Alois Auer war zu Wels in Österreich als der Sohn eines armen Traunflössers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmöglich war, seinem Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach vollendeter Tagesarbeit benutzte er die späten Abendstunden, um sich gründliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung seiner fünfjährigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe für den Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der französischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prüfung in der französischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen Sprache an der Universität zu Wien mit günstigem Resultat unterwerfen konnte. Gleichzeitig bestand er die Prüfung in der Erziehungskunde. Sein guter Ruf verschaffte ihm bald eine öffentliche Anstellung in Linz als Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollständigkeit fast allen Ansprüchen genügte, und benutzte diese Sammlung, um die Raumverhältnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese Art entstand sein „typometrisches System“, über dessen praktischen Wert sich allerdings nicht viel sagen lässt.
Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren, zunächst der französischen und italienischen Sprache, und indem er nach gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte, keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine solche Aufgabe zu lösen reichten aber Metternich und Auer.die Kräfte eines einzigen Menschen nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in Österreich noch allmächtigen Fürsten Metternich für seine Sache zu gewinnen.
Nach Verlauf von einem Monat überreichte ihm Auer in Wien einen Plan zur Gründung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer „Zentral-Verlagsstätte Deutschlands in Wien“. Während dieser Plan die verschiedenen Staatsbehörden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England, Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es seiner Phantasie vorschwebte.
Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die Personalverhältnisse und der Geschäftsgang der Anstalt geregelt werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch zweckmässigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen für Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik, Photographie, Chemitypie und später für Naturselbstdruck errichtet. Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der Schnellpressen und zur Heizung sämtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner gründete Auer unter dem Personal eine Kranken- und Unterstützungskasse, ordnete das Lehrlingswesen und führte einen Unterricht für die Zöglinge in den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch, Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch), Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten.
Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860 beschäftigte sie schon über 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen, 50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000 Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der höchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben und 24 Orden zeugen dafür, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu verschaffen, nicht übel verstanden hat.
Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die öfters, und wohl nicht mit Unrecht, ihm nicht für voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis kein rechtes Glück. Diejenige, die am meisten von sich reden machte, war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin, von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen, die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes Werk, Physiotypia plantarum, wurde in Angriff genommen und auf den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch für die Praxis keinen grossen Wert.
Eine zweite „Erfindung“ war der Druck vom endlosen Papier. Der Gedanke, den Papierbrei der Papiermaschine an dessen oberen Ende zuzuführen und von dem anderen Ende in die Schnellpresse zu leiten, so dass er aus dieser als gedruckter Bogen herauskam, musste für einen so elastischen Geist wie Auer grosse Anziehungskraft haben. Er brachte ihn auch in seiner Weise, d. h. blendend, zur Ausführung; für die Praxis war der Nutzen ein geringer. Das Papier wurde in eine gewöhnliche Schnellpresse geführt, nach dem Schöndruck durch Mechanismus zerschnitten und die Bogen durch den Hansenschen Ausleger ausgeführt. Der staunende Beschauer ahnte in den seltensten Fällen, dass der Widerdruck auf gewöhnliche Weise, auf einer anderen Schnellpresse besorgt werden musste, und konnte nicht wissen, dass der Lohn eines Anlegers oder einer Anlegerin das einzige war, was hätte gespart werden können, wenn nicht dieser Gewinn durch die Kosten des ganzen Apparates weit überwogen worden wäre.
Ebensowenig Glück sollte Auer mit seiner Maispapierfabrikation haben[252]. Er brachte zwar eine Ausstellung zustande, in welcher nicht allein verschiedene Sorten Papier, sondern auch manche der Gegenstände zu sehen waren, welche Chinesen und Japanesen aus Papierstoff fabrizieren. Damit blieb aber auch diese Sache ruhen.
Selbst mit dem orientalischen Druckapparat, dem Stolz der Staatsdruckerei, hatte es mitunter einen Haken. Viele Schriften figurierten in den prachtvollen Proben; in der Wirklichkeit sah es mit deren Bestand öfters schwach genug aus.
Auers Hauptfehler war, sich nicht mit dem Schaffen von Tüchtigem zu begnügen, sondern auch blenden zu wollen, und dafür war ihm kein Preis — auf Kosten des Staates — zu hoch. Seine Eitelkeit war noch grösser als seine Tüchtigkeit.
Es konnte an Angriffen — begründeten, unbegründeten, durch Neid hervorgerufenen u. a. — nicht fehlen. v. Plener, des genialen Bruck Nachfolger als Finanzminister, war nicht so geneigt wie letzterer, über die Finanzfrage leicht hinwegzugehen. Auer wurde am 2. März 1866, nach verschiedenen Misshelligkeiten, in Anerkennung seines 25jährigen verdienstlichen Wirkens mit seinem vollen Gehalt definitiv in den Ruhestand versetzt.
Auer war nicht geschaffen, männlich den Schlag, die mit diesem verbundene Unthätigkeit und das Vergessensein zu überwinden. Sein Gemütszustand wurde ein immer reizbarerer und die Kräfte aufreibender; er starb bereits am 10. Juli 1869 in Hietzing.
Hat nun Auer auch dem Glanze zu viel geopfert und nach Alchymistenart öfters Thaler zu Groschen destilliert, so muss sein Einfluss auf die Typographie im allgemeinen und auf die österreichische insbesondere doch sehr hoch angeschlagen werden. Vor seiner Zeit war, wie erwähnt, ein in Österreich gedrucktes Buch ziemlich gleichbedeutend mit einem schlecht gedruckten; dass dies so ganz anders geworden ist, dazu hat Auer direkt und indirekt wesentlich beigetragen; selbst „draussen im Reich“ wurde sein Einfluss gespürt. Die ganze deutsche Typographie hat aus der Weltberühmtheit der Wiener Staatsdruckerei ihren Teil an Ehre und Vorteil gehabt; sie ist verpflichtet, Auers Namen in Ehren zu halten.
Seit Auers Tod steht die Staatsdruckerei unter der Direktion eines nicht fachmännischen Staatsbeamten, Hofrat Dr. Beck, der sie in angemessenster Weise auf einer achtunggebietenden Stufe erhält, während nicht prätendiert wird, die Führung der jetzt mündig gewordenen österreichischen Typographie fortzusetzen. Ein Hindernis für die rechte Entfaltung der Anstalt ist die vollständig ungenügende Räumlichkeit.
Neben dem Geld- und Wertpapierendruck wird unter Mitwirkung des Direktors der Blindenanstalt in Ober-Döbling, Fr. Entlicher, in anerkennenswerter Weise besonderes Gewicht auf den Druck für Blinde gelegt. Bei diesem Druck wird der Pressendeckel mit einem Überzug von Gutta-Percha versehen und darin ein scharfer Abzug von den Typen gemacht. Ist der Gutta-Percha-Überzug vollständig erhärtet, in welchem Zustand er 2–3000 Abzüge aushält, so wird die Schrift mit dem Papierbogen bedeckt, welcher, um eine grössere Zähigkeit zu erzielen, in einem mit Glycerin und Alaun versetzten Wasserbade gefeuchtet ist, in die vertiefte Gutta-Percha-Masse geprägt. Unter den verschiedenen Leistungen im Blindendruck befinden sich auch hebräische Lesebücher und durch erhabene Figuren illustrierte naturgeschichtliche Lehrbücher[253].
Auch die Chromolithographie wird mit Glück von der Staatsdruckerei geübt. Eine ausgezeichnete Leistung ist z. B. das Prachtwerk über die Votivkirche in Wien 1879. Die Reproduktion des Marienfensters (S. 303) übertrifft bei weitem ähnliche Arbeiten Silbermanns.
Das Budget der Staatsdruckerei zeigt bei einer Einnahme von etwa zwei Millionen Mark einen Überschuss von etwa 200000 Mark, bei Staatsanstalten ohne Konkurrenz Ziffern ohne grosse Bedeutung. Die Schriftenmasse beträgt 500000 Kilo in etwa 1500 verschiedenen Arten von Typen, darunter gegen 350 fremdländische[254]. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 57, der Handpressen 54, ausserdem sind etwa 80 Hülfsmaschinen vorhanden. Die Schriftgiesserei arbeitet mit 14 Giessmaschinen und besitzt etwa 30000 Stempel und 200000 Matern. Die Gesamtzahl der Arbeiter ist gegen 900.
Haben wir die Verdienste Auers und der Staatsdruckerei gebührend anerkannt, so ist es Pflicht, einen Mann zu erwähnen, der, obwohl nicht Buchdrucker, einen ganz eminenten Einfluss auf die Buchdruckerkunst in Österreich gehabt hat; es ist der Buchhändler Wilhelm Ritter von Braumüller. Früher bekannt als einer der bedeutendsten Sortimenter Wiens, die mit ihren vollen Börsen oder Portefeuilles und ihrem jovialen Wesen vorzugsweise gern gesehene Gäste zur Leipziger Messe waren, widmete sich Braumüller erst seit dem Jahre 1840 dem Verlag und zwar mit ebenso grossem Geschick und Energie als Glück.
„Von dem Streben geleitet, die wissenschaftliche Litteratur Österreichs dem Auslande gegenüber zur vollen Geltung und Anerkennung zu bringen, hat meine Handlung einen Verlag geschaffen, welcher sowohl nach seinem Werte als der Ausdehnung und Ausstattung nach den ersten Rang einnimmt, und welcher dadurch noch eine ganz besondere Bedeutung gewinnt, dass, hauptsächlich durch die geschmackvolle typographische Ausstattung angezogen, eine grosse Zahl litterarischer Notabilitäten fremder Universitäten durch gediegene Werke dabei vertreten ist. Vor allen ragt quantitativ und qualitativ die Medizin hervor, und die dominierende Stellung, welche Österreich durch seine medizinischen Celebritäten in der wissenschaftlichen Welt Deutschlands einnimmt, spiegelt sich auch in diesem Verlagszweige wieder. Eine Reihe veterinärwissenschaftlicher Werke, durch die Professoren des K. K. Tierarznei-Institutes würdig repräsentiert, schliesst sich demselben an. Die land- und forstwirtschaftliche Litteratur, bis dahin in Österreich gar nicht gepflegt, ist jetzt ausschliesslich in meinem Verlage vereinigt, und durch die Werke der Professoren an den berühmten Fachschulen in Mariabrunn, Ung.-Altenburg, Eulenberg, Hohenheim, Eisenach etc. würdig repräsentiert. Die vortreffliche Ausstattung, welche ich allen Werken mit der grössten Sorgfalt gewidmet, hat ohne Zweifel wesentlich zu einer allgemeinen besseren und würdigeren Ausstattung der litterarischen Erzeugnisse in Österreich beigetragen und auf die Entwickelung anderer Industriezweige, die Papier-Fabrikation, Buchdruckerei, Holzschneidekunst, welchen die obenangeführten Summen zugeflossen, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss geübt[255].“
Äusserte sich der Einfluss von Braumüller zunächst auf den
Werkdruck zu wissenschaftlichen Zwecken, so hat Wien das Glück,
zwei ebenso bedeutende Förderer der Verbindung der graphischen
Museum für Kunst.
Gesellschaft für vervielf. Kunst.illustrierenden Künste mit der Typographie zu besitzen: das Museum
für Kunst und Industrie und die Gesellschaft für vervielfältigende
Kunst. Wenn es in Wien möglich geworden ist, Werke zu
schaffen, in welchen Radierung, Xylographie, Hochätzung, Farben-
und Lichtdruck in glücklichster Weise zusammenwirken und öfters
nahe an die Vollkommenheit reichen, so haben die beiden erwähnten
Anstalten durch die von ihnen ausgehenden Anregungen und Druckwerke
den Vorwärts-Bestrebungen Wiens einen mächtigen Vorschub
geleistet[256].
Unter den Erscheinungen des Museums behaupten Teirichs „Blätter für Kunstgewerbe“ einen hervorragenden Platz. Die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst brachte eine Reihe brillanter Publikationen; den grössten Einfluss übt sie jedoch durch ihre Zeitschrift „Die graphischen Künste“, welche nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre vorzügliche technisch-artistische Ausführung belehrend und fördernd wirkt.
Unter der Ägide des Vorstandes der K. K. Kämmerei, des kunstsinnigen Grafen v. Crenneville, erschien ebenfalls eine Anzahl der schönsten Prachtwerke. „Die Kunstwerke der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses“ (1870–1873), „Schloss Schönbrunn“ (1875), „Der kaiserliche Thiergarten“ (1876), „Laxenburg“ (1877). In neuester Zeit kommt zu diesen Erscheinungen das „Jahrbuch der künstlerischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses“, zu welchem als Beilagen der „Frydal“, der „Theuerdank“, der „Weisskunig“, der „Triumph“, die „Ehrenpforte“, die „Heiligen aus der Familie des Kaisers“ gegeben werden, alles Werke, die von dem Kaiser Maximilian veranlasst oder vorbereitet waren und zu welchen die Originale der grossen Zeichenkünstler von damals noch vorhanden sind.
Aber auch die Buchdrucker selbst haben als Korporation die Hände nicht in den Schoss gelegt. Der unter vielen Opfern im Jahre 1874 gegründete Buchdrucker-Verein hatte zwar zunächst die materiellen und sozialen Verhältnisse des Geschäfts vor Augen, liess jedoch die Fachzeitschrift „Österreichische Buchdrucker-Zeitung“ erscheinen, die bestrebt war, nicht nur für die obgedachten Interessen, sondern auch für die technische Bildung zu wirken. Der Verein löste sich zwar im Jahre 1880 wieder auf, die Zeitung besteht jedoch fort im Besitz des „Graphischen Klubs“, der ausserdem durch Vorträge, Ausstellungen und technische Diskussionen anzuregen sucht. Auch das Gehülfenblatt „Vorwärts“ folgt dem Beispiel des „Correspondent“ und widmet seine Aufmerksamkeit jetzt nicht nur den sozialen Interessen, sondern auch der Technik und der Geschichte.
Durch die Bemühungen des Vereins ist auch seit 1874 eine Fachschule errichtet, von der gute Erfolge zu erwarten sind. Die Seele dieser Vereinsbestrebungen ist namentlich G. Gistel gewesen. Auch um den Unterstützungs-Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser Niederösterreichs und die Pensionskasse für Faktoren und deren Witwen hatte Gistel grosse Verdienste, war auch bei allen Tarifverhandlungen, bei der Säkularfeier, kurz bei jeder Gelegenheit, wo die Buchdrucker vereinigt auftraten, bereit, seine Kräfte dem Allgemeinen rückhaltslos zu opfern.
An Bedeutung der Staatsdruckerei am nächsten stehend ist die Offizin L. C. Zamarski (früher H. Engel & Sohn und L. C. Zamarski), die namentlich in der Gründerperiode eine erstaunliche Masse von Wertpapieren druckte. Die Anstalt, welche unter der Leitung von A. Pietzsch sich vortrefflich bewährt hat, wurde 1881 an die Papierfabrik Steyermühl um 800000 Gulden verkauft und mit einem Kapital von 3700000 Gulden in eine Aktiengesellschaft umgeformt. Es werden in der Anstalt die „Neue Illustrirte Zeitung“, das „Wiener Tageblatt“, die „Vorstadt-Zeitung“ und die „Deutsche Zeitung“ gedruckt. Vorzüglich sind ihre, unter Leitung von A. Frantz hergestellten Heliographien. Die Offizin arbeitet mit 28 Schnellpressen und beschäftigt gegen 350 Personen. Engels Erben befassen sich namentlich mit lithographischen Arbeiten; sie lieferten u. a. die japanischen Postmarken.
Ein vielseitiges, grosses Institut ist ebenfalls die Verlagsbuchhandlung und Artistische Anstalt von R. v. Waldheim (22 Schp., 25 Hdp. und gegen 250 Arbeiter), die eine bedeutende Zahl von illustrierten Werken namentlich technischen Inhalts herausgiebt und vielen technischen, kriegswissenschaftlichen oder in das Eisenbahnwesen einschlagenden Zeitschriften, wir nennen nur Teirichs „Blätter für das Kunstgewerbe“ und die „Allgemeine Bauzeitung“, druckt, verlegt oder debitiert, auch viele Accidenzien liefert.
Carl Fromme zeichnet sich besonders durch seine geschmackvollen und korrekten Accidenzarbeiten aus. Eine Spezialität, die er mit Virtuosität betreibt, ist der Kalenderdruck. Typographische Kraftstücke Frommes sind die Bilderreihe der Regenten Österreichs und die Stammtafel der Zisterzienser-Klöster. Diese zehn Meter lange Tafel besteht aus 108 Formen, in zwei Farben ausgeführt. Der Druck und die Zurichtung sind so vorzüglich, dass die Zusammensetzung dem Auge vollständig unbemerkbar ist.
Die Arbeiten von Rollinger & Mössner sowohl im Accidenz-
als im Werkdruck gehören mit zu den vollendetsten der neueren
Typographie. Die Genannten zählen unter die nicht zu zahlreichen
Buchdrucker, welche nichts für unbedeutend halten und eben
deshalb Mustergiltiges liefern, z. B. die „Geschichtsquellen der Stadt
Wien“. Zu derselben Klasse, jedoch meist in anderer Richtung
A. Holzhausen.arbeitend, gehört Adolf Holzhausen, dessen Offizin an orientalischen
Schriften sehr reich ist und dessen Drucke denen der
Staatsdruckerei vollkommen ebenbürtig sind. Er lieferte den Druck
des oben erwähnten Jahrbuchs der kaiserlichen Sammlungen und
Albrecht Dürer würde gewiss den „Ansichten aus der Presse“ von
seinen und der gleichzeitigen Meister Arbeiten sein imprimatur
G. Gistel.
Fr. Jasper.nicht verweigert haben. Zu den strebsamen Buchdruckern der
jüngsten Zeit gehören der erwähnte G. Gistel und Fr. Jasper.
Letzterer druckte die Festgabe zu dem 400jährigen Jubiläum, und
liefert sehr gute Illustrationsdrucke.
Einen ganz besonderen Ruf hat sich Wien durch seinen xylographischen Farbendruck erworben. Der erste, der sich durch diesen auszeichnete, war Heinrich Reiss, aus einer Familie, die von altersher eine Buchdruckerei besass, welche er, nachdem er erst verschiedene Reisen gemacht hatte, 1828 übernahm. 1850 folgte er jedoch einem Rufe der Staatsdruckerei, leitete später die Buchdruckerei von Zamarski und gab sich seit 1857 ganz der Kunstdruckerei hin. Seine Hauptarbeit, an der er 23 Jahre lang gearbeitet hatte, ist das Missale Romanum mit etwa 90 Miniaturen von H. Knöfler. Zu der Herstellung eines Bildes wurden bis zu 15 Platten verwendet. Vorzüglich sind die zwei grossen Titelblätter, das Abendmahl und Christus am Kreuze. Der Text bildet einen Folioband von mehr als 700 zweispaltigen Seiten. Die Grundschrift ist eine fette Gothisch, zu der besondere Initialen geschnitten wurden. Das Papier, ein geripptes Büttenpapier, ist jedoch, wie auch der Textdruck, von sehr ungleicher, mitunter sogar geringer Qualität. Aus diesem Grunde fehlt, trotz der ausserordentlichen Aufopferung seitens Reiss' und der Vorzüglichkeit des Bilderdruckes, dem Werk, als Ganzes betrachtet, doch gar vieles, um als ein typographisches Denkmal ersten Ranges zu gelten. Derartige Werke dürfen nicht Not leiden und müssen in Händen eines Herausgebers sein, dem es möglich ist, bis ans Ende ruhig auszuhalten. Deshalb aber nicht weniger Ehre dem Andenken eines echten Jüngers Gutenbergs. Sein Geschäft übernahm Ludw. Lott, vorher als technischer Leiter der „Alten Presse“ und als Einführer der „Endlosen“ auf dem Kontinent bekannt. Er wirkte im Geiste seines Vorgängers fort und seine Arbeiten fanden in England und Amerika allgemeine Bewunderung. Seine Drucke auf Blech sind ebenfalls vortrefflich.
Eine ziemlich bedeutende Thätigkeit entwickeln in Prag 33 Buchdruckereien und 30 lithographische Anstalten mit ihren 114 typographischen und 25 lithographischen Schnellpressen. Die bedeutendste Offizin ist die von A. Haase (S. 290) mit 21 Schnellpressen und 18 Handpressen. Ign. Fuchs (11 Schp., 19 Tr.- u. Hdp.) liefert sehr gute lithographische Arbeiten, auch J. Farsky bringt Tüchtiges in dieser Richtung. Dr. Ed. Grégrs Offizin arbeitet mit Rotationsmaschine und 5 Schnellpressen. H. Mercy (9 Schp.) druckt namentlich Werke. Die Buchdruckerei der K. K. Statthalterei beschäftigt 7, die Buchdruckerei für Politik 8, J. Otto 7, B. Styblo 6, C. Bellmann 7 Schnellpressen.
Die Fabrikstadt Reichenberg besitzt eine grossartige graphische Anstalt, die der Gebr. Stiepel, welche durch 13 Schnellpressen und 20 Tret- und Handpressen die zahlreichen Fabriken mit Etiketten, Geschäftskarten, Rechnungsformularen etc. versieht. Tetschen.Das kleine Tetschen an der Elbe hat auch eine bedeutende Druckanstalt aufzuweisen, die von F. W. Stopp, welche (mit 7 Schp., 7 Hdp.) hauptsächlich für lithographische Arbeiten eingerichtet Teschen.ist. In Teschen in Österr. Schlesien befindet sich die Offizin von K. Prochaska (10 Schp.), eine der besten Provinzdruckereien Österreichs. Sie wurde 1806 von Thomas Prochaska gegründet.
In Brünn arbeiten hauptsächlich für Lokalbedürfnisse W. Burkart (7 Schp.), Buschak & Irrgang (4 Schp.), Carl Winiker (5 Schp.), R. M. Rohrer (6 Schp.). Galizien bietet nur wenig von Interesse. In Krakau, einst von Bedeutung in der typographischen Geschichte, druckt die Offizin des Czas (5 Schp.) und die Buchdruckerei der Akademie der Wissenschaften H. Lisicki & Co., in Lemberg E. Winiarz (4 Schp.).
Unter den Offizinen des südlichen Österreichs ist die Aktiendruckerei Leykam-Josefsthal (15 Schp., 16 Tr.- u. Hdp.) in Graz eine weit verzweigte graphische Anstalt, die manches Gute geliefert hat. Die Grazer „Post“ wurde 1882 an eine zweite Gesellschaft Leykam für gegen 1100000 M. verkauft. Die Gesellschaft Styria und die Gutenberg-Druckerei in Graz beschäftigen je 5 Schnellpressen. In Innsbruck verfolgt die Wagnersche Buchdruckerei eine wissenschaftliche Richtung. In Linz wirken A. Eurich und J. Wimmer. Die älteste Druckerei Österreichs besitzt Klagenfurt. Hier etablierte sich Ferd. v. Kleinmayr 1548. Sein Nachfolger gründete 1777 die „Klagenfurter Zeitung“. In Laibach feierte die Offizin von J. v. Kleinmayr & F. Bamberg (4 Schp.) 1882 ihr Triest.100jähriges Jubiläum. In Triest hat sich die Buchdruckerei des Österr.-Ungar. Lloyd als eine tüchtige Vertreterin der Kunst bewiesen und wirkte auch früher als bedeutende Verlegerin illustrierter Werke.
Von der Holzschneidekunst in Wien und den Meistern, welche diese förderten J. G. Prestel, Blasius Höfel, Friedr. v. Exter, H. Knöfler u. a., wurde bereits (S. 300) berichtet, auch fanden die Paul Pretzsch * 1808, † 28. Aug. 1873.wichtigen Erfindungen von Paul Pretzsch (S. 14) Erwähnung. Je weniger das verdienstvolle Wirken dieses Mannes vom Glück begünstigt war und je öfter der Versuch gemacht wurde, seine Erfinderehre zu schädigen, namentlich seitens englischer Erfinder, um so mehr gebietet es die Pflicht, hier seiner mit einigen Worten noch zu gedenken.
Pretzsch war als Sohn eines Goldarbeiters in Wien geboren, lernte dort die Buchdruckerkunst und trat nach längerem Aufenthalt im Auslande in den Dienst der K. K. Hof- und Staatsdruckerei, welche er 1851 auf der Londoner Weltausstellung vertrat. Dort erhielt er auf Grund der von ihm ausgestellten Photographien eine Prämie und nun entstand in ihm der Gedanke, Photographien druckbar zu machen, weshalb er sein Engagement bei der Staatsdruckerei aufgab, 1854 wieder nach London ging und dort neun Jahre blieb, um seine Pläne zur Ausführung zu bringen. Seine Erfindung, Tiefdruckplatten von Photographien herzustellen, nannte er Photogalvanographie und sie wurde einer Patent-Photo-Galvanographic-Society zur Ausbeutung übergeben, welche 1856 fünf Hefte eines Werkes in Grossfolio unter dem Titel Photographic Art Treasures herausgab. Nach etwa zweijährigem Bestehen löste sich jedoch die Gesellschaft auf und Pretzsch war wieder auf sich selbst angewiesen, während Fox Talbot, der die Erfindung gemacht hatte, durch Ätzung Photographien druckbar zu machen, ihn auf Grund seines Patentes verfolgte, wennauch ohne Resultat, da Pretzschs Verfahren sich nicht auf Ätzen gründete.
Nach der Weltausstellung 1862 kehrte Pretzsch nach Wien zurück und war längere Zeit schwer leidend, so dass er erst 1864 seine Thätigkeit wieder aufnehmen konnte. Diese richtete sich nun vornehmlich auf Herstellung von Hochdruckplatten und nach mannigfachen, mühsamen und kostspieligen Versuchen gelang ihm auch die Fertigstellung solcher, von welchen Proben 1873 in Wien ausgestellt waren.
Hiermit war das wichtigste Problem der Illustration der Zukunft zwar Wirklichkeit geworden, jedoch noch nicht in zufriedenstellender Weise; denn die Platten besassen nicht Tiefe genug, um mit Leichtigkeit in der Buchdruckerpresse behandelt zu werden. In Berücksichtigung der hohen Bedeutung, welche die Erfindung möglicherweise würde erreichen können, erhielt Pretzsch eine Staatsunterstützung, um seine Versuche weiterzuführen, und noch wenige Stunden vor seinem Tode war er mit diesen beschäftigt.
In der Zeit der Blüte der Schwarzlithographie erreichte Kriehuber im Porträtfache eine bis dahin unbekannte Meisterschaft. Die Chromolithographie fand einen günstigen Boden, der zuerst von der K. K. Staatsdruckerei bebaut wurde. Das erste Werk von Bedeutung waren die Aquarellbilder nach niederösterreichischen Bauwerken von Conr. Grefe, welcher Künstler überhaupt besondere Verdienste um den Buntdruck hat. Ed. Hölzel lieferte namentlich viele gute Landschaftsbilder; sein bestes Blatt und eines der besten der Öldruckbilder überhaupt dürfte „Die beiden Brüder“, nach v. Defregger sein. Seine instruktiven, geographischen und naturwissenschaftlichen Blätter und die architektonischen Bilder nach J. Langl, in Sepiamanier gedruckt, sind höchst wertvolle Erscheinungen. Reifenstein und Rösch (jetzt G. Reifenstein), Haupt & Czeiger, A. Hartinger & Sohn, Fr. Paterno lieferten gutes, die ersteren beiden Firmen im figürlichen, die beiden letzteren im naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Unterrichtsfache.
Im lithographischen Accidenzfache zeichnete sich Ed. Sieger aus. Seine Riesenplakate wurden angestaunt und seine Erfindung des Ivoirit, einer täuschenden Imitation des Elfenbeins, brachte, in Bücherbänden oder in Ebenholz-Kassetten und Möbeln eingelegt, eine frappante Wirkung hervor.
Die Zinkhochätzung fand tüchtige Vertreter, unter welchen C. Angerer & Göschl ihr Verfahren zur ganz besonderen Vollkommenheit brachten. Auch C. Haack erwarb sich einen Namen, Moritz und Max Jaffé traten mit der Jaffétypie auf. Die Kupferstecherkunst, welche sehr zurückgegangen war und wesentlich nur in den Prämienblättern und den Nieten der Kunstlotterien fortvegetierte, trat durch die Ernennung Louis Jacobys (jetzt in Berlin) zum Professor dieser Kunst in ein neues Stadium des Fortschrittes. Die Radierung kam besonders durch W. Unger zu Ehren. Die Photographie, namentlich die Porträtphotographie, wurde mit viel Glück in Wien geübt.
In der Verwendung aller graphischen Kunstzweige, namentlich der in der Photographie wurzelnden, ist das Militär-geographische Institut berühmt geworden. Es entstand 1839 durch Vereinigung der topographisch-lithographischen Anstalt des K. K. Generalstabes in Wien mit dem zu Mailand bestandenen Deposito della Guerra. Die Anstalt kultiviert die Kartographie in ausgedehntester Weise unter Verwendung aller neueren Verfahren. Unternehmungen wie die Karte der Umgebungen Wiens in 48 Blättern; die Spezialkarte der Österreich-Ungarischen Monarchie in 720 Blättern, die Generalkarte von Zentral-Europa in 192 Blättern, und viele andere gehören zu den Meisterwerken der Kartographie.
Die Buchbinderkunst steht in Wien schon seit langer Zeit im Ansehen, wird jedoch noch mehr in den sogenannten Galanterie-Arbeiten als in der eigentlichen Buchbindung geübt. Vortrefflich sind in letzterer Richtung die Mosaikbände mit wirklichen Ledereinlagen, nicht nach französischer Art mit nur aufgelegtem dünn geschabten Leder. Namen wie A. Klein, Leop. Groner, Conr. Berg u. a. haben den besten Klang.
Unter solchen Verhältnissen wie den obengeschilderten konnte Wien, wo die Zustände im Jahre 1840 den Gedanken an ein fröhliches Gutenbergfest, wie das in Leipzig, nicht aufkommen liessen, sich mit Befriedigung zur Begehung des vierhundertjährigen Festes der Einführung der Kunst in Wien (I, S. 49) rüsten. Schon Jahre vorher waren die Vorbereitungen getroffen, namentlich für die Herausgabe einer bedeutenden Festschrift, einer Geschichte der Kunst in Wien seit vier Jahrhunderten, welche zugleich Proben der Leistungsfähigkeit der graphischen Anstalten vorführen sollte[257]. Das Fest fand am 24.–25. Juni 1882 statt und wurde durch einen Aktus, verbunden mit einer durch v. Eitelberger arrangierten historischen Ausstellung, eröffnet. Die eigentliche Festrede hielt der österreichische Generalkonsul in Leipzig, Karl v. Scherzer, wie bereits erwähnt ein früherer Gutenbergsjünger. Ein allgemeines Fest fand am 25. Juni in Hietzing in der „Neuen Welt“ statt, wo gegen 14000 Festgenossen sich versammelt hatten und wo Karl Höger als Festredner auftrat.
In Ungarn steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr hohen Standpunkte. Buda-Pest ist selbstverständlich der Sammelpunkt der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen; 1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130 Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen.
Die Staatsdruckerei Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp., 18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns und Österreichs und befand sich früher in Temesvar als Filiale der Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und Wertpapiere, die nicht auf der Höhe der Vollkommenheit stehen. Neben Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben einen grossen Umfang.
Einen bedeutenden Aufschwung hat die Pester Buchdruckerei-Aktien-Gesellschaft, geleitet von Siegm. v. Falk, genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8 Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft Athenäum (12 Schp., 12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft Franklin-Verein (Rotm., 11 Schp., über 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag von Gustav Heckenast, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblühen des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest, übernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Göttingen auf Grund politischer Verhältnisse Ungarn schleunigst verlassen musste, dessen Geschäft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glück, namentlich mit dem von Kossuth redigierten Pesti Hirlap. Später gab er die illustrierte „Sonntags-Zeitung“ heraus.
Die von der Gesellschaft Hungaria 1869 gegründete, schön eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschäft) druckt mit Rotationsmaschine das „Neue Pester Journal“ und das „Volksblatt“ und beschäftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschäft von Gebr. Légrádý liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, Victor Hornyánsky viele sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu erwähnen die Universitäts-Buchdruckerei (7 Schp.) und die bedeutenden Zeitungsdruckereien: Khór & Wein, welche das „Illustrirte Tageblatt“ auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, Ph. Wodianer, M. Deutsch (10 Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmännischen Accidenzfach gehen aus den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. Posner (7 Schp., 11 Hdp.) hervor.
Mor. Ráth gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzüglich ausgestatteten Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfähigkeit der Pester Typographie machen.
Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In Agram befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische Anstalt von C. Albrecht mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung gehörende Offizin des Narodne Noviny (4 Schp.). Gutes leisten in Raab Sandor Czéh; in Temesvar Gebr. Magyar; in Szegedin Burger & Co.; in Neusatz befindet sich die Druckerei des Serbischen National-Vereins. Das „okkupierte“ Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete K. K. Landesbuchdruckerei in Serajewo.
Während in dem Jahre 1856 der österreichische Gesamtstaat (die italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Länder 1882 in 372 Städten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29 Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250. Beschäftigung fanden gegen 15000 männliche, 3500 weibliche Arbeiter und 2000 Lehrlinge. 38 Gehülfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin eingerechnet das Vermögen des Wiener Unterstützungs-Vereins von etwa 300000 Mark, ein Gesamtkapital von über einer Million Mark.
Vergleichen wir die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit dem Deutschen Reiche, so geht hervor, dass erstere bei einem Umfange von 11300 Meilen und einer Bevölkerung von etwa 37500000 Menschen in der graphischen Produktion sehr gegen letzteres zurückbleibt. Scheiden wir die österreichische Monarchie in vier graphische Gruppen, so erhalten wir als Resultat folgende Zahlen:
| Buchdruck. | Lithogr. Anstalten | Typogr. Schnellpr. | Lithograph. Schp. | ||
| I. | Die nördliche Gruppe: Schlesien, Böhmen, Mähren, Galizien, Bukowina |
251 | 148 | 442 | 75 |
| II. | Die mittlere Gruppe: Nieder- und Oberösterreich, Salzburg |
190 | 111 | 450 | 79 |
| III. | Die südliche Gruppe: Tirol, Steiermark, Kärnthen, Krain, die Küstenländer |
73 | 31 | 450 | 79 |
| IV. | Die östliche Gruppe: Ungarn, Siebenbürgen, Slawonien, Kroatien, Bosnien |
242 | 55 | 344 | 11 |
| 756 | 345 | 1369 | 199 |
Die rein deutsche Gruppe II, mit der Kaiserstadt, in welcher fast alle bedeutenden graphischen Anstalten ihren Sitz haben, und in der über eine Million Menschen lebt, ist mehr als anderthalbmal so gross an Umfang als das Königreich Sachsen und zählt nur etwa 200000 Einwohner mehr. Nichtsdestoweniger beträgt in Sachsen die Zahl der Buchdruckereien 136, der lithographischen Anstalten 101 und der Schnellpressen 663 mehr als in der österreichischen Gruppe II.
Das Deutsche Reich, einen Umfang von etwa 2000 □Meilen weniger als Österreich-Ungarn besitzend und etwas über 5 Millionen Einwohner mehr zählend, hat 2633 Buchdruckereien, 1649 lithographische Anstalten, 5708 Schnellpressen und etwa 3000 Buchhandlungen mehr. Bei einer solchen Zusammenstellung darf jedoch nicht übersehen werden, dass in den cis- und transleithanischen Ländern die Zahl der Deutschsprechenden nicht viel mehr als den vierten Teil der Einwohner beträgt.
Ebenso ungünstig stellt sich das Verhältnis, wenn wir die österreichisch-ungarischen Städte mit 50000 Einwohnern und mehr mit den deutschen (S. 276) zusammenstellen. Es giebt in Österreich deren nur zehn, nämlich:
| Städte | Einwohnerzahl | Buchdruck. | Lithogr. Anst. | Buchhandl. | Zeitschriften |
| Buda-Pest | 365000 | 49 | 24 | 57 | 83 |
| Prag | 190000 | 33 | 30 | 83 | 84 |
| Triest | 124000 | 10 | 4 | 12 | 6 |
| Lemberg | 104000 | 15 | 4 | 22 | 33 |
| Graz | 94000 | 7 | 9 | 26 | 17 |
| Brünn | 82000 | 12 | 6 | 15 | 24 |
| Szegedin | 76000 | 4 | 1 | 4 | 2 |
| Krakau | 61000 | 6 | 2 | 15 | 8 |
| Debreczin | 52000 | 3 | 1 | 2 | 2 |
| Pressburg | 50000 | 6 | 3 | 4 | 2 |
Die Bücherproduktion Österreichs lässt sich nicht wohl aus der des ganzen deutschen Litteraturgebietes ausscheiden. Die Büchereinfuhr in Österreich betrug 27620 Meterzentner, die Ausfuhr 9378; da von letzterer jedoch die Remittenden der in Kommission versandten Artikel abgehen, so kann die wirkliche Ausfuhr kaum auf 4000 Meterzentner geschätzt werden. Merkwürdigerweise stellt sich das Verhältnis bei Musikalien noch ungünstiger, da bei einer Einfuhr von 937 Meterzentner nur 66 Zentner ausgeführt wurden. Trotz der geringen Ziffern hat sich die Einfuhr seit 1860 zwei und einhalbmal, die Ausfuhr einmal erhöht.
Die Zahl der Journale war zum Beginne des Jahres 1880 in den im Reichsrate vertretenen Kronländern 1074, darunter 340 politische Tages- und Wochenblätter. Von der Gesamtzahl erschienen 79 täglich, 80 mehrmals wöchentlich, 310 wöchentlich, 211 vierzehntägig, 226 monatlich. 728 Journale waren in deutscher, 73 in polnischer, 131 in tschechischer Sprache. Wien beteiligte sich mit 483 Zeitschriften. 1872 hatte ein Rückgang in der politischen Zeitungspresse stattgefunden und es erschienen 19 Tagesblätter weniger als 1871.
Ungarn lieferte damals 558 Zeitungen, davon 356 in magyarischer, 120 in deutscher, 56 in slawischer und 21 in rumänischer Sprache. Die Zahl der magyarischen Blätter hat seit der Zeit um 70 zugenommen, in Buda-Pest erschienen 168; in den übrigen Sprachen ist die Zahl ziemlich unverändert geblieben.