Am 25. August sollten wir endlich das Lager Nr. 44 endgültig verlassen und neuen Schicksalen und Erfahrungen entgegengehen. Ladak war jetzt unser Ziel; aber ich hatte mir fest vorgenommen, nicht eher die Richtung nach Westen einzuschlagen, als bis wir weiter südlich wieder auf unüberwindliche Hindernisse stießen. Die Tibeter waren jetzt wachsam, das ganze Land war wie im Belagerungszustand, eine Mobilmachung hatte bereits stattgefunden, das wußten wir, und wir konnten uns sehr leicht ausrechnen, daß wir früher oder später wieder tibetischen Truppen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen würden. Für den Anfang zogen wir jetzt also nach Süden.
Merkwürdigerweise erkrankten über Nacht drei von unseren Pferden, aber nicht von denen, die die Reise nach Lhasa mitgemacht hatten. Das eine taumelte und fiel unaufhörlich, das andere verendete schon im Lager, und das dritte kam nur noch über den ersten Paß des Tagemarsches, ehe es stürzte, um sich nie wieder zu erheben. Es war ein trauriger Anfang und zeigte deutlich, daß wir früher oder später auf die Hilfe der Tibeter angewiesen sein würden.
Als ich geweckt wurde, schneite es stark, und als wir aufbrachen, goß es wie mit Scheffeln. Die ganze Gegend sieht aus wie mit Straßenkot begossen, in den man einsinkt, ohne festen Fuß fassen zu können. Zuerst wurde der Fluß überschritten, dann zogen wir durch den Schlamm nach einem kleinen Passe hinauf. Mehrere Reiter mußten nach verschiedenen Richtungen ausgesandt werden, um zu untersuchen, ob der Boden trug. Über einen neuen Fluß schreiten wir unglaublich langsam nach einem höheren Passe hinauf. Hier müssen alle zu Fuß gehen, auf die Gefahr hin, daß ihre Stiefeln im Morast steckenbleiben. Die armen Kamele zerreißen, da sie fest einsinken und der Karawane nicht folgen können, unaufhörlich ihre Nasenstricke. Wären unserer nicht soviele gewesen, so hätten wir diejenigen Kamele, die bis zur Hälfte in dem losen nassen Tonschlamme, der sie zäh festhielt, eingesunken waren, ganz einfach im Stiche lassen müssen. Die Last muß ihnen sofort abgenommen und auf einigermaßen festen Boden gestellt werden, damit nicht auch sie verschwindet. Der Tonschlamm wird mit Spaten abgegraben, das Kamel auf die Seite gelegt, seine Beine mit Seilen herausgewunden und eine mehrfach übereinandergelegte Filzdecke unter das Tier gebreitet, damit seine Füße festen Halt finden, wenn es sich endlich selbst aufzustehen bemüht. Sonst sind die Kamele verloren, denn sie bleiben ruhig liegen, bis man sie herauszieht. Währenddessen gießt es, daß es auf der Erde klatscht. Alles wird aufgeweicht und durch und durch naß, als sollten diese Höhen fortgespült werden.
Jenseits des Passes wurde das Terrain ein wenig besser; die Südabhänge sind infolge der Einwirkung der hier jedoch äußerst selten auftretenden Sonne gewöhnlich vorteilhafter für uns. Am rechten Ufer eines Flusses hatte die Karawane während unserer Abwesenheit einige Tage zugebracht, und da dort noch ein großer Argolhaufen lag, machten wir an dieser Stelle Halt.
Am folgenden Tag waren sowohl das Wetter wie auch die Wegverhältnisse günstiger, aber das Land ist fast unfruchtbar und arm an Wild. Nur ein einsamer Kulan zeigte sich und wurde von Sirkin erlegt. Gewöhnlich schreibt die Gestalt des Bodens uns die Richtung unseres Weges vor, und da jener nach Südsüdwesten hin am ebensten aussah, zogen wir nach dieser Seite. Ungefähr 40 Kilometer westlich von unserer Route erhob sich ein kleines Schneemassiv mit rudimentären Gletschern; es setzte sich im Süden in einer merkwürdigerweise meridionalen Bergkette mit vereinzelten Schneegipfeln fort.
Tschernoff hatte vor einiger Zeit die Gegend rekognosziert und teilte mir jetzt mit, daß er an einer etwas weiter südlich gelegenen Quelle deutliche Kamelspuren gesehen habe. Als wir am 27. August dort vorbeizogen, zeigte er mir den Platz, und richtig hatten dort Kamele in großer Zahl geweidet. Woher sie gekommen waren und was für Menschen sie gehört hatten, war und blieb uns ein Rätsel. Sollten sie am Ende einer mongolischen Pilgerkarawane, die sich von Nordosten hierher verirrt hatte, gehört haben?
Denselben Tag mußten wir auch Bowers Route gekreuzt haben, obwohl es nicht möglich war, die Stelle, wo dies geschah, zu identifizieren. Im Süden erhob sich vor uns eine neue Bergkette, aber wir waren nur imstande, bis an ihren Fuß zu gelangen, wo das Lager Nr. 67 aufgeschlagen wurde. Der Herbst hatte seinen Einzug gehalten, das Minimumthermometer zeigte −5,1 Grad, und am Tage hatten wir nicht mehr als +7,9 Grad.
Als ich am 28. aufstand und mit dem Beladen der Tiere schon angefangen war, wurde mir gemeldet, daß Kalpet, ein Mann aus Kerija, fehle. Ich verhörte die Leute, die aussagten, daß er gestern über Brustschmerzen geklagt habe und auf dem Marsche zurückgeblieben sei. Sie seien jedoch der Meinung gewesen, daß er langsam unseren Spuren folge und in der Dunkelheit, ohne daß jemand darauf geachtet habe, im Lager angekommen sein werde. Nun fehle er aber noch immer. Ich ließ die Tiere weitergrasen und schickte Tschernoff und Turdu Bai zu Pferd mit einem Maulesel ab, um den Mann lebendig oder tot herbeizuschaffen, — er konnte ja unterwegs plötzlich erkrankt sein und mußte sich jedenfalls in einer schlimmen Lage befinden, da er uns nicht nachgekommen war und einen ganzen Tag nichts zu essen bekommen hatte. Nach einigen Stunden kamen sie mit dem armen Menschen an, der aufs beste verpflegt wurde und auf einem Maulesel reiten durfte, als wir endlich, bedeutend verspätet, aufbrachen.
Obgleich der Boden tragfähig war, wurde der Tagemarsch doch ziemlich anstrengend, denn wir mußten über eine ganze Reihe von Pässen und Kämmen.
Mit zwei Kamelen geht es jetzt zu Ende; sie können nicht mehr mitkommen; sie müssen später geholt werden und sind natürlich stets unbeladen. Große Ordnung herrscht in der Karawane. Der diensttuende Kosak bringt die Nacht auf dem Platze zu, wo die Tiere unter Aufsicht ihrer Wächter, die man aus der Ferne singen hört, grasen. Heute abend begab sich Schagdur dorthin, nachdem er in der Jurte der Kosaken zu Abend gegessen hatte, und die Töne der Balalaika verhallten am Fuße der Hügel. Die drei übrigen Kosaken, die den Erzählungen Schagdurs und des Lamas mit gespanntem Interesse gelauscht hatten, sehnten sich jetzt danach, mit den Tibetern in Berührung zu treten. Sie sahen mich verwundert und fragend an, als ich ihnen sagte, daß unsere Karawane früher oder später in ihrem Marsche von einer unüberwindlichen Heerschar aufgehalten werden würde.
Dieser Lagerplatz, Nr. 68, befand sich in einer Höhe von 5068 Meter. Schon um 9 Uhr abends war die Temperatur auf −1,9 Grad gesunken und hielt sich während der Nacht auf −6,2 Grad. Auch diese Tagereise führte über drei kleine, aber recht beschwerliche Pässe; die Bergketten erstrecken sich jetzt wieder von Westen nach Osten, und alle Täler fallen nach Süden ab. Eine vierte Kette brauchten wir nicht zu übersteigen, da sie von einem Flusse durchbrochen wurde, dem wir folgten.
Alte Lagerplätze sind jetzt ziemlich häufig und lassen sich teils an den gewöhnlichen drei Steinen, auf die der Kochtopf gestellt wird, teils an Schädeln von erlegten Yaken und Archaris erkennen. Bei einem solchen Platze lud die Weide zu einem Extrarasttage ein. Eine Herde von 50 Kulanen zog sich bei unserem Herannahen zurück. Yake und Wildschafe sind gleichfalls zahlreich vertreten, ebenso Hasen. Ein Lampe wurde eifrig von allen sieben Hunden verfolgt und von Jolldasch gefangen. Jollbars strengt sich nicht weiter an, bevor die Beute nicht eingefangen ist; dann erst tritt er auf und hält einen gehörigen Schmaus.
Der Rasttag war in jeder Beziehung herrlich, das Wetter gut; der Rauch stieg manchmal senkrecht von den Lagerfeuern auf, und unsere erschöpften Tiere schwelgten in dem guten Grase. In der Nähe fanden wir noch mehrere alte Lagerplätze, und aus dem Schafmiste ließ sich schließen, daß die Gegend nicht nur von Jägern, sondern auch von Nomaden aufgesucht wird. Wir konnten also jeden Augenblick auf Menschen stoßen, und bei denen, die noch keine Tibeter gesehen hatten, wurde die Neugier immer größer.
Schagdur und Turdu Bai rekognoszierten in östlicher Richtung und fanden dort eine ganze Reihe „Iles“ oder Male, die aus Steinen, oder wo Gestein fehlte, aus Erdschollen errichtet waren. Die Reihe erstreckte sich weit nach Süden, und die Male standen so dicht, daß sie, nach Schagdurs Annahme, wahrscheinlich die Grenzlinie einer Provinz bezeichneten, um so mehr, als von einem Wege dort keine Spur zu entdecken war. Sirkin schoß einen „Kökkmek“-Bock, der photographiert wurde (Abb. 260). Schagdur ebenfalls einen. Letzterer und eine hübsche kleine „Jure“ (Antilope Cuvieri) wurden von den Kosaken abends vermittelst einiger Pflöcke und Schnüre in der natürlichen Stellung, die sie während des Laufens einnehmen, aufgestellt. Am Morgen waren sie steif gefroren und konnten allein stehen wie Turnpferde. Es geschah, damit ich die Tiere photographieren konnte (Abb. 261).
31. August. Es ist nicht angenehm, aus seinem süßesten Morgenschlafe aufgeweckt zu werden; doch ist man erst angekleidet und in Ordnung, so geht alles seinen ruhigen Gang, und der Tag verläuft ebenso wie seine Vorgänger. Wir hatten jetzt ein viel gastfreundlicheres Land als bisher erreicht; der Boden ist fest, das Terrain senkt sich, und wir brauchten keine Pässe zu forcieren. Auch der Himmel war uns hold, die Temperatur stieg auf +18,2 Grad. Südwestlich von unserem Wege zeigte sich ein kleiner Salzsee, der der Sammelplatz aller Wasserläufe der Gegend war. Am Ufer saßen einige gewaltige Adler. Ihre Jungen, die eben flügge waren, wurden von den Hunden angegriffen, verteidigten sich aber so tapfer mit Schnabel und Krallen, daß die Angreifer sich zurückziehen mußten.
Am 1. September überschritten wir in einem 4855 Meter hohen Passe die nächste Kette, die ganz und gar aus weichem Material bestand und abgerundete Formen hatte. Vom Passe hatte man nach Süden eine außerordentlich weite Aussicht. In der Ferne ließ allerdings ein schwaches Dunkel einen Kamm ahnen, sonst aber schienen wir ein paar gute Tagereisen ebenen Terrains vor uns zu haben. Der Boden schimmerte stärker grün als bisher, dessenungeachtet waren aber keine Nomaden zu sehen; die Lagerstellen, an denen wir vorbeikamen, waren alle ziemlich alt. Obgleich wir nur 20 Kilometer zurückgelegt hatten, blieben wir daher bei dem ersten Bette, welches Wasser führte.
Gegen 4 Uhr gab es im Lager eine Aufregung. Ein Haufe schwarzer Punkte, die für weiter südlich weidende wilde Yake gehalten worden waren, wurden durch das Fernglas als Pferde erkannt. Der Lama und die Kosaken, außer dem diensthabenden, ritten dorthin. Ersterer kam jedoch bald wieder und führte sein Pferd, das krank geworden war, am Zügel. Die Pferde waren fett und kräftig, aber scheu gewesen. Wächter hatten sich nicht gezeigt, und nichts deutete an, daß solche beim Herannahen der Reiter entflohen sein könnten. Für die Besitzer selbst schien die Gegend sicher zu sein, während es für uns nicht angegangen wäre, die Tiere ohne Aufsicht zu lassen. Der Ausflug hatte das Gute, daß noch besseres Weideland entdeckt wurde, wohin wir unsere Tiere trieben und wo wir ihnen um so eher einen Ruhetag gönnen konnten, als Almas mit den beiden kranken Kamelen noch nichts von sich hatte hören lassen.
Frühmorgens machten sich der Lama, Schagdur und Sirkin auf die Suche nach Tibetern, und wir konnten voraussehen, daß sie Erfolg haben würden, denn auf den Hügeln im Süden zeigten sich wohl 1000 Schafe und eine Yakherde.
Gegen Abend kam der Lama mit einer Domba Milch zurück, und in der Ferne erschienen die Kosaken, drei Tibeter, die ihre Pferde und ein Schaf führten, buchstäblich vor sich hintreibend. Sie hatten ein Zelt mit 13 Bewohnern gefunden. Beim Herannahen der Reiter war die ganze Gesellschaft nach verschiedenen Seiten hin entflohen; da ihre Pferde jedoch nicht bei der Hand gewesen waren, hatten unsere Leute sie leicht einholen und nach dem Zelte zurücktreiben können. Erschreckt wie sie waren, waren sie wenig mitteilsam, und die Auskünfte, die sie erteilten, waren nicht viel wert.
Sie sagten, daß die Gegend Dschansung heiße und ihr „Bombo“, der an dem großen See Selling-tso wohne, ihnen den Hals abschneiden würde, wenn sie uns Lebensmittel verkauften. Sie weigerten sich auch ganz bestimmt, dies zu tun. Nachdem aber Schagdur, der die Tibeter haßte, seitdem sie uns den Weg nach Lhasa versperrt hatten, einen der Männer mit seiner Reitpeitsche traktiert hatte, ließen sie mit sich reden und gaben eine Schüssel Milch und ein Schaf her. Sie hatten sich erst ganz kürzlich in der Gegend niedergelassen, so daß sie noch keine Zeit zur Bereitung saurer Milch gehabt hatten; das noch frische, unberührte Gras um ihr Zelt herum sprach für die Wahrheit dieser Aussage.
„Wohin reist ihr denn?“ fragte einer von ihnen.
„Nach Ladak“, antwortete der Lama.
„Dann seid ihr auf ganz verkehrtem Wege; nach Süden hin könnt ihr nur noch eine Tagereise weit kommen, denn dort wird der Weg vom Selling-tso, wo die Bevölkerung zahlreich ist, versperrt.“
Sie selbst waren Bantsching Bogdo in Taschi-lumpo untertan, wußten aber nicht, wie viele Tagereisen es bis zu ihrem Tempel sei. Im Südosten regiere der Dalai-Lama über das Gebiet von Lhasa, im Osten Kamba Bombo über das von Nakktschu.
Mit sichtbarer Furcht näherten sie sich unserem Lager und wurden aufgefordert, sich vor der einen Jurte auf einen Teppich zu setzen (Abb. 262). Tee und Brot wurden ihnen vorgesetzt; nach einigem Zögern langten sie tüchtig zu. Für das Schaf, das sofort unter muselmännischen Zeremonien geschlachtet wurde, bezahlten wir sie mit Lhasageld, für die Milch erhielten sie eine Porzellantasse. Pferde konnten sie nicht verkaufen, weil die Herde ihnen nicht gehörte. Sie saßen die ganze Zeit wie auf Kohlen, obwohl der Lama sie zu beruhigen suchte und versicherte, daß ihnen kein Leid geschehen solle.
Als wir genug von ihnen hatten, ließen wir sie gehen, und sie schwangen sich sofort in den Sattel. Inzwischen war der photographische Apparat aufgestellt worden, und der Lama hielt sie, den Zügel des einen Pferdes ergreifend, diplomatisch mit einer letzten Frage fest, so daß ich diese drei halbwilden, barhäuptigen, mit Säbeln bewaffneten Reiter noch abknipsen konnte, die nun auf der Abbildung 263 verewigt sind.
Sobald er aber den Zügel losgelassen hatte, schwenkten sie herum und jagten spornstreichs davon, wobei sie sich umsahen, als glaubten sie, daß ihnen eine Flintenkugel folgen würde. Als sie außer Schußweite waren, ritten sie langsamer und sprachen eifrig miteinander; gewiß fragten sie sich, was wir wohl für seltsame Menschen sein könnten, da wir ihnen gegenüber so anständig gewesen seien.
Am 3. September legten wir 29 Kilometer in südsüdwestlicher Richtung zurück, auf flachem, offenem, gleichmäßig ebenem Lande, das reich an Tümpeln und kleinen Seen war und oft ganz vorzügliches Gras aufzuweisen hatte. Keine Hindernisse stellten sich uns in den Weg, und ich nahm als selbstverständlich an, daß der Selling-tso jetzt zwischen uns und den niedrigen Bergen, die sich im Süden nur undeutlich erkennen ließen, liegen müsse. Wir blieben beisammen, und die kranken Kamele folgten standhaft der Karawane. Hier und dort sahen wir große Schafherden mit ihren Wächtern, aber ohne Hunde. Letztere gab es nur bei den Zelten. Aus einem Zelte holten der Lama und Schagdur eine Domba sauere Milch. Nach und nach werden die schwarzen Nomadenzelte immer zahlreicher (Abb. 265) und bilden bisweilen sogar Dörfer. In einem solchen Dorfe machten die Kosaken einen Besuch, und als sie es verließen, folgte ihnen ein Pferd, das besonders munter erschien. Sein Besitzer, ein anderer Mann, ein altes Weib, zwei junge Mädchen und ein Junge liefen mit einem Stricke hinterdrein, um es einzufangen. Doch der Gaul zog es vor, sich ganz zu uns zu gesellen, und wir mußten den Tibetern schließlich wieder zu ihrem Eigentum verhelfen.
Die jungen Mädchen hatten ihr Haar in zahllose kleine Zöpfe geflochten, die vom Scheitel wie Radien auf den Rücken und nach den Seiten herunterhingen und unten der Reihe nach an einen Streifen roten, mit allerlei Zierraten besetzten Zeuges befestigt waren (Abb. 264). Von der Mitte dieses Streifens hing ein breites, buntes, gesticktes Band den Rücken herab. Im übrigen waren sie barhäuptig und trugen gleich den Männern Pelze und Stiefeln. Wo die natürlichen Rosen der Wangen ihren Platz hätten haben müssen, hatten sie die Haut mit irgendeiner rotbraunen Farbe eingeschmiert und hierdurch ein Paar glänzender, dicker Firniskrusten zustande gebracht. Einigen von ihren schwarzen Yaken wurde von unseren Hunden sehr zugesetzt. Die Tiere waren jedoch so klug, sich in die Mitte eines Tümpels zu flüchten, und blieben erst stehen, als ihnen das Wasser bis an den Unterkiefer ging, während die Hunde sie schwimmend umschwärmten. Nun hatten die Yake nur den Kopf zu verteidigen, und an diesem saßen die achtunggebietenden Hörner. Diese improvisierte Wasserpantomime rief in der Karawane große Heiterkeit hervor.
Schon frühmorgens waren sechs Soldaten mit weißen Hüten und Gewehren wie aus dem Erdboden aufgetaucht und uns auf unserer linken Seite, aber in gebührender Entfernung gefolgt. Jetzt zeigte sich rechts von uns eine neue Schar von sieben Mann. Die erste Truppe ritt auf einem großen Umwege weit hinter uns zu der letzteren hinüber, und nun umkreisten sie die Karawane, bald vorn, bald hinten, bald rechts, bald links, zuweilen langsam, zuweilen im Galopp, und führten eine Art Kampfübungen auf, die, wie ich vermute, uns Schrecken einjagen sollten. Da es ihnen nicht gelang, uns zu imponieren, und wir ruhig unseren Weg nach Süden fortsetzten, näherten sie sich von hinten bis auf ein paar hundert Meter Entfernung und redeten unter lebhaftem Gestikulieren mit dem Lama und Schagdur, die zurückgeblieben waren. Bei einem der Zelte saßen sie ab und gingen hinein.
Inzwischen gelangten wir an das Ufer eines gewaltigen Flusses, der von Osten kommt und in dem ich bald den Satschu-sangpo wiedererkannte. Jetzt war die Frage, ob es uns gelingen würde, dieses gewaltige Bett zu passieren. Die Kosaken sollten, während wir am Ufer warteten, eine Furt suchen. Da, wo wir Halt gemacht hatten, teilte eine Schlamminsel den Fluß in zwei Arme; hier probierte es Ördek nackt mit dem Durchwaten. In dem ersten Arme stieg ihm das Wasser bis an den Hals, in dem zweiten nur bis an die Achselhöhlen. Als er umkehrte, versuchte er es an einer anderen Stelle, wo er aber schwimmen mußte. Hier war das Überführen der Kamele also unmöglich, um so mehr, als der Boden aus tückischem Schlamme bestand.
Unterdessen waren die Tibeter auch angelangt und auf einen Hügel am Ufer geritten, wo sie mit lautem Geschrei einen Obo begrüßten und von wo aus sie unsere verzweifelten Versuche, hinüberzukommen, mit größtem Interesse beobachteten. Es lag natürlich nicht in ihrem Interesse, uns Auskunft zu erteilen, und wir fragten sie auch nicht um Rat.
Nach einem kurzen Marsche flußabwärts kommandierte ich Halt und ließ das Lager aufschlagen. Das Boot wurde zusammengesetzt, und mit Ördek als Ruderer maß ich die Tiefen. An einer geeigneten Stelle wollten wir am folgenden Morgen hinübergehen. Die Kamele sollten unbeladen und ohne Packsättel hinüberwaten und sämtliches Gepäck mit dem Boote befördert werden. Ein mehrfaches Seil wurde quer über den Fluß gespannt. Die Tibeter saßen jetzt unterhalb des Lagers, waren mäuschenstill und augenscheinlich über das Rätsel betroffen, wie wir ein ganzes Boot hatten hervorzaubern können. Wir beabsichtigten anfangs, den Übergang in stiller, dunkler Nacht zu bewerkstelligen und am nächsten Morgen verschwunden zu sein, doch daraus wurde nichts, weil wir fürchteten, daß die Kamele sich erkälten könnten. Am Abend beschloß ich, überhaupt nicht über den Fluß zu gehen, sondern seinem rechten Ufer bis zu seiner Mündung in den Selling-tso zu folgen und darauf am Westufer des Sees entlang zu ziehen, weil Littledale schon längs des östlichen gegangen war.
Der Abend war still und klar, und die Stille wurde nur durch das Rauschen des Flusses, die Töne der Balalaika und das Bellen der Hunde in den Zelthöfen der Tibeter unterbrochen.
Die ganze Nacht blieben die Tibeter auf einem Hügel nordöstlich vom Lager liegen, wo auch ihr Wachtfeuer brannte.
Während wir am Morgen darauf mit einer Flußmessung beschäftigt waren, die 68 Kubikmeter in der Sekunde ergab, langte der Häuptling der Gegend mit einigen Soldaten an, ließ sich bei dem Lama nieder und betrachtete unser Tun mit grenzenloser Verwunderung. Er bat um genaue Auskunft über unsere Absichten und erklärte, falls wir geraden Weges nach Ladak ziehen wollten, werde er uns Führer für zehn Tagereisen besorgen und uns Pferde, Schafe und alles, was wir sonst noch brauchten, verkaufen; sei es aber unsere Absicht, nach Lhasa zu gehen, so müsse er erst einen Kurier dorthin senden und wir hätten die Antwort abzuwarten, die vielleicht erst in einem Monat käme. Gingen wir ohne weiteres nach Lhasa, so werde er den Nomaden in der Gegend verbieten, uns überhaupt etwas zu verkaufen, und er werde mit seinen Soldaten alles tun, um unser Vordringen zu hindern. Täte er dies nicht, so würden sowohl er wie seine Leute den Kopf verlieren. Als ich sagte, da würde ihnen recht geschehen, bemerkte er lachend, für uns wäre das freilich vorteilhaft, für sie selbst aber sehr unangenehm. Schließlich teilte ich ihm mit, daß wir weder ihn noch seinen Führer brauchten, da wir selbst wüßten, wohin wir zu ziehen gedächten.
„Ja“, antwortete er unerschrocken, „ihr könnt uns das Leben nehmen, aber solange wir es noch besitzen, werden wir versuchen, euer Vordringen nach Süden zu verhindern.“
Die Kamele wurden eingetrieben, und die Karawane hatte Befehl, so nahe wie möglich längs des rechten Flußufers zu marschieren, während ich und Ördek das Boot bestiegen, um uns von der Strömung nach Westen treiben zu lassen. Mein Sitzplatz war außerordentlich bequem von Kissen und Decken hergestellt, und der Sicherheit halber hatten wir Proviant mitgenommen. Es wurde eine jener unvergeßlichen, herrlichen Fahrten wie vor zwei Jahren auf der Fähre; ich saß in schönster Ruhe und ließ die Landschaft an mir vorüberziehen.
Gerade unterhalb des Lagers machte der Fluß eine scharfe Biegung, so daß wir eine Weile sogar nach Ostnordost trieben. Der Wachthügel der Tibeter bestand aus Konglomerat und rotem und grünem Sandstein und fiel gerade in der Biegung, wo der Fluß schmal war, steil ins Wasser hinunter. Die Strömung war dort ziemlich stark, und als das Boot unmittelbar unter der steilen Wand hinstrich, stimmten die Tibeter ein wildes Geheul an; man konnte befürchten, daß sie uns mit einem Regen von Sandsteinblöcken bombardieren würden. Wir atmeten daher erleichtert auf, als wir unverletzt an ihnen vorbeigekommen waren.
Nachher geht der Fluß nirgends durch anstehendes Gestein und wird ziemlich gerade. Er wird von 4–5 Meter hohen Uferterrassen von Lehm eingefaßt, und das Land wird immer flacher und öder. Das Bett verbreitert sich immer mehr und wird immer reicher an Schlamminseln, die die Wassermasse in mehrere Arme teilen. Ördek half mit dem Ruder, und wir trieben in schwindelnder Fahrt den Satschu-sangpo hinunter; es war herrlich, aber wie selten kommt es vor, daß ein großer Fluß so liebenswürdig ist, gerade in der Richtung unseres Weges zu strömen!
Seine trübe Flut schwenkt dann nach Südwesten ab. Rechts haben wir eine kleinere Bergkette, in deren Tälern mehrere von Schaf- und Yakherden umgebene Zelte liegen. Der hohe Uferwall entzog die Karawane unseren Blicken, aber Tschernoff, der uns zu Pferde begleitete, hielt die Verbindung zwischen uns und ihr aufrecht. Am Nachmittag wurde das Wetter ungünstig, denn es erhob sich ein so starker Südwestwind, daß der Fluß Wellen schlug und die Fahrt gehindert wurde. Ganze Wolken von Sand und Staub wehten uns entgegen. Wir hatten jedoch einen so großen Vorsprung, daß wir ein paarmal auf die Karawane, die noch immer von den Tibetern verfolgt wurde, warten mußten. An dem letzten Punkte, wo Gras zu sehen war, machten wir am rechten Ufer Halt, und hier ließen sich auch die Tibeter nieder.
Jetzt, da sie nicht über Pässe zu gehen brauchten, hielten sich die kranken Kamele noch immer aufrecht. Muhammed Tokta war erschöpft und schien ein Herzleiden zu haben. Mit Kalpet war es noch ebenso, er war still und wortkarg und hatte keine Freunde unter den anderen, die auch behaupteten, daß er gar nicht krank sei, sondern sich nur verstelle, damit er immer reiten dürfe und nicht zu arbeiten brauche. Einer der Kameraden schlug ihn sogar deshalb, weil die anderen nun die Arbeit übernehmen sollten, die er bisher getan hatte. Ich wußte nicht, was ich glauben sollte, aber merkwürdig kam mir die Sache vor, denn der Mann hatte einen riesigen Appetit. Glücklicherweise machte ich ihm keine Vorwürfe, sondern bat nur Tschernoff, ihn zu beobachten. Ich würde es später sehr bereut haben, wenn ich unfreundlich gegen ihn gewesen wäre, denn er war wirklich krank, und unter den anderen war keiner, der seine Partei nahm.
Am Morgen des 5. September sah es drohend aus, aber der Tag wurde klar; leider hatten wir schon von Mittag an starken Gegenwind, doch die Luft wurde immer reiner, und man konnte merken, daß der Wind über einen gewaltigen See hingestrichen war und nicht aus der Steppe stammte. Über mehreren Sandsteinschwellen bildeten sich Stromschnellen, die wir jedoch mit Leichtigkeit passieren konnten. Der Satschu-sangpo ist hier eng und eingeklemmt. Zahllose Schluchten münden wie enge Korridore und Gänge auf beiden Seiten des Flusses. Man merkt deutlich, daß der See einst viel größer gewesen sein muß und daß der Fluß jetzt die alten Sedimente des Sees durchfließt. Die Höhe der Uferterrassen beträgt 6,7 Meter, und sie sind oft senkrecht.
Nach einer scharfen, zeitraubenden Biegung nach Nordosten strömt der Fluß beinahe schnurgerade nach Süden. Nur ein paar Schlammhalbinseln sind vorhanden. Die Terrassen sind bis 8 Meter hoch, werden aber in demselben Verhältnisse niedriger, wie sich die Breite des Bettes von 100 Meter auf 400 Meter vergrößert. Der Wind weht gerade in diesen eigentümlichen Abflußkanal hinein. Die Jolle stampft fühlbar, und die Fahrgeschwindigkeit ist unbedeutend, obgleich Ördek mit dem Ruder unverdrossen arbeitet. Fern im Süden verschwinden die markierten Linien der Terrassen, eine grenzenlose Perspektive öffnet sich großartig und bezaubernd. Die Breite beträgt jetzt wohl 500 Meter und die Tiefe ziemlich gleichmäßig etwa 1 Meter; die Terrassen werden noch niedriger und sind schließlich nur 1 Meter und noch weniger hoch. Weit konnte es nach dem Selling-tso nicht mehr sein, wie weit aber, war unmöglich zu bestimmen, denn die Luftspiegelung über den Wasserflächen erlaubte uns kein Urteil. Nur die am Ostufer des Sees liegende Bergkette zeichnete sich deutlich ab, aber sie schien über dem Boden zu schweben und auf einer Luftschicht zu ruhen, die auf verwirrende Art spielte und zitterte. Ebenso ist es mit den Kamelen, die zwei Kilometer westlich von uns marschieren; sie scheinen auf langen, schmalen Stelzen zu gehen, und die ganze Karawane schwebt gleichsam in der Luft.
Nun aber öffnet sich der Fluß trompetenförmig zu einem großartigen Ästuarium; die Breite vergrößert sich auf 1 und 2 Kilometer, schließlich verschwinden auf beiden Seiten die Ufer, und vor uns dehnt sich die gewaltige, blaugrüne Fläche des Selling-tso aus. Die Flußterrasse hatte ebenfalls von 1 Meter bis 10 Zentimeter an Höhe abgenommen, und schließlich lag der Schlamm mit dem Wasserspiegel in gleicher Höhe. Noch fuhren wir jedoch auf Flußwasser, das im Gegensatz zu dem herrlichen, frischen und sicherlich salzigen Wasser dort draußen grau und trübe aussah. Zunächst war der See so flach, daß wir einen weiten Umweg machen mußten, um an das nordwestliche Ufer gelangen zu können, wo einige der Unseren mit Pferden warteten, um uns und das Boot nach dem Lager zu befördern. Der Südwind war jetzt so frisch, daß der See sich mit Schaumköpfen bedeckte, und wir hielten es für geraten, Schuhe und Strümpfe auszuziehen und das Boot in eine Bucht hineinzuschleppen. Eine Stunde später waren wir wohlbehalten in dem neuen Lager, in dessen Nähe drei tibetische Zelte aufgeschlagen waren.
Die Karawane hatte ebenfalls einen guten Tag gehabt, obwohl die Tibeter sich mausig gemacht hatten. Bei zwei Gelegenheiten waren die Kosaken nach in der Nähe liegenden Zelten geritten, um Proviant zu kaufen, sofort aber waren die Späher ihnen zuvorgekommen und hatten jeglichen Handel untersagt. Die Kosaken waren einer Karawane von 200 Schafen mit Salzlasten begegnet und hatten auch mit den Besitzern verhandelt. Sogleich war der Anführer erschienen und hatte in gebieterischem Ton mit seinen Landsleuten gesprochen, was zur Folge hatte, daß diese durchaus nicht zu bewegen gewesen waren, etwas zu verkaufen. Die Kosaken, die von Natur hitziger waren als ich, ließen darauf den Tibetern durch den Lama sagen, daß sie sich, wenn sie uns nur folgten, um uns am Kaufen von Lebensmitteln zu verhindern, künftig gefälligst außer Schußweite halten möchten, denn sonst würden sie augenblicklich niedergeschossen werden. Da verschwanden sie denn auch spurlos für den Rest des Tages. Dank diesem Manöver konnte die Karawane ungehindert nach den drei Zelten gelangen, wo sie freundlich von den zwölf Bewohnern empfangen wurde, welche sehr entgegenkommend waren und gern ein Schaf, Milch, Butter und Fett verkauften. Sie hatten noch keinen Befehl von dem hartherzigen Häuptlinge erhalten, der uns aus dem Lande hinaushungern zu können glaubte. Als sie uns nachher besuchten, wurden sie mit Tee, Brot und Tabak bewirtet, erhielten kleine Geschenke, wie einige Messer, einen Kompaß und ein paar Stücke Zeug, und sie waren über die Maßen entzückt. Ihre Gegend nannten sie Schannig-nagbo (die schwarze Mütze).
Während des Rasttages herrschte heftiger Wind, Gewitter und Hagel. Ich hielt es für klug, nun, da sich die Gelegenheit bot, noch einige Schafe zu kaufen und den Proviant zu vermehren. Dies geschah noch im letzten Augenblick, denn schon um 9 Uhr langte eine Reiterschar von etwas über 50 Mann an; sie schlugen ein paar Kilometer von uns zwei Zelte mit blauweißen Dächern auf. Erst gegen 1 Uhr ließen sie etwas von sich hören und unterhandelten auf neutralem Gebiete zwischen beiden Lagern mit dem Lama. Auf ihre Botschaft ließ ich antworten, daß ich, wenn es ihrem vornehmsten Anführer nicht beliebe, sich persönlich bei mir einzustellen, überhaupt nicht mit ihnen unterhandeln würde. Er kam auch, von zehn mit Säbeln bewaffneten Leuten begleitet. Nur mit Schwierigkeit konnten wir sie dazu bewegen, in das Küchenzelt einzutreten, wo auf einem Sessel Tee, Brot und Tabak aufgetragen waren, doch sie rührten die Bewirtung nicht an, — sie dachten wohl, daß sie von Menschen, die ohne Erlaubnis im Lande umherzogen, schicklicherweise nichts annehmen dürften.
Nun entspann sich die gewöhnliche zwecklose Unterhandlung. Der alte Häuptling, der übrigens ein sehr netter, liebenswürdiger Herr von angenehmem Äußern und aufrichtig in seiner Rede war, bat, als alles nichts half, wir möchten doch wenigstens noch vier Tage hierbleiben, während er Kuriere nach Lhasa senden und die Antwort des Dewaschung oder „Heiligen Rates“ in jener Stadt erwarten wolle. Ich sagte ihm, wir hätten keine Zeit dazu und gedächten morgen südwärts weiterzuziehen.
„Dann folgen wir euch, und wir werden euch schon daran verhindern, nach Lhasa zu gehen; wir erhalten bald Verstärkung.“
„Wenn ihr uns daran verhindern wollt“, antwortete ich, „so müßt ihr schießen, bedenkt aber, daß auch wir Gewehre haben.“
Da schüttelte der alte Mann den Kopf und versicherte, daß sie nie daran gedacht hätten, zu schießen, und fügte hinzu, daß so harte Worte zwischen uns nicht gewechselt zu werden brauchten. Ein paar Geschenke, die ihm angeboten wurden, schlug er aus, fügte aber hinzu:
„Wenn ihr hier vier Tage wartet, werde ich eure Gaben mit Vergnügen annehmen und erwidern, außerdem sollt ihr alles haben, was ihr für die Reise nach Ladak an Proviant und Karawanentieren braucht.“ —
Am Abend kam Kalpet in mein Zelt und beklagte sich schluchzend, daß einer der Leute ihn geschlagen habe. Ich hielt ein Verhör ab und ermahnte alle, freundlich gegen ihn zu sein, und Tschernoff, welcher der Oberaufseher der Karawane war, erhielt noch speziell den Auftrag, ihn zu pflegen. Der Mann tat mir schrecklich leid, denn er war eine Verkörperung der trostlosesten Verlassenheit, und nie werde ich den kummervollen Blick vergessen, der in seinem Auge lag und der sich in unendliche Dankbarkeit verwandelte, als ich seine Partei nahm und ihn mit den geeignetsten Drogen der Arzneikiste behandelte. Als ich ihn später besuchte, aß er mit gutem Appetit Reispudding, und ich glaubte, daß er an vorübergehender Bergkrankheit leide.