§ 19 (36 ff.). Schicksalszeichen sind Zeichen oder Anzeichen, aus denen man das künftige Geschick vorauserkennen kann. Sie bieten sich entweder von selbst dar in dem Natur- und Menschenleben und bedürfen nur der Ausdeutung, oder sie sind durch Anwendung geheimer, angeblich überlieferter Weisheit zu erkennen und auszulegen (Wahrsagekunst).
§ 20 (38 ff.). „Die Schicksalszeichen sind entweder an und für sich bedeutsam, also auch überall und jederzeit, wo und wann sie erscheinen, wie etwa die Kometen, oder sie sind es nur zu bestimmten Zeiten, also in den eigentlichen Schicksalszeiten (vgl. I.) oder unter bestimmten Umständen bei Geburten, Hochzeiten, Todesfällen u. s. w.“
a. Kometen: 186. Ein Komet bedeutet Krieg, Theuerung, überhaupt Unglück (allg.).
b. Nordlichter: 187. Ein Nordlicht bedeutet Krieg (Zwickau).
c. Sternschnuppen: * 188. Wenn eine Sternschnuppe fällt, wird eine Seele aus der Hölle erlöst (Annaberg), vgl. 449. Bei diesem aus der katholischen Zeit stammenden Aberglauben ist wohl die Hölle für das Fegefeuer substituirt.
d. Regen: 189. Wenn es der Braut in den Kranz regnet, ist die Ehe gesegnet (allg.), denn der Regen ist eine Gabe Donar’s. Vgl. 508. — † 190. Andere halten es für ersprießlich, wenn es am Tage vor der Hochzeit (Lößnitz), oder beim Gang in die Kirche, während die Sonne scheint, regnet (Schneeberg). — * 191. Wenn es bei einem Umzuge regnet, werden die Leute reich (Lauter), vgl. 23, 144, 151 u. 152.
e. Nebel: 192. Ist am Trauungstage nebeliges Wetter, so folgt Krankheit in der Ehe (Saida), vgl. 508. Nach Wuttke § 39 hält man es in Lauenburg dagegen für ein glückliches Zeichen, wenn es in den Brautkranz nebelt oder schneit.
f. Wind: * 193. Kommt beim Säen der Wind von Morgen, so entsteht Unkraut, von Mittag Disteln, von Mitternacht gute Ernte (Schneeberg), vgl. 468. — † 194. Wenn der Wind recht summt, so hat sich Jemand erhängt (Raschau), vgl. Wuttke § 391: „Der Teufel fährt mit der Seele des Erhängten im Sturme davon (Schlesien, Lausitz, Mark, Schwaben).“ — * 195. Wenn am Trauungstage der Wind stark weht, so wird das Paar arm (Saida), vgl. 21, 24 u. 508.
Vgl. noch: Witterung 20, 85. Schnee und Frost 22, 109, 128. Sternbilder 172 ff. Mond 179.
§ 21 (40 ff.). a. Der Hund, der Frigga beigegeben als Sinnbild der Häuslichkeit (§ 16), besitzt daher als in Göttergemeinschaft stehend, die Gabe des Blickes in die Zukunft und sieht namentlich die leichenwählenden Nornen oder Walkyren nahen. Vgl. 244 u. 812. — 196. Heult ein Hund mit erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so stirbt Jemand (allg.), vgl. 530. * Ruft man ihn aber beim Namen, so wird dem Unglück, welches er anzeigt, vorgebeugt (Zwickau), vgl. 407. — 197. Begegnet man beim Ausgehen einem Hunde, so ist es ein gutes Anzeichen (Annaberg), vgl. 161 ff.
b. Das Pferd. 198. Das Pferd gilt ebenfalls als ein weissagendes Thier, vgl. 250.
c. Der Hase. 199. Der Hase wird wegen seiner oft koboldartig erscheinenden Gestalt für eine verkappte Hexe gehalten (vgl. 351 u. 353), daher bedeutet ein über den Weg laufender Hase Unglück (allg.). Vgl. „Die Symbolik in der deutschen Mythologie“ Aufsatz in den Grenzboten 1862. I. S. 104 ff.
d. Die Katze, wie der Hund der Frigga heilig, ist als Begleiterin oder auch als angenommene Hülle der Hexen (vgl. 351) dem Aberglauben ebenfalls ein vorbedeutendes Thier. — 200. Eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, bedeutet Unglück (allg.). — 201. Wenn die Katze sich putzt (Marienberg), oder einen krummen Rücken macht (Schwarzenberg), kommt Besuch. Vgl. 813 u. 814.
e. Das Schwein war das gewöhnliche Opferthier bei den alten Deutschen und daher dürfen aus diesem Thiere bereitete Speisen Weihnachten und Fastnachten nicht fehlen, vgl. 14, 73 u. 452. — 202. Der Aberglaube, daß begegnende Schweine Unglück, wenigstens Prügel, bedeuten, Schafe dagegen Glück oder daß man gern gesehen werde (allg.), stammt wohl aus der alttestamentlichen Bedeutung dieser Thiere. — * 203. Wenn das Schwein beim Schlachten nicht schreit, so ist es nicht fett (Mildenau). — Die Kuh vgl. 140 u. 815.
§ 22 (42 ff.). f. Die Krähe und Dohle vertreten die Stelle des im Gebirge nicht vorkommenden Raben, der, als Wodan’s Vogel, Unglück verkündend ist. — † 204. Setzt sich eine Krähe auf ein Haus, so stirbt Jemand in diesem (Annaberg) oder in dem gegenüberstehenden Hause oder überhaupt in der Nachbarschaft (Raschau). Dasselbe gilt von der Dohle (Annaberg). — * 205. In Annaberg ist namentlich Eine von gewissen klugen Leuten gekannte Dohle, aus der Zahl derer, welche in der Nähe des Gottesackers sich aufhalten, die, wenn ein Todesfall im Hause eintreten wird, sich auf das betreffende Haus setzt und jämmerlich zu schreien anfängt. Vgl. 530, 825 u. 826.
g. Das ganze Geschlecht der Eulen steht nach altem Aberglauben mit den finstern Mächten im Bunde. — † 206. Wenn das Käuzchen schreit, so stirbt innerhalb dreier Nächte ein Verwandter oder Freund dessen, der es hört (Zwickau), vgl. 412 u. 530.
h. Die Henne. 207. Wenn eine Henne kräht, bedeutet es Unglück (Geiersdorf, Marienberg), vgl. 818 ff.
i. Die Schwalbe ist ein glückbringender Vogel. Ebenso die Wachtel, vgl. 423. — † 208. „Jag’ die Schwalben nicht ’naus, denn sie bringen Segen in’s Haus“ (Annaberg, Raschau). — † 209. In dem Hause, wo Schwalben nisten, kommt kein Feuer heraus (allg.), vgl. 366, 420, 672 u. 824.
k. Der Kukuk gehört ebenfalls zu den Göttervögeln des deutschen Heidenthums und gilt allgemein als weissagend. — 210. Wenn man den Kukuk im Frühjahr zum erstenmal rufen hört, frage man: „Kukuk, schrei mir meine Jahre aus, wie lange ich noch leben soll.“ So viel mal sein Ruf ertönt, so viele Jahre lebt man noch (allg.). — 211. Bei dem ersten Kukuksruf greife man an den Geldbeutel, dann geht einem das Geld im ganzen Jahre nicht aus. Wer dabei aber kein Geld bei sich hat, dem fehlt es das ganze Jahr hindurch (allg.), vgl. 457. — 212. Den Burschen und Mädchen giebt er auf ihre Frage an, wieviele Jahre sie noch ledig bleiben (Schwarzbach).
l. Die Spinnen gehören als Mitbewohner des Hauses zum Gefolge der Freya, vgl. 367, 420, 830 und Wuttke, § 202. — 213. Wenn früh eine Spinne auf Jemanden zuläuft, so bedeutet dies Glück (allg.). * Oder: wenn die am Vormittag auf Jemanden zulaufende Spinne bei dem Zuruf: „Spinne, bringst du Glück, bleib’ steh’n, bringst du keins, lauf’ fort“ sitzen bleibt, ist es ein glückbringendes Anzeichen (Raschau). Neueren Ursprungs scheint der entgegengesetzte Aberglaube: „Die Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“, vgl. das Französische: araignée au matin grand chagrin, araignée du soir grand espoir. Eine Vereinigung beider Aberglauben findet sich in folgender Ansicht: * Spinnen, namentlich Kreuzspinnen, früh in der siebenten Stunde bedeuten Glück, in der zehnten Vormittagsstunde zeigen sie Unglück, wenigstens Verdruß an (Zwickau). — * 214. Läuft die Spinne an Jemanden hinauf, so bedeutet es Glück, läuft sie abwärts aber Unglück (Zöblitz), vgl. 367.
m. Der Holzwurm, die Todtenuhr, auch die Holzmühle genannt. 215. Dieser Käfer zeigt durch sein Picken den nahe bevorstehenden Tod eines der Hausbewohner an (allg.), vgl. 530 und Wuttke, § 50.
§ 23 (45). n. Der Hollunderstrauch (vgl. 133 u. 166) war im deutschen Heidenthum von hoher Bedeutung und stand namentlich auch in Beziehung zu den Todten (Montanus, die deutschen Volksfeste etc. 2. Bdchen., S. 149), daher sein häufiges Vorkommen auf Gottesäckern. — * 216. Wenn im Herbste ein Hollunderbaum wieder blüht, so stirbt bald Jemand aus der Familie, der der Baum gehört (Schneeberg), vgl. 530.
o. Die Haselstaude (corylus avellana) ist ebenfalls dem deutschen Heidenthum bekannt, woher noch ihre Verwendung zur Wünschelruthe rührt, vgl. 459. — * 217. Jedes Zäpfchen am Haselstrauch nach Michaelis, wo zwei und zwei zusammengewachsen sind, bedeutet einen Groschen Aufschlag am Brode (Ehrenfriedersdorf). — * 218. Wenn viele Haselnüsse werden, entstehen viele uneheliche Kinder (Geier), vgl. 475. Wuttke sagt § 366: „Die Nüsse, besonders die Haselnüsse, haben durch ganz Deutschland eine besondere Beziehung zur Liebe und zur Ehe.“
p. Der Hagerosenstrauch (rosa canina), „Hanebuttenstrauch“, diente wahrscheinlich zum Einzäunen der heiligen Hainstätten und war ein Gegenstand abergläubischer Verehrung. — * 219. Wenn der Hagebuttenstrauch viel Früchte trägt, so kommt viel Sturm und Regen (Raschau), vgl. 832 ff.
q. Außer den angeführten Gewächsen giebt es noch mehrere, denen ebenfalls eine besondere Bedeutung, deren Ursprung bis in das deutsche Heidenthum zurückreicht, beigelegt wird. Z. B.: der Hirse war eine in den frühsten Zeiten unsers Volkes sehr verbreitete Getreideart und gewöhnliche Festspeise, daher noch jetzt seine abergläubische Anwendung, vgl. 14, 18, 73, 167 u. 365.
r. Neueren Ursprungs sind Anzeichen an folgenden Gewächsen: * 220. Wenn das Korn abgehauen wird und es schlägt das Brod auf, so wird das Brod billig (Raschau). — * 221. Wenn der Brei von neuen Erdäpfeln recht quillt, so bleiben dieselben billig (Geier). — * 222. Je mehr Brode in dem „Brodkörbchen“, einem kleinen schwammartigen Gewächs, desto wohlfeiler wird das Brod und umgekehrt (Ehrenfriedersdorf). — Vgl. die Botanik des Aberglaubens, Aufsatz in der Illustrirten Zeitung 1860, Nr. 879.
§ 24 (46). † 223. Wenn zwei Menschen zusammen in demselben Augenblick dasselbe sagen, so erfahren sie an diesem Tage etwas Neues (Raschau), oder es kommt ein Schneider in den Himmel (Zwickau). — 224. „Kinder gelten als besonders wichtige Weissagungsorgane“ (vgl. 507): Wenn Kinder beim Spielen feierliche Weisen auf der Gasse singen, so stirbt Jemand in der Nachbarschaft (Raschau, Lengefeld).
225. Begegnet man früh beim ersten Ausgang oder wenn man ein wichtiges Unternehmen vorhat, einer alten Frau, so bedeutet dies Unglück (allg.). — * 226. Kommt die Leichenfrau ungerufen in ein Haus, so stirbt bald Jemand aus demselben (Zwickau), vgl. 255 u. 530.
† 227. Am heiligen Abend oder am Sylvesterabend horcht man an einem fremden Fensterladen; hört man zuerst Ja sprechen, so geht das, was man sich denkt, in Erfüllung, hört man aber Nein, so geschieht es nicht (Marienberg). Hört man Lärm, so wird ein unruhiges Jahr (Annaberg), vgl. 38. — † 228. Am Andreasabend, namentlich während des Siebenuhrlautens (vgl. 164, 169), deutet das Ja auf baldige Heirat. Oder: man horcht auf einen Namen, der gehörte ist dann der des künftigen Gatten (Annaberg). Vgl. 7, 101, 125, 183, 184 u. 499.
§ 25 (47 ff.). † 229. Wenn beim Heben des Hauses das heruntergeworfene Glas nicht zerbricht, so ist es ein übles Zeichen (allg.), vgl. 836. — 230. Wenn ein Unternehmen übel anfängt, so hat es einen schlimmen Verlauf (allg.), vgl. 5. — * 231. Begegnet man beim Antritt einer Reise zuerst Jemandem mit einem leeren Korbe, so hat man Unglück (Marienberg). — * 232. Begegnet einem Fuhrwerk eine Frau mit einem leeren Topfe, so wirft entweder der Wagen um, oder es stürzt eins der Thiere (Raschau). — * 233. Wenn Verkäufer an Markttagen bald Handgeld bekommen (d. h. bald etwas verkaufen), namentlich von jungen Personen, so machen sie glückliche Geschäfte (Zwickau).
234. Wenn dreizehn Personen bei Tische sitzen, stirbt eine davon in demselben Jahre (allg.); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. 42 u. 530. — 235. Wenn es in einer Gesellschaft plötzlich ganz still wird, so fliegt ein Engel durch die Stube (allg.). — 236. Wenn man etwas Spitziges (Messer, Gabel, Scheere etc.) fallen läßt und es spießt in den Boden ein, so kommt Besuch (allg.). * Dasselbe wird angezeigt, wenn an einem vom Feuer genommenen Topfe Kohlen hängen bleiben (Annaberg). — 237. Wenn bei Tische Alles rein aufgegessen wird, so bedeutet dies schönes Wetter (allg.), vgl. 472. — 238. Wenn bei Tische ein Teller mehr als nöthig hingesetzt wird, so kommt noch ein hungriger Gast (Raschau). — 239. Wer das Salz verschüttet, wird an dem Tage noch ausgezankt (allg.), vgl. 397. — * 240. Werden zufällig drei Lichter auf den Tisch gesetzt, so ist eine Braut im Hause (allg.); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. 26 u. 499. — * 241. Wenn man Brod abschneidet und es entsteht eine Kerbe, so hat man vorher eine Lüge gesagt (Raschau), vgl 397. — * 242. Wer viel Suppe ißt, lebt lange (Marienberg); gilt namentlich am Weihnachts-Heiligenabend, vgl. 44 u. 451. — * 243. Beim Abschiede mehrerer Personen dürfen sich die verschiedenen Paare die Hände nicht über’s Kreuz reichen, sonst stirbt Jemand davon oder die Freundschaft wird getrennt (Annaberg). Vgl. noch 30, 31, 397, 512, 524, 525 u. 530.
244. Wenn bei einer Feuersbrunst der Kettenhund (§ 21 a) mit verbrennt, so brennt es auf diesem Gehöfte bald — nach Einigen binnen sieben Jahren — wieder (Annaberg, Grünstädtel). — * 245. Wenn die in Folge eines ausgekommenen Feuers herausgefahrene Spritze kein Feuer sieht, so brennt es bald wieder (Grünstädtel). Vgl. 415. — 246. Man horcht am Weihnachts Heiligenabend oder am Sylvester auf das Geräusch, welches der kochende Ofentopf macht. Hört man einen winselnden Ton, so stirbt Jemand aus der Familie (Marienberg, Lauter), vgl. 38 u. 530.
247. Wenn etwas von der Wand fällt, so stirbt Jemand aus der Freundschaft (Schwarzenberg); gilt namentlich am Weihnachts Heiligenabend und Sylvester, vgl. 29. — Vgl. noch 215.
248. Wenn die Leiche welk ist, so holt sie noch dieses Jahr eine Person aus der Freundschaft (Schwarzbach); † ebenso wenn der Mund aufsteht (Ehrenfriedersdorf), † wenn sie sich noch sehr ähnlich sieht (Lauter), * oder wenn sie rothe Lippen hat (Raschau). Vgl. auch 543. — 249. Wenn dem Leichenzuge zuerst ein Mann begegnet, so ist die nächste Leiche ein Mann u. s. w. (Scheibenberg), vgl. 546. — † 250. Begegnet dem Leichenzug ein Fuhrwerk mit zwei Pferden (vgl. 198), so stirbt in dem Orte, wo die Leiche her ist, bald ein Ehepaar (Raschau). — † 251. Begegnet der Leichenzug einem Hochzeitszug, so stirbt bald eins von dem Paar (Raschau), vgl. 513 u. 528. — * 252. Wenn der Leichenzug weit auseinander geht, so stirbt bald wieder Jemand (Raschau), vgl. 397. — 253. Wenn ein Kranker gerüchtweise todt gesagt wird, so lebt er desto länger (allg.).
§ 26 (53 ff.). * 254. Fällt während der Predigt (Einige beschränken es auf die Predigt zur Weihnachtsmesse, vgl. 36) ein in die Höhe geschlagenes Sitzbret in einem Männerstuhl nieder, so ist die nächste Leiche ein Mann u. s. w. (Ehrenfriedersdorf, Elterlein). — * 255. Wenn die Chorknaben, die mit dem Crucifix zu einer Leiche gehen, zufällig vor einem Hause stehen bleiben, so stirbt bald Jemand aus diesem Hause (Lauter), vgl. 226 u. 530.
256. Wenn es auf zwei Thürmen zugleich schlägt, so bricht Feuer aus (Raschau). — † 257. Wenn die Glocken von selbst sich bewegen und klingen, so bricht Feuer aus (Raschau), vgl. 37.
* 258. Wenn das Kind vor der Taufe niest, so wird es klug (Scheibenberg), vgl. 482. — * 259. Schreit das Kind bei der Taufe, so stirbt es im ersten Jahre (Marienberg) oder sein Schicksal ist wenigstens kein gutes (Stollberg), schreit es dagegen während der Zeit, wo es der Pfarrer auf dem Arme hält, so wird es reich (Marienberg). — 260. Wenn es während der Taufe auf dem Thurme schlägt, so stirbt das Kind bald (Lauter).
261. Wenn bei der Trauung der Ring herunterfällt, so giebt es eine unglückliche Ehe (Elterlein), vgl. 280, 397 u. 515. — † 262. Wenn bei der Trauung, sowie überhaupt während der Hochzeit etwas verloren geht oder zerbricht, so hat das Paar kein Glück (Raschau, Schneeberg). — * 263. Wenn die Braut das Schnupftuch verliert, so bedeutet dies Unglück (Lauter).
264. Ein Kommunikant, bei welchem der Kelch von neuem gefüllt wird, steht bald Gevatter (Zwickau). — * 265. Wenn es Sonntags unter die Kirchleute regnet, regnet es die ganze Woche (Schneeberg).
a. Leibliche Zeichen.
§ 27 (57 ff.). † 266. Wenn das Auge juckt, so bekommt man Besuch (Raschau). — * 267. Wenn das Ohr klingt, so denkt Jemand an einen (Zwickau). Oder: Wenn das rechte Ohr klingt, bedeutet es gute Nachrede, wenn das linke, das Gegentheil (allg.); denkt man dabei: „der oder der redet Schlimmes von mir“, so hört das Klingen sofort auf, wenn man richtig gerathen (Annaberg).
† 268. Wenn man des Morgens nüchtern dreimal niest, so bekommt man den Tag über ein Geschenk (Annaberg, Sosa) oder erfährt eine Neuigkeit (Zwickau). — † 269. „Nüchterne Nieß, setzt Geld oder Stieß“, d. i. Stöße (Zwickau). — 270. Schlucken bedeutet, daß man in demselben Augenblick verlästert werde (Raschau).
271. Wenn einem die Zähne weit auseinander stehen, so kommt man weit fort (Marienberg).
272. Wenn sich ein Mädchen beim Waschen die Schürze naß macht, so bekommt sie einen versoffenen Mann (Marienberg), vgl. 499. — * 273. Wenn eines der Brautleute bei der Trauung niest, so wird die Ehe unglücklich (Marienberg), vgl. 517. — * 274. Wenn die Kinder Mitesser (kleine Schwäre) haben, werden sie nicht über zwölf Jahre alt (Zwickau), vgl. 475 u. 530.
b. Andere Zeichen von mehr geistiger Art.
§ 28 (60 ff.). 275. Das Vergessen ist ein sehr häufiges Schicksalszeichen; ganz allgemein gilt es als ein Unglückszeichen, wenn man beim Ausgehen etwas vergessen hat und daher wieder umkehren muß, vgl. 397. Doch kann man das Unglück abwenden, wenn man in das Zimmer zurückkehrt und vor dem Wiederfortgehen kurze Zeit sich niedersetzt (allg.). — 276. Vergißt Jemand, was er sagen wollte, so war es eine Lüge (allg.). — Vgl. noch 27, 32, 33, 34 u. 156. — 277. Wenn die Köchin die Suppe versalzt, ist sie verliebt (allg.), vgl. 499. — * 278. Wer den Hausschlüssel verliert, wird bald sterben (Breitenbrunn), vgl. 397 u. 530.
† 279. Wenn eins der Brautleute auf dem Wege zur Kirche oder in der Kirche sich umsieht, so löst sich die Ehe bald wieder (Grünstädtel), oder die betreffende Person lebt nicht mehr lange (Geier), oder die zu hoffenden Kinder bekommen, wenn es die Braut thut, schiefe Hälse (Zwickau), vgl. 483. — 280. Wenn eines der Brautleute auf dem Wege zur Kirche den Trauring verliert, so wird die Ehe unglücklich (Marienberg), vgl. 261, 397 u. 513.
§ 29 (64 ff.). † 281. Man erzähle die Träume nicht nüchtern, denn ist es ein guter Traum, so geht er dann nicht in Erfüllung, während dagegen der schlechte seine Kraft behält (Marienberg), vgl. 25 u. 397. — Oder: hat man einen unheilvollen Traum gehabt, so darf man ihn vor Mittag Niemandem erzählen, dann wird seine Erfüllung abgewendet (Zöblitz), vgl. Wuttke § 97.
* 282. Wenn man träumt, Kuchen zu essen, so widerfährt Einem etwas Uebles (Zwickau). — * 283. Wenn man im Traume helles Feuer sieht, so bekommt man am folgenden Tage etwas geschenkt (Grünstädtel), oder ist überhaupt glücklich (Marienberg), oder erhält einen Gevatterbrief (Raschau, Sosa). Sieht man blos Rauch, so bedeutet dies Unglück (Zwickau). — 284. Ausfallen eines Zahns bedeutet Tod eines Verwandten (Raschau), vgl. 530. — * 285. Träumt man von Fischen, so erhält man Geld (Sosa). — * 286. Träumt man von Geld, so bekommt man Schläge (Sosa). — * 287. Wenn man von einem Ort träumt, an welchem etwas liegt, so stehe man gleich auf und gehe, ohne sich anzukleiden, an diese Stelle. Dort hebe man, was da liegt, sei es, was es wolle, auf. Ein Jahr darauf verwandelt es sich in lauter Gold (Sosa), vgl. 457.
Die Träume während der Zwölfnächte sind bereits § 6 h. erwähnt, sowie auch das Träumen in der Andreasnacht § 16 a.