Krokodile im Limpopo.

Ich nahm mir damals, nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt (im Jahre 1877), die Freiheit, mich der Sache öffentlich anzunehmen um dem Bamangwatostamm und seinem edlen Herrscher einen Vernichtungskampf und den Holländern schwere Kämpfe zu ersparen und schloß den ersten der diesbezüglichen in den »Diamond News« am 24. März veröffentlichten Artikel mit den Worten. »Es wäre absurd, wenn Leute wie diese Boers, welche weder im Stande waren, den Fortschritt in ihrem Mutterlande zu begreifen, noch fähig ihm zu folgen, vielmehr auf jede noch so nützliche Neuerung mit Verachtung herabblickten, einen neuen Staat gründen wollten.«[4]

Zwei Monate später nachdem ich dies geschrieben, erhielt ich die Nachricht, daß sich die Boers die Freundschaft Khamanes, der bei Seschele wohnte und Khama feindlich gesinnt war, dadurch zu sichern gedachten, daß sie ihn zum Könige der Bamangwato’s erheben wollten. Als ihnen dies nicht gelang, trachteten sie auch Matscheng, den Onkel Khama’s, in ähnlicher, aber auch vergeblicher Weise, gegen diesen als Bundesgenossen zu gewinnen.

Im Jahre 1876, namentlich aber 1877, hatte sich die Lage der am Limpopo der Entscheidung harrenden Damara-Emigranten bedeutend verschlechtert, die Leute sprachen nicht mehr von einem gewaltsam erzwungenen Durchzuge, im Gegentheile wollten sie jedem Kampfe ausweichen, denn viele von ihnen waren fieberkrank geworden. Als das Fieber in ihren Reihen immer mehr um sich griff, entschlossen sie sich zum Aufbruche, sie ließen von Khama nochmals den freien Durchzug fordern und zogen unterdessen statt nach Schoschong nach dem Mahalapsiflusse, um den König Khama irrezuführen. Inzwischen hatte sich Khama auf einen möglicher Weise bevorstehenden Kampf mit den Boers vorbereitet. Seine Leute mußten sich auf dem freien Raum vor der Stadt täglich in der Führung der Waffen einüben, während er die vom Limpopo abziehenden Boers mit zahlreichen Kundschaftern umgab, um sich über jede ihrer Bewegungen zu orientiren. Die Nachrichten, die er erhielt, bestärkten ihn immer mehr und mehr in der Ueberzeugung, daß ihm die Weißen in keiner Weise gewachsen seien. Manch’ anderer Eingebornenfürst Süd-Afrika’s hätte aus der schlimmen Lage derselben Nutzen geschöpft und wäre über die durch Krankheiten und Entbehrungen im Widerstande geschwächten, jedoch noch immer wohlhabenden Herdenbesitzer hergefallen. Khama jedoch sandte den Missionär Rev. Hephrun an den Mahalapsi, um sich über die hilflose Lage der Abenteurer zu vergewissern. Als ihm der Prediger nach seiner Rückkunft ihre Lage schilderte, gestattete ihnen Khama sofort freien Durchzug. Die Emigranten waren seit 1875 derart herabgekommen, daß sie nicht nur an keinen Kampf mit den Bamangwato’s denken konnten, sondern Khama selbst die Befürchtung hegte, daß sie kaum im Stande sein würden, in ihrem hilflosen Zustande den Zuga-River zu erreichen. Bald nachdem sie Schoschong verlassen und ihren Zug nach Nordwest angetreten hatten, mehrten sich täglich und stündlich ihre Mühsale. Der erste Theil der Strecke Schoschong — Zuga-River ist ein einziger tiefsandiger Wald (von den holländischen Jägern gewöhnlich das Durstland genannt) und besitzt nur fünf Wasserstellen, wie den Letlotsespruit, die Wasserlöcher von Kanne, Lothlakane, Nehokotsa etc., an denen man Thiere tränken kann. Die meisten dieser Stellen sind im Sande oder ausgetrockneten Flußbetten gegrabene Löcher, welche es kaum gestatten, ein Gespann Ochsen auf einmal zu tränken; Abends aufgegraben, liefern sie am nächsten Tage einige Eimer Wasser, woher sollten die Emigranten das nöthige Wasser für ihre nach Tausenden zählende Rinder- und Schafheerde nehmen. So geschah es, daß die Thiere durch Durst förmlich außer sich, truppweise davonliefen und die Boers in elendem Zustande am Zuga anlangten.

Die Noth an Dienern machte sich bei den Leuten sehr fühlbar, ich sah oft Kinder die Leitochsen führen und Frauen, hier die Gattin, dort die Tochter, die riesige Peitsche schwingen. Nach und nach durch Krankheit decimirt und nachdem sie etwa 50 Percent ihrer Habe eingebüßt, langten die Emigranten am N’gami-See an. Von da begann ein neuer beschwerlicher Zug durch das Land der westlichen Bamangwato. Eine kleine Anzahl von Familien, deren meiste Mitglieder am Fieber darniederlagen und zahlreiche Waisen erreichten das Damaraland. Während meines Aufenthaltes in London im Jahre 1880 erfuhr ich, daß die Ueberlebenden jener bedauernswerthen Leute von allen Mitteln derart entblößt ankamen, daß ihnen die englische Regierung durch freiwillige Gaben der opferwilligen, englischen und holländischen Bevölkerung der Capstadt und anderer südafrikanischer Städte, an Kleidung und Nahrung etc. unterstützt, mehrere Sendungen per Dampfer via Walfischbai zugemittelt hatte. So endete der Versuch jener starrköpfigen Menschen, die, sich gegen jeden Fortschritt auflehnend, aus Nationalhaß und Unwissenheit mit offenen Augen ihrem Verderben entgegen eilten.

Bevor ich noch den Notuany erreicht hatte, konnte ich wahrnehmen, daß das Wild, welches während meiner zweiten Reise die Ufer des Limpopo so dicht bevölkert hatte, durch das unausgesetzte Jagen von Seite der Emigranten decimirt war. Ich fand nur Hippopotamus- und in einem dichten Gebüsch einige Giraffenspuren und diese führten in einem engen Fußpfade zum Flusse herab; doch hatte ich keine Muße den Giraffen zu folgen und wollte sie auch den Boers nicht verrathen.

Auf einem dem Ufer entlang unternommenen Ausfluge schwebte ich in Lebensgefahr. Wir folgten einer größeren Kette Perlhühner, die Thiere liefen vor uns her, nur zeitweilig erhob sich eines, um sich nach uns umzusehen; so kamen wir auf eine unseren Weg kreuzende, über und über mit Gras überwucherte, etwa 12 Fuß tiefe und etwas breitere Regenschlucht, ich machte den mir unmittelbar folgenden Th. auf sie aufmerksam und stieg herab, um sie zu durchschreiten, mein Genosse hatte jedoch meine Warnung nicht gehört, sondern seine ganze Aufmerksamkeit auf die vor uns herlaufenden Perlhühner gerichtet und hielt den Sniderstutzen schußbereit in der Hand. Bei dem Sturze in die Tiefe der Schlucht fiel er nach vorne, wobei der Finger unwillkürlich den Drücker berührt haben mußte, denn die Kugel streifte meinen Nacken; zwei Centimeter mehr nach vorne gesenkt, hätte sie mir das Lebenslicht ausgeblasen.

Am Notuany schlug ich für einige Tage mein Lager auf, um mich der Durchforschung der nächsten Umgebung zu widmen. Mein erster Ausflug galt dem südlichen Winkel an der Mündung des letzteren Flusses in den Limpopo. Hier, im Schatten riesiger Mimosen, fand ich während meiner zweite Reise zahlreiches Hoch- und Niederwild, diesmal spähte ich lange vergebens nach Beute, bis endlich eine Gazelle aus dem hohen Ufergras vor mir aufsprang. Ein wohlgezielter Schuß aus dem nur mit Hasenschrot geladenen Gewehre hemmte für immer ihre zierlichen Sprünge. Einige in dem Walde wohnende Masarwa’s — Seschele’s Vasallen — brachten uns Pallahfelle zum Verkauf, die ich auch erstand.

Die Ufer am unteren Marico und dem Limpopo bestanden aus Granit, Gneis, grauem und röthlichem Sandstein, der letztere oft mit zahlreichen eingeschlossenen Kieseln und dann zuweilen recht groteske Hügelformen, wie eine am Ufer des letztgenannten Stromes den »Cardinalshut« bildend; stellenweise gesellt sich Grünstein und eisenhaltiger Kalkschiefer hinzu. Den ersten oberhalb seiner Mündung in den Limpopo in den Notuany einmündenden Spruit nannte ich Purkyne’s Spruit. Die stärksten unter den Mimosen, auf denen ich hie und da Geiernester bemerkte und die sonst der Aufenthalt zahlreicher Vogelarten (Bubo Vereauxii und maculosus, Psittacus, Coracias caudata und nuchalis etc. etc.) waren, hatten einen Umfang bis zu zehn Fuß.

Gegen meine zuerst gefaßte Absicht verließ ich den Notuany schon am 12. und zog das Limpopothal weiter abwärts. Da jedoch die Gegend meinen Sammlungen viele und schöne Acquisitionen versprach, hielt ich schon nach einer Tour von vier Meilen inne. Auf einem am 14. unternommenen Ausfluge vermehrte sich meine Sammlung um zwei Cercopithecus, einen Sciurus, zwei Perlhühner und zwei Francolinusbälge. An einem der erlegten Affen, einem ausgewachsenen Männchen, fielen mir einige krankhafte Auswüchse auf, die dem Thiere in Form von großen Geschwüren sein Dasein recht unangenehm gemacht haben mußten. Aus den Fluthen des Limpopo sah ich fast nach jeden 100 Schritten den Körper eines erwachsenen Krokodils auftauchen, und ebenso rasch verschwinden.

Am folgenden Tage verließ ich den Limpopo, um die bewaldeten, auf dem südlichen Abhange tiefsandigen, auf dem nördlichen felsigen Höhen zu überschreiten und in das Thal des Sirorume zu gelangen. Niger machte sich hier das Vergnügen, zwei über den Weg nach links laufende gefleckte Hyänen zu jagen, ohne die unbeholfenen Thiere einholen zu können. Gegen Mittag langten wir bei der schon erwähnten Lache auf dem Gipfel der Erhebung an und begannen am Nachmittage dieselbe gegen den Sirorume hinabzufahren. Die Benennung der nun erreichten Gegend als Buffadder-Gebiet zeigte sich auch diesmal richtig, unmittelbar am Wege fanden wir zwei zusammengerollte Schlangen, welche wir erlegten. Nach Trinkwasser fahndend, kam ich, einem schon früher benützten Masarwapfade folgend, zu einem etwa zehn Fuß tiefen, kleinen Loch, aus dem mir Wasser entgegenblinkte. Ich band meinen Hut an den Gewehrriemen, um das ersehnte Naß herauszuschöpfen; als meine Schöpfkanne beinahe den Wasserspiegel erreicht hatte, sah ich einen schimmernden Gegenstand theilweise am, theilweise über dem Wasser glänzen; den Gegenstand näher beobachtend, erkannte ich eine Buffadder, die sich vergebens bemühte, aus diesem Gefängnisse zu entschlüpfen. Ebenso häufig wie die Buffadderschlangen sind im Sirorumethale Leopardenspuren. Dichte Dorngebüsche, zerklüftete höhlenreiche Felsen an den Thalabhängen bieten hier dieser Wildkatze die gewünschten Schlupfwinkel.

Auf der Fahrt am nächsten Morgen fand ich am Sirorume einen Bamangwato-Posten. Sekhomo, der frühere Bamangwato-König, hielt hier keinen, da er nicht hinreichend Leute zur Verfügung hatte, darum sah auch zu jener Zeit Seschele diese Gegend als seinen Jagdgrund an. Die Gegend war von Giraffen, Kudu’s, Hartebeest- und Eland-Antilopen, sowie von Gazellen und Wildschweinen, doch auch zahlreich von Hyänen und Schakalen bevölkert.

Am 17. erreichte ich Khama’s Salzsee, an welchem ich die durstigen Zugthiere zu den Felsencisternen führen und tränken ließ. Von einigen herbeieilenden Bamangwato’s und Makalahari erhandelte ich einige Curiositäten, darunter auch ein Schlachtbeil. An meinem Wege fand ich Hornvipern (Giftschlangen), welche jedoch so gnädig sind, den ahnungslos sich ihnen nähernden Menschen durch ein lautes Pfauchen zu warnen. Gegen Abend kamen fünf Makalaka’s, wahre Hünengestalten, an den Wagen, um sich mir als Diener zu verdingen; da ich den Charakter dieses Stammes zu wohl kannte, ging ich auf ihr Ansuchen nicht ein.

Ich verließ am 19. Khama’s Salzsee und langte spät in der Nacht in Schoschong, der Residenz Khama’s, an; ich fand die Stadt sehr verändert. Nach seinem Siege hatte sie Khama angezündet, etwas mehr zusammengedrängt und näher der Mündung der Schoschonschlucht in das Franz Josefs-Thal erbaut, wodurch die Gehöfte der Weißen isolirt wurden. Das Wiedersehen mit Rev. Mackenzie war ein sehr herzliches, mein Freund lud mich wieder ein, für die Zeit meines Aufenthaltes, den ich auf 14 Tage bemessen hatte, sein Gast zu sein.


[3] Siehe Anhang 1.

[4] Diese Boers dürfen keinesfalls mit ihren gebildeten Stammesgenossen in Süd-Afrika verwechselt werden.

III.
Von Schoschong nach den großen Salzseen.

Geschichte der letzten Kämpfe zwischen Sekhomo und Khama. — Erosions-Erscheinungen im Lualabette. — Die Maque-Ebene. — Frost. — Wilde Strauße am Wagen. — Jagdverbot des Königs Khama. — Eland-Antilopen. — Die ersten Palmen. — Wildpfade und Fall-Assagaien an den Nokane-Quellen. — Im Gebiete der großen Salzseen. — Die Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. — Am Tschaneng-Flusse. — Matabele am Wagen. — Die Salzlager am Nata-Spruit. — Jagd auf Zulu-Hartebeeste. — Auf dem Anstande auf Löwen. — Thierleben am Nata-Spruit.

Die Veränderungen im öffentlichen Leben und in den socialen Zuständen der Bamangwato’s seit meinem ersten Besuche der Stadt waren mir sofort aufgefallen. Damals war Sekhomo, das verkörperte Hinderniß jedweder Neuerungen, welche als Wohlthaten der Civilisation betrachtet werden können, ein unermüdlicher Priester in der Pflege heidnischer Gebräuche und Orgien, am Ruder; jetzt war es Khama, sein ältester Sohn, gerade das Gegentheil seines Vaters. Da mit Khama der größte Theil derer, die ihm in seine freiwillige Verbannung gefolgt waren, zurückkehrte, und da sich ihm die meisten der unter Sekhomo hier lebenden Bamangwato’s unterwarfen, zählte die Stadt gegenwärtig dreimal so viel Bewohner als zur Zeit meines ersten Besuches. Eine größere Ordnung und Sicherheit machte sich in Allem und Jedem bemerklich und mit dem Verbote des Branntwein-Verkaufes hatte Khama eines der wichtigen Beförderungsmittel des Müßigganges und des Unfriedens außer Wirkung gesetzt. Er war aber auch bestrebt, nach und nach allen den Sitten schädlichen, sowie den Geist umnachtenden heidnischen Gebräuchen Einhalt zu thun.

Am 21. besuchte ich mehrere kranke Eingeborne in der Stadt, darunter einen von Khama’s Kriegern, dem das eine Schienbein durch eine Kugel zersplittert worden war.[5] Ich besuchte Khama während meines Aufenthaltes in Gesellschaft des Herrn Mackenzie mehrmals, und hatte Gelegenheit, immer mehr und mehr den lobenswerthen Charakter dieses Mannes kennen zu lernen. Ausflüge in die nächste Umgegend, die Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen von Linokana nach Schoschong sowie die ärztliche Praxis, in welcher ich durch Herrn Mackenzie und Hephrun bei der Pflege der kranken Schwarzen unterstützt wurde, füllten die Tage meines Aufenthaltes aus. König Khama war so gütig, mir einen Diener aus dem Trosse seiner Leibdiener, einen Mann, der mich bis an den Zambesistrom begleiten sollte, zu versprechen. Dieser Eingeborne sollte auch, wenn ich nach der Westküste oder nach Norden weiterziehen sollte, meinen Wagen mit den bis an den Zambesi gesammelten Objecten nach Schoschong zurückbringen, als Lohn sollte ich dem Manne eine Muskete geben. Freund Mackenzie beschenkte mich mit zwei schönen, von den Maschona’s gearbeiteten Holztöpfen, Rev. Hephrun mit zwei Unzen Chinin.

Am 27. brachte mir Khama den versprochenen Diener und hielt ihm in meiner Gegenwart eine Rede, welche mit den folgenden Worten schloß. »Dein neuer Herr ist ein Mann, und daß er ein Njaka (Doctor) ist, das hab’ ich Dir schon erklärt.«

Auf meinen in Gesellschaft Rev. Mackenzie’s unternommenen Ausflügen zeigte mir dieser alle jene Stellen, welche in der Geschichte der Bamangwato’s durch die letzten Kämpfe zwischen Khama und Sekhomo Bedeutung erlangt hatten. Die folgenden Zeilen mögen meine gelegentlich der Schilderungen meines ersten Aufenthaltes in Schoschong angeführten Mitteilungen ergänzen. Ich erwähnte am Schlusse derselben, daß Khama Schoschong verlassen, und ihm der größte Theil der Bamangwato’s in diese freiwillige Verbannung an den Zuga-River gefolgt war, als jedoch Khama sah, daß das Fieber seine Leute in dem Sumpflande decimire, entschloß er sich, nach Schoschong zurückzukehren, und sich zu seinem Rechte zu verhelfen, wohl nicht heimlich seinen Vater und Bruder zu überfallen, sondern diesen offen sein Kommen anzuzeigen; er that dies auch und bezeichnete den Tag seiner Ankunft. Er drang von Nordwesten über die Bamangwatohöhen vor, um die die Stadt beherrschenden und die Schoschonschlucht bildenden Felsenabhänge zu gewinnen. Sekhomo hatte seine Leute getheilt, um mit der schwächeren Abtheilung die Stadt zu vertheidigen, während er die größere auf den Höhen postirte, um Khama an seinem Vorhaben zu hindern; durch den Zuzug der Bewohner der im oberen Thale des Schoschon gelegenen Makalakadörfer verstärkt, hatte Sekhomo eine Khama’s Truppen ebenbürtige Anzahl von Kriegern. So wie in den früheren Kämpfen bewiesen sich diese Makalaka’s, die sich aus dem Matabelelande hierher geflüchtet hatten, auch in diesem Kampfe äußerst unverläßlich und verrätherisch, sie waren diesmal Sekhomo’s wirkliche Bundesgenossen, allein sie hatten auch Khama, den ankommenden Königssohn, ihrer Hilfe und Freundschaft versichert und sandten ihm die Nachricht, daß sie ihn an der Schoschonkluft erwarten würden. Khama schlug die sich ihm entgegenstellenden Krieger Sekhomo’s so rasch, daß diese versprengt den Rückzug nach der Stadt nicht mehr einschlagen konnten, und da bald darauf der seinen Sieg möglichst rasch ausnützende Feldherr mit der Vorhut auf dem Plateau erschien, auf welchem die Makalaka’s Posto gefaßt hatten, glaubten diese, daß es ihm in dem Kampfe schlecht ergangen und er besiegt sei, und diese Richtung blos aus dem Grunde eingeschlagen habe, um den Versuch zu machen, sich der in der Schoschonkluft verborgenen Viehheerden zu bemächtigen. Während sich nun seine Leute vertrauensvoll den Makalaka’s näherten, eröffneten diese auf die Ankommenden ein heftiges Feuer. Dies machte die Bamangwato’s so wüthend, daß die der Vorhut rasch folgende Haupttruppe nur ein einziges Mal ihre Musketen auf sie feuerte, dann aber auf sie losstürzte, und die meisten mit dem Kolben erschlug.

Kampfesscene auf den Bamangwatohöhen.

Ich ließ bei Herrn Mackenzie eine Kiste mit gesammelten Gegenständen zurück sowie Briefe, die er den Herrn Jensen nach Linokana abzusenden versprach, auch wollte er mir etwaige mit der Kaffernpost angekommene Briefe durch Eingeborene oder nach den Zambesi-Gegenden reisende Elfenbeinhändler nachsenden. Während meines Aufenthaltes in Schoschong langte hier eine Gesandtschaft, geführt von Kosi Lintschi, von Rechtswegen dem eigentlichen Bakwena-Thronerben an. Er kam im Namen Sekhomo’s, der sich zu Seschele geflüchtet, um von Khama Sekhomo’s Mutter zu erbitten, zu gleicher Zeit kam aus dem Matabele-Lande die Nachricht daß die Matabele-Zulus einen erfolgreichen Angriff auf die Maschonas ausgeführt hatten.

Herr Mackenzie hielt in einem von ihm selbst aufgeführten Gebäude neben seiner Wohnung durch fünf Stunden Schule, und zwar waren es schon Männer, »Seminaristen«, verschiedenen Betschuanastämmen angehörend, die er belehrte; einige dieser Männer hatten auch zwei Jahre später unter der Anleitung des Rev. Hebern eine Missionsstation auf Wunsch der Eingebornen-Bevölkerung am N’gami-See errichtet.

Hatten wir während unseres ersten Aufenthaltes in Schoschong über fortwährenden Regen, so hatten wir diesmal über anhaltende Dürre zu klagen, in Folge welcher meine Zugthiere etwas abgemagert waren. Am 4. Juni verließ ich Schoschong, um meine Reise nach dem Zambesi anzutreten. Im Franz Josefsthale aufwärts ziehend, schlugen wir am folgenden Tage eine nördliche Richtung ein und überschritten den Unicornpaß und gewannen, nachdem wir das Unicornthal passirt, die Hochebene. Die Scenerie im Unicornthale ist eine sehr anziehende, isolirte Felsenhügel, welche eine baumförmige, armleuchterförmig sich verzweigende Euphorbiacea in ziemlich dichten Beständen schmückt, verengen ab und zu das Thal. Vor wenigen Tagen hatte sich hier eine kleine Episode zugetragen, deren Lösung Khama zur Ehre gereichte; einem Elephantenjäger war durch die umwohnenden Bamangwato’s ein Zugthier entwendet worden, der Spur der Diebe folgend, war der nach Schoschong zurückkehrende Jäger im Stande, dem Könige den Wohnort der Diebe zu bezeichnen. Der König ließ diese vor sich bringen und befahl den Dieben, nicht allein den Schaden sofort zu ersetzen, sondern dem Bestohlenen für die erlittene Verzögerung der Reise zwei Ziegen zu übergeben.

Die Reise am 6. führte über ein tiefsandiges, waldiges Hochplateau, spät Abends gelangten wir zum Letlotsespruit und lagerten nahe an dem Falle dieses Spruit, der jedoch nur nach heftigem Regen sichtbar ist und dessen Wasser dann über die Granitblöcke herabstürzt; die anliegenden Höhen, von zahlreichem Niederwild belebt, zeigten in ihren obersten Lagen rothen Sandsteinschiefer, darunter Quarzit, schwarzen Kieselschiefer, und in den tiefsten Lagen Granit. Die Wasserlöcher von Kanne waren das Ziel des nächsten Tagesmarsches. In einem Halbbogen zur Rechten erheben sich mehr denn dreißig kegelförmige Höhenkuppen, welche die Bamangwato- mit den Serotlehöhen verbinden. In der Nähe dieser Wasserlöcher befand sich ein Viehposten, dessen Bewohner bei unserer Annäherung rasch ihr Vieh zum Wasser trieben, um es zu tränken, so daß wir keines mehr vorfanden und die Löcher neu ausgraben mußten. Am 8. gelangte ich bis zu dem Thale des Luala-Spruits, dessen Vegetation und nächste Umgebung ein anmuthiges Landschaftsbild gewährt. Besonderes Interesse erregen die Gebirgsformation und die Erosions-Erscheinungen im Flußbette. Hier waren es Grotten und Höhlen, dort Nischen, Bassins oder gothische Gewölbe, welche das Wasser, obwohl nur kurze Zeit hindurch im Jahre fließend, im Lualabette ausgewaschen hatte. An der sehr tiefen und schwierig passirbaren Furth traf ich zwei Elfenbeinhändler an, von welchen der eine, Herr Anderson, dem Namen nach als ein ehemaliger Gold-Digger bekannt war. Sie lagen seit einigen Tagen hier, um durch ihre Diener die Gegend bis an die Maque-Ebene, die ihnen als wasserlos geschildert wurde, auszukundschaften. Der Luala wie seine Nebenflüsse waren alle trocken und man mußte allmälig eine Stelle in dem humusreichen Bette ausgraben, um Wasser gewinnen zu können. Nach den Mittheilungen der von Herrn Anderson ausgesendeten Boten hatten wir zwei Tage und zwei Nächte zur nächsten Wasserstelle zurückzulegen, ich ließ deshalb mit Rücksicht darauf unsere Speisen für die nächsten zwei Tage hier zubereiten, um an Wasser zu sparen. Da sich Herr Anderson erbot, mir Gesellschaft zu leisten, so nahmen wir uns vor, die Reise bis an die Salzseen gemeinschaftlich zu machen.

Am 10. zog ich das Hauptthal des Flüßchens hinauf und gelangte Abends zu dem bewaldeten tiefsandigen Hochplateau, welches etwa 30 englische Meilen lang, einen Theil des südlichen Durstlandes bildet. Bei der Wasserlosigkeit der zu durchziehenden Gegend, empfahl es sich so rasch als möglich vorwärts zu kommen, weshalb wir auch bis in die finstere Nacht unsere Fahrt fortsetzten, einige Stunden ausruhten und mit anbrechender Morgendämmerung die Fahrt bis in die späten Vormittagsstunden fortsetzten. Nach einer fünf- bis sechsstündigen Rast während der heißesten Tageszeit brachen wir neuerdings auf. Diese Art und Weise des Reisens ist in den wasserarmen, tiefsandigen, bewaldeten Gegenden dringendst geboten. Das enge Weggeleise, der schlangenförmig sich hin- und herwindende Weg, die wasserarme Gegend und die Anstrengung der Zugthiere in dem tiefen Sande machen das Reisen zur heißen Tageszeit vollkommen unmöglich. Abends hatten wir die von Mapanibäumen bewachsene Tiefebene von Maque erreicht und fanden überall zahlreiche Spuren des gestreiften Gnus, der Zebras, der Giraffen, und selbst im Weggeleise äußerst zahlreiche Löwenspuren. Wir stießen auch auf einige Masarwa’s, welche uns jedoch ein einige Meilen zur Rechten vom Wege liegendes Sumpfwasser zu zeigen verweigerten, da sie die ihnen in diesem Falle drohende Züchtigung durch die Bamangwato’s fürchteten. Die gesammte Maque-Ebene, nach Westen von Tafelbergen begrenzt und nach Norden gegen das Salzseen-Bassin abfallend, ist ein einziger Humusboden, der in der nassen Jahreszeit gänzlich aufgeweicht, in der Trockenzeit durch seine Dürre das Reisen unendlich erschwert. Unter den Händen eines europäischen Landwirths würden die gegenwärtig noch Jagdgründe der Bamangwato’s bildenden Flächen dieser Ebene bald von Weizen- und Baumwollpflanzungen bedeckt sein.

Mit gänzlich erschöpften Zugthieren gelangten wir endlich am folgenden Abende zu den gesuchten Wasserlöchern, an denen bereits die Händler vor mir angekommen waren. Am folgenden Tage holte uns ein Bote des Königs Khama hier ein, welcher den Auftrag hatte, die Bamangwato-Gehöfte auf dieser Strecke zu besuchen und den Insassen derselben den Befehl des Königs bekannt zu geben, unter keiner Bedingung einem Jäger einen längeren als dreitägigen Aufenthalt an einem Gewässer zu gestatten. Dieser Befehl wurde durch die Handlungsweise der holländischen Jäger veranlaßt, welche in übermüthiger Weise alles Wild, dessen sie nur habhaft werden konnten, des Felles halber erlegten und das Fleisch den Geiern zum Fraße überließen. Obgleich wir keine Jäger waren, kam uns dieser Zwischenfall sehr ungelegen, da die Eingebornen uns für solche hielten und ihr Benehmen ziemlich unangenehm wurde. Die Stelle, an der wir eben gelagert hatten, war erst vor etwa zwei Monaten von den Boers verlassen worden, wir fanden auch den gabelförmigen Schleifschlitten, mit dem sie das geschossene Wild zu ihren Wägen herbeischleppten.

Nördlich der Maque-Ebene treten Boas häufiger auf, während sie in Natal keine Seltenheit sind und auf den Höhen der südlichen Betschuanaländer nur stellenweise und vereinzelt angetroffen werden. Mit dem Mapanibaum, dessen Blätter sich durch ihre Oelhaltigkeit, dessen Stamm sich durch die Porosität des Holzes und Brüchigkeit auszeichnet, treten in der Flora auch andere, den tropischen genäherte Pflanzenarten und Formen auf, doch ist die Winterkälte hier noch immer recht empfindlich, wenn auch nicht in dem Maße wie am Vaal- und Oranje-River, zudem liegt die Maque-Ebene etwa 1200 Fuß tiefer als jene Hochebene an den genannten Flüssen. Am Morgen des 14. waren die Löcher mit einer über 1 Cm. starken Eisdecke überspannt.

Am Nachmittage des 13., als ich eben einige hundert Schritte vom Wagen entfernt, in einem dichten Gebüsch eine Boa verfolgte, entstand am Wagen ein Geschrei, das mich zur Umkehr bewog. Ich fand Anderson in nicht geringer Aufregung. Ueber den Grund derselben befragt, theilte mir der Jäger mit, daß eben eine Heerde wilder Strauße im vollen Laufe auf die Lachen zur Tränke herangestürmt sei, daß die Thiere jedoch durch die Wägen erschreckt, sich in den nahen Mimosenwald geworfen hätten und nun von den Wagenlenkern und den übrigen Dienern verfolgt würden. — Nach einer halben Stunde kehrten diese abgehetzt und abgemüdet zurück, ohne einem Strauß auch nur auf Schußweite nahegekommen zu sein.

Den zum Wagen rückkehrenden Dienern folgte bald eine Schaar von Eingebornen nach und eröffneten eine überlaute Discussion mit uns. Sie erklärten, daß wir keine friedlichen Reisenden, sondern Jäger wie die Boers wären, die kein Wild verschonen, denn kaum hätten wir die Strauße gesehen, als wir ihnen auch schon nachstellten. Schließlich drängten sie zur baldigsten Abreise und wollten von einer Fristerstreckung nichts wissen.

Das Lualabett.

An diesen Maque-Lachen hatten sich in den letzten Jahren vor meiner Ankunft einige interessante Löwenabenteuer zugetragen, von denen ich eines im weiteren Verlaufe meiner Reiseschilderung wiedergeben will. Wir verließen am folgenden Morgen die Lachen und zogen in Gesellschaft Andersons in nördlicher Richtung, in welcher eine von den Boers »Bergfontein« benannte Quelle in 65 bis 71 Meilen Entfernung liegen sollte. Hochbegraste und bebuschte Lichtungen wechselten auf dieser wasserlosen Strecke mit lichten Mapaniwäldern ab, zahlreiche den Weg kreuzende Spuren zeugten für den Wildreichthum der Gegend. Während des Marsches wurden wir von zahlreichen Eingebornen eingeholt, welche mit Assagaien bewaffnet (es waren Makalahari’s und Masarwa’s) auf die Elandsjagd ausgezogen waren.

Straußenheerde am Wagen.

Von allen Antilopen ist das Eland die wohlgenährteste, namentlich die Stiere, deren Herz in einem bis zu 25 Pfund schweren Fettsack eingebettet ist, der sie an schneller Flucht hindert. Die Thiere werden so kurzathmig, daß sie von den behenden Masarwa’s im vollen Lauf eingeholt und gespeert werden. Die Nachfolgenden stoßen ihm die Assagaie von rechts und links in die Brusthöhle, um die Lungen oder das Herz zu verletzen. Berittene Jäger (Holländer und Engländer) jagen die Elande (auch die Giraffen) bis an den Wagen heran, um sie erst hier niederzuschießen und sich so den Transport des Fleisches und Felles zum Wagen zu ersparen. Nach den Berichten der Eingebornen und Jäger glaube ich, daß man ohne Schwierigkeiten das Eland zähmen und zum Tragen und Ziehen kleiner Lasten verwenden könnte.

Am selben Tage stießen wir auf zwei mit Musketen bewaffnete und von fünf Masarwa’s begleitete Bamangwato’s, welche zwei mit Fleisch beladene Ochsen vor sich hertrieben; jeder der Masarwa’s trug etwa 50 bis 60 Pfund Fleisch. Die Leute gingen nach Schoschong, um sich von Khama Verhaltungsmaßregeln geben zu lassen, da ein Theil der aus dem Reiche ob ihrer verrätherischen Handlungsweise verbannten Makalaka sich im nördlichen Bamangwato-Lande umhertrieb, von den Masarwa’s bedienen ließ und dieselben an jeder Dienstleistung für ihre Herren (die Bamangwato’s) hinderte.

Am 17. Früh gelangte ich nach Bergfontein, einer an einem bewaldeten Abhange liegenden, von den Eingebornen als jene des zur Regenzeit nach Norden fließenden Nokaneflüßchens angesehene Quelle. Der Abhang, ein zerklüftetes, dicht bebuschtes und von üppiger Vegetation bedecktes Hügelland ist der Abfall der Maque-Ebene zu den Lachen der großen Salzseen. Dicht bei einander stehende Fächerpalmen grüßen etwas abseits vom Ufer des Nokane-Spruit den vom Süden kommenden Wanderer und bereiten ihn, der noch nie die Wunder der tropischen Pflanzenwelt erschaut, auf jene vor; die Gebüsche und Bäume der ganzen Gegend hoch überragend, sind sie vielleicht die südlichsten Repräsentanten der Königin der Palmen im centralen Südafrika. Da sie eben reiche Früchte trugen, schoß ich mir einige herab, um sie meiner Sammlung einzuverleiben. Um die vier schlanken, von den schönsten Kronen geschmückten Stämme wucherte reichliches Palmengebüsch, welches aus den herabgefallenen Früchten emporgekeimt war. Schon an diesen waren die Blätter riesig groß und und begannen sich fächerförmig zu entfalten. In einem kahlen, seichten, doch breiten, über eine allmälig abfallende Felsenwand sich hinziehenden Spruitbette fand ich einen Strauch, der mich an die baobabartigen erinnerte. Der untere Theil des etwa 4 bis 5 Fuß hohen Strauches war unförmlich verdickt, bis zu 40 Zoll stark und fleischig, von einer gelblichen Rinde bedeckt, etwa 1 bis 1½ Fuß über dem Boden verengte er sich zu 2 bis 3 Zoll dünnen Aestchen, gleich Fortsätzen, die einer fleischigen, oberflächlichen Wurzel entsteigen. Manche dieser Stöcke waren mehrere Centner schwer und ich hoffe einen oder zwei das nächste Mal fortbringen zu können.

Von den am Maque und hier ansässigen Makalahari’s und Masarwa’s erstand ich einige aus Holz und Bein gefertigte Schmucksachen und Utensilien, die ich jedoch später durch einen Unfall einbüßte. Die einzelnen Höhen des Hügellandes sind dicht bewaldet, durch den Wald führen nur äußerst wenige Wege und dies meist Wildpfade nach der Nokanequelle. Diese wenigen Pfade macht sich nächtlich das Wild, aber auch die in der Nähe wohnenden Eingebornen zu Nutzen, indem sie vergiftete Fall-Assagaien über diesen Pfaden aufhängen. Rechts und links von dem betreffenden Baume wird das Gestrüpp flügelartig aufgeschüttet, um die in dem Pfade oder nahe an demselben schreitenden Kudu’s zum Einhalten desselben zu zwingen. Einen Fuß über dem Boden wird quer über den Pfad eine Grasschnur gezogen, welche an einem Holzpflöckchen, doch nur so lose befestigt ist, daß sie sich bei einem mäßigen Rucke von demselben loslöst. Am gegenüberliegenden Pfadrande stehen zwei Holzstäbchen, mit einem Querstäbchen verbunden. Die Schnur führt unter diesem hindurch und wird so in ihrer horizontalen Lage erhalten und dann empor zu den ersten über den Weg reichenden Queraste geführt, von dem sie mit dem Fallassagai beschwert, über dem Pfade und senkrecht über der darüber ausgespannten Schnur herabhängt. Die Waffe ist im Allgemeinen sehr roh gearbeitet und besteht aus einem drei bis vier Fuß langen, ungeglätteten, schweren und armdicken Holzstücke, in welches eine stumpfe, kaum zwölf Zoll lange, rostige mit Gift getränkte Eisenwaffe eingelassen ist. Die Waffe verwundet das Thier am Nacken nur leicht, das Gift wirkt rasch, trotzdem wird das Fleisch von den Eingebornen benützt indem sie das die Wunde umgebende Fleischstück ausschneiden. Die Pfade werden von den Jägern zu bestimmten Zeiten, in denen das Wild in den Wintermonaten häufiger das Wasser aufsucht, abgesucht, um so rasch wie möglich nach dem Eindringen der vergifteten Waffe der Beute habhaft zu werden. Andersons Genosse war bei der Verfolgung einiger Kudu’s auf einen solchen Pfad gerathen und in demselben fortgestürmt, als ihn sein ihm unmittelbar folgender Diener noch rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam machte. Ich selbst fand mehrere Wege in der Nähe des Wassers in dieser Weise abgesperrt.

Am Nachmittage zog ich in Gemeinschaft mit den beiden Elfenbeinhändlern nach Norden bergabwärts, mehrmals den Nokane und später zwei andere trockene Spruits kreuzend. In dem dichten Grase der Thäler beobachtete ich ungewöhnlich entwickelte hohe Aloë-Pflanzen und zahlreiche Tigerschnecken.

Am 18. Früh langten wir am Südostufer eines Salzsees an, der den südlichsten (auf meiner Tour) von einer Unzahl von kleineren, und den kleinsten von drei riesigen Salzseen bildete. Diesen nach Westen unabsehbaren Salzsee durchschritt ich an seiner größten Ausdehnung von Süden nach Norden an seinem Ostufer in zwei Stunden. Er stellte eine gleichmäßig seichte, kaum zwei Fuß tiefe, weißlichgraue, von steifem Salzgras umrahmte und von dichtem Waldgebüsch umschlossene Fläche dar, welche kaum einmal im Jahre mit Wasser vollgefüllt ist. Um ihn herum, hauptsächlich jedoch im Bereiche des Grases befinden sich zahllose kleinere, ebenso seichte Salzlachen. Von allen Seiten strömen Regenflüsse nach heftigen Regengüssen ein, die jedoch in der Regel nicht bis in den Salzsee einmünden, sondern vertieft mit einem um drei bis sechs Fuß tieferem Bette nahe am Ufer desselben stagniren. Das von ihnen geführte Wasser tritt über und füllt in dieser Weise den See. Dieser südlichste Salzsee heißt Tsitani, ebenso der bedeutendste Fluß an seinem Ostufer und die Höhe zu unserer Linken, durch welche der Abfall des Hochplateaus nach dem Salzseebecken als zungenförmiger Ausläufer markant hervortrat. Ein großer Theil des Bodens am Grunde der Salzseen ist von einer Felsenplatte gebildet, die theils von dem durch die Regenzuflüsse angeschwemmten Erdreich überlagert ist, oder frei und nackt da liegt. Während der Aufnahme der Breite des Salzsees in seinem östlichen Theile, stieß ich auf eine Heerde gestreifter Gnu’s, leider ohne eines der Thiere habhaft werden zu können. An dem salzigen Gewässer des Flusses Tsitani (es fanden sich noch einige Lachen davon an seiner Mündung) traf ich ziemlich häufig Löffelreiher und Enten. Unter dem übrigen Wildgeflügel sah ich nach längerer Zeit Knurrhähne wieder.

Am folgenden Morgen beendete ich die Kartenskizze der Tsitani-Pfanne und schoß in den Bäumen des Ufers einen großen Uhu. Der Boden rings um die kleinen Salzpfannen ist namentlich an allen den geringen Senkungen sehr salzhaltig. Bleibt hier das Regenwasser auch nur kurze Zeit stehen, so wird schon die Vegetation in der Entwickelung gehemmt. In Folge der raschen und mächtigen Verdunstung bildet sich eine ½ bis 1 Zoll starke, 2 bis 6 Zoll vom Boden abstehende Kruste auf weite Flächen hin, welche bei dem Betreten unter jedem Schritt einbricht. Der Rand des Sees wird von kleinen Chalcedonen und Milchkieseln bedeckt, welche das Regenwasser herabschwemmt. Zur Zeit heftiger Winde wird das sich an dem Rande bildende Salz sowie der feine salzhaltige Boden der trockenen oberen Rasenfläche in hohen, weißlichgrauen Staubwolken aufgewirbelt.

Am 21. verließen wir gemeinschaftlich das Ufer der Tsitanipfanne, trennten uns jedoch bald darauf, da ich von den Eingebornen vernahm, daß weiterhin Wasser anzutreffen sei und ich es nicht für nöthig hielt, das Reisetempo der beiden Handelsleute einzuhalten. Wir trafen bei der nächsten Wasserstelle wieder, zwei Wochen später im Thale des Panda ma Tenka-Flüßchens zum zweiten Male und etwa ein Jahr später in Schoschong nochmals zusammen.

An der Salzpfanne bemerkte ich auch den ersten Baobab, eines der südlichsten Exemplare in der von mir eingeschlagenen Richtung (die zwei südlichsten im centralen Süd-Afrika wurden von Mauch im westlichen Transvaal-Gebiete am rechten Ufer des Limpopo angetroffen); er hatte bei 25 Fuß Höhe einen Umfang von 52 Fuß. Auf meinem Wege nach Norden hatte ich zuerst einige der beschriebenen kleineren, am Ostufer der Tsitani liegenden zahlreichen Salzpfannen, sowie den Tsitanifluß selbst zu überschreiten, dann hielt ich durch das Becken der großen Salzseen eine fast nördliche Richtung ein. Dichter Niederwald, in dem die Bäume zum großen Theile mehr oder weniger verkrüppelt waren, wechselten nun mit Wiesen ab, die mit saftigem Süßgras und einem reichen Blumenflor bewachsen waren. An den salzhaltigen Stellen und am unmittelbaren Rande der Pfannen und seichten Flüßchen und Bäche nahm die Vegetation einen stachlichen Charakter an. Springbock- und Deukergazellen, Zulu-Hartebeeste und gestreifte Gnu’s, nach den Spuren zu urtheilen auch Löwen, belebten die Scenerie an der Tsitanipfanne und in den umliegenden Wäldern.

Die Fahrt führte uns in den nächsten Tagen an einer Reihe von umfangreichen Bodenvertiefungen vorüber, deren Mitte von kleinen Salzseen eingenommen werden, ich zählte auf der Strecke bis zu unserem Nachtlager, dem ersten nach dem Verlassen der Tsitanipfanne, nicht weniger als 42. An einem derselben, dem kleinen Schoni-Salzsee hielten wir unsere Mittagsrast. Außer diesen Salzseen stießen wir auf Süßwasserlachen, die an ihrer Binsenumrahmung leicht zu erkennen sind.

Am Morgen des 22. stand ich am Ostufer eines den Tsitani an Größe weit übertreffenden, tiefer liegenden und von den Eingebornen Karri-Karri genannten Salzsees, dessen Ufer zahlreiche Baobabbäume schmückten. Von besonderem Interesse schien mir die geologische Formation am Ostufer des Karri-Karri, welcher ebenso wie der Tsitani-Salzsee ein ziemlich gleichschenkeliges Dreieck bildet, dessen Spitze nach Westen gekehrt ist und dessen Fläche von Osten nach Westen sich unabsehbar ausdehnt. Im Westen steht der Karri-Karri-Salzsee und der Tsitani- mit dem nördlicher gelegenen Soa-See durch den Zuga-River in Verbindung.

Masarwa’s, deren Unterschenkel an der Vorderfläche die bekannten rothen Krusten zeigten, boten uns die Früchte des Baobabs zum Kaufe an und begehrten für dieselben etwas Mais und Tabak. Drohender Regen trieb uns zur Eile an und gestattete uns nicht, länger an dem Ufer des Sees zu verweilen, welcher mir in naturhistorischer Hinsicht sehr reiche Ausbeute versprach.

Ich überschritt am Nordostende an einer der Hauptbuchten des See’s den Mokhotsifluß, dessen Gefälle nach Nordost gerichtet ist und der das überschüssige Wasser aus dem seichten See nach dieser Richtung hin abzuführen scheint. Der Weg führte während des nächsten Tages durch einen dichten Mapaniwald und später über einen trockenen, etwa 60 Fuß breiten, 10 bis 16 Fuß tiefen Fluß, der ein deutliches Gefälle nach Osten zeigte und von den Masarwa’s der mit hohen Bäumen bestandenen Ufer halber, Tschaneng oder der schöne Fluß genannt wird. Mit ihm parallel läuft ein Spruit (von den holländischen Jägern Mapanifontein genannt), in welchen zahlreiche Quellen münden und dadurch, daß auch der Tschaneng bei Hochwasser einen Theil seines Wassers an ihn abgibt, in seinen tieferen Partien das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Ich bin der Ansicht, daß der Tschaneng ein Abflußarm des Zuga-River oder ein Abfluß der größten der drei Salzseen, der Soa ist, und sich in den Matloutse-River oder einen seiner Nebenflüsse ergießt. Auf der Fahrt nach dem Tschaneng erlegte ich einen auf der Jagd nach Eidechsen begriffenen großen Raubvogel (Buteo Jackal), welcher den Colonisten unter dem Namen Schakalvogel bekannt ist. Ich verließ den Tschaneng am Nachmittage des 23. und zog mit Anderson, der mich eingeholt hatte, einige Meilen gemeinschaftlich nach Norden. Wir zogen durch den Khori genannten Wald und an einem verlassenen Masarwadorfe nahe der Furth über den Tschaneng vorbei und erblickten in den Frühstunden des nächsten Tages den Spiegel eines dritten großen, Soa genannten Salzsees, in dessen Nähe wir holländischen Jägern begegneten, welche auf der Straußen- und Elephantenjagd begriffen waren.

Jagd auf Eland-Antilopen durch Masarwa’s.

Wir konnten Dank dem trockenen Wetter mehrere lange mit ein- und ausfließenden Spruits in Verbindung stehende Buchten der Soa, welche bei Regen unpassirbar sein mußten, übersetzen und übernachteten im Thale des sumpfigen Tsiriflüßchens, in dem ich bis zum 27. verblieb. Im nahen Walde fanden wir nahe an einem verlassenen Masarwadorfe in einigen im Flußbette des Momotsetlani (nach einer Baumart von den Masarwa’s so benannt) gegrabenen Löchern vortreffliches Trinkwasser. Ich unternahm während dieses Aufenthaltes mehrere Ausflüge in die Umgebung und erlegte auf einem solchen fünf Enten, zwei Perlhühner, die hier in zahlreichen Ketten anzutreffen sind, sowie einen braunen Storch, das erste Exemplar dieser Art, das ich bis zu diesem Tage in Süd-Afrika beobachtet.

Die Soa ist der größte, der in dem großen bis über den N’gami-See nach Westen sich hinziehenden, und durch den Tschaneng mit dem Limpopo-System zusammenhängenden Pfannenbecken liegenden Salzseen; gleich der Tsitani und Karri-Karri ist auch die Soa eine seichte, ein bis vier Fuß tiefe, weißlichgraue, nur kurze Zeit im Jahre theilweise, selten vollkommen gefüllte Pfanne. Es wäre sehr wichtig, durch ein ganzes Jahr in der trockenen wie in der nassen Jahreszeit dieses Salzseebecken zu beobachten, um dessen Verhältniß zum Zuga und zum N’gami-See studiren zu können; wenn dies bisher nicht geschah, so mag der Grund dieses Versäumnisses wohl darin liegen, daß das Reisen zur Regenzeit in dieser Gegend ungemein erschwert und nebstbei auch sehr gesundheitsschädlich ist. Daß der Zuga manchmal nach Westen und manchmal nach Osten fließt, läßt sich aus der ziemlich gleichen Höhe dieses großen central-süd-afrikanischen Beckens erklären. Ist der N’gami-See durch seine zahlreichen westlichen und nördlichen Zuflüsse gespeist, und sein flaches Becken gefüllt worden, so gibt er seinen Ueberschuß nach Osten durch den Zuga an die Pfannen ab, aus denen wieder derselbe durch den Tschaneng, deren natürlichen Abzugskanal, abfließt. Zeigt der N’gami-See niederes Wasser, so gibt der Zuga den Ueberschuß aus seinem tiefen Bette an ihn ab, da sich in ihm durch die reiche Beschilfung auch das Wasser längere Zeit zu halten vermag und er außerdem zahlreiche Quellen aufnimmt. Auch mag er zuweilen von dem überschüssigen Wasser der Westhälfte der Salzseen gespeist werden.

Am 27. Früh verließ ich den Tsiri und zog durch drei Stunden mit meinem Ochsengespann durch eine Unzahl von Buchten und kleinen Salzpfannen stets am Ufer des See’s hin. Erst gegen Mittag nahmen diese ab und wir betraten eine nach Norden unübersehbare, nach Westen durch den See und nach Osten durch ein Mapani-Gehölz begrenzte Grasebene, auf welcher sich allenthalben zahlreiches Wild in kleinen Rudeln herumtummelte. Hie und da sichtbare Schilfrohrdickichte ließen Süßwasser vermuthen, wir täuschten uns nicht und lagerten bald an einer solchen Lache. Von einem kleinen Ausfluge heimgekehrt und eben damit beschäftigt, meine letzthin gesammelten naturhistorischen Objecte zu ordnen, vernahm ich plötzlich zu meiner Linken das Hilfsgeschrei meines Dieners Meriko und als ich mich rasch am Wagenbrette emporrichtend nach ihm umsah, bot sich mir ein eigenthümlicher Anblick, eine Scene dar, wie ich sie vorher nie gesehen. Durch das hohe Gras kam Meriko herangerannt, und schrie in der Setschuana: »sie tödten mich, ich bin todt, sie tödten mich.« Er setzte wie ein flüchtiges Wild über die sich ihm stellenweise entgegenstellenden Zwergbüsche und hatte im Laufe sein aus Gras geflochtenes Hütchen und seine Khamacarosse verloren. Hinter ihm kamen, die nächsten etwa 150, die entferntesten 500 Schritte weit, andere laut schreiende und ihre Kiri’s hoch schwingende Eingeborne dahergestürmt. Endlich kommt Meriko zum Wagen herangekeucht, er umfaßt meine Füße und weist flehenden, verzweifelnden Blickes auf die ihm folgende Schaar, seine ersten Worte, die er zu stammeln vermochte, belehrten mich über die Scene. »Matabele, Herr, Matabele-Zulu wollen mich todtschlagen.«

Mir war es unerklärlich, wie sie hierher auf das Gebiet Khama’s gekommen waren und ich dachte schon, daß vielleicht ein Krieg zwischen beiden Nachbarstaaten ausgebrochen sei. Was beabsichtigen diese Männer? War das ein Angriff auf den Wagen und seine Insassen? Sie schienen mir, wie sie so gellend dahergesaust kamen, wahrhaft Wölfe in Menschengestalt zu sein. Von den Waffen Gebrauch zu machen, schien mir ein gefährliches Wagniß und zudem kannte ich nicht ihre eigentlichen Absichten. Ich mußte also das Weitere ruhig abwarten, nur Meriko wartete ihre Ankunft nicht ab, sondern sprang über die Deichsel und setzte nach der entgegengesetzten Seite seine Flucht fort, nur daß er nicht mehr schrie, um sich wahrscheinlich, wenn er die günstige Gelegenheit dazu ersah, in dem hohen Grase zu verbergen. Ich rief ihm zu, am Wagen zu bleiben, und daß die Löwen in dem vier Fuß hohen Grase gefährlicher als die Zulu’s seien, doch mein Mahnruf verhallt ungehört. In den anstürmenden Matabele sah er seinen sicheren Tod und diesem wollte er entrinnen. Endlich waren sie da, die berüchtigten Zulukrieger. Sie umringten den Wagen, schrieen und schwangen ihre Kiri’s. Das waren nicht die Vertreter eines Stammes, das war ein Gemisch verschiedener Stämme, »die gestohlenen Knaben der unter Moselikatse gemordeten und geplünderten Stämme,« welche zu Kriegern auferzogen, ebenso roh wie die zwei eigentlichen Zulu’s geworden waren, die sie anführten. Bis auf einen kleinen Lappen von Leder und Wollfranzen — einige trugen nur eine Kürbißschale oder ein cylindrisches Geflechte — nackt, waren sie beinahe sämmtlich mit einem aus schwarzen Straußenfedern oder anderen Wildhuhnfedern gearbeiteten ballonförmigen und auf der Stirnhöhe sitzenden Kopfschmucke versehen. Das wild rollende Auge gepaart mit dem Ausdrucke von ungewöhnlicher Rohheit in der Physiognomie, waren beredte Belege, daß sie einem kriegerischen Eingebornenstamme angehörten, der nur »gebieten« wollte und konnte. Die meisten der Anwesenden waren wohl schon Menschenschlächter gewesen, und dies nur einzig des Raubes halber. Der eine der beiden schwärzesten in der Schaar, die sich als Anführer kenntlich zu machen suchten, schwang sich auf die gestützte Deichsel und gab mir in einem gebrochenen Holländisch zu verstehen, daß sie die Krieger »La Bengulas« wären, daß sie gewohnt seien, auf ihren Streifzügen alle Diener der Weißen zu tödten, wenn man diese nicht loskaufe, deshalb seien sie gekommen, auch jenen Hund, der zu mir herangelaufen wäre, todtzuschlagen, wenn ich nicht sofort für ihn bezahlen würde. — »Bezahlen will ich nichts,« entgegnete ich, gute Miene zum bösen Spiele machend, »allein den Matabelekriegern will ich etwas schenken, wenn sie dann den Wagen verlassen.« Ich hoffte auf diese Art nicht nur allen möglichen Streitigkeiten und gefährlichen Situationen auszuweichen, sondern auch der allbekannten Stehlsucht der Matabele zuvorzukommen. Obwohl Th. und Pit unsere Utensilien mit Argusaugen bewachten, konnten sie es nicht verhindern, daß einer der Matabele besonderes Wohlgefallen an einem neben mir liegenden Messer fand, das er indeß, von mir in flagranti ertappt, wieder im Stiche ließ.