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Die Sebalduskirche in Nürnberg cover

Die Sebalduskirche in Nürnberg

Chapter 18: 2. Plastik.
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About This Book

An illustrated scholarly account of the church in Nuremberg dedicated to Saint Sebaldus that traces architectural evolution, construction phases, and artistic holdings. The text combines detailed architectural description and structural analysis with documentary regests, inventories, and archaeological observations, supported by plates, plans, and photographs. It explains the scope and stages of a major restoration campaign, records editorial decisions and revisions, and catalogues sculptures, paintings, liturgical fittings, and archival sources. The result is a comprehensive reference for understanding the building's fabric, visual program, and the conservation work that shaped its present appearance.

Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das ursprüngliche Orgelgehäuse von 1444 mit völliger Sicherheit wieder herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe, 26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht, und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk selbst wurde durch Orgelbaumeister Strebel gebaut, während sämtliche Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.

Auch die Wandmalereien zu beiden Seiten der Orgel, die in überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine Erneuerung.

Bei den Veränderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden mußten, hat in den meisten Fällen vorher eine photographische Aufnahme stattgefunden, so daß jederzeit Rechenschaft über den früheren Zustand gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergänzungen selbst finden sich in der Bausammlung der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten Hilfsmodelle und Pläne enthält. Sepulkren fanden sich in den Mensen der Altäre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits eröffnetem Zustande; zunächst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der südlichen Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch schlechter war der Zustand eines Holzkästchens mit vermoderter Einlage im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde ließ das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Höhlungen einschließen.

Bis zum Juli 1905 war die gefährliche Auswechslung auch des südlichen Vierungspfeilers glücklich beendet, und es konnte nach Entfernung der Zwischenwände die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder übergeben werden.

Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen Aufgaben, welche die 3-1/2jährige Wiederherstellung mit sich brachte, konnte sich der Unterzeichnete der Unterstützung der schon genannten tüchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.

Das Verhältnis der Bauleitung zur protestantischen Kirchenverwaltung, unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. Schiller, als der Bauherrin, und zum Bauausschuß, als deren Vertretung, war ein durchaus glückliches.

Der Bauausschuß, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und Vorschläge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptförderer der Wiederherstellung, Kirchenrat F. Michahelles, 1. Pfarrer an St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswürdigen Mann, dem die Durchführung des großen Werkes sowohl durch die unermüdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige, geschickte Leitung in erster Reihe zu danken ist, zu ehren, wurde im südlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbüste von F. Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll, Magistratsrat H. Häberlein, Großhändler A. Heerdegen, Justizrat D. Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J. Thäter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer an St. Sebald, übernommen und die Arbeiten nach Kräften gefördert und zu Ende geführt.

Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche zur Seite, in dessen Ausschuß als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von Kreß, als Schriftführer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister Kommerzienrat C. Schwanhäußer tätig waren.

Die Mittel (Taf. VIII) flossen fast vollständig aus freiwilligen Beiträgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen. Auch die Kirchenverwaltung unterstützte die Wiederherstellung, teils durch größere Beiträge, die sie zur Abstellung der Bauschäden genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand vorhanden war, durch Vorschüsse.

Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelöst. Die kostbaren Gobelins (Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stückes gewissermaßen als Probestück durch Frau Irmisch in München stattgefunden und berechtigt zu der Annahme, daß auch die weiteren Ausbesserungen nicht wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht werden können. Allein für diese künstlerische und kostspielige Arbeit fehlen vollständig die Mittel. Man mußte sich bei der gegenwärtigen Restaurierung darauf beschränken, die zerrissenen und zerschnittenen Stücke notdürftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu zu versehen.

Das gleiche gilt bezüglich der wertvollen und prächtigen Glasmalereien im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von außen durch die Einwirkungen der Atmosphäre eine dicke undurchsichtige Kruste gebildet hat, während die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so abgelöst hat, daß sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf einer Schiefertafel, wegwischen läßt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese unschätzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits muß mit größter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler in München gerade mit Rücksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten Überglasung der einzelnen Glasstücke besteht, zur Konservierung der Malereien gute Dienste zu leisten.

Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengeführt worden.

Nürnberg, den 15. Juli 1906.Prof. J. Schmitz, Architekt.

5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.

Jedes Gebäude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine Instandhaltung zur Abwehr der regelmäßigen Schäden, die durch Wind und Wetter sowie durch andere äußere und innere Einflüsse hervorgerufen werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung. Dazu kommt die bedauerliche Tatsache, daß infolge der heute den zahlreichen Kaminen entströmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich in Nürnberg allenthalben überzeugen kann.

Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, daß auch zur Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmäßigen Baubetrag gerechnet werden muß, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren Reparaturen zur Ausführung. Auf diese Weise wird es hoffentlich gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am Äußeren der Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen, die aber allmählich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten. Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung gegangen: die Kirche hat eine Heizung erhalten. Diese, die erste elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen großes Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 1912, S. 58 f.). Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kunstschätze der Kirche, bei denen eine Schädigung durch periodische Erwärmung des ganzen Luftraumes befürchtet wurde, entschloß man sich zu einer Fußschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz besonders erfreulich muß dabei hervorgehoben werden, daß die Erscheinung des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht störenden Holzkästchen, nicht die geringste Änderung oder Beeinträchtigung erfuhr. Sind die Betriebskosten auch vorläufig noch etwas hoch, so besteht doch die Hoffnung, daß mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in absehbarer Zeit gerechnet werden kann.

Schwieriger scheint die Frage der Beleuchtung der Kirche sich lösen zu lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender, würdiger Beleuchtungskörper große Mittel erfordert. Auch die Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses Buches aus dem gleichen Grunde zurückgestellt geblieben.

Fußnote:

[VI] Unterdessen ist über diese baulichen Arbeiten in der „Zeitschrift für Bauwesen“ 1908, S. 529 ff. eine mit ausführlichen Zeichnungen versehene Abhandlung des Architekten Professor Otto Schulz erschienen.


IV.
Das Inventar der Kirche.

1. Altäre und Kanzel.

Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die Existenz.

Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen geschildert.


Die Kirche hatte vor der Reformation 13 Altäre. Eine Reihe von geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3 Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6 Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch 4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar des Westchores verdrängte.

Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:

Sebaldsaltar. Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):

Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium sigillum dicti domini praesentibus est appensum.

Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu dotiert durch Friedrich Schopper.

Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.

1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte Prechtel zwei „Historien“. Siehe den Hauptaltar, S. 134.

Nikolausaltar. Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).

Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.

Stephansaltar. Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135). 1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300–1307, welche 1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.

Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663 der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.

Petersaltar. Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle. Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.

1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben Katharinenchor) genannt.

1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360 bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin ist nicht bekannt.

Katharinenaltar. Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des 14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.

Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe, gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe, gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.

Johannisaltar. Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (sub pulpito oder quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est).

Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer, und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer von 1397 bis 1444.

Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.

Zwölfbotenaltar. Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem Schiffspfeiler.

Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.

Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden Frauenaltäre.

Erhardaltar. Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet (siehe Urkunde S. 235).

Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt; Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363 von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.

Kunigundenaltar. Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe, 1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz]; Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.

Bartholomäusaltar. Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing gestiftet.

Marien- und Dreikönigsaltar, gewöhnlich Frauenaltar genannt. „Ad honorem beatae Mariae virginis et trium regum“. In der romanischen und gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei Frauenaltären die Rede.

Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt 1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt 1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe, gestiftet von Elisabeth Koler 1402.

Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar, auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.

Jakobsaltar. Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.

1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365. Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.

Allerseelen-Altar. In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in dem die Krypta als „ergastulum“ (also etwa: Verließ, unterirdischer Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.

Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg (Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem Georgsaltar in der Kirche des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.

Die jetzigen Altäre der Kirche sind:

Der Hauptaltar. Im Ostchor.

An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige, 1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.

An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende Urkunde gefunden:

Ihs Maria
Adi 27 Julii 1520 jar
ist diser got auff gericht
durch Nicklos Wickel zw
Nurnberg mit hilff Aug[ustin]
— — — — — und ist gemacht
von Veit Stoss zw Nurnberg
kostet — — — — —.

Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren zudecken.

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34, bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.

Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin aufgezählten Reliquien.

Der Tuchersche oder Nikolausaltar (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.

Der Aufbau besteht aus Rückwand mit Gemälde, zwei flankierenden Säulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptsächlich der Christusknabe auf dem Giebel Erwähnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der Altar gehörte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit einem Ecce homo, Ölgemälde auf Leinwand von Matthäus Merian dem Jüngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Sünde willen zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.

Der Muffelsche oder Stephansaltar. Im Ostchor, und zwar im südlichen Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet, nachdem sein Vorgänger in die Lorenzkirche transferiert worden.

Gegenstück zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptsächlichste Überrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der Auferstehung Christi, Ölgemälde auf Leinwand von Johann Franziskus Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.

Der Petrusaltar. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar. Flügelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).

Im Schrein fünf Holzfiguren, nämlich die lebensgroße Gestalt des thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und über seinem Haupte zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig gefaßt. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schließt den Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flügelpaar zusammen in Tempera zwölf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemälde aus der Schule des Wolgemut.

Die Türen der Predella, ursprünglich wohl mit Gemälden geschmückt, fehlen und sind durch einfache Brettertüren ersetzt. Schon 1572 fand eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg zurück.

Ein Gemälde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler, Haller u. a., früher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand des nördlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztüre und der Raum, zu dem sie führt, läßt auf eine frühere Aufbewahrung von größeren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schließen.

Ein Wandgemälde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte, um 1400 (Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche hinter dem Petrusaltar und ließ sich an eine Wand des südlichen Chorumganges übertragen. Vergleiche über das Bild Gebhardt, Die Anfänge der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 14 und 20.

Der Katharinen- oder Löffelholzaltar (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor. Schrein und Predella um 1453, das übrige des Aufbaues im Empirestil vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figurengruppen, links wird die hl. Katharina gerädert, rechts wird sie enthauptet. Auf den beiden beweglichen Flügeln vier Gemälde auf Goldgrund, weitere Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben, außen links die heiligen drei Könige, rechts der hl. Georg. Die Predellanische, ursprünglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer. Auf den Türen der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt, sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto, rechts Christus mit Johannes und Thomas, außen die Familienglieder des Stifters und zwar links die männlichen mit den Wappen der Löffelholz, Löffelholz-Dietner und Löffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der weiblichen mit den Wappen der Löffelholz-Züngel, Löffelholz-Kreß und Löffelholz-Stromer.

Unten an der Predella die Inschrift: „Anno domini m cccc liii an s. Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der got gnadt.“ In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste, eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Löffelholzsche Wappen.

Bezüglich der Gemälde siehe Thode, Die Malerschule von Nürnberg, S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.

Der Halleraltar (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der nördlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132). Flügelaltar von etwa 1440–1450. Mittelbild und Innenseiten des beweglichen Flügelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina. Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschluß stammt aus der Zeit der letzten Wiederherstellung.

Auf den Außenseiten des beweglichen Flügelpaares Christus am Ölberg mit den schlafenden Jüngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den feststehenden Flügeln zwei heilige Bischöfe, bezeichnet als Erhard (links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl. Thode, Die Malerschule von Nürnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O., S. 90 ff., hält den Meister des Halleraltars für einen Vorläufer des Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.

Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer Verkündigung, 1470–1480.

Am zweiten südlichen Chorpfeiler noch ein kleiner Altarschrein mit holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Außen die Verkündigung. Auf den Innenseiten der Flügel zur Darstellung des Mittelschreines gehörige Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.

In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen Mensen vorhanden.


Die Kanzel am südlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859 nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil ausgeführt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel hohe, bis an das Gewölbe reichende Pyramide; an den fünf Seiten des im Grundriß achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier Aposteln.

In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwähnt, das zwischen den westlichen Vierungspfeilern in der Längsachse seinen Platz hatte und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar angebracht.

Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.

1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Bürger Benedikt Winkler stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer Georg Schweigger ausführten. Von dieser Kanzel hat sich nur die Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals über dem Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nürnberger Königlichen Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische des Löffelholzchors aufgestellt ist.

2. Plastik.

Einleitung. Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld, welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.

Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb. 137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen zur Freiburger Schule.

Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über, es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen, welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab, der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des 15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende 15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden Inventar der plastischen Werke, das sich auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt werden.

A. Die Plastik am Außenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des Christus am Kreuz (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine zweite Messingtafel mit der Inschrift:

Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
Cernite liventes atro squalore lacertos,
Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezüglich der Sage von den „Herrgottschwärzern“ siehe M. M. Mayer a. a. O., S. 7.