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Fußnoten:

[226] Vgl. Mahan, Teil I (Seite 168 ff.), von mir bei Vorstehendem zu Rate gezogen und auch stellenweise angeführt.

[227] Clowes, Teil II, Seite 244. Er gibt hier zum letzten Male eine genaue Gesamtliste, später nur noch Veränderungen.

[228] Hauptquelle: de Jonge, Teil III.

[229] De Jonge, Teil III, Beilage VII und VIII.

[230] Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre: „Tourville“.

[231] Delarbre „Tourville“, Seite 194.

[232] Nach de Jonge, Teil III, und Clowes, Teil II, worin die Ereignisse für die betreffende Nation genannt; in ersterem auch besonders über die Vorbereitungen, z. B. Geheimhaltung und Beschaffung der Mittel, sowie in Beilage I, Aufzählung der holländischen Schiffe für die Expedition, genaue Angabe der Truppen, Instruktionen für Herbert und Evertsen.

[233] Nach Clowes, Teil II, Bonfils, Teil I, Troude, Teil I; sie stimmen nicht ganz überein, selbst nicht die französischen Quellen unter sich. Doch ist dies von wenig Belang, da das Gefecht ohne taktisches Interesse.

[234] Diese und noch folgende Auszüge aus Berichten Herberts und Befehlen von London vgl. z. B. Colomb, Seite 115.

[235] Gunfleet: Bänke östlich von der Themse von Foulness bis Harwich; ein geeigneter, sicherer Ankerplatz für große Flotten.

[236] Hier benutzt: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III, am ausführlichsten, was die Holländer betrifft; Delarbre; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil I.

[237] Munitionsmangel herrschte bei allen drei Nationen und wird überall der schlechten Ausrüstung, nicht der Dauer der Aktion zugeschrieben.

[238] In Delarbre „Tourville“, Seite 349 ff., findet man den Befehl (vom 20. Mai) sowie Berichte Tourvilles mit Vorstellungen dagegen; aus diesem Schriftwechsel ist das geringe seemännische Verständnis des Ministers zu ersehen.

[239] Etwas Genaueres hierüber in Troude, Teil I.

[240] Nach Delarbre „Tourville“ im Auszuge; dieses Werk ist hier besonders benutzt, vergleichend mit anderen französischen Quellen, aber auch mit Clowes, Mahan, de Jonge.

[241] Nach de Jonge, Teil III, Beilage XV; Clowes, Teil II; Troude, Teil I; Bonfils, Teil I; Delarbre. Mit Ausnahme de Jonges geben diese Quellen die Namen der Schiffe und der Kommandanten.

[242] Delarbre „Tourville“, Seite 197.

[243] Chab.-Arnault, Seite 94.

[244] Zusätze nach anderen Quellen gebe ich in [—], besonders nach Clowes und de Jonge, weitere Hauptquellen sind Bonfils; Troude. Kurz in Mahan, Teil I.

[245] In Delarbre „Tourville“ findet man die genauen englischen, holländischen und französischen Berichte.

[246] Die (ungefähren) Angaben über die Anzahl der Linienschiffe bei diesen sind aus de Jonge, Teil III, entnommen.

[247] Die Bombardements der französischen Küstenstädte in diesen Jahren etwas genauer in Bonfils, Teil I, und in de Jonge, Teil III.

[248] D. h. sie lagen nach Zurückweichen des Wasser bei Ebbe auf dem Strande.

[249] De Jonge, Teil III führt in Beilage XVII 49 Linienschiffe, darunter 9 über 90 Kanonen, im Kanal, Mittelmeer und gegen Dünkirchen allein für Holland auf.

[250] Hauptquellen: Chabaud-Arnault, Seite 99; Bonfils, Teil I, Seite 352, 357; Mahan, Teil I, Seite 188; de Jonge, Teil III, an verschiedenen Stellen.

[251] Z. B. in den soeben angeführten Quellen; für die englische Marine im Clowes, Teil II, Kap. „minor operations“.

[252] Vgl. Mahan, Teil I, Seite 188 und Seite 126–132. Von Mahans Auslassungen ist bereits früher (Seite 305) ein Auszug gegeben, an den gewissermaßen hier angeschlossen wird.

[253] Etwas genauer geschildert in Colomb, Kapitel XI, XII; in Bonfils, Teil I; in Clowes, Teil II, „minor operations“. In Zimmermann „Europäische Kolonien“, Band II und IV ist näher auf die Kriege Englands und Frankreichs um Kanada usw. eingegangen.


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Neuntes Kapitel.
Der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713.

Die politischen Verhältnisse und Verhandlungen vor Ausbruch des Krieges.[254] Auch dieser Krieg erscheint in der Hauptsache nur als ein großer europäischer Festlandskrieg, ist aber doch von der größten Bedeutung für die Seekriegsgeschichte. Er wird schon ebensosehr durch die Eifersucht der Staaten in maritimen Interessen wie durch Streit um Länderbesitz hervorgerufen; in Beziehung auf maritime Interessen sind seine Folgen von großer Wirkung. In ihm entscheidet sich der Kampf der drei großen Seemächte um die Herrschaft auf dem Meere. England erringt den von jetzt an kaum noch bestrittenen ersten Platz. Große Aktionen zur See bringt dieser Krieg noch weniger als der Pfälzische Erbschaftskrieg. Der Einfluß der Seestreitkräfte auf den Verlauf ist zwar besonders auf seiten der Gegner Frankreichs groß, aber er besteht, ähnlich wie in dem vorigen Kriege von 1694 an und noch mehr, fast nur in dem geräuschlosen andauernden Drucke, mit dem die Seemacht arbeiten kann, indem sie dem Feinde die Hilfsquellen abdämmt, während sie die eigenen offen hält. Aus diesen Gründen wird sich schon die Schilderung des Spanischen Erbfolgekrieges ebensosehr mit genauer Auslassung über die vorstehenden Punkte — Ursachen und Folgen des Krieges in maritimer Hinsicht; Einfluß der Seemacht — wie mit der Beschreibung kriegerischer Ereignisse zu beschäftigen haben.

Wie der Name sagt, gab die Thronfolge in Spanien — beim Aussterben des habsburgischen Zweiges — den Anlaß zum Kriege; schon vor dem Tode des letzten Königs, Karls II., beschäftigte diese Frage die Kabinette. Es handelte sich darum, ob der Nachfolger aus dem Hause Bourbon oder aus dem habsburgischen Zweige, der in Österreich regierte, hervorgehen sollte. Diese Häuser waren erbberechtigt: In erster Linie durch die beiden Schwestern Karls II., von denen Maria Theresia mit Ludwig XIV. und Margarete Theresia mit Kaiser Leopold I. verheiratet gewesen waren; in zweiter Linie auch schon durch die beiden Schwestern König Philipps IV., von denen Anna die Gemahlin Ludwigs XIII. und Maria Anna die Kaiser Ferdinands III. gewesen waren (die Mütter Ludwigs XIV. und Leopolds I.).

Ludwig XIV. und Leopold sahen wohl ein, daß die übrigen Staaten nicht zulassen würden, Spanien mit ihren Ländern zu vereinigen, sie traten deshalb für ihre Person und ihre Thronfolger zurück. Ludwig verlangte den spanischen Thron für seinen Enkel Philipp von Anjou (einen „jüngeren“ Bruder), Leopold für seinen zweiten Sohn (aus dritter Ehe).

Maria Theresia hatte bei ihrer Verheiratung auf die Erbfolge verzichtet; das einzige Kind Margarete Theresias verzichtete zugunsten ihres Vaters auf die Thronfolge in Spanien, als sie sich mit Max Emanuel von Bayern verband, doch erkannten weder Ludwig XIV. noch der Kurfürst diese Verzichte an. Erbberechtigt erschienen so: Der Dauphin von Frankreich, der Kurprinz von Bayern und der älteste Sohn Leopolds; der Dauphin und Leopolds Sohn auch schon von den Schwestern Philipps IV. her.

Man mußte sich also vereinbaren und legte Wert auf die letzte Willensmeinung des Königs von Spanien. Dieser war seinen deutschen Verwandten zugeneigt, aber die Partei der Königin arbeitete, von Frankreich beeinflußt, für das Haus Bourbon. Für die anderen Staaten handelte es sich aber im Hinblick auf das politische Gleichgewicht nicht nur darum, an welches der beiden Häuser Spanien fallen, sondern wohl noch mehr darum, ob es in seinem ganzen ungeheuren Umfange bestehen bleiben sollte. Dies war besonders wichtig für die Seenationen, weil bei ihrer Auffassung des Gleichgewichts der Einfluß der neuen politischen Gestaltung auf Handel und Schiffahrt, auf die Beherrschung des Ozeans und des Mittelmeeres schwer ins Gewicht fiel.

Zu Spanien gehörten: Neben Mailand und anderen Provinzen in Norditalien der Süden dieser Halbinsel, Sicilien, Sardinien, die Balearen; die spanischen Niederlande; auf der westlichen Halbkugel Kuba, Portorico und die großen Staaten Südamerikas, deren Bedeutung für den Handel man gerade zu erkennen begann; endlich große Besitzungen in Indien. Solange Spanien wie in den letzten Jahrzehnten ohnmächtig war, hatten die Seenationen gleichgültig auf diese große Ausdehnung, gerade in maritimer Hinsicht, geblickt. Anders wurde die Sachlage für sie, wenn eine stärkere Regierung in Spanien das Ruder führte, die vielleicht gar einen Rückhalt an einer anderen Großmacht hatte; wir werden sehen, daß während aller Verhandlungen, später während des Krieges und endlich beim Friedensschluß diese maritimen Interessen von größtem Einfluß waren.

Wegen der Wichtigkeit in maritimer Hinsicht — aber auch wegen des Charakters Ludwigs XIV. — mußte ein Erfolg Frankreichs bei der Lösung der Frage des Seenationen bedenklicher erscheinen als der der Gegenpartei; die Verhandlungen der Kabinette näherten sich infolgedessen immer mehr einer neuen Allianz gegen Frankreich, und wieder wurde Wilhelm III. von England die Seele dieser Bewegung. England und Holland fürchteten ganz besonders, wenn ein Bourbon den Thron Spaniens bestieg, den Einfluß Frankreichs in den spanischen Niederlanden, ein französisches Handelsmonopol im spanischen Amerika und die Beherrschung der Straße von Gibraltar zugunsten Frankreichs; dieses erschien ihnen sowohl im Hinblick auf den Handel wie vom militärischen Standpunkte aus gefährlich; hatte ihnen doch im letzten Kriege Cadiz als Stützpunkt gegen die Verbindung der französischen Streitkräfte von Toulon und Brest gedient.

Die Seenationen machten nun zunächst einen Vermittlungsvorschlag (im Haag 1688): Joseph, der Kurprinz von Bayern, sollte Spanien, Indien und die Niederlande erben; an Karl, des Kaisers Sohn, sollten Mailand und an einen Sohn Ludwigs Neapel und Sicilien fallen. So waren alle Erbberechtigten bedacht, und auch sie erreichten ihren Zweck; Frankreich erhielt zwar eine stärkere Stellung im Mittelmeer, aber dieser glaubten die Regierungen der Seestaaten gewachsen zu sein. Ludwig ging auf diesen Vorschlag ein, vielleicht nur um im Bunde mit England und Holland den Kaiser zu schrecken oder um für seine Umtriebe in Madrid Zeit zu gewinnen. Der Kaiser jedoch widersetzte sich, da er seiner Familie gerade die Mittelmeerstellung erhalten wollte, und alles flog in die Luft, als der Kurprinz 1699 plötzlich (an Gift?) starb.

In Spanien war die öffentliche Meinung gegen jede Lösung der Frage, die das Reich zersplitterte, und der Partei der Königin gelang es, den König zu bestimmen, in seinem Testament (Oktober 1700) Philipp von Anjou als Thronfolger einzusetzen; der König starb am 1. November 1700. Ludwig XIV. erkannte das Testament an, ohne auf seine Verhandlungen mit den Seemächten Rücksicht zu nehmen; er ließ seinen Enkel zum König ausrufen und sandte ihn im Januar 1701 nach Spanien. Anjou fand dort keinen Widerstand, er zog im April als König Philipp V. feierlich in Madrid ein; auch in Mailand und Neapel wurde er anerkannt, ebenso vom Papst und von Mantua. Er war aber ganz auf Frankreichs Unterstützung angewiesen, da in Spanien Heer und Flotte gänzlich verfallen waren.

Bei seiner Abreise sagte ihm Ludwig: „Sei ein guter Spanier, das ist deine erste Pflicht, aber vergiß auch nicht, daß du ein geborener Franzose bist, um stets die Verbindung zwischen beiden Ländern und damit den Frieden Europas aufrecht zu erhalten.“ Ludwig frohlockte auch schon mit dem Ausspruch: „Es gibt keine Pyrenäen mehr!“ Sein Triumph war berechtigt: die Vereinigung der Länder beim Hause Bourbon versprach große Vorteile für Frankreich, schon weil dieses dadurch einen alten Feind im Rücken verlor, der trotz seiner Schwäche oft die Erweiterungspläne nach Osten behindert hatte. Tatsächlich haben ja auch die beiden Königreiche dann lange Zeit, mit nur kurzer Unterbrechung, in einem auf Familienbeziehungen beruhenden Bündnisse gelebt, das nur wegen Spaniens Ohnmacht nicht gefährlich für das übrige Europa wurde.

Nun drohte der Krieg; die Bevölkerung der Seestaaten wollte aber nach den Leiden des letzten Kampfes noch Ruhe haben. Man versuchte deshalb, Ludwig zu einigem Nachgeben zu bewegen, und machte einen neuen Vermittlungsvorschlag, nach dem Anjou Spanien behalten sollte, aber Frankreich keine Handelsbevorzugung in den Kolonien gewähren dürfe; die italienischen Provinzen sollten sämtlich an Karl fallen, wodurch dem vorhin erwähnten Anspruch des Kaisers genügt wäre. Den Seemächten erschien es für ihre maritimen Interessen weit unbedenklicher, Süditalien in habsburgischen Händen zu sehen als in bourbonischen; es ist bemerkenswert, daß diese Lösung der Frage annähernd schließlich das Ergebnis des zehnjährigen Krieges wurde.

Ludwig XIV. war aber inzwischen schon weiter gegangen, indem er im Februar, im Einverständnis mit dem spanischen Statthalter, aus den Festungen der spanischen Niederlande die holländischen Besatzungen vertrieben hatte, die dort nach altem Vertrage zum Schutze dieser Provinz und somit Hollands selbst lagen. Nun begann Holland zu rüsten und auch der Kaiser sammelte Truppen (Prinz Eugen), um sich die Lombardei zu sichern. Ludwig sandte sofort ein Heer (Catinat) nach Oberitalien, um den Österreichern den Weg zu verlegen; hier begann der Krieg schon im Mai 1701.

Der Kaiser war zunächst noch in bedrängter Lage. Infolge der Türkenkriege war der Schatz erschöpft und in Ungarn erforderten neue Unruhen ein Heer; Ludwig hatte Savoyen sowie die Kurfürsten von Bayern und Köln für sich gewonnen, auch ganz Italien stand gegen den Kaiser; mit ihm gingen allerdings die meisten anderen deutschen Fürsten, besonders Preußen und Hannover, die er sich durch Gewährung der Königs- und Kurfürstenwürde verpflichtet hatte.

Die neuen Versuche der Seemächte, auf friedlichem Wege ihren Zweck zu erreichen, hatten auch keinen Erfolg. Ludwig gab nicht nach, und wie Holland genötigt war, zu seinem eigenen Schutze zu rüsten, so wurde auch in England die Stimmung feindlicher. Schon der erste Teilungsvorschlag war hier dem Volke nicht genehm gewesen, weil durch ihn Neapel und Sicilien unter französischen Einfluß gekommen wären; jetzt sprach sich das Parlament offen gegen jede Lösung der Frage aus, die Frankreichs Herrschaft im Mittelmeer stärke, und gab dem Könige freie Hand, eine neue große Allianz gegen Ludwig XIV. herbeizuführen. Im September 1701 schlossen die Seemächte einen geheimen Vertrag mit dem Kaiser, in dem folgende Grundzüge für einen bevorstehenden Krieg niedergelegt wurden: Besetzung der spanischen Niederlande zum Schutze Hollands; Eroberung der italienischen Provinzen für den Kaiser; Berechtigung der Seemächte, außereuropäische spanische Besitzungen für sich zu erobern. Keiner der Verbündeten solle allein mit Frankreich in Unterhandlung treten und ohne sicherzustellen, daß niemals Frankreich Spanisch-Indien erhielte oder dort Handelsbeziehungen anknüpfe, endlich daß England und Holland die Handelsvorrechte behielten, die sie unter dem verstorbenen Könige besessen hatten. Diese Bedingungen entsprachen also dem letzten Teilungsvorschlage: Anjou wurde als König anerkannt, aber die Seenationen sicherten sich große maritime Vorteile und berücksichtigten doch die Ansprüche des Kaisers — deutsche Truppen mußten ja in erster Linie den Landkrieg führen.

Zum Ausbruch des allgemeinen Krieges kam es aber noch immer nicht. Holland wollte nicht ohne England losschlagen, und hier konnten sich die Handelskreise noch nicht entschließen, noch nicht von dem Eindruck der Verluste im letzten Kriege freimachen. In diesem kritischen Augenblicke starb Jakob II. (16. Dezember 1701) und Ludwig ließ sich bewegen, trotz der Bedingung im Frieden von Ryswijk dessen Sohn als König Jakob III. von England anzuerkennen. Dies faßte das englische Volk als Drohung und Beleidigung auf, und das Parlament bewilligte jetzt alle verlangten Mittel zum Kriege sowie Subsidien für Deutschland. Wilhelm III. starb zwar am 8. März 1702, doch die Königin Anna blieb seiner Politik treu; der Herzog von Marlborough wurde nicht nur in England, sondern für die Verbündeten überhaupt, die in diesem Kriege treibende Persönlichkeit, wie es früher Wilhelm von Oranien gewesen war. In den Niederlanden, wo kein neuer Statthalter gewählt wurde, gelang es dem Ratspensionär der Staaten von Holland, Heinsius, die Politik im Sinne Wilhelms fortzuführen. Im Mai 1702 wurde der Krieg erklärt.

Die Kriegserklärung erging: von Holland an die Könige von Frankreich und Spanien; von England an den König von Frankreich und an Spanien, da Anna nach der Proklamation Jakobs zum Könige von England Philipp nicht mehr als Herrscher anerkannte; vom Kaiser an den König von Frankreich und an Philipp von Anjou, da er Spanien als Eigentum seines Hauses ansah.

In dem Kriegsplane der Verbündeten trat bald eine, für uns besonders wichtige, Veränderung ein. Im Jahre 1703 wurde von allen Verbündeten Karl von Österreich als Karl III. zum Könige von Spanien ausgerufen. Portugal trat dem Bunde bei und Karl sollte mit Unterstützung dieses Landes sowie der Seemächte sein Reich erobern. In Spanien hatte er besonders in Katalonien und Aragonien Anhänger, während die südlichen Provinzen und besonders Kastilien auf seiten Philipps standen.

Der König von Portugal, Dom Pedro II., hatte aus Furcht vor Frankreich Anjou anerkannt, obgleich er im Herzen sein Gegner war; auch er fürchtete für die Zukunft den wachsenden Einfluß Frankreichs in Spanien. Österreich versprach ihm nun Abtretung spanischen Gebietes, England Geldhilfe. Er wollte sich aber nicht erklären, ehe nicht Karl in Lissabon gelandet und damit den Verbündeten die Verpflichtung erwachsen sei, auch auf der Pyrenäischen Halbinsel in einen Landkrieg einzutreten.

Gleichzeitig schlossen Portugal und England den Methuen-Vertrag — benannt nach dem die Verhandlungen führenden englischen Gesandten —, des Inhalts, daß England sich verpflichtete, die Einfuhr der Weine Portugals, Portugal die der englischen Fabrikate zu begünstigen. Wenn der Vertrag auch scheinbar beiden Teilen gleich günstig war, so brachte er doch tatsächlich den Handel Portugals ganz in Englands Hände und führte das Gold Brasiliens über Lissabon nach England; ein Vorteil, der schon in diesem Kriege von Nutzen und von Wichtigkeit wurde.

Von dieser Zeit an blieb Portugal notgedrungen, weil es von England mehr zu hoffen und mehr zu fürchten hatte als von irgend einer anderen Macht, ein treuer Bundesgenosse Englands, mit dessen Häfen als Stützpunkten die englische Seemacht rechnen konnte.

Damit wurden die Seemächte in einen großen Landkrieg auf der Pyrenäischen Halbinsel verwickelt und mußten ihre Seestreitkräfte vornehmlich dafür verwenden, während sich bei der einfachen Durchführung des Vertrages vom September 1701 die Kriegführung zur See wohl neben dem Mittelmeer in großem Maße auf die überseeischen Gewässer und die Kolonien erstreckt haben würde. Wenn bisher mehrfach gesagt ist, in diesem Falle würden die Seestreitkräfte im Mittelmeer nicht nötig gewesen sein, so ist dies nicht richtig. Auch nach dem ersten Kriegsplane lagen wichtige Aufgaben für die Flotten im Mittelmeer, und es dürfte jetzt kein Zweifel mehr sein,[255] daß Wilhelm III. und nach ihm Marlborough vom Beginn des Krieges an und während seines ganzen Verlaufes eine Stärkung der Macht Englands im Mittelmeer im Auge hatten, insbesondere die Beherrschung der Straße von Gibraltar; schon bei den Verhandlungen über die Teilung Spaniens verlangte Wilhelm, daß England einen Hafen an der Straße (Ceuta oder Oran) sowie einen oder zwei innerhalb dieser (z. B. Port Mahon) erhalten müsse, wenn ein französischer Prinz den Thron Spaniens bestiege.

Auch der Herzog von Savoyen, der anfangs auf französischer Seite stand, trat 1703 der großen Allianz bei; aus dem hochmütigen Auftreten Philipps V., seines Schwiegersohnes, ihm gegenüber schloß er, daß er sich auf Versprechungen Ludwigs doch nicht verlassen könne.

Der allgemeine Verlauf des Krieges. Der Landkrieg spielte sich in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien ab. Nur auf den beiden letztgenannten Kriegsschauplätzen griffen die Seestreitkräfte in den Kampf ein, es ist aber doch nötig, einen Überblick über den Gesamtkrieg zu geben — in dem so viele berühmte Generale fochten —, um den Einfluß des Seekrieges zu verstehen und zu würdigen.

Im Jahre 1701 besetzte Ludwig XIV. die spanischen Niederlande und sandte ein Heer unter Marschall Catinat nach Italien, um den Österreichern unter Prinz Eugen bei der Veroneser Klause den Weg nach der Lombardei zu verlegen; Prinz Eugen aber gelang es, über die Gebirge den Feind zu umgehen und im Mai bei Verona in seinem Rücken zu erscheinen. Obgleich weit schwächer, brachte er dann durch den Überfall bei Carpi (9. Juli) seinem Gegner eine Schlappe bei und schlug, als Catinat infolgedessen abberufen war, den weit weniger fähigen Marschall Villeroi bei Chiari (1. September), ja nahm ihn sogar durch Überfall bei Cremona (2. Februar 1702) gefangen.

Auch das ganze Jahr 1702 hindurch hielt sich Eugen gegen den Marschall Vendôme; 1703 wurde der Prinz als Präsident des Hofkriegsrates nach Wien berufen und bald darauf zur Niederwerfung des Aufstandes nach Ungarn gesandt.

Im Frühjahr 1702 begann der Krieg in den Niederlanden und in Deutschland. Der Herzog von Marlborough sollte mit einem englisch-holländischen Heere die spanischen Niederlande erobern und Ludwig von Baden gleichzeitig ein Reichsheer gegen Frankreich führen. Marlborough, durch Brandenburg von Cleve her unterstützt, fiel ins Kölnische ein und nahm Bonn; in den Niederlanden wurde er durch die vielen Festungen aufgehalten und konnte nicht vordringen, um Baden zu unterstützen. Dieser eroberte zwar Landau und schlug die Franzosen, die ihn umgehen wollten, zurück; er konnte aber nicht hindern, daß der Kurfürst Max Emanuel mit den Bayern ihn im Rücken bedrohte und die feste Reichsstadt Ulm besetzte.

Die Flotte der Verbündeten unternahm 1702 einen fruchtlosen Angriff auf Cadiz (August-September) und vernichtete die Silberflotte in Vigo (23. Oktober). Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, Portugal auf seiten der Gegner Frankreichs zu bringen; er zeigte ihm, daß eine die See beherrschende Macht (England) mehr Einfluß auf sein Schicksal habe als die Nachbarlandmacht (Spanien).

1703 vereinigte Marschall Villars die französische Rheinarmee mit der bayerischen an der oberen Donau; Ludwig von Baden würde den Gegnern erlegen sein, wenn diese einig gewesen wären. Aber der Kurfürst trennte sich von Villars und wandte sich nach Tirol, um sich mit Vendôme in Italien zu vereinigen. Er kam in dem von Truppen entblößten Lande bis zum Brenner, wurde dann durch das aufgestandene Volk unter schweren Verlusten (z. B. die Steinüberschüttung an der Pontlatzer Brücke) wieder verjagt. Vendôme, der von Italien aus in Tirol eindringen wollte, war vom Grafen Starhemberg, Eugens Nachfolger, weiter festgehalten. Auf diesem Kriegsschauplatze fanden die Österreicher jetzt Unterstützung an Savoyen, wenn auch dessen Herzog (sein Land von den Franzosen besetzt, Turin belagert, das Heer entwaffnet) sich zunächst auf den kleinen Krieg im Rücken der Franzosen beschränkt sah.

1704 machte Ludwig XIV. die größten Anstrengungen, eine baldige Entscheidung herbeizuführen, waren doch Portugal und Savoyen zu den Gegnern getreten; die Seemächte bereiteten einen Angriff von Portugal aus auf Spanien vor, mit Savoyen hatte er seine Rückendeckung in Italien verloren. Vendôme stand in Italien mit 60000 Mann, Villeroi in gleicher Stärke in den Niederlanden, der Hauptschlag sollte in Deutschland geführt werden. Hierzu waren 100000 Mann aufgeboten; sie standen zum Teil, mit den Bayern vereint, unter Marzin bei Augsburg, zum Teil unter Tallard, der Marzin verstärken sollte, endlich unter Coigny an der Mosel den Brandenburgern im Clevischen gegenüber. Baden stand mit nur 30000 Mann zwischen Marzin und Tallard in den Stollhofer-Linien. Zwar rückte Prinz Eugen heran, um ihm Luft zu machen, aber nur mit 20000 Mann. Aus dieser schwierigen Lage wurden die Verbündeten durch das selbständige Eingreifen ihrer beiden größten Feldherren, Eugen und Marlborough, die sich behufs Vereinigung in Einverständnis gesetzt hatten, befreit; der englische General war bereit, auf der gefährdeten Stelle zu erscheinen. Es war schwierig, denn in England durfte es nicht bekannt werden, weil Ludwig XIV. sonst sofort Kenntnis davon erhalten hätte, und die Generalstaaten wollten das Heer in den Niederlanden nicht geschwächt haben. Aber mit dem Ratspensionär Heinsius im Einverständnis ließ Marlborough nur die Holländer Villeroi gegenüberstehen und marschierte (im Mai) mit den englischen und den von Holland besoldeten deutschen Truppen nach dem Neckar. Wenn nun auch Villeroi zu Tallard eilte und Tallard Verstärkungen für Marzin absandte, so wurde dieser doch abgehalten, weiter auf Wien zu marschieren; er wandte sich nach Ulm, um Tallard zu erwarten.

Eugen, Marlborough und Baden vereinigten sich bei Groß-Heppach im Remstal. Baden, der gegen eine entscheidende Schlacht war, beanspruchte anfangs den Oberbefehl, doch einigte man sich darüber, diesen abwechselnd zu führen. Man rückte gegen Donauwörth vor, und als Marlborough am 2. Juli kommandierte, schlug er die Bayern am Schellenberge; Baden ward dann veranlaßt, Ingolstadt zu belagern. Eugen und Marlborough schlugen bei Höchstädt (Blindheim; englisch Blenheim) am 13. August mit 52000 Mann das feindliche Heer, 58000 Mann, unter Max Emanuel, Marzin und Tallard, ehe der schon in der Nähe befindliche Villeroi herankam. Tallard wurde mit 12000 Mann gefangen genommen; der Kurfürst und Marzin flohen auf Villeroi zurück; Ulm wurde den Bayern, Landau den Franzosen abgenommen. Die Sieger waren aber nicht stark genug, ihren Erfolg auszunutzen, doch wurde mit Höchstädt Deutschland von den Franzosen gesäubert und blieb in der Folge nur noch ein untergeordneter Kriegsschauplatz; Max Emanuel wurde geächtet — er führte später französische Heere in den Niederlanden — und Bayern trat von der französischen Verbindung zurück.

Die Tätigkeit der verbündeten Seestreitkräfte bestand im Jahre 1703 der Hauptsache nach nur darin, die französische Flotte in Toulon festzuhalten, im Jahre 1704 aber war sie von großer Bedeutung. Eine Flotte brachte Karl III. nach Lissabon, eroberte Gibraltar und trieb die französische, die diese Stadt decken oder wiedernehmen sollte, durch die Schlacht bei Malaga — die einzige Seeschlacht dieses Krieges — zurück; damit war die Erringung einer dauernden Seeherrschaft im Mittelmeer eingeleitet. Der Landkrieg in Spanien wurde in diesem Jahre nur erst schwach an der portugiesischen Grenze geführt.

Im Jahre 1705 sollte Marlborough die spanischen Niederlande, Eugen Italien von den Franzosen säubern, es gelang aber nicht; der Tod des Kaisers Leopold (11. Januar) trat verzögernd dazwischen, die Holländer zeigten sich lau, Eugen war nicht stark genug. Besser stand es auf der Pyrenäischen Halbinsel. Hier wurde die Wiedereroberung Gibraltars, schon seit dem Winter 1904 durch ein spanisches Heer unter dem französischen Marschall Tessé belagert, durch das Wintergeschwader der Verbündeten vereitelt und Spanien von zwei Seiten angegriffen. Das Vordringen von Portugal aus gegen Tessé kam zwar nicht vorwärts, aber mit Hilfe einer großen Flotte wurde Barcelona genommen (3. Oktober) und von hier aus Katalonien, Aragonien und Valencia erobert. Zwar sandte Ludwig XIV. früh im Jahre 1706 ein Heer unter Noailles nach Spanien, das von Norden her gegen Katalonien vorging, während Tessé von Westen herankam, und König Karl wurde auf Barcelona zurückgeworfen und dort mit Unterstützung einer französischen Flotte belagert. Aber auch diese Stadt entsetzte die verbündete Flotte (10. Mai), die französische Armee ging nach Frankreich zurück, die Verbündeten drangen von Portugal aus vor und zogen in Madrid ein (26. Juni); König Philipp floh nach Frankreich. In diesem Jahre wurden auch sonst Erfolge errungen. Marlborough schlug Villeroi bei Ramillies (23. Mai); Prinz Eugen, durch Brandenburger unter Leopold von Dessau verstärkt, drängte die Franzosen unter dem Herzog von Orleans (Nachfolger Vendômes) zurück und warf sie durch die Schlacht vor Turin (7. September) ganz aus Norditalien hinaus. Nur am Rhein konnte Ludwig von Baden kaum seine Stellung Villars gegenüber behaupten, da die Reichsstände ihre Kontingente nur unvollständig stellten.

Das Eingreifen der Flotte war in diesen beiden Jahren von großer Bedeutung: Entsatz von Gibraltar; Überführung des Heeres nach Katalonien; Eroberung Barcelonas und anderer Küstenstädte, sowie Mallorcas; Entsatz Barcelonas. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß die Erfolge stets im Winter wieder auf dem Spiele standen, wenn sich die Flotte zurückzog, weil man nicht wagte, sie im Mittelmeer überwintern zu lassen.

1707 stand Frankreich also sehr ungünstig da und wäre vielleicht niedergezwungen, wenn ein Plan Marlboroughs durchgeführt wäre. Dieser geniale Feldherr und Staatsmann versuchte schon seit Beginn des Jahres 1706, die verbündeten Regierungen zu einem Hauptangriff auf die Provence zu bewegen, um die lange französische Stellung von den Niederlanden bis Spanien in der Mitte zu durchbrechen und Frankreich auch im Mittelmeer von allen Zufuhren abzuschneiden, wie es an den anderen Küsten schon nahezu geschehen war. Prinz Eugen sollte mit dem Herzog von Savoyen, verstärkt durch englisch-holländische Truppen und unterstützt von der Flotte, den Stoß ausführen, gleichzeitig sollte ein kräftiger Vorstoß in den Niederlanden erfolgen und der Krieg in Spanien möglichst gefördert werden; auch mit einer stark wieder auflodernden Erhebung der Protestanten in den Cevennen, die 1703 entstanden und eben erst in der Hauptsache unterdrückt war, wurde gerechnet. Der Plan kam nicht zur vollen Durchführung: Der Vorstoß in den Niederlanden unterblieb; Eugen wurde nach seinen Erfolgen 1706 nicht nur nicht verstärkt, sondern sogar durch Abgabe von Truppen zur Eroberung Neapels für Karl III. (1707) geschwächt. Eugen drang zwar in die Provence ein und belagerte Toulon, beides unterstützt durch die Flotte, mußte aber nach Italien zurückgehen (Juli–August). Marlborough machte in den Niederlanden 1707 noch einige Fortschritte, am Rhein dagegen drangen die Franzosen nach Ludwigs von Baden Tode (Januar 1707) vor und wurden nur dadurch gehemmt, daß sie Truppen nach Toulon senden mußten. Der Vorstoß in die Provence hatte sonst nur den einzigen unmittelbaren Erfolg, daß die Franzosen eine große Zahl ihrer Linienschiffe in Toulon, die sie versenkt hatten, verloren.

Auch in Spanien hatte sich das Blatt schon im Herbst 1706 gewandt. Die Verbündeten konnten sich in Kastilien nicht halten, da sich das Volk erhob und ein neues französisches Heer erschien. Sie zogen nach Katalonien ab und Philipp V. traf wieder in Madrid ein (Oktober 1706). Bei dem Versuch 1707, unter dem Earl of Galway wieder gegen Madrid vorzudringen, wurden sie bei Almansa (25. April) geschlagen und ganz Spanien fiel bis auf Katalonien an Philipp zurück.

Schon 1707 war Ludwig XIV. zum Frieden geneigt; er unterhandelte, geheim und getrennt, mit dem Kaiser und mit England. Jener sah sich ungenügend vom Reiche unterstützt und hatte Aussicht, wenigstens Italien zu erhalten; in England war man gleichfalls wegen der Rückschläge in Spanien und wegen des Fehlschlages auf Toulon teilweise geneigt, doch Marlborough arbeitete dagegen und es wurden dann auch dem Kaiser neue Versprechungen gemacht. Marlborough hatte für England recht, das Ausharren sollte im nächsten Jahre belohnt werden.

Im Jahre 1708 schlugen Marlborough und Eugen den Marschall Vendôme bei Oudenaarde (11. Juli), viele Festungen fielen in ihre Hand und die Franzosen wurden aus Flandern sowie Brabant vertrieben. In Spanien machten die Franzosen kaum noch Fortschritte, dagegen wurde Sardinien und Minorca für König Karl erobert.

Die Tätigkeit der Seestreitkräfte war 1707 und 1708 zuerst eng an den Landkrieg geknüpft. Sie führten Verstärkungen von England und Holland nach Spanien, begleiteten längs der Küste den Vor- und Rückmarsch Eugens und wirkten bei der Belagerung Toulons mit; später sicherten sie die Überführungen deutscher Truppen von Italien nach Katalonien. Dann aber brachte die Flotte die Insel Sardinien unter Karls Oberhoheit (August 1708) und unterstützte die von Katalonien ausgehende (General Stanhope, September) Einnahme Minorcas. England sicherte sich wie bei Gibraltar durch alleinige Besetzung Port Mahon als Stützpunkt.

Zu Ende des Jahres 1708 war Ludwig in größter Bedrängnis: Italien und die Niederlande verloren; Spanien nur eben zu halten; das Heer geschwächt und das Land erschöpft. Er entschloß sich zu demütigenden Friedensverhandlungen; er wollte für Philipp nur Neapel behalten, das Elsaß, Straßburg, Lille, Tournay zurückgeben. Als ihm aber zugemutet wurde, selbst seinen Enkel mit französischen Truppen aus Spanien zu vertreiben, setzte er den Krieg fort; es sollte jetzt auch ein Umschlag eintreten.

1709 errangen zwar Eugen und Marlborough nochmals einen großen Sieg bei Malplaquet über Villars (11. September). Ludwig mußte seine Truppen aus Spanien zurückziehen, Karl III. drang wieder vor, siegte später (20. August 1710) bei Saragossa und zog jetzt endlich in Madrid ein. Philipp mußte aufs neue fliehen und auch Ludwig riet ihm nun, Spanien aufzugeben und sich mit Sicilien und Sardinien zu begnügen. Aber Philipp blieb im Vertrauen auf die Kastilier standhaft und auch Vendôme zog wieder zu Felde. Die Lage war günstiger geworden. Im Jahre 1710 begann der Bund gegen Frankreich zu verfallen. In England kam die Gegenpartei Marlboroughs ans Ruder, sie war gegen die Fortsetzung des Krieges. Auch im Volke war man zum Frieden geneigt; man war überzeugt, schon jetzt für sich so günstige Bedingungen zu erreichen, daß ein Mehr den weiteren Opfern nicht entsprechen würde. So begannen Unterhandlungen zwischen England und Frankreich, die eifriger betrieben wurden, als Kaiser Joseph (17. April 1711) starb. Karl III. kam dadurch auf den österreichischen Thron und auch seine Wahl zum Kaiser war vorauszusehen; England konnte aber nicht zulassen, daß jetzt Spanien mit Österreich vereinigt würde.

Dementsprechend gab England 1711 die Sache Karls in Spanien auf; diese war schon dadurch fast unhaltbar geworden, daß Vendôme im Dezember 1710 den österreichischen General Starhemberg bei Villa Viciosa völlig geschlagen und bald darauf den Engländer Stanhope mit seinen Truppen gefangen genommen hatte. Karl III. verließ Ende September 1711 Spanien und wurde am 12. Oktober als Karl VI. zum Kaiser gewählt. Schon am 8. Oktober ward zwischen England und Frankreich im geheimen ein gegenhabsburgischer Vertrag geschlossen und bald darauf eröffnete man die Friedensverhandlungen. Vergebens ging 1712 (Januar) Prinz Eugen nach England, um für seinen Freund Marlborough und für die gemeinschaftliche Sache einzutreten. Marlborough fiel völlig in Ungnade und wurde vom Kommando abberufen; sein Nachfolger unterstützte Eugen und die Holländer nicht mehr, sie wurden von Villars geschlagen (27. Juli bei Denain) und zurückgedrängt, Als dann Philipp V. auf die Thronfolge in Frankreich verzichtete und Ludwig XIV. diesem Verzicht staatsrechtliche Gültigkeit verlieh, wurde zwischen England (nebst Portugal) und Frankreich (nebst Spanien) Waffenstillstand geschlossen; der Friedenskongreß in Utrecht wurde eröffnet, dem Holland notgedrungen beitrat.

Der Flotte der Verbündeten fielen in den letzten Jahren des Krieges nur wenig in die Augen springende Aufgaben zu: Deckung von Truppen- und Zufuhr-Transporten von Italien nach Spanien; Hinderung der Verbindung Frankreichs über See mit Spanien, Afrika und der Levante; Druck auf die bourbonisch gesinnten Staaten Italiens. Diese Aufgaben ließen sich jetzt von Port Mahon, wo die Flotte ausrüsten und überwintern konnte, weit besser und vor allem ständig durchführen.

Wir haben die erfolgreiche Mitwirkung der Seestreitkräfte der Verbündeten während der ganzen Dauer des Krieges angedeutet. Daß die französische Marine ihnen nicht wirksamer entgegentrat, lag vornehmlich an ihrem Verfall infolge Geldmangels (vgl. Seite 425). In der ersten Hälfte des Krieges wurden ihr noch einige Male (1701, 1704, 1706) Aufgaben von Wichtigkeit gestellt. Sie konnte diese in ihrer Schwäche nicht lösen; das Vertrauen zu ihr sank und mit zunehmender Vernachlässigung schritt der Verfall fort. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges wurde nur Tatkraft im kleinen Kriege, besonders in den nördlichen Gewässern, entfaltet und auch dem Handel der Seenationen schwerer Schaden zugefügt. Hiergegen und gegen den französischen Handel operierten die Teile der englischen und holländischen Marinen, die im Mittelmeer nicht nötig waren; es geschah dies mit immer mehr Erfolg, weil auch hierin die Kraft der Franzosen nachließ und in den letzten Jahren die Flotte im Mittelmeer vermindert werden konnte.

Am 13. April 1713 wurde der Frieden von Utrecht geschlossen. Die Bedingungen waren ganz besonders günstig für England. Ludwig XIV. mußte die von England in Aussicht genommene Thronfolge des Hauses Hannover anerkennen, wodurch die protestantische Regierung in England gesichert war, und den Prätendenten Jakob ausweisen. England erhielt Gibraltar und Minorca — Stützpunkte für seine Seemacht im Mittelmeer, zu denen bei der engen Verbindung mit Portugal auch noch die Häfen dieses Landes traten — sowie in Amerika Neufundland, Akadia (die Kap Bretoninsel, der Schlüssel zum Lorenz-Golf verblieb noch bei Frankreich) und die französischen Besitzungen an der Hudsonbai — der erste Schritt zum Gewinn Kanadas. Von Frankreich und von Spanien erhielt England endlich sehr günstige Handelsverträge bewilligt. Der wichtigste dieser war der Assiento-Vertrag, durch den England allein von Spanien die Einfuhr von Negersklaven in Spanisch-Amerika gestattet wurde; schon an sich lohnend, wurde dieser Sklavenhandel noch wertvoller als Grundlage eines ungeheuren Schmuggelhandels. Von Frankreich an Portugal gemachte Zugeständnisse in Südamerika kamen ebenfalls England zugute.

Philipp von Anjou behielt den spanischen Thron und Spanien seine außereuropäischen Besitzungen; von den spanischen Niederlanden fielen Geldern an Preußen, dessen Königtum gleichzeitig anerkannt wurde, die übrigen Provinzen (Belgien) an den Kaiser, der auch Mailand, Neapel und Sardinien erhielt; an den Herzog von Savoyen, dem man gleichfalls den Königstitel zugestand, wurde Sicilien abgetreten.

Holland erhielt das Besatzungsrecht einiger Städte Belgiens — die „Barrierenstädte“, teils allein, teils im Verein mit Österreich —; die Sperrung der Schelde im Interesse der holländischen Häfen blieb auch für den Handel der jetzt österreichischen Niederlande bestehen; der Handelsvertrag mit Frankreich gab Holland dieselben Vorrechte wie England.

Das Deutsche Reich kam am schlechtesten weg. Die ungünstigen Bedingungen des Friedens von Ryswijk wurden bestätigt, nur seinen rechtsrheinischen Gewinn gab Frankreich zurück; die Kurfürsten von Bayern und Köln wurden aus der Reichsacht gelöst und erhielten ihre Länder wieder.

Die Bedingungen, die Österreich und das Deutsche Reich betreffen, wurden im Frieden von Utrecht nur vorgeschlagen und erst in späteren Sonderfrieden bestätigt. Der Kaiser setzte den Krieg fort; ohne die Subsidien der Seestaaten und von den Reichsfürsten nur mangelhaft unterstützt — die östlichen und nördlichen Staaten des Reiches waren in den nordischen Krieg (1700–1721; vgl. Kapitel X) verwickelt — konnte er aber dem Andringen Frankreichs (Villars gegen Eugen) nicht mehr widerstehen. Es schloß am 7. März 1714 den Frieden von Rastatt für Österreich und am 7. September den von Baden für das Reich mit Frankreich. Mit Spanien wurde von Österreich der Frieden noch nicht geschlossen (erst 1720); Karl verzichtete also noch nicht auf den spanischen Thron.

„Der Frieden von Utrecht ist ein Markstein in der Geschichte.“ Von ihm datiert Englands Vormachtstellung zur See; die von England gestellten Forderungen zeigten, daß es in vollstem Maße eine Seemacht geworden und sich dessen bewußt war. Wir kommen hierauf in den Schlußbemerkungen zu diesem Kriege zurück.

Über die Streitmittel (anschließend an Seite 417 ff.).

Da der Spanische Erbfolgekrieg der letzte große Seekrieg unseres dritten Abschnittes ist, soll die innere Geschichte der drei großen Marinen hier gleich bis zum Jahre 1739 fortgeführt werden. Wir haben sie kennen gelernt bis 1697; Als genannter Krieg 1702 ausbrach, hatte sich kaum etwas geändert; große Wandlungen aber sollten während des Krieges und in der Zeit bis zum Beginn des nächsten Zeitabschnittes in den Marinen vor sich gehen: die alte, stolze Marine Hollands verschwand nahezu ganz; die französische sank tiefer und tiefer; die englische schritt fort auf ihrem Wege zur Beherrschung der Meere.

In Holland beginnt mit dem Spanischen Erbfolgekriege der Verfall der Marine.[256] Wir haben gesehen, daß sie im vorigen Kriege noch mächtig dastand; Wilhelm von Oranien war bestrebt, sie auch nach dem Frieden von Ryswijk so zu erhalten, da er voraussah, daß der Friede nicht lange dauern würde. Es handelte sich zunächst darum, die nötigen Mittel zu beschaffen, da die Admiralitäten stark verschuldet waren, besonders die von Seeland, Amsterdam und der Maas, die fast allein die Schiffe gestellt und während des Krieges kaum von den eigenen Provinzen, geschweige denn von den Landprovinzen, die zustehenden Gelder empfangen hatten.

Die Admiralität Amsterdam z. B. hatte von der Provinz Holland 4840000 Gulden und von den andern 1900000 Gulden zu fordern; man war hier sogar den meisten Kapitänen einen 8–17 monatliches Gehalt schuldig.

Es gelang Wilhelm, die Generalstaaten zur Aufnahme einer Anleihe von 12 Millionen zu bewegen; die Admiralitäten wurden dadurch in den Stand gesetzt, die Schiffe auszubessern, die Magazine zu füllen und ihren Kredit wieder herzustellen. Man setzte den Bau der 18 Linienschiffe, die schon vor dem Frieden bewilligt waren, fort und beschloß 1701 weitere 12 (II. und III. Klasse) auf Stapel zu legen. Wilhelm brachte ferner die Formierung von drei Regimentern Seesoldaten durch, die sich, wie die der englischen Marine; im kommenden Kriege nicht nur an Bord, sondern auch am Lande in Spanien sehr gut bewährten.

Der Schiffsbestand hatte im vorigen Kriege meist gegen 90 Linienschiffe betragen. Um 1700 waren infolge der Verluste und Ausrangierungen nur noch 74 — darunter 15 I. Klasse, 80–96 Kanonen; 16 II. Klasse, 70 bis 74 Kanonen; 24 III. Klasse, 60–68 Kanonen — vorhanden, doch war durch die Neubauten für baldigen Ersatz gesorgt. Die Marine hätte somit im Spanischen Erbfolgekriege ebenso mächtig auftreten können wie im Pfälzischen Erbschaftskriege, aber der Tod Wilhelms trat hindernd dazwischen. Da kein neuer Statthalter gewählt wurde, zeigten sich die Übelstände der früheren statthalterlosen Zeit aufs neue; der Ratspensionär von Holland war zwar bestrebt, die Marine weiter zu pflegen, er besaß aber nicht den Einfluß, den Oranien und auch de Witt besessen hatten. Mit der Statthalterwürde fiel auch die Stelle des Admiralgenerals weg, dessen Befugnisse wieder geteilt an die Generalstaaten, an die Regierungen der Provinzen und an die Admiralitäten übergingen; dem Seewesen fehlte der Mittelpunkt und die treibende Kraft. Die Landprovinzen hatten wie früher kein Interesse oder kein Verständnis für den Seekrieg, der fern im Mittelmeer geführt wurde, aber auch die Seeprovinzen ließen sich öfters mehr von Privatinteressen — Schutz des Handels — leiten. Den Admiralitäten wurden außergewöhnliche Mittel, wie sie zum Bau und zur Indiensthaltung größerer Schlachtschiffe nötig waren, nicht mehr bewilligt; die gewöhnlichen Mittel, die nur für die Erhaltung der Schiffe zum Handelsschutz bemessen waren, gingen bald wieder unregelmäßig und unvollständig, von den Landprovinzen häufig gar nicht ein; durch die Indienststellungen für den Krieg gerieten die Admiralitäten bald wieder in Schulden. So kam es, daß von 1701–1713 nur 21 Linienschiffe, nicht einmal die Zahl der 1697 und 1701 bewilligten, gebaut wurden, obgleich Heinsius 1703, 1706, 1710 Neubauten beantragt hatte.

Der Verfall der Marine trat schon bei den Rüstungen während des Krieges zutage. Die Beratungen über die jährlichen Indienststellungen wurden spät begonnen und träge geführt, das dann Beschlossene entsprach nicht der Größe der Marine; die Ausführung wurde infolge Geldmangels verzögert, ja blieb häufig hinter dem Beschlusse zurück. Die Engländer erhoben gegen Ende des Krieges die Klage, Holland habe es anfangs an der Hälfte und von 1707 ab an 2/3 der nach der Abmachung zu stellenden Streitkräfte (England 5/8, Holland 3/8 der gemeinsamen Flotte) fehlen lassen.

Wenn de Jonge, wie wir gehört haben, nachdrücklich Wilhelm von Oranien gegen den Vorwurf in Schutz nimmt (vgl. Seite 419, 422), den Verfall der Marine verschuldet zu haben, so sagt er doch von diesem und von Heinsius später, daß sie beim Eingehen der Verbindlichkeiten für einen großen Land- und Seekrieg gleichzeitig die Kraft der Niederlande überschätzt hätten. Der Landkrieg nahm die Mittel sehr in Anspruch, für ihn stellte Holland ein weit größeres Kontingent als England. Der holländische Seehandel litt nicht allein durch den eigenen Krieg, sondern auch durch ungünstige Handelsverhältnisse in der Ostsee (nordischer Krieg; Epidemien an einzelnen Küsten dort), so daß auch die reichen Seeprovinzen die großen Opfer nicht mehr aufbringen konnten.

Es sind während des Krieges in Dienst gestellt, Linienschiffe:

1702 20 Mittelmeerflotte 15 nördliche
Gewässer
1707 16 Mittelmeerflotte 16 nördliche
Gewässer
Ferner: 8 Fregatten bei
der Mittelmeerflotte und
30–40 Convoi-Begleitschiffe
jährlich.
1703 12 22 1708 14 17
1704 18 17 1709 14 16
1705 20 15 1710 14   7
1706 18 12 1711 13

Der Frage, wie weit hiernach die englische Klage berechtigt erscheint, werden wir bei den Schlußbetrachtungen über den Krieg näher treten.

Kennzeichnend für die ungünstigen Verhältnisse aber ist, daß von 1707 an auf die Flotte im Mittelmeer aus Sparsamkeit nur ein Admiral kommandiert wurde; man erinnere sich an die übergroße Zahl der Flaggoffiziere auf den Flotten früherer Zeiten.

So hatte der Ruf der holländischen Marine schon während des Spanischen Erbfolgekrieges sehr gelitten, und es kann nicht wundernehmen, wenn die Engländer sie nicht mehr für voll ansahen, wenn bei gemeinschaftlichen Unternehmungen die englischen Befehlshaber auf die holländischen, wie diese häufig klagen, immer weniger Rücksicht nahmen.

Immerhin hat die holländische Marine in diesem Kriege noch eine Rolle gespielt, dann aber wurde ihr Verfall in wenigen Jahren ein vollkommener. De Jonge sagt: „Der Frieden von Utrecht ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Niederlande im allgemeinen und in der der Marine im besondern. Bis zu diesem Zeitpunkt sprach die Republik, gestützt auf ihre Seemacht, in allen großen politischen Angelegenheiten, in allen Kriegen und bei allen Friedensschlüssen ein gewichtiges Wort mit. Von jetzt an aber hält sie sich zurück, vermeidet den Krieg mit Ängstlichkeit, schließt Verträge über Verträge selbst mit Gefährdung der Ehre des Staates, um den Frieden zu erhalten, und verwahrlost ihre Land- und Seestreitkräfte.“ Wir werden der Marine der Niederlande von jetzt an nur noch als einer sehr untergeordneten begegnen, sie war nicht mehr imstande, den an sie herantretenden Anforderungen zu genügen.

Nach Utrecht blieb die Lage der Admiralitäten in dem traurigen Zustande, wie er nach dem Tode Oraniens eingetreten war. Außergewöhnliche Mittel wurden nicht mehr bewilligt, die Landprovinzen zahlten Jahre hindurch nicht einmal die gewöhnlichen Beiträge. Mühsam gelang es den Seeprovinzen, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Schulden ihrer Admiralitäten zu decken, darunter jahrelang rückständige Gehälter der Offiziere sowie Pensionen für Witwen und Waisen.

Von 1715 an erforderte der nordische Krieg eine Machtentfaltung Hollands (und Englands) in der Ostsee zum Schutze des Handels. In diesem Jahre gelang es noch, 12 Linienschiffe zu entsenden; 1716 waren es nur 2 Linienschiffe und 4 Fregatten, 1717 kein Segel. Die Folge war, daß in diesem Jahre nur 200 Kauffahrer zur Ostsee gingen gegen sonst 500. 1718 beabsichtigten die Generalstaaten deshalb, 30 Kriegsschiffe auszurüsten, aber nur 12 waren aufzubringen. Ähnlich war es im Mittelmeer, wo seit 1716 die Belästigung des Handels durch die Raubstaaten wieder zunahm. Erst 1721 konnte man 4 kleine Linienschiffe und 4 Fregatten dagegen aufstellen, später bis 1740 nur noch kleine Divisionen von Fregatten. 1727 und 1729 entsandte man allerdings 5 und 9 Linienschiffe. Diese waren aber ursprünglich in Dienst gestellt, da man eine Störung des europäischen Friedens befürchtete; welch unbedeutende Macht für einen solchen Fall! Gegen die Seeräuber mußte man Kaperbriefe ausgeben und die alte Bestimmung, nach der die Levantefahrer zum Selbstschutz stark armiert und bemannt sein sollten, wieder streng durchführen.

Man war nicht imstande, das Material in seiner Stärke zu erhalten; die Schiffe verrotteten auf den vernachlässigten Werften und der Ersatzbau war ganz unbedeutend. Bis 1723 wurden nur in Amsterdam 9 Schiffe gebaut, dann bis 1740 bei allen Admiralitäten etwa 50, unter allen diesen nur 30 Linienschiffe. Um 1740, bei Beginn des nächsten Abschnitts, war der Schiffsbestand: 1 zu 90 Kanonen, 1699 erbaut und in Seeland wohl nur deshalb erhalten, weil diese Provinz das Flottenflaggschiff zu stellen hatte; 5 zu 72 Kanonen, darunter 3 von 17151719 erbaut; 8 zu 64 Kanonen, 15 zu 52 bis 58 Kanonen. Insgesamt waren 29 Linienschiffe und 22 kleinere Fahrzeuge vorhanden, von denen 14 und 17 zu Amsterdam gehörten.

In gleicher Weise ging das Personal zurück. Bei den geringen Indienststellungen verließen in den Jahren nach dem Kriege viele Offiziere, Deck- und Unteroffiziere, den Dienst, um zu den großen Kompagnien oder ins Ausland zu gehen; der Dienst wurde nicht mehr gesucht. Die im Dienst bleibenden Offiziere wurden alt in ihrem Range und hatten keine Aussicht auf Beförderung, denn freiwerdende höhere Stellen blieben unbesetzt. Der Ersatz wurde infolgedessen ungenügend und, da die Stellen (auch in der Verwaltung) oft nach Gunst vergeben wurden, minderwertig. Auch für die Deck- und Unteroffiziere fand sich nur spärlicher und schlechter Ersatz; ebensowenig waren gute seeerfahrene Matrosen zum Eintritt zu bewegen. Selbst bei den wenigen Indienststellungen machte die Bemannungsfrage die größten Schwierigkeiten; Disziplin und Kriegsfertigkeit litten natürlich unter solchen Umständen. Zu Beginn des nächsten Abschnittes war Holland nicht imstande, auch nur ein größeres Geschwader schlagfertig in Dienst zu stellen; erst ein neuer Statthalter, Wilhelm IV. 1747, versuchte, die Marine wieder zu heben.

Als die Republik in den Österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen war, verpflichtete sie sich (April 1744), zu einer gemeinsamen Flotte mit England 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten zu stellen. Wer sollte dieses Kontingent kommandieren? In Seeland waren vorhanden: ein Leutnantadmiral, zu alt und zu gebrechlich, um an Bord zu gehen; ein Kontreadmiral, völlig taub; ein Vizeadmiral. Nach altem Brauch mußte aber der Leutnantadmiral von Holland führen und die Admiralitäten von Amsterdam und der Maas verfügten nur noch über einen Kontreadmiral von 72 Jahren. Dieser (Grove) wurde deshalb sofort zum Leutnantadmiral der Maas ernannt, drei schon bejahrte Kapitäne zum Leutnantadmiral von Amsterdam, zum Vize- und zum Kontreadmiral; außer Grove, der die Streitkräfte 1717/1718 in der Ostsee kommandiert, hatte keiner der neuen Flaggoffiziere je einen größeren Verband von Schiffen geführt. Von den zu stellenden Schiffen stießen zunächst nur 8 Linienschiffe und erst im August zu den Engländern — die Fregatten waren zur Aufnahme des ostindischen Convois entsandt — und als die vereinigte Flotte kaum vier Wochen in See war, mußten drei Schiffe wegen Krankheit an Bord einen Nothafen aufsuchen; weitere 8 Linienschiffe stießen erst im Winter zur Flotte. Um dieses Geschwader zu bemannen, hatte man Werbeoffiziere nach Hamburg, Bremen und Kopenhagen gesandt, aber dort nur wenig befahrene Matrosen erhalten; man mußte noch mit Sträflingen aus den Gefängnissen auffüllen. Brauchbare Unteroffiziere fehlten, Feuerwerkerpersonal mußte z. B. in Dänemark angeworben werden. Viele der Offiziere waren minderwertig, sie und auch die Kommandanten hatten keine Übung im Geschwaderfahren. Der tüchtigste der Admirale (Schrijver, mit 58 Jahren noch verhältnismäßig jung) erwähnte dies später in einer Denkschrift für den neuen Statthalter und fügte hinzu: „und der Geschwaderchef konnte sie nicht belehren, da er es selber nicht verstand. Wenn die Flotte mit einem gleichstarken Feinde, der Ordnung gehalten hätte, zusammengekommen wäre, so würde das holländische Kontingent durch Unordnung wohl eine Niederlage herbeigeführt haben.“

In Frankreich[257] war, wie wir gehört haben (Seite 422 ff.), die Marine seit Colberts Tode zurückgegangen, besonders unter dem Marineminister Louis de Pontchartrin; und es ging weiter mit ihr bergab. 1699 übernahm Jerôme de Pontchartrin, der Sohn von Louis, der schon mehrere Jahre unter seinem Vater gearbeitet hatte, das Ministerium. Er gilt gemeiniglich als ein schlechter Marineminister, doch ist das Urteil über ihn wohl durch seine vielen Feinde getrübt. Er war 39 Jahre alt, klug, unterrichtet und von festem Willen, aber auch tyrannisch, hart, ehrgeizig und eifersüchtig in Hinsicht auf seine Autorität. Zweifellos ehrlich bestrebt, den schnellen Verfall der Marine aufzuhalten, beschleunigte er ihn durch seine Fehler, aber ihm allein darf man doch die Schuld nicht aufbürden. Der Hauptgrund war der Mangel an Geld. Jerôme war nicht, wie sein Vater, gleichzeitig Finanzminister, konnte also die Mittel nicht selbst bestimmen. Schon sein Vater hatte nach dem Frieden 1697 das Budget der Marine von 25 Millionen auf 18 herabgesetzt; Jerôme forderte später ununterbrochen genügende Mittel und sagte die traurigen Folgen falscher Sparsamkeit voraus.

Und noch ein zweiter Umstand trat ihm hindernd entgegen. Wir wissen, daß seit Colbert die Verwaltungsbehörden in der Marine eine größere Macht besaßen als die militärischen, daß die Seeoffiziere stets bestrebt waren, diese Macht zu brechen und daß infolgedessen für den Dienst höchst nachteilige Reibungen zwischen den „officiers de plume“ und den „officiers d'épée“ auftraten. Als Jerôme sein Amt übernahm, war der Admiral von Frankreich, Graf von Toulouse (Sohn der Montespan), kein Kind mehr, und durch ihn wurde der Widerstand der Seeoffiziere wesentlich gestärkt. Dies mußte die Tätigkeit des Ministers lähmen; anderseits wird ihm aber vorgeworfen, er habe aus Eifersucht die Rüstungen und die Operationen der Flotte, die Toulouse kommandierte, gehemmt. Unter ihm blieb allerdings, wie unter seinem Vater, während des größten Teiles des Krieges die Tätigkeit der Seestreitkräfte auf den kleinen Krieg beschränkt, aber es ist doch die Frage, ob er es wie dieser aus Mangel an Verständnis für die Kriegführung zur See, oder gar aus Eifersucht getan hat, oder ob er nicht durch die Schwächen der Marine dazu gezwungen war. Gleich bei Beginn des Krieges 1701 entsandte er eine größere Flotte, 1705 eine solche von 50 Linienschiffen und 1706 eine von 30, sie waren nie stark genug oder zu spät bereit, um Erfolge zu erzielen; auch in den Zwischenjahren wurde gerüstet, man zog aber die Kräfte nicht zusammen, und von 1707 ab fanden keine bedeutenden Indienststellungen mehr statt. Stets litt die Marine unter Geldmangel und unter dem schon eingerissenen innern Verfall; sie konnte ihre Kraft nicht entfalten, verlor dadurch an Bedeutung in den Augen des Königs, seiner Räte und sogar des Volkes, was wieder noch geringere Fürsorge für sie zur Folge hatte.

Der Geldmangel führte weitere schlimme Zustände herbei; die Verwaltung geriet in Schulden. Die Lieferanten konnten nicht bezahlt, das technische Personal und die Arbeiter auf den Werften nicht gelöhnt werden; die besten verließen den Dienst und, um den Rest zu behalten, mußten häufig die Vorräte in den Arsenalen usw. zu Schleuderpreisen verkauft werden. Das Einreißen von Unehrlichkeit im Personal der Verwaltung, für das der Finanzminister 1702 gegen 100 neue Stellen geschaffen und an „Meistbietende“ verkauft hatte, war eine Folge dieser Mißwirtschaft.

Auch auf das Personal der Flotte wirkte sie demoralisierend, der Kreuzerkrieg half dabei. Viele der unregelmäßig besoldeten Offiziere nahmen Dienst auf den von Privaten ausgerüsteten Schiffen und auch auf den vom Staate armierten waren sie auf ihren Vorteil bedacht; im Offizierkorps gingen Disziplin und das Gefühl für Ehre und Pflicht verloren. Ebenso stand es mit der Mannschaft. Da sich bei der Bestechlichkeit der Beamten die Inskribierten, die über einige Mittel verfügten, vom Dienste freimachen konnten, war selbst bei den geringen Indienststellungen der Bedarf nur durch Pressen zu decken; mit Härte mußte diese Maßregel durchgeführt werden, wie Verbrecher wurden die Leute ihren Schiffen zugeführt.

Was aus dem Schiffsmaterial unter solchen Verhältnissen wurde, ist klar; die Schiffe verwahrlosten auf den Werften, an Ersatz verlorener oder verbrauchter wurde nicht gedacht. 1696 besaß die Marine 135 Schiffe über 40 Kanonen und 20 von 34–36 Kanonen; 1712 nur 85 Linienschiffe und 10 von 10–44 Kanonen, sämtlich in schlechtem Zustande.

Chabaud-Arnault sagt (Seite 122): „Dahin war es mit der Marine unter Jerômes de P. Amtstätigkeit gekommen, gewiß teilweise durch seine Schuld, aber mehr noch infolge der Verhältnisse und durch die Schuld der anderen Minister und Ludwigs XIV. selber, der der Größe seiner Marine nicht mehr die Wichtigkeit beilegte wie ehemals.“

Während der Regentschaft 1715–1723 sank die Marine noch tiefer; Kardinal Dubois wagte nichts zu ihrer Hebung zu tun, um nicht Englands Eifersucht zu erregen. An Stelle des Marineministers trat unter dem Admiral von Frankreich (Toulouse) eine Kommission, bestehend aus einem Präsidenten, Marschall Victor d'Estrées, 3 Seeoffizieren und 3 Verwaltungs-Beamten. Toulouse und d'Estrées hatten wohl den guten Willen, Ordnung in der Verwaltung herbeizuführen, die Schiffe zu erhalten, Disziplin und Geist der Offiziere zu heben; aber auch sie scheiterten am Geldmangel: die guten Kräfte der Werften verließen weiter den Dienst; die Bleibenden und so auch viele Offiziere lebten im Elend; die Seestädte entvölkerten sich. Für 1729 wird der Schiffsbestand nur noch auf 45 Linienschiffe, 10 Fregatten und 10 Transporter angegeben.

Mit der Mündigkeit Ludwigs XV. wurde wieder ein Marineminister ernannt: der Graf de Maurepas, der Sohn Jerômes de Pontchartrin; er blieb es 26 Jahre hindurch. Er war klug, tätig und von bestem Willen beseelt, aber auch er kämpfte vergebens. Wieder fürchtete der jetzige Leiter Frankreichs, Kardinal Fleury (Premierminister 1723–1743), die Eifersucht Englands, und das Marinebudget betrug nur 8 Millionen; unter Ludwig XIV. war es selbst in Friedenszeiten nie unter 18 Millionen gesunken und das Geld war jetzt weit weniger wert. Trotzdem verlor Maurepas den Mut nicht; er strebte an, ein wenn auch geringes so doch gutes Schiffsmaterial zu beschaffen. Doch der Geldmangel erschwerte dies ungemein, die Ersatzbauten wurden in grünem Holz ausgeführt und hatten keine lange Lebensdauer, der Zustand der Werften blieb schlecht.

Ebensowenig Erfolg hatten seine Bestrebungen, das Personal zu heben. Aber wie konnte er Lust und Liebe zum Dienst in einem Offizierkorps erwecken, in dem seit 20 Jahren jede Beförderung stockte; der Etat war auf die Hälfte herabgesetzt, es gab gardes de la marine von 40 Jahren. Die Reibungen zwischen den Offizieren und den Beamten nahmen immer mehr zu. Die Schiffskommandos weigerten sich häufig, den Anweisungen der Verwaltung zu folgen, die gelieferten Vorräte und Ausrüstungsgegenstände anzunehmen, Abrechnungen einzureichen, ja sogar das Personal in den Stellungen zu verwenden, für die es überwiesen war; man gab ihnen aber auch erbärmliche Mannschaft, unbrauchbare Bordbeamte, die Ausrüstung wurde ohne Verständnis und von schlechter Beschaffenheit geliefert.

Die Disziplin der Mannschaft — gepreßt, widerrechtlich festgehalten, unregelmäßig gelöhnt, schlecht gekleidet und verpflegt — sank soweit, daß man bei Außerdienststellungen Zivilarbeiter heranziehen mußte, da die Besatzung im Hafen nicht arbeiten wollte; selbst auf Rhede gingen die Leute fast nach Belieben an Land, man mußte zufrieden sein, wenn sie beim Auslaufen zur Stelle waren.

Maurepas gelang es immerhin, einiges Gute zu schaffen. Nach und nach führte er eine mildere Behandlung der Dienstpflichtigen ein und die vielfach fortgezogene Küstenbevölkerung mehrte sich wieder, das Wachsen der Kauffahrteimarine sowie das Aufblühen der Kolonien unter Fleury wirkte mit; in das System der Einschreibung für den Seedienst kam wieder Ordnung. Er vervollkommnete den wissenschaftlichen Unterricht der Offiziere, stellte Schul- und Übungsschiffe in Dienst und entsandte in alle Meere Fahrzeuge zu geographischen und hydrographischen Arbeiten; er gründete Schulen für Marineärzte. So wird von ihm wohl mit Recht gesagt, daß er dem späteren Aufschwung der Marine vorgearbeitet habe.

Am Schluß des Abschnittes stand die Marine aber noch traurig da. Der Schiffsbestand 1742 war nur 48 Linienschiffe, 15 Fregatten, 14 Transporter[258]; die Fahrzeuge waren in mangelhaftem Zustande, die Werften ohne fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine leer. Das Offizierkorps war von 1140 im Jahre 1696 (1040 um 1701) auf 660 Köpfe gesunken. Früher hatte man in Kriegszeiten auch noch eine große Unterstützung durch tüchtige Kräfte der Handelsmarine gehabt (Jean Bart, Trouin usw. stammten daher), die besonders auf kleineren Fahrzeugen, Transportern, Kapern verwendet wurden; die guten Elemente dieses Ersatzes zogen sich, von den aktiven Offizieren immer hochmütiger behandelt, nach und nach ganz zurück. Bei Ausbruch des Krieges 1744 machte nur die Bemannung mit Matrosen weniger Schwierigkeit als früher.

Chabaud-Arnault sagt (Seite 133): „Die französische Marine hat von 1713–1744 keine Geschichte, sie wurde durch die leitenden Staatsmänner zur Untätigkeit, ja zu beispielloser Demütigung verdammt, um nicht Eifersucht und Mißtrauen bei den Engländern zu erregen. In zwei Kriegen, in denen die Flotte eine wichtige Rolle hätte spielen können (1719 Quadrupelallianz gegen Spanien; 1733 Polnischer Erbfolgekrieg), blieb sie in den Häfen, nur mit einigen Schiffen wurden unbedeutende Demonstrationen gemacht; im ersten Kriege wurden sogar französische Truppen auf englischen Schiffen an die feindlichen Küsten geworfen.“

In England[259] schritt die Entwicklung der Marine stetig fort. Der Schiffsbestand betrug:

Schiffe: I. Klasse II. III. IV. V. VI. Gesamt
(96–100 K.) (80–90 K.) (60–74 K.) (40–54 K.) (28–32 K.) (16–20 K.)
1688 9 11 39 40 12   6 117
1702 8 12 45 44 18 16 153
1727 (100 K.) (90 u. 98) (80 u. 70) (60 u. 50) (40) (20)   (und 14 Sloops
4–10K.)
7 13 16, 24 24, 40 24 29 177
Dreidecker.