Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von Thomas Middleton & Co. 1874 für die Offizin der Illustrated London News gebaute, und dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte „Ingram-Maschine“ wird zum Druck eines kleinen Blattes The Penny Paper benutzt. Die Konstruktion der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der kleinere Cylinder für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen zweckentsprechend.
Für Farbendruck bauten Conisbee & Son in London eine Endlose, die dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. Powell. In Chicago fabrizierten Suitterlin Claussen & Co., in Philadelphia T. O. Ferree Vielfarbemaschinen[50].
Wie die Extreme sich so oft berühren, so geschah es auch in dem Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt werden können und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in Anspruch nahmen.
Es war ganz natürlich, dass man besonders in den Ländern, wo der Spruch „Zeit ist Geld“ seine volle Gültigkeit hatte, und wo die Zahl der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen „Job-Arbeiten“ beschäftigten — also in Amerika und England —, an diese kleinen Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten, bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust, deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen weiten Weg hin und zurück zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter verführerischen Namen, als: Universal, Nonpareille, Minerva, Non plus ultra, Franklin, Excelsior, Progress, Lilliput, Favorit, Star etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, Degener & Weiler, in New-York mit ihrer Liberty-Press gebrochen. Die auf dem Kontinent verbreitetsten Tretpressen dürften jetzt neben den Degener & Weilerschen die „Gordon-Pressen“ sein. Trotz einiger, diesen kleinen Maschinen anhaftenden Mängel haben sie doch in zweckmässigster Weise eine bedeutende Lücke im Druckgewerbe ausgefüllt. Ein Kabinettstück unter den kleinsten Maschinen ist Mausel Baylys Kombinationspresse. Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen verdrängt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschäfts in die Hände der sogenannten Trittmüller — kleine Papierhändler, Buchbinder und andere Nichtbuchdrucker — gefallen sind, hat sie in einen unverdienten üblen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der Kidder-Press mit feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung gebracht.
Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden von Bodel so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von beiden Seiten verschiedenartig färben.
Eine wesentliche Verbesserung bei den gewöhnlichen Schnellpressen waren die rechenförmigen Mechanischen Ausleger, die mit ihren, sich zwischen den Leitbändern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den Leitbändern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrücken. Diese Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger mit den Mechanischen Anlegern der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht überschreiten lässt. Man suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich befindende Saugröhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen, den man dann, wenn die Röhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen Lage über dem Anlegetisch befinden, durch Einführung von Luft zum Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugröhren zu gleicher Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. Ashley in New-York.
Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berührung gewesen, rauher, als die obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte. Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberfläche zu geben, kam man frühzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck, jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10–20 übereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen durchzudrehen. Diese Manipulation mit der Satiniermaschine war langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche) sich leicht abnutzten und Nachlässigkeit der Arbeiter leicht das Papier verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich drehenden Cylinder zu führen, gelangen erst in letzter Zeit (vgl. Kap. X).
Um nach dem Druck ein stärkeres Glätten als durch die übliche Glättpresse möglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten Bogen zu erzielen, bauten Furnival & Co. in Manchester nach Gills Patent eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte Stahlcylinder führt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzüglichen Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht auf endlosen Bändern.
Das heisse Glätten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch Thomas Turnbull erfunden sein, der an einer Presse beschäftigt war, in welcher Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel die Rauheit des Druckes Turnbull und er glättete die Bogen, indem er sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess. Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschäft eröffnete, um für die Buchdruckereien die Arbeiten zu glätten. Die Frage, ob das heisse Glätten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird.
Eine Trocken- und Glättpresse von J. W. Jones in Harrisburg (Pennsylvanien) trocknet, glättet und falzt von der Schnellpresse weg 6000 Bogen in der Stunde.
Die gewöhnliche Glättpresse erhielt durch Boomer & Borchert in London eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse übertreffen.
Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen und den grossen Auflagen fast eine Unmöglichkeit geworden. Grössere Druckereien schafften deshalb Mechanische Feuchtapparate (Hoe & Co., Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz überzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprühregen benetzten. Für feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen, da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen Verhältnissen, mehr in seiner Macht behält, das Feuchten rationeller zu betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt, was für diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als ein Vorteil erscheinen mag.
Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich das Broncieren in Anwendung. Bronciermaschinen erleichtern diese Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so nachteilige, mitunter sogar tödlich wirkende Einatmen des Broncestaubes. Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behälter durch ein System von Bürsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass die Arbeit vollständig fertig aus dem Behälter herauskommt[51]. Eine ähnliche Maschine von E. A. Clowes & John Baley verrichtet das der Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbürsten der zu galvanisierenden Matern mit Graphitstaub.
Die bei der Schnellproduktion so wichtigen Falzmaschinen fanden namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von Cyrus Chamber eingeführt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik in Philadelphia unter der Firma Chambers Brothers & Co. errichtete. Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B. falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine von S. C. Forsaith & Co. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die sich für verschiedene Formate stellen lässt.
Weitere Erleichterungen gewähren die Buchheftmaschinen (Wheeler & Wilson) und die Zusammentragemaschine (Howe). Letztere ist in der Art der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen.
Von den unendlich vielen Hülfsmaschinen seien nur noch erwähnt die Couvertmaschine (G. Tidcombe & Son, J. Wilkinson; C. Godall & Son) und die Schneidemaschine. Spezialisten für letztere sind Furnival & Co. in Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurückgehen des Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. Überhaupt ist die Fabrik Furnival berühmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer Hülfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster Weise betrieben wird.
Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln nicht, und doch war es nur möglich, das Hauptsächlichste zu erwähnen. Sowohl Hülfsmaschinen als Utensilien werden jährlich vermehrt und verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch die Utensilien-Geschäfte, welche alle notwendigen Gegenstände von der Ahle ab und bis zu der grössten Schnellpresse liefern, ja selbst die Einrichtung vollständiger Druckereien übernehmen, so dass der Besteller nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschäfts-Verhältnisse den Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten überlassend[52].
So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen Mängeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren, die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels brennender Fidibusse erwärmt, bald mit Sägespänen abgerieben, geschabt, gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhältnisse nicht besonders günstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging.
Diesen Übelständen ist durch die Englische Walzenmasse, die hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein; das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse Schwierigkeiten erwachsen.
Eine weitere Verbesserung sind die Lanham-Walzen. Waren sie anfänglich nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des Daily Telegraph druckt jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten Kautschuk-Überzug versehen ist.
Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre Farbe selbst zu fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840, wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von Parson oder Lawson gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind Parsons, Fletcher & Co. in London und A. B. Fleming & Co. in Leith, wohl die grösste Farbenfabrik der Welt.
Fußnoten:
[27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als Press zu bezeichnen, hat in Deutschland öfters zu Missverständnissen Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt, dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung Shakespeare-Press verbreitet sei, während diese Bezeichnung die Firma für Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst arbeitete.
[28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24.
[29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62.
[30] Über die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse. Braunschweig 1828. — Journ. f. B. 1834, S. 95.
[31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42.
[32] Journ. f. B. 1835, Nr. 33.
[33] Journ. f. B. 1838, Nr. 33.
[34] Journ. f. B. 1835, Nr. 81.
[35] Journ. f. B. 1835, Nr. 4.
[36] J. f. B. 1834, Nr. 62.
[37] Journ. f. B. 1835, Nr. 55; 1836, Nr. 122.
[38] König & Bauer, Die ersten Druckmaschinen erbaut in London bis zu dem Jahre 1818. Mit Abbildungen. Leipzig 1851. — S. Smiles, Frederick König, Inventor of the steam printing machine. MacMillans Magazine, Dzbr. 1869. — Th. Goebel, Fr. König und die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. — Königs Jugendgeschichte und die spätere Geschichte des Etablissements König & Bauer in Kloster Oberzell ist in Kap. X behandelt.
[39] Erbauer der Paulskirche in London.
[40] Repertory of arts vol. 1, 1796. — Savage, Dictionary of the art of printing. 1841.
[41] Cowpers Maschine ist in Monthly Magazine vom 1. Jan. 1819 beschrieben und abgebildet.
[42] A description of A. Applegaths & Cowpers horizontal machine and of Applegaths vertical machine for printing the Times. London 1851.
[43] Wenn in dem Folgenden von Leistungen der Maschinen ohne eine Zeitbestimmung gesprochen wird, ist stets damit in einer Stunde gemeint.
[44] In Deutschland arbeitet unseres Wissens nur ein Exemplar in der Viewegschen Buchdruckerei in Braunschweig.
[45] Journ. f. B. 1860, Nr. 30.
[46] R. Hoe & Co., The typographical Messenger, 1869.
[47] Diese Bezeichnung wurde halb im Scherz von den „Annalen der Typographie“ gebraucht und dann von Anderen acceptiert. „Rotationsmaschine“ ohne nähere Bezeichnung deckt den Begriff der „Endlosen“ nicht genau.
[48] Eine Reihe von Artikeln, welche die englischen und amerikanischen Endlosen beschreiben und abbilden, sind separat erschienen als: J. F. Wilson, Typographic Printing Machine and Machine Printing. London 1871.
[49] Ann. d. Typ. 1. Bd. Nr. 32; V. Bd. Nr. 235.
[50] Fr. Noble, The principles and practice of colour printing. London 1881.
[51] Tapley. Leming Ray & Lynede in Manchester. L. Poirier & G. Legrand in Paris. A. Fichtner (für Haufler & Schmuterer) in Wien.
[52] Wer die unendlich vielen Gegenstände, welche ein solches Geschäft verhandelt, näher durch Beschreibung und Abbildungen kennen lernen will, dem ist eine Reihe von Artikeln im Journ. f. B. 1867, Nr. 31, 32, 36, 37 zu empfehlen. Nicht weniger Interesse bieten die grossen illustrierten Kataloge, die fast alle bedeutenden Utensilienhandlungen herausgeben.
England. Aufblühen der Typographie: J. Baskerville, Bowyer Vater und Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard Vater und Sohn. Die Xylographie: Thom. Bewick. Der Farbendruck: G. Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. Die Zeitungspresse: Die Times und die Familie Walter; Stempel; Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. Der Accidenzdruck. Der Buchhandel: die illustrierten Blätter, Ch. Knight. Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. Die Buchbinderkunst.
Asien: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. — Australien, die Südseeinseln. — Afrika.
ALS der eigentliche Schöpfer der neueren englischen Typographie gilt John Baskerville, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre 1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 übernahm er ein Lackiergeschäft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universität Cambridge erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des Common Prayer Book zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die Universität von 20 resp 12 £ Sterl. für je 1000 Exemplare und an die Stationers Company weitere 12 £ Sterl. für die Erlaubnis, seinen Ausgaben die Psalmen anzufügen. Zu seinen berühmtesten Druckwerken gehören die Ausgaben des Virgil in 4° und in 12°, sowie sein Horaz von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst seine Pressen. Namentlich waren seine schönen Buchschriften, ganz besonders seine Cursivschriften, berühmt. Auch dem Papier und dessen Behandlung widmete er die grösste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden einzeln zwischen zwei erwärmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch das Aussehen seiner Drucke keineswegs schön, mutmasslich hat unrichtige Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier geübt.
Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben müde und erklärte, er bereue es bitter, je ihre Ausübung angefangen zu haben. Seinem letzten Willen gemäss wurde er in seinem Grundstück in ungeweihter Erde unter einer Windmühle begraben.
Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hörte schon 1775 zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So viele Vorzüge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da, bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis von 3700 £ Sterl. kaufte; die Universität Cambridge hatte die angebotene Erwerbung abgelehnt.
Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tüchtigsten und bravsten Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater Will. Bowyer d. ä. besass einen höchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein Verlagsgeschäft, 1699 eine Buchdruckerei begründet. Wie gross die Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschäft in der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1712 vollständig durch Feuer zerstört wurde. Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die Hälfte des ihm entstandenen Schadens von 5000 £ Sterl.
Der Sohn William Bowyer d. j. studierte in Cambridge, wo er von 1716–1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher Werke beschäftigt war. Dann trat er in das Geschäft des Vaters und fuhr fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich unterstützte. 1729 wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses übertragen, die er fast 50 Jahre lang lieferte[53].
Im Jahre 1766 hatte Bowyer John Nichols zum Teilhaber genommen. Dieser hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die Hälfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurückzahlte. Aus dem Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associés. Nach Bowyers Tod behielt Nichols das Geschäft allein. Er war nicht nur Erbe der Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgänger, sondern auch von deren Unglück, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag, seltenen Büchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und Associé, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs neue ein. 1804 war er Vorsteher der Stationers Company geworden und hatte damit das Ziel seines geschäftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806 beschäftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten.
William Strahan kaufte einen Teil des Patentes eines königlichen
Buchdruckers, erwarb für so hohe Honorare, wie sie selten
bezahlt worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten
Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der
Stationers Company. Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten
in naher Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit
Andr. Strahan † 1831.
Thom. Spilburydem er in London zusammen gearbeitet hatte. Noch in einem seiner
letzten Briefe an Strahan bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst
entlehnten Allegorien und Ausdrücken scherzhaft die Politik.
Der Sohn Andrew Strahan trat in die Fussstapfen des Vaters und
fand in Thomas Spilbury einen würdigen Nachfolger, der französische
Klassiker mit solcher Korrektheit druckte, dass sie selbst in Frankreich
den französischen Ausgaben vorgezogen wurden.
Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich Miller Ritchie, einem geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785 mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde. Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten.
Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben Bestrebungen muss William Bulmer genannt werden, dessen Name mit dem Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer (1794–1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt Shakespeare-Press, gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith und Parnell. 1798–1803 wurde das prachtvolle Museum Worsleyanum, zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £ Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins Typographical Antiquities und die Bibliotheca Spenceriana, wohl das brillanteste bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen Pressen ist ferner Dibdins Bibliographical Decameron mit einer grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins Sanskrit Grammar, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung. 1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf Will. Nicol, den Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt. Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird Daniel Grimsshaw genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.
Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt wurde, war Thomas Bensley. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.
Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch Charles Whitaker. Seine Ausgabe der Magna Charta, ganz in Golddruck von hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben.
Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht The Press, von dem Buchdrucker John M'Creery im Jahre 1803 gedichtet und gedruckt, und von Holl illustriert.
Charles Whittingham war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre 1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schöne Werke für Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre 1811 überliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner Geschäfts und zog nach Chiswick. Aus seiner Chiswick-Press ging unter anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819–1822 eine vortreffliche, nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bänden hervor. Das Geschäft ging auf Whittingham II. * 30. Okt. 1795.den Neffen Charles Whittingham über, der jedoch daneben eine von ihm selbst begründete Offizin in London hatte, wo er, mit Peels Werken beginnend, eine Reihe von schönen Ausgaben für Will. Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn Ch. John Whittingham starb am 21. April 1876.
Berühmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, Luke Hansard, ist namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt Norwich und arbeitete später in dem Geschäft des Parlamentsdruckers John Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewöhnliche Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausführte, fest begründet. Freilich war es auch lohnend, für die Regierung zu arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772 £ Sterl.; in dem Jahre 1830 wurde für 86217 £ Sterl. gedruckt. 1831 machten die Parlamentsakten 120 Foliobände aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch gewesen zu sein[56].
Thomas Curson Hansard, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich bekannt als Verfasser der Typographia, des renommiertesten englischen Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches eine Menge schätzbares Material enthält, dessen bessere Sichtung und Durcharbeitung jedoch sehr zu wünschen gewesen wäre.
Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine Renaissance, die wir ebenfalls einem Engländer verdanken, was um so mehr überrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland, Frankreich und Italien blühte, noch gar keine Holzschneidekünstler aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX. Jahrhunderts London nur zwölf Holzschneider zählte. Man kann sonach, was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der Wiedergeburt der Kunst durch Thomas Bewick reden.
Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem 14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle: Ralph Beilby.
Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus. Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt „Der alte Hund“ erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte Prämie für den besten Holzschnitt. Die „Geschichte der Vierfüssler“ erschien 1790; das berühmte Werk „Die Geschichte der englischen Vögel“ folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters, der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795 in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre 1870 erschienenen Album vereinigt[57].
Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.
Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so auch in dem Farbendruck. Zuerst ist William Savage zu nennen, geboren zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790 als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London, und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden: Hints on decorative Printing in zwei Teilen (1819–1832). 1840 folgte sein bekanntes Werk Dictionary of the Art of Printing. Übertroffen wurde er von George Baxter.George Baxter, der seine ersten Versuche 1835 machte und Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten Arbeiten finden sich in seinem Pictorial-Album, das 1837 bei Chapman & Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von einem kleinen Blatt „Die Dreieinigkeit“ nach Rafael wurden über 700000 Exemplare verkauft.
Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben schleudernden Raketen bekannten Sir William Congreve erfundene. Congreve war Zeuge von dem mühsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjähriges Patent auf eine von Donkin für ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt werden sollen, knapp aus der Platte herauszusägen, so dass sie, wieder in einander gefügt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile, welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen hochgestellt und eingefärbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberfläche bildet, mit einem Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker Whiting legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptsächlich mit Druck von Etiquetten u. dgl. beschäftigte. Durch die Fortschritte der Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves Methode so gut wie verdrängt. Die Engländer nennen sie Compound Printing, die Bezeichnung „Congreve-Druck“ rührt von Ed. Hänel her, der das Verfahren nach Deutschland brachte.
Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge, in Schottland Edinburgh eine grössere Bedeutung.