlich sind sie nur zu Pfingsten und Johannis in Thätigkeit – wird man sich von Lichtenwalde erquickt und gehoben fühlen. Dazu ist in der Nähe noch eine interessante Partie. Jenseits der Zschopau trifft man auf den Harrassprung, welcher von der Sage und Poesie so verherrlicht worden ist. Man gedenkt bei ihm um so lieber der besungenen Mähr', weil des Flusses Felsenrand und das winkende Schloss das Wagniss des Ritters[20] verstehen und würdigen lehren. – Nun geht man an der Zschopau abwärts bis Frankenberg, besichtigt die Stadt und fährt dann mit der Bahn nach Hainichen, womit das Tagesziel erreicht ist.
Schellenberg, Stadt, 1550´ ü. M., mit 1943 E. Treibt neben Feldwirthschaft etwas Woll- und Baumwollweberei.
Frankenberg, Stadt a. d. Zschopau, 812´ ü. M., mit 9408 E. Hat viel Fabriksthätigkeit in baumwollenen, halbwollenen und mit Seide gemischten Stoffen; auch Damastweberei. – Etwas unterhalb Frankenberg thront an der Zschopau das malerische Felsenschloss Sachsenburg, zu welchem eine in Stein eingehauene Treppe von 180 Stufen emporführt.
Hainichen, Stadt a. d. kleinen Striegis, 950´ ü. M., mit 7713 E. Ist der Mittelpunkt einer lebhaften Flanellindustrie, zu welcher die Garne in der Stadt und Umgegend gesponnen werden. In der Nähe etwas Kohlenbergbau. Hainichen ist Geburtsort des Dichters Gellert († 1769); an ihn erinnert ein Denkmal auf dem Markte und ein nach ihm benanntes Rettungshaus.
(Eisenbahnroute.)
Von Chemnitz fahren wir mit dem Dampfwagen durch Niederwiesa nach Flöha, dann in vielen Windungen, wobei Einschnitte, Dämme und Brücken nicht fehlen, das Flöhathal hinauf nach Falkenau (1019 E.) und von da hinüber nach Oederan. Hier verlassen wir den Zug, um der Stadt und der hinter ihr gelegenen Schönerstädter Höhe einen Besuch abzustatten. Später fahren wir mit der Eisenbahn weiter und gelangen über Frankenstein (541 E.) und Kleinschirma (505 E.) nach Freiberg, der alten Berghauptstadt, welche den Schlusspunkt unserer Routen bilden soll. – Wer Freiberg und Umgegend genau kennen lernen will, muss zwei Tage darauf verwenden; soll dabei die interessante »Grabentour« (s. o. T. XI. S. 45) gemacht werden, so ist noch ein Tag mehr nothwendig.
Oederan, Stadt am Hölzelbache, 1144´ ü. M., mit 5997 E. Hat ansehnliche Weberei, besonders Flanell- und Tuchfabrikation. In der Nähe die aussichtsvolle Schönerstädter Höhe und etwas weiter, in einer Abzweigung des Flöhathales, der schauerliche, düstere Höllengrund.
Freiberg, Stadt am Münzbach, 1284´ ü. M., mit 20,566 E. Ist Mittelpunkt des erzgebirgischen Silberbergbaues und lässt sofort erkennen, dass der Bergbau die Grundlage seines socialen Lebens ist. Zu ungewohnter Stunde vernimmt man das Geläute der Heuerglocken, welches den Knappen zur Schicht ruft. Man trifft Kaufläden mit Bergmanns-Kleidern, Bergmanns-Geräthen und Markscheide-Instrumenten; von den Buchhandlungen sind fast ausschliesslich bergmännische Schriften und Bilder ausgestellt; auf der Strasse ist von den Begegnenden fast jeder Dritte ein Bergmann, Bergstudent oder Bergbeamter; man hört die Titel: Oberkunstmeister, Bergwardein, Hüttenraiter und Viceeinfahrer und wird vorwiegend mit: »Glück auf!« begrüsst. An Alterthümlichem hat sich die Stadt manches bewahrt. Ausser dem Schloss, dem Rathhaus und den Kirchen sind dazu die Reste der Ringmauer und mehrere steilgiebelige, vielfensterige, hie und da mit bergmännischen Symbolen versehene Häuser zu rechnen. Am Interessantesten ist der Dom. Er enthält die goldene Pforte, welche allgemein als Meisterwerk des romanischen Styls gilt. Sie ist ein Ueberbleibsel der alten, im Jahre 1484 durch Feuer zerstörten Marienkirche, an deren Stelle der Dom in seiner jetzigen Gestalt erbaut wurde. Ausserdem befindet sich darin eine Begräbnisskapelle, in welcher die protestantischen Fürsten der albertinischen Linie, von Heinrich d. Frommen († 1541) bis Johann Georg dem Vierten († 1694) bestattet worden sind. (Die früheren sächsischen Fürsten ruhen in Altenzelle und Meissen, die späteren in Dresden.) Unter den vorhandenen Grabmälern ragt das des Kurfürsten Moritz hervor: es ist ihm von seinem Bruder August gesetzt worden und soll 80,000 Dukaten gekostet haben. In dem Kreuzgange der Kirche schlummert der grosse Mineralog Werner, einst die Zierde der Bergakademie. Die Orgel des Domes ist von Silbermann und hat 45 klingende Stimmen. Das Haus, in welchem Silbermann das Meisterwerk gebaut hat, ist seit 1864 durch eine Marmortafel bezeichnet. Aus dem Schlosse Freiheitstein, in welchem einst Herzog Heinrich d. Fromme Hof hielt und 1521 Kurfürst Moritz geboren wurde, hat man ein Magazin gemacht. Von herrlichen Baum-Anlagen umgeben, die sich überhaupt um die ganze Stadt herumziehen, steht vor dem Kreuzthore die Bronce-Büste des Mineralogen Werner und vor dem Petersthore das sogenannte Schwedendenkmal. Auf dem Markt bezeichnet ein Stein die Stelle, wo Kunz von Kaufungen am 14. Juli 1455 hingerichtet wurde, und im nahen Rathhause verwahrt man ein Stück der Strickleiter, mit welcher er das Altenburger Schloss erstieg. Das Gebäude der Bergakademie (Letztere 1765 durch Prinz Xaver gegründet) enthält ausser den Hörsälen und Laboratorien mehrere auf das Bergwesen bezügliche Sammlungen. – Die Umgebung Freibergs, mit ihren Hallen und Zechenhäusern, stimmt ganz zu dem Bilde der Bergstadt. Im Ganzen aber erscheint die Landschaft etwas kahl, wie denn die erzgebirgischen Schächte und Stollen fast alle in reizloser Gegend gelegen sind. Schon oberirdisch enthalten die Berggebäude manches Interessante. Man trifft da die Anstalten zur Hebung der Wasser und zur Förderung der Erze und bemerkt neben einfachen Haspeln allerlei Göpel und künstliche Maschinen. Am meisten aber bieten die Gruben unterirdisch. Man staunt über die »Teufen«, in welche der Mensch zu dringen vermag, sieht, wie der Bergmann minirt und mit Erfolg den Erzadern, welche sich oft neckisch verstecken, nachspürt. Darum ist jedem Reisenden die Befahrung einer Freiberger Erzgrube anzurathen – am geeignetsten dazu erscheint die »Himmelfahrt« –: er wird dadurch die grossartige Betriebsorganisation des Silberbergbaues kennen lernen und überhaupt Anschauungen und Eindrücke gewinnen, welche sich nicht wieder verwischen. Doch dürfen desshalb die andern montanistischen Werke über Tage, die Scheidebänke, Pochwerke, Erzwäschen und besonders die Obermuldener Schmelzhütten, nicht vernachlässigt werden; in ihrer Gesammtheit gewähren sie dem Laien unendlich viel Neues und dem Fachmann reiche Gelegenheit zu fruchtbarem Studium. – Auch die Altväterwasserleitung verdient, obschon sie nicht mehr benutzt wird, einen Besuch, denn ihre noch stehenden Pfeiler beweisen, dass durch sie, wie zu Zeiten der Römer, das Wasser von einem Berg zum andern übergeführt wurde. Das Amalgamirwerk zu Halsbrücke, in welchem das Silber mit Hülfe des Quecksilbers gewonnen wurde, ist eingegangen, weil die neuere Hüttenchemie bequemere und billigere Mittel besitzt, den Erzen das edle Metall zu entlocken. Erwähnenswerth aber bleibt, dass für dieses Werk im Jahre 1827 die erste Gasbeleuchtung in Sachsen eingerichtet worden ist.
Für Freiberg ist schon seit Langem der Bergbau Hauptnahrungszweig, doch hat es auch andere gewerbliche Etablissements, die zum Theil mit den montanistischen Wesen zusammenhängen: so ein Arsenikwerk, eine Pulverfabrik, eine Schrotfabrik, eine Fabrik leonischer Gold- und Silberwaaren, eine Eisengiesserei, eine Flachsspinnerei und eine Portefeuillefabrik.
Geschichtliches. – Die Stadt Freiberg verdankt ihre Entstehung dem Bergbaue. Die Sage meldet darüber Folgendes: »Im Jahre 1169 führten Fuhrleute aus Goslar Salz von Halle durch die Markgrafschaft Meissen nach Böhmen. In der nachherigen Freiberger Gegend legten die Räder ihrer Wagen ein Stück glänzenden Gesteines blos, das sie mit gen Goslar nahmen. Als es sich hier als bauwürdiges Silbererz auswies, wanderten Bergleute vom Harz nach dem Fundort.« Wahrscheinlicher dagegen ist, dass die Sorben schon früher Bergbau im oberen Erzgebirge getrieben hatten und man um das genannte Jahr nur wieder reichere Anbrüche machte, wodurch zahlreiche Ansiedler von allen Seiten herbeigelockt wurden. So entstand der Ort Christiansdorf, welches der Markgraf Otto der Reiche im Jahre 1181 zu einer Bergstadt und Feste erhob, der er den schönen Namen Freiberg gab. Da die erschürften Silbergänge sich sehr ergiebig zeigten, so wurde die neue Stadt bald der werthvollste Besitz der Wettinischen Fürsten. Aber es fanden sich auch Neider. Zweimal versuchten deutsche Kaiser (Heinrich VI. und Adolph v. Nassau) das sich rasch vergrössernde Freiberg zum Eigenthum des Reiches zu machen; allein die Bürger hielten zu ihrem angestammten Landesfürsten und machten die Anschläge jener zu Nichte. Für solche Treue verdienten und fanden die Einwohner vielfache Gunst. Reich mit Freiheiten begabt und durch immer grösseren Bergsegen beglückt, erhob sich die Stadt zur ersten im Meissnerlande, so dass sie bei Beginn des 16. Jahrh. 70,000 Einwohner zählte. Allein der 30jährige Krieg knickte die Blüthe der Stadt. Wiederholt von den Kaiserlichen und Schweden[21] belagert, widerstand sie zwar der Eroberung, musste aber geschehen lassen, dass ihre sämmtlichen Vorstädte und mehrere Strassen der Innenstadt durch Feuer zerstört wurden. Am Ende des Krieges besass sie kaum noch den zehnten Theil ihrer früheren Einwohner und dazu waren die meisten ihrer Gruben in Verfall gerathen oder ganz zum Erliegen gekommen. Langsam erholte sich die Stadt von solchem Schlage, doch die vormalige Grösse hat sie nie wieder erlangt. Auch ist sie später nicht ohne Kriegsdrangsal geblieben. Im Jahre 1762 wurde des 7jährigen Krieges letzte Schlacht bei Freiberg (durch Prinz Heinrich) geschlagen, und in den deutschen Freiheitskriegen ist die Stadt, welche wegen der Silbergruben als sehr reich galt, durch Einquartierung und Kontribution arg betroffen worden.
Wenn auch Freiberg heute an Wohlstand und Bevölkerung hinter seiner Blüthezeit zurücksteht, eines hat es sich bewahrt: den Vorrang im Berg- und Hüttenwesen. Zu dieser Ueberlegenheit haben mehrere Umstände beigetragen. Zunächst die Tüchtigkeit der erzgebirgischen Knappen. Sie sind fleissig und anstellig, ehrlich und genügsam und besitzen, da sie einem besondern Stand mit eigener Verfassung, eigener Tracht u. eigener Sprache angehören, Standesgefühl, Selbstachtung und kameradschaftlichen Sinn. Die Stufenleiter unter den Bergleuten[22] ist seit Alters geregelt. Zuerst wird Einer Scheidejunge, darnach Grubenjunge, weiter avancirt er zum Ausläufer und mit dem Lehrhäuer oder Bergknecht ist die erste wichtige Staffel erreicht. Nachdem er als solcher sieben Jahre gearbeitet und sein »Probegeding« bestanden hat, wird er Doppelhäuer und damit wirklicher Knappe. Ausser den eigentlichen Bergleuten giebt es auch noch Mauer- und Zimmerlinge. Die Ganghäuer müssen die Bergschule besucht haben und können sich zu Steigern emporschwingen. Auch unter den Bergbeamten ist die Rangordnung genau festgestellt. Dazu bilden die Genossen jedweden Reviers eine Knappschaft, welche durch Stärkung des religiösen Sinnes, Ueberwachung der Sitten und Aufrechthaltung einer straffen Mannszucht, den Einzelnen bei beruflicher und sittlicher Tüchtigkeit zu erhalten sucht, so dass der sächsische Knappe jedem anderen Knappen ebenbürtig, wenn nicht überlegen ist. – Ferner hat zur Hebung des Freiberger Bergbaues beigetragen, dass die fast zu Tage liegenden Silberadern bald erschöpft waren. Man musste nun in die Tiefe dringen und, um dies mit Vortheil thun zu können, den Bau der Gänge und der Erdrinde überhaupt erforschen. Als neue Aufgabe wuchs hierbei die Bezwingung der Grubenwässer heran; denn je tiefer man in den Schoos der Erde hinabsteigt, desto mehr schiessen sie von allen Seiten herzu. Und gerade in Bewältigung des Wassers durch das Wasser haben sich die Freiberger vielleicht ihre grössten Triumphe errungen. Was anderwärts der Dampf oder die kostbare Menschenhand besorgt, das muss hier meist das oberirdische Wasser verrichten. »Das Bächlein, das eben in einem Pochwerke thätig war, muss alsbald wieder das Wasserrad einer Pumpe treiben; von diesem fällt es in den Schacht hinab auf ein zweites und drittes Rad, und kaum durch einen Stollen entlassen, arbeitet es aufs Neue in einer andern Grube. Kein Gewässer darf müssig schlendern. Sind die einzelnen Gefliesse zu schwach und unbeständig, so werden sie in Sammelteichen aufgestaut und aus diesen wird den einzelnen Gruben ihr Bedarf nach wöchentlichen Rädern zugemessen. Ueber die Vertheilung dieser Wasserschätze wird jährlich genaue Rechenschaft abgelegt.« – Weiter wirkte auf das Freiberger Bergwesen günstig ein, dass die in der Tiefe gebrochenen Erze nicht reich an Silber waren. Man musste deshalb darauf bedacht sein, auch ärmere Erze zu verhütten, und darum mechanische Mittel ersinnen, das edle von dem tauben Gestein zu sondern. In dieser Beziehung hat man es soweit gebracht, dass man jetzt Gangmasse benutzt, bei der aus 100 Ctr. Gestein nur 5 Lth. Metall gewonnen werden. Dem sächsischen Bergmanne ward eben sein Leben schwer gemacht; doch gerade die Schwierigkeiten spornten ihn an, mit Erfolg seine geistige Kraft zu zeigen. Heute liefern die Freiberger Gruben einen jährlichen Ertrag von 1½ Million Thalern, also aus den geringeren Erzen mehr, denn früher aus den reichsten Anbrüchen. – Endlich wurde die Bedeutung Freibergs durch Gründung der Bergakademie wesentlich erhöht. Nunmehr waren hier Theorie und Praxis mit einander verbunden und auf kleinem Raum in Wechselwirkung gestellt. Darum wird Freiberg von Studirenden[23] fast aller Kulturvölker besucht; erhalten dieselben hier doch nicht nur Unterricht in der Bergwissenschaft, sondern durch den umfassenden, trefflich organisirten Silberbergbau und den grossartigen Hüttenbetrieb zugleich auch eine nirgends so wiederzufindende Gelegenheit zur praktischen Ausbildung.
Freiberg besitzt unter allen sächsischen Städten den grössten Weltruf. Ueberall wo Bergbau getrieben wird: auf dem Ural wie in den Gebirgen Spaniens, auf den Cordilleren wie in den Minen Mexiko's ist der Name der erzgebirgischen Berghauptstadt bekannt.
Fett gedruckte Zahlen deuten auf die Hauptbeschreibung hin.