Fußnoten:

[107] Eug. de Mirecourt, Fabrique de romans. Paris 1845.

[108] Le Cercle de la librairie. Notice hist. Paris 1881. — J. B. Baillère, Le Cercle, etc.

[109] Behufs Verteilung bei Ausstellungen gab Mame einen illustrierten Bericht über sein Etablissement heraus. In dem Jahrgang 1865 des Journ. f. B. Nr. 6 ff. findet sich eine deutsche Bearbeitung mit den Abbildungen des Originals. Bei späteren Ausstellungen erschienen neue Auflagen des Berichts.

[110] Notice sur les établissements de P. D. 1867. — P. D. et ses ouvriers assoc. — Journ. f. B. 1865, Nr. 35–37. — P. Dupont, Une Imprimerie en 1867. Paris 1867.

[111] Die 1881 erschienene neue Ausgabe ist die alte mit einem neuen Titel.

[112] Histoire de l'imprimerie centrale, etc. Paris 1878.

[113] Quelques mots sur la maison Henri Plon. — Henri Plon. Paris 1873.

[114] Essai sur les gravures chimiques. Paris 1871. 2. Aufl. Paris 1879.

[115] J. Adeline, L. H. Brevière. Rouen 1876.

[116] Ann. d. Typ. Nr. 361. VIII. Band.

[117] 1840 erschien anlässlich der Einweihung der Gutenbergstatue in Strassburg ein Album typographique von Silbermann, um die Fortschritte der Kunst zu veranschaulichen. 1872 sammelte er unter dem Titel Album d'impressions typographiques en couleur eine Anzahl Blätter seiner Drucke, die von seinen Leistungen eine, wennauch nicht ganz genügende, Vorstellung geben.

[118] Ann. d. Typ. VII. Bd. 1875, Nr. 329.

[119] J. B. Baillère, La cinquantaine d'un libraire. Paris 1862.

[120] V. Masson, Notice nécrologique. Paris 1879. — Börsenbl. f. d. d. B. 1879. Nr. 130.

[121] G. Masson, Rapport sur les arts graphiques, Vienne 1873. Paris 1873.

[122] Notice sur la vie de L. Hachette. Paris 1864.

[123] Imprimerie Jouaust. Catalogue descriptif et raisonné. Paris 1867. — Ann. d. Typogr. II. Bd. 1870, Nr. 66. — VII. Bd. 1875, Nr. 304.

[124] J. M. Querard, Quelques mots sur M. Bossange père. Paris 1863.

[125] Auf Sitte und Arbeitsweise der Pariser Setzer wirft ein Werkchen Eugène Boutmys: Les typographes parisiens, suivi d'un petit dictionnaire de la langue verte typographique, Paris 1874, interessante Schlaglichter.

[126] F. Maillard, Le petit Journal 1850–1860.

[127] Ed. Texier, Hist. des journaux. Paris 1851. — E. Hatin, Hist. du Journal en France 1631–1853. — F. Maillard, Hist. anecdotique et critique de 150 journaux und dessen Hist. de la presse parisienne. Paris 1859. — Alfr. Sirven, Journaux et Journalistes. Paris 1865. — A. Gagnère, Hist. de la presse sous la Commune. Paris 1881.

[128] Da ein solcher Vergleich der graphischen Machtstellung Frankreichs und des Deutschen Reiches, welche jetzt an Umfang und Einwohnerzahl sich ziemlich gleichstehen und nicht unter so grundverschiedenen Verhältnissen, wie sie sich bei einem Vergleich mit England oder Amerika darbieten, arbeiten, nicht nur von Interesse, sondern auch von Wichtigkeit ist, so bedarf es wohl kaum einer Entschuldigung, wenn die Statistik Frankreichs und des Deutschen Reiches in diesem Handbuche etwas ausführlicher behandelt wird, als die der anderen Länder. Als Grundlage für die Notizen über Frankreich dienten namentlich die Angaben des Annuaire de la librairie von 1868 und 1882. Vergl. auch Chaix, Statistique de l'imprimerie en France. Paris 1874.

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VIII. KAPITEL.

DIE ZWEIGE DER ROMANISCHEN GRUPPE.

Die Niederlande: Zurückgehen der Kunst. Der Nachdruck. Die neuere Typographie Hollands und Belgiens. — Italien: G. Bodoni. Langsame Fortschritte. Venedig, die Mechitaristen. Panfilo Castaldi. Der Buchhandel, die Familie Pomba. Rom, die Druckerei der Propaganda. Erfreuliche Aussichten. — Spanien: J. Ibarra. Madrid. Barcelona. Portugal: Die Staatsdruckerei. Südamerika: Buenos Aires, Rio de Janeiro, Lima, Cuba, Mexiko. — Nordafrika: Algier, Ägypten. Türkei: Aufblühen und Verfall der Kunst. Jetzige Lage.

DIE NIEDERLANDE.

D

IE typographische Glanzperiode der Niederlande war dahin. Auf die Zeit der blutigen Knechtschaft durch Spanien folgte im Süden die Periode der österreichischen Herrschaft. Darf auch letztere mit der ersteren kaum in einem Atemzuge genannt werden, so war sie doch nicht geeignet, eine neue Blüte der Typographie hervorzurufen, noch weniger war eine solche nach der Einverleibung in Frankreich zu erwarten.

Holland.

Auch der Norden lernte erst seit 1795 als Batavische Republik unter Frankreichs „Schutz“, dann von 1806 ab als Königreich unter einem Napoleoniden, bis auch dieser Selbständigkeitsschein 1810 aufhörte, die Segnungen französischer Presszustände kennen.

Der Pariser Friede 1814 löste die Länder aus der eisernen Umarmung Frankreichs, um sie zu einem Königreiche der Niederlande zu vereinigen. Diese, dem Zusammengiessen von Essig und Öl nicht unähnliche Verschmelzung des protestantischen, germanischen Nordens mit dem katholischen, zum grossen Teil französischen Süden wurde durch die Revolution in Brüssel 1830 faktisch, durch den Frieden 1839 definitiv und rechtlich aufgelöst.

Seit dieser Zeit entwickelte sich ein freieres geistiges Leben in Belgien sowohl als in Holland. Zwar ist der alte Ruhm des niederländischen Pressgewerbes nicht wieder erreicht, jedoch steht dasselbe auf einem achtbaren Standpunkte und lässt weitere Fortschritte erwarten.


Freiere Pressverhältnisse.

In Holland verursachten die freieren Pressverhältnisse vor dem Ausbruch der französischen Revolution, dass viele französische Autoren und Verleger ihre Artikel dort, namentlich in Amsterdam und dem Haag, drucken liessen. Hierin liegt wohl zumteil der Keim zu dem später gewerbsmässig betriebenen holländisch-belgischen Nachdruck, welcher jedoch anfänglich keine grosse Bedeutung hatte und von selbst aufhörte, solange die Niederlande der französischen Herrschaft unterlagen.

Holländische Typographie.

Die holländische Typographie hält fest an dem einmal angenommenen Typenduktus mit seinen langen, schmalen und eng zugerichteten Schriften, die insofern praktisch sind, als mit ihnen sich viel Stoff auf einen kleinen Raum, allerdings auf Kosten eines gefälligen Eindrucks, zusammendrängen lässt. Unter den Formaten ist ein Gross-Median-Oktav das beliebteste und selbst Romane und Gedichte werden in demselben gedruckt.

Durch seine Kolonien in Hinterindien und auf den Inseln des indischen Ozeans ist die Schriftgiesserei Hollands auf die Pflege der Schriften der dortigen Eingeborenen angewiesen. Unter Aufsicht von T. Roorda wurden von J. Enschedé & Zoonen in Haarlem javanische Lettern angefertigt. Ein bedeutendes Renommé in dieser Richtung erwarb sich N. Tetterode in Rotterdam, welcher Mandalingisch, Batakisch, Manarisch und Boeginesisch lieferte. Unter der Direktion von J. Hoffmann liess die holländische Regierung auch chinesische Typen schneiden, die später in den Besitz von E. J. Brill in Leyden übergingen[129]. Als Schriftgiesser wirkten ferner in Gröningen Omkens, van Baskenes und Damste.

Statistisches.

Im Jahre 1882 hatte Holland in 128 Städten 428 Buchdruckereien (1840 besass es nur 146), 183 lithographische Anstalten, 700 Buchhandlungen. Die Buchdruckereien arbeiteten mit 740 Schnellpressen und 650 Handpressen. Die Zahl der lithographischen Schnellpressen war 125, die der Handpressen 700. Die zur Verwendung kommenden Maschinen verschiedener Art stammen namentlich aus französischen Fabriken. An Tageblättern gab es 29, an Wochenblättern und an anderen periodischen Schriften 397.

In Amsterdam liefert die Königliche Buchdruckerei Accidenzien für den Staat. Eine bedeutende Anstalt ist die von Roeloffzen & Hübner in Amsterdam mit drei Rotations- und sieben gewöhnlichen Schnellpressen; sie druckt die in 20000 Exemplaren täglich in einem Umfange von 8–16 Seiten erscheinende Het News van den Dag mit ihrem Sonntagsblatt. C. A. Spinn & Zoon bringen sehr kunstreiche Accidenzarbeiten. Zu erwähnen sind ebenfalls J. van Oosterzee, G. L. A. Amand, Metzler & Barting und Gebr. Binger.

In Haarlem blüht noch das Geschlecht der Enschedé (I, S. 251) und zeigt, dass es nicht auf seinen Lorbeern auszuruhen gedenkt. Das Geschäft arbeitet mit 11 Handpressen, 11 Schnellpressen und 25 Giessöfen und zeichnet sich durch Druck von Reproduktionen, Bibeln und Wertpapieren aus. Van Aspern van der Velde liefert namentlich Illustrationsdruck.

Buchhandel.

Die Interessen des holländischen Buchgewerbes werden seit 1816 von der Vereenigung ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels vertreten[130]. Dieselbe hatte im Jahre 1881 in der Art des Pariser Cercle eine Ausstellung von den Erzeugnissen der Hülfsgewerbe des Buchhandels veranstaltet und auch in derselben Weise wie der Cercle einen reichen Katalog erscheinen lassen[131], zu welchem 28 Buchdruckerfirmen jede eine Abteilung und verschiedene Papierfabrikanten Papier geliefert haben. Dieser Katalog zeigt, dass die holländischen Accidenzbuchdrucker bemüht sind, ihren Kollegen in anderen Ländern nachzukommen. Die Arbeiten sind sauber und akkurat, wenn auch von einer Einschlagung neuer Bahnen keine Rede ist.

Als lithographische Farbendrucker haben Tresling & Co. in Amsterdam und Emrik & Binger in Haarlem Verdienste. Das Topographische Institut liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch entstehende Abstufung der Töne vortreffliche Karten in Farbendruck.

Das holländische Papier ist seit alters her berühmt und von bester Qualität. Weltruf hat das Büttenpapier von van Gelder & Zoonen in Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major E. W. J. Bagelaer (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem Pariser Fabrikat beherrscht.

Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jährlich erscheint eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums wird namentlich durch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher Schöpfungen befriedigt.

Unter den holländischen Verlegern seien erwähnt: Kemink & Zoon, P. W. van de Weyer in Utrecht, J. B. Wolters in Gröningen, A. W. Sythoff und E. J. Brill in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag orientalischer Werke haben. Das japanisch-holländisch-englische Wörterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. Überhaupt ist Leyden ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich für medizinische und naturwissenschaftliche Litteratur, während Utrecht die Fächer der Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckplätze sind noch Haag und Rotterdam; am letzteren Orte sind J. Würtheim & Zoon, welche namentlich Artikel für den Export liefern, bedeutend.

Fr. Müller * 22. Juli 1817.

Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des holländischen Buchhandels der neueren Zeit erwarb Frederik Müller auf Grund seiner Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die holländische Bibliographie zu bringen. Müller hatte eine vorzügliche Ausbildung in dem Etablissement von Johannes Müller, welches aus dem Geschäft von Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. XII), erhalten. Im Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine mit grossem Geschick ausgeführte Bücherbestellung des Vorstandes der Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab Veranlassung zu der Herausgabe einer Bibliographie néerlandorusse 1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten.

Der Nachdruck hatte in Müller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen, den eifrigsten Bekämpfer, überhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen niederländischen Bibliographie und die Geschichte des niederländischen Buchhandels, zu welcher das Material zum grössten Teil in der Bibliothek des niederländischen Buchhändler-Vereins deponiert wurde[132].


Belgien.

Der Name Belgiens ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai 1861 hauptsächlich durch die masslose Ausübung des zwar damals nicht verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschäfts des Nachdruckes bekannt.

Der Nachdruck.

Da in den belgischen Provinzen die französische Gesetzgebung auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren es selbstverständlich zuerst die besten Werke der französischen Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte Brüssel erst 18 Druckerpressen.

Der König Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur dann ein eigentlicher Vorteil für das Land zu erwarten sei, wenn die Erzeugnisse technisch besser ausgeführt würden, unterstützte die Papierfabrikanten und Buchdrucker und förderte die Einberufung französischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch bis zur Revolution ein mässiger; der Nachdruck beschränkte sich damals hauptsächlich auf Werke für den inländischen Bedarf und nahm erst nach dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an.

Produktion.

Während im Jahre 1815 die litterarische Produktion nur fünf Millionen Bogen betrug, war sie 1838 auf über 32 Millionen Bogen gestiegen. 1815 war die Zahl der Buchdruckereien in den belgischen Provinzen 20 mit 27 Pressen, 1838 aber 53 mit 429 Pressen oder, wenn man die vorhandenen Schnellpressen der üblichen Leistungsfähigkeit nach auf Handpressen überträgt, 519 Handpressen.

Grosser Umfang des Nachdrucks.

Von der Gesamtproduktion kamen etwa acht Millionen Bogen, hauptsächlich in Duodezformat, welches Quantum 6–700000 der damals üblichen Romanbände gleichkam, auf die französischen Nachdrucke, deren Umsatz sich auf etwa 3½ Millionen Franken belief. Die bedeutendsten Nachdruckerfirmen Wahlen & Co., Louis Haumann & Co., Meline Cans & Co. gingen an Aktien-Gesellschaften über, die mit einem Kapital von insgesamt etwa fünf Millionen Franken arbeiteten. Diese Gesellschaften machten jedoch keine guten Geschäfte, da der kostspielige und komplizierte Administrations-Apparat den Vorteil absorbierte, zudem die kleineren Nachdrucker mit ihrem einfachen Geschäftsbetrieb die Preise ausserordentlich gedrückt hatten.

Von der Bedeutung des Nachdrucks mögen einige Thatsachen sprechen: Bérangers Gedichte wurden in etwa 30000 Exemplaren gedruckt; Thiers' Revolution in 15000; Lamennais' Paroles d'un croyant in 60000 Exemplaren. Die kostbarsten Werke, z. B. die mit grossen Opfern durch Didot ins Leben gerufene neue Bearbeitung des Dictionnaire de l'Académie, fielen den Nachdruckern anheim, ja selbst mit den besten Zeitschriften als der Revue des deux mondes und der Revue britannique war es der Fall. Es kam sogar so weit, dass man eine eigene Zeitschrift Revue des Revues gründete, welche eine Quintessenz der verschiedensten periodischen Schriften von Wert brachte, während die politischen Zeitungen Belgiens den Romanhunger des Publikums mit Nachdrucken französischer Feuilletons stillten. Die Brüsseler Buchhandlungen unterhielten Comptoire in London, Leipzig und anderen Orten; in vielen Grenzorten Frankreichs errichteten sie Depots behufs des Schmuggels, ja selbst in Algier existierte ein solches, um die heimliche Einfuhr nach Frankreich zu betreiben.

Aufhören des Nachdrucks.

Diesem Unfug wurde, zum wahren Vorteil Belgiens, durch den Vertrag mit Frankreich ein Ende gemacht und Belgien war nun genötigt und auch mit Erfolg bemüht, sich auf dem Litteraturmarkt selbständig geltend zu machen. Auch das Druckgewerbe hatte von der Änderung einen Vorteil; denn, waren auch die Nachdrucke meist sauber ausgestattet, so hielten sich doch alle Erscheinungen auf demselben Niveau des einfach mittelguten Werkdrucks und von einem höheren Aufschwung der Kunst war keine Rede[133].

Der Import an Büchern aus Frankreich ist jetzt begreiflicherweise ein bedeutenderer geworden und beträgt etwa drei Millionen Franken an Wert, während der Export nach Frankreich nur etwa eine halbe Million Franken erreicht.

Verschiedene Buchdrucker.

Ein Zweig des Pressgewerbes von grosser Bedeutung ist der Druck liturgischer und überhaupt Andachtsbücher. Selbst die französischen Pressen haben in dieser Richtung schwer mit der belgischen Konkurrenz zu kämpfen. Unter denjenigen Offizinen, die sich in dieser Produktion auszeichnen und eine grosse Ausfuhr nach allen Weltteilen haben, sind M. H. Dessain und Haniq in Mecheln, mit welchen Wesmael-Charlier, Legros in Namur und Greuse in Brüssel, welch letzterer auch die umfangreiche venetianische Ausgabe der Bolandisten fortsetzt, konkurrieren. Hebräische und chaldäische Werke liefern van Linhout und van der Zande in Löwen. J. S. van Dooselaere in Gent[134] ist ein, seinem Fache mit grosser Liebe zugethaner Jünger Gutenbergs. Ein von ihm gedruckter Recueil descriptif des antiquités ist ein typographisches Kunststück, indem der Text die äussere Form E. Vanderhaegen † 1881.der beschriebenen kunstgewerblichen Gegenstände nachbildet. E. Vanderhaegen, ebenfalls in Gent, machte sich durch seine Bibliographie gantoise, 7 Bände, 1858–1869, einen Namen. Henri Castermann & Co. in Tournai vereinigen mit der Buchdruckerei auch die verwandten Geschäftszweige und den Verlagshandel. Allen ihren Arbeiten sind Nettigkeit und Eleganz nachzurühmen.

In Brüssel zeichnet sich Ad. Mertens durch gute Illustrationsdrucke und Luxusarbeiten aus. F. Guyot Frères[135] sind bedeutend im Accidenzfache und liefern viele Wertpapiere und Regierungsarbeiten, in welchen auch F. Hayez Beachtenswertes produziert. Bruylant-Christophe zeigt im Werk- und Buntdruck technische Tüchtigkeit. Adolf Wahlen veranstaltete mit A. Delpierres Leben der Maria von Burgund ein vorzügliches Druckwerk. Ein glücklicher Zufall hatte ein auf das feinste verziertes, nachweislich von der eigenen Hand der kunstsinnigen Prinzessin Marie herrührendes Alphabet Initiale vor dem Untergange bewahrt, welches nun mit grösster Sorgfalt für das erwähnte Werk nachgebildet wurde. Auch auf den Satz verwendete man die grösste Mühe, so dass in dem ganzen Werk kein geteiltes Wort vorkommt, ohne dass deshalb die Regelmässigkeit des Ausschlusses irgendwie gestört wäre.

Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I, S. 225) ausführlicher besprochen[136].

Statistisches.

Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien beträgt 639; davon kommen auf Brüssel 101, Antwerpen 51, Lüttich 37, Gent 34, Brügge 21. Unter den Schriftgiessereien zeichnen sich Vanderborght und Meline Cans & Co. aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander gegenüberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840 hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlämische. 1880 war die Zahl auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlämischer Sprache. 54 Zeitungen erscheinen täglich. Die älteste derselben ist das 1764 gegründete Journal de Liège. Unter den Fachblättern sind zu nennen die Annales de l'imprimerie.

ITALIEN.

Italien.

Italien seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der Fremdherrschaft bald österreichischer, bald spanischer und französischer Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge davon vegetierte auch die einst so blühende Typographie nur in kümmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt Parma allein war es beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen.

J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, † 30. Nov. 1813.

Dieser Meister, Johann Baptist Bodoni[138], ward in Saluzzo von einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfänge der Kunst lernte er bei dem Vater und bereits frühzeitig entwickelte er ein nicht gewöhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten in Holz, die später, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berühmter Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden.

Bodoni in der Propaganda.

Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Unterstützung erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den nach Rom Gekommenen erklärte der Onkel nicht helfen zu können. Bodoni war zur Rückkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berühmten Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die Lebhaftigkeit und das gefällige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des Direktors, Abbé Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben wohlgefällig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebräisch lesen. Mit der typographischen Ausführung eines arabisch-koptischen Missale und des Alphabeticum Tibetanum des Paters Georgi betraut, entledigte er sich der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des Werkes den Vermerk: „Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762“ aufdrucken liess.

Bei der Ordnung der orientalischen Schriftenvorräte der Anstalt war die Lust bei Bodoni entstanden, selbst Schriftschneider zu werden und er griff diesen Gedanken mit einem solchen Eifer auf, dass er in kurzer Zeit ein sehr tüchtiger Stempelschneider wurde. Wahrscheinlicherweise wäre sein Schicksal für stets mit der Propaganda verknüpft geblieben, wenn nicht der freiwillige Tod seines Gönners Ruggieri ihm den dortigen Aufenthalt verleidet hätte. Er nahm einen Ruf nach England an, wollte jedoch vor seiner Abreise nochmals seine Eltern in Saluzzo sehen. Dort erkrankte er in so bedenklicher Weise, dass seine Abreise verschoben werden musste, und als der Marquis Telino ihm das Anerbieten machte, an die Spitze einer, der Königlichen Buchdruckerei in Paris ähnlichen Anstalt, die man in Parma errichten wollte, zu treten, gab Bodoni das Engagement nach England ganz auf und siedelte nach Parma über.

Buchdrucker in Parma.

Hier begann nun für ihn eine Zeit des strengsten Arbeitens, auch war er anfänglich keineswegs pekuniär günstig gestellt. Im Jahre 1771 legte er durch seine Saggio tipographico di fregi et majuscola Proben seiner Kunst als Stempelschneider ab. 1774 folgten Iscrizioni esotiche von de Rossi und 1775 bei Gelegenheit der Vermählung des Fürsten von Piemont mit der Prinzessin Clotilde von Frankreich, die in 25 verschiedenen Sprachen, orientalischen und europäischen, gedruckten Epithalamia exoticis linguis reddita. Das letztere Werk richtete die allgemeine Aufmerksamkeit auf Bodoni. Kein Reisender von Bedeutung unterliess es, dessen Druckanstalt zu besuchen. Karl III. von Spanien ernannte ihn zu seinem Hofbuchdrucker; Gustav III. von Schweden und Ferdinand IV. von Neapel erteilten ihm Auszeichnungen. Alle waren einig, dass Bodonis Erzeugnisse in Bezug auf Eleganz und Gleichförmigkeit nicht übertroffen seien.

Im Jahre 1788 wurde ihm von dem Ritter d'Azara, dem spanischen Gesandten in Rom, das Anerbieten gemacht, in dessen Palast eine Druckerei für die Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer Klassiker einzurichten. Unwillig darüber, dass jemand ihm eine solche typographische Kapazität rauben wolle, gestattete der Herzog von Parma, dass Bodoni eine ähnliche Offizin, wie die in Rom beabsichtigte, in dem herzoglichen Schlosse einrichtete, aus welcher dann einige der schönsten Klassiker-Ausgaben, darunter der Virgil von 1793 und Tassos Gerusalemme liberata in drei Foliobänden (1794), hervorgingen.

Prachtwerke.

Die kostbarste aller seiner Prachtausgaben war jedoch der Homer (1808), den er dem Kaiser Napoleon dedizierte, von welchem er in der Zeit der Franzosenherrschaft in jeder Weise begünstigt wurde. Bei der Überreichung des Dedikationsexemplares erhielt Bodoni eine Pension von 3000 Franken. Der Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, wollte ihn gern nach Mailand, Murat nach Neapel ziehen. Bodoni wünschte jedoch nicht Parma zu verlassen und schützte Alter und Kränklichkeit vor. Er hasste überhaupt das Franzosentum, verstand es aber ganz wohl, sich in die Verhältnisse zu schicken und diese sich nutzbar zu machen.

Im Jahre 1811 wurde er von Murat dekoriert. Letzterer hatte die Absicht, für den jungen Murat eine Reihe von Klassikern drucken zu lassen. Der Anfang wurde 1812 mit Télémaque gemacht, dem 1813 Racine folgte; erst 1814, nach Bodonis Tod, erschienen Lafontaine und Boileau. Auf Grund dieser französischen Klassiker-Ausgaben erteilte Napoleon dem Bodoni kurz vor dessen Tode das Kreuz der Ehrenlegion in Begleitung eines Ehrengeschenkes von 18000 Franken.

Unter Bodonis Arbeiten müssen noch zwei erwähnt werden, die für den Typographen von Fach ein ganz besonderes Interesse haben: seine Oratio dominica und sein Manuale tipographico.

Oratio dominica.

Als der Papst Pius VII. im Jahre 1805 auf seiner Rückreise von Paris, wo ihm in der Staatsdruckerei die Oratio dominica durch Marcel überreicht worden war, durch Parma kam, forderte er Bodoni auf, zu zeigen, dass Italien ein ähnliches Werk liefern könne. Bodoni wollte nun die Pariser Ausgabe noch übertreffen und lieferte auch, und zwar in sehr kurzer Zeit, die seinige in 155 Sprachen; 51 asiatischen, 82 europäischen, 12 afrikanischen und 20 amerikanischen, allerdings nur, indem die Propaganda ihn mit ihren Vorräten unterstützte.

Manuale tipographico.

Das Manuale tipographico del Cavaliere Giambattista Bodoni, zwei Bände in kleinem Folio, wurde erst 1818 von seiner Witwe herausgegeben. Es enthält auf 87 Seiten eine Einleitung der Witwe und 267 Seiten Proben. Die erste Serie bringt auf 144 Blatt die Caratteri latini tondi e corsivi, eine Sammlung von Antiqua- und Cursivschriften, wie sie in solcher Vollständigkeit, Vollendung und einheitlichen Durchführung sonst wohl selten oder nie gefunden wird. Bodoni schnitt folgende 22 Grade: Parmigianina, Nonpariglia, Mignona, Testino, Garamoncino, Garamone, Filosofia, Lettura, Silvio, Soprasilvio, Testo, Parangone, Ascendonica, Palestina, Canoncino, Sopracanon, Canone, Corale, Ducale, Reale, Imperiale, Papale. Darauf folgen 85 Blatt Versalien, Antiqua-, Cursiv- und Schreibschriften. Der zweite Band enthält 59 Blätter Griechisch, 33 Blätter Orientalia, darauf, zwischen Malabarisch und Russisch, zwei Blätter Caratteri tedeschi, in einer Ausführung, die allerdings nahe ans Malabarische grenzt. Die russischen Schriften sind auf 82 Blättern sehr reich und schön vertreten. Den Schluss machen 91 Blatt Fregi (Einfassungen), Linien und Diverse, die ohne Bedeutung sind.

Das Ganze bildet ein Druckwerk ersten Ranges. Der tiefschwarze und doch mit wenig Farbe erzielte Druck, die Schärfe der Schrift, die Einfachheit und das Ebenmass des Ganzen, das schöne milchweisse Velinpapier, ohne den schädigenden Glanz der Satinage, haben ein Kunstwerk zuwegegebracht, welches das Studium jedes Gutenberg-Jüngers verdient.

Bodonis Schriften wurden nicht allein in Italien überall verbreitet, sondern fanden auch Eingang in Berlin durch Decker und Unger, in Leipzig durch Breitkopf, in der Schweiz durch Gessner, in London durch Nicholls, in Kopenhagen und an andern Orten.

Krankheit und Tod.

Bodoni war von der Natur kräftig, schadete sich aber durch übermässiges Arbeiten. Er bezeichnete sich selbst als einen Galeerensklaven und war in der That an die Druckerei wie angeschmiedet. Seit Jahren an Podagra leidend, liess er sich durch Schmerz und Ungeduld verleiten, als Kur innerhalb je 12 Stunden 36 Pfund heisses Wasser zu trinken, und er würde dies noch weitergetrieben haben, wäre er nicht durch Ohnmachten daran gehindert worden. Die Folge war eine Schwächung des Magens, die nicht wieder gehoben werden konnte. Am 30. November 1813 unterlag er, und am 2. Dezember rief die grosse Glocke des Domes die Bürger Parmas zu der feierlichen Beerdigung ihres hochverdienten Mitbürgers.

Bodonis Denkmal in Saluzzo wurde am 20. Oktober 1872 eingeweiht. Es stellt ihn in ganzer Figur vor, umgeben von den Werkzeugen seiner Kunst.

Verdienste.

Bodoni leistete vieles ganz ausserordentlich Schöne, doch entstanden die Produkte seiner Pressen zumteil mehr aus typographischem Ehrgeiz als aus dem Wunsch, höheren, veredelnden Zwecken zu dienen, wie dies in der Vergangenheit das Ziel seines grossen Landsmannes Aldus gewesen oder in seiner Zeit das der Didots war. Er huldigte öfters zu sehr dem Luxusdruck ohne eigentlichen Zweck. Sein Wirken erhellte deshalb zwar eine zeitlang den typographischen Himmel Italiens, es war jedoch nicht mit dem erwärmenden, fruchtbringenden Licht der Sonne zu vergleichen, sondern mehr mit der prachtvollen, die Augen entzückenden Erscheinung eines glänzenden Meteors, welches ebenso unvermutet zum Vorschein kommt, als es rasch verschwindet.

Die Typographie in Italien.

So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bücher, die in einem Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zölle, die gleich einem Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem Auslande bot die grössten Schwierigkeiten.

Statistisches.

Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835 wurden 2819 Werke in 4295 Bänden herausgegeben. 1836 zählte man, einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur 185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und Turin, je 8 in Palermo und Florenz.

Die 1848 in Piemont eingeführte Pressfreiheit trug zwar bald Früchte, jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen. Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei deren Einführung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht des Satans über sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911 Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und nahe an 11000 Personen beschäftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele, selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten drucken lassen.

Die buchhändlerische Produktion, welche 1863 4243 Werke betragen hatte, war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze Produktion 15973 Nummern betrug[139].

Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals zeigte sich die grösste journalistische Thätigkeit in dem Norden, dem eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zählte derzeit über 100 Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben waren politischen Inhalts; 75 erschienen täglich, 65 zwei- bis dreimal, 179 einmal wöchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals Florenz mit 101, während Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit 1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung über Florenz und Turin gewonnen, Rom zählte 109; ihm folgte Florenz mit 107 auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer aller Zeitschriften betrug 1¾ Millionen Stück. Die Post versandte jährlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Städtchen hängt an seinem Lokalblättchen.

Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhältnissen entwickelt, geht schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen waren, unter welchen 159 Tageszeitungen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthätigkeit der einzelnen Städte.

Venedig.

Venedigs hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk Le fabbriche più cospicue di Venezia, zwei Bände in Folio, gehörte. Aus alter Zeit hat sich nur die armenische Offizin Mechitaristen.der Mechitaristen auf der Insel S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch existiert und für welche die Offizin eine Monatsschrift Pasmaveb (der Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bände erschienen. Die Akademie erwählte auch auswärtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zählte, der oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehören der Thesaurus linguae armenicae und die Chronik des Eusebius in armenischer, lateinischer und griechischer Sprache, sowie das Dizionario armeno-letterale. Als Probe ihrer Produktionsfähigkeit liessen die Brüder-Typographen 1837 die Preces sancti Nercetis in 24 Sprachen erscheinen[140].

In Udine erschien bei den Brüdern Mattiuzzi eine schöne Ausgabe von Vitruvii Pollionis Architectura, vier Bände in Quart, 1825.

Panfilo Castaldi.

Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem Städtchen Feltre, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst — selbstverständlich nicht Gutenbergs, sondern des Italieners Panfilo Castaldi — enthüllt wurde.

Der Prätor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte der Stadt Feltre: »Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio, Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische Sprache zu studieren. Er führte die Druckkunst nach Deutschland, übte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste Erfinder ist, »„wie aus den Chroniken von Feltre erhellt««, Pamfilio Castaldio gewesen“.

Recht schade ist es, dass diese „erhellenden Chroniken“ nicht existieren. Indes dies geniert die „späteren Zeugen“, die auf Cambruzzi fussen und ihn sogar fälschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen errichtet wurden. Fast möchte man aber glauben, dass es Italien besser angestanden hätte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus Manutius, ein würdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der Erfindung bisher umhüllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man nicht Erfindern à la Castaldi und Coster Denkmäler errichten sollte.

In jüngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu eröffnen. Wie damit eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht leicht ersichtlich[141].