Daulé.

Das bis dahin einzig praktische Stereotyp-Verfahren, das Stanhopesche, fand natürlich auch in Frankreich Eingang. Eine namentlich für das Giessen von Clichés weit bequemere Methode erfand der Franzose Daulé, der nicht die Matrize in die flüssige Schriftmasse versenkte, sondern sie zwischen zwei eiserne Platten mit erhöhten Rändern einlegte, die einen flachen Giesskasten bildeten, in welchen der Zeug mittels des Giesslöffels eingegossen wurde.

Genous Papierstereotypie.

Eine sehr grosse Bedeutung gewann die Papierstereotypie des Setzers Genou. Anfänglich mit Misstrauen empfangen, hat sie sich später besonders für Schriftstereotypie vortrefflich bewährt und ist für die Einführung der Rotationsmaschinen ein unbedingtes Erfordernis geworden.

Die Mater wird aus einer Anzahl von Blättern, teils Seiden-, teils stärkeren Papiers, gebildet, die einzeln, mit einer breiartigen Klebemasse angestrichen, aufeinandergelegt werden, bis sie die Stärke eines festen Kartons erreicht haben. Durch Klopfen mit einer langstieligen Bürste wird die Schriftkolumne in die weiche Papiermasse eingeprägt und die Mater dann unter mässigem Druck und bei gelinder Wärme in der Trockenpresse getrocknet. Der Guss geschieht in einem Apparat wie der Daulésche.

Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt nicht allein in der Billigkeit und der Leichtigkeit der Herstellung, sondern gründet sich auch darauf, dass eine und dieselbe Mater für den Guss mehrerer Platten benutzt werden kann und dass man die Matern nach dem Guss, oder ohne überhaupt einen solchen vorzunehmen, für den späteren Gebrauch mit Leichtigkeit aufheben kann. Auch ist ein hoher Ausschluss nicht notwendig. Der ganze Apparat ist ein so einfacher, dass selbst eine kleine Druckerei mit Vorteil einen solchen anschaffen kann. In neuester Zeit ist noch ein Verfahren eingeführt, um die Matern rasch und ohne Ofenwärme zu trocknen, was für die Schonung der Schrift, mehr noch für die der Holzschnitte, von Bedeutung ist.

Jannins Celluloïd-Cliché.

Von einschneidender Wichtigkeit scheint die Erfindung der Celluloïd-Clichés zu werden; doch ist die Methode noch zu neu, um ein bestimmtes Urteil, namentlich über die Tragweite des Nachteils der leichten Entzündbarkeit, dieser Clichés zu fällen.

Der Bildhauer Jannin in Paris war auf den Gedanken gekommen, das Celluloïd, eine durch chemische Behandlung von Faserstoff hergestellte Masse von ausserordentlicher Härte, ausserdem, nach erfolgter Erwärmung, von grosser Biegsamkeit, ausser zu verschiedenen plastischen Arbeiten zu Clichés für typographische Zwecke zu benutzen.

Um dieses zu können, war es jedoch notwendig, eine entsprechende Masse für die Mater zu schaffen, die den bei der Herstellung des Celluloïd-Clichés notwendigen Druck unter Erhitzung vertragen konnte. Eine solche Masse wurde in einem aus Bleiglätte und Glycerin bestehenden Knetstoff gefunden. Derselbe wird in halbflüssigem Zustande über den zu clichierenden Gegenstand sorgsam gestrichen, in derselben Weise, wie der Gips bei der gewöhnlichen Stereotypie, und die Lage bis zu einer Dicke von 3–5 mm verstärkt. Ist die Mater unter einem mässigen Druck erhärtet, was bei Holzschnitten in 15–20 Minuten, bei Metall-Originalen, wo Erwärmung anwendbar ist, in drei bis vier Minuten der Fall ist, kann sie sofort zur Herstellung eines Clichés verwendet werden, zu welchem Behuf sie in eine hydraulische Presse gelegt und mit einer durch Erwärmung schmiegsam gemachten Celluloïd-Platte bedeckt wird. Unter Erhitzung der Presse, der Mater und der Platte bis auf 120°C. wird ein Druck von 120–130 Atmosphären ausgeübt, darauf das ganze durch einen Strom von kaltem Wasser abgekühlt. Nach vollständiger Erkaltung der Platte löst sich selbe, ohne vorhergegangene Einreibung des Originals mit Graphit oder Öl, mit Leichtigkeit ab und kann sofort zum Druck aufgenagelt werden. Fehler können, wie bei Stereotyp-Platten, durch Einsetzung eines Pflocks von Celluloïd und Nacharbeiten desselben mit dem Stichel ausgebessert werden. Da die Platte durch keine Säuren oder Farbenzusammensetzungen angegriffen wird, so ist sie ganz besonders zum Druck von bunten Farben geeignet.

V. Haye und der Blindendruck.

Um den Druck FÜR Blinde machte sich Valentin Haye zuerst verdient. Zu seinen Versuchen wurde er durch den Verkehr mit einer blinden deutschen Dame, Fräulein von Paradies, veranlasst. Er liess hoch geschnittene scharfe Typen anfertigen, die in die Rückseite eines starken Papiers eingeprägt wurden, so dass für die Finger bemerkbare Erhabenheiten auf der Vorderseite entstanden. Mit verschiedenen Modifikationen fand das Verfahren fast in allen anderen Ländern Eingang[90].

Den Versuchen, den Holzschnitt durch andere Illustrationsverfahren zu verdrängen, wurde namentlich in Frankreich Vorschub geleistet. A. Dembour in Metz (1814) stellte durch Ätzung Platten in Kupfer für die Buchdruckerpresse her. Die Zeichnung wurde mittels Pinsels oder Feder auf Metall gemacht und die nicht bezeichneten Stellen weggeätzt. Dem ähnlich ist die Acrographie.

Zinkhochätzung.

Grosse Bedeutung hat die Zinkhochätzung. Dieses Verfahren ist in Frankreich ein sehr beliebtes geworden, weil ganz besonders für die leichten Skizzen geeignet, mit welcher die vielen Witz-, leider auch vielen Schmutzblätter illustriert werden, zu welchen früher die lithographischen Kreide- und Federzeichnungen verwendet wurden. Doch auch in der ernsten Zeitungspresse fand die Methode Eingang, und es werden oft Blätter geliefert, die nichts zu wünschen übrig lassen. Eine grosse Virtuosität entwickelte namentlich Firmin Gillot, der 1850 Patent auf sein Verfahren nahm, welches er Paniconographie, die Franzosen jedoch, welche Gillot als Erfinder der Hochätzung betrachteten, Gillotage nannten. Eine mehr der Chemitypie sich nähernde Methode ist die von Dulos. Er macht die Zeichnung mit lithographischer Kreide auf eine Kupferplatte und lässt diese mit einem schwachen Silberniederschlag überziehen, der nur auf den nicht bezeichneten Stellen haftet. Hierauf wird ein mit Quecksilber vermischtes, leichtflüssiges Metall heiss auf die Platte gegossen. Das Metall verbindet sich fest mit den versilberten Teilen der Platte, während die Zeichnung nun so vertieft liegt, dass man sie als Mater für ein galvanisches Hochdruck-Cliché benutzen kann. Ein drittes, sehr rasches Verfahren ist das von Comte, welches besonders für die Abbildungen in l'Art pour tous verwendet wird. Lehmann & Lourdel und Yves & Barrot u. a. haben es darin weit gebracht.

Neue Holzschnittmethode.

Ein ganz eigentümliches Verfahren, um, wie der Erfinder glaubte, Holzschnitte billiger und besser herzustellen als bisher, wendeten Mame & Co. in Tours an.

Bekanntlich sind die Kreuzschraffierungen dem Holzschneider stets ein Dorn im Auge gewesen, denn das Umschneiden einer Linie an allen vier Seiten ist eine zeitraubende und Tüchtigkeit erfordernde, folglich teure Arbeit. Der Erfinder der neuen Methode, Gusman, lässt nun zwei Holzblöcke bezeichnen, auf dem einen alle von rechts nach links gehenden Linien, auf den andern die diese von links nach rechts kreuzenden. Werden diese Platten nach einander auf einem Bogen gedruckt, so zeigt der Abdruck die kompliziertesten Kreuzschraffierungen, die sich an Kühnheit mit denen des Kupferstiches messen können. So sagt die Theorie, die Praxis hat aber viel hineinzureden. Abgesehen davon, dass zwei Holzstöcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitte und doppelter Druck notwendig sind, die Ersparnisse also mehr als problematisch werden, so ist die Wirkung im voraus seitens des Zeichners kaum zu berechnen. Die beiden sich kreuzenden Linien vereinigen sich nämlich nicht wie in der Radierung, sondern die eine Lage liegt sichtbar „über“ der andern und bringt dadurch oft eine falsche Wirkung hervor[91]. So interessant diese Versuche sind, so verlautet doch von den praktischen Erfolgen nichts.

Das beginnende Fehlen des Buxbaumholzes hat zu vielen Versuchen geleitet, dieses zu ersetzen. 1876 nahm Bertin Badoureau ein Patent auf komprimierte Birnbaumplatten. Durch Kochen, Pressen, Gelatinieren wird das Holz unempfindlich für die Einwirkung von Temperatur und Witterung und fast auf die Hälfte des ursprünglichen Umfanges reduziert.

H. Marinoni * 1823.

Was der Name König & Bauer für Deutschland, ist derjenige Hippolyte Marinonis für Frankreich. Dieser ward in Paris geboren, arbeitete bei Gaveaux und baute später im Verein mit diesem seine ersten Maschinen. Die Pressen, mit welchen Marinoni seinen grössten Ruhm erwarb und mit denen er der Journalistik in Frankreich einen sehr bedeutenden Vorschub leistete, waren seine Maschinen à Réaction, in welchen — im Gegensatz zu den Maschinen à Retiration mit mehreren Cylindern — Druck und Widerdruck durch einen und denselben Cylinder geübt wird, indem ihm der das erste mal gedruckte Bogen über Rollen weg nochmals behufs des Widerdrucks zugeführt wird. Der Nachteil bei diesen die Schnelligkeit sehr fördernden Maschinen ist, dass auf dem Cylinder keine Zurichtung stattfinden kann. Während nun möglicherweise der Schöndruck aus einer kompressen Form besteht, bietet der Widerdruck vielleicht eine mit grossen Anzeige-Schriften oder dgl. gefüllte, die eine ganz andere Behandlung im Unterlegen verlangt. Da lässt sich nur durch primitive Unterlegung unter der Schriftform etwas nachhelfen; alles andere muss, wie bei den alten Holzpressen ehe man die Zurichtung im Deckel kannte, durch einen sehr starken, oft zu erneuernden Filzüberzug des Cylinders erzwungen werden. Hiervon rührt zumteil eine Ausführung der französischen Zeitungen her, welche sehr zu ihren Ungunsten nicht allein gegen die der englischen, sondern auch gegen die der deutschen Zeitungen absticht, obwohl letztere nicht gerade stolz auf ihr äusseres Gewand sein dürfen. Jedoch der Billigkeit und der Schnelligkeit wurde genügt; die französischen Abendblätter, welche erst nach Schluss der Börse, um vier Uhr, fertiggestellt werden konnten, wurden schon um fünf Uhr durch ganz Paris verkauft.

Bereits 1847 hatte Marinoni seine berühmte vierfache Maschine für La Presse, der später die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867 baute er für Le Petit Journal eine Maschine, welche stündlich 36000 des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fünf Maschinen in zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in Verbindung mit dem verhältnismässig geringen Umfang der französischen Blätter, der typographischen Genügsamkeit des Zeitungspublikums und der Unsicherheit der Presszustände verursachte, dass die mächtigen und kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung für Frankreich wie für England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den Bau derselben nicht unterlassen würde, verstand sich von selbst, und er besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen unterscheiden sich von den anderen hauptsächlich durch die Lage der Satz- und Druckcylinder, die über einander angebracht sind[92]. Von seinen kleineren Maschinen sind namentlich die Universelle (1850) und die Indispensable (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er 6539 Maschinen für typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut. In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden; Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der Jetztzeit ist.

P. Alauzet * 15. Juni 1816, † 22. Jan. 1881.

Als an Tüchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn übertreffend ist Pierre Alauzet zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte. Bekannt sind namentlich seine Schön- und Widerdruckmaschinen für feine Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Süden Deutschlands Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schöndruckes beim Übergang auf den Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet.

Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere gebaut, da er unermüdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Für die Petite République Française lieferte er eine Rotationsmaschine für zwei Meter breites Papier, welche stündlich 70–80000 Exemplare des Blattes druckt; mit der für Illustrationsdruck bestimmten hat er erst nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt.

A. B. Dutartre u. a.

A. B. Dutartre und andere lieferten Maschinen mit mouvement varié, deren Druckcylinder während der Zeit, in welcher er den Druck übt, sich langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht, wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk hin- und zurückzugehen, damit die Einfärbung verstärkt werde. Seine Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung.

Für vier Farben bauten Prudon & Co. eine Presse, bei welcher die Formen hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Länge von sieben Metern erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte.

Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.

Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb Th. Dupuy Ruf. Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich für typographischen Druck zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umänderung von einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der Regel auch in der Lage, besondere Maschinen für die verschiedenen Zwecke anzuschaffen.

Jules Derriey, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher Konstruktion mit Cylinderfärbung nach deutscher Art und baute auch Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter für Zeitungsmaschinen A. Y. Gaveaux, für einfache Schnellpressen H. Voirin und Maulde & Vibart. Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche Visitenkartenpresse von G. Leboyer grossen Eindruck[94].

Noch sei eine eigentümliche Kupferdruckpresse erwähnt, welche Aug. Godchaux zum Druck seiner kalligraphischen Vorlagen benutzt. Sie ist in der Art der Kattundruckpresse eingerichtet und druckt von endlosem Papier 2–3000 Exemplare. Nach vollzogenem Druck wird der Bogen durch Mechanismus von der Papierrolle abgetrennt. Ein Apparat, gleich dem Messer eines Farbewerks der Schnellpresse, hält die Kupferplatte rein. Für den Druck von Kunstblättern genügt die Maschine nicht.

Die Schriftgiessmaschine wurde von Baudoin, Laval, Foucher u. a. sehr verbessert. Beifall fanden die Maschinen von Serière & Bausa, welche mit zwei Giessinstrumenten und zwei Pfannen, die mit Einem Feuer erhitzt werden, versehen und von Einem Arbeiter bedient, täglich gegen 50000 Buchstaben lieferten.

Hülfsmaschinen und Apparate.

Von Arbeitserleichterungsmaschinen sind L. Poiriers und L. Legrands Bronciermaschinen, Tolmers Feuchtapparate und P. Ragueneaus autographische Pressen beachtenswert. Als Motor ist die Gasmaschine Lenoirs sehr beliebt.

Die allgemeinste Verbreitung und Nachahmung fanden die mechanischen Schliessstege von Marinoni & Chaudré, die in einfach-praktischer Weise einen vortrefflichen Ersatz der Schraubenrahmen bildeten. Eiserne Stege, an denen die dem Rahmen zugekehrte Seite schräg geformt und gezahnt ist, werden durch kleine, zwischen Steg und Rahmen einzufügende Rädchen, in deren Einschnitte die Zähne des Steges eingreifen, mittels eines Schraubenschlüssels unter sehr geringer Kraftanwendung angezogen und so die Form ganz fest geschlossen. Alcan Lévy & Lavater traten mit zerlegbarem Schliessrahmen auf, Valét & Co. in Marseille mit galvanischen Hohlstegen.

Utensilienlager.

Die Anschaffung des Materials erleichterte namentlich das grosse Utensilien-Geschäft von J. E. Boieldieu & Fils, denen auch manche Verbesserung zu verdanken ist. Namentlich sind ihre Stereotyp-Apparate vortrefflich. Die von ihnen gebaute grosse Plakatpresse besteht in einem mit Zahnstangen versehenen Fundament, in welchem ein Cylinder mit Zähnen, ähnlich wie in den Korrekturpressen, sich bewegt. Das Durchsehen des reichhaltigen illustrierten Katalogs[95] der Firma belehrt in leichter Weise über die Unterschiede des deutschen und des französischen Materials. Ein zweites sehr umfangreiches Utensilien-Geschäft sind die, durch Fusion der Firmen Ch. Bonnet & Co. aus Genf und Chevalier & Dreyfus in Paris entstandenen Usines Gutenberg.

Die französische Druckfarbe ist in den feineren Qualitäten vorzüglich. Als Fabrikanten stehen obenan Ch. Lorilleux[96], denen Le Franc & Co., Prudon & Co., Cauderon & Co. für bunte Farben folgen. Lemercier & Co. liefern vorzügliche lithographische Farben[97].

Das Papier.

Das französische Papier hat einen verdienten Ruf erworben und Frankreich gehört die Ehre der Erfindung der Papiermaschine. Auf Anregung Didots liess Pierre Montgolfier das erste ungerippte Velinpapier anfertigen und adoptierte das holländische System der Zerfaserung der Lumpen durch Schneidecylinder statt durch Stampfen. Die erste Idee des Papiers ohne Ende hatte der Werkführer Louis Robert in der Papiermühle Didot-Saint-Légers in Essonnes gefasst. Letzterer erwarb die Rechte Roberts und erhielt von der Regierung 8000 Livres zu seinen Versuchen. Infolge der Revolution begab sich Didot nach London, wo die Papiermaschine durch die Talente des Ingenieurs Donkin und die Kühnheit der Papierfabrikanten Gebr. Foudriner ihre Vervollkommnung erhielt. Als Didot 1814 nach Frankreich zurückgekehrt war, wurde nach seinen Angaben die erste Maschine von Berthe in Sorel gebaut, es folgten solche in Saint Jean-d'Heures und in Mesnil. Zu gleicher Zeit wurde sie durch Canson in Annonay errichtet.

An Papierfabriken besitzt Frankreich 524 mit 28656 Arbeitern und mit einer Betriebskraft von 21000 Pferden. Sie produzieren jährlich Ware zu einem Werte von 104 Millionen Franken. Die wichtigsten Produktionsorte sind Annonay, Angoulème und das Departement Isère. Die Papiersteuer brachte 16439000 Franken.

Die Buchbinderkunst.

In der Kunst des Buchbindens steht Frankreich obenan. Von dem Bücherleinen hat es sich im ganzen genommen freigehalten. Fast alle neuen Bücher werden im broschierten Zustand in den Handel gebracht. Ausgenommen davon ist die Litteratur der Andachtsbücher, in deren Herstellung zu fabelhaft billigen Preisen bei reicher Ausstattung Mame & Co. in Tours Bedeutendes leisten. Neben diesen billigen Einbänden kommen jedoch auch die kostbarsten aus Seide, Sammet, Leder und Elfenbein mit echten Spangen und Beschlägen vor, die sich in die höchsten Preise versteigen. Die Handarbeit, unterstützt durch Reichtum und Geschmack einer bedeutenden Zahl von Bücherfreunden, hat in Frankreich noch einen grossen Spielraum. Sie übertrifft an Geschmack die englische, muss aber dieser den Vorzug in der Behandlung des Leders einräumen. Verwendet werden gewöhnlich Chagrin und Corduan. Die Mosaikarbeiten der Franzosen sind nicht eigentlich eingelegte Arbeiten, sondern die betreffenden Stellen werden ganz dünn geschabt, das andere farbige Leder darauf gelegt und die Ränder mit Goldverzierungen bedruckt.

Auf die strenge Einteilung der Arbeit in der Buchbinderei wurde schon hingewiesen. In den einzelnen Offizinen sind wieder die einzelnen Beschäftigungen gruppenweise verteilt. Viele der Arbeiter, die in ihrer Spezialität Vorzügliches leisten, würden nicht imstande sein, allein ein Buch leidlich zu binden. Dieses System mag allerdings der allgemeinen Ausbildung des einzelnen Individuums hinderlich sein, das Publikum erhält jedoch durch dasselbe billigere und bessere Bände.

Neben der Anlehnung an die goldene Zeit hat sich eine selbständige moderne Dekorationsweise ausgebildet, die vieles Hübsche liefert. Die Führerschaft dürfte Lortic zukommen, der sich ganz besonders durch die Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten auszeichnet. Jeder Einband ist in dem Geist der Zeit, welcher das Werk angehört, streng durchgeführt; für die jetzige Zeit hat er sich einen eigenen Stil des XIX. Jahrhunderts gebildet. Bände von ihm werden bis mit 3000 Franken bezahlt.

Fußnoten:

[82] Die obigen Worte sind der von dem Verfasser dieses Handbuches als Mitglied der Internationalen Jury für die Gruppe XII der Wiener Ausstellung, im Jahre 1873 und Berichterstatter derselben abgefassten Motivierung des Antrages der Jury entnommen: dem Cercle de la Librairie die goldene Ehrenmedaille zu erteilen. Überhaupt kommen in dem Versuch der Charakterisierung der modernen Typographie in den verschiedenen Gruppen öfters Anführungen vor aus der im Auftrag der Kaiserlich Deutschen Ausstellungs-Kommission abgefassten Schrift: „Die graphischen Künste auf der Weltausstellung zu Wien. Offizieller Bericht von Carl B. Lorck. Braunschweig 1874“. Diese Entlehnung aus eigener Arbeit wird wohl niemand als Plagiat betrachten.

[83] Nachdem dieser Abschnitt bereits gesetzt war, geht uns ein Artikel des bekannten Fachjournals L'Imprimerie zu, in welchem einer der tüchtigsten Typographen Frankreichs, Motteroz, nicht allein das obengesagte zugiebt, sondern noch viel weiter geht und eine Überlegenheit Deutschlands nicht nur in der Typographie und der Schriftgiesserei, sondern auch in der Xylographie und der Papierfabrikation anerkennt und für die Franzosen nur den Vorzug in der Maschinenfabrikation beansprucht. Im Gegensatz zu einer öfters vorkommenden Überhebung seiner Landsleute scheint Motteroz fast in eine Kleinmütigkeit zu verfallen, die doch wohl zu weit geht, wenn er schliesst: „Noch wäre es vielleicht Zeit, sich aufzuraffen, besitzen wir aber hierzu die nötige geistige Kraft?“

[84] H. Smalian, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877.

[85] Über die französische Schriftgiesserei vergleiche noch die Abschnitte „Didot“ und „Staatsdruckerei“.

[86] E. Duverger, Album typographique. Paris 1840. Ein Prachtwerk, welches Duverger anlässlich der Jubelfeier erscheinen liess.

[87] J. C. Derriey, Spécimen Album. Fol. Paris 1862.

[88] A. G. Camus, Mémoire sur l'hist. etc. du polytypage et de la stéréotypie. Paris 1802. — de Porvy, Précis sur la stéréotypie. Paris 1822. — H. Meyer, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.

[89] So schreibt ihn Didot, nicht, wie üblich, Heran.

[90] Vergl. Kap. I und XV.

[91] Auf einem grossen Blatt: „Die Grablegung Christi“ nach Tizian sieht z. B. das nackte Bein eines der Knieenden ganz so aus, als wäre es mit einem Strumpf bekleidet.

[92] Journ. f. B. 1878, Nr. 75. — Ann. d. Typ. IV. B. 1873, Nr. 189.

[93] Journ. f. B. 1876, Nr. 24.

[94] Journ. f. B. 1878, Nr. 36 u. 37.

[95] Outilage Typographique Boieldieu. Paris.

[96] Ch. Lorilleux sur la Fabrication des encres d'Imprimerie. Paris 1867. Lorilleux giebt jährlich einen Abreiss-Kalender mit geschichtlichen oder technischen Notizen heraus. Der Jahrgang 1882 enthält eine typographische Bibliographie der in Frankreich erschienenen Fachwerke. Jänecke & Schneemann in Hannover folgten dem Beispiel.

[97] Didot behauptet, dass die Erfindung der Kompositionswalze einem französischen Leimfabrikanten Garmal gehöre (vgl. dagegen S. 34).

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VI. KAPITEL.

DER STAAT UND DIE PRESSE IN FRANKREICH.
DIE SCHÖPFER DER NEUERN TYPOGRAPHIE.

Der Staat und die Presse unter Ludwig XVI., der Revolution, Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon III. Die älteren Buchdruckereien: Die Staatsdruckerei und die Didot in ihrem Einflusse auf die Typographie, die Familien Panckoucke, Barbou, Lottin, Treuttel & Würtz, Berger-Levrault, Dentu, Crapelet.

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ÄTTE die Liebe eines Königs für die Buchdruckerkunst genügt, um diese in dessen Lande zum grössten Flor zu bringen, so müsste sie in Frankreich unter Ludwig XVI. goldene Tage gehabt haben[98]. Ludwig war noch als Kind durch Martin Lottin in der Kunst unterrichtet worden und druckte als Dauphin, kaum zwölf Jahre alt, 1766 einen kleinen Band: Maximes tirées de Télémaque. Auch Karl v. Artois, später Karl X., besass Vorliebe für die Kunst und liess 1780–1784 bei dem älteren Didot eine Sammlung von französischen Schriftstellern in 64 Bänden in 18. für sich drucken, während Ludwig XVI. später die Sammlung ad usum delphini (zum Gebrauch für den Dauphin) ausführen liess. Mehr als in irgend einem andern Lande hatten die Aristokraten Frankreichs sich es angelegen sein lassen, Privatdruckereien zu errichten. Bereits während der Regierung Heinrichs IV. besass der Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet bei Paris, ebenso später Kardinal Richelieu auf Schloss Richelieu in der Touraine. Der Kanzler d'Auguesseau; die Marquise von Pompadour; die Dauphine Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI.; der Herzog von Burgund, Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grossen waren Besitzer von Privat-Offizinen.

Im Jahre 1777 erliess Ludwig XVI. ein Gesetz zur Regelung des litterarischen Eigentumsrechts, nach welchem jedoch alles auf Privilegien beruhte, die, wenn einmal den Autoren erteilt, auch auf die Erben derselben übergingen, jedoch, wenn in Buchhändlerhänden befindlich, mit dem Tode des Verfassers erloschen. Wie alle Privilegien fielen auch diese durch Beschluss der konstituierenden Die Revolutionszeit.Versammlung vom 4. August 1789, nach welcher Zeit nun auch jeder, der einige Zentner Schriften kaufte oder borgte und ein Patent zahlte, Buchdrucker werden konnte. Selbst diese letzte Bedingung hörte 1793 auf, und die Zahl der Buchdruckereien wuchs von den früheren 36 privilegierten auf 700. Die Pressfreiheit war bereits durch die Verfassung vom 14. September 1791 garantiert, nach welcher jeder das Recht erlangte, seine Gedanken ohne vorherige Zensur schreiben, drucken und veröffentlichen zu können. Unter dem Direktorium wurde wenigstens festgestellt, dass der Buchdrucker seinen Namen auf alles, was er druckte, setzen, auch auf Aufforderung den Namen des Verlegers nennen musste.

Broschüren auf rötlich-grauem Papier mit Typen gedruckt, die mitunter geradezu unleserlich waren, sind die hauptsächlichsten Produkte der Revolutionszeit. Eins der lohnendsten Geschäfte war der Druck von Assignaten, deren erste Emission im Betrage von 1200 Millionen am 19. Dezember 1789 dekretiert wurde. Der Direktor der Königlichen Druckerei, Anisson-Duperon, wurde mit der Ausführung betraut. Die späteren Emissionen beschäftigten Tag und Nacht eine grosse Anzahl von Pressen. Ende 1794 wurden auf einmal 40 Milliarden in Auftrag gegeben.

Das Konsulat.

Unter den Konsuln wurde 1797 die politische Tagespresse auf ein Jahr unter Aufsicht der Polizei gestellt und später diese Anordnung prolongiert. 1800 behielten sich die Konsuln das Recht der Repressivmassregeln gegen diejenige Zeitungspresse vor, die sich etwa gegen die Gesellschaft, die Regierung oder die Souveränität des Volkes versündigte. Durch ein weiteres Dekret vom Jahre 1803 wurde bestimmt, dass ein Exemplar jedes Buches dem Revisionsamte zur Durchsicht übergeben werden sollte „zum Schutze der Freiheit der Presse“ (!).

Die Zeit war der letzteren nicht günstig. Die Zahl der Zeitschriften verminderte sich und die 1790 vorhandenen 700 Buchdruckereien waren auf 340 zusammengeschmolzen. Dafür begannen nun die älteren, gut eingerichteten Offizinen an die alten Traditionen wieder anzuknüpfen.

Das Kaisertum.

Nach Begründung des Kaisertums beschäftigte sich Napoleon sehr mit der Organisation des Buchhandels und der Buchdruckerei. Ein bekannter Schriftsteller, Fievée, wurde mit dem Plane betraut. „Die Buchdruckerei“ — so argumentierte Napoleon — „ist ein mit gefährlichen Waffen gefülltes Zeughaus, das man ungern in den Händen des ersten besten lässt. Die Buchdruckerei ist kein Handelszweig; es genügen deshalb einfache Privilegien, um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen Stand, an dessen Gedeihen der Staat ein Interesse hat, letzterer muss deshalb die Entscheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben. Der Buchdrucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er ist aber kein Kaufmann und kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht von ihm selbst, sondern von der Spekulation anderer abhängt, kann nur eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschränkt der Staat nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so kann man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zählen und die Druckkunst ist eine zu furchtbare Waffe, um sie in den Händen von Notleidenden zu lassen. Gut situierte Bürger sind weniger geneigt, gegen die Gesetze zu handeln; es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, die Zahl der Buchdruckereien zu beschränken und aus demselben Grunde die Zahl der Lehrlinge zu normieren.“

Direktion der Buchdruckerei.

Am 5. Februar 1810 erschien das Dekret, welches eine Direktion der Buchdruckerei und des Buchhandels einrichtete. Die Zahl der Buchdruckereien wurde in Paris auf 60 festgestellt, die unter den 3–400 bestehenden gewählt werden sollten. Die bleibenden hatten die andern zu entschädigen und waren verpflichtet, das Material der zu löschenden Firmen anzukaufen. 4000 Franken, für die eine mehr, für die andere weniger, wurden als Durchschnittsentschädigung bestimmt. Das Brevet war eine einfache Autorisation und schloss nicht, wie dies bis zum XVIII. Jahrhundert der Fall gewesen war, die Garantie der geschäftlichen Befähigung des Inhabers in sich. Strenge Massregeln in betreff der zu führenden Geschäftsbücher wurden getroffen.

Privilegien.

Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhöhte die Zahl der Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt und die Zensur in optima forma eingeführt. Ein dem Ministerium der Polizei beigegebenes Bureau de l'esprit public sollte für Verbreitung der Regierungsansichten und die Bearbeitung der öffentlichen Meinung wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, für jeden Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebühren.

Im Jahre 1812 wurden die Privilegien auch für den Buchhandel eingeführt, jedoch die Zahl der Buchhandlungen nicht beschränkt. Zensierte Werke konnten nachträglich konfisziert werden, jedoch mussten die Druckkosten ersetzt werden. Diese Bestimmung kam nur in einem einzigen Fall zur Anwendung und zwar anlässlich des Werkes De l'Allemagne der Frau von Staël.

Napoleons Interesse für die Typographie.

Dass der Buchhandel und die Buchdruckerei sich unter der Regierung Napoleons trotz des äusseren Glanzes nicht recht entwickeln konnten, wird jeder verstehen. Unter den von der Regierung selbst hervorgerufenen Werken steht obenan die Description de l'Égypte, das Resultat der Thätigkeit der gelehrten Kolonie, welche Bonaparte mit nach Ägypten geführt hatte.

Hätte überhaupt die Typographie keine andere Aufgabe gehabt, als der Wissenschaft zu dienen, so würde sie in Napoleon gewiss den grössten Freund gefunden haben, denn ein Geist wie der seinige konnte den Verkehr mit der Presse nicht entbehren. Selbst im ärgsten Kriegslärm mochte er die Wissenschaft und die Litteratur nicht missen.

Beabsichtigte Feldbibliothek.

Bereits 1798 hatte er daran gedacht, eine Feldbibliothek herstellen zu lassen, die ihm auf seinen Feldzügen folgen sollte, und 1808 den Plan wieder in Bayonne aufgenommen. Als er bei seinem Aufenthalt in Schönbrunn die Werke, die er mitzuführen gewünscht hatte, die aber wegen des äusseren Umfangs zurückgeblieben waren, sehr vermisste, kehrte er ernstlich zu der Idee einer Feldbibliothek zurück und diktierte am 12. Juni 1809 den Plan zu einer solchen, der seinem Bibliothekar Barbier als Richtschnur unterbreitet werden sollte.

Napoleon wollte eine Sammlung schön gedruckter und gut gebundener Werke in kleinem Format mit kleinem Rand. „Er sei reich genug, um sich diesen Wunsch erfüllen zu können.“ Vorläufig wollte er 3000 Bände von je 4–500 Seiten, hauptsächlich geschichtlichen Inhalts, die Bibel dürfe nicht fehlen; wären diese 3000 Bände fertig, so könnten weitere 3000: Reisen, Naturgeschichtliches, Unterhaltendes, folgen. Eine Anzahl gewiegter Männer der Wissenschaft sollte die Redaktion besorgen und allen unnützen Ballast über Bord werfen.

Im November 1809 stattete Barbier seinen Bericht ab. Die Kosten für die 3000 Bände waren bei einer Auflage von fünfzig Exemplaren auf vier und eine halbe Million Franken berechnet. Würden jedoch 300 Exemplare gedruckt und verkaufte man den Band zu fünf Franken, so entstände eine Einnahme von etwa drei Millionen Franken. Man glaubte, täglich einen und einen halben Band oder jährlich gegen 500 Bände liefern zu können. Die Proben wurden gemacht — und hierbei blieb es.

Kunstleistungen der Kaiserlichen Druckerei.

Ein seltenes Pracht- und Kunststück führte die Kaiserliche Druckerei aus, als Papst Pius VII. anlässlich der Kaiserkrönung 1805 sich in Paris aufhielt und die erwähnte Anstalt besuchte. Während dieses Besuches druckten 150 Pressen die L'oraison dominicale (das Vater unser) in 150 Sprachen und der Direktor Marcel überreichte dem Papste das Widmungsexemplar.

Bei Gelegenheit der Geburt des Königs von Rom beschloss Napoleon den Druck einer Sammlung in der Art der Ausgaben ad usum delphini. Mit der Aufstellung des Katalogs war jedoch auch diese Sache zuende.

Sozusagen beim Bivouac-Feuer entwarf Napoleon den Plan zu einer Fortsetzung der Histoire de France von Velly, durch den Abbé Halma, den Bibliothekar der Kaiserin. Schliesslich darf nicht das wichtigste Werk der ganzen Zeitperiode, das dem Kaiser so viel zu verdanken hatte, der Code Napoléon, vergessen werden.

Als das Unglück über den Kaiser hereinbrach, konnte es nicht fehlen, dass die Presse im geheimen stark gegen ihn arbeitete und dass die Massregeln gegen dieselbe noch verschärft wurden. Während der Hundert Tage, als er die Presse brauchte, wollte er die von Ludwig XVIII. bereits zugesagte Pressfreiheit gewähren und ein Dekret vom 24. März 1815 hob die Zensur auf. Waterloo machte das Dekret zu einem toten Buchstaben.

Die Restauration.

Das erste Kaiserreich hatte dem Buchgewerbe die goldene Zeit nicht gebracht. Günstiger waren die Auspizien bei Beginn der Restauration. Der Artikel VIII der Charte sicherte allgemeine Pressfreiheit zu. Es dauerte jedoch kaum einen Monat, als die Repressionsmassregeln wieder begannen. Unter anderem konnten die Zeitschriften nur mit Autorisation des Königs erscheinen. Bei Übertretungen der Gesetze stand das Zurückziehen des Brevets in Aussicht.

Wir können nicht der Geschichte der Massregelungen gegen die Presse durch alle ihre Phasen Schritt für Schritt folgen. Zensur, Kautionen, Suspensionen, eine etwas grössere oder kleinere Portion Pressfreiheit folgten in schnellem Wechsel unter der Herrschaft Ludwigs XVIII. Die Regierung Carls X. fing für die Presse etwas milder an, aber das projektierte Pressgesetz vom 29. Dezember 1826 übertraf an Schärfe alles bisherige, wurde jedoch von der Pairskammer abgelehnt, die sich diesmal liberaler als die Deputiertenkammer zeigte. Nichtsdestoweniger wurde gegen Buchdrucker, Buchhändler und Journalisten mit grosser Strenge verfahren. Die Prozesse häuften sich; nicht allein wirkliche Pressvergehen, sondern selbst unbedeutende Formfehler wurden unnachsichtlich und schwer bestraft. Die Massregeln schlossen mit den berüchtigten Ordonnanzen Julirevolution.Polignacs vom 25. Juli 1830, die das Ende der Regierung Carls X. herbeiführten. Trotz der Verfolgungen gegen die Presse behielt doch der letzte der Bourbonen seine Liebe für die Druckkunst bei und zeichnete öfters die Vertreter derselben persönlich aus, liess auch manche grosse Unternehmungen durch Subskription der Ministerien unterstützen.

Leider vergingen die blutigen Julitage nicht ohne grobe Unordnungen seitens der typographischen Arbeiter, welche in mehreren Druckereien die Schnellpressen zerstörten. Jedoch die Masse der Arbeiter trat gegen die Unruhestifter auf und eine Proklamation Firmin Didots an die Arbeiter trug sehr viel zur Beruhigung derselben bei.

Das Bürgerkönigtum.

Die neue Charte vom 14. August 1830 brachte wieder Pressfreiheit und „ewige“ Aufhebung der Zensur. Die Lage der Buchdrucker und Buchhändler ward durch die allgemeine Krisis eine sehr schwierige und die Folgen der Überproduktion zeigten sich in trauriger Weise. Die Regierung that, was sie konnte, um die Kalamität zu mildern und gewährte Anleihen. Benj. Constants Antrag auf Freigebung der Buchdruckerei und des Buchhandel-Gewerbes scheiterte zwar, die gesetzlichen Bestimmungen wurden jedoch vielfach umgangen, indem man Zessionen an Nichtfachleute zuliess und die Gründung von Succursales gestattete, die unter Verantwortlichkeit von Brevetinhabern von anderen betrieben wurden. Auch entstanden in der nächsten Umgebung von Paris Druckereien, die recht wohl mit den brevetierten konkurrieren konnten. Mehrere Druckereien änderten sich in Aktienunternehmungen um und nahmen kolossale Dimensionen an.

Die Lage der Journale war sehr erleichtert; man benutzte aber keineswegs die Freiheit mit der notwendigen Mässigung, so dass ein beschränkendes Gesetz am 9. September 1835 erlassen wurde, das von der Regierung jedoch mit Schonung gehandhabt wurde.

Ludwig Philipp selbst war, wie die Bourbonen es gewesen, ein Freund der Buchdruckerkunst. Mag er auch sonst als recht sparsam gegolten haben, in Bezug auf die Erzeugnisse der Presse zeigte er sich freigebig und liess mehrere grosse Unternehmungen auf seine Kosten drucken. Die Korrekturen las er dann selbst und las sie sehr gut.