Königs Jugendgeschichte.

Der Vater Königs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine vortreffliche Frau, die für einen guten Unterricht des Sohnes Sorge trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J. G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hörte später Vorlesungen und beschäftigte sich wahrscheinlich schon frühzeitig mit Plänen zur Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten einzudrücken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre 1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an. Die Pläne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12. Mai 1806. Anfänglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und König schrieb an seine Mutter, mit der er auch später sich schriftlich in kindlicher Liebe unterhält, Berichte voll der schönsten Hoffnungen. Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwähnten Jahre ist König in London, um dort seine Pläne durchzusetzen.

König & Bauer.

Wie dies geschah ist bereits erzählt (S. 53). König kehrte Ende August 1817 nach Deutschland zurück, wo es ihm gelungen war, das reizend gelegene frühere Benediktiner-Kloster Oberzell, eine halbe Meile von Würzburg, zu erwerben. Erst später, im Mai 1818, kam der treue Freund Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr tüchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten und Sorgen mit König geteilt, ohne dass ein festes Geschäfts-Verhältnis zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Königs Abreise von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden abgeschlossen. Nach demselben sollte König als Erfinder und als Ersatz für seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, während ein Anteil Bauer zufallen sollte; auch würde Oberzell Königs Eigentum bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgeändert, dass eine gleichmässige Teilung des Gewinns stattfand.

König über Bauer.

Über Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben thun wir am besten, uns an Königs eigene Worte zu halten, welche in wenigen Zeilen das Verhältnis so trefflich und schön charakterisieren: „Wenn zwei Männer gemeinschaftlich und im höchsten Vertrauen zu einander einen Zweck verfolgen, so dürfte es schwer sein, den Anteil zu bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit dem jede Angelegenheit des Geschäfts überlegt worden ist und wir haben uns selbst nie Rechenschaft darüber abgelegt oder abgefordert“.

Man hatte nun nicht nur ein Dach über dem Kopfe, sondern war, was Lokalität anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte, aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug und Hülfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhältnisse lagen nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tüchtige Gehülfen auszubilden.

Erste Bestellung.

Dann mussten Bestellungen herbeigeführt werden. Cotta, an den man sich zuerst wandte, konnte „Staatsgeschäfte halber“ vorläufig sich nicht mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Königs Vorstellungen offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K. Spener. Bereits während Königs Aufenthalt in England waren nähere Unterhandlungen mit Decker angeknüpft, die jedoch durch Königs Absicht, England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes über die Lieferung von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen, ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von König anfänglich geforderten jährlichen Abgabe, ein für allemal ein Prämium von 10000 Thalern gewähren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Königs fehlte.

Schwierigkeiten aller Art.

Die Ausführung gestaltete sich für beide Teile zu einer langen Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwähnten Schwierigkeiten der Arbeiterverhältnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich in quälender Weise für König & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunächst um eine Papierfabrik in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert, ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl. geknüpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, für welchen König noch Arbeiten auszuführen hatte, ward unwillig, weil er sich unmöglich die Jämmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhältnisse vorstellen konnte. Das langsame Vorwärtsschreiten machte Decker und Spener ärgerlich, trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen möglichen Vorschub zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fünf Jahre nach der Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25. Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehörigen Einrichtungen kamen die Kosten für die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu im Jahre 1827 noch 5500 Thaler für Umbau.

Vielfache Pläne.

Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik wollte es nicht vorwärts. Im Herbst 1823 musste König selbst nach London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten vorläufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschäft; 1831 übernahmen jedoch König & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der Kräfte doch kaum als ein Glück für das Schnellpressen-Etablissement zu betrachten, dessen rasche Förderung noch nicht gelingen wollte, sie gewährte aber eine fortwährende Beschäftigung für Königs regen Geist. Er brachte an den Times-Maschinen Verbesserungen an, beschäftigte sich mit dem Gedanken einer Roundabout-Presse mit zehn Druckcylindern, welche stündlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits erwähnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plänen.

Verbreitung der Schnellpresse.

Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse für die Allgemeine Zeitung in Augsburg. König selbst leitete die Aufstellung im Verein mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und den König von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich später in Wien aus.

Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte König solche auf eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. König litt jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker selbst drückte, und der Plan liess sich nicht durchführen. Er musste nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die sich durch Menschenhände bewegen liessen und von denen er gleichzeitig mehrere Exemplare bauen könnte, wodurch die Herstellung wesentlich billiger zu stehen kommen würde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt, darunter die ersten für Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F. A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an König, dass ihm der Mut fehle (Kap. XII). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot & Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; für Enchedé & Sohn in Harlem waren bereits zwei solche abgesandt.

Rückgang und dann neue Erfolge.

Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution. Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust, Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstörung ausgesetzt waren, anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die über hundert Arbeiter beschäftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen, um die Buchdrucker für die Maschinen zu interessieren. In einem diesbezüglichen Zirkular finden sich merkwürdige Äusserungen. Die Firma erklärt, vierfache Maschinen bauen zu können, die wenigstens 4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, „dass es nirgends Verhältnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere Vorteile gewähren würde“, und fährt dann fort: „Wir halten noch andere seltsamere Kombinationen — mit endlosem Papier — nicht nur für möglich, sondern auch für leicht ausführbar. Allein, obgleich man damit ein ungeheures Resultat erhalten würde, so treten doch, nach unserer Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschränktheit des Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben, ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen könnten, wiewohl wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum wohlfeilen und schnellen Druck ist genug geschehen, zum besseren Druck bleibt noch viel zu thun übrig“.

Königs Verheiratung und Tod.

Im Jahre 1825 heiratete der 50jährige König eine 18jährige junge Dame aus Suhl. Sie schenkte König drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. König fühlte sich sehr glücklich, sollte jedoch leider nicht lange sein Glück geniessen. Die Entbehrungen in den jüngeren Jahren, die fortwährenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar 1833. Seine treue Gefährtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund Bauer überlebte ihn fast 30 Jahre Königs Nachfolger.und ruht seit 1860 an seiner Seite. Die Söhne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29. Januar 1829) übernahmen das Geschäft. König und Bauer, aus einem ganz verschiedenen Stoff gebildet, ergänzten sich vortrefflich. Der erste hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedächtig überlegend, minutiös im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren Jahre 1824 trat eine vorübergehende Missstimmung zwischen Beiden ein, die sich jedoch schnell ausglich.

Wachstum des Etablissements.

Bei Königs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgeführt. Es ging aber nun so rasch vorwärts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am 6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei welcher Gelegenheit die beiden Brüder den Orden des heiligen Michael erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Für das erste 1000 waren 50 Jahre nötig gewesen, während das zweite 1000 nur acht Jahre brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach St. Petersburg). Die stärksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stück, Cotta mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll.

Verbreitung der Königschen Schnellpressen.

Die Schnellpressen König & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse Akkuratesse der Arbeit und durch Solidität aus. Die mit Kreisbewegung und Cylinderfärbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzüglichkeit des Farbewerkes ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind, als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfärbung. Welches Ansehen die Schnellpressen König & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen von 24 Stück auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum Banknotendruck nach Rom und von 20 Stück für die Bank von Frankreich. Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschäftigt vorzugsweise König & Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche für die feinsten Arbeiten allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentümlichkeit der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Färbung, eine Kombination von Cylinder- und Tischfärbung, ist eine höchst vollkommene.

Die Zweifarbenmaschine.

Vorzüglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen König & Bauers. Wenn sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einführten, so gebührt ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese Maschinen müssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochätzung erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie möglich geworden ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie überall Eingang finden können. Auch für die Accidenzarbeiten ist der Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim Doppeldruck hat nun in manchen Fällen aufgehört.

In neuester Zeit bauten König & Bauer nach dem ursprünglichen Patent von A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lässt sich auch für eine grössere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits für fünf nach Frankreich angefertigt[192].

Königs Endlose.

Als die „Endlosen“ aufkamen, verhielten König & Bauer sich eine ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik „Augsburg“ den Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schädigen, nicht zurückbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunächst an die Konstruktion der Victory-Press, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre derartigen Maschinen für die Kölnische Zeitung wurden nach den Angaben des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193].

Maschinenfabrik Augsburg.
Fr. Reichenbach † Juni 1883.

Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen. Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach, gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung; grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt. Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38 Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46 im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel fast füllenden Antiquaschriften.

Die Endlose in Wien.

Bereits im Jahre 1859 war mit „Endlosen“ in Wien durch Auer experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den Direktor der Druckerei der „Presse“, eingeführt, zunächst um den Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung liess die Druckerei der „Neuen Freien Presse“ eine ihrer grossen Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen umarbeiten, die in dem Pavillon der „Neuen Freien Presse“ in dem Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der „Endlosen“ bis jetzt kein grosses Glück gehabt.

Andere Rotationsmaschinen.

Auch C. Hummel in Berlin baute „Endlose“ und will das Patent von G. A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen. Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern, so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten.

Verschiedene Fabriken.
J. Forst † 14. Febr. 1879.

Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. Sigl in Berlin, der schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; Aichele & Bachmann in Berlin. Die Firma Klein, Forst & Bohn in Johannisberg a. Rh., begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar 1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit dem von E. C. Brunn in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat. Albert & Hamm in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma Bohn, Fassbender & Herber, in Worms die Maschinenfabrik Worms. In Leipzig sind die bekanntesten Firmen Ph. Swiderski, dessen kleine Maschine „Lipsia“ vielen Beifall findet; Schmiers, Werner & Stein, die viele grosse Maschinen bauen. Tretmaschinen fabrizieren A. Hogenforst und Schelter & Giesecke. Eine Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. Schumann in Leipzig, welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195].

Fr. Helbig * 1800, † 1842.
Leo Müller * 1800, † 1843.

In Österreich waren Helbig & Müller die ersten Schnellpressenfabrikanten. Fr. Helbig, ein Sohn aus erster Ehe der Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in Eisleben, hatte bei König gelernt. Leo Müller war in Rieglern in dem Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch unterblieb[196].

Andere Fabrikanten in Österreich.

Als tüchtige Maschinenbauer sind Sigl, Ludw. Kaiser und J. Anger bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G. Bernhardt Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. Fuchs und Jeanrenaud & Co. finden Beifall.

Lithographische Schnellpressen.

Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe, die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre 1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer; Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.

Ferd. Schlotke.
Zinkdruckpresse.

Für den zinkographischen Druck hat Ferdinand Schlotke in Hamburg eine Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird, und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].

Verbesserungen der Handpresse.

Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich Chr. Dingler in Zweibrücken. Die Columbiapresse wurde von Fr. Vieweg eingeführt und im Jahre 1825 in dem Hüttenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei diesen Pressen war das öftere Springen der Seitenwände. C. Hoffmann in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmässig, als sie über den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in vorzüglicher Qualität von Chr. Dingler in Zweibrücken fabriziert wurden. Dingler verstärkte noch die Kraft und die Sicherheit der Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier schrägstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der Höhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, während sie, wenn er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Säulen, stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwüstlicher Stanhopepressen nicht rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200].

Farbeauftrag-Maschinen.

Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. Strauss in Wien, Hermsdorf in Mannheim und Schuhmacher in Hamburg experimentiert. Georgi in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brönnerschen Offizin in Frankfurt a. M., R. Gerhard, führte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute Georg Jontzen in Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von Selligué. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rähmchen mit dem Papierbogen ist beweglich. Während ein Drucker von der einen Seite den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Für Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser Kallmeyer in Osterode einen ähnlichen Apparat.

Diverse Maschinen.

Von kleineren Maschinen sind zu erwähnen die Falzmaschinen von Sulzberger & Graf in Frauenfeld in der Schweiz, später von König & Bauer, Isermanns Hobelmaschine, Brockhaus' Zifferndruckmaschine und Farbereibmaschine, H. Zimmermanns und F. G. Wagners und B. Auerbachs Numeriermaschine, A. Fomms und Karl Krauses Schneidemaschinen, Brendler & Harlers Perforiermaschine, Hansens mechanischer Ausleger u. v. a. J. F. Klein in München liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die von endlosen Streifen 150 Stück in der Minute druckt und numeriert. Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner Karig in Wien und G. Göbel in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text, die laufende Nummer, zählen die Exemplare und drucken schliesslich das Datum darauf. Albert & Co. in Frankenthal bauten Signiermaschinen, A. Fichtner in Wien Bronciermaschinen, A. Meyer & Schleicher Graphiteinreibungsmaschinen, B. Dondorf in Frankfurt a. M., Fr. Heim & Co. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc. her.

Die Satiniermaschine.

Die Satiniermaschine mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen und zwei äusserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen, welche durch den stärksten hydraulischen Druck eine völlig harte Masse geworden, abgelöst. Das Papier geht einen S-förmigen Weg und kommt somit von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berührung. Schaber und Wischer halten die Walzen rein und stählerne Abstreifer verhindern das Ankleben des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit der Papierwalze in Berührung kam, weniger glatt wurde, so musste das Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch das doppelte Walzenpaar unnötig geworden ist.

Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach Eindrücke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden müssen. Diese Satinierwerke werden namentlich von W. F. Heim & Co. in Offenbach[201] und C. G. Haubold in Chemnitz gebaut; Karl Krause in Leipzig liefert sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier. Auch F. Schlotke machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen bekannt. W. Schroeder & Co. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizität der Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. Schürmann in Düsseldorf haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind, damit der ausgeübte Druck sich ganz gleichmässig verteilt[203].

Für das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. Haubold jun. in Chemnitz und W. F. Heim in Offenbach Werke, die mit günstigem Erfolg 1000–1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur Bedienung gebrauchen[204].

Unter den Utensilienfabrikanten nehmen Schelter & Giesecke, A. Hogenforst und Alex. Waldow in Leipzig einen bedeutenden Platz ein. Klimsch & Co. in Frankfurt a. M. haben durch ihr „Adressbuch für Buch- und Steindruckereien“ und durch ihren „Allgemeinen Anzeiger für Druckereien“ Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs und berücksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschäft namentlich Steindruckereien, ebenso G. E. Baumann in Berlin; Gursch & Klemm in Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken Stoffler & Backé.


Die Farbefabrikation.

Nachdem die Buchdruckereien aufgehört hatten, selbst ihre Farbe zu bereiten, und grössere Anforderungen an den Druck gestellt wurden, war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe betraf, dem Ausland, vorzüglich England, tributpflichtig geworden, und noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die Hauptlieferanten für den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch namentlich Jul. Hostmann in Celle und Gebr. Jänecke & Friedr. Schneemann in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Höhe zu bringen. Kostete es anfänglich auch grosse Mühe, durchzudringen, so kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille erhielt, während der berühmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S. 72) nur der dritte Preis zufiel.

Teigfarben.

Von älteren und jüngeren Fabriken sind zu nennen: Fischer, Naumann & Co. in Ilmenau, J. Brönner in Frankfurt a. M., Kast & Ehinger in Feuerbach bei Stuttgart, Robert Gysae in Oberlössnitz bei Dresden, J. E. Breidt in Hammerling in Nieder-Österreich, Friedr. Wüste in Pfaffenstetten, Frey & Sening in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der nötigen Quantität von Firnis bedürfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung für Buchdruckereien, die nicht regelmässig mit bunten Farben arbeiten.

Die Kopierfarbe.

Nicht unwichtig war die Einführung der Kopierfarbe, denn diese macht es möglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen später zu kopieren, was besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist.

Surrogate.

Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfällen zu bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur wieder in weisses Papier umzuändern wäre, haben alle für die Praxis keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist öfters die der sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden.

Fußnoten:

[189] Die folgenden Zeilen sind einem Glückwunschschreiben entnommen, welches der Herausgeber dieses Buches als Sekretär des Deutschen Buchdrucker-Vereins an die Söhne Friedrich Königs zum 17. April 1875 abzufassen hatte (vgl. Annalen d. Typ. Nr. 301). Dieses Schreiben sowohl wie der Jubelartikel in dem Journ. f. B. 1875, Nr. 15 ff. kamen jedoch, wie nach späterer Feststellung des Geburtsjahres Königs hervorgeht, um ein Jahr zu spät.

[190] Th. Goebel, Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. Eine von demselben verfasste umfangreiche Geschichte der Erfindung, zugleich der Firma König & Bauer, war bei dem Satz dieser Bogen und bei dem bereits erfolgten Druck der Bogen 4 und 5 noch nicht ausgegeben, konnte demnach nicht für die Darstellung hier benutzt werden. — J. H. Bachmann, „Die ersten Schnellpressen in Deutschland“; eine Reihe von Artikeln in dem Journ. f. B. 1868, Nr. 38–48, 1869, Nr. 2–17 enthält die ausführliche Geschichte des Baues von vier Schnellpressen für Spener und Decker in Berlin.

[191] König & Bauer, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873.

[192] Journ. f. B. 1881, Nr. 32.

[193] Journ. f. B. 1880. Nr. 17.

[194] Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36.

[195] Journ. f. B. 1879, Nr. 8.

[196] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880.

[197] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2.

[198] Journ. f. B. 1882. Nr. 32.

[199] Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22.

[200] Fast alle hier erwähnten Handpressen sind in dem Journ. f. B. 1834–36 abgebildet und beschrieben. Näheres vergl. S. 51–53.

[201] Journ. f. B. 1877, Nr. 13.

[202] Journ. f. B. 1881, Nr. 3.

[203] Journ. f. B. 1881, Nr. 45.

[204] Journ. f. B. 1879, Nr. 19.

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XII. KAPITEL.

DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene Offizinen Leipzigs. — Dresden: Meinhold & Söhne u. a. — Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. — Weimar: Hofbuchdruckerei. — Gotha: Just. Perthes. — Braunschweig: Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst.

J. G. I. Breitkopf.
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IEMLICH gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie Johann Gottlob Immanuel Breitkopf am 23. November 1719 in Leipzig geboren, welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie behaupten sollte[205].

Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt, hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als dem Geschäft widmen.

Seine Ausbildung.

Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers „Unterweysung der Messung mit dem Zirkel u. s. w.“ fiel ihm in die Hände. Die mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die Verbesserung Breitkopf und die Fraktur.und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: „Über Bibliographie und Bibliophilie“ (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung, um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche der schönsten Antiquaschrift die Wage halte.

So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu verschaffen, welche zuerst in: „Einige Lieder für Lebensfreuden“ angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe des „Catull“ zum Abdruck gelangte.

Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage: „Antiqua oder Fraktur“ unter seiner Autorität längst eine Entscheidung im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist.