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Die jenische Sprache

Chapter 7: A.
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About This Book

Die Darstellung versammelt Einleitung, Anmerkungen und umfangreiche Verzeichnisse veralteter sowie aus der Zigeunersprache stammender Lexeme, ein Deutsch–Jenisch-Wörterbuch, eine alphabetische Liste jenischer Stammwörter, Sprachproben und tradierte Schnadahüpfel. Sie dokumentiert einen süddeutsch geprägten Händlerjargon, behandelt Herkunft und Wandel geheimer Sprechweisen und ordnet das Material redaktionell durch Korrekturen, Ergänzungen und erläuternde Anmerkungen. Die Wortlisten und Beispielsätze fungieren als Nachschlagewerk und kulturgeschichtliche Quelle zu den Sprachgewohnheiten umherziehender Handwerker und Händler; anstößige Prosastellen wurden ausgesondert, musikalische Überlieferungen dagegen als authentischer Bestand erhalten.

A.

Aas, mufiger Bossert oder mufiger Mass, d. h. stinkendes Fleisch[119]

abbeißen, abnäpfen[120]

abbetteln, abdalfen[121], abderchen[122]

abbiegen, abschurele[123]

abbinden, abschurele

abbitten, abderche[124]

abbrennen, abfunken[125]

abbrühen („abschäumen“), abflu(h)ten[126]

Abend, Leile[127], Ratte[128]

Abendbrot (Abendtisch) s. Abendessen

Abendessen, Leilebiken[129], z’Leilebutten[130], Rattekahla[131]

aberwitzig, nillich, auch ni(e)sich, nu(a)schich[132]

abessen, abbiken, abbutten, abkahla[133]

abfahren, abruadlen[134]

abfallen (abwerfen), abbohlen[135]

abgeben, abdogen (gib’s ab = dog’s ab)[136]

abgehen (abspringen), abbosten[137], abpfichen[138]

abgerahmte Milch, abgeschunde Gleis[139]

abgeschlossen s. abschließen

abkaufen, abbaschen[140], abbikeren[141], abgremen[142], abkemere[143]

ablesen, abschurele[144]

abliefern, abdogen[145]

abmähen, abschurele[144]

abnagen, abnäpfen[146]

Abort, Fu(h)lkitt[147], Schmelzkitt[148], Schundkitt[149]

abpflücken, abschurele[144]

abputzen, abschurele

abreißen, abschurele

abschaffen, abschenegeln[150]

abschießen, abschnellen[151]

abschirren, abschurele[152]

abschließen, beschrenken (abgeschlossen, b’schrenkt)[153]

abschreiben, abfeberen[154]

absingen, abschallen[155]

absondern, abschurele[152]

abspringen, abbosten[156]

absterben, abbegeren[157]

Abt s. Priester,

abtragen, abbugle[158]

Abtritt s. Abort

abwaschen, abpfladeren[159]

abwerfen s. abfallen

Abweichung (Diarrhöe), Fu(h)lete[160], Schmelzede[160]

abwischen, abschurele[161]

abzahlen, abpfreimen[162], abzaine[163]

abziehen, abschurele[164]

Achsel, Schure[164]

Acker, Schure[164]

Adler, grandicher Flederling[165]

Affe, Schure[166]

Affengesicht (Fastnachtsmaske), Ni(e)sichegiel, auch Nilliche- od. Nuschichegiel (d. h. „närrisches Maul“)[167]

After, Bos[168], Schmelzer[169]

albern s. aberwitzig

alljährlich, jedes Ja(h)ne (d. h. jedes Jahr)[170]

alltäglich, jeden Schei (d. h. jeden Tag)[171]

Almosen, Dercherbich (d. h. „Bettelgeld)“[172]

Amme, Schwächerlemamere (d. h. „Brustmutter“)[173]

Ampel, Schei (d. h. mehr das Licht in der Ampel als diese selbst)[174]

Amsel, Schallerfläderling (d. h. eigtl. nur Singvogel; vgl. Kanarienvogel)[175]

Amtmann, grandicher Sins[176]

Amtsdiener, Bu(t)z[177]

Ananas, grandiche Jahresäftling od. gr. Krachersäftling (d. h. „die große Waldtraube“, abzuleiten von Säftling = Traube[178] und Jahre oder Kracher = Wald[179]). Mit Jahre- od. Krachersäftling werden fast alle beerenartigen Früchte bezeichnet (vgl. Anm. 178 im Anf.).

anbeten, anbliblen[180]

anbetteln, andalfen, anderchen[181]

anbinden, anschurele[182]

anblasen, anschurele

anbrennen, den Funk anpflanzen (d. h. das Feuer anmachen)[183]

anfangen, anschurele[184]

anfassen, anschniffen[185]

anfragen (fragen), butschen[186]

Angel, Schure[187]

angenehm, dof, duft[188]

Angesicht, Ki(e)bes (d. h. eigtl. Kopf)[189]

Angst, Bauser[190]

ängstlich, bauserich[190]

anhalten, anschurele[191]

ankaufen, anbaschen, angremen, ankemeren[192]

anklagen, anschurele[191]

ankleiden, a(n)kluften[193]

ankommen, anbosten, anpfichen[194]

anlachen, anschmol(l)en[195]

anmutig, g’want[196]

anpacken, schniffen (daher: schniff’ ihn = pack’ ihn)[197]

anreden, ansprechen, andiberen[198]

ansagen, anschmusen[199]

anschauen, anlinzen[200]

anschließen, anb’schrenke[201]

anschneiden, anschurele[202]

ansehen s. anschauen

ansprechen s. anreden

anständig, dof[203], g’want[204]

Antlitz s. Angesicht u. Gesicht

antworten, diberen[205], schmusen[206]

anwendbar, dof, duft[203]

anzahlen, anbleisgeren[207], anpfreimen[208], anzeinen[208]

anziehen s. ankleiden

Anzug, Kluft, Klufterei[209]

anzünden, anfunken[210]

Apfel, Bommerling[211]

Apfelbaum, Bommerlingstöber[212]

Apfelkern, Bommerlingkies[213]

Apfelkuchen, Bommerlingbrandling[214]

Apfelwein, Bommerlingjo(h)le[215]; s. auch Most

Appetit, Bog(g)elo[216], Putl(t)ak[217], Ruf[218]; s. auch Hunger

Äquilibrist (Seiltänzer), Schnurrand[219]

Arbeit, Schenagel[220]

arbeiten, sch(e)negle(n)[220]

Arbeiter, Schenegler[220]

Arbeitshaus, Schenagelskitt[221]

Arbeitslohn, Schenagelsbich[222], vgl. Lohn

arg, lenk[223], schofel[224]

Ärger, Stumpf[225]

ärgerlich, stumpfich[225]; s. auch zornig

arm (ärmlich, armselig), vermuft[226], auch wohl schofel (Spr.)[227] u. dercherich[228]

arme Leute, Dercherulma (d. h. eigtl. „Bettelleute“)[229]

Armenhaus, Dercherkitt[230]

Armut, Vermuft[231]

Arrest, Dofes[232], Kittle[233], Lek[234]. Eigentlich soll mit Dofes das Gefängnis im e S., mit Kittle der Arrest (Haft) und mit Lek (od. Schofelkitt) das Zuchthaus bezeichnet werden.

artig, dof[235], g’want[236]

Arzt, Begersins[237]

Asche, Schund[238]

Aschenbecher, Schundschottel[239]

Ast (Baumast), Sprate[240], Stenz[241]

Attest, Kritzler[242]

aufbewahren, aufschurela[243]

aufbrechen, aufschurela

aufdecken, aufschurela

aufessen, aufbiken, aufbutten, aufkahla[244]

auffallen, aufbohlen[245]

aufgeblasen sein s. hoffärtig (stolz) sein

aufhängen, aufschnüren[246]

aufheben, aufschurelen[243]

aufhenken s. aufhängen

aufhören, sich (auf)schupfen (bes. als Imperat.: hör’ auf, schupf dich [auf])[247]

aufladen, aufschurelen[248]

auflaufen, aufbosten (-tet)[249]

auflesen, aufschurela[248]

aufmachen, aufschurelen, aufpflanzen (Spr.)[250]

aufnähen, aufstichlen[251]

aufrichtig, dof[252]

aufsagen, aufschmusen[253]

aufschlagen, aufguffen[254]

aufschreiben, auffeberen[255]

aufsehen, auflinzen[256]

aufspielen (zum Tanz), aufnikla[257]

aufsuchen, aufschurele[258]

aufwachen, aufdurme[259]

aufwaschen, aufpfladeren[260]

aufzehren s. aufessen

Augapfel, Scheinlingbommerling[261]

Auge, Scheiling[261]

Augenbrauen, Scheinlingstrauberts[262]

Augenwasser, Scheinlingflu(h)te[263]

ausbeißen, ausnäpfen[264]

ausblasen, auspflanzen[265]

ausbrechen, auspfiche[266]

ausbrennen, ausfunken[267]

ausbürsten, ausschurele[268]

ausessen, ausbiken, ausbutten, auskahla[269]

ausfahren, ausruadlen[270]

ausfegen, ausschurele[268]

ausforschen, ausbutschen[271], auslinzen[272]; vgl. forschen

ausfragen, ausbutchen[271]

ausgeben, ausdogen[273]

ausgehen, ausbosten[274]

ausgekleidet, auskluftet[275]

ausgeschlafen, s. ausschlafen

auskleiden, auskluften[276]

auskochen, aussicheren[275]

auslachen, ausschmol(l)en[277]

auslassen, bremsere[278], Bremser schmusen[279]

auslaufen, ausbosten[280]

auslöschen s. löschen

ausrechnen, ausschurele[281]

aussagen, ausschmusen[282]

ausschalten, ausstämpfen[283]

ausschimpfen, ausstämpfen

ausschlafen, ausdurmen[284], ausschlauna[285]

ausschreiben, ausfeberen[286]

aussehen, auslenzen[287]

ausspotten, ausschmol(l)en[288]

aussprechen, ausschmusen[289]

ausspülen, auspfladera[290]

ausstehlen, ausschniffen[291], ausschoren[292]

austreten (schwer), d. h. cacare, fu(h)la, schmelza[293], schunden[294]

austreten (leicht), d. h. mingere, flösle[295]

austrinken, ausschwächen (trink aus, schwäch [a]uf)[296]

auswaschen s. ausspülen

ausweinen, ausglemsa[297]

auszahlen, ausbleisgeren[298], auspfreima, auszeina[299]

auszanken, ausstämpfen[300]

ausziehen, ausklufta (-ten)[301]

Axt, Dober[302]

B.

Bach, Flu(h)te[303]

Bachstelze, Flu(h)tefläderling[304]. Häufiger ist indessen die Bezeichnung jenischer Fläderling, d. h. „der jenische Vogel“[305]. Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit vielen „Fahrenden“) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben, den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von ihnen ausschließlich als ihr romano tschirklo, d. h. „Zigeunervogel“ angesehen wird[306].

backen, schupfen[307]

Bäcker (Bäckermeister), Lehmschupfer, d. h. eigtl. (genauer) „Brotbäcker“[307][308]

Bäckerei, Schupferei[307]

Bäckerin, Schupferin[307]

Backofen, Lehmschupferhitzling[309]

Backstein, Kittleskies, d. h. „Hausstein“[310]

Bad, Flu(h)te[311]

baden, pfladeren[312]

Bahn, Rutsch[313]

Bank (zum Sitzen), Sitzleng[314]

Bank (= Bankhaus), Bichkitt[315] oder Lobekitt[316]

bankerott vgl. Konkurs

Bankier, Bichsins[317], Kiessins[318] oder Lobesins[319]

Barchent, Bochdam[320]

Barschaft, Bich[321], Gore[322], Lobe[323]

Bauch, Rande[324]

Bauchgrimmen, Randeschure[325]

Bauer, Kaffer[326], Ruch[327]; vgl. auch Landmann

Bauerndorf, Rucheg’fahr[328]

Bauernfrau, Ruchamos(s)[329]

Bauernhaus, Ruchakitt (Dimin.: Ruchekittle [Spr.])[330]

Bauersleute, Rucheulme (Spr.)[331]

Baum, Stöber[332]

Bäumchen, Stöberle[332]

Baumholz, Stöberspraus[333]; vgl. auch Stamm

Baumkatze (d. h. Eichhörnchen), Stöberschmaler[334]

Beängstigung, Bauser[335]

beantworten, dibera[336], schmusen[337]

bedanken, bederchen[338]

bedeutend, grandich[339]

Bedrängnis, Vermuft[340]; vgl. Armut und Konkurs

bedrohen, stämpfen[341]

befragen, lenzen[342]; vgl. fragen

befürchten, bauserich sein[343]

begatten (Begattung), bodera oder budera[344], kirmen[345] schnirgla[346], schurela[347]

begehren, dalfen, derchen[348]

begütert, grandich[349]

behend, g’want[350]

behext, verfinkelt[351]

Beil, Doberle[352]

Beinkleid, Buxa[353], Kopel[354]; vgl. Hose(n)

Beischlaf s. begatten

Beischläferin, Lubne[355], schofle Model (d. h. „schlechtes Mädchen“)[356]

beißen, näpfen[357]

beiwohnen s. begatten

Bekleidung, Klufterei[358]

bekommen, bestieben (als Partiz. bestiebst)[359]

Bekümmernis haben s. befürchten

beleibt, grandicher Rande[360]

beleidigen s. bedrohen

beliebt, dof[361]

beloben, dof schmusen (d. h. „schön reden“)[362]; vgl. loben

belügen, ko(h)len[363]

bemittelt s. begütert

beobachten, linzen[364]

bequem, dof[365]

berauben, schniffen[366], schoren[367]

berauscht, dambes (= Dambes)[368], geschwächt[369], molum[370], schwächer (= Schwächer)[369][371]

Beruf, Schenagel[372]

beschenken, dogen[373], ste(c)ken[374], s. auch schlagen

beschimpfen, stämpfen[375]

beschmutzt, schundich[376]

beschreiben, febera (d. h. eigtl. nur „schreiben“)[377]

besehen, linzen (d. h. eigtl. „sehen“)[378]

Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste

besichtigen, linzen[378]

besonnen, kochem[379]

besser, döfer[380]

bestehlen s. berauben

bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken

bestraft (gerichtlich), g’strupft[381]

besudelt s. beschmutzt

beten, bliblen[382]

betrachten, linzen[383]

betrinken, beschwächen[384]

Betrug, Kasperei[385], Kohlerei[386]

betrügen, kaspere[385], kohlen[386]

Betrüger, Fehlinger[387], Kasperer[385]

betrunken s. berauscht; vgl. trunken.

Bett, Sauft, plur. Sauften, Säufter oder Säuftlinge (letzteres Spr.)[388]

Bettelbrief, Dercherkritzler[389]

Bettelbrot, derchter Lehm (d. h. „gebetteltes Brot“)[390]

Bettelbube, Dercherfi(e)sel[391]

Bettelei, Dalferei, Dercherei[392]

Bettelfrau, Derchermoss[393]

bettelhaft s. arm; vgl. dürftig

Bettelleute, Dercherulma (-me)[394]

Bettelmädchen, Derchermodel[395]

Bettelmann, Dercherkaffer[396]

betteln, dalfen, derchen[392], manga[397]

Bettelsack, Dercherrande[398]

Bettelstab, Dercherstenz[399]

Bettelweib s. Bettelfrau

Bettler, Dalfer, Dercher (fem. Derchere [Spr.])[392]

Bettschüssel, Sauftschottel[400]

Bettüberzug, Sauftschure[401]

Bettuch,      "           "     

Bettzüge,      "           "     

beunruhigen (sich), bauserich sein[402]

Beutel, Kiesreiber[403], Rande[404]

beweinen, glemsen[405]; vgl. weinen

bewerfen, plotzen[406]; vgl. werfen

bezahlen, bereimen[407], bleisgeren[408], pfreimen, zainen, (zeinen [Spr.])[409]

bieder, dof[410]

Bier, Blamb[411]

Bierglas (-flasche), Blambglansert[412]

Bindfaden, Schure[413]

Binsen,      "     

Birke, Stöber (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen — alle Bäume bezeichnet[414]

Birnbaum, Stielingstöber[415]

Birne, Stieling

Birnenkern, Stielingkies[416]

Bischof, grandicher Kolb, d. h. „der große Pfarrer“[417], während der Papst als grandich Kolb, d. h. „der größte Pfarrer“, bezeichnet wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit grandicher immer die nächste höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit grandich dagegen stets der höchste Rang usw.[419].

bissig, näpfich (-ig)[420]

bitten, derchen[421]

Bittschrift s. Bettelbrief

Bleistift, Feberschure[422]

Blick, Scheileng[423]

blicken, linzen[424]

Block s. Holz

blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern

Blödigkeit (Blödsinn), Ni(e)sserei, Nillerei, Nuscherei[425]

Blume, Schure[426]

Blut, Rat[427]

blutig, ratich[427]