§ 84. c. Die einzelnen Gebäude. 671. Wohnhaus und der Stall sind meist im Erdgeschoß von Bruchsteinen (Gneus oder Schiefer), wohl auch von bloßem Balkenwerk mit Lehmziegeln ausgesetzt, das Stockwerk aus Fach- oder Klebwerk erbaut. Der Anstrich vorherrschend weiß, die Balken schwarz, roth, braun oder blau. Die Fenster des Wohngebäudes sind klein, meist 4 oder auch 6 Scheiben enthaltend, deren eine in einem verschiebbaren Rahmen eingelassen ist. Die Rahmen, Fensterladen und Thüren entsprechen mit ihrem Anstrich dem übrigen Holzwerk des Gebäudes. Ueber der Hausthür, die gewöhnlich in eine Ober- und Unterthüre, von denen die erstere am Tage offen steht, getheilt ist und deren Gewände Holzpfosten sind, stehen gewöhnlich außer der Hausnummer die Anfangsbuchstaben des Besitzers und das Jahr der Erbauung (oder man findet auch diese Angaben in den mittleren Balken der Wohnstubendecke eingeschnitten), vereinzelt noch ein frommer Hausspruch, z. B.: „Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad’ gelegen.“ — Das Dach ist meist mit Stroh, oft auch mit Schiefer gedeckt. In ersterem Falle ist der First mit Schindeln oder Rasen belegt. Die Feueresse streicht man, wenn sie äußerlich mit Bretern verkleidet ist, wie das übrige Holzwerk an. An der Giebelseite fehlt selten die Käsedarre. — 672. Durch die Hausthüre (der Platz vor derselben wird hie und da „Heist“ genannt) tritt man zunächst in die mit Schieferplatten gepflasterte oder mit Lehm ausgetretene geräumige Hausflur, die man zur Winterszeit mit Stroh auszulegen pflegt (vgl. 10). Daselbst befindet sich öfters, wenn es nicht im Hofe seinen Platz hat, das Wasser- und Milchhaus. In letzterem schwimmen die mit Milch halb gefüllten Blechtöpfe, darüber hängen die blankgeputzten „Milchseier“ und daneben lehnen thönerne Milchäsche und die weißgescheuerten „Scheffelgefäße“ (d. h. Kannen, kleinere Fässer und dergl.). Hier steht auch das Butterfaß mit der „Butterstörl“ (Scheibe mit Stiel zum Buttern) oder die „Butterrolle“ (Rolle, um das Butterfaß hin und her zu schwingen). In der Nähe des Wasserhauses ist gewöhnlich der Trog, wo das Viehfutter bereitet wird, in den durch eine Röhre heißes Wasser aus der an die Rückwand anstoßenden Küche unmittelbar zu leiten ist. Sonst findet sich in der Hausflur noch der Brodschrank („Kappel“ oder „Almet“), öfters auch ein Schrank mit allerlei Küchengeschirr. An der Balkendecke sind vorsorglich „Schwalbenbretchen“ angebracht, damit der gerngesehene Vogel hier sein Nest aufbaue (vgl.§ 22 i). — 673. Wir wenden uns rechts, wo die rothangestrichene Thüre, in der sich ein „Guckfenster“ befindet, durch das der Hausherr das in der Flur und dem gegenüberliegenden Stall arbeitende Gesinde beobachten kann, zur Wohnstube führt. Diese ist geräumig, mit drei Fenstern nach dem Hof und zwei nach der Giebelseite. Der vordere Theil derselben ist oft mit Steinplatten belegt, der übrige gedielt. Im Winter wird der Fußboden auch hier, wie in der Hausflur, mit Stroh belegt. Die Wände sind weiß oder gelb angestrichen, die Decke tragen mächtige, von der Zeit oder auch mit Farbe geschwärzte Balken. Hie und da sind auch die Wände aus Holzbohlen, in die Fugen derselben steckt man dann in der Nähe des Spiegels die Pathenbriefe. Ueber der Thüre sind die Wochenbuchstaben zu einem immerwährenden Kalender angemalt und oberhalb derselben das „Kuppchenbret“, zum Aufbewahren der täglich in Gebrauch kommenden Kaffeetassen (von denen man die Obertasse auch „Kuppchen“ nennt). Rechts von der Thüre steht das „Seegerhaus“ mit der Wanduhr und daneben das Tellerbret oder „Zübrät“ mit Schüsseln und Tellern von Zinn, Steingut oder Thon. Links hängt ein weißes, breitgespanntes, mit Spitzen oder Franzen besetztes Handtuch, hinter dem das zum täglichen Gebrauch verwendete versteckt ist. Daneben zieht sich die Ofenbank um den umfangreichen Ofen, gewöhnlich einem sogenannten Gabelofen, mit eisernem Kasten und grünem Kachelaufsatze. Hinter diesem befindet sich die behagliche „Hölle“. Oberhalb desselben sind an der Decke Stangen, die sogenannte „Wäschtreiche“, angebracht und die Decke des Ofens wird als Trockenplatz für Spähne, Schalen, Obst etc. benutzt. Oft steht auch auf dem Ofen ein Gestelle zum Trocknen der Käse oder der würflich geschnittenen Möhren oder Runkelrüben, die man dann feingemahlen dem Kaffee zusetzt. In der Nähe hängen Majoranbündel zum Abdörren, deren abgestreifte Blätter der Blutwurst zugemischt werden. In der Fensterecke thront der große, unten mit Querleisten versehene Familientisch, hinter dem sich längs beider Wände Bänke hinziehen und um den hölzerne Stühle oder Schemmel stehen. Hie und da nimmt ein langes, schlichtes Kanapee, wohl auch ein einfaches Pult, einen Theil der Wand ein; oder ein Schränkchen, eine offene Nische und dergl. dient als Aufbewahrungsort von einem Messerkörbchen, sowie von Bibel, Gesangbuch und Kalender, wenn letzterer nicht in Gemeinschaft mit der Ruthe, dem „Birkengottfriedel“, hinter dem kleinen, schräg von der Wand abhängenden Spiegel steckt. Die Fenstersimse sind theils mit Blumentöpfen besetzt, in denen Rosmarin-, Balsamin- und Muskatstöckchen, Katzenkraut, Fuchsien und dergl. von der Hausfrau gepflegt werden, während der Hausherr sich mehr für die selten fehlende Lerche, Meise oder sonst einem im Käfig gehaltenen Singvogel interessirt. Als Schmuck der Wände sieht man fast überall einige eingerahmte Bilder mit ziemlich handwerksmäßigen bunten Lithographien, entweder Darstellungen aus der biblischen Geschichte, aus der Geschichte des Tell, der Genoveva u. s. w., wohl auch ein Portrait von Franz Drake, dem Kartoffeleinführer, oder sonst einem Volksfreund, nicht selten auch sogenannte Spruchblätter, z. B. mit den Worten: „des Morgens denk an deinen Gott, des Mittags iß vergnügt dein Brod, Abends verschlafe deine Noth“. Von Geräthschaften, die sich meist dauernd in der Wohnstube befinden, gedenken wir noch der „Käsebank“ zum Bereiten der Käse, der Handmandel, eines Bretes nebst Walze zum Glätten der Wäsche, des Spahnleuchters, eines zwei Ellen hohen Gestelles, oben mit einer Zange zum Einklemmen der langen Leuchtspähne, sowie der über den großen Tisch hängenden Blendlampe. Sämmtliches Holzwerk der Stube, wie Thüren, Fenstergewände und Rahmen, Tische, Bänke, Stühle u. s. w. sind gewöhnlich roth oder blau angestrichen. — 674. Neben der Wohnstube befindet sich häufig ein einfenstriges Nebenstübchen, „Stöbel“ genannt, der Aufenthaltsort der Herrschaft am Tage, mit einfachem Meublement und den Hausgeräthen, die vom Hausherrn und der Hausfrau gebraucht werden. — 675. Von da führt eine Thüre in die Küche, die mit Ofen, eingemauertem Kessel und Heerd, über dem sich der weite Schornstein öffnet, mit Küchentisch, Küchenbank, Topfbret, an dem die bunte „Salzmeste“ und das Löffelgesteck hängt, ausgestattet ist. Oefters wird aber auch, da der Wohnstubenofen zugleich zum Kochen verwendet wird, die Küche nur durch einen zum Kaffeebrennen u. s. w. verwendbaren Heerd vertreten. — 676. An die Küche grenzt der Backofen, der nur in wenigen Bauergütern fehlt. Daneben ist die Treppe, die zum Keller führt. Hier lagern die Vorräthe an Kartoffeln, Möhren, Kraut, Runkel- und Kohlrüben. In einem „Kellerloch“ stehen Töpfe mit eingesottenen Preiselsbeeren, Flaschen mit getrockneten Schwarzbeeren, Körbe mit schwarzem Rettig, Meerrettigstangen etc. Aus einem Winkel duften uns Fässer mit Sauerkraut, saueren Gurken, wohl auch mit Pöckelfleisch entgegen, während an der Wölbung ein paar Schinken hängen. Ein Fäßchen Bier und einige Flaschen Schnaps dagegen kommen seltener vor, da die nahe Schenke jetzt derartigen Bedarf liefert.

677. Auf der anderen Seite der Hausflur liegt der Stall. Die Eingangsthüre desselben ist öfter zum Schutz gegen die Kälte mit Strohbändern umflochten, während die Wohnstubenthüre nicht selten an der Außenseite ein dickes Strohpolster trägt. An der inneren Stallthüre hängen Kartätsche, Striegel und „Pferdeschwanz“, daneben lehnen die Mistgabel, der Misthaken („Mistkralle“, „Mistgrahl“, auch „Mistkratze“ genannt) und Besen. Auf zwei Stangen in halber Höhe ruhen die Scheffel oder „Stötze“ (Kübel zum Futterreichen), während auf der anderen Seite Geschirre, Peitschen und anderes Geräth an der Wand hängen. In der Nähe der Küche steht, wenn es nicht in der Hausflur seinen Platz hat, das Brühfaß, auch Siedfaß oder Stampftrog genannt, in welchem das Wurzelwerk für das Vieh mittelst eines scharfen, schlangenförmigen Eisens gestoßen und mit heißem Wasser aufgebrüht wird. Unweit der Pferde findet sich ein großer Kasten mit Häckerling, nebst Sieb und Saufeimer. In der Mitte des Stalles zieht sich ein Plattengang hin, zu dessen Seiten das „Sudelgleiß“ läuft, in welchem die Unreinigkeiten in das Sudel- oder Jauchenloch fließen. Rechts und links befinden sich die Stände des Rindviehes und der Pferde, während an der Wand die Tröge oder Krippen, darüber die Raufen oder Leitern angebracht sind. Im hinteren Theil findet man wohl noch Ziegen aufgestellt, sowie das Behältniß für die Schweine, darüber den Hühnerstall. Am Boden haben Kuhhasen und Kaninchen ihre Wohnung und aus einer Ecke schnattern uns Gänse und Enten entgegen.

678. Von der Haustür führt eine meist hölzerne Treppe in das obere Stockwerk. Wir treten auf einen geräumigen Saal, „Boden“ genannt, wo ein paar große Schränke mit Namenszug und Jahreszahl, die den sonntäglichen Anzug der Bauersleute bergen, eine Ziehmandel, die Häckerlingslade (wenn diese nicht im Schuppen ihren Platz hat) und ähnliche Geräthe stehen. Links ist die Oberstube, d. i. die gute Stube und der Stolz der Bauerfrau. Hier erblicken wir den Glasschrank von Eichenholz, darin die „Hausräthe“ z. B. den zinnernen Kaffeekessel, Teller mit Reimsprüchen, die buntgemalten Geburtstagstassen, seidene Zulpe und Anderes. In der Mitte steht ein altväterischer Tisch. Polsterstühle und ein buntgemustertes Kanapee mit Lehne voll Schnitzwerk laden zum Sitzen ein. An der Wand hängen der Spiegel, hinter dem rechts und links je eine Pfauenfeder gesteckt ist, Bilder unter Glas und Rahmen u. s. w. In der angrenzenden Schlafkammer begrüßen uns zwei Himmelbetten, deren Betthimmel mit Bildern aus der biblischen Geschichte geziert ist. Ein Kleiderschrank dient zur Aufbewahrung der Alltagskleider. Neben der Schlafkammer ist gewöhnlich noch eine andere Kammer, die zur Bergung von allerlei Vorräthen (Brod, Mehl, Kleie, Obst etc.) oder von Wirthschaftssachen (Spinnrad, Siebe, Geschirre etc.) benutzt wird. — Auf der anderen Seite des Saales ist ein Gang, zu dessen beiden Seiten je die Kammer für die Knechte und Mägde sich befindet. Das Bett derselben besteht aus Stroh, darüber ein Strohtuch, Zudecke und Kopfkissen. Ihre Habseligkeiten haben sie in buntgemalten Laden oder Truhen verschlossen. Daran schließen sich andere Kammern, wohl auch das Stübchen für den Auszügler, oder der übrige Raum ist als Heuboden benutzt.

679. Eine Holztreppe leitet von dem Saal auf den Boden, „Oberboden“ genannt. Ein Theil desselben dient zum Trocknen der Wäsche, in einem anderen ist das ausgedroschene Getreide (Korn, Gerste, Hafer, Lein) aufgeschüttet. An der Giebelseite führt eine Leiter zu dem Taubenschlag, während an der Feueresse eine eiserne Thüre die Rauchkammer mit dem zu räuchernden Schweinefleisch („Schwärtel“ genannt) und Würsten verschließt.

680. Wir verlassen das Wohnhaus und wenden uns nach der auf der anderen Seite des Gehöftes gelegenen Scheune, die in ihrem unteren Theil (etwa 3 Fuß hoch) entweder von Bruchsteinen oder von Fachwerk erbaut ist, im oberen meist blos aus Breterwand besteht und mit Stroh gedeckt ist. An dem großen Thore ist gewöhnlich ein erlegter Raubvogel mit ausgebreiteten Flügeln angenagelt, „um die Hühner von dem Getreide abzuhalten“ (vgl. 412). Der Fußboden der Tenne besteht entweder aus Pfosten oder seltener aus festgetretenem Lehm. An den Wänden hängen oder lehnen die Sense, der Dreschflegel, der Rechen, die Stroh- und Schüttelgabel, die Wurfschaufeln, die „Schwingmultern“ (eine Mulde, in der das Getreide geschwungen und dadurch gereinigt wird), das Sieb und dergl. Auf der Tenne liegen „Knotten“ (Samenkapseln des Flachses), Strohseile etc. Rechts und links von der Tenne sind zwei Ellen hohe Breterwände mit sich entsprechenden Oeffnungen zur Befestigung der „Riffelbank“, die zum Abstreifen der Knotten des Flachses dient. Jenseits dieser Breterwände ist je ein Panzen, auch „die Pansel“ oder „der Panze“ genannt, wo Korn-, Waizen- und Hafergarben, sowie Wicken- und Erbsenbündel, Strohschütten u. s. w. liegen. Ueber der Tenne öffnet sich in der Decke das Loch zum Boden, um die in die Tenne gefahrenen Getreidegarben unmittelbar hinaufzureichen. Eben dahin führt auch eine Holztreppe aus einem der Panzen. Außer den unausgedroschenen Getreidevorräthen ist gewöhnlich auch ein Theil des Scheunenbodens mit Heu gefüllt.

681. Der Schuppen, der in seinem oberen Theile öfters durch einen verdeckten Bretergang unmittelbar mit der Scheune zusammenhängt, ist meist blos aus Balken und Bretern erbaut. Unter dem Dache hängen große Leitern und das geöffnete Thor zeigt uns im Innern die Leiter- und Truh- (Kasten-) wagen, daneben wohl die zierliche Chaise oder das blaue Planwägelchen des Landmanns, nebst dem grünangestrichenen „Butterwagen“ der Bauersfrau. Im Hintergrunde stehen die verschiedenen Schlitten, wenn man sie nicht auf in der Höhe angebrachte Balken gehoben hat. Eine verschließbare Abtheilung enthält allerlei Heizungsmaterial: gespaltenes Holz, Torf, „Reißigbüschel“ (Reißigbündel). Andere Abtheilungen oder auch ein abgesonderter kleiner Schuppen, „Schöppel“ genannt, dient als Aufbewahrungsort der verschiedenen landwirthschaftlichen Geräthschaften, als da sind: Pflug und Egge, der „Krimel“ (ein Ackergeräth, ähnlich der Egge), Schiebbock und Schubkarren, Walze, Winde, Hacken und Schaufeln, das Grabscheit u. s. w. Dort steht das Tengelzeug und der Schleifstein, hier liegen die „Jauchenzober“ oder Jauchenfässer. Eine angrenzende Kammer enthält allerlei Werkzeug, eine Schnitz- und eine Hobelbank, wohl auch eine Drehbank, daneben Axt und Säge, Hammer und Meisel, Bohrer, Feilen u. s. w. In dem Schuppen steht auch gewöhnlich die Häckerlingslade, auch Gehackbank, Häckermaschine genannt; auch hat er Raum für allerlei „Gerümpel“ und unbrauchbar gewordene Geräthe. In Wirthschaften, die Flachsbau treiben, fehlt auch die Hechelkammer nicht mit der Brechmaschine und anderen zur Flachsbereitung erforderlichen Gegenständen. Hier sind wohl auch „Kluhmen“, die gehechelten „Flachsbündel“ aufgehäuft, während in einem Winkel „Brechenden“, die beim Brechen des Flachses abfallenden Hülsen, welche zum Anfeuern benutzt werden, liegen. Unterhalb des Schuppens befindet sich zuweilen ein besonderer Kartoffelkeller, in den man die geerntete Frucht durch das Kellerloch mittelst eingesetzter „Röhren“ hinabrollen läßt.

§ 85. d. Der Garten und das Feld. 682. Der an das Gut anstoßende Blumen- und Gemüsegarten wird zum Unterschiede von dem umfangreicheren Grasgarten gewöhnlich das „Gärtel“ oder der „klane“ (kleine) Garten genannt und ist die Freude der Bauerfrau. Die Beete sind meist mit Buchsbaum, der unter der Scheere gehalten wird, eingefaßt. Von Blumen liebt man besonders Rosen, Tulpen, Hyazinthen, Narcissen, Nelken, Aurikel, Veilchen, Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht, Reseda, weiße und rothe Lilien, Päonien, Betunien, Georginen, Astern, Sonnenblumen, Studentenblumen, Strohblumen u. s. w. Von Gemüsen finden sich am häufigsten Bohnen, Schoten, Möhren, Kohl, Salat, Kolerabi, Rettig, Radieschen, Sellerie, Petersilie, Zwiebeln; von Fruchtsträuchern Johannis-, Stachel- und Himbeeren. — In dem angrenzenden Obstgarten stehen Aepfel- und Birnbäume, Kirsch- und Pflaumenbäume. In einem Winkel versteckt findet sich gewöhnlich ein Hollunderbaum (sambucus nigra), vgl. § 23 n.

683. Auf seinen Feldern baut der gebirgische Bauer besonders Roggen und Hafer, seltener Gerste und Waizen; häufig Flachs, seltener Hanf, Wicken, seltener Schoten, ferner Klee und namentlich viel Kartoffeln. Die wohlgepflegten und günstig gelegenen Wiesen liefern reichliches Heu.

e. Beschäftigung. 684. An Beschäftigung fehlt es das ganze Jahr nicht. Das Frühjahr, theilweise auch der Herbst, wird durch das Düngerfahren (den Knecht, der Dünger ladet, nennt man wohl auch scherzweise „Ladendiener“) und Ausbreiten desselben, sowie die Bestellung der Felder in Anspruch genommen. Im Sommer, nach Johanni, folgt die Heuernte, im August die Getreideernte. Der beginnende Herbst bringt die Grummternte, der sich die Kartoffel- und Obsternte anschließt, bis endlich das Abschneiden des Krautes den Beschluß macht. (Ueber das Viehhüten vgl. 642.) Die rauhere Jahreszeit wird mit dem Dreschen, mit Spinnen, Klöppeln und Federschließen verbracht. — Bei diesen Arbeiten überwacht der Bauer das Ganze, besorgt den Ein- und Verkauf des Viehes und legt, wo es Noth ist, selbst thätig Hand an. Die Frau führt das gesammte Hauswesen, besorgt das Kochen, den Milchkram u. s. w. Den Knechten ist namentlich der Dienst bei den Pferden und deren Arbeit übergeben, während die Mägde das Melkvieh und deren Versorgung unter sich haben. — Bienenzucht findet sich nur in den milder gelegenen Thälern.

f. Kost. 685. Die Kost ist einfach, aber ausreichend. Im Sommer wird um ½5, im Winter ½6 Uhr aufgestanden. Gegen 7 oder 8 Uhr wird Kaffee getrunken, der allerdings mehr aus Surrogaten (Möhren, Wurzeln cichorium intibus, Gerste, Korn etc.) als aus arabischen Bohnen gebraut ist. Jeder trinkt gegen 5 „Schälchen“ (Untertassen) und verzehrt dazu einige bis eine Mandel Kartoffeln, oder etliche „Keile“ oder „Fitzen“ Brot, das aus Roggen, Gerste oder Hafer, oft auch aus einem Gemenge dieser Getreidearten gebacken wird. Um 9 oder um 10 Uhr hilft ein zweites Frühstück, in einem umfangreichen Butterbrod oder in Milch- oder Mehlsuppe bestehend, nach. Um 12 Uhr folgt das Mittagsessen, welches an dem weißgedeckten Tisch eingenommen wird. Es wird mit Gebet eröffnet und geschlossen und besteht entweder in einem Fleischgericht mit Gemüse oder in einer Milch- oder Kartoffelspeise. Sonn- und Festtags kommt Braten, gewöhnlich Kälberbraten mit gebackenen Pflaumen, oder mindestens gekochtes Fleisch. Die Wochentagsgerichte sind: Pökelfleisch oder Schwarzfleisch (d. i. geräuchertes Fleisch) und Klöse oder Sauerkraut, Wurst und Kartoffelbrei oder Preißelsbeeren, Schweinefleisch und Erbsen oder Linsen, Rindfleisch mit Reis, Häring und Kartoffelsalat, Reisbrei, Griesbrei, Milchbrei, Hafergrütze etc.; häufig ist auch ein verschiedenartig bereitetes Gebäck aus geriebenen Kartoffeln, Mehl und Milch, das auch entsprechend verschiedene Namen führt, als: Bröselgötzen, Pfannenzudel, Rauhemahd, Röhrenkloß, Lockerkloß, Bambes, Stamper, Polst, Stopper und dergl. Es werden wohl auch blos Kaffee und Kartoffeln aufgetischt. Um 4 oder 5 Uhr ist Vesperzeit, wo man sich durch Kaffee und Butterbrod stärkt, bis endlich Abends 7 Uhr Kartoffeln und Suppe oder Kaffee, im Sommer wohl auch Semmelmilch, den Schluß bilden. — 686. Das gewöhnliche Getränk ist Wasser, daneben Milch, in der Erntezeit und Sonntags Bier. Der Branntweingenuß ist mäßig. Dagegen wird viel Kaffee getrunken, meist täglich fünfmal, je 5 und etliche Tassen. Ein „Kaffeekoch“, d. h. das Kochen eines Kaffee’s kommt unter allen Verhältnissen erwünscht.

g. Charakter etc. 687. Der gebirgische Landmann ist religiös, bieder und schlicht, fest, zuweilen starrköpfig, schweigsam und arbeitsam, „er macht seine Arbeit still weg, mitunter ein Sturm.“ Er liebt Neuerungen nicht, auch ist ihm die Einsamkeit zuwider, daher gränzen die Güter meist an einander. Reinlichkeit und Sauberkeit findet man fast allgemein und es ist der Stolz der Hausfrau, durch blankgescheuerte Geräthe, durch ein wohlgehegtes Blumengärtchen und durch blendendweiße Wäsche sich auszuzeichnen. (Zu den hohen Festen z. B. wird was nur möglich gewaschen und gescheuert: Stühle und Schemel, Fußbänke und „Hitschen,“ Tische und Bänke, selbst die Holzgewände der Stuben und Kammern). — 688. Die gewöhnlichen Grüße und Gegengrüße der Bauern sind: guten Morgen, guten Tag, guten Abend, gute Nacht, schlaf’ wohl. Grüß’ Gott, Gott grüß dich, Hatje [Adieu], leb wohl, bleib gesund, behüt’ dich Gott; willkommen; schönen Dank.

h. Erholung. 689. Am Abend kommen die Nachbarn zusammen, oder der Vater liest aus dem Kalender, aus einer Zeitung (z. B. Dorfbarbier, erzgebirgischer Volksfreund etc.) oder einer Monatsschrift (z. B. Gartenlaube, erzgebirgische Hausblätter etc.), aus einem vom Pastor oder Schulmeister geliehenem Buche (namentlich Bücher aus dem zwickauer Volksschriftenverein) vor. Dann und wann wird die Schenke besucht. Die Glanzpunkte aber im Leben des Bauern bilden die ländlichen Feste.

§ 86. Obgleich durch die Ungunst des Bodens und des Klima’s die Lage des obergebirgischen Landmannes eine minder glückliche ist, als die des Bauers im Niederlande, so feiert er doch seine Feste, vielleicht eben deshalb, mit umso größerer Freude und innigerer Betheiligung. Dieselben sind zunächst als Ruhepunkte nach Vollendung einer der Hauptarbeiten in seinem Arbeitskreise zu betrachten.

a. Der Laubtanz. 690. Ein Fest in der Pfingstzeit, das regelmäßig auf einen Sonntag fällt und ungeduldig von den jungen Leuten erwartet wird. Schon einige Tage vorher pflückt man Laub, windet Kränze und Guirlanden und schmückt damit den Saal der Schenke in- und auswendig. Am Nachmittag des Festtages werden die Mädchen, welche Kränze mit Bandschleifen am Arme tragen, aus dem elterlichen Hause unter Musik geholt und mit „Gejauchze“ zieht man in den Saal, wo eine wohlbesetzte Tafel gerüstet ist. Nachdem die Mädchen ihre Kränze aufgehängt haben, setzt man sich und schmaust vergnügt. Nach dem Essen beginnt der Tanz, der bis in die späte Nacht hinein dauert (Sehma).

b. Das Gemeindebier. 691. Das Abhalten desselben ist nicht streng an eine Jahreszeit gebunden, doch geschieht es meistens im Sommer. Wer ein Grundstück gekauft hat, giebt seinen neuen Gemeindegenossen Bier zum Besten, und zwar hat er ein Gut gekauft zwei Tonnen, ein Haus eine Tonne. Das Bier wird in der Schenke von den Bauern und Häuslern, die mit ihren Frauen dahin zusammenkommen, vertrunken. Unter Tanz und Scherz wird der Abend heiter verbracht.

§ 87. c. Erntefeste. Vgl.: „Deutsche Erntegebräuche“, Aufsatz in den Grenzboten, 1860, Nr. 34. — 692. Hat der Hausvater auf seinem prüfenden Gang durch die Felder gefunden, daß das Getreide reif zur Ernte sei, so beginnen die Vorbereitungen zur morgenden Arbeit. Die Sensen werden hervorgeholt und die Tengelzeuge herbeigesucht. Am obern Theil des Sensenbaumes wird der Bügel aus Weiden-, Buchen- oder Birkenholz befestigt und „die Sense angeschlagen.“ Dort rüstet man den großen Erntewagen, indem die langen Leiterbäume aufgesetzt werden, hier werden Tenne und Böden von dem noch umherliegenden Stroh gesäubert, um der neuen Frucht eine ausreichende Stätte zu bereiten. Die Knechte setzen sich mit Tengelstock und Hammer unter die alte, schattenreiche Linde hinter dem Hofe und bald tönen die taktmäßigen Hammertöne des Tengelns weithin durch die abendliche Stille. Beim Grauen des nächsten Tages wird Leben im Hause, und nachdem die Arbeiten im Stalle besorgt und die große, braune Kaffeekanne am gemeinsamen Frühstückstisch zweimal geleert worden ist, zieht man hinaus auf das Feld. Die Schnitter die Sense auf der Schulter und die „Wetzkitze“ mit dem Wetzstein an dem Mähergürtel, die Schnitterinnen den Rechen tragend. Ist man zum Ziele gelangt, so werden die Sensen herabgenommen, noch einmal mit dem nassen Wetzstein die Schneide derselben gestrichen und mit einem „das walte Gott“ vollzieht der Hausvater den ersten Schnitterhieb. Indem er weiter mäht, rafft eine Schnitterin ihm noch die gefallenen „Schwaden“ auf und legt sie in Haufen auf die Stoppeln. Diesem Paare folgen die anderen. Gegen 9 Uhr erscheint die Hausfrau mit schwerbepacktem Korbe und Alles lagert sich an dem blumigen Feldrain, um an Butterbrod, Bier und Schnaps sich zu erquicken. Von Neuem geht man zur Arbeit, die man bis Mittag fortsetzt, wo man in das Gehöfte zurückkehrt. Eine dampfende Biersuppe, kräftiges Rindfleisch mit Reis, und kühlende Semmelmilch labt die müden Arbeiter. Am Nachmittag zieht man zur Vollendung des Werkes hinaus, das zur Vesperzeit durch eine im Freien aus Krügen verzehrte „Biermerthe“ unterbrochen wird. Zuletzt wird das gemähte Getreide in Garben gebunden und gepuppt, worauf man heim zum Abendbrode eilt und endlich von des Tages Last und Hitze ausruht. — Soll nun das geerntete Getreide eingefahren werden, so ist man abermals früh auf. Bis zum 2. Frühstück werden die Getreidepuppen aus einander genommen und die Garben auf das Feld geschlichtet. Nun erscheint der Erntewagen, auf dem der „Wiesbaum,“ die Garbengabel, Stricke und Seile liegen. Die Garben werden mittelst der Gabel auf den Wagen gereicht und der obenstehende Knecht schichtet sie regelrecht bis hoch über die Leiterbäume zu beiden Seiten. Langherüber wird hierauf der Wiesbaum über das volle Fuder gelegt und befestigt. „Schwer herein schwankt der Wagen kornbeladen.“

693. Ist die Getreideernte beendigt, weht der Wind über die Stoppeln, so giebt der Hausherr seinen Leuten gewöhnlich am nächsten Sonntag oder auch am Abend des letzten Erntetages ein kleines Fest, welches Stoppelhahn genannt wird. Die Hausfrau muß für Kuchen und Hefenklöse, aus dem neuen Waizen gebacken, sorgen, der „Kuhprinz“ muß ein Fäßchen Bier und eine ansehnliche Flasche „Branntewei“ aus der nächsten Stadt holen, die Räucherkammer liefert geräuchertes Fleisch und Küche und Keller das übrige. Ist die Mittagszeit herangerückt, so wird ein schneeweißes Tuch über den großen Eßtisch gebreitet, das bessere Geschirr aufgesetzt und alsbald erscheinen nun Knechte und Mägde, sowie die bei der Ernte thätig gewesenen Tagelöhner und Gehilfen. Steht endlich die dampfende Schüssel mit „Schwarzfleesch“ und „Artöppel Klies“ auf dem Tisch, so tritt auch der Bauer mit Frau und Kindern an die gerüstete Tafel. Ein längeres Tischgebet, von dem gewöhnlich jeder der Anwesenden ein Stück aufsagt, wird gesprochen und man setzt sich nun vor die lockenden Gerichte. Es wird tüchtig eingehauen und dabei dem umher gereichten Gläschen mit einem feurigen „Pfeffermünz“ oder Kümmel tapfer Bescheid gethan. Nachdem das Schlußgebet gesprochen, folgt Kaffee mit Kartoffel-, Zimmt-, Pflaumen-, und anderen Kuchen. Da öffnet sich die Thüre und die bestellten Musikanten, mit Ziehharmonika und Flöte, Geige und Klarinette treten herein. Schnell werden Stühle und Bänke auf die Seite geschafft, der Tisch in die Ecke geschoben und der Tanz beginnt. Der Hausvater in Hemdärmeln und die Hausmutter mit blendendweißer Schürze eröffnen den Reigen, ihnen folgen die Knechte und Mägde, die Tagelöhner mit ihren Frauen, die Kühjungen mit den Töchtern des Hauses und bald ist Alles voll Lust und Leben. Die Knechte stampfen auf den Boden, schnalzen mit der Zunge, jauchzen und schreien. Dazu kreist die Schnapsflasche und das Bierglas, auch an consistenterer Nahrung fehlt es nicht. Jeder vergnügt sich nach seinem Geschmack bis der „Kehraus“ gespielt wird. Mit Händedruck und Dank verabschiedet sich jedes von dem Gastgeber, wobei die Tagelöhner gewöhnlich noch mit einem Viertels- oder halben Kuchen für ihre Kinder daheim beschenkt werden.

694. Haben alle Güter einer Gemeinde geerntet, so folgt am nächsten Sonntage das Erntefest. Kirche und Haus werden mit Kränzen von Aehren und Blumen geschmückt. Wer nur irgend abkommen kann, geht in das Gotteshaus, wo die Erntepredigt gewöhnlich Nachmittags 1 Uhr gehalten wird. Im Hause fehlt es nicht an leiblichen Genüssen und am Abend wird die Schenke besucht, um bei Tanz und Spiel sich zu erfreuen und zu vergnügen.

695. Laut tönen nun wieder die Schläge des Dreschflegels aus allen Scheunen durch das Dorf. Man kommt an die letzten Garben und endlich wird auch das sogenannte „Gebrecht“, das Getreide, welches nach der Ernte auf der Stoppel zusammengerecht worden ist, gedroschen. Auf einmal schweigt in jener Scheune der Drescherschlag und lautes Gelächter schallt herüber. „Du hast den Panzelhahn geschlagen“ ruft Einer, „Schnaps her, Schnaps her“ der Andere. Der Schnaps wird durch den jüngsten Drescher geholt und nach der anstrengenden Arbeit folgt ein fröhliches Gelag. Der Drescher, der den letzten Schlag gethan, muß den Branntwein bezahlen, dem der Hausherr mitunter einen kleinen Imbiß (die „Flegelmoolzet,“ d. i. Flegelmahlzeit) hinzufügt. Das ist der sogenannte Panzelhahn.

§ 88. d. Die Kirmeß. 696. Kahl stehen die Bäume, öde die Felder, der Herbst ist eingezogen und mischt sich bereits mit den Anfängen des Winters. Da naht das Hauptfest des Landmanns, die Kirmeß. Es setzt schon lange voraus, Herzen und Hände in Bewegung. Alle wollen am Feste geschmückt erscheinen. Die Kinder erbitten von den Eltern, dort ein neues Paar Hosen, hier eine neue Jacke. Auch die jungen Leute machen bei dem Dorfschneider ihre Bestellungen, der kaum allen Aufträgen genügen kann und die Botenfrau muß den jungen Mädchen bunte, seidene Bänder und andere Schmucksachen häufiger als sonst aus der Stadt mitbringen. Auch die Hausfrau hat ihre Pläne für das nahende Fest. Lange vorher hat sie den Rahm gesammelt, um genug Butter zum Kuchenbacken zu haben und bereitet nun Käse, läßt Rosinen, Mandeln, Zucker, Hefen u. s. w. holen, auf daß nichts fehle. Die Kuchen sind bereit und wandern zum Bäcker, um nach einigen Stunden, fertig und noch rauchend, unter dem Jubel der Kinder ihren Einzug wieder in das Haus zu halten. — Aber noch andere Opfer sind nöthig. Ein Schwein soll geschlachtet („Sauleed“ oder „Krumbeh“ gehalten) werden. Der Fleischer ist bestellt, der Schlachtzettel besorgt, Gewürz, Wasser und Brennmaterial schon am Abend vorher herbeigeschafft. Der späte Herbsttag bricht an, schon knistert das Feuer unter dem Wurstkessel: da klingelt die Thüre und herein tritt der Fleischer, Brust und Beine bedeckt die weiße, frisch gemangelte Schürze. Der breite Ledergürtel unter derselben ist mit Perlen oder Silberplättchen verziert, und an der Seite hängt ein Köcher mit Messer, Gabel und Wetzstahl. Er verrichtet sein Werk und bald ruht das todte Schwein in dem bereitstehenden Troge. Mit Hilfe des heißen Wassers und des Schabeisens sind die Borsten entfernt, das Schwein wird getheilt und Stücken Fleisch in den brodelnden Kessel geworfen. Endlich ertönt der Ruf: „das Wurstfleisch ist fertig“ und Alles eilt herbei, um an dem leckern Genuß sich zu laben. Nun folgt das Bereiten und Kochen der Würste, das Einsalzen des aufzuhebenden Fleisches, ein tüchtiges Bratstück ist zur Kirmeß ausgesucht und der Abend schließt mit dem Verzehren der Wurstsuppe und frischer Wurst, als eine Art Vorfeier des immer näher rückenden Festes. Nun wird auch das ganze Haus gerüstet, überall wäscht und kehrt, scheuert und putzt man. Der Kirmeßsonntag ist da. Beim Aufgang der Sonne weckt das Blasen eines Chorals vom Thurme durch die Dorfmusikanten die schlummernden Bewohner. Bald sind alle in der Wohnstube beim Kaffeetisch versammelt. „Die gute Kaffeekanne“ dampft in der Mitte der Tassen und daneben locken Teller mit Thürmen von Kuchenstücken. Man thut dem ersehnten Gebäck die möglichste Ehre und Teller und Kanne sind schnell geleert. Der heutige Gottesdienst wird nur spärlich besucht, denn erst am morgenden Tage, am Montag, ist der eigentliche Kirchweihtag. Ist er endlich angebrochen und rufen die Glocken zur Kirche, so eilen die festlich geschmückten Landleute in einzelnen Trupps von allen Seiten nach der lieben Ortskirche, deren Weihtag ja heute gefeiert wird. Heute darf die Kirchenmusik nicht fehlen. Wieder ertönt Glockenklang und heraus strömt die Menge. Jeder seiner Wohnung zu. — Welche Freude giebt es bei der Heimkunft. Der Vetter, aus der benachbarten Stadt, die Frau Gevatterin aus einem entfernten Dorfe und andere geladene Gäste sind eingetroffen. Endlich ist der Tisch gedeckt. Auf dem Tischtuch von selbst erbautem Flachs prangen Schweine- und Hühnerbraten, daneben die beliebten Kartoffelklöse und Sauerkraut, weißes Brod und Bier, vielleicht auch eine Flasche Wein. Alles setzt sich. Auch der zitternde Großvater im silberweißen Haar rückt seinen alterthümlichen Lehnstuhl heran und von seinem wirthlichen Sohne gebeten, nimmt er das Sammtkäppchen von dem ehrwürdigen Haupte in die gefalteten Hände und spricht das Tischgebet. Jeder läßt sich die guten Gerichte wohlschmecken, deren Schluß mächtige „Kuchenteller“ bilden. Nach Tische machen die Männer einen Gang ins Freie, die Kinder haben ebenfalls draußen „ihre Lust“, wo auf Wegen und Stegen ein fröhliches Leben herrscht. Nur die Frauen bleiben sitzen und erzählen sich bei Kuchen und Kaffee die neusten Geschichten. Die rückkehrenden Männer gesellen sich auch zu ihnen und unter Gespräch und Genuß, vergeht die erste Hälfte des Nachmittags. Später geht man wohl in die Schenke, wo der Tanz der jüngeren Leute bereits um 3 Uhr begonnen hat. Dort setzt man sich zum Glase Bier, man spielt einen Skat oder schaut der unermüdlichen Jugend zu. Um 7 Uhr geht man zum Abendessen nach Hause, das von der Hausmutter festlich zugerüstet ist. Alt und Jung nimmt Platz, die Teller werden gefüllt und bald ist Alles in reger Arbeit. Ist die Rosinensuppe gegessen, folgt Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, dann Karpfen mit Krautsalat, zuletzt wieder Kuchen. An Bier, Branntwein, selbst an Wein ist kein Mangel. Nach aufgehobener Tafel bleibt man noch eine Weile beisammen sitzen oder man wandert wieder zur Schenke, wo nun auch die Verheirateten am Tanz sich betheiligen, bald einen Walzer, bald einen Rutscher, einen Dreher u. s. w. verlangend. Spät wird die Kirmeßlust beschlossen und mit Kuchenpaketen beladen ziehen die Gäste dankend heim. — Dienstag bildet noch eine Art Nachfeier, bis endlich an der Mittwoch Haus und Arbeit allmälig wieder in das ruhigere Gleiß einlenken. — Am nächsten Sonntag verhallen in der „Klein-Kirmeß“ die letzten Klänge und Freuden des Festes: nur die Erinnerung tröstet noch und die Hoffnung, „daß nächstes Jahr wieder Kirmeß ist“. Vgl. auch 879886.

697. An manchen Orten (Dittersdorf) halten die Musikanten am Kirmeßnachmittag einen Umzug, wobei sie mit Kuchen beschenkt werden. Einer von ihnen ist als sogenanntes Kirmeßweib verkleidet. Ein Strohhut mit rothen, flatternden Bändern, berußtes Gesicht und dicht gedrehte Werglocken, auf dem Rücken einen Tragkorb zur Bergung des empfangenen Kuchens, in der rechten Hand ein langer Stab, in der linken eine brennende Laterne bilden, nebst buntscheckiger Weibertracht sein Kostüm. Von den übrigen Musikern begleitet geht der Zug bei dem Schall der Instrumente, und unter mancherlei Scherz und Schabernack, gefolgt von der Dorfjugend, von Gehöfte zu Gehöfte, und lenkt endlich wieder in die Schenke ein, wo man sich an der erblasenen Sammlung ein Gütliches thut.[2]

§ 89. Ehe wir von dem gebirgischen Landmann sammt seinem Thun und Treiben scheiden, müssen wir noch der sogenannten Bauerregeln gedenken, da diese auf sein Leben, namentlich auf die Anordnung seiner wirthschaftlichen Arbeiten, nicht ohne Einfluß sind. Wir stellen hier die zusammen, die auf einer gewissen Naturbeobachtung beruhen, da wir diejenigen, welche ein abergläubisches Gepräge an sich tragen, bereits im ersten Abschnitt erledigt haben. Dabei beschränken wir uns auf die, welche aus dem Munde der gegenwärtigen Bevölkerung gesammelt sind, also mehr oder weniger noch jetzt gläubige Anhänger und gehorsame Befolger haben. Der Naturwissenschaft aber überlassen wir es den wirklichen Gehalt derselben zu prüfen. Vgl.: Böbel, Haus- und Feldweisheit des Landwirths, Berlin 1854.

§ 90. A. Nach der Zeit geordnet. a. Die Monate des Jahres. Januar. 698. Sind im Jenner die Flüsse klein, giebt’s vielen und guten Wein (Marienberg). — 699. Januar warm, daß Gott erbarm (allg.). — 700. Ein schöner Januar bringt ein gutes Jahr (Annaberg). — 701. Wie der Januar, so der Juli (Grünstädtel). — 702. Wenn Gras wächst im Januar, wächst es schlecht im ganzen Jahr (Grünstädtel). — 703. Giebt’s im Januar viel Regen, bringt’s den Früchten keinen Segen (Grünstädtel). — 704. Tanzen im Januar die Mucken [Mücken], muß der Bauer nach dem Futter gucken (Marienberg). — 705. Wenn der Januar gelind ist, so folgt ein rauher Frühling und ein heißer Sommer (Geier).

Februar mit Lichtmeß, Fastnacht etc. 706. Wie der Februar, so der August (Grünstädtel). — 707. Spielen die Mücken im Februar, friert Schaf und Bien’ durch’s ganze Jahr (Lößnitz). — 708. Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muß man im März den Ofen wärmen (Annaberg). — 709. Wenn im Februar die Lerchen singen, wird’s uns Frost und Kälte bringen (Zwönitz). — 710. Wenn’s der Hornung gnädig macht, bringen März und April den Frost bei Nacht (Grünstädtel). — 711. Die weiße Gans [Schnee] im Februar, brütet Segen für’s ganze Jahr (Lößnitz). — 712. Rollt im Februar der Donner, rollt’s noch mehr im ganzen Sommer (Aue). — 713. Donnert es über den kahlen Busch, so kommen viel Gewitter (Marienberg). — 714. Dunkle Lichtmessen [2. Februar] bringt reichlich Essen; Lichtmeß helle, bringt Mangel zur Stelle (Grünstädtel). — 715. Wenn an Lichtmeß die Sonne scheint, dauert der Winter noch lang (allg.). — 716. Wenn es zu Lichtmeß trüb ist, so kann der Schäfer vier Wochen eher austreiben, scheint aber die Sonne, so muß er vier Wochen länger zu Hause bleiben (Raschau). — 717. Der Schäfer sieht Lichtmeß lieber den Wolf im Stall, als den Sonnenschein (Zöblitz). — 718. Sonnt sich der Dachs in der Lichtmeßwoch, geht er vier Wochen wieder zu Loch (Grünstädtel). — 719. Lichtmeß im Klee, Ostern im Schnee (Raschau). — 720. Wenn es zu Alphonsus oder Desiderius [11. Febr.] regnet, hören die Fröste auf (Ehrenfriedersdorf). — 721. Petri Stuhlfeier [22. Febr.] kalt, die Kälte noch anhalt (Geier). — 722. Matthis [Matthäus, 24. Febr.] bricht’s Eis; find’ er keins, so macht er eins (Stollberg). — 723. Trockne Fasten, gutes Jahr (Grünstädtel). — 724. Wenn zu Fastnacht die Sonne Vormittags scheint, so säe man den Flachs zeitig, scheint sie aber Nachmittags, später (Marienberg), vgl. 85.

März und Frühling. 725. Märzschnee thut der Saat weh (Marienberg). — 726. Hält der März den Pflug beim Sterz [d. h. kann man im März pflügen], hält April ihn wieder still (Grünstädtel). — 727. Märzenstaub bringt Gras und Laub (Raschau). — 728. Märzenlaub wird gern vom Frost verzehrt (Lauter). — 729. März nicht zu trocken, nicht zu naß, füllt dem Bauer Kisten und Faß (Annaberg). — 730. Wenn im März der Schnee zerfließt, kommt viel Hagelwetter im Sommer (Raschau). — 731. Wer im Frühling den Pflug trocken hinausführt, bringt ihn im Herbst wieder naß herein (Sehma). — 732. Jeder Märznebel kommt nach hundert Tagen als Regen wieder (allg.).

§ 91. April und Ostern. 733. April kalt und naß, füllt Scheuer und Faß (allg.). — 734. Regnet’s warm im April, so erntet der Bauer in Füll’ (Marienberg). — 735. Sei der April noch so gut, er schickt dem Schäfer den Schnee auf den Hut (Annaberg). — 736. St. Georg und St. Markus [24. 25. April] drohen oft viel Arges (Lößnitz). — 737. Wenn es Charfreitag regnet, wird ein trockner Sommer (Raschau). — 738. Charfreitag- und Osterregen bringen schlechte Erntesegen (Annaberg). — 739. Regnet’s in die Ostern hinein, wird zu Wasser auch der Wein (Marienberg), vgl. 109 u. 128.

Mai und Pfingsten. 740. Donner im Mai, Sturm in’s Heu (Grünstädtel). — 741. Abenthau und Kühl’ im Mai bringt viel Wein und Heu (Annaberg, Lößnitz). — 742. Mai kühl, Juni naß, füllt Scheuer und Faß (Marienberg). — 743. Nach Pankraz und Servaz [12. u. 13. Mai] schaden die Nachtfröste den Früchten nicht mehr (Raschau). — 744. Ist es schön auf Petronell [31. Mai], meßt den Flachs ihr mit der Ell’ (Marienberg). — 745. Pfingstregen bringt reichen Erntesegen (Lößnitz). Vgl. auch 144.

Juni, Sommer etc. 746. Wer nicht geht mit Sichel und Rechen auf’s Feld, wenn Bienen und Bremsen stechen, der muß gehen mit dem Strohseil und fragen, wer hat Heu feil (Marienberg). — 747. Brachmonat naß, leert Scheuer und Faß (Marienberg). — 748. Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr (Annaberg). — 749. Durch den Juniwind aus Norden ist noch nichts verdorben worden (Marienberg). — 750. Das Kraut ist vor Johanni [24. Juni] zu stecken (Frohnau), vgl. 151 u. 152. — 751. Der Brachmonat muß die Weiberlaunen haben (Marienberg). — 752. Wenn es am Siebenschläfer [27. Juni] regnet, so regnet es sieben Wochen lang (allg.), vgl. 156.

§ 92. Juli, Hundstage etc. 753. Wind im Juli vom Niedergang [Westen] ist des Regens Anfang (Lößnitz). — 754. Viel Fliegen, viel Korn (Marienberg). — 755. Wenn es zum Medardus [8. Juli] regnet, regnet es 30 Tage lang (Marienberg). — 756. Hundstage [vom 24. Juli bis 24. Aug.] hell und klar, zeugen ein gutes Jahr (allg.). — 757. Treten die Hundstage gut ein, so wird vier Wochen gutes, treten sie schlecht ein, vier Wochen schlechtes Wetter (Geier). — 758. Wenn die Hundstage gut eintreten, treten sie schlecht aus (Geier). — 759. Jakobi [25. Juli] darf’s nicht regnen; regnet es, so regnet es den Weibern in den Backtrog (Markneukirchen). — 760. Zu Jakobi werden die neuen Erdäpfel probirt (Lauter), vgl. Aug. — 761. St. Paulus (29. Juli) klar, ein gutes Jahr (Marienberg).

August. 762. Was im August nicht bäckt, wird im September nicht braten (Marienberg). — 763. Giebt’s im August Sonnenschein, so wird die Ernte besser sein (Mildenau). — 764. Die Nächte kühl, die Tage schwühl, dann wird der Ernte viel (Marienberg). — 765. Laurentius [10 Aug.] werden zum erstenmal Kartoffeln geschüttelt, d. i. probirt (Markneukirchen). — 766. Um St. Laurenti Sonnenschein, bedeutet ein gut Jahr von Wein (Lößnitz). — 767. Himmelfahrt Mariä [15. Aug.] hell und rein, bringt guten Wein (Grünstädtel). — 768. Bartholomä [24. Aug.] Bauer sä. Oder genauer: Bartholomä Korn sä, Grummt mäh (Markneukirchen). — 769. Wenn zu Bartholomä der Himmel voller Wolken ist, bekommen wir viel Schnee (Raschau). — 770. Bartholomä werden die Kartoffeln geschüttelt (Annaberg). — 771. Bartholomä sch.... der Teufel die schwarzen [Heidel-] Beere (Annaberg).

September und Herbst. 772. Septemberregen ist der Saat gelegen (Annaberg). — 773. Wenn die Blätter im Herbste spät abfallen, so deutet dies auf einen harten Winter (Lößnitz). — 774. Sitzt das Laub lange an den Bäumen, wird der Winter auch nicht säumen (Annaberg). — 775. Egide [1. Sept.] Sonnenschein, tritt ein schöner Herbst ein (Raschau). — 776. Auf Mariä Geburt [8. Sept.] zieht die Schwalbe fort (Annaberg). — 777. Wenn der Michaelistag [29. Sept.] in den zunehmenden Mond fällt, so wächst im nächsten Jahre viel Futter (Raschau), vgl. 157.

§ 93. Oktober. 778. Viele Nebel im Oktober geben viel Schnee im Winter (Marienberg). — 779. Wie die Witterung im Oktober ist, wird sie auch im März sein (Lößnitz). — 780. Im Oktober sind die Pferde pober (Zschopau). — 781. Zu St. Gall (16. Okt.) bleibt die Kuh im Stall (Voigtsdorf). — 782. St. Gallen läßt den Schnee fallen (Annaberg). — 783. Urschel [Ursula; 21. Okt.] fei, hackt’s Kraut rei (Frohnau). — 784. Simon und Judith [28. Okt.] bringen den Winter mit (Annaberg).

November. 785. Geht die Gans zu Martini [11. Nov.] auf dem Eise, so geht sie zu Weihnachten auf dem Dreck (allg.) — 786. Geht die Gans zu Martini auf Dreck, so geht sie zu Weihnachten auf Eis (Lößnitz). — 787. Heut ist der Märts [Martini], nun kommt er [der Winter] gepärzt [schnell gerannt] (Annaberg). — 788. Andreasschnee [30. Nov.] treibt die Preise in die Höh’ (Marienberg).

December, Winter, Weihnachten: 789. Kommt die Feldmaus in’s Haus, ist der gelinde Winter aus (Marienberg). — 790. Große Windwehen, große Heuschober (Raschau). — 96. Neuer Schnee, neue Kälte (allg.). — 791. Grün Weihnacht’, weiß Ostern; weiß Weihnacht’, grün Ostern (allg.) — 792. Wenn es zu Weihnachten sieht wie Klee, hängen die Palmen [die Bäume am Palmsonntage] voller Schnee (Raschau). —793. Wenn es in der Christnacht schneit, geräth der Hopfen (Lößnitz), vgl. 2024.

§ 94. b. Andere Zeitbestimmungen. Der Quatember: 794. Wie das Wetter am Quatember ist, so bleibt es in dem folgenden Vierteljahre (allg.). — 795. Wenn es zum Quatember regnet, so regnet es noch hundert Stunden, dann wird schönes Wetter (Ehrenfriedersdorf). — 796. Wo die Luft in der hundertsten Stunde nach dem Quatember herkommt, kommt sie das ganze Jahr her (Ehrenfriedersdorf). Bestimmte Wochentage: 797. Wenn es am 1. Sonntag im Neumond regnet, regnet es alle vier Sonntage (Raschau), vgl. § 18. — 798. Was der Sonntag will, bringt der Freitag (Marienberg), oder: wie der Freitag, so der Sonntag (Schneeberg).

Tageszeiten: 799. Morgenroth bringt Wind oder Koth (allg.). Dagegen: Abendrieth [Abendröthe] bringt schi [schönes] Wätter mit, oder: Abendroth ist ä guter Wetterbot (allg.). — 800. Wenn es in der Mittagsstunde zu regnen oder zu donnern anfängt, regnet es an dem Tage fort (Sosa).

§ 95. B. Erscheinungen an Naturdingen. a. Wolken, Regen, Thau etc.: 801. Spitze Wolken verkünden Regen. — 802. Wenn die Sonne Wasser zieht, kommt am folgenden Tage Regen (Raschau). — 803. Scheint die Sonne auf ’n nassen Busch, kommt bald ein anderer Husch [Regenschauer] (Schneeberg). — 804. Wenn ein Regenbogen entsteht, regnet es den anderen Tag wieder (Schwarzenberg). — 805. Wenn es, während ein Regenbogen am Himmel steht, regnet, so regnet es noch drei Tage hintereinander (Raschau). — 806. Kleiner Regen mag großen Wind legen (Annaberg). — 807. Ist der Regen wie Staub so fein, soll der Bote guten Wetters sein (Annaberg). — 808. Wenn es regnet und die einzelnen Tropfen bleiben an den Fensterscheiben hängen, so regnet es eine Zeitlang fort (Ehrenfriedersdorf). — 809. Wenn die Regentropfen, die in einen Teich oder überhaupt in stehendes Wasser fallen, Blasen bilden, so regnet es eine Zeitlang fort (Raschau). — 810. Der Regen, der bei Sonnenschein fällt, wird Mühlthau [Mehlthau] genannt und ist giftig; er schadet den Blüthen (Zschopau). — 811. Hat es über Nacht stark gethaut, so wird schönes Wetter (allg.).

§ 96. b. Thiere und Pflanzen: 812. Wenn sich der Hund auf dem Rücken herumwälzt, so folgt schlechtes Wetter (Raschau, Geiersdorf), vgl. § 21 a.813. Wenn der Hund oder die Katze Gras frißt, wird schlechtes Wetter (allg.). — 814. Wenn die Katze an den Stühlen kratzt, wird anderes Wetter (Raschau), vgl. § 21 d. — 815. Wenn die Kühe im Herbste viel in die Höhe schnaufen, so schneit es bald (Sosa). — 816. Wenn die Gänse sich früh baden, wird schönes Wetter, baden sie sich Nachmittags, schlechtes Wetter (Raschau). — 817. Wenn es regnet und die Gänse halten die Köpfe in die Höh’, so hört es bald wieder auf (Sosa). — 818. Wenn die Hühner hoch, d. i. auf Bäume oder Dächer fliegen, wird schlechtes Wetter (Raschau), vgl. § 22 h. — 819. Wenn es regnet und die Hühner treten unter, so regnet es fort, bleiben sie aber im Freien, so hört es bald wieder auf (Sosa). — 820. Wenn der Hahn auf den Gartenzaun fliegt, wird schönes Wetter (Breitenbrunn). — 821. Wenn die Hähne oft krähen, wird anderes Wetter (Raschau). — 822. Wenn der Hahn früh um 3 Uhr und Nachmittags kräht, so wird schönes Wetter, kräht er aber Vormittags, schlechtes (Raschau). — 823. Wenn sich die Tauben baden, wird schlechtes Wetter (Zschopau). — 824. Wenn die Schwalbe hoch fliegt, wird gutes Wetter, fliegt sie aber niedrig, auf der Erde oder auf dem Wasser hin, wird schlechtes Wetter (allg.), vgl. § 22 i. — 825. Wenn die Krähen über die Stadt oder das Dorf fliegen, wird schlechtes Wetter (Sosa). — 826. Wenn sich die Dohlen paaren, ändert sich das Wetter (Marienberg), vgl. § 22 f. — 827. Wenn die Fledermaus fliegt, wird gutes Wetter (Zöblitz). — 828. Wenn sich die Sperlinge im Staube baden, wird schlechtes Wetter (Schneeberg). — 829. Wenn die Frösche naß sind, regnet es nicht, wenn sie aber trocken sind, kommt Regen (Raschau, Sosa). — 830. Wenn die Spinne in ihr Netz geht, so wird schönes Wetter, zieht sie sich aber in ihren Schlupfwinkel zurück, so wird schlechtes Wetter (allg.), vgl. § 22 l. — 831. Wenn die Mücken säulenförmig spielen, wird schlechtes Wetter (Schneeberg).

832. Blüht der Weißdorn, so wird es warm, blüht der später blühende Schwarzdorn, so wird es kalt (Zschopau). — 833. Viel Kratzbeeren [Brombeeren], harter Winter (Lengefeld). — 834. Wenn das Haidekraut viel blüht, wird ein strenger Winter (Marienberg). — 835. Der Rettig früh Gift, Abends Arzenei (Raschau). Vgl. auch § 23.