Ph. Rusher.

Ungefähr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802) Philipp Rusher in Banbury, Oxfordshire, ein Patent für verschiedene Veränderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schönheit und Gleichmässigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen Typen den Rasselas, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis für die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift.

Millar, Besley u. a.

Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwähnen: Rob. Besley & Co. (später Reed & Fox), Müller & Richard u. a.[5]. Durch orientalische Schriften sind bekannt: Edm. Fry, W. M. Watts, Gilbert & Rivington und die Giesserei der Clarendon-Press in Oxford. Grossen Beifall gewannen die von Thorowgood in London eingeführten Schreibschriften. Sie konnten wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie in der Cursivschrift selbständig ist, sich neben den kunstvolleren, aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend: Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux, veranstaltete der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716 hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen Buchstaben. Diese Mediæval gefiel ganz ausserordentlich und hiermit war der Weg für die Renaissance eröffnet, die selbstverständlich in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von Übertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und Zierschriften ziemlich frei[6].

Schriftgiesserei in Amerika.

In Amerika lagen die Verhältnisse anders als in England. Man hatte mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprägten Geschmack oder früherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot, und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen. Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb vornehmlich auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Zeitungs- und Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu häufen, und viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, möglichst kleine Schriftkegel zu wählen, dafür jedoch das Bild der Buchstaben so gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien möglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzügliches geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen.

In jüngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine beträchtliche Höhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften. In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unnützen produziert[7]. Einfassungen in allen möglichen Geschmacks- oder Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil, vertragen sich brüderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten.

Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden Giessereien eine beschränkte (32). Die grossen Schriftgiessereien liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen, gewährten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufüllen, sehr bedeutende Anstrengungen machten.

Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine Giesserei von Binney & Rolandson in Philadelphia, die durch Franklins Unterstützung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese noch verbesserte.

David Bruce * 12. Novb. 1770, † 15. März 1857.

Eine der ältesten und bedeutendsten Giessereien ist die von David Bruce, einem Schottländer, gegründete. Nachdem dieser in Edinburgh die Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika über und begann 1806 im Verein mit seinem jüngeren Bruder George Bruce (geb. 1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen. Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem Geschäft zurück, welches sein Sohn David ii. sehr in die Höhe brachte. Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollständigt, bietet eine unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8].

James Conner * 22. Aug. 1798, † 10. Mai 1861.
Th. Mac Kellar.

Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend James Conner, dessen Sohn gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und Mac Kellar, Smiths & Jordan. Der Teilhaber letzterer Firma, Thomas Mac Kellar, war Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: The American Printer und Herausgeber des Typographical Advertiser, ein Blatt, welches zwar zunächst den Interessen der Firma dient, jedoch manches allgemein Beachtenswerte bringt. Ähnliche Blätter werden von fast allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschäfte mancherlei nützliche Kenntnisse[9].

George Guess.

Eine merkwürdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das Cherokee-Alphabet des Indianers Sequoyah oder George Guess. Durch Umgang mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift mit 68 Schriftzeichen, für welche er sich zumteil der Formen der lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, für welche ihn die Cherokesen-Häuptlinge durch die Prägung einer Medaille ehrten, im Jahre 1821.

Die Holztypen.

Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch Wanderburgh Wills & Co. und durch Edw. Allen, der sich später mit der Firma W. H. Page & Co. verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert, man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst Maschinerie hergestellt[10].

Blindendruck.

Der in Frankreich zuerst geübte Blindendruck wurde in England wie auch Amerika in durchgreifender Weise verbessert. James Goll in Edinburgh wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. Howe in Boston gab den gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches Alphabet von Fry in London erhielt 1857 von der dortigen Society of arts einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T. M. Lucas in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig zweckmässige Zeichen kombinieren. — Der, selbst blinde, Vorsteher der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden, ein Verfahren, das bereits 1839 von Frère geübt war. Nach Moons System wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme.

Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes stattfinden können.


Die Stereotypie.

Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der Stereotypie hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen, dem edlen Charles Mahon, Lord Stanhope zu verdanken. Derselbe war erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in Wirksamkeit.

W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten. Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein. Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. Tilloch in Glasgow, ohne dessen Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit dem Universitätsbuchdrucker Foulis. Sie brachten auch einige Bände fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, Wilson, nach zweijähriger Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung, denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil, er liess jedesmal ein Caveat in dem Patent-Office einregistrieren, damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich patentieren lassen konnte.

Stanhopes Stereotypie.

Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will, mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten, in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren, dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in Schriftmasse[12].

Das Schriftmetall.

Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmässig gewesen wäre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf Verbesserung des Schriftzeuges richten. Während der drei ersten Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit der Schärfe des Druckes. Als nun die vielen Abzüge die Abnutzung, also auch den Bedarf vermehrten, musste ein härteres Schriftmetall beschafft werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah nicht mehr nach Gutdünken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln, auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grösseren Quantitäten in zweckmässigen Schmelzöfen. J. R. Johnson lieferte den Zeug so hart, dass man seine Typen als Stempel in gewöhnlichen Schriftzeug eintreiben konnte. Auch wurden Matern durch Prägung mittels hydraulischer Pressen in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die Newton Coppertype Company in New-York etabliert, welche die Schriften für etwa 18–20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht.

Allein die Verbesserung des Stoffes genügte noch nicht, man musste auch auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier konnte nur die Maschine Hülfe schaffen.

Die Schriftgiessmaschine.

Über den ersten Ursprung der Schriftgiessmaschine verlautet nur, dass dem Will. Nicholson in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche für „konisch“ gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit einer grösseren Bild- und einer kleineren Grundfläche hielt Nicholson für nötig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess. Er hatte das, später von Didot in Paris versuchte, polyamatype Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den übrigen Erfindungen Nicholsons, bei dem Patentnehmen.

Die praktische Durchführung der Giessmaschine gehört Amerika an. Die ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem Elihu White und dem William Wing in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf einmal giessen. White experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser Binney & Rolandson hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele näher als White gerückt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim. White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M. Johnson nicht.

Einen wirklichen Erfolg hatte erst David Bruce 1838. Es entspann sich jedoch ein bitterer Streit darüber, ob Bruce, wie er selbst auf das bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dänische Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder sei. Bruces Maschine wurde von Will. M. Johnson verbessert.

Schleifmaschinen.

Seit 1840 sind Schleifmaschinen im Gang, haben jedoch nicht in demselben Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch vielfach geübt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden können. In London wurden die Schleifapparate namentlich von Figgins gebaut.

Johnson und Atkinson.

Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von Johnson & Atkinson, die ohne menschliche Beihülfe die Buchstaben gegossen, geschliffen, bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingeführt wurde, jedoch nicht gefunden; es gehören verschiedene Vorbedingungen dazu, wenn ihre Arbeit genügend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862 ging auf die Patent Type Foundry über, die eine Reihe von Jahren von P. M. Shank geleitet wurde und dann in dessen Besitz überging. Sein Mitarbeiter J. M. Hepburn änderte die Maschine vollständig um, so dass sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hälfte des Raumes der älteren einnimmt und die Typen direkt in die Setzkästen oder in die für die Setzmaschine bestimmten Röhren legt. In letzterer Weise erhalten die Times alltäglich die neue Schrift für die Nummer des kommenden Tages und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt wird nicht.

Westcott.

Noch weiter ging die amerikanische kombinierte Schriftgiess-, Schleif-, Bestoss- und Setzmaschine von Westcott. Ein Setzer spielt, wie bei der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript auf einer Klaviatur ab; durch Berührung einer Tangente rückt die gewünschte Mater vor die Öffnung des Schriftgiessinstrumentes und die Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausführung des Druckes in die Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur 2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14].


Die Setzmaschine.

Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es nicht möglich sei, die verhältnismässig langsam vorwärtsschreitende Arbeit des Setzens durch Mechanismus überflüssig zu machen oder wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher Gedanke selten ad acta gelegt, und so ist es, trotz der unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die Setzmaschine[15], wennauch nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische Leben einzuführen. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein wird, lässt sich noch nicht genau übersehen. Fraglich erscheint es namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen wesentlich gefördert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke ab, wo das letzte Manuskript in die Hände der Druckerei gelangt, und gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tüchtige und möglichst selbständige Kräfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die Thätigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine für das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse für das Drucken, müssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier Jahrhunderten über Bord werfen, die Typen müssten auf gleich grosse Körper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann müsste man das Recht haben, eine Zeile ohne Rücksicht auf Silbenteilung zu brechen und selbst das würde nicht ganz genügen, denn jede Auszeichnung wäre in Wegfall zu bringen. So weit rückwärts wird sich wohl die Phantasie selbst des grössten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen wir diese für jetzt für das, was sie ist, eine höchst beachtenswerte Hülfsmaschine, nicht aber für einen, das ganze Geschäft umgestaltenden Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist weibliche Kräfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen, Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse, der neuen Erfindung gegenüber einnahmen.

Ältere Versuche mit der Setzmaschine.

Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu entscheiden. Friedrich König hat bereits im Jahre 1811 oder 1812 erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug, eine Setzmaschine zu bauen. König & Bauer selbst hatten ihre Gedanken auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist, dass ihn Dr. Church in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren 1822–1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche zwar einen realeren Boden, doch gehören auch sie alle jetzt als Überlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen. In dem erwähnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft, um eine von Joseph v. Kliegel erfundene Setz- und Ablegemaschine zu erbauen, wozu der Franzose Etienne Robert Gaubert eine Ablegemaschine lieferte. In demselben Jahre erhielten der Engländer John Clay in Cottingham und der Schwede Fr. Rosenborg Patente, im Jahre 1841 James Hadden Young, Spinnereibesitzer, und Adrien Delcambre, Fabrikbesitzer, beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das Setzen eingerichtet war, baute A. N. Chaix eine Ablegemaschine; beide fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch Auer unterstützt, L. Tschulik. Er lehnte sich zunächst an Rosenborg an, während J. X. WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche Schöpfer der lebensfähigen Setzmaschine war der Däne Chr. SÖRENSEN im Jahre 1851[16].

Tim. Alden * 14. Juni 1819, † 4. Dez. 1858.

Unter den älteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die von Timotheus Alden die bedeutendste. Von 1835–1846 arbeitete Alden als Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und körperlich aufgerieben. Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter Henry W. Alden, der ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und übergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft löste sich 1874 auf[17].

Eine Maschine von William H. Mitchell in New-York war schon 1861 in Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons Encyclopaedia. Alexander Fraser, Teilhaber der Firma Neill & Co. in Edinburgh, wollte erst nur eine Ablegemaschine für Hattersleys Setzmaschine konstruieren, lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, für fünf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von Henry A. Burr[18], von welchem acht Stück in der Offizin der New-York Tribune arbeiten, ähnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach dem Fraserschen System in der Behring Manufacturing Company gebauten Maschine arbeitet eine grössere Zahl in verschiedenen Offizinen. Felts' 1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingeführte und nach dem Besitzer die „Clowes-Maschine“ genannte Erfindung des Setzers John Hooker[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine Kupferplättchen vor, mit leitenden Drähten an deren Rückseiten, die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lässt nun der Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berühren, so wird die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt, der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch Handarbeit besorgt werden. Ein diesem ähnliches Prinzip lag dem 1876 in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. Drummond aus Canada zugrunde.

Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine des in London lebenden Deutschen M. L. Müller[21] war für viele Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen über einander versehen. J. Rob. Winder[22] in Bolton behauptet als Vorzüge für sein Fabrikat die gleichzeitige Beförderung mehrerer Buchstaben. Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind demgemäss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. Wick, der Besitzer der Glasgow News, suchte nach ähnlichen Prinzipien den Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine Anzahl von Tangenten für Logotypen der üblichsten Silben-Verbindungen der englischen Sprache[23].

Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Düsseldorf ausgestellt gewesene von A. von Langen und C. G. Fischer, die, was den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine ähnelt, deren Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend übertreffen soll.

Die Doppelmaschine Westcotts für Guss und Satz wurde bereits (S. 40) erwähnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter bezeichnen. Millars 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am häufigsten vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen müssen aus einem Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefügt werden. Wenn nicht vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. Porters Apparat[24] führt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche er sonst aus den Fächern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen.

Es wäre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend Namen anzuhängen. Das hier bereits Angeführte mag hinreichend dafür sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur noch übrig, die drei Männer zu erwähnen, deren Erfindungen am meisten in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grösste Aussicht für die Zukunft zu haben scheint.

Robert Hattersley in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London verwendet. Über eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind, befindet sich ein etwa 1½  Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drückt ein, je über dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stäbchen diesen heraus, worauf letzteres in die frühere Lage durch ein sich zusammenziehendes Gummischnürchen zurückgeschnellt wird. Das Nachrücken der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen einer Gummischnur, welche mit einem Metallstück, das von hinten auf die Reihe drückt, verbunden ist, über diese sich hinzieht und vorn nach oben festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande der Rinne.

Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem vertikalen herzförmigen Behälter befinden, dem einzigen Mundstück an der unteren Spitze des Behälters zu und stellen sich einer neben dem andern in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile für Zeile ausgeschlossen.

Theoretisch ist die Leistungsfähigkeit 7–8000 Buchstaben pro Stunde, in der Praxis 4–5000. Eine Zeitlang schien es, als würde die Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874 in der Offizin der „Neuen Freien Presse“ in Wien aufgestellt; seitdem ist es jedoch still darüber geworden. Ein grosser Übelstand ist die Abhängigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten Gummischnüren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lässt. Die Leistungsfähigkeit der Ablegemaschine ist ungefähr die Hälfte der Setzmaschine.

C. Kastenbein, wohnhaft in Brüssel, baute 1871 in Paris die erste Maschine für die Times-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5 Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines hochaufsteigenden Behälters. Durch Niederdrücken einer Tangente wird ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussfläche einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne während des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz- oder birnenförmigen Behälter und endigen in einem gemeinschaftlichen Mundstück. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den Rinnen vorkommende Unregelmässigkeit zu bemerken. Die Rinnen für die schwersten Typen mit der grössten Fallgeschwindigkeit sind so angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurücklegen, wodurch die erforderliche gleiche Beförderungszeit der verschiedenen Typen erzielt wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben werden nun dem Setzschiff zugeführt, das seitwärts auf einem schrägen Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute, das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang nimmt, davon so viel für eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinübergeschoben werden kann. Die Leistungsfähigkeit ist in der Praxis 3–4000 Buchstaben; in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu 10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika, Dänemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin schaffte sie 1879 an.

Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades, wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben. Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen.

Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. Alexander Mackie[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen. Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. Mackie fasste den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand eine ganze Familie von Guardians, sieben an der Zahl, die mit dem Manchester Guardian 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose, welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist, was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch. Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000 Buchstaben pro Woche garantiert.

Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt Crewe, gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000 Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft Mackie, Brewthal & Co., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für Buchhändler in London[26].

Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung: 1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2) im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen; 4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.

Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200 Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe geteilt.

Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten Matrix compositor (Matrizen-Setzer) des John E. Sweet & Daul (Paris 1867) und deren vielen Nachfolger als: D. Timiriazeff (London 1872), Jos. Liwtschack in Wilna (1876), Peterson in Wien, G. Hambruch in Elbing u. a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch, die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben — und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein — waren äusserst wenig empfehlend.

Fußnoten:

[5] J. M. Powell gab 1875: Select specimens of the best faces of the british Founders.

[6] Wie würde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen Extravaganzen fast aller Länder zumute geworden sein, wenn er sich schon bei den damaligen zaghaften Überschreitungen zu dem folgenden Ausbruch veranlasst fühlte: „O, ihr geheiligten Schatten von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was würdet ihr wohl zu den typographischen Monstruositäten heutiger Mode gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen? Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenüber wird die Nachwelt sich manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmöglich, dass die jetzt in der City von London gedruckten Erzeugnisse in späterer Zeit dem Meistbietenden als echt ägyptische Seltenheiten antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten Teil der Schätze von Sammlungen der Kenner bilden werden“.

[7] Specimen Book von: G. Bruces Son & Co.; Farmer, Little & Co.; James Conners Sons; Mac Kellar, Smiths & Jordan.

[8] Als ein guter Einfall Bruces muss es betrachtet werden, dass er zur Vorführung seiner Schriften sich nicht sinnlos zusammengestellter Wörter bedient, sondern mit jeder neuen Schrift den Titel eines Werkes der typographischen Litteratur wiedergiebt. Um einen Buchdrucker sattelfest in der typographischen Bibliographie zu machen, giebt es kaum ein besseres mnemotechnisches Mittel. Wenn die Schriftgiesser statt des Quousque tandem etc. Sätze wählten, die für den Buchdrucker ein Interesse darbieten, so würden die Proben gewiss manchmal aufmerksamer ins Auge gefasst werden und die Schriften sich mehr dem Gedächtnis einprägen. Schliesslich gab Bruce noch als Beilage zu seinen Proben eine Geschichte der Buchdruckerei, 164 Seiten 4, mit zahlreichen Abbildungen, mit seinen verschiedenen Werkschriften gedruckt.

[9] Die Firma Schelter & Giesecke in Leipzig führte diese Sitte in Deutschland ein (vgl. IX. Kap.).

[10] History and Manufacture of Wood Type. Typographical Messenger 1869, Nr. 4.

[11] Thomas Hodgson, An essay on stereotype printing. Newcastle 1820. — J. F. Wilson, Stereotyping and electrotyping. London. — H. Meyer, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.

[12] Über die früheren Versuche und die neueren Methoden der Franzosen vgl. Kap. V.

[13] Journ. f. B. 1872, Nr. 42. — Print. Reg. 1881, Okt. — Ann. d. Typ. B. IV, Nr. 183.

[14] Oest. B.-Ztg 1876, Nr. 33.

[15] Th. Goebel, Die Setzmaschinen geschichtlich und technisch. Wiecks Illustr. Gewerbe-Ztg. 1877.

[16] Vgl. Kap. XIII.

[17] Journ. f. B. 1866, Nr. 15, 17, 19, 24.

[18] Print. Reg. 1880.

[19] Journ. f. B. 1876, Nr. 38.

[20] Print. Reg. 1877, Nov.

[21] Journ. f. B. 1875, Nr. 7.

[22] Print. Reg. 1880, Dez.

[23] Journ. f. B. 1880, Nr. 13. Print. Reg. 1880, März.

[24] Print. Reg. 1880, Juni.

[25] Print. Reg. 1877, Okt. Ann. d. Typ. I, Nr. 24. III, Nr. 109.

[26] Eines der frühesten umfangreicheren Bücher, deren Satz mittels der Setzmaschine fertiggestellt wurde, ist: Italy and France. An Editors Holiday by Alex. Manckie. London 1874. xvi und 415 Seiten. Der Verfasser schildert darin die Eindrücke einer im Fluge unternommenen Ferienreise. Leider hält er sich nicht so lange bei der Schilderung der typographischen Etablissements Roms und Paris auf, als dem Leser gewiss lieb gewesen wäre.