[622] S. ausstehlen.

[623] S. arg.

[624] S. absterben.

[625] S. Affengesicht.

[626] S. Brücke.

[627] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[628] S. Bratkartoffeln.

[629] Diese Vokabel ist im W.-B. nicht zu Verbindgn. od. Zusammensetzgn. verwendet worden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Matrellen = „Grundbieren“ (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Matrella = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: Matrelle = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie — aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, S. 30) — s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter „Matrelen-Bosseler“) u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter „Matērelle“) vbd. mit Finck, S. 72 (matrēli = „Kartoffel“).

[630] S. Ananas.

[631] S. anfassen.

[632] S. abbetteln.

[633] S. anschauen.

[634] Der Ausdruck bedarf keiner Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht gebräuchlich; vgl. jedoch bei Karmayer 95 die Bezeichng. Knüpfschragen für den Galgen (wohl zu Schagen = „Holzgestell mit schräg od. kreuzweise stehenden Füßen“ nach Weigand, W.-B. II, Sp. 784).

[635] S. aufhängen.

[636] S. abkaufen.

[637] Das Zeitw. kneisen od. gneis(s)en bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können (wissen, verstehen); dazu die Umschreibung gneis nobis = unbekannt (vgl. schon oben unter „Dietrich“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen = [einen] kennen); Schöll 272 (kneissen — „inne werden“); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (begneist = bekannt, verkneissen = erkennen); Schwäb. Händlerspr. 479, 484, 488 (kneißen od. kneißen = bemerken, merken, verstehen, in Pfedelb. [213]: kneissen, auch = sehen). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die Etymologie s. Näh. bei Weber-Günther, S. 178 (unter, „kneisen“). Zu den dortigen Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759 [g’neißen = „(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen“]) s. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357 (unter „g[e]neisse[n]“); zu vgl. ferner H. Meyer, Richt. Berliner (7. Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin kneißen für „scharf hinsehen“ bekannt ist).

[638] S. belügen.

[639] Das Zeitw. deisen kommt vor für: ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für „erwürgen“ sowie für „schlachten“; dazu die Zus. halbdeist = halbtot u. die Ableitg. Deiser = Mörder od. Totschläger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (deisen od. teißen = schlagen, Teißerei = Schlägerei); Schwab. Händlerspr. 484, 487 (deißen = töten, metzgen, schlachten, dazu: Klæbedeißer = Pferdemetzger; in Pfedelb. [212]: deisen = schlachten, aber deißen = coire [Grundbedtg. auch hier wohl „schlagen“, vgl. (209): eindeißte Bezem = „eingeschlagene Eier“], ferner in Lütz. [215): deisse[n] = schlagen, Deisser = Metzger u. in Degg. [215]: Deiss = Schlag). Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) Etymologie s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.: „Teissflamerer“). Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet die Etymol. als „unklar“.

[640] S. abschießen.

[641] S. Angst.

[642] S. anschauen.

[643] S. absterben.

[644] S. Adler.

[645] S. aufwachen.

[646] S. ausschlafen.

[647] S. bekommen.

[648] S. Diebstahl.

[649] S. ermorden.

[650] S. ansagen.

[651] S. anreden.

[652] S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.

[653] S. abbiegen.

[654] Das oben unter „begabten“ nicht als Syn. angeführte Zeitw. fuchsa kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr. nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für „unehelich beiwohnen“ od. — allgemeiner — „Unzucht treiben“; s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter „fuchse[n]“ vbd. mit v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter „fugsen“ [u. neben „vögeln“], der zwar das Wort zunächst zu fügen im Sinne von „vereinigen“ stellt, jedoch weiter bemerkt, daß es „auch von Vögeln wegen ihrer Begattungslust und vom Fuchs hergeleitet werden“ könne, „da auch das lateinische lupa und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen“.

[655] S. Ärger.

[656] S. arg.

[657] Von dem Zeitw. achila, achile(n) = essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw. Achilerei = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu die Zus.: Fösslingachilerei = Fischessen, Leileachilerei = Nachtessen, Rundlingachilerei = Wurstessen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 271, 272 (achlen = essen, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 342, 345 (acheln = essen, abacheln = abfressen, Achelsore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen); Schwäb. Händlerspr. 480 (ach[e]len [in Pfedelb. (209): achilen] = essen); s. auch Pfälz. Händlerspr. 337 (achîle = essen). Die zuletzt genannten (mit i in der zweiten Silbe gebildeten) Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B. Thiele 223 u. A.-L. 516 [Achile-Bajes = Speisehaus, Restaurant]; Ostwald [Ku.] 11 [achielen neben acheln]). Über weitere rotw. Belege im allg. (seit d. Lib. Vagat [52]) sowie die Etymologie (vom gleichbed. hebr. âkal [od. āchal]) s. Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 154 (unter „Achelpeter“) vbd. mit Schütze, S. 70; vgl. auch Weber-Günther, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch. Mundarten), ferner Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter „achle[n]“) u. Seiler, Lehnwort IV, Sp. 489.

[658] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[659] S. Abend u. Adler. — Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als rattjakro tschirkulo, d. h. gleichfalls „Nachtvogel“) auch in der Zigeunersprache nach Liebich, S. 165 u. 193 (vgl. „Vorbemerkung“, S. 18).

[660] S. Amme.

[661] Das Adj. gril(l)isch od. (seltener) kril(l)isch = evangelisch (protestantisch) erscheint auch als Substantivierung Gril(l)ischer = Protestant sowie in die Verneinung nobis gril(l)isch = ungläubig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (grillisch = lutherisch); W.-B. des Konst. Hans 257 (ebenso, vgl. [256]: Grillische Käfer-Märtine = Württemberg [u. dazu Günther i. d. Zeitschr. „Die Polizei“, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); Schöll 274 (in d. „Bettlersprache“: crilisch); Pfulld. J.-W.-B. 342 (grillisch); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209]: krillisch [oder krittisch] = evangelisch, in Lütz. [215]: grillisch = protestantisch). Zur Etymologie (des auch sonst im Rotw. [des 19. Jahrb.] bekannten Wortes s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter „Grill[e]“ Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen Gegenden Schwabens die Protestanten Grillen (wobei zunächst wohl an unsere Tierbezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj. grillisch (in schlechter Ausspr. krillisch) gebildet worden (s. a. a. O., Sp. 836 unter „grillisch“).

[662] S. After u. Bäcker.

[663] S. Abort.

[664] S. abgerahmte Milch.

[665] S. belügen.

[666] S. alltäglich.

[667] S. abbiegen.

[668] S. abfahren.

[669] S. Bachstelze u. arme Leute.

[670] Krattler ist eine mundartliche, besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die „fahrenden Leute“, zunächst eigtl. für „die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft ihrer ganzen Familie kleine Karren“ (mit zwei Rädern, Kratten genannt, v. latein caretta) „voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen“. (Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch Grimm, D. W.-B. V, Sp. 2070 (unter „Kratte“ Nr. 3) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693 (unter „Kratte[n]“). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss. sonst nicht gebräuchlich.

[671] S. Eisenbahnwagen.

[672] S. abfallen.

[673] S. absterben.

[674] S. arg.

[675] S. Dietrich; vgl. auch (betr. Bich) Almosen, (betr. Kies) Bankier, (betr. Lobe) Bank u. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[676] S. bekommen.

[677] S. aberwitzig u. alltäglich. In gleicher Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s. Liebich, S. 169 (narbuléngĕro diwes, d. h. „Narrentag“) u. Finck, S. 55, (narwelengero díwes).

[678] S. (btr. Brandling) Apfelkuchen.

[679] S. Affengesicht.

[680] S. (betr. nobis) Dietrich u. (betr. schenegla) abschaffen.

[681] S. Daumen.

[682] S. abgeben.

[683] S. aufschlagen.

[684] S. beschenken.

[685] S. Bett.

[686] S. Dolch.

[687] Hamore = Streit (Fehde, Gefecht, Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in Wittichs W.-B. gewissermaßen als Synonym zu More (= Prügelei, Streit) od. Morerei (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Hamore = Händel); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 345 (More = Händel, Mori = Streit, Zus. Morekaffen [lies: -kaffer] = „bestohlene Diebsverfolger“); Schwäb. Händlerspr. 479 (Môrest od. Mores = Angst, in U. [214]: Mōre = Streit u. mōre[n] [in Lütz. (214): hamūre(n)] = streiten); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Môres = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. Etymologie s. noch Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das Pfulld. J.-W.-B. (340) More durch ganz denselben Ausdruck („Händel“) verdeutscht wie die älteren rotw. Quellen Hamore, so läßt dies wohl darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. More aber (von dem weiter Morerei — ev. durch Vermittlung eines Zeitw. mōren [s. Schwäb. Händlerspr. in Lütz. (214)] — leicht gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. môrâ’ = „Furcht“ gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach durch „Angst“ od. „Furcht“ wiedergegeben ist (u. ebenso in d. Schwäb. u. Pfälz. Händlerspr. [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem Fragezeichen — aufgestellte, wonach zu Hamore das hebr. chămôr = „Esel“ herangezogen worden.

[688] S. Ast.

[689] Mit Weisleng (-ling) = Sonntag (Feier-, Festtag) sind folgende Zus. gebildet worden: Brandlingweisling (d. h. eigtl. „Kuchensonntag“ = Kirchweihsonntag (der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), Bäzemaweisling (d. h. eigtl. „Eiersonntag“) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schuberleweisling (d. h. eigtl. „Geistsonntag“ [mit Bez. auf die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.). Aus dem verw. Quellenkr. kennt nur die schwäb. Händlerspr. in Deggingen (215) Weissling in der Bedeutg. „Sonntag“. Im Rotw. kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne nicht, dagegen für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z. B. für Ei (so auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68), für Milch (so auch in der schwäb. Händlerspr. 484), für Schnee (s. z. B. schon Schintermicherl 1807 [288]), für den „Silbergnanziger“ (s. Fröhlich 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg. „Zwanzig- od. Fünfpfennigstück“) usw. Vgl. Pott II, S. 8, A.-L. 621, Günther, Rotwelsch, S. 62 u. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm. 3. Der Etymologie nach nimmt Weissling = Sonntag usw. jedenfalls wohl Bezug auf das Weiße als „Farbe des Tages, Lichtes .. und der festlichen Freude“ (vgl. Näh. dazu bei H. Schrader, Wundergarten, S. 70).

[690] S. Beinkleid u. Abort.

[691] S. angenehm u. anmutig.

[692] S. angenehm u. Abort.

[693] S. Bauch.

[694] S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich S. 196 (bāro parr, d. h. „großer Stein“ [od. pesso parr, d. h. „dicker Stein“] = Fels).

[695] Zusammengesetzt damit ist nur Feneterglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 258 (Fenette [fem. gen.] = Fenster); Schöll 271 (Feneter); Pfulld. J.-W.-B. 389 (Finetter) Schwäb. Händlerspr. 480 (Feneter od. Finêter); s. auch Metzer Jenisch 216 (Fenēt); Eifler Hausiererspr. 490 (Finet) u. Winterfeld, Hausiererspr. 441 (Finester = Fenster u. Auge). Zur Etymologie (vom franz. fenêtre [ital. finestra]) s. Pott II, S. 17, Günther, Rotwelsch, S. 37 u. Weber-Günther, S. 173; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da Wittich in sr. „Einleitung“ (S. 29) die Vokabel unter den aus der Zigeunersprache stammenden (in der Form Fenetra) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine „jenischen Leute“ sie zunächst von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in ähnl. Form) auch kennen (s. Finck, S. 57: fenétri = „Fenster“, während Liebich S. 196 dafür nur wochni hat [vgl. bei Jülling, S. 227: Wochli = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl. „Vorbemerkg.“, S. 10, Anm. 26 u. „Einleitg.“ S. 29, Anm. 93).

[696] S. alltäglich.

[697] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[698] S. (zu beiden Ausdr.) Eber.

[699] S. Entenfuß.

[700] Trittleng (-ling) bedeutet (ähnlich wie Tritt) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh od. Stiefel. Zusammensetzgn. damit sind: a) im Anfang: Trittlengstreifling = Fußlappen; b) am Ende: Grif(f)lingtrittling = Handschuh, Halbtrittleng = Halbstiefel, Traperttrittling = Huf (eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. Traperttritt = „Gaulfuß“ [s. oben unter „Entenfuß“]. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 98 (Trittling = Füße, Schuh); Schöll 271 (Form: ebenso, Bedtg.: Fuß); Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75, 76 (Trittling = Schuh, Stiefel); Schwäb. Händlerspr. 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel, vgl. Trittlingspflanzer = Schuster); auch im Pleißlen der Killertaler (436) hat Trittling dieselben Bedeutgn. Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (zu „Tritt“ bzw. „treten“) s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.

[701] S. Bratkartoffeln.

[702] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[703] S. abbrühen.

[704] S. abbrennen.

[705] S. Adler u. abbrennen. — Auch die Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern sagen dafür bāro jāk, d. h. gleichfalls „großes Feuer“, oder diwii jāk, d. h. „wildes, wütendes Feuer“ (s. Liebich, S. 197); vgl. „Vorbemerkg.“, S. 17.

[706] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[707] S. abbrennen.

[708] S. Apfelbaum.

[709] S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.

[710] Mit Kenem (= Laus, Filzlaus, plur. Keneme = Ungeziefer) sind zusammengesetzt: a) am Anfang: Kenemebenges, -benk od. -fi(e)sel = „Lausbub“; b) am Ende: Muffkenem (d. h. eigtl. „Stinklaus“) = Wanze (vgl. Aas). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Kinum = Läuse); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Künum = Laus, plur. hier: Künumer); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, 72 (Kinum od. Kinem = Läuse, Kinumrechen = Kamm [vgl. das volkstüml. „Lauseharke“]); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kenum, Kînum od. Kîneme [in Pfedelb. (211): Kinnem] = Laus, in Pfedelb. [211] auch Kinnemrechen = Kamm); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kînum = Laus). Zur Etymologie aus dem Hebr. (bibl. kinnîm od. kinnâm, eigtl. = „Stechmücken“, jüd. kinnim = „Läuse“) s. Günther, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit A.-L. 538 u. 390 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch Weber-Günther, S. 157 (unter „Kinnem“), woselbst auch noch weitere Belege aus d. Rotw. angeführt sind.

[711] S. Daumen.

[712] Oberman(n) = Hut (Haube, Kappe, Mütze) kommt auch noch in folgenden Zus. vor: a) am Anfang: Oberman(n)pflanzer = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b) am Ende: Lanengeroberman(n) = Helm od. Soldatenmütze, Grandicher-Sins-Oberman(n) (d. h. eigtl. „Königshut“, zu grandich Sins = König [s. oben unter „Bischof“], weshalb genauer Grandich-Sins-Oberm. zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. Süslingoberman(n) = Zuckerhut (wobei der Ausdr. — wie in Grif[f]lingoberman[n] — im übertrag. Sinne gebraucht ist). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Obermann = Hut, dann auch Rahm); Pfulld. J.-W.-B. 339-342 (Aberma = Filzhut, Oberma = Hut, auch Milchrahm, Obermäne = Kappe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Obermann = steifer Hut, vgl. Strohmann = Strohhut); Schwäb. Händlerspr. 482 (Oberman = Hut; dazu in Pfedelb. [210] noch: Obermannspflanzer = Hutmacher). Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die Erklärung des Ausdrucks s. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch Weber-Günther, S. 191/92 (unter „Öwermännche“).

[713] Reifling = Ring (Fingerring) kommt (in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der Zus. Flösselreifling (d. h. eigtl. „Wasserring“) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem „Reif[en]“ gehörende) Wort ist auch der schwäb. Händlerspr. (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr. dagegen kaum gebräuchlich. Das Pleißlen der Killertaler (436) hat Raifle = Ring.

[714] S. Abend.

[715] Flössling wird (ähnlich wie Flederling = Vogel für bestimmte Vogelarten) auch für einzelne Fischarten verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in der Gaunerspr. [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg. als argum.: Flösslingschottel = „Heringbüchse“), der übrigens auch genauer durch Spronkertsflössling (d. h. „Salzfisch“) oder Begertflössling (d. h. „toter Fisch“) wiedergegeben wird (s. hierzu auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter „Hering“; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. Schwimmerling (s. unten Anm. 4) gebräuchlicher. Zusammensetzgn. mit Flössling am Anfang sind noch Flösslingachilerei od. -bikus = Fischessen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flösling); Schöll 271 (Flößling); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Fleßling, vgl. fleßlinge = fischen); Schwäb. Händlerspr. 480 (Flößling [plur.] = Fische). Etymologie: Nach Stumme, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15. Jahrb. (s. z. B. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]) auftretende — Ausdruck „weniger von der Flosse des Fisches (s. dazu Weigand, W.-B. I, Sp. 559) als von Floß = ‚Wasser‘ (s. dazu Weigand, a. a. O., Sp. 559 unter „Floß“ Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. Schintermicherl 1807 [289: Flos = Wasser]) ausgehend zu deuten“. S. auch A.-L. 541 (unter „Floß“). — Vgl. oben flösle(n) usw. unter „austreten (leicht)“.

[716] Flotscher (od. Pflotscher) erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. Flössling u. Schwimmerling, auch in Zus., von denen nur Spronkertflotscher = Hering (vgl. Anm. 715) u. Flotscherkahlerei = Fischessen zu nennen sind. Außerdem hat aber Flotscher od. Pflotscher[t] auch noch die Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (Zus.: Bogeiepflotschert[t] = Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. Pflotscherpflanzer[in] = Schirmflicker[in]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flotschen = Fisch, Flotschenkitt = Fischkasten; Schwäb. Händlerspr. 480 (Flotscher = Fisch; vgl. auch [488]: pflötsche = [sich] waschen). Zur Etymologie: In der Bedeutg. „Fisch“ dürfte Flotscher doch wohl in letzter Linie mit fließen (im Sinne von „schwimmen“ [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 554 unter „fließen“, Nr. 2 u. 559 unter „Flosse“ a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu der zweiten Bedeutg. (Regenschirm) gibt Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1068 (unter „Pflotsch“) vbd. mit Sp. 1057 (unter „Pflatsch“) u. 1058 (unter „pflatsche[n]“) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb. pflatsche(n) „mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut: „pflatsch“) auf den Boden fallen“, was besonders vom Wasser und Regen gebraucht wird, daher Pflatschregen od. auch bloß Pflatsch (Pflatscher) od. Pflotsch = Regenguß (vgl. „Platzregen“). Das Wort geht (nach Fischer) „etwa parallel mit patschen“ (worüber zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 215), „nur daß es sich weit mehr auf das Wasser bezieht“ (vgl. auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens läßt Fischer (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob pflotsche[n] (das auch für „im Wasser waten“ vorkommt) nicht „ein Wort für sich“ sein könnte.

[717] Matsche kommt (gleich Flössling) ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. „Karpfen“ vor. Zus. damit: Matschebutterei = Fischessen; Ableitungen davon: matschen = fischen u. (davon wieder) Matscher = Fischer. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 480 (Matsche = Fische, in U. [214] auch d. sing. Mătsch = Fisch); nur vereinzelt auch im Rotw. bekannt (s. z. B. Pfister 1812 [302: Matsche = Fisch]; v. Grolman 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: Matscho als sing.]; Karmayer G.-D. 209 [wie v. Grolm.]). Zur Etymologie: (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, S. 30]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525 (unter „Matsch“) vbd. mit Pott II, S. 437 (unter „Maczo“), Liebich, S. 145 u. 197 (mādscho od. mādschin), Miklosich, Beitr. III, S. 14 (bei d. deutsch. Zigeun.: mādšo od. -šin) u. Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter „mačo“: bei den deutsch. Zigeun.: māčo [mādscho]), Jühling, S. 224 [Matscho, plur. -e) u. Finck, S. 73 (mātšo). Nach Miklosich (a. a. O.) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (matsja) zurückverfolgen.

[718] Auch Schwimmerling kommt (gleich Flössling u. Matsche) noch spezieller für „Karpfen“ vor. Für andere Fischarten erscheint es in der Verbindg. dofer Schwimmerling (d. h. etwa „schöner Fisch“) = Forelle sowie in der Zus. Fuchsschwimmerling = Goldfisch u. Spronkertschwimmerling = Hering (vgl. die Synon. Spronkertflössling u. -flotscher). An den Anfang gestellt ist dieses Wort in der Zus. Schwimmerlingbikerei = Fischessen u. Schwimmerlingsflederling = Fischreiher (d. h. eigtl. nur „Fischvogel“). In dem verw. Quellenkr. ist die Vokabel (die natürlich zu „schwimmen“ gehört) nicht bekannt, im sonst. Rotw. vereinzelt anzutreffen, während die Kundenspr. ein kürzeres Schwimmling = Hering kennt. S. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.

[719] Dieses Wort (mit dem die Zus. Bogeiepflotschert = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist) hat auch die schwäb. Händlerspr. 480 (Bogeie = Fischbein), während es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner Etymologie nach stammt es wohl aus der Zigeunersprache her (vgl. „Einleitung“, S. 29), in der es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. Jühling, S. 222 (wo Gogcia = „Beiner[?]“ u. als Sing. Gogalo [= Bein] angeführt ist, das auch in anderen Sammlungen vorkommt [s. Liebich, S. 137, 182 u. 215 (gogālo od. kokālo = Bein od. Knochen); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter „kokalo“: bei den deutsch. Zigeun.: gogālo); Finck, S. 65 (kókalo = „Knochen, Bein, Knöchel“)] und [nach Mikl., a. a. O ] mit dem neugriech. κόκαλον zusammenhängt).

[720] S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158, Anm. 716).

[721] S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).

[722] S. Fisch u. essen.

[723] S. (betr. Bikus) Abendessen.

[724] S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und Abendessen.

[725] S. (betr. Flederling) Adler.

[726] S. abbrennen.

[727] S. Bierglas.

[728] S. abbetteln.

[729] S. Aas.

[730] (betr. Schottel) Aschenbecher.

[731] Mit Kafler = Fleischer (Metzger, Schlächter) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kaflerkitt = Metzgerhaus (u. dazu die weitere Verbdg. grandich Kaflerskitt = Schlachthaus); b) am Ende: Kibekafler = Hundemetzger, Stupfelkafler = Igelmetzger, Horboge- od. Bogakafler = Kuh- (ersteres auch Rindvieh-) Metzger, Trabert-, Hornikel-, Groenikelkafler = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. Ableitungen von Kafler sind das Zeitw. kaflere = schlachten (s. dazu die Zus. niederkaflere = niedermetzeln) u. das Subst. Kaflerei = Metzgerei (s. dazu die Zus. Kaflereischnall = „Metzelsuppe“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Kafler = Schinder); Pfullend. J.-W.-B. 338, 340, 341, 344 (Kaffler = Abdecker, Metzger, Kafler = Henker, Schinder, Kaflerei = Schinderei, kaflen = schlachten); Schwäb. Händlerspr. 480, 484, 485 (Kâfler = Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], kâfelen = schlachten, Kâfel = Fleisch von verrecktem Vieh). Etymologie: Der Ausdruck, der im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw. Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von „Abdecker“ oder „Schinder“ (dann auch wohl von „Henker“) gehabt hat, ist offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren Caviller od. Kafiller u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst vom Hebräischen (syr. kephál = „abdecken, ziehen“) herleiten will — doch auch das md., früher auch hochd. fillen (mhd. villen) = „das Fell abziehen“ Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch Seiler, Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 36 ff. (unter „Caviller“; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die notw. Belege für Kaf[f]ler u. Caffler). Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 146 (unter „Kafler“) gibt keine bestimmte Erklärung.

[732] Nolle ist eine beliebte Bezeichnung für ein „Gefäß“ verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen, Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen, Pokal, Schoppen), namentl. auch in Zusammensetzgn. Als solche sind zu nennen: a) mit N. am Anfang: Nollepfanzer = Hafner (Töpfer), Kesselflicker; b) mit N. am Ende (außer Bossertnolle noch): Süslengnolle = Kaffeekanne, Duftnolle (d. h. eigtl. „Kirchenpokal“) = Kelch, Gleisnolle = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), Fu(h)lnolle od. Schmelznolle = Nachthafen, Flösselnolle = Nachttopf (Urintopf), Spronkertnolle = Salznapf, Schwächnolle = Trinkgeschirr, Fläderlingsnolle = Vogelnapf, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Johlenolle = Weinkrug. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 100 (Nolle = Hafen, Topf); W.-B. des Konst. Hans 255 (Nolle = Kochhafen); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Servnolle = Kessel [Brennkessel]); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (Nolle = Schüssel, Topf, in Lütz. [214]: Fülnolle = Nachttopf). Zur (nicht sicheren) Etymologie s. etwa A.-L. 579 vbd. mit v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 409 (Noll [G’noll, Knoll] = „rundlicher, harter Körper“), Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2055 (unter „Nolle“ Nr. 2) u. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 879 vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch Keiper in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. II (1901), S. 53 ff.

[733] S. abschaffen.

[734] S. anbrennen.

[735] S. abgehen.

[736] S. davongehen.

[737] Das Zeitw. naschen (= fliehen, auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem verw. Quellenkr. m. Wissens nur im Pfulld. J.-W.-B. (342) für „laufen“ (vgl. auch 341: naschirlen = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen Reihe von Zusammensetzgn. (nämlich: ausnaschen = ausgehen, durchnaschen = durchlaufen, innerkinnignaschen = einsteigen, vernaschen = entfliehen, hinternaschen = hintergehen, schibisnaschen = scheiden, beduchtnaschen = schleichen, hordignaschen od. guantnaschen = springen). Für sich allein kommt es hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [= gehen]; v. Grolman 50 u. T.-G. 96 [ebenso]; Karmayer 116 [desgl., doch hier auch andere Bedeutgn.]). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, S. 30]) s. A.-L. IV, S. 245 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit Pott II, S. 324 (unter „Naszavav“), Liebich, S. 149, 197, 218 (naschāwa = ich laufe [fließe], fliehe), Miklosich, Beitr. III, S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter „naš“: bei den deutsch. Zigeun.: našav̄a = laufen, fließen), Jühling, S. 224 (nascha = fliehen) u. Finck, S. 75 (Stamm: naš-, nāšs-, našew- u. ä. = „laufen, gehen, fließen, schwärmen, jagen“).

[738] Zu dem Zeitw. tschanen = fliehen (auch wohl gehen, kommen) ist zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (tschanen = herumziehen) u. Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. (214]: tschāne[n] = gehen). Seiner Etymologie nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. naschen) aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, S. 31). S. Näh. bei Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit Pott II, S. 212/13 (unter „Dscha“), Liebich, S. 133 u. 201 (dschāwa = ich gehe), Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter „dža“: bei den deutsch. Zigeun.: džava = ich gehe), Jühling, S. 227 (tschah = geh!) a. Finck, S. 56 (Stamm: dša- = gehen; vgl. dšắben = „Gang, Tritt“).

[739] S. angenehm.

[740] S. anmutig.

[741] S. Büchse.

[742] S. abschießen.

[743] Die gleiche Bezeichnung (nur im Sing.) kennt auch die schwäb. Händlerspr. 481 (Hase = Floh). Es handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine andere (vgl. dazu Günther, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium comparationis gewesen ist. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1206 (zu „Hase“, Nr. 3).

[744] S. Ärger.

[745] Zu Grünleng = Jäger, Flur-od. Feldschütz vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Gründing = Jäger, das nach Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 vielleicht nur ein Schreibfehler für Grünling ist; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 56, S. 184) u. Schwäb. Händlerspr. 488 (Grünling [Groêling] = Waldhüter [in Lütz. (215) = Jäger, während der Waldhüter dort Grü(n)lingsbutz heißt]); s. auch noch Regensburg. Rotw. 489 (Grünling = Jäger, Förster). Zur Etymologie s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von Grünling im Rotw. s. Günther, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche Grünwedel s. unter „Förster“.

[746] S. abbrühen.

[747] S. abbetteln.

[748] S. angenehm u. Fisch. Über die abweichenden Bezeichnungen in d. Zigeunerspr. s. Näh. unter „Hering“.

[749] S. anfragen.

[750] S. anschauen.

[751] S. über die Rangsteigerung Grünwedel = Forstmann (-wart), grandicher Gr. = Förster, grandich Gr. = Oberförster schon oben unter „Bischof“. Zwei ähnliche Abstufungen kennen (nach Liebich, S. 198) auch die Zigeun., nämlich: wēschéskero = Forstmann, Förster u. barĭdīr w. (d. h. „der größere [höhere] Forstmann“) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63, S. 391, Anm. 418 [zu „Bischof“]). Für die Bezeichg. Grünwedel vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Grünwedel = Jäger); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); in der Schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. nicht bekannt, obwohl dort mancherlei ähnliche Ausdrücke vorkommen (wie z. B. Grünstäudle = Jäger [so: Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 und Schwäb. Händlerspr. 82], Grünstaudler = Feldhüter, Grünstäudel, -staud od. -stäudling, Grünsteiger, -rattler u. a. m. = Waldhüter [s. Schwäb. Händlerspr. 480 u. 488]). Über weitere Belege (für Grünwedel) aus dem Rotw. sowie die Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm. 2.

[752] S. abtragen.

[753] S. abfahren.

[754] S. davongehen; vgl. (betr. bosten u. pfichen) abgehen u. (betr. schef[f]ten) unter „daher“ a. E.

[755] S. böse Frau.

[756] Zu Mogel od. Mokel = Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib vgl. Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (Mockel = Frau, Mokel = Mutter). Die Etymologie bleibt unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. Mockel, u. a. = „plumpes Weibsbild“, Mockele(in) = „rundliches Kind, Mädchen“ (aber beides auch für Rindvieh, bes. Kuh od. Kalb gebraucht) nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (Mockel [auch] = „weibliche Geschlechtsteile“). Über ein seltenes rotw. Muck (od. Mück) = Frau s. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.

[757] S. Bauernfrau.

[758] Zu Romane = Frau vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 72 (Rumie = Frau, femin. zu Romno = Mann u. Schwäb. Händlerspr. (in U. [214]: Romli = Mädchen [vgl. Rom = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw. ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [Rumini = Frau]; v. Grolman 57 [ebenso]; Karmayer G.-D. 215 [verdr.: Runinni]). Etymologie: Die Vokabel stammt aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, S. 30) u. bildet das fem. (romni u. ä.) zu rom = Mann, Ehemann, Zigeuner, (vgl. rōmano [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter „Rammenin“) vbd. mit Pott I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528, Liebich S. 156 u. 191, 198, 262 (romni = Frau, Ehefrau, Zigeunerin), Miklosich, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter „rom“: bei den deutsch. Zig. romni = Frau [Eheweib], Zigeunerin), Jühling, S. 227 (unter „Tschai“: Romni = Frau).

[759] S. Bachstelze, Bauernfrau u. Beischläferin.

[760] S. Bauernfrau.

[761] S. (betr. Klufterei) ankleiden.

[762] Malfes (neuere Form für das ältere Mahlbosch [vgl. „Einleitung“, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte, Überrock) ist verwendet in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Malfesrande = Rocktasche; b) am Ende: (außer Mos[s]malfes noch): Gadscho- od. Kaffermalfes = Männerrock, Plauderermalfes = Lehrerrock, Gallach- od. Kolbemalfes = Priesterrock. Eine Verbindg. damit ist unterkünftiger Malfes = Unterrock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94, 98 (Malebosch od. Malus = Rock, ein ganzer M. = Rock und Kamisol, ein halber M. = Kamisol); W.-B. des Konst. Hans 254 (Malves = Kamisol, Mahlbosch = Rock); Schöll 271 (Formen: Malves u. Malbosch, Bedeutgn.: wie im W.-B. des Konst. Hans); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 343, 344: Malves od. Malboschum = Kittel, Malfes od. Maleboschen = Rock, Ruchemalfes [od. Mahlboschen] = Bauernkittel, Schlaumalfes = Schlafrock); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Malfes = Weste, dagegen Walmusch [sic] = Rock, aber wieder Dormmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (Malfes u. Walmusch = Rock, dazu [in Pfedelb. (212)]: Dormmalfes = Schlafrock); s. auch noch Pfälzer Händlerspr. 438, 439 (Malebūsch = Anzug, Walmüsch = Rock) u. Metzer Jenisch 216 (Malbosche = Kleider). Über weitere, in der Form sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über die Etymologie (vom. hebr. mâlbûsch = „Kleider“) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. Schütze S. 98 (unter „Walmusch“); vgl. Weber-Günther, S. 167 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.

[763] Zu Fürflamme = Schürze vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Vorflam = Schürz); Pfulld. J.-W.-B. 344 (Flamme = Schürze). Auch in d. sonst. rotw. Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form Flamme (od. Flammert), teils in der längeren Vorflamme(rt) od. Fürflamme(rt) u. ä. mehrfach anzutreffen. S. z. B. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (227: Flamme); ferner Krünitz’ Encyklopädie 1820 (353: Vorflamme); v. Grolman 21, 22 u. T.-G. 120 (Fürflamm[e], Für- od. Vorflammert od. Flamme, Flammert); Karmayer 52 (Fürflamm [masc. gen.]) Die Etymologie ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer weithin leuchtenden (gleichsam „flammenden“) weißen Schürze zu denken; vgl. A.-L. 540 (unter „Flamme“ [wo auch die Nebenbedeutgn. von Flamme(rt) — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s. auch noch Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter „Flamme“) hat keine Erklärung hinzugefügt.

[764] S. böse Frau.

[765] S. Beischläferin.

[766] S. Frau.

[767] S. Bauernfrau.

[768] Mit Schrende = Stube (Gemach, Zimmer) sind gebildet die Verbdgn. grandiche Schrende = Saal) (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schrendepflanzer = Zimmermann; b) am Ende (außer Mos[s]schrende noch) Sinseschrende = Herrenzimmer, Leileschrende (eigtl. „Nachtstube“) = Wachtstube. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Schrende = Stube); übereinstimmend (in Form und Bedeutg.) auch: W.-B. des Konst. Hans 254, Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 345; dagegen in der schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]): Schrenze = Stube. Über weitere Belege im Rotwelsch sowie Etymologie des Wortes (das ohne Zweifel deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 54, S. 165, Anm. 2 u. dazu etwa auch noch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter „Schrand“).