Fußnoten:

[244] Journ. f. B. 1846.

[245] J. T. v. Trattner, Der gerechtfertigte Nachdrucker. Wien 1778.

[246] Während Trassler noch als Faktor bei Trattner arbeitete, hatte letzterer für den nachmaligen Kaiser Josef II. eine kleine Buchdruckerei eingerichtet. Ein grosser vortrefflicher Holzschnitt von F. v. Exter (S. 302) hat eine Szene aus dieser Druckerei verewigt, wo der Prinz an dem Bengel zieht, Trassler die Ballen einschwärzt und Trattner gute Lehren erteilt. Die Presse selbst befindet sich in dem Museum der K. K. Staatsdruckerei.

[247] Annalen d. Typ. 1875, Nr. 327. — „Zur hundertjährigen Gründungsfeier“ etc. Wien 1815.

[248] Franz Raffelsberger, Proben der ersten graphischen Typen. Wien 1838.

[249] A. Auer, Über das Raumverhältniss der Buchstaben. Wien 1848.

[250] A. Auer, Geschichte und Beschreibung der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1851. — Der polygraphische Apparat, 1851. — Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1853. — Die K. K. Hof- und Staatsdruckerei auf der Pariser Ausstellung. 1855.

[251] A. Auer, Die Entdeckung des Naturselbstdruckes. 1853. — K. v. Ettinghausen und A. Pokorny, Die wissenschaftliche Anwendung des Naturselbstdruckes. Wien 1856.

[252] J. Arenstein, Österreich auf der internationalen Ausstellung 1862.

[253] Jos. Trentsensky, Erzeugung von Schriften en haut-relief für Blinde. Wien 1836. — Freisauff v. Neudegg, Die Ektypographie für Blinde. Wien 1837.

[254] 1876 erschien die zweite Auflage der Alphabete des gesamten Erdkreises.

[255] Die obigen nicht wenig zuversichtlichen Worte gehören dem Herrn v. Braumüller selbst und sind dem Vorwort zu seinem Jubelkatalog entnommen. Es ist eine eigene Sache, in einem geschichtlichen Buch jemand sein eigenes Lob aussprechen zu lassen; wenn man jedoch mit gutem Gewissen jedes Wort unterschreiben kann, weshalb dann nicht? — C. Beyer, Wilh. v. Braumüller und Heinr. v. Cotta.

[256] Eitelberger, Die Kunstbewegung in Österreich. 1878.

[257] Das Werk gewann einen grösseren Umfang, als anfänglich vorgesehen war. Bis jetzt erschien der erste Band, gedruckt bei Fr. Jasper, mit vielen Beilagen.

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XVI. KAPITEL.

DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.

Dänemark. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. Thiele, C. Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die Giessmaschine: L. Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen. Die Schreibkugel: Malling Hansen. Island, Grönland. Norwegen. Geistiges Leben. Schweden. Norstedt & Söner, Central-Tryckeriet u. a. Finnland. Russland und Polen. Die Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen. Die Donauländer: Serbien, Rumänien, Bulgarien. Griechenland.

DÄNEMARK UND NORWEGEN.

Die Presse in Dänemark.
G

EGEN das Ende des XVIII. Jahrhunderts ergriff die politische und geistige Gährung auch Dänemark und übte ihre Wirkung auf die Presse aus. Unter dem allmächtigen Ministerium Struensee wurde 1770 am 14. September die schrankenloseste Pressfreiheit eingeführt, was nicht ohne gröbliche Ausartungen abging. Wie gewöhnlich trat dann als Gegensatz eine weit über das Ziel schiessende Reaktion ein, deren Schlussstein die Verordnung vom 27. September 1799 war, durch welche die Zensur wieder eingeführt wurde und die Verfolgungen gegen die Presse ihren freien Lauf nahmen. Ausserdem begann das XIX. Jahrhundert sehr unglücklich für Dänemark, welches die damals herrschende Politik mit dem Bombardement von Kopenhagen, dem Verlust seiner glänzenden Flotte und der Abtretung Norwegens bezahlen musste[258].

Unter diesen Verhältnissen konnte die Typographie Dänemarks in der ersten Hälfte der Periode und noch länger keine grossen Fortschritte machen. Es herrschte kein guter Geschmack und die Produktionen gingen nur selten über das Mittelgute hinaus. Als bedeutendere Erscheinungen sind zu nennen: Den danske Vitruvius, 2 Bände, Folio; Langebecks Scriptores rerum danicarum, 8 Bände, Folio; Beskrivelse over danske Mönter og Medailler, 3 Bände, Folio; Flora Danica, ein sehr bedeutendes und umfangreiches Werk.

Die Typographie in Kopenhagen.

Die Buchdruckereien in Kopenhagen beherrschten, durch Innungsverhältnisse begünstigt, die Buchdruckereien der Provinz. Die Autoren suchten, da der Buchhandel nicht gut organisiert war, zumteil Verleger im Auslande.

E. H. Berling * 1689, † 1759.

Carl Heinrich Berling, Sohn des eingewanderten E. H. Berling (I, S. 156), erwarb das Privilegium der Posttidender, welche den Titel Statstidende, später Berlingske Tidende annahm, unter welchem Namen sie noch heute besteht. Viele Jahre hindurch waren dieses und ein anderes, ungefähr auf derselben Stufe der Mittelmässigkeit stehendes Blatt, Dagen, die einzigen Quellen tagesgeschichtlicher Weisheit.

Das Volk verfiel in ein durch Geistesspielereien gewürztes weichliches Wohlleben, aus welchem der Nationalgeist erst durch die Dichtungen Adam Oehlenschlägers erwachen sollte. Allmählich fielen die Schranken der Presse wieder und es erblühte ein überaus reges geistiges Leben, das ebenfalls die Entwickelung der Buchdruckerei und des Buchhandels im Gefolge hatte.

Bianco Luno * 27. Juni 1795, † 12. Aug. 1852.

Im Jahre 1825 kam die erste Schnellpresse nach Dänemark. Der eigentliche Schöpfer des guten Geschmacks und der Typographie im Sinne der Neuzeit war Bianco Luno[259], der sich, nach vielfachen Wanderungen in Italien, Ungarn und Deutschland, 1831 in Kopenhagen etablierte. Die Ausstattung und Ordnung seiner Druckerei war eine noch nicht in Dänemark bekannte und würde selbst im Auslande als eine mustergültige gegolten haben. Er lieferte namentlich in Werk- und tabellarischen Arbeiten vortreffliches. Die Druckerei arbeitet jetzt mit 9 in Kopenhagen von Eickhoff gebauten Schnellpressen.

Gebr. Thiele.
J. R. Thiele † 1876.

In feineren Accidenz- und illustrierten Drucken sind die Brüder Just und Andreas Thiele, Nachkommen eines 1770 aus Lemgo eingewanderten Buchdruckers Joh. Rud. Thiele, in Dänemark unübertroffen. Sie erhielten ihre Ausbildung in der Brockhausschen Offizin in Leipzig und können sich mit den besten Illustrationsdruckern Deutschlands messen. Als Beispiele ihrer Leistungen seien erwähnt: Illustreret Tidende, The old northern Runic monuments und Queen Dagmars Cross in Farbendruck. Die Offizin ist die grösste in Dänemark und arbeitet mit 17 König & Bauerschen Schnellpressen. Die Gebrüder Thiele drucken auch die Noten der Bank, die Postmarken und fast alle dänischen Wertpapiere.

C. Ferslew.

Als Zeitungsdruckerei steht die Offizin C. Ferslew & Co. obenan. Sie verbindet Typographie mit Lithographie und Papierfabrikation. Ferslew druckte zuerst mit einer „Victoria-Endlosen“. Drei grosse Tageszeitungen werden in der Offizin hergestellt, in welcher 9 Kastenbeinsche Setzmaschinen und 11 Ablegemaschinen arbeiten, wohl mehr als für den Augenblick im ganzen Deutschen Reich. Bei der Bedienung sind mehr als dreissig Mädchen unter Leitung einer Directrice beschäftigt. Um den Satz zu beschleunigen, werden schlecht geschriebene Manuskripte erst mittels der Malling Hansenschen Schreibkugel (S. 446) umgeschrieben und dann dem Setzer übergeben, wodurch es möglich wird, den Hauptteil einer grossen Zeitung in zwei Stunden herzustellen. Die als eine Neuheit von Beschke in Deutschland eingeführten Wetterkarten werden schon seit fünf Jahren bei Ferslew hergestellt.

Das Beispiel Lunos und Thieles hat sehr befruchtend gewirkt und der dänische Druck nimmt im ganzen eine sehr respektable Stellung ein. Die Offizin von Berling, welche jetzt nur die Berlingske Tidende mit Rotationsmaschine aus der Fabrik Eickhoff in Kopenhagen druckt, hat sich durch Einführung der technischen Verbesserungen und Erfindungen des Auslandes verdient gemacht. Der letzte männliche Besitzer der Firma Carl Berling spielte als Kammerherr, Reisemarschall und Günstling des Königs Friedrich VII. eine Rolle. Er starb auf einer Reise in Ägypten am 30. März 1871. Geachtete Namen erwarben sich unter anderen Andreas Seidelin und die von J. F. Schultz begründete Hofbuchdruckerei, jetzige Universitätsbuchdruckerei von J. H. Schultz, welche mit 12 Schnellpressen namentlich Regierungs-, Universitäts- und Kommunalarbeiten liefert. In der Provinz ist zu nennen die über 110 Jahre bestehende Fyens Stifts-Buchdruckerei in Odense, wo die Wiege der dänischen Buchdruckerei stand (I, S. 74).

Statistisches.

Zur Zeit hat Dänemark 175 Buchdruckereien (davon 71 in Kopenhagen) mit einem Arbeitspersonal von 1438 Köpfen, darunter 746 Setzergehülfen, 354 Setzerlehrlinge; 69 Setzerinnen, namentlich bei den Setzmaschinen thätig; 176 Drucker, 82 Druckerlehrlinge. Die Zahl der Schnellpressen ist 294, der Tretpressen 36 (davon in Kopenhagen 151 Schnellpressen, 35 Tretpressen). 90 Handpressen werden wohl, wie überall, fast nur als Korrekturpressen dienen[260].

Die litterarische Produktion ist nicht so genau wie in Deutschland anzugeben, da die einzige Kontrolle in der angeordneten Ablieferung eines Exemplars jeden Druckwerkes an die königliche Bibliothek besteht. Eingereicht wurden im Jahre 1880 349 Zeitschriften, 1806 Bücher und Broschüren. In Kopenhagen erscheinen 14 Tageblätter zumeist im Format der grossen Pariser Zeitungen; in den Provinzen 50. Kopenhagen hat 14 illustrierte Wochenblätter, unter welchen die humoristischen eine grosse Verbreitung haben.

Xylographie und Chemitypie.

Die Xylographie, früher hauptsächlich durch Deutsche geübt, leistet sehr anerkennenswertes; die bedeutendsten Anstalten sind die der Illustreret Tidende, H. P. Hansen, F. Hendrikson und J. J. Rosenstand. Die Chemitypie verdankt dem Dänen Chr. Piil[261] ihr Dasein und ist in Dänemark sehr beliebt geworden. Öfters wird sie mit der Zinkhochätzung verwechselt, jedoch beruht sie auf anderen Grundsätzen (S. 18). Piil brachte seine Erfindung nach Leipzig und übte sie dort in Verbindung mit dem Buchhändler H. Friedlein. Auch die Zinkographie fand sehr geschickte Ausüber in Dänemark.

Schriftgiesserei.

Auf Grund des kleinen Geschäftsgebietes konnte die Schriftgiesserei nicht mit der deutschen Schritt halten. Schriften wurden hauptsächlich von Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, dann auch von Berlin und Leipzig bezogen. Gute Arbeiten liefert H. A. F. Fries in Kopenhagen.

Die Schriftgiessmaschine.
L. Brandt * 6. Sept. 1807.

In Deutschland gilt (S. 295) der Däne Lauritz Brandt allgemein als Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der Insel Fühnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier führte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein Patent an Eduard Hänel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse pekuniäre Vorteile noch Ehre, denn Hänel verschwieg seinen Namen, sodass bald dieser selbst, bald Steiner in München als Erfinder galt. Brandt verliess Deutschland und ging nach Dänemark, wo er mehrere Maschinen für die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches später auf die Firma Norstedt & Söner überging. Nach einem etwa vierjährigen Aufenthalt in Europa ging Brandt nach New-York zurück und gründete dort ein Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859 zog er sich ins Privatleben zurück und übergab sein Etablissement an N. Erlandsen, der, ebenfalls ein Däne, als armer Junge von seinen Eltern aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprüche machte David Bruce sein Erfindungsrecht geltend (S. 39).

Die Setzmaschine.
Chr. Sörensen * 7. Mai 1818, † 30. Jan. 1861.

Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war, so muss doch Christian Sörensen[262] in Kopenhagen als der Erfinder betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfähige Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen späteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde.

Sörensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte nur in den Abendstunden einen notdürftigen Unterricht geniessen. Durch einen Zufall kam er später in Setzerlehre.

Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er ein Patent für eine Setz- und Ablegemaschine und eine Unterstützung zur Ausführung eines Modells. Während Sörensen hiermit noch beschäftigt war, ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht! Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber — die Maschine erhielt nicht einmal eine ehrenvolle Erwähnung.

Das war ein harter Schlag für Sörensen, und seine Gönner fingen nun an, sich von ihm zurückzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der Publizist J. F. Gjödwad, Herausgeber der Zeitung Fädrelandet, und bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins Leben. Der Besteller war liberal genug, Erfolge in Paris.zu gestatten, dass sie erst in Paris ausgestellt würde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der höchsten Belohnung würdig befunden, welche für diejenigen Männer bestimmt war, „die sich um die Gesellschaft besonders verdient gemacht“ hatten.

Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine, und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollständigt, die auch sehr schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch.

Not, Sorge und Tod.

Der pekuniäre Vorteil des Pariser Erfolges blieb jedoch für Sörensen aus. Er fiel in Paris Schwindlern in die Hände und nach vielen vergeblichen Anstrengungen für die Einführung der Maschine in Frankreich, Deutschland und Österreich kehrte er krank und gebeugt nach Dänemark zurück. Hier fand er wieder Beistand und Aufmunterung bei seinem alten Gönner Gjödwad. Zwar geschahen auch von anderer Seite Schritte, die Sörensens Zukunft wenigstens sorgenfreier gestalteten, aber Kummer und frühere Nahrungssorgen hatten seinen Lebensfaden durchschnitten und er erlag seinen Leiden am 30. Januar 1861.

Die Schreibkugel.
R. Malling Hansen.

Mit der Setzmaschine verwandt ist die Schreibmaschine oder Schreibkugel. Der erste, der mit einer solchen wirkliche Erfolge erzielte, war der Direktor der königlichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen, R. Malling Hansen. Durch sein Nachsinnen über die Mittel zu einer leichteren Verständigung zwischen Taubstummen und Blinden kam er auf den erwähnten Apparat, den er nach und nach sehr vervollkommnet hat.

Durch die Oberfläche einer hohlen metallenen Halbkugel geht eine Anzahl von Stahlstiften, die wie Radien eines Kreises nach dem Mittelpunkte zusammenlaufen, was durch künstliches Unterschneiden der Stifte ermöglicht wird. Auf dem unteren Ende eines jeden derselben ist ein Antiqua-Versalbuchstabe erhaben geschnitten, wie jeder Typenstempel. Unter dem Mittelpunkte, wo alle Buchstaben zusammentreffen, liegt das Schreibpapier mit einem Farbepapier bedeckt. Durch den Druck mit dem Finger auf den Knopf eines Stempels wird dieser nach dem Zentrum geführt und übt einen Druck auf das Farbepapier, wodurch der Buchstabe auf das weisse Papier abgefärbt wird. Nach jedem Druck bewegt sich das Papier soweit seitwärts zurück, dass der nächste Buchstabe in die richtige Entfernung von dem vorhergehenden zu stehen kommt. Ist die Zeile voll, schiebt sich das Papier so weit nach oben, dass es in die richtige Lage kommt, um die folgende Zeile aufzunehmen. Eine Schnelligkeit von 20000 Buchstaben in der Stunde ist noch keine übertriebene. Durch Übereinanderlegen von bis zu zehn Schreib- und Farbeblättern ist es möglich, eine ebenso grosse Anzahl Drucke gleichzeitig zu schaffen, die wieder durch elektrische Verbindung mehrerer Apparate nach Belieben gesteigert werden kann.

Die Maschinenfabrikation.
J. G. A. Eickhoff * 4. März 1809, † 30. Mai 1875.

Die erste eiserne Handpresse in Dänemark wurde 1836 von Hüttemeyer, die erste Schnellpresse 1847 von J. G. A. Eickhoff aus Wittenförden in Mecklenburg-Schwerin nach dem System König & Bauer hergestellt. Seine 200. Maschine folgte 1874. Über 125 davon gingen nach dem Auslande, namentlich nach Schweden und Russland. Eickhoff baut auch Rotationsmaschinen.

Die Papierfabrikation ist besonders durch die Familie Drewsen in die Höhe gebracht. Das dänische Fabrikat ist in den Mittelsorten ein sehr brauchbares. Die Buchbinderei nahm stets einen respektablen, wennauch keinen hervorragenden Platz ein.

Lithographie.

Die Lithographie wurde durch C. C. Lose von einem Deutschen Heinrich Wenzler 1811 eingeführt und hauptsächlich für den Notendruck benutzt. Der Kunstsinn, welcher, durch die von Thorwaldsen gegebene Anregung in allen Schichten der Bevölkerung geweckt, einen mächtigen Einfluss auf das Kunstgewerbe geübt hat, wirkte auch auf die Lithographie. Es entstanden nicht nur vorzügliche Kartenarbeiten, sondern auch wirkliche Kunstblätter, letztere namentlich durch Emil Bärentzen & Co., jetzt Hoffensberg & Trap, welche auch vorzügliche Chromos liefern. Neben diesen verdienen J. W. Tegner & Kittendorf genannt zu werden.

Der Buchhandel in Dänemark ist nach deutschem System gut organisiert. Das offizielle Organ des skandinavischen Buchhandels ist das seit 30 Jahren von O. H. Delbanco herausgegebene Nordisk Boghandlertidende.

Island.

Auf der Insel Island blieb stets der Sinn für die Litteratur herrschend. Es bestehen dort 5 Druckereien mit 7 Pressen und 4 Journale erscheinen daselbst. Die Offizinen von Einar Thordarson und Björn Jónsson besitzen je eine Schnellpresse. Im Jahre 1799 kam die Isländische Litterarische Gesellschaft[263] in den Besitz einer kleinen Druckerei, in der bereits 1840 über 100 Werke gedruckt waren. Auch die Färinseln besitzen eine Offizin und ein Blatt. Selbst Grönland.Grönland ist nicht zurückgeblieben. Unter den in den dänischen Kolonien wohnenden 12000 Eingeborenen ist die Fertigkeit im Lesen und Schreiben so verbreitet, wie irgend in Europa. In den Jahren 1857–61 machte der Inspektor von Süd-Grönland, nachdem ihm auf Rechnung der Grönländischen Handelsdirektion eine Buchdruckpresse gesendet war, einen Versuch, einen Eingeborenen, Lars Möller, im Setzen und Drucken und einen andern im Holzschneiden zu unterrichten. 1861–62 hielt sich ersterer in Kopenhagen auf und wurde dort ordentlich im Buch- und Steindruck unterrichtet. Nach seiner Rückkehr liess der Inspektor ein kleines Gebäude aufführen und als Buch- und Steindruckerei einrichten. Ausser einigen kleinen erzählenden Schriften gingen zwei periodische Unternehmungen aus dieser Offizin hervor: Atuagagdliutit (Unterhaltungslektüre), worin auch Beiträge von Eingeborenen und viele Abbildungen enthalten sind; das andere enthält die Jahresberichte der Ortsvorsteher mit lithographierten Tafeln. In der Kolonie Godthaab (Gute Hoffnung) befindet sich eine zweite Herrnhutische Missionspresse, aus der eine Anzahl von Erbauungs- und Unterrichtsbüchern hervorgingen. Das erste dort gedruckte Buch war eine Legendensammlung Kalladtit Okalluktua alliaït mit zwölf von Eingeborenen gezeichneten und geschnittenen Holzstöcken und acht Liedern mit Musiknoten.


Norwegen.

In Norwegen[264] kann man, sieht man von der altehrwürdigen Litteratur der Eddas und des reichen Sagenschatzes in der Norröna-Zunge ab (I, S. 156), eigentlich erst seit etwa 70 Jahren von einer Nationallitteratur reden.

Christiania.

In Christiania wurde die zweite Druckerei erst im Jahre 1807 angelegt. Nachdem die politische und die damit verbundene Pressfreiheit im Jahre 1814 urplötzlich und in einem Maasse, wie es in der Geschichte nicht oft vorkommt, errungen war, begann auch eine grosse Regsamkeit in der Litteratur. Man machte bedeutende, mitunter etwas krampfhafte Anstrengungen, um eine nationale norwegische Litteratur zu schaffen, und damit fing auch die Buchdruckerkunst an, einen bedeutenderen Platz einzunehmen.

Zeitungswesen.

In einem Lande, wo die grosse räumliche Ausdehnung, die kleine, weit zerstreute Bevölkerung und die Naturschwierigkeiten einen schnellen Paketverkehr notwendig machten, war die Journalpresse von grosser Wichtigkeit und oft die einzige Quelle der Belehrung und Unterhaltung. Die Spuren derselben reichen bis auf das Jahr 1760 zurück. Die erste eigentliche Zeitung waren die 1763 begonnenen Norske Intelligenzsedler. Die Zeitungen unterlagen, wie in Dänemark, der Zensur und zwar einer sehr strengen. Zur Empfangnahme von Zeitungen durch die Post gehörte eine besondere Erlaubnis. Im Jahre 1814 war die Zahl der periodischen Schriften nur fünf. 1815 wurde das erste täglich erscheinende Morgenbladet gegründet. Die wissenschaftliche Journalistik ist nicht ohne Wichtigkeit. Unter den 85 Journalen Norwegens befinden sich auch mehrere illustrierte.

Bücherproduktion.
Statistisches.

Auch die Bücherproduktion wurde eine regere. Im Jahre 1868 konnten bereits 650 Autoren bezeichnet werden. Zum Betrieb des Buchhandels nach deutschem Zuschnitt gab der Däne Johann Dahl den Anstoss und Norwegen hat seitdem eine Reihe von tüchtigen Buchhändlern und Buchdruckern aufzuweisen. 1840 zählte man dort schon 33 Buchdruckereien, von welchen Christiania 15 mit 35 Pressen und 95 Arbeitern aufwies. 1879 war die Zahl der Buchdruckereien auf 126 gestiegen, davon 29 in Christiania mit 72 Schnellpressen und 483 Personen. Die Gröndahlsche Buchdruckerei dort hat das Verdienst, 1830 die erste eiserne Presse, 1840 die erste Schnellpresse, 1854 den Dampfbetrieb eingeführt zu haben. Von ihr stammt auch die Annahme des Didotschen Kegelsystems. Bis vor kurzem hatte die Fraktur entschieden das Übergewicht, sie weicht aber Schritt für Schritt der Antiqua. Bergen hatte 8 Offizinen und 9 Schnellpressen.

Zur Papierfabrikation trägt Norwegen indirekt durch eine starke Ausfuhr von Holzstoff bei, deren Wert 1879 nahe an 1½ Millionen Mark betrug.

SCHWEDEN UND FINNLAND.

Schweden.

In Schweden, dessen Einwohner so oft die Franzosen des Nordens genannt werden, zeigte sich eine besondere Vorliebe für französische Litteratur und französisches Wesen. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass die Schweden rascher und allgemeiner als die Dänen und Norweger die Antiquaschrift als übliche Buch- und Zeitungsschrift annahmen, so dass thatsächlich die Fraktur nur für kirchliche oder wirklich nur für das Volk bestimmte Litteratur beibehalten wurde. Es dürften überhaupt in den drei skandinavischen Ländern die Tage der Fraktur gezählt sein.

In betreff des Bezuges von Schriften, Druckmaterial und Utensilien ist Schweden noch mehr als Dänemark auf das Ausland, namentlich Deutschland, angewiesen, und stand auch im allgemeinen etwas hinter Dänemark in der Typographie zurück.

Typographen.

Einer der bedeutendsten Buchdrucker war Peter Momma († 1772), ein Rechtsgelehrter, der auf seinen Reisen die Buchdruckerei in Holland lernte. Er war auch der erste, der eine Schriftgiesserei in Schweden errichtete. J. S. Ekmansson führte 1796 die Didotschen Schriften ein. In Lund erwarb der Däne C. Gustav Berling 1745 eine Offizin, welche Bedeutung erlangte und mit der eine, hauptsächlich den akademischen Bedürfnissen gewidmete Schriftgiesserei verbunden wurde. Sie blüht noch in den Händen der Familie Berling.

P. A. Norstedt.

Den bedeutendsten Platz unter den typographischen Anstalten Schwedens nimmt die von P. A. Norstedt in Stockholm gegründete ein. Er kaufte 1821 die Offizin von J. P. Lindh, nahm seine beiden Söhne Adolf und Carl zu Teilnehmern und firmierte seit 1823 P. A. Norstedt & Söner. Im Jahre 1862 ging das Geschäft auf die Verwandten Norstedts Gustav Laurin und Albert Laurin über, beide starben jedoch zum allgemeinen Bedauern zeitig. Das jetzt noch blühende Geschäft hat Werke geliefert, welche mit den besten des Auslandes konkurrieren können. 1869 begannen Norstedts die Nordisk Bogtryckertidende, welche leider 1875 wieder zu erscheinen aufhörte[265].

Im Jahre 1874 gründete eine Aktiengesellschaft ein grosses graphisches Institut, Central-Tryckeriet, unter der Direktion von Hans Forsell, welches im Jahre 1875 15 periodische Schriften, darunter 11 illustrierte Blätter, druckte. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember desselben Jahres brannte die Anstalt teilweise ab, bei welcher Gelegenheit der verdiente Dirigent der lithographischen Abteilung, der Deutsche A. SEEDORF, einen jämmerlichen Tod in den Flammen fand.

Selbst die Hauptstadt des schwedischen Lapplands, Haparanda, dicht an der Grenze des russischen Finnlands, hat eine Druckerei und zwar mit einem adeligen Besitzer, G. C. von Klercker, und ein Wochenblatt Nyaste Riksgränsen.

Zeitungen.

Die periodische Litteratur weist 321 Nummern auf. 91 Journale erscheinen in Stockholm, 18 in Gothenburg, 10 in Malmö, 7 in Lund. 14 Blätter erscheinen täglich, davon 4 in doppelten Ausgaben; Stockholm hat deren 6, Gothenburg, Helsingborg, Malmö je zwei.

Durch die Bestrebungen der eingewanderten Dänen C. W. Gleerup in Lund und Ad. Bonnier in Stockholm ist der schwedische Buchhandel ganz in der Art des deutschen organisiert. Die Zahl der Buchhandlungen beträgt 261.

Der Schwede liebt das Bunte und neben einer grossen Anzahl von geschichtlichen Werken und Romanen werden auch viele illustrierte, namentlich ethnographische Prachtwerke mit Chromolithographien gedruckt, doch werden sie auch zumteil in Deutschland ausgeführt. Die Lithographie kam 1818 nach Schweden. Eine Anstalt von Bedeutung ist Lithographiska Aktie Bolaget i Norrköping, welche namentlich vortreffliche Landkarten geliefert hat.

Die Papierfabrikation.

Die Papierfabrikation Schwedens hat eine grosse Bedeutung und die Zahl der Fabriken beträgt etwa 60. Es wird sehr gutes Papier fabriziert, wennauch für gewöhnlich ein recht mittelmässiges Fabrikat zur Verwendung kommt. Schweden mit seinem grossen Reichtum an Holz und Wasserkraft hat die Fabrikation des Holzstoffes mit Eifer ergriffen und führt bedeutende Quantitäten aus. Seine erste Farbenfabrik erhielt es erst vor wenigen Jahren durch O. Marin in Söderköping.


Finnland.

Finnland, politisch mit Russland vereinigt, im Besitz seiner nationalen Sprache und einer, wennauch nicht bedeutenden, nationalen Litteratur, in dem höheren litterarischen Verkehr sich der schwedischen Sprache bedienend, ist in betreff des Buchgewerbes mehr zu Schweden als zu Russland gehörend zu betrachten.

Typographen.

Die bedeutendste typographische Familie ist die Frenckellsche. Statt der nach Stockholm verlegten Druckerei (I, S. 158) erhielt Åbo 1772 eine neue Offizin, die im Jahre 1750 in die Hände von J. C. Frenckell kam, welcher 1755 zum akademischen Buchdrucker ernannt wurde, und 1802 noch eine Druckerei in Helsingfors, wohin 1829 die Universität von Åbo verlegt wurde, gründete, die noch kräftig blüht.

Zeitungen.

Im Jahre 1771 erschien die erste schwedische Zeitung in Åbo; 1776 die erste in finnischer Sprache. Unter der strengen Zensur konnte die Zeitungslitteratur nur einen sehr langsamen Fortgang nehmen, erst in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts trat ein erheblicher Umschwung ein, so dass im Jahre 1878 24 Zeitungen in schwedischer, 30 in finnischer Sprache erschienen. 1871 hatte Finnland 20 Buchdruckereien, die sich auf 12 Städte verteilten, davon kamen 7 auf Helsingfors. Die Zahl der Gehülfen betrug 118, der Lehrlinge 99. Schnellpressen gab es 12, Handpressen 45. Jetzt hat Finnland 40 Buchdruckereien.

Die von Tilgmann aus Helsingfors erfundene Tiegeldruck-„Endlose“ Mia hat wohl nicht den in Deutschland gehegten Erwartungen ganz entsprochen[266].

RUSSLAND UND POLEN.

Langsame Entwickelung der Typographie.

Dass die Typographie in Russland und Polen nicht in der Weise blühen konnte, wie in Ländern, wo die politische Freiheit eine frische litterarische Bewegung und eine lebhafte Wechselwirkung mit den bedeutendsten Kulturvölkern hervorrief, ist selbstverständlich. Hierzu kommt noch als erschwerendes Moment die grosse räumliche Ausdehnung des Reiches. Wie (S. 257) bereits erwähnt wurde, erhielt Russland nicht nur sein typographisches Material aus Deutschland, sondern auch die Ausüber der Buchdruckerkunst sowohl als des Buchhandels waren grösstenteils Deutsche. Diese haben erst Ordnung und System in das graphische Geschäft gebracht. Der national-russische Buchhandel war noch 1840 in einem desolaten Zustande. Smirdin in St. Petersburg und Simin in Moskau gehörten zu den wenigen, welche das Geschäft kaufmännisch regelrecht betrieben.

Die Buchdruckereien verbreiteten sich langsam; 1874 war die Zahl derselben in St. Petersburg 107, die der lithographischen Anstalten 105, der Schriftgiessereien 11, der Buchhandlungen mit offenem Laden 77. Den Bemühungen eines Deutschen, R. Schneider, ist die Errichtung einer typographischen Lehrlingsschule zu verdanken. Derselbe gab auch 1867–1869 ein typographisches Journal in russischer und deutscher, später nur in russischer Sprache heraus, das auf Ed. Hoppe überging. Schneider verliess 1882 Russland und ging nach der Schweiz.

Die Staatsdruckerei.

Eine eben so eigentümliche wie vortreffliche Anstalt ist die kaiserliche Staatsdruckerei oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet: „die Kaiserlich Russische Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere“, ein Institut, das jedes, selbst das in den graphischen Künsten am weitesten fortgeschrittene Land mit Stolz das seinige nennen würde. Durch ihre wahrhaft eminenten Leistungen in photographischen Hoch- und Tiefdruckplatten, durch die geistreiche Kombination von Heliographie und Galvanoplastik und durch die vielfachen wichtigen Anwendungen der verschiedenen graphischen Künste zur Herstellung von Staats- und Wertpapieren hat sie tief eingreifende Erfolge erzielt. Die Fabrikation von Papier mit Wasserzeichen in unvergleichlicher Klarheit und Zartheit, sowie von geschöpftem Handpapier mit allen den Eigenschaften, die man von einem für Wertzeichen bestimmten Papier verlangt, wird in grossartigem Maassstabe betrieben. Die Festigkeit ist namentlich dem vorzüglichen russischen Hanf zuzuschreiben. Die Kontrolle beginnt mit der Feststellung des Gewichts des abgelieferten Papiers und lässt sich für jeden Bogen auf seiner Wanderung durch die Anstalt verfolgen. Die Fabrik arbeitet mit sechs grossen Maschinen und vierzehn Bütten[267].

Stempel und Matrizen, Clichés in Kupfer und namentlich in Eisen, eine Spezialität der Anstalt, die gerade für die Herstellung des farbigen Druckes in grossen Auflagen sowohl der Dauerhaftigkeit, als der Unangreifbarkeit durch Farben wegen von wesentlich praktischem Werte sind, werden in vorzüglichster Qualität geliefert. Buch- und Holzschnittdruck, Kupferdruck, Lithographie, Autographie, Chromographie, Photogalvanographie, Heliographie, Elektrotransformatypie, ein Verfahren zur Herstellung einer Platte mit Bildstellung beliebig nach rechts und links, kurz, jeder nennbare graphische Prozess wird dort zur Vollkommenheit gebracht. Ebenfalls vorzüglich sind die durch Georg v. Scamoni photographisch erzielten mikroskopischen Schriften. Derselbe, aus Würzburg gebürtig, hat einen grossen Anteil an den Erfolgen der Anstalt in allen heliographischen Verfahrungsweisen[268].

Die Anstalt wurde 1818 unter Leitung von Theod. Schneider aus Mannheim gegründet und besteht seit 1866 als selbständiges Geschäft, das seine Überschüsse an die Staatskasse abliefert. Der Chef ist seit 1861 der Staatsrath Theod. von Winberg. Bereits im Jahre 1873 hatte die Anstalt 17 Dampfmaschinen mit 362 Pferdekraft zur Disposition. Die Druckerei arbeitete mit 58 Schnellpressen, darunter 35 aus der Fabrik von König & Bauer, 60 Handpressen, eine ausserordentliche Zahl von Hülfsmaschinen und beschäftigte im Hause 1400–1800, ausser dem Hause 300–1200 Arbeiter.

Eine eigentümliche Einrichtung ist die Beteiligung des ganzen Personals bis zum jüngsten Arbeiter herunter an dem Gewinn der Anstalt, der ein bedeutender, zwischen 3–400000 Rubel jährlich, sein soll. Die eine Hälfte derselben fliesst in die Staatskasse, die andere wird unter das Personal in der Weise verteilt, dass jeder Arbeiter mindestens einen Monatslohn als Anteil empfängt.

Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem südlichen, nicht sehr bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten von Strassen begrenzten Flächenraum, auf welchem ausser der eigentlichen Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich befinden.

Zum Schutze der Anstalt hält eine Wache von 36 Mann die verschiedenen Zugänge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebäude sind durchweg massiv und feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt, welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte und der Kontrolle sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehülfen angestellt. Sehr zu loben ist, dass die mächtige Anstalt nur auf die Bedürfnisse des Staats beschränkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Ländern zu entschuldigen wäre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte.

Verschiedene Firmen.

Die Universitätsbuchdruckerei wurde 1755 gegründet. 1871 beschäftigte sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich für armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 Joachim Lazareff. Unter den älteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. Glasanow (Oberbürgermeister, wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjähriges Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, während unter den jüngeren die von B. M. Wolff hervorragend ist. Der kürzlich verstorbene Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste um die Verschönerung der russischen Schrift und der Anpassung der Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die von Golowin. Alex. Bencke liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und beschäftigt nur Nationalrussen. Hermann Hoppe giebt das illustrierte Journal, von Ed. Hoppe gedruckt, heraus. Die Gesellschaft Allgemeiner Nutzen ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders für Herausgabe illustrierter Blätter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale von Flinsch in Frankfurt a. M. (Franz Mark), Revillon & Co. und O. J. Lehmann. Die lithographische Anstalt von A. Iljin liefert gute Landkarten.