J. G. Dentu * 1770, † 1840.
G. Dentu d. j. * 1796, † 1849.

Der Gründer der Firma Dentu, Jean Gabriel Dentu, etablierte um 1795 eine Buchdruckerei und später eine Buchhandlung in Paris. Sein Journal des Dames hatte einen ausserordentlichen Erfolg. Er gab eine grosse Reihe von Reisewerken sowie Schriften naturwissenschaftlichen Inhalts heraus und druckte und verlegte nach der zweiten Restauration fast alle legitimistischen Broschüren. Der Sohn Gabriel Dentu, der 1826 das Geschäft übernahm, blieb den politischen Traditionen der Firma treu, wurde dadurch nach der Julirevolution 1830 in 27 Pressprozesse verwickelt und musste ausser zahlreichen Geldstrafen neun Monat Gefängnis aushalten. Einer seiner Söhne Ed. Dentu folgte ihm als Buchhändler; die Buchdruckerei wurde verkauft.

H. M. Cazin † 5. Okt. 1795.

Als Verleger einer Reihe reizender und koketter Ausgaben in 18° mit schönen Illustrationen und allerliebsten Ornamenten der besten Künstler ist Hubert Martin Cazin bekannt.

Mit grosser und wohlbegründeter Pietät nennen die französischen Fachgenossen den Namen Crapelet.

Charles Crapelet * 13. Nov. 1762, † 9. Okt. 1809.

Charles Crapelet war in Bourmont geboren. Seine Erziehung war sehr vernachlässigt, er versuchte jedoch durch unermüdliche Arbeit das Fehlende zu ersetzen. Erst 17 Jahre alt übernahm er die Leitung des bedeutenden Geschäfts des Buchdruckers Stoupe. Er beteiligte sich auf das lebhafteste bei den Bestrebungen, die Typographie durch Geschmack und Eleganz zu heben, und war zugleich einer der vorzüglichsten Korrektoren. Als Beweis seines Pflichteifers wird erzählt, wie er sich von dem Festschmause am Abend seines Hochzeitstages gegen Mitternacht heimlich entfernte. Als er nicht wiederkam, geriet die Gesellschaft in Verlegenheit, die junge Frau in die grösste Unruhe. Nachdem der anwesende Prinzipal Stoupe sich eine zeitlang an dieser Situation ergötzt hatte, machte er schliesslich dem Entsetzen ein Ende durch die Erklärung, Crapelet sei in die Druckerei gegangen, um die Korrektur einiger Bogen zu erledigen, die man morgen drucken müsse. Der Vermisste erschien dann endlich auch früh gegen drei Uhr.

Im Jahre 1789 wurde er der Nachfolger Stoupes. Nach dem Beispiele Baskervilles suchte er Einfachheit mit Eleganz zu verbinden und übertraf sein Vorbild durch die Gleichmässigkeit und die grosse Korrektheit seiner Drucke. Seine Ausgaben werden von allen Bücherfreunden in Ehren gehalten und seine Pergamentdrucke und die Golddruck-Exemplare von Audiberts Histoire des colibris sind typographische Seltenheiten.

Vom Glück war Crapelet nicht begünstigt und Missbrauch seines Vertrauens brachte ihm ausserdem schwere Verluste. Um diese zu ersetzen, arbeitete er über seine Kräfte. Ein Druckfehler in dem ersten Bogen seiner Ausgaben des Télémaque, wo, statt Pénèlope, Pélènope gedruckt war, versetzte ihn in eine solche Aufregung, dass nur die ernsthaftesten Vorstellungen seiner Freunde ihn von seinem Entschluss, die Buchdruckerei aufzugeben, abzubringen vermochten. Leider zu seinem Schaden, denn er starb, erst 49 Jahre alt, durch geistige und körperliche Anstrengungen aufgerieben, als Märtyrer seines Berufs. Unter den vielen Werken aus seinen Pressen seien die schönen Ausgaben der französischen Klassiker und Audiberts Histoire naturelle des oiseaux chantans, Folio, 1805, genannt.

G. A. Crapelet * 1789, † 1842.

Notgedrungen musste der Sohn Georg August Crapelet, kaum 20 Jahre alt, das Geschäft übernehmen. In seinen Leistungen übertraf er noch den Vater, war ausserdem ein bedeutender Fachschriftsteller und Archäolog. Seine Ausgaben französischer Klassiker sind berühmt und die Grosspapier-Exemplare davon sind als Prachtdrucke gesucht. Crapelet der Sohn gehörte, wie der Vater, zu denjenigen Buchdruckern, die mehr zur Ehre der Kunst als zum eigenen Vorteil den alten Traditionen treu blieben. Seine Fachwerke sind sehr geschätzt. Von den Études pratiques et littéraires sur la typographie, Paris 1837, wurde leider nur der erste Teil veröffentlicht, den Abschluss des Werkes verhinderte des Verfassers Tod. 1840 erschien De la profession d'un imprimeur.

De Bure.

Den Grund zu den bedeutenden bibliographischen Arbeiten Frankreichs legte Wilhelm Franz de Bure, einer bereits seit 1660 bestehenden Buchhändler-Familie angehörend. Er verfasste 1753 das Museum typographicum und 1785 seine Bibliographie instructive, sowie mehrere von den Bibliographen sehr geschätzte Kataloge, unter andern die über die Bibliothek des Herzogs von la Vallière, in damaliger Zeit die bedeutendste Privatbibliothek Frankreichs.

Fußnoten:

[98] P. Dupont, Histoire de l'Imprimerie, vol. I. Paris 1854. — A. F. Didot, Histoire de la Typographie. Paris 1882. (Abdruck aus der Encyclopédie moderne.) — Edm. Werdet, De la Librairie Française. Paris 1860. — F. A. Duprat, Histoire de l'Imprimerie Impériale. Paris 1861. — Ed. Werdet, Histoire du Livre en France. 4 Bde. Paris 1861–62.

[99] Loi sur la liberté de la Presse, 29. Juli 1881.A. Faivre, Code manuel de la Presse 1881. Paris. — Loi de 1881 sur la Presse avec observations par H. Celliez et Ch. le Senne. Paris 1881.

[100] Vergl. I, S. 208–211. In dem Folgenden ist, bei dem fortwährenden Wechsel der offiziellen Benennung je nach dem Wechsel der Regierungsform, die Bezeichnung „Staatsdruckerei“ angenommen. — Ausser Duprats Werk (S. 163) vgl. A. J. Bernard, Notice historique sur l'Imprimerie nationale. Paris 1848. — V. Goupy, L'Imprimerie nationale et sa Collection de Types orientales. Paris 1874. — A. Bernard, Histoire de l'Imprimerie Royale du Louvre. Paris 1867.

[101] Die 300-Livres-Noten tragen als Jahreszahl 1090 statt 1790, man ging jedoch darüber hinweg.

[102] Pierre Jean de Béranger (* 1780, † 1857) lernte die Buchdruckerei bei Laisnez in Péronne und arbeitete dort zwei Jahre. Während dieser erschienen seine ersten Gedichte, die mit solchem Beifall aufgenommen wurden, dass er den Winkelhaken beiseitelegen konnte.

[103] G. Brunet, Firmin Didot et sa Famille. Paris 1870. — E. Pitou, La Famille Didot. 1856. — E. Werdet, Études bibliographiques 1713–1864. — A. F. Didot, Histoire de la Typographie. Paris 1882.

[104] Seine 1882 in einem zweiten, unveränderten Abdruck erschienene Histoire de la Typographie entspricht nicht dem, was man nach dem Titel erwarten könnte. Es ist ein Abdruck eines grossen, vor langen Jahren erschienenen Artikels in der Encyclopédie moderne und enthält nur chronologisch an einander gereihte Notizen, fast ausnahmslos über französische Buchdrucker, namentlich über Mitglieder der Familie Didot, und schliesst mit dem Jahre 1851.

[105] Guide pratique du compositeur d'imprimerie. Paris 1855. Vol. II. 1872.

[106] L. Mohr, Das Haus Berger-Levrault. Strassburg 1876. — L'Imprimerie de Berger-Levrault & Co. Nancy 1878. — Ann. d. Typ. B. VIII. 1876, Nr. 352.

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VII. KAPITEL.

DIE MODERNE TYPOGRAPHIE FRANKREICHS UND DAS BUCHGEWERBE.

Das Aufleben des Buchgewerbes. Die Prachtwerke. Neue Bahnen. Der Cercle de la Librairie. Die Fachlitteratur. Statistisches. Die Journallitteratur. Die moderne Typographie: A. Mame & Co., H. Fournier, P. Dupont, J. Claye, N. Chaix, H. Plon u. a. Der Illustrierte Verlag: Ch. Furne, J. Dubochet, J. Paulin. Die Luxusbücher: L. Curmer, G. Silbermann, Engelmann Vater & Sohn. Die verschiedenen Richtungen des Buchhandels: Baillère, Masson, Hachette & Co. u. a. Der archaïstische Druck: L. Perrin, D. Jouaust. Die Bibliographie: Die Buchhandlungen für das Ausland.

Aufatmen des Buchhandels.
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CHWERE Zeiten hatten in der Sturmperiode Frankreichs auf der Buchdruckerei und dem Buchhandel gelastet und nur wenigen Auserwählten der alten Garde war es, wie wir gesehen, vergönnt gewesen, aus der Krisis ungeschädigt hervorzugehen. Als nun das Buchgewerbe wieder aufzuatmen begann, war es, da die neue Litteraturperiode noch nicht angebrochen war, natürlich, dass die Schaffenslust sich zuerst der Herstellung von schönen Ausgaben der vorhandenen Schriftsteller, die zu den französischen Klassikern gezählt wurden, zuwendete.

Th. Desoër.
J. J. Lefèvre.

Theodor Desoër war der erste, der eine solche Prachtausgabe: einen zwölfbändigen Voltaire, herausgab, die alle Welt in Erstaunen versetzte, welche die Frage lebhaft diskutierte, ob der Verleger bald ein reicher oder ein bankerotter Mann werden würde. Jean Jacques Lefèvre wollte Ausgaben bringen, die selbst die Didotschen übertreffen sollten. In den Jahren 1826–1829 gab er zuerst in 73 Bänden in Oktav die französischen Klassiker mit reichhaltigen Kommentaren heraus, dann die ohne Rivalen gebliebenen Sammlungen älterer und neuerer Klassiker aller Länder in 32°. Gleichzeitig veröffentlichte L. Janet seine luxuriösen Ausgaben der geistlichen Schriftsteller.

Prachtausgaben.

Eine Prachtausgabe jagte nun die andere. Von Voltaire allein erschienen nicht weniger als vierzig Ausgaben in den verschiedensten Formaten und zu den verschiedenartigsten Preisen. In ununterbrochener Reihe folgten Buffon, Madame de Sévigné, Boileau, Bossuet und viele andere ältere Schriftsteller mit prachtvollen Stichen, unter Mitwirkung von Künstlern wie Desenne, Deveéia, Henriquel-Dupont, Calamatta, Lecomte, Girardet, Lorichon u. a. Daneben behaupteten jedoch auch die älteren Ausgaben ihren Wert bei den vielen Bücherliebhabern. Zu zahlreichen Werken mit und ohne Illustrationen gaben die Thaten Napoleons und der grossen Armee Anlass. Die arbeitenden 1500 Pressen, davon 800 in Paris, reichten öfters nicht aus, um dem Andrängen der Verleger zu genügen. Im Jahre 1811 erreichten die gedruckten Bogen die Zahl von neunzehn Millionen, 1826 war sie auf 145 Millionen gestiegen, nicht gerechnet die enorme Zahl der politischen Broschüren, der Zeitungen und der Revues.

C. Ladvocat.

Trotz der Schönheit der Klassiker-Ausgaben traten diese mit der Zunahme der modernen Schriftsteller von Bedeutung wie Benj. Constant, Chateaubriand, Lamartine, Cas. Delavigne und viele andere in den Hintergrund. Was Lefèvre für die alten Verfasser gewesen, wollte nun Charles Ladvocat für die lebenden sein. Er war der richtige Typus eines modernen Buchhändlers, kühn, unermüdlich, freigebig, von Liebe zu seinem Geschäft beseelt. Er verstand jedoch nicht, dabei klug haushälterisch zu sein. Er gab zwar der Litteratur einen mächtigen Stoss nach vorwärts, sollte aber so wenig wie Lefèvre die Früchte des regen Schaffens geniessen, und beide starben arm.

Der Roman.

Dem Roman war es beschieden, einen mächtigen Einfluss auf das Druckgewerbe zu üben. Am Tage der Herausgabe eines neuen Romans von Victor Hugo, Jules Janin, Ch. Nodier, H. de Balzac, Paul Lacroix, Léon Gozlan, Eug. Sue, Alf. Karr u. a. waren die Buchhandlungen förmlich belagert. Die höchsten Honorare wurden bezahlt, oft für Bücher, von denen noch keine Zeile geschrieben war.

Das Feuilleton.

Doch hiermit sollte es nicht genug sein. Emil Girardin öffnete dem Roman noch neue Bahnen. Er hatte den Gedanken gefasst, ein Journal von dem Umfange der grossen Blätter, aber nur zu vierzig statt zu achtzig Franken, herauszugeben. Das wirkte in der Journalistik gleich einer Revolution im Staate. Im Jahre 1835 erschien Girardins La Presse; Le Siècle war die erste Konkurrenz. Das Publikum sollte namentlich durch das Feuilleton angelockt werden und es entstand eine wahre Hetzjagd nach Romanen für dasselbe und selbst die ernsthaftesten Journale mussten dem Strom folgen. Souliés Mémoires du diable und Sues Mystères de Paris in dem Journal des Débats wurden geradezu verschlungen. Die Männer des Romans genügten nicht und es entstand eine ganze Legion von romanliefernden Blaustrümpfen. War der Roman im Feuilleton beendigt, so kam eine Nachlese für Autor, Verleger und Drucker durch Herausgabe als Buch.

Die Kunst des Zeilenmachens[107] wurde im grossen Stil geübt, als besonderer Virtuos zeigte sich hierin Victor Hugo. Da nach den Zeilen bezahlt wurde, so waren Zeilen wie „Ja“ — „Nein“ — „Er ging“ — „Sie lächelte“ etc. sehr profitabel.

Doch das Romanfieber liess nach und es machte sich nun, unterstützt durch die Fortschritte der Holzschneidekunst und das vortreffliche Material an Schrift, Papier und Pressen, die Sucht geltend, alles mit Holzschnitten zu illustrieren.

Der Holzschnitt.

So prachtvoll die Stahlstiche auch gewesen, man sehnte sich doch nach einfacherer Kost. Der Holzschneider Porret war einer der ersten, der auf Antrieb Achille Devérias zur Reorganisation der Xylographie die Initiative ergriff. Die talentvollen Zeichner eigneten sich mit Eifer die Methode für den Holzschnitt zu zeichnen an. Desenne, Devéria, Alfr. und Tony Johannot, Jul. David, Raffet, Charlet, J. J. Grandville, Horace Vernet, Vict. Adam, Ary Scheffer, Gavarni und andere Künstler ersten Ranges erschienen auf dem Die illustrierten Klassiker.Kampfplatz. Da gab es ein lustiges Turnier. Alle Klassiker, fremde und einheimische, wurden mit Holzschnitten illustriert; geschichtliche, ethnographische und naturwissenschaftliche Werke folgten in bunter Reihe, daneben die illustrierten Blätter. Schliesslich kamen die illustrierten Romane zu 20 Cent. für die Lieferung an die Reihe und auch die Jugendschriften nahmen ein anderes Gesicht an. Der Sieg des Holzschnittes über den Stahlstich war ein vollständiger.

Gegen das Ende des Bürgerkönigtums hatte das Geschäft wenigstens anscheinend eine hohe Blüte erlangt. In der Zeit von 1830–1848 betrug die Zahl der erschienenen Werke 105000 und sie hat sich mit stellenweisen Unterbrechungen durch die politischen Wandlungen auf einer hohen Stufe erhalten.

Der Cercle de la librairie.

Zu dem Ansehen des französischen Pressgewerbes hat, wie bereits in der „Einführung“ angedeutet wurde, der Cercle de la librairie, de l'imprimerie, de la musique et des estampes[108] vieles beigetragen. Aus dem angeführten Titel geht schon hervor, dass der Cercle als Sammelplatz für alle die mannigfachen Kräfte dient, welche bei den graphischen Künsten im weitesten Sinne beschäftigt sind. Nicht nur in allen Verhältnissen der Regierung gegenüber, sondern auch bei allen Weltausstellungen hat der Cercle die Interessen des Buchgewerbes mit Energie, Geschick und Glück vertreten. Er wacht mit Eifersucht dem Auslande gegenüber, jedoch ohne Eifersüchtelei unter den Mitgliedern des Vereins, über die Behauptung der hervorragenden Stellung des französischen Druckgewerbes, wenn dieses auf dem Weltmarkt sich zeigt.

Der am 5. Mai 1847 unter dem Vorsitz von Ambr.-Firmin Didot gegründete, 1853 reorganisierte Verein erwarb 1856 das Eigentumsrecht auf die seit dem Jahre 1811, damals im Besitz der Familie Pillet, erscheinende Bibliographie de la France. Das 1858 unternommene L'Annuaire de la librairie wird nicht regelmässig fortgesetzt und hat für den Buchhandel Frankreichs nicht die Bedeutung wie in Deutschland O. A. Schulz' Adressbuch. 1863 wurde das Comité judiciaire des Cercle eingerichtet. Am 12. Juni 1878 wurde der Grundstein zu einem prachtvollen Versammlungshaus, Ecke der Rue Grégoire-de-Tours und des Boulevard St.-Germain, gelegt und dasselbe am 4. Dezember 1879 feierlich eingeweiht. Es werden seit der Zeit höchst interessante Ausstellungen dort abgehalten. Im Jahre 1880 war die Zahl der wirklichen Mitglieder 317, darunter 119 Buchhändler, 40 Buchdrucker, 26 Lithographen, 55 Papierfabrikanten, 11 Buchbinder, 8 Maschinenfabrikanten etc. Ausserdem hatte der Cercle 21 Ehrenmitglieder und 145 korrespondierende Mitglieder. Das Vereinsvermögen betrug 350000 Franken.

Fachlitteratur. Gabr. Charavay † 22. Mai 1878.

Als Organ der Typographie besteht seit 1864 das durch Gabr. Charavay geleitete L'Imprimerie, journal de la typographie et de la lithographie. Es beschäftigt sich namentlich mit den Verhältnissen der Buchdrucker zum Staate und mit den gewerblichen Interessen, ist in technischer Beziehung jedoch nicht so reichhaltig wie die leitenden englischen Journale. Letzteren nachzukommen ist das seit 1873 begonnene Journal La Typologie Tucker mit Glück bemüht. Es bringt wertvolle Artikel, so wurden z. B. die bekannten Lettres d'un bibliophile von R. R. Madden zuerst hier mitgeteilt. Von den übrigen Fachjournalen sei noch erwähnt das durch Fusion von drei typographischen Blättern 1882 entstandene Bulletin de l'imprimerie et de la librairie, redigiert von Léon Degeorge. Was von den englischen Fachjournalen gesagt wurde, dass sie sich von allen persönlichen Gehässigkeiten und Reibungen freihalten, gilt auch von den französischen, obwohl sie zum grossen Teil direkt im Interesse einzelner grossen Fabrikanten herausgegeben werden.


Nachdem wir in dem vorhergehenden Kapitel die Wirksamkeit und Bedeutung der Bahnbrecher der neueren Periode haben kennen lernen, wenden wir uns den bedeutenderen der modernen Anstalten zu, welche dazu beigetragen, Frankreichs typographischen Ruhm in neuester Zeit zu fördern.

Es könnte anscheinend ein Widerspruch darin gefunden werden, dass die Reihe mit einem Institut angefangen wird, welches bereits zuende des vorigen Jahrhunderts gegründet wurde. Dasselbe ist jedoch seiner ganzen Organisation und Arbeitsweise nach so innig mit der neuen Zeit verknüpft und übt auf diese seinen Einfluss in einer so hervorragenden Weise, dass es wohl nicht mit Unrecht gerade hier an der Spitze steht, als Prototyp einer im besten Sinne modernen Buchdruckerei: es ist das Druckinstitut von A. Mame & Co. in Tours.

Alfred Mame * 1811.

Der Gründer desselben war (1798) Armand Mame, ein junger und energischer Mann. 1830 assoziierte er sich mit seinem Schwiegersohne und Neffen Ernest Mame. 1833 traten seine zwei Söhne Alfred Henri Armand und Ernest als Teilnehmer ein. Nach dem Tode des Vaters übernahm Alfred Mame das Geschäft allein und von da ab datiert sich der enorme Aufschwung desselben. Die Ateliers wurden den Forderungen der Zeit entsprechend eingerichtet und Neubauten vorgenommen. Auch der Buchbinderei widmete Mame besondere Sorgfalt. Seit 1859 ist der Sohn Paul Teilhaber. Schon damals beschäftigte das Institut über 1000 Leute und produzierte täglich gegen 15000 Bände. Der Verlag besteht hauptsächlich in Schriften pädagogischen und religiösen Inhalts, welche, mit einem Preise von 60 Cent. für ein schön gebundenes Bändchen beginnend, bis zu den höchsten Preisen geliefert werden. Mames grösster Vorzug ist eine für alle Arbeiten, die billigsten ebensogut wie die teuersten, sich gleichbleibende Sorgfalt. Seine glänzenden typographischen Siege errang er hauptsächlich durch seinen Schwarzdruck; bunte Farben, Gold und die Hülfsmittel der Schwesterkünste der Buchdruckerkunst wurden von ihm nur als notwendige Konzessionen an den Geschmack des Publikums betrachtet. Er ist ein echter Schwarzkünstler.

Unter seinen Prachtwerken sind ausser seinem herrlichen Missale in Folio, das mit allem Raffinement ausgestattet ist, besonders zu erwähnen die illustrierten Prachtwerke La Touraine mit Zeichnungen von Français, K. Girardet und Catenacci, das schon 1855 von der Jury der Weltausstellung als ein Meisterwerk ersten Ranges anerkannt wurde, und die Bibel mit den epochemachenden Illustrationen Gustav Dorés, die mittels Clichés Eigentum fast aller Länder geworden sind. Zu den neueren Prachtwerken, bei welchen Künstler wie Foulquier, Giacomelli und Hallez mitwirken, gehören die Chefs-d'œuvre de la langue française. Von allen von ihm herausgegebenen Werken lässt Mame ein Exemplar auf Pergament drucken, eine typographische Sammlung von grossem Wert. Auf allen Weltausstellungen erreichte Mame das höchste Mass der Auszeichnungen und es ist wohl kaum eine Stimme dagegen laut geworden[109].

H. Fournier * 1795.

Die Leitung der Mameschen Buchdruckerei lag in den Händen Henri Fourniers. Derselbe arbeitete 1812 bei Didot, wo er für den tüchtigsten Setzer galt. 1824 gründete er selbst in Paris eine Buchdruckerei, die später durch Kauf in die Hände Jules Clayes überging. Fournier druckte und verlegte eine Anzahl kompakter Ausgaben der französischen Klassiker und verschiedene illustrierte Werke: Les petits Misères de la vie humaine, La Chine ouverte, die von einem feinen Geschmack und grosser Tüchtigkeit zeugten. Er zog nach dem Verkauf seines Geschäfts wieder nach seiner Vaterstadt Tours. Auf Grund der typographischen Ausführung von La Touraine wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Allgemein bekannt auch in Deutschland ist Fournier durch seinen Traité de la typographie, das einzige die Kunst des Setzers mit Geschmack behandelnde Lehrbuch.

P. Dupont * 1796, † 12. Dec. 1880.

Für den Accidenzdruck haben Paul Dupont und seine Imprimerie administrative et des chemins de fer Bedeutung[110]. Seinem ganzen Wesen nach ist das Institut eins der modernsten und umfasst Buchdruckerei und lithographische Anstalt mit mehr als 50 Schnellpressen, 25 Handpressen und 1200 Arbeitern. Ein merkwürdiges Unternehmen Duponts sind die Archives parlementaires der verschiedenen Repräsentationen Frankreichs von 1787–1860: Generalstaaten, Direktorium, Konsulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, zweite Restauration, Juli-Regierung, zweite Republik, zweites Kaiserreich; kann man eine grössere Abwechselung verlangen? Dupont hat sich Ruf durch seine praktischen Beiträge zur Lösung der Arbeiterfrage durch Beteiligung der Arbeiter erworben und hat in seinen Bestrebungen unter den französischen Industriellen viele Gleichgesinnte und Nachfolger gefunden, z. B. Laurent & Deberny, Schriftgiesserei, seit 1848, Chaix & Co. und Godchaux & Co. seit 1871, Mame und Masson seit 1877.

Anlässlich der Pariser Ausstellung 1867 gab Dupont ein Prachtwerk heraus, enthaltend eine für den Laien interessante Schilderung seiner Anstalt; freilich nicht ohne eine gewisse Ostentation und kräftige Hervorhebung der Lichtseiten. Ferner schrieb er eine Histoire de l'imprimerie, zwei Bände, 1854, jedoch mehr eine Sammlung von Material als eine durchgearbeitete Geschichte[111] und, abgesehen von der Erfindungsgeschichte, fast ausschliesslich sich mit Frankreich beschäftigend.

Von den vielen grossen Offizinen nennen wir nur diejenigen, die irgend eine charakteristische Seite aufzuweisen haben.

Jules Claye.

Jules Claye (ursprünglich H. Fournier) ist eine bedeutende Buchdruckerei, aus welcher eine grosse Anzahl von Prachtwerken Pariser Verleger hervorging, darunter die grossartigste Erscheinung der jüngeren Typographie, Hachettes Les Évangiles. Wenn wir gleich daneben ein kleines Kunststückchen Clayes, seinen Katalog der Ausstellung des Cercle de la librairie in Wien 1873 nennen, so geschieht es nur, weil das Büchlein zu den Gegenständen gehört, bei deren Betrachtung man sich sagen muss, es giebt ein gewisses Etwas in der französischen Typographie, in welchem man ihr nicht nachkommt, nicht weil man es technisch nicht ebenso gut machen könnte, nachdem es einmal vorliegt, sondern weil man einfach nicht auf den Gedanken kommt, es so zu machen. Clayes Nachfolger im Geschäft ist A. Quantin. Aus der Schule Mames hervorgegangen, gilt dieser als einer der vorzüglichsten und geschmackreichsten Drucker. Die Histoire de Joseph wird als ein würdiges Seitenstück zu Les Évangiles bei Hachette betrachtet.

A. Chaix.

Zu Claye steht A. Chaix & Co. ungefähr in demselben Verhältnis wie Dupont zu Mame. Die Firma, jetzt wie die Duponts in den Händen einer Kommandit-Gesellschaft, ist Imprimerie et librairie centrales des chemins de fer[112]. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, legte sich Chaix besonders auf Arbeiten für Eisenbahnen und zwar zu einer Zeit, als viele Eisenbahnbauten in Angriff genommen wurden. Ausserdem druckte er viele Wertpapiere. Selbst das für so manchen ruinöse Jahr 1848 brachte Chaix' Etablissement Vorteil durch die vielen dort ausgeführten Zeitungen und politischen Broschüren, denn seine Druckerei war der Sammelplatz der neuen politischen Grössen, wo auch der nachmalige Kaiser fast täglich verkehrte. 1878 beschäftigte er 48 Schnellpressen und gegen 700 Personen. Das Lokal gewährt das Bild einer grossen Eisenbahnhalle, mit Oberlicht versehen und von Galerien umgeben. In der Mitte arbeiten die Setzer; ringsherum stehen die Maschinen. Jeden Monat wird ein neuer Orientierungsplan ausgegeben, um die Hersteller der verschiedenen Arbeiten leicht auffinden zu können. Das grosse Tarifbuch im stehenden Satz enthält 36 Millionen Nonpareil-Typen. Für die mehrfarbigen Plakate, öfters von mehr als zwei Meter Höhe und anderthalb Meter Breite, sind die schon oben erwähnten besonderen Maschinen in Gang. Die Buchhandlung beschäftigt sich fast ausschliesslich mit Eisenbahnlitteratur. Chaix sorgt sowohl durch Beteiligungssystem und Kassen, die jetzt über ein Kapital von 300000 Franken verfügen, als durch zweckmässige Einrichtungen in dem Lokal und eine billige Arbeiterküche für das Wohl der Gehülfen. Für die Ausbildung der Lehrlinge errichtete er eine Schule mit vier Klassen unter Berücksichtigung der vier Lehrjahre der Zöglinge. Nicht allein, dass der Unterricht frei ist, sondern den Lehrlingen werden Marken verabreicht, die sie beim Beginn der Stunden abzugeben haben. Für jede Marke, die also als Zeichen der Anwesenheit in der Schule gilt, wird dem Lehrling ein kleiner Geldbetrag gutgeschrieben. Für die Schüler schrieb Chaix selbst ein Handbuch der Buchdruckerkunst, gab auch anlässlich der Ausstellung 1878 einen 338 Seiten starken Bericht über seine Anstalt heraus.

Agence Havas.

Ist Chaix' Druckerei als typisch für eine Druckerei des Augenblicks zu betrachten, so kann die am Place de la bourse gelegene Offizin der Agence Havas, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient werden. Diese Druckerei liefert für die Provinzblätter stereotypierte Satzspalten, die, in Stücke zersägt, sich mit dem eigenen Satz der Blätter zusammen verwenden lassen.

P. H. Plon * 1805.

Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb Ph. H. Plon[113]. Er war Setzer in der Offizin Béthunes, bei dem das Dictionnaire de la conversation in 52 Bänden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon eine grosse Thätigkeit und wurde Teilnehmer des Geschäfts. Als auf Grund entstandener Verlegenheiten Béthune sich zurückzog, übernahm Plon allein das Geschäft, welches sich äusserst rasch hob und Luxus- und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und künstlerisch ausgebildeter Sohn übernahm nach dem Tode des Vaters das Geschäft.

Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als Meisterstücke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die älteren, so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: Collection des classiques français in 32°; Les Chartes et les archives nationales in 4°; die Bibliothèque historique in mehr als 300 Bänden in 8°; die Bibliothèque des voyages und die Bibliothèque des romans durch Tüchtigkeit in der Ausführung aus.

Lacrampe.

Die Firma Lacrampe & Co. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei von 19 Arbeitern, alles tüchtige, arbeitsame und für ihren Beruf enthusiasmierte Männer, begründet. Sie wählten ihren Chef und wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Aufträge kein günstiges. Nicht besser ging es der unter der Firma François & Co. gegründeten Assoziationsbuchdruckerei, gewöhnlich „die Zehn“ genannt.

Crété fils.

Crété Fils ist zwar in Corbeil ansässig, gehört jedoch thatsächlich zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur für Pariser Verleger beschäftigt ist; Crété konkurriert würdig mit Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich für Hachettes Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Güte und Gleichmässigkeit des Schriftdrucks kaum übertroffen.

Gauthier-Villars.

Gauthier-Villars macht eine Spezialität aus solchen Arbeiten, die andere am liebsten von sich weisen möchten; bei ihm heisst es aber, je schwieriger, desto besser. Seine für die wissenschaftlichen Institute und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verständnis ausgeführt, würden jedoch in Deutschland nicht für so epochemachend gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schöpfer des modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei Gauthier-Villars arbeitende Bailleul † 30. Mai 1875.Setzer Bailleul betrachtet werden, der zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch. Laboulaye in seinen Bemühungen Unterstützung fand. Er wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten Vorgehens der französischen Regierung angeführt, dass sie den hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Bürger ehrt, und andererseits ist es von den französischen Buchdruckern zu loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehülfen in ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und schätzen lernt.

Verschiedene Pariser Offizinen.

Unter den tüchtigen Firmen seien noch wenigstens kurz erwähnt: C. Motteroz, der sich auch schriftstellerisch durch sein Werk über die chemischen Illustrations-Verfahren[114] verdient gemacht hat und unter Zuhülfenahme aller graphischen Künste viele Accidenzarbeiten für die grossen Magazine in Paris ausführt; Emile Martinet, bekannt durch sein seit 1872 bestehendes Internat für Setzerinnen in Puteaux; Georges Chamerot, Nachfolger von Firmin Didot, der schöne illustrierte Ausgaben lieferte; Wittersheim & Co., deren Zeitungsdruckerei von der Regierung angekauft wurde; Lahure, der mit 40 Schnellpressen und 18 Handpressen viele illustrierte Werke druckt; Dumaine, der die Arbeiten des Kriegs- und des Marineministeriums liefert und selbst einen grossen Verlag von Militaria, Rang-, Quartierlisten etc. hat; die Société de publications périodiques, welche, von Panckoucke unter der Firma Société du Moniteur et de l'Encyclopédie méthodique gegründet, unter der Direktion von Paul Dalloz einen bedeutenden Aufschwung genommen hat und eine grosse Zahl von Zeitungen druckt.

Offizinen der Provinz.

Unter den Offizinen ausserhalb Paris finden sich, abgesehen von den schon erwähnten von Mame und Berger-Levrault, noch manche von Bedeutung. Ganz besonders hervorzuheben sind die Firmen L. Danel in Lille und F. C. Oberthur in Rennes. Erstere, seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts bestehend, arbeitet mit 33 Maschinen, 26 Handpressen und 450 Arbeitern, alle graphischen Nebengewerbe in ihren Räumen vereinigend, die, nach einem totalen Brand 1871, höchst zweckmässig neu aufgeführt wurden. Der Hauptzweig ist Congrevedruck und die Firma liefert für den Handel und die Fabrikation eine enorme Zahl von Accidenzien. Um seine Tüchtigkeit im chromographischen Druck zu zeigen, hatte Danel zur Ausstellung 1878 ein Werk Voyage dans un grenier geliefert. Oberthurs Offizin hat ungefähr dieselbe Ausdehnung wie die Danels und ist 1874 neu aufgebaut; sie versorgt Frankreich namentlich mit Agenden, Kalendern und ähnlichem.

Zu erwähnen sind unter anderen noch Oudin Frères in Poitiers mit umfangreichen Verlagswerken als: Historiens des Gaules und Les Châteaux historiques de France mit in den Text gedruckten Radierungen; Allier Père & Fils in Grenoble mit dem Armorial et nobiliaire de l'ancien duché de Savoie; Capoulaud Frères (seit 1607) in Limoges, welche kleinere Stadt in der Bücherproduktion mit 466 Werken in einem Jahre gleich nach Paris mit 2286 kommt, während das einst graphisch so bedeutende Lyon nur 134 Werke, Bordeaux nur 49 aufwies. In Toulouse sind J. M. Sirven und P. Privat, in Caen F. Leblanc-Hardel, in Mans Monnoyer bemerkenswert.


Drucker und Verleger illustrierter Werke.

Unter den Herstellern der ausserordentlich zahlreichen illustrierten Werke, die in Paris erschienen sind, Verlegern sowohl als Buchdruckern, befinden sich hervorragende Männer. Wie das Pressgewerbe sich gestaltet hat, ist es oft schwer zu sagen, wem der Ruhm für die schöne Ausstattung am meisten gebührt, dem Verleger, der die Herstellung in allen Details mit Sachkenntnis und Geschmack anordnet, oder demjenigen, der den Druck übernimmt. Nicht selten sind die Fälle, dass der Verleger erst den Ruf eines Druckers macht, der anfänglich nur unwillig sich von dem Schlendrian und dem Alltäglichen abbringen lässt, vielleicht gar den Verleger verwünscht, der ihn zwingt, ein guter Drucker zu werden. Oft teilen sich beide, Verleger und Drucker, in die Ehre, und so sollte es immer sein, wenn nicht Verleger und Drucker in einer Person vereinigt sind.

Ch. Furne.

Noch produktiver als der obenerwähnte Fournier war Charles Furne, erst Angestellter im Zollfach, dann seiner Leidenschaft für schöne Bücher nachgebend, ein unternehmender Bücherproduzent. Den Text zu dem von ihm verlegten Don Quixote hatte er selbst übersetzt. Wie es in Paris so oft der Fall war, ging das Geschäft 1836 in eine Aktiengesellschaft über, deren Direktor Furne wurde. Eine der vorzüglichsten Leistungen der jetzigen Firma Furne, Jouvet & Co. ist Michauds Histoire des Croisades, illustriert von G. Doré, in Folio.

E. Bourdin.

E. Bourdin brachte J. Janins L'Ane mort, Sternes Voyage sentimentale, La Normandie et la Bretagne, Mémorial de Saint-Hélène von Las-Cases, illustriert von Charlet, das grosse Reisewerk des Fürsten Demidoff und andere Prachtwerke.

J. Hetzel.

Jules Hetzel, selbst ein geachteter Schriftsteller (Pseudonym P. J. Stahl), lieferte Grandvilles Scènes de la vie publique et privée des animaux und dessen Les Animaux peints par eux-mêmes. H. Delloye veröffentlichte Balzacs La Peau de chagrin, La France pittoresque, La France monumentale, La France militaire. Ein grossartiges, jedoch nicht illustriertes Verlagswerk war Nap. Landais' Dictionnaire de la langue française. Durch politische Verhältnisse gezwungen siedelte Hetzel 1851 nach Brüssel über, kehrte jedoch 1859 nach Erlass der Amnestie zurück und gründete die Librairie d'éducation et de récréation. 1864 begann er das Magasin illustré d'éducation et de récréation, eine Sammlung tüchtiger Werke für die Jugend.

J. J. Dubochet.

Epoche machte die bei J. J. Dubochet erschienene Histoire de Napoléon, illustriert von Horace Vernet. Ein allerliebstes Werk war Töpffers Voyage en zigzag. Von Dubochets nichtillustrierten Werken sind zu erwähnen eine vortreffliche Kollektion von älteren Klassikern in Übersetzungen von Nisard, 27 Bände Oktav, und die J. Paulin * 1793.Million de faits. Mit ihm gleichzeitig wirkte J. B. A. Paulin, erst Mann der Wissenschaft und Advokat, dann Verleger, der zusammen mit Dubochet L'Illustration (1843) gründete. Diese Zeitschrift ging später in die Hände von A. Marc & Co. über. Sie nimmt einen ehrenwerten Platz unter den illustrierten Blättern ein, ohne jedoch ihr Vorbild, die Illustrated London News, zu erreichen, hat auch nur eine Verbreitung von 18000 Exemplaren. Paulin gab auch eine prachtvolle Ausgabe von Thiers' Histoire du Consulat et de l'Empire in 17 Bänden heraus. Das frühere Werk L'Histoire de la Révolution française von dem damals unbekannten Advokaten erschien bei Lecointe & Pugin und auf dem Titel wurde der Name Félix Bodin als Deckung vor den Namen Ad. Thiers eingeschmuggelt. Der Erfolg war ein solcher, dass Thiers ferner keine schützende Flagge für seinen Namen und seine Werke gebrauchte.

Magasin pittoresque.

Unter den illustrierten kleineren Blättern, die in Nachahmung des Penny Magazine erschienen, ist das Magasin pittoresque das hervorragendste und das am schönsten ausgeführte nicht allein in Frankreich. Ein Phänomen ist es, dass nicht allein der Redacteur Charton und die Xylographie von Andrew Best & Leloir, sondern auch die Direktion der Setzer und Drucker von 1833 bis auf die jüngste Zeit dieselben geblieben sind. Der Unternehmer hiess Lachevardière; die Ehre gebührt jedoch Charton und Best († 2. Oktober 1879), Martinet lieferte den vortrefflichen Druck. Zu demselben wurde die erste Schnellpresse in Frankreich eingeführt, die von Applegath & Cowper in London gebaut war. Neben dem genannten Blatt nahm namentlich Le Musée des familles einen respektablen Platz ein. Bourdillat, der auch die [Oe]euvres de Gavarni herausgab, gründete Le Monde illustré, Hachette das sehr verbreitete Journal pour tous. Ein xylographischer Künstler von grossem Ruf war L. H. Brevière[115].

L. Curmer * 17. Dezbr. 1801.

Der Bahnbrecher für die eigentlichen Luxusbücher, die unter Benutzung der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war Léon Curmer (1834). Er gehörte einer alten irländischen Adelsfamilie an, war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne selbst die Kunst zu üben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Künstlern zu umgeben, die ganz auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war Paul et Virginie, illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf das vortrefflichste von Evérat gedruckt. Es folgten dann Le Jardin des plantes, La Grèce pittoresque, L'Irlande pittoresque, Les Anglais und Les Français peints par eux-mêmes, Les Beaux-Arts, Les Contes des fées von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine religiösen Bücher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck. Alle überragt L'Imitation de Jésu-Christ mit einer grossen Anzahl Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck, ebenso Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne.

Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so für ersteren G. Silbermann und E. Meyer, für letzteren Engelmann Vater und Sohn.