Reblaus, ein Parasit der Wurzel des Weinstocks.
Reblaus, Phylloxera vastatrix, ein den Weinbau vernichtendes
Insect, ist wahrscheinlich zuerst durch Wurzelreben
von amerikanischen Weinstocksorten nach Europa importirt
worden. Sie wurde zuerst 1865 im unteren Rhonethal aufgefunden
und von dem Naturforscher Planchon erkannt und
beschrieben. Heute hat dieses Thierchen mehr denn den
dritten Theil der mit Wein bebauten Flächen Frankreichs
zu Grunde gerichtet. An vielen Orten Deutschlands, Oesterreichs,
Englands, Portugals ist sie ebenfalls aufgetreten,
auch hier wahrscheinlich durch amerikanische Reben eingeschleppt.
Dass dieses Insect an den Weinstöcken in
Amerika weniger Schaden anrichtet, erklärt man aus der
grösseren Kräftigkeit und Widerstandsfähigkeit der Wurzel
der amerikanischen Rebe.
Die Reblaus gehört in die Classe der Insecten und die
Ordnung der Schnabelkerfe. Sie hat viel Aehnlichkeit mit
der Blattlaus, gebärt aber nicht wie diese lebendige Junge,
sondern legt Eier. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen
zeigt sie sich dem Beobachter in verschiedenen Formen.
1. Als ungeflügeltes unterirdisches Insect, welches
in Sonderheit die Wurzel des Weinstocks schädigt. Jüngere,
halbausgewachsene Thierchen dieser Form bergen sich den
Winter über in den Spalten und Rissen, besonders der fingerdicken
tiefergehenden Wurzeläste. Wenn man die Rinde abhebt,
machen sie sich dem Auge in Gestalt eines gelblichen,
bräunlichen oder olivenfarbigen Anfluges oder solcher Flecke
erkennbar. Im Sommer findet man diese Form des Insectes
auch auf der Rinde der Wurzel und in solcher Menge, dass
diese mit einem gelblichen Staube bedeckt erscheint.
Rebläuse.
Eine ausgewachsene, ungeflügelte Reblaus
(von der Bauchseite) mit Eiern und einem
3 Tage alten Jungen (von der Rückseite).
25malige Vergr.
Rebläuse.
Junge Reblaus, mit in das Zellgewebe der
Wurzelfaser eingesenktem Borstenrüssel.
Im Frühjahr häuten sich die Thierchen, vertauschen
ihre braune Haut mit einer hellfarbigeren und wandern nach
den dünneren Wurzelfasern über. Hier setzen sie sich fest,
bohren ihren dreiborstigen Rüssel in das Zellgewebe der
Faserwurzel, den Saft derselben saugend, und wachsen zu
ihrer vollen Grösse aus. Die ausgewachsene Wurzellaus ist
von bräunlich-gelber Farbe und bis zu 0,75 mm lang. Man
kann sie also dann schon mit einer guten Loupe erkennen.
Beim Saugen treten aus der einer Scheide ähnlichen
Rüsselhülle 3 feine lange Borsten heraus, von denen die
mittlere die dickere ist. Diese Borsten senkt das Insect in
das saftige Zellgewebe der Wurzel.
Alle diese Wurzelläuse sind Weibchen und vermehren
sich parthenogenetisch, d. h. sie sind ohne Zuthun eines Männchens
befruchtet. Sie legen an dem Orte ihres Sitzes 30–40
Eier (von 0,24 mm Länge), welche anfangs gelb sind und
später dunkler werden. An den Stellen, wo die Eier lagern,
schwellen die Wurzelfasern an. Im Verlaufe von 8 Tagen
kriechen gelblich farbige Junge aus den Eiern, welche sofort
lebhaft herumkriechen, bis sie einen Ort auffinden, an
welchem sie ihren Rüssel in das Zellgewebe einsenken können.
Nach 20 Tagen legen diese Jungen wieder Eier wie ihre
Mutter. Diese Vermehrung geht durch den ganzen Sommer
ungestört fort.
Nach einer neueren Beobachtung Balbiani’s zu Montpellier
erscheint im October eine unterirdische Wurzellaus
mit verkümmerten Saugwerkzeugen, welche nur ein Ei, sogenanntes
Winterei, legt. Balbiani vermuthet, dass diese
Form ein von einem noch nicht aufgefundenen Männchen
befruchtetes Weibchen sei.
2. Geflügeltes Insect. Dr. L. Wittmack sagt in
seiner Abhandlung über die Reblaus[8]: „Nachdem sich die
fast stets unter der Erde verbleibenden flügellosen Individuen,
namentlich im Vorsommer unendlich vermehrt und eine Anzahl
Wurzeln angegriffen haben, erscheinen im Nachsommer
(in Frankreich schon Ende Juli und im August, bei Klosterneuburg
im September und selbst October) unter ihnen
Exemplare mit Flügelstummeln, sogenannte Nymphen. Diese
sind länger gestreckt als die übrigen, 0,8–0,9 mm
lang, der Kopf ist kleiner, der mittlere Brusttheil deutlicher
begrenzt, gewöhnlich auch heller gefärbt und das äusserste
(3te) Fühlerglied ist länger. Diese Thiere halten sich
gewöhnlich mehr an den oberen Wurzeln, selbst etwas über
dem Boden, unter der Rinde des Stammes auf. — Sie häuten
sich vor ihrer Verwandlung noch einmal und zeigen sich dann
als geflügelte Insecten mit 4 ziemlich langen, spärlich
aber stark geaderten, durchsichtigen, an den Rändern etwas
dunkleren Flügeln, die sie in der Ruhe nicht aufrecht tragen
wie die geflügelten Blattläuse, sondern wagerecht, so dass
sie wie eine zierliche Fliege — freilich mit immerhin etwas
plumpem Körper — erscheinen.“
Anschwellungen der Wurzelfasern in
Folge der Bedeckung mit Eiern der
Reblaus.
Natürliche Grösse.
Geflügelte Reblaus.
20malige Vergr.
Diese geflügelten Rebläuse erheben sich stets vor Sonnenuntergang,
die Gipfel der Weinstöcke umschwärmend. Sie
sind Weibchen, legen 3–5, aber zweierlei durchscheinende,
gelbliche Eier an die jüngsten Weinblätter oder in den
Flaum der Knospen. Die grösseren Eier sind 0,4 mm, die
kleinen 0,26 mm lang.
Alphabetisches Inhalts-Verzeichniss.
- Aberration, 12
- Aberr„tion, chromatische, 13
- Aberr„tion, sphärische, 12
- Acarus Farinae. A. plumiger, 92
- Accommodationsvermögen, 4
- Achnanthes, 149
- Achorion Schoenleinii, 144
- Algen, 143–148
- Alpakawolle, 99
- Anabaena, 148
- Anacystis, 148
- Analysator, 43
- Ankauf des Mikroskops, 48
- Aphthenpilz, 145
- Arrow-root, 87
- Aufbewahrung mikroskopischer Präparate, 65
- Bandwurm, 171
- Baummarderhaar, 110
- Baumwollenfaser, 96
- Beggiatoa, 147
- Beleuchtung, 22
- Beleu„htung, centrische, 26
- Beleu„htung, schiefe, 26
- Beleuchtungslinse, 22
- Bewegung des Objects, 57
- Biberhaar, 109
- Bisamhaar, 111
- Blendscheibe, 23
- Blendungen, 23
- Blut, 134
- Blutflecke, 139
- Blutkörperchen, 134. 136
- Blutkör„erchen, Grösse derselben, 137
- Bothriocephalus, 174
- Brand des Getreides, 86. 87
- Brennpunkt, 2
- Brennweite, 2
- Butter, 153
- Cacao, 127
- Caffee, 130
- Centrirung, 17
- Cercomonaden, 160
- Cercomonas intestinalis, 160
- Chamaesiphon, 147
- Chinagrasfaser, 97
- Chocolade, Chocoladenpulver, 129
- Chyluskörperchen, 142
- Cichorien, 131
- Claviceps purpurea, 81
- Collectiv, 15
- Collectivlinse, 15
- Colostrum, 151
- Compressorium, Hager’s, 31
- Compressorium, Schiek’s, 31
- Compressor-Mikroskop, 41
- Condensor, 25
- Conservationsflüssigkeiten, 67
- Conserving liquor, 64
- Correctionseinrichtung, 30
- Cryptococcus, 143
- Curcuma, 123
- Cylinderblende, 23
- Deckgläschen, 29
- Deckplättchen, 29
- Demodex, 161
- Deutlichkeit des Bildes, 49
- Diaphragma, 23
- Diatoma, 149
- Diatomaceen, 148
- Diatomella, 149
- Doppellancette, 61
- Doppellinse, 13
- Doppelmesser, 61
- Drehscheibe, 23
- Dschutefaser, 97
- Eicheln, Stärkemehl, 132
- Einstellung, 10
- Einste„lung, feine, 10
- Einste„lung, grobe, 10
- Einstellungsvorrichtung, 10
- Eiter, 141
- Eiterkörperchen, Eiterzellen, 141
- Epithelialzellen, 154
- Favuspilz, 144
- Feigenkaffee, 133
- Finne, 171
- Firnisse, 71
- Fleischuntersuchung, 168
- Flimmerbewegung, 58
- Flimmerzellen, 158
- Flüssigkeiten, conservirende, 67
- Flüssigkeiten, färbende, 64
- Flugbrand, 86
- Focaldistanz, 2
- Focus, 2
- Fuchshaar, 111
- Gährpilz, 143
- Gebrauch des Mikroskops, 52
- Gespinnstfaser, 95
- Getreiderost, 90
- Gewürz, englisches, 115
- Gewürze, 112
- Gewürznelken, 116
- Glycerin, verdünntes f. mikrosk. Objecte, 55
- Gomphonema, 149
- Grasrost, 90
- Grubenkopf, 174
- Haar, 102
- Ha„r, des Menschen, 104
- Ha„r, der Thiere, 109
- Haarpinsel, 62
- Haarsackmilbe, 161
- Haematin, 138
- Haematinhydrochloratkrystalle, 140
- Haematinkrystalle, 139
- Haematokrystallin, 138
- Haeminkrystalle, 139
- Haemoglobin, 138
- Hamsterhaar, 111
- Hanf, 98
- Harn, 154
- Harncylinder, 155
- Harnsäure, 156
- Harnsediment, 157
- Hasenflaum, 100
- Hefenzelle, 143
- Hipparchia, 51
- Hippursäure, 155
- Hülsenfruchtmehl, 80
- Hundshaar, 110
- Immersionslinsen, 30
- Immersionsverfahren, 30
- Ingwer, 120
- Jodlösung, 68
- Jute, 97
- Kaffee, 130
- Kaninchenhaar, 111
- Kartoffelkrankheit, 93
- Kartoffelpilz, 92
- Katzenhaar, 111
- Kleber, 80
- Klemmfeder, 33
- Kopfgrind, 144
- Kopfhaar, 105
- Kraft, definirende, 49
- Kra„t, penetrirende, 14. 49
- Kra„t, resolvirende, 14. 49
- Krätzmilbe, 162
- Lacke, 71
- Leim, flüssiger, 71
- Leinenfaser, 95
- Lepadella ovalis, 176
- Leptothrix, 146
- Linse, 1
- Lin„se, aplanatische, 14
- Lin„se, überverbesserte, 14
- Lin„se, unterverbesserte, 14
- Linsensysteme, 20
- Loupe, 6
- Luftbläschen, 56
- Lymphkörperchen, 142
- Macis, 123
- Magensarcinie, 144
- Marantastärke, 87
- Mehl, 76
- Mehlmilbe, 92
- Meniscus, 1
- Menschenhaar, 104
- Merismopedia, 144
- Messer, lancettförmiges, 61
- Microcystis, 148
- Miescher’sche Körperchen, 169
- Mikrometer, 26
- Mikrometerschraube, 10
- Mikromillimeter, 27
- Mikroskop, 1. 36
- Mikro„skop, dioptrisches, 1
- Mikro„skop, einfaches, 6
- Mikro„skop, katoptrisches, 7
- Mikro„skop, als saccharimetrisches Instrument, 45
- Mikro„skop, zusammengesetztes, 7
- Milch, 150
- Mitscherlich’sche Körperchen, 127
- Mohairwolle, 99
- Molekularattractionsbewegung, 57
- Molekularbewegung, 57
- Monaden, geschwänzte, 160
- Mouches volantes, 58
- Mückensehen, 58
- Muskatblüthe, 123
- Muskatnuss, 122
- Muskeltrichinen, 164
- Mutterkorn, 81
- Nadel zum Präpariren, 62
- Navicula Hippocampus, 51
- Nerz, 110
- Objecte, Aufbewahrung mikroskopischer, 65
- Objecte, Darstellung mikroskopischer, 61
- Objectglas, 26
- Objecthalter, 70
- Objectiv, 8
- Objectmikrometer, 27
- Objecttisch, 9
- Objecttischschraubenmikrometer, 28
- Objectträger, 28
- Ocular, 18
- Ocu„ar, knieförmiges, 20
- Ocu„ar, negatives, 18
- Ocular, orthoskopisches, 19
- Ocularglasmikrometer, 26
- Oeffnung, 11
- Oeffnungswinkel, 11
- Oidium albicans, 145
- Oidium Tuckeri, 94
- Oscillaria, 147
- Otter, virgin., Haar, 110
- Parasiten des menschl. Körpers, 161
- Pedesis, pedetische Bewegung, 58
- Peronospora, 92
- Pfeffer, schwarzer, 112
- Pfef„fer, weisser, 114
- Pfeilwurzelmehl, 87
- Phylloxera vastatrix, 176
- Piment, 115
- Pincette, 62
- Plasma, 74
- Pleurosigma angulatum, 51
- Polarisationsmikroskop, 42
- Polarisatio„smikroskop, zur Zuckerbestimmung, 45
- Polarisator, 42
- Präparirnadel, 62
- Prisma, Nicol’sches, 42
- Probeobjecte, 50
- Projiciren, 35
- Protoplasma, 74
- Prüfung des Mikroskops, 48
- Psorospermien, 171
- Puccinia graminis, 90
- Quetscher, 31
- Räderthierchen, 175
- Rainey’sche Körperchen, 169
- Reagentienanwendung, 63
- Reblaus, 176
- Reinigung des Mikroskops, 59
- Röhren, 56
- Rotatoria, 175
- Russbrand, 86
- Samenfäden, 158
- Samenflecke, 159
- Sammellinsen, 1
- Santelholz, rothes, 124
- Sarcinie, 144
- Sarcoptes, 162
- Schamhaar mit Sperma, 108
- Schärfe des Bildes, 49
- Scheere, krumme, 62
- Schleim, 141
- Schleimkörper, 141
- Schmierbrand, 87
- Schwämmchen der Kinder, 146
- Schweinefinne, 171
- Scotomata, 58
- Sehweite, 4
- Sehwinkel, 3
- Seide, 98
- Senf, 125
- Soorpilz, 145
- Speisesenf, 125
- Spermaflecke, 159
- Spermakörperchen, 159
- Spermatozoën, 158
- Spiegelmikroskope, 7
- Spirillum, 147
- Sputum Tuberculosis, 143
- Stärke, 76
- Stärkemehlkörnchen im polarisirten Licht, 44
- Stärkemehlarten, 76
- Steinmarderhaar, 110
- Stipplinsen, 30
- Surirella Gemma, 51
- Taenia solium, 173
- Taschenmikroskope, 39
- Teichmann’sche Krystalle, 139
- Testobjecte, 50
- Tilletia Caries, 81
- Traubenpilz, 94
- Trichinen, 163
- Trichomonas vaginalis, 161
- Trommelmikroskope, 39
- Tuberculosis, Auswurf bei, 143
- Vergrösserungen, 20
- Vibrio, 146
- Vibrio Tritici, 92
- Vicunnawolle, 99
- Vigogne, 99
- Weichselzopf, 108
- Weintraubenpilz, 94
- Weizenschlängelchen, 92
- Wollenhaar, 98
- Zeichnenprisma, 33
- Zelle, 73
- Zerstreuungslinsen, 1
- Zimmt, 119
- Zobelhaar, 110
- Zungenbelegpilz, 145