Bekanntlich nahm das Bürgerkönigtum am 24. Februar 1848 ein jähes Ende. Die provisorische Regierung zählte mehrere Männer der Wissenschaft und der Presse unter ihren Mitgliedern. Ihre Freunde fanden Anstellung in der Administration; es war also natürlich, dass die Presse mit Wohlwollen behandelt wurde. Der Zeitungsstempel, die Kautionen und das strenge Pressgesetz vom 9. September 1835 wurden aufgehoben. Eine Unmasse von Journalen entstand, die Vorteile aus dem Druck fielen jedoch nur einigen wenigen grossen Zeitungsdruckereien zu, die eigentlichen Werk- und Accidenzdruckereien litten Not und fast der dritte Teil der Das zweite Kaiserreich.Arbeiter war brotlos. Während der Zeit der am 10. November 1848 begonnenen Präsidentschaft Louis Napoleons und des Kaiserreichs Napoleons III. hob sich das Druckgeschäft wieder, aber es traten selbstverständlich strengere Überwachungsmassregeln ein. Im Jahre 1852 wurde die Direction générale de l'Imprimerie et de la Librairie ins Leben gerufen, welche Massregel im allgemeinen mit Befriedigung aufgenommen wurde.
Das neue Pressgesetz vom 17. Februar 1852 gab der am 2. Dezember 1852 eingesetzten kaiserlichen Regierung eine furchtbare Waffe in die Hände, denn es hing alles von der Art der Ausführung des Gesetzes ab. Napoleon III. liebte die Buchdruckerkunst gleich seinen Vorgängern, und er selbst suchte, wie bekannt, schriftstellerischen Ruhm. Für den äusseren Glanz der Typographie namentlich durch die Weltausstellungen, auf welchen das französische Buchgewerbe stets in würdigster Weise vertreten war, war er eifrigst besorgt.
Jetzt ist die Republik im Besitz des liberalen Pressgesetzes vom 29. Juli 1881[99].
Wie die französischen Regierungen, mögen sie Namen geführt haben wie sie wollten, fortdauernd und mehr als gut war sich mit der Stellung der Presse zum Staate beschäftigten, so setzten sie auch ihre direkte Beeinflussung der technisch-gewerblichen Verhältnisse der Buchdruckerkunst durch die Staatsdruckerei fort, welche jedoch mehr und mehr sich von ihrem schönen Ziel, der Veredelung der Kunst, entfernte, um in die Reihe der brotsuchenden Anstalten zu treten und den Privatdruckereien Konkurrenz zu machen.
Die Staatsdruckerei[100] stand seit dem 1723 erfolgten Rücktritt Claude Rigauds 71 Jahre lang unter der Direktion von Mitgliedern der Familie Anisson. Die Ernennung des letzten derselben, Étienne Alex. Jacq. Anisson Duperon, zum Direktor geschah 1789.
Bedeutend waren die Fortschritte während der Regierungszeit Ludwigs XV. nicht. Für die Summe von 100000 Livres erfolgte 1773 die Erwerbung der aus 15 Graden bestehenden neuen Antiqua und Cursiv, welche der königliche Graveur Louis Luce in den Jahren 1740–1770 geschnitten hatte, zugleich seiner gothischen und Schreibschriften, sowie seiner zahlreichen Vignetten und Ornamente. Diese neuen Schriften Luces waren ganz anders gehalten als die von Ludwig XIV. veranlassten. Luce wollte, wie er selbst sagte, etwas von dem Vorhandenen ganz Verschiedenes schaffen, was ihm auch, jedoch nicht zum Vorteil der Sache, gelang. Die Schriften sind sehr schmal gehalten, es fehlen ihnen die besonderen Kennzeichen (I, S. 210) der Schriften der Staatsdruckerei. Sein Nachfolger als königlicher Graveur war Fagnion.
Eine weitere Acquisition bestand in einer Sammlung der Vignetten Jean Papillons (I, S. 200). Sie hat, wie die Sammlungen von Luce, zwar den Wert des historischen Museums der Anstalt sehr erhöht; für die Praxis waren diese Vermehrungen bei den Fortschritten der Kunst ohne Interesse.
Ludwig XVI. begünstigte ebenfalls die Staatsdruckerei und liess die kleinen Offizinen in den Tuilerien und in Versailles unter die Direktion derselben stellen. Das Verhältnis des Direktors zu der Anstalt war ein ziemlich kompliziertes. Er war nicht ein einfacher, fest salarierter Beamter, sondern zu einem wesentlichen Teil gingen die Arbeiten für Rechnung des Direktors, wurden nach der Taxe bezahlt und mit einem dem Direktor selbst gehörenden Material ausgeführt. Wie bedeutend dieses war, geht aus der später zu erwähnenden Auseinandersetzung mit der Witwe Anisson hervor, wobei es sich um eine Summe von einer halben Million Livr. handelte. Staatseigentum waren hauptsächlich nur die Stempel und Matern der Schriften, ausserdem vielleicht 10000 Pfund Schrift und etwa ein Dutzend Pressen.
Nach dem Ausbruch der Revolution begann eine unerfreuliche Periode für die Staatsdruckerei. Die wissenschaftlichen und die administrativen Arbeiten traten in den Hintergrund, die Hauptbeschäftigung war der Druck der vielen Gesetze und Dekrete, der ebenfalls auf Rechnung des Direktors ging, welcher die Zahl der Pressen fast auf 100 vermehren und bei der Unzulänglichkeit der Lokalitäten im Louvre zwei Succursales errichten musste.
Zu diesen Arbeiten kam noch die Ausführung von 1200000 Stück Assignaten[101]. Doch dies war nur ein Tropfen ins Meer. Bereits am 30. Sept. 1790 wurde eine neue Emission von 800 Millionen Livres, bestehend in 3060000 Stück, beschlossen. Anisson verlangte für die Ausführung 100000 Livres; Didot erklärte sich bereit, die Lieferung für 22000 Livres zu übernehmen. Dies verursachte grosse Misstimmung gegen Anisson. Indes sprach manches zu dessen Rechtfertigung, da die Ausführung, welche von Didot verlangt wurde, eine weit einfachere als die frühere und Didot inzwischen in Besitz der Stereotypie gelangt war (S. 152). Doch kam es noch nicht zum Bruch und man bewilligte ihm auf seine Vorstellungen sogar einen höheren Tarif als den bisherigen für seine Arbeiten. Es war jedoch nicht angenehm, Männer wie Marat und Pétion zu persönlichen Feinden zu haben. Auf Antrag des letzteren ward Anisson am 8. Oktober 1792 verhaftet, wozu der, angeblich gegen seine Instruktion erfolgte Druck eines Dekrets als plausibler Vorwand dienen musste. Aus seinem Gefängnis schlägt er dem Sicherheits-Ausschuss vor, seine Direktorstelle aufzugeben und der Öffentlichkeit sein auf 499036 Livres taxiertes Material käuflich zu überlassen. Dieser Vorschlag wurde jedoch nicht angenommen. Anisson starb 1794 auf dem Schafott. Sein Eigentum ward mit Sequester belegt und erst nach langen Verhandlungen fand ein Vergleich mit der Witwe statt.
Als ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der Staatsdruckerei während der Republik ist die bereits oben kurz erwähnte Einführung der Druckerei in Ägypten zu verzeichnen. Bereits nach der Eroberung Italiens hatte Bonaparte die Errichtung zweier Druckereien, einer griechischen und einer arabischen, auf den Ionischen Inseln verlangt und, als er nach Ägypten gezogen war, die Einrichtung einer umfangreicheren Buchdruckerei dort gefordert. Der damalige Direktor der Staatsdruckerei Duboy-Laverne beauftragte den Orientalisten Langlès mit der Ausführung. Die Sache ging aber Bonaparte nicht rasch genug und er beschuldigte die Genannten der mutwilligen Verzögerung. Er verlangte Erlass einer Ordre, „die griechischen Schriften, mit welchen der Xenophon gedruckt werde, sofort zu verpacken. Xenophon könne ohne Schaden drei Monate warten, bis wieder neue Schriften fertig wären“.
An die Spitze der ägyptischen Druckerei wurde ein tüchtiger Arabist J. J. Marcel, später Direktor der Staatsdruckerei, gestellt. Die Offizin wurde in dem Hause des griechischen Konsuls in Alexandrien eingerichtet, dann nach Kairo und Gizeh gebracht. Ausser den dienstlichen Arbeiten druckte die Anstalt Le Courrier de l'Égypte und etwa ein Dutzend belehrende Schriften in arabischer Sprache. Auch in Pondichery auf der Küste Koromandel in Ostindien wurde eine französisch-persische Druckerei durch Vermittelung der Staatsdruckerei angelegt.
Nach Rückkehr der Franzosen aus Ägypten wurde beschlossen, die Arbeiten der, zugleich mit der Armee entsendeten wissenschaftlichen Expedition herauszugeben. Eine Kommission von acht angesehenen Gelehrten wurde ernannt, um die Redaktion zu besorgen, und es entstand in der Staatsdruckerei eines der hervorragendsten Druckwerke aller Zeiten, die Description de l'Égypte in neun Foliobänden mit Text und vierzehn mit Kupfern und Karten, das erst 1809 vollendet wurde. Von bedeutenden Werken der Staatsdruckerei aus der Zeit der Republik sind noch die umfangreichen Reisewerke von La Pérouse, Marchand, Vancouver, Millins Monumens antiques u. a. zu nennen.
Im Jahre 1800 war der Beschluss gefasst worden, dass von den in der Staatsdruckerei ausgeführten Werken 200 Exemplare dem Ministerium des Innern zur Disposition gestellt werden sollten, damit dieses sie im Interesse der Wissenschaft und der Aufklärung zweckmässig verteile.
Die orientalischen Schriften waren in Ordnung gebracht, mehrere neue geschnitten und der Raub der Schriften der Propaganda in Rom hatte diesen Zweig der Typographie ausserordentlich bereichert. Das Lokal war nach dem Hôtel Penthièvre verlegt worden.
Man sieht aus dem obigen, dass die Zeit der Republik in Waffen doch keine ganz verderbliche für die Staatsdruckerei gewesen war, die vieles dem 1801 verstorbenen Direktor Duboy-Laverne zu verdanken hat.
Der Kaiser widmete der Anstalt noch mehr Aufmerksamkeit als der Konsul. Die Administration wurde geordnet, Pensionskassen eingerichtet und die Arbeiten nach Tarifen reguliert. Ein Umzug fand 1809 nach dem Hôtel Soubise mit dessen Annex Palais Cardinal (Rohan) statt. 1811 wurden die orientalischen Schriften, allerdings wieder durch Raub, mit den Stempeln und Matern der Druckerei der Medici in Florenz vermehrt. In demselben Jahre erhielt Didot den Auftrag, das Schriftensystem nach dem inzwischen eingeführten Metermass umzuändern und neue Schriften zu schneiden, doch wurde dieses Vorhaben wegen der Kostspieligkeit nicht zuendegeführt. Ein grosses Prachtwerk Rélation des cérémonies du sacre et du couronnement, etc. de Napoléon wurde 1812 angefangen und erst während der Hundert Tage vollendet, 1813 erteilte der berühmte Gelehrte Silvestre de Sacy den Eleven der Anstalt Unterricht in orientalischen Sprachen, um tüchtige Setzer zu bilden.
Ausser den erwähnten sind noch unter den bedeutenden Erscheinungen der Staatsdruckerei zu nennen die Statistique de la France, Fol., 1804; Recherches asiatiques 1805 und de Guignes Dictionnaire chinois, Fol., 1813.
Mit alledem waren die Kriegszeiten doch im ganzen keine glücklichen für die Entwickelung der Staatsdruckerei. Am 15. April 1814 verschwand der kaiserliche Adler als Insigne und mit diesem auch verschiedene Schätze der Anstalt, da, nach den Bestimmungen des Pariser Friedens, die den Offizinen der Propaganda und der Medici geraubten Stempel zurückzugeben waren. Doch geschah dies nicht vollständig, und von den Stempeln behielt man Abschläge zurück, sodass die Vollständigkeit der Anstalt eigentlich nicht litt.
Ludwig XVIII. bestimmte durch ein Dekret vom 28. Dezember 1814, dass vom 1. Januar 1815 ab die Arbeiten für Rechnung des Staates mit ganz wenigen Ausnahmen aufhören sollten und dass es den verschiedenen Ministerien zu überlassen sei, ihre Arbeiten nach bestem Ermessen auch an Privatdruckereien zu vergeben. Das Inventar sollte dem Direktor zur Disposition gestellt werden, Schriften und Abschläge konnte er unter festgesetzten Bedingungen verkaufen. Marcel wurde in Ruhestand versetzt und der Sohn des hingerichteten Direktors Anisson, vielleicht als Ersatz für die seiner Familie zugefügte Unbill, zum Vorstand gewählt. Da kamen die Ereignisse vom 20. März 1815 und das Kaiserreich der Hundert Tage warf alles über den Haufen, damit es nach drei Monaten wieder eingeführt werde. Anisson liess von Jacquemin neue Schriften nach englischen Mustern schneiden. Dies missfiel der Regierung und da überhaupt die neue Einrichtung sich wenig zuträglich zeigte, versuchte eine Ordonnanz vom 23. Juli 1823 den ungefähren Standpunkt des kaiserlichen Dekrets von 1809 wiederherzustellen.
Zum Chef des Instituts wurde E. de Villebois ernannt. Er führte wieder Präzision in der Administration ein und liess von Marcelin Legrand 16 Grade Antiqua und Cursiv mit einem Aufwande von 39200 Franken schneiden. Eine gelehrte Kommission sollte die Ausführung der Schriften überwachen, hatte aber, wie es mit Kommissionen gewöhnlich der Fall ist, mehr hemmend als fördernd gewirkt. Das erste Werk, welches mit den neuen Typen gedruckt wurde, war Raoul-Rochettes Monumens inédits d'antiquité figurée in gross Folio 1828.
Bereits 1824 hatte Ludwig XVIII. die Herausgabe der seit lange beabsichtigten Sammlung orientalischer Werke angeordnet, die Anfänge konnten jedoch erst 1832 nach der Julirevolution gemacht werden. 1828 fasste man auch das Herz, Schnellpressen einzuführen, wogegen man sich lange gesträubt hatte. Zumteil beruhte diese Zögerung wohl in humanen Gründen, da man keinem Arbeiter den Abschied geben wollte; teils lag vielleicht auch ein gewisser Stolz zugrunde; man wollte, wie es scheint, die Maschine nicht als der Handpresse ebenbürtig anerkennen. Die verschiedenen Ministerien beschwerten sich über die teueren Preise, man entschloss sich deshalb, zuerst die Preise nur so zu berechnen, als wären die Arbeiten auf Maschinen gedruckt. Doch es half nichts, man musste sich den Forderungen der Zeit fügen und im Jahre 1829 wurden 96000 Franken zur Anschaffung von Schnellpressen angewiesen, die jedoch während der Revolutionstage 1830 von eindringenden Arbeitern teilweise demoliert wurden.
Villebois hatte das Schicksal seines Gönners, des Ministers de Peyronnet, und wurde entlassen. Unter den Werken aus der Zeit der Restauration sind noch zu nennen: Caillauds Voyage à l'oasis de Thèbes, Folio, 1821; Silvestre de Sacy, Les Séances de Hariri, 1822; Freycinet, Voyage autour du Monde, 4°, 1826, und das vorzügliche Album typographique de l'Imprimerie Royale, 1830.
Am 15. September 1831 wurde der Posten Villebois' definitiv dem Akademiker Pierre Lebrun übertragen, nachdem diese Stellung, wie man sagt, erst Béranger[102], dann bestimmt Ambroise Firmin Didot angeboten worden war. Letzterer erklärte sich bereit, die Stelle anzunehmen, wenn allein diejenigen Arbeiten, deren Ausführung durch den Staat sicherheitshalber notwendig war, von der Staatsdruckerei übernommen, alle anderen jedoch der Privatkonkurrenz überlassen würden; wenn man die seltenen Schriften an Buchdrucker zu billigen Preisen ablassen wollte, und schliesslich, wenn es nicht nötig sei, dass er Gehalt annähme. Die Gründe, weshalb man darauf nicht eingehen konnte, lagen klar am Tage und es war wohl auch Didot mehr darum zu thun, die Grundsätze laut auszusprechen, die er für die von einer Staatsanstalt einzig richtigen hielt, als den Direktorposten anzunehmen.
Wennauch kein Fachkundiger, suchte Lebrun doch mit Eifer sich die nötigen Kenntnisse zu erwerben und der Anstalt nützlich zu sein. Von der erwähnten orientalischen Kollektion wurden drei Werke in Angriff genommen: Raschid-Eddins Geschichte der Mongolen in Persien, Bhâgavata Pûrana und Firdusis Buch der Könige. Die Werke wurden streng im orientalischen Stil mit Ornamenten in Gold- und Farbendruck ausgeführt. Neue orientalische Schriften wurden von Marcelin Legrand, Delafond, Ramé père, Loeulliet unter Aufsicht berühmter Orientalisten geschnitten und die Didotschen Schreibschriften erworben. Auch bauliche und technische Verbesserungen wurden vorgenommen und die Lithographie eingeführt, durch die namentlich vorzügliche geologische Karten geliefert wurden.
Die Februarrevolution hatte manche Unordnungen zur Folge, welche Lebrun veranlassten, seine Stelle niederzulegen, die im Jahre 1850 definitiv Saint-Georges übertragen wurde. Dieser behauptete die Ehre der Anstalt auf verschiedenen Weltausstellungen. Für die in Paris 1855 abgehaltene wurde mit allen Raffinements der graphischen Künste eine Prachtausgabe der Nachfolge Christi lateinisch mit der poetischen Paraphrase Corneilles gedruckt.
Die Staatsdruckerei ist zwar bereits seit der ersten Revolution fortwährend Gegenstand der Angriffe gewesen, es haben diese jedoch in jüngster Zeit an Heftigkeit zugenommen. Man hält die Konkurrenz der Anstalt mit der Privatindustrie nicht allein für unnötig, sondern für sehr schädigend. Zur Hebung der Kunst sind solche Anstalten nicht mehr nötig. Was Didot aussprach, denkt gewiss Jeder: Eine Staatsanstalt soll nicht den Steuerzahlenden unnötige Konkurrenz machen. Die Typographie ist mündig geworden und bedarf keines öffentlichen Mentors.
Noch in einem höheren Grade als das Wirken der Staatsdruckerei war in dem ganzen Abschnitt der Buchdrucker-Geschichte Frankreichs von 1750 bis auf den heutigen Tag das Vorgehen der Familie Didot massgebend[103]. Während die Buchdruckerei als Kunst und der höhere Buchhandel in der Revolutionszeit gänzlich darnieder lagen, waren die Didot fast die einzigen, die unentwegt und unbekümmert um den ringsum tosenden Sturm die Flagge Gutenbergs stolz vom hohen Mast wehen liessen.
Das ganze Sein dieser Familie ist von einem so edlen Geist durchdrungen; alles, was sie geschaffen hat, trägt so sehr den Stempel der Gediegenheit, dass der Name Didot noch langezeit als Stern erster Grösse glänzen wird.
Zudem besitzen alle Unternehmungen dieser Firma neben den Vorzügen des französischen Charakters auch das Gepräge einer echt germanischen Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit, wie auch manche der hervorragendsten Werke ihrer Pressen unter Mitwirkung deutscher Gelehrten durchgeführt wurden. Schliesslich ist die Verbindung dieses Hauses mit Deutschland seit langen Jahren eine weit innigere, als es sonst seitens französischer Firmen der Fall zu sein pflegt. Das alles macht, dass der deutsche Gewerbsgenosse sich dieser Familie näher stehend fühlt als den übrigen hervorragenden Repräsentanten der graphischen Gewerbe in Frankreich.
Der Stammvater des Hauses war François Didot aus Paris (1713). Schon er machte sich bekannt durch seine vielen wichtigen Unternehmungen, darunter die Histoire générale des Voyages von Abbé Prevost in 20 Quartbänden mit einer grossen Anzahl von Kupfern und Karten. François Didot hatte elf Kinder, von welchen François Ambroise und Pierre François den Beruf des Vaters ergriffen. Zwei seiner Töchter waren an berühmte Buchhändler, Guillaume de Bure und Jacques Barrois in Paris, verheiratet. Als Druckerzeichen nahm er die goldene Bibel an und sie ist es auch bis auf heute geblieben.
Dem Ambroise François verdankt Frankreich die Einheitlichkeit seines Schriftsystems (S. 145), die Freiheit und Eleganz seines Schriftschnittes, daneben die Vervollkommnung des Velinpapieres und die Einführung der Druckerpresse mit nur einem Zuge. Unter seinen Druckwerken sind hervorzuheben die früher schon erwähnte Collection d'Artois, eine Sammlung von Romanen in 64 Bänden, ferner die Sammlungen von französischen Klassikern in 18°, 8° und 4°, welche, wie ebenfalls erwähnt wurde, im Auftrage des Königs Ludwig XVI. zum Unterrichtszwecke für den Dauphin gedruckt wurden.
Der Bruder Pierre François leistete bedeutendes als Buchdrucker, Buchhändler, Papierfabrikant und Schriftgiesser, führte viele Verbesserungen in der letzteren Branche ein und legte die berühmte Papierfabrik in Essonnes an.
Pierre, der älteste Sohn Ambr. François', übernahm 1789 die Druckerei des Vaters und zeichnete sich so aus, dass seine Offizin im Louvre installiert wurde. Hier druckte er mit Schriften, die sein Bruder Firmin geschnitten hatte, die prachtvollen sog. Louvre-Ausgaben: den Virgil in Folio mit 23 Kupfern (1798); den Horaz in Folio (1799); den Racine, drei Bände in Folio mit 57 Stichen (1801–5), die Fabeln des La Fontaine. Die Jury der damaligen Ausstellung in Paris erklärte den Racine für das vollkommenste typographische Erzeugnis aller Zeiten. Noch manche andere grossartige Werke, z. B. Viscontis griechische und römische Iconographie; Denons Reise in Ägypten; Nodiers malerische Reise im alten Frankreich, und die berühmte Oktav-Ausgabe der französischen Klassiker „für Freunde der Typographie“, die dieser Bezeichnung vollständig würdig war, gingen aus seinen Pressen hervor.
Sein Sohn Jules spielte eine zeitlang eine glänzende Rolle, die jedoch keinen Bestand hatte. Mit grossen Kosten hatte er eine bedeutende Offizin in Brüssel gegründet, die nicht gedeihen wollte und von der Regierung als Grundlage einer Staatsdruckerei erworben wurde. Nach Paris zurückgekehrt, errichtete Jules Didot ein ausgedehntes Etablissement, in welchem er eine grosse Zahl vorzüglich schöner Ausgaben alter und neuer Schriftsteller für verschiedene Pariser Verleger druckte. Im Jahre 1823 erhielt er auf Grund einer Prachtausgabe von Phädrus' Fabeln, in Folio auf Seide gedruckt, und anderer schöner Arbeiten die goldene Medaille. Geschäftliche Misserfolge zerstörten jedoch vollständig seine bereits geschwächten Geisteskräfte.
Firmin Didot, der zweite Sohn Ambroise François', hielt als Buchdrucker und namentlich als Schriftgiesser und Schriftschneider den berühmten Namen des Vaters in Ehren. Seine Schreibschriften (1806) liessen alles Dagewesene weit hinter sich, und seine Antiquaschriften, mit welchen sein Bruder Pierre die erwähnten Louvre-Ausgaben druckte, gelten als die musterhaftesten. Er verbesserte (1795) ganz wesentlich die Stereotypie und stereotypierte fast alle französischen, italienischen und englischen Klassiker in 18°-Ausgaben, die durch ihre Korrektheit und Billigkeit bekannt wurden. Der Virgil, fehlerfrei und mit Vignetten illustriert, kostete 15 Sous. Später acceptierte er die vorzügliche Stanhopesche Methode. Ausserdem druckte er eine grosse Anzahl Prachtausgaben, darunter (1817) die Lusiaden und die Henriade. Er ward Mitglied der Akademie und des Instituts und 1834 königlicher Buchdrucker. Das Geschäft Didots war ein Sammelplatz von Notabilitäten Frankreichs und des Auslandes. Im Jahre 1814 besuchte Kaiser Alexander seine Offizin und liess zwei junge Russen zurück, um bei ihm zu lernen. Sein Haus war überhaupt eine Bildungsschule der Typographie, aus welcher Renouard, Paul Dupont, Claye, Rignoux, Brun und andere, später berühmte französische Buchdrucker hervorgingen, ebenso die drei ersten Buchdrucker Griechenlands: Coromilas, Dobras, Apostolidès, sowie viele Missionsbuchdrucker. Um sich ganz dem öffentlichen Leben zu widmen, überliess er im Jahre 1827 seinen Söhnen das Geschäft. Auch als tüchtiger Schriftsteller war Firmin Didot bekannt.
Eine der Töchter Pierre François' heiratete Bernardin de Saint-Pierre, welcher eine zeitlang bei der Papierfabrik in Essonnes beteiligt war, wo er Paul et Virginie schrieb. Von seinen drei Söhnen sind namentlich Henry und Didot Saint-Léger zu erwähnen.
Henry Didot that sich als Schriftschneider, Schriftgiesser und Mechaniker rühmlichst hervor. Noch in einem Alter von 66 Jahren schnitt er für seine „mikroskopischen“ Ausgaben, z. B. von Horaz, Rochefoucauld u. a., seine nec plus ultra-Schrift. Um dieselbe giessen zu können, musste ein neues Giessinstrument erfunden werden, welches Henry Didot polyamatype nannte, in welchem 160 Buchstaben auf einmal gegossen wurden.
Der Bruder Henrys, bekannt unter dem Namen Didot Saint-Léger, dirigierte die Papierfabrik in Essonnes. Seiner Verdienste um die Papierfabrikation wurde bereits (S. 161) gedacht.
Firmin Didot hatte drei Söhne: Ambroise Firmin, Hyacinthe und Firmin Frédéric (gest. 1836).
Ambroise Firmin genoss eine ausgezeichnete Erziehung und legte sich mit besonderem Eifer auf griechische Sprache und Litteratur. Er machte Reisen in Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten und war eine zeitlang Attaché bei der französischen Gesandtschaft in Konstantinopel. Nach der Erhebung Griechenlands zeichnete er sich als einer der eifrigsten Förderer der griechischen Sache aus. Er schenkte unter anderem Griechenland die erste Buchdruckerei. Die Bürgerschaft von Athen hat in dankbarer Erinnerung der Verdienste Didots noch in letzter Zeit einer Strasse in Athen den Namen Didot-Strasse beigelegt.
Im Verein mit seinem Bruder Hyacinthe druckte und verlegte er eine Reihe bedeutender Werke, z. B. die Reisen Champollions d. j. in Ägypten, dessen Ägyptische Grammatik und Wörterbuch; Texiers Reisen in Kleinasien und Armenien, fünf Bände, Folio; das Glossarium mediae et infimae latinitatis von Du Cange; in sechster Auflage das Wörterbuch der Akademie, 1835, welches in erster Auflage bereits 1694 erschienen war, und eine grosse Anzahl anderer Wörterbücher; die Encyclopédie moderne, 39 Bände mit einem Atlas in fünf Bänden; das Dictionnaire de la conversation, 21 Bände; die Encyclopédie d'histoire naturelle, 22 Bände mit neun Bänden Atlas; die Nouvelle Biographie générale, 46 Bde.; die Biographie universelle des musiciens von Fétis, acht Bände; J. C. Brunets: Manuel de la librairie; die Bibliothèque grecque in mehr als 60 Bänden; die Bibliothèque latine-française, 27 Bände; die Bibliothèque française; das Univers pittoresque, 67 Bände mit 4000 Stahlstichen. Wenn die Bändezahl dieser Kollektionen schon imponiert, so ist noch zu erwägen, dass es sich hierbei grösstenteils um Bände in grossem Oktav, in gespaltenem Satz mit kleiner Schrift gedruckt, handelt, so dass in der Regel ein Band den Stoff von sechs bis acht gewöhnlichen Oktavbänden enthält.
Als ein Hauptwerk Didots, zugleich für Deutschland doppelt interessant, weil es hauptsächlich durch gelehrte Kräfte Deutschlands durchgeführt wurde, ist der Thesaurus graecæ linguæ zu nennen. Diese unerschöpfliche, von Heinrich Stephanus stammende (I, S. 207) Fundgrube griechischer Lexikographie wurde unter Zusammenwirken einer grossen Anzahl Gelehrter Frankreichs und Deutschlands nach 300 Jahren neu herausgegeben und damit der Wissenschaft ein Denkmal hergestellt, das seinesgleichen sucht. Die Redaktion übernahmen die Professoren Hase, Wilhelm und Ludwig Dindorf. Das Werk bildet neun Bände in Folio.
In jüngerer Zeit haben Didots sich auch mit Vorliebe den neueren Illustrationsmethoden zugewendet. Racinets L'ornement polychrome und Mantz' Les chefs-d'œuvre de la peinture italienne mit den Chromolithographien Kellerhovens müssen als Prachtwerke erster Klasse genannt werden. Höchst anziehend ist auch eine Reihe von reich mit Holzschnitten und Chromolithographien geschmückter Werke, welche namentlich Leben, Sitte und Kunst früherer Jahrhunderte illustriert und sich trotz der musterhaftesten Ausstattung durch einen sehr billigen Preis auszeichnet. Fast als ein Saulus unter den Propheten erschien 1860 in dem Didotschen Verlage nach dem Muster des „Bazar“ das Journal La Mode illustrée, welches an 100000 Abonnenten zählte.
Ein anstaunenswertes Unternehmen bleibt in seiner Art auch: Annuaire-Almanach du Commerce, von welchem mehr als 80 Jahrgänge vorliegen. Das Unternehmen ist jetzt in den Händen einer Gesellschaft, die es mit einem Kapital von 7½ Millionen Franken ausbeutet.
Mit Obigem haben wir nur einen Teil der grossartigen Wirksamkeit der Weltfirma andeuten können. Der bescheiden ausgestattete Verlagskatalog lässt kaum auf den hohen Wert der verzeichneten Unternehmungen schliessen, der schwerlich von dem irgend eines Verlagskataloges übertroffen werden dürfte.
Wenn wir noch sehen, welche bedeutende litterarische Thätigkeit Ambroise Firmin mit seiner geschäftlichen zu verbinden wusste, so muss unsere Achtung und Bewunderung für diesen Mann sich noch steigern.
Seine Mitwirkung bei dem Thesaurus wie bei vielen der encyklopädischen Unternehmungen des Hauses zeugen schon von seiner gelehrten und wissenschaftlichen Bedeutung, jedoch lieferte er ausserdem noch eine Reihe selbständiger Schriften. Wir können hier nur die bedeutendsten derjenigen erwähnen, die sich auf das graphische Gewerbe beziehen. Als Mitglied der Ausstellungs-Jury schrieb er L'imprimerie, la librairie, la papeterie à l'exposition 1851 à Londres (2. Auflage 1854). Sein 1863 erschienener Essai typographique et bibliographique sur l'histoire de la gravure sur bois ist ein vortreffliches Werk, das nur den einen Fehler hat, dass es mit ganz ausserordentlich kleiner Schrift gedruckt ist[104]. Sein letztes umfangreiches Buch ist das 1875 erschienene Alde Manuce et l'hellénisme à Venise. Über die Frage der Orthographie und des litterarischen Eigentumsrechtes gab er verschiedene wertvolle Schriften heraus. Unter seinen Monographien erwähnen wir: Étude sur les œuvres de Jean Sire de Joinville, zwei Bände, fünfte Auflage, 1870; Missel de Juvénal des Ursins, ein kostbares Manuskript, welches Didot für 23000 Franken erworben, jedoch der Bibliothek des Hôtel de Ville cediert hatte, bei dessen Brande es vernichtet wurde; Étude sur Jean Cousin, 1872. Didot besass eine Bibliothek typographischer Seltenheiten ersten Ranges, die nach Millionen von Franken geschätzt wurde und auch bei der Versteigerung nach Didots Tode wirklich enorme Summen einbrachte. Diese Sammlung hatte Didot Veranlassung zu dem Werke: Catalogue raisonné des livres de la Bibliothèque de A. F. Didot, I. 1: Livres à figures sur bois, Solennités, Romans de chevalerie, 392 zweispaltige Seiten, gegeben. Als Supplemente hierzu erschienen: Les apocalypses figurées und Essai de classification des Romans de chevalerie. Sein Bibliothekzimmer war Didots liebster Aufenthalt, und hier musste oft sein Diener den in die Arbeit Vertieften an die vorgerückte Nachtstunde erinnern.
Das Geschäft beschränkte sich nicht allein auf bibliopolisch-typographische Hyacinthe Didot * 1794, † 7. Aug. 1881.Th. Lefèvre * 17. Sept. 1798.Unternehmungen, sondern umfasste auch die bedeutende Papierfabrikation in Mesnil und Sorel. Dagegen sah sich Didot veranlasst, die Schriftgiesserei als selbständiges Geschäft aufzugeben; sie wurde der grossen Gesellschaft Fonderie générale einverleibt. Als die Einrichtung der Papiermaschinen viele bei der Fabrikation beschäftigt gewesene Mädchen in Mesnil arbeitslos machte, richtete Didot eine bedeutende Druckerei für Frauen ein, sorgte für tüchtige Anleitung und etablierte Schulen. Diese Anstalt war namentlich ein Werk Hyacinthe Didots, des treuen Mitarbeiters des Ambroise durch eine lange Reihe von Jahren. Sie stand unter der Leitung des Théotiste Lefèvre, und wurde nachträglich noch durch eine Abteilung für taubstumme Mädchen erweitert. Der jetzt 84jährige Th. Lefèvre, bekannt durch sein Handbuch für Setzer[105], arbeitet seit 46 Jahren in dem Hause Didots.
Dass es Ambroise Firmin Didot an äusseren Ehren der verschiedensten Art nicht fehlte, ist begreiflich. In den letzten Jahren seines Lebens genoss er noch die Auszeichnung, Mitglied des Instituts von Frankreich zu werden. Die höchste Ehre war es ihm jedoch, die unbegrenzte Achtung und Liebe seiner Mitbürger und Untergebenen zu besitzen und der Vater seiner Arbeiter zu sein, was er im vollen Sinne des Wortes war, bis ihn der Tod ihnen raubte.
Das Haus Didot steht jetzt unter der Leitung des Sohnes des Ambroise Alfred Firmin Didot (geboren 1828) und des Sohnes des Hyacinthe Paul Firmin Didot (geboren 1826). Die Druckerei in Paris ging in den Besitz von G. Chamerot über.
Trotzdem dass die Firma, wie auch aus dem Obigen hervorgeht, in mancher Hinsicht ihre Thätigkeit beschränkte, wird sie sicherlich noch lange den berühmten Namen mit Ehren behaupten. Für Frankreichs Typographie hat die Familie Didot eine Bedeutung, welche die der Familie Stephanus noch überragt.
Neben dem Geschlecht der Didot besass Frankreich noch eine Anzahl bedeutender Druckerfamilien, die, aus dem XVIII. in das XIX. Jahrhundert herüberreichend, die verbindenden Glieder in der grossen Kette bilden, in welcher sich die modernen vortrefflichen Typographen an die alten Meister anreihen.
Unter diesen Familien nahm die der Panckoucke, wennauch nur auf kürzere Zeit, eine sehr glänzende Stellung ein.
Joseph Panckoucke, geboren zu Lille, war ein tüchtiger Mathematiker und bereitete sich für den Beruf eines Dozenten vor, etablierte sich jedoch zuerst als Buchhändler, dann 1774 als Buchdrucker. Eine der ersten seiner Unternehmungen sollte eine Gesamtausgabe von Voltaires Werken sein, für deren Durchsicht und Emendation er den berühmten Verfasser selbst gewonnen hatte. Die Kaiserin von Russland war ersucht worden, die Widmung anzunehmen, da jedoch nach Ablauf von sieben Monaten die Erlaubnis zur Dedikation noch nicht eingegangen war, betrachtete Panckoucke die Sache als gescheitert und verkaufte seine Rechte P. Beaumarchais † 1799.an den bekannten Schriftsteller P. Beaumarchais, der die Absicht hatte, etwas noch nicht Dagewesenes von einer Prachtausgabe zu liefern. Am Tage nach dem Abschluss kam — zu spät! — die Erlaubnis der Kaiserin, begleitet von einer Anweisung auf 150000 Livres.
Beaumarchais liess in Kehl, Strassburg gegenüber, eine Offizin errichten und Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz kommen. Seine Abgesandten nach Holland studierten die dortige Papierfabrikation und errichteten danach Fabriken in den Vogesen. Die Stempel und Matern Baskervilles wurden erworben (S. 74). Der Hauptherausgeber war Condorcet; die typographische Redaktion besorgten Decroix und Letellier. In fünf Jahren (1784–89) verausgabte man mehr als drei Millionen auf eine Oktavausgabe in 70 Bänden und eine Duodezausgabe in 92 Bänden. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, wurden von beiden Ausgaben Exemplare auf fünf Sorten Papier gedruckt in einer Gesamtauflage von 28000 Exemplaren. Zu dem grossen Aufwand stimmte nicht recht die nachlässige Korrektur. Pekuniär war das Unternehmen ein vollständiger Misserfolg und kostete Beaumarchais für seinen Anteil eine Million.
Von Panckoucke stammt auch der Gedanke des Moniteur. Nachdem er in England den Wert und die Macht der periodischen Presse kennen gelernt hatte, wollte er ein solches Institut, das auch äusserlich mit einem der grossen englischen wetteifern konnte, in Frankreich gründen. Der erste Redacteur war Maret, später Herzog von Bassano. Das Blatt erreichte die damals ganz ausserordentliche Auflage von 15000 Exemplaren und wurde ein Quellenwerk für die Geschichte, das an Interesse wenige Konkurrenten hat.
Als Verleger war Panckoucke äusserst splendid und bei Hofe sehr angesehen. Er druckte Buffons sämtliche Werke; die erste grosse Sammlung von Reisewerken und begann auch die Encyclopédie méthodique, welche 166 Bände in Quart und 51 Teile mit 6429 Kupfertafeln umfasste, deren Herstellung ein halbes Jahrhundert in Anspruch nahm. Der Erfolg war anfänglich ein ganz ausserordentlicher. Ein einziger Madrider Buchhändler, Sancha, hatte Subskriptionen bis zu einem Betrage von anderthalb Millionen Livres gesammelt. Die lange Reihe von Jahren, welche das Unternehmen bis zu seiner Vollendung erforderte, schmälerte jedoch sehr den Ertrag, da wenige Unterzeichner das Ende des Werkes erlebten.
Panckoucke selbst war als Schriftsteller sehr thätig und lieferte ausser selbständigen Werken und Übersetzungen noch zahlreiche Artikel zu den periodischen und encyklopädischen Werken seines Verlages.
Sein Sohn Charles Louis Panckoucke vertauschte die als Beruf ergriffene Rechtswissenschaft mit der Buchdruckerei und dem Buchhandel. Er vollendete die Encyclopédie und druckte unter Mitwirkung der besten wissenschaftlichen Kräfte das Dictionnaire des sciences médicales, die Flore médicale, die Biographie médicale. Während des Rückganges des nationalen Glanzes in den Jahren 1814–15 begann er die Herausgabe der Victoires et Conquêtes, welche einen ausserordentlichen Erfolg hatten. Weiter veranstaltete er eine neue Ausgabe der Expédition d'Égypte. Auch er war als Schriftsteller mehrseitig thätig. Sein Sohn Charles Louis Ernest (geboren 1806) verliess den Buchhandel, behielt jedoch die Buchdruckerei und den Druck des Moniteurs.
Der Ursprung der Familie Barbou ist in Lyon um die Mitte des XVI. Jahrhunderts zu suchen. Eins der Mitglieder derselben, Jean Joseph Barbou, etablierte sich 1717 als Buchhändler, 1723 als Buchdrucker in Paris. Der Sohn Joseph Gérard Barbou machte sich einen übeln Namen durch die Art und Weise, wie er einberufene deutsche Arbeiter behandelte. Sein Neffe Joseph Gérard d. j. begann eine schöne Kollektion lateinischer Klassiker in 76 Bänden mit Vignetten, die 1808 auf J. A. Delalain überging, der das Geschäft erst allein, seit 1836 mit seinem Sohne A. H. J. Delalain führte. Diese Firma druckte mehrere tausend Klassiker-Ausgaben und Unterrichtswerke; derselben verdankt man auch das Annuaire de la librairie et de l'imprimerie und mehrere Fachschriften. Die Familie gehört zu den geachtetsten ihres Faches in Frankreich.
Philipp Nicolas Lottin etablierte 1724 eine Druckerei. Sein Sohn Aug. Martin war der typographische Lehrmeister Ludwigs XVI., der damals, ein glücklicher Knabe von zwölf Jahren, mit der Presse spielen konnte, die ihn später aufs Schafott bringen sollte. Lottin ist der Verfasser eines jetzt sehr selten gewordenen Werkes: Catalogue chronologique des libraires et imprimeurs de Paris depuis 1470–1789.
Das Geschäft Treuttel & Würtz wurde 1770 in Strassburg, 1795 in Paris, 1817 in London errichtet. J. G. Treuttel war in Strassburg geboren, ebenso sein Schwiegersohn J. G. Würtz; ein zweiter Schwiegersohn E. Jung trat nach Treuttels Tod als Teilhaber in das noch in der Familie unter der Firma Jung-Treuttel fortwirkende Geschäft. Unter den vielen bedeutenden Arbeiten desselben nennen wir nur einige: d'Agincourts L'histoire de l'art par les monumens; die Werke der Frau von Staël, 17 Bände; Les archives des découvertes, 31 Bände; die bedeutendsten Werke Sismondis; die Bipontiner (Zweibrücker) Ausgaben der Klassiker in 115 Bänden; die Encyclopédie des gens du monde.
Eines der bekanntesten Häuser Frankreichs ist das Strassburg ebenfalls angehörende Berger-Levrault, welches seit mehr als 200 Jahren in einer Familie fortgeführt wurde[106]. Der Gründer desselben war Friedr. Wilh. Schmuck um 1675; die Druckerei entstand 1685. Der Sohn Friedrich Schmuck und dann sein Bruder Wilh. Schmuck folgten, letzterer wurde Buchdrucker des Königs und der Universität. Nach Fr. Schmucks Tode ging das Geschäft auf seinen Schwiegersohn Joh. Rob. Christmann aus Kempten und dann auf dessen ältesten Sohn Franz Robert Adrian über, der als Teilnehmer seinen Schwager Franz Georg Levrault aufnahm, worauf die Firma Christmann & Levrault, dann nach Christmanns Tode Georg Levrault wurde und bis 1858 fortbestand. Von den vier Söhnen Georgs, die sich alle der Druckerei widmeten, wurde der F. L. X. Levrault * 1762, † 17. Mai 1821.älteste Franz Laurent Xavier, welcher in der Schreckenszeit auf Grund seiner royalistischen Gesinnungen hatte fliehen müssen, Chef des Hauses. Unter ihm fand ein bedeutender Aufschwung des Geschäfts statt. Ein grosser Teil des Exports französischer Bücher nach Deutschland und Russland ging durch seine Hände und seine Pressen brachten zahlreiche Verlagsartikel hervor. Eine Spezialität des Hauses bildete die Lieferung von Militärformularen, die sogar der grossen Armee nach Russland nachgesendet wurden. Levrault war ein Mann von ungewöhnlicher geistiger Begabung und Arbeitskraft, die er nicht nur dem Geschäfte, sondern auch seinen Mitbürgern, unter denen er im höchsten Ansehen stand, widmete. Eine treue und tüchtige Gehülfin hatte er in seiner Frau, welche, als Überanstrengungen 1821 seinen Tod herbeiführten, sich beherzt Witwe Levrault † 1850.an die Spitze des Hauses stellte und während 29 Jahren das Erbe der Familie mit sicherer Hand erhielt und förderte. Von 1825 bis 1837 wurde sie durch einen Schwiegersohn Friedr. Berger kräftig unterstützt, ein anderer Schwiegersohn C. Pitris leitete das in Paris gegründete Haus. Nach Bergers Tode übernahm dessen Witwe Berger-Levrault † 28. Mai 1879.Witwe die Führung der Druckerei, während die Witwe Levrault bis zu ihrem Tode der Buchhandlung vorstand. Die Witwe Berger nahm nun ihren Sohn Oscar Berger-Levrault zum Teilnehmer, wodurch die Firma sich in Berger-Levrault Sohn änderte. Unter der Leitung Jul. Norbergs nahmen die Geschäfte einen immer grösseren Umfang an. Mit gewaltigen Anstrengungen siegte man in dem Kampf gegen Konkurrenten um Behauptung der administrativen Arbeiten. Bedeutende Erfolge belohnten die Thätigkeit und ein grossartiges Geschäftshaus wurde erbaut. Kaum war der Umzug bewerkstelligt, da brach der Krieg aus. Die Schwierigkeit resp. Unmöglichkeit, während desselben und der darauf folgenden Friedensverhandlungen die administrativen Arbeiten auszuführen, waren ausserordentlich; nach der Abtretung des Elsass an Deutschland musste das Haus mit diesen Arbeiten nach Frankreich auswandern und 1873 fand die Übersiedelung nach Nancy statt. Bereits am 20. Mai 1876 ward das dortige äusserst zweckmässig eingerichtete Etablissement ein Raub der Flammen, es wurde jedoch mit einer fabelhaften Energie und mit noch besseren Einrichtungen als vorher neu aufgeführt.
Das Strassburger Etablissement, welches jetzt nach 200 Jahren wieder zu den deutschen zählt, besteht unter alleiniger Leitung des Herrn Rud. Schultz als Kommandit-Gesellschaft unter der Firma R. Schultz & Co. (Berger-Levrault Nachfolger).