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Fußnoten:

[280] Anschließend an »Der schwedisch-dänische Krieg 1675–1679, Seite 394 ff.; dort auch Quellennachweis, es tritt hinzu „Bridge“.

[281] Hinweis auf diese Kriege siehe Seite 247, 319, 409. Hauptquellen: du Sein: „The Ship“.

[282] So sagt de Jonge, und zwar „wegen Geldmangels“ nicht durchführte. Diese Quelle gibt (Teil IV) wie früher genauere Schilderungen über die Kämpfe.


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Elftes Kapitel.
Die Zeit von 1721–1739.

Übergang zum Abschnitt IV.

Die letzten Jahre unseres Abschnittes bringen keine Kriege, in denen die Seestreitkräfte eine Rolle spielen; in den ersten zwölf Jahren nach Beendigung des Nordischen Krieges herrschte überhaupt Friede. Dieser war jedoch sehr unsicher, überall lag Zündstoff für zukünftige Zusammenstöße angehäuft. Es genügt für unsere Zwecke, als Übergang zum nächsten Abschnitt die Hauptpunkte hervorzuheben und die geschichtlichen Ereignisse bis 1739, dem Ausbruch des nächsten großen Krieges, kurz zu schildern.

Spanien mußte unzufrieden mit den Bedingungen sein, die ihm die Quadrupel-Allianz 1720 aufgezwungen hatte. Sein Hauptkummer war, Neapel und Sicilien an Österreich, Gibraltar und Port Mahon an England verloren zu haben, sowie infolge des Assientovertrages durch den englischen Schmuggelhandel in Westindien schwer benachteiligt zu werden. In all diesem war England der Hauptfaktor, Spanien mußte in ihm seinen Hauptfeind sehen.

Der Kaiser Karl VI. hatte, weil ohne männliche Nachkommen, unter dem Titel „Pragmatische Sanktion“ ein Erbfolgegesetz erlassen, nach dem bei Mangel an männlichen Nachkommen die zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder nach dem Erstgeburtsrecht auf seine Töchter und ihre Nachkommen, oder weiter auf die Töchter Josephs I. vererbt werden sollten; er strebte nun dahin, für dieses Gesetz die Anerkennung der andern Staaten zu gewinnen. Bei England und Holland hatte er aber durch die Gründung einer ostindischen Handelskompagnie in Ostende großen Anstoß erregt. Diese Staaten waren ja stets bemüht gewesen, einen Wettbewerb der bisher spanischen, jetzt österreichischen Niederlande im Seehandel zu hindern; war doch z. B. in allen Friedensbedingungen die Sperrung der Schelde für den Handel stets aufrecht erhalten.

Endlich lag eine Gefahr für den allgemeinen Frieden in den polnischen Verhältnissen.

Die Interessen der einzelnen Staaten führten zu verschiedenen, mehrfach wechselnden Gruppierungen gegeneinander, die beständig den Frieden bedrohten. Wenn nun dieser dennoch so lange bestehen blieb, so war dies den leitenden Staatsmännern Frankreichs und Englands zu danken.

In Frankreich regierte tatsächlich seit dem Tode des Regenten und des Kardinals Dubois (1723) der Kardinal Fleury, der Lehrer und seit 1726 der Minister Ludwigs XV. Dieser wünschte den Frieden, vor allem im westlichen Europa, zu erhalten, um seinem Lande die Gelegenheit zur durchaus nötigen Erholung zu geben; vielleicht schreckte er auch infolge seines hohen Alters vor einem Kriege zurück. Unter seiner siebzehnjährigen milden Verwaltung blühte auch Frankreich wieder auf, insbesondere nahmen der Seehandel und die Kolonien großen Aufschwung.

Frankreichs finanzielle Lage war nach dem Frieden von Utrecht noch bedenklicher geworden. Kurz sei auf das berüchtigte Wirken des Schotten Law hingewiesen, der sich anheischig gemacht hatte, die Staatsfinanzen zu heben: Er gründete 1716 eine Bank auf Aktien und knüpfte daran 1717 eine Handelskompagnie für Louisiana. Große Summen strömten herbei, da man dem Publikum vorgespiegelt hatte, das Tal des Mississippi berge noch größere Reichtümer als Peru. Nun wurden bedeutende Beträge an Papiergeld ausgegeben; es war nur darauf berechnet, den Leuten das bare Geld abzulocken, wurde doch sogar verfügt, daß niemand mehr als 500 Lire an Bargeld besitzen dürfe. Mit dieser Bank, seit 1718 Staatsbank unter Laws Leitung, und der neuen Kompagnie vereinigte man 1719 die beiden alten Kompagnien für Westafrika und Ostindien, nunmehr zusammen die „Compagnie des Indes“, auch wurde dem Institut die Pachtung der Staatssteuern überlassen. Der künstlich in die Höhe getriebene Wert der Aktien sank bald auf Null, das ganze Kartenhaus brach 1720 zusammen: Frankreich war verschuldeter als vorher.

Immerhin nahmen infolge des wachgerufenen Spekulationsgeistes und der augenblicklichen Fülle des Kapitals Handel und Industrie einen schnellen Aufschwung; die Spannkraft des Volkes, das nicht mehr durch den Krieg ausgesogen wurde und nicht mehr von der Welt abgeschnitten war, wirkte im gleichen Sinne. Seehandel und Kolonien hoben sich: Gegenüber 300 Handelsschiffen beim Tode Ludwigs XIV. zählte die französische Kauffahrteimarine 20 Jahre später 1800; in Westindien erlangte Frankreich das Übergewicht über England, französische Quellen behaupten das gleiche vom Mittelmeerhandel; in Ostindien wuchsen die Niederlassungen, Isle de Bourbon wurde eine reiche Ackerbaukolonie und Isle de France ein wichtiger maritimer Stützpunkt — ein französisch-indisches Reich, wie jetzt das englische, schien im Entstehen (vgl. Kapitel XII).

Gewiß hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses begünstigt; es ist aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne gelegen hat, er hätte dann doch wohl die Marine nicht verfallen lassen. Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf den Kontinent gebannt; mit Recht sagen französische Autoren: „Die Regierung zog sich gerade in dem Augenblicke von der See zurück, wo das Volk Anstrengung machte, diese wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den nächsten großen Seekriegen.“

In England leitete seit 1721 Sir Robert Walpole die Politik; auch sein Bestreben war, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. Ihn bestimmte, neben der Rücksicht auf friedliches Erstarken des Handels, der Umstand, daß die englische Thronfolge noch immer nicht endgültig geregelt schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine persönliche Macht zu verlieren.

Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in auswärtige Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover berührten. Schwieriger[596] war es unter dem kriegerischen Georg II., unter dem sich Walpole überhaupt zunächst nur durch den Einfluß der Königin halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Königs gewonnen hatte. Es gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien (1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen Thronfolgekrieg fernzuhalten. Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, das nicht zögerte, jede bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurückzuweisen. Einen Handelsstreit mit Spanien benützten endlich auch seine Gegner, ihn in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen Rücktritt zur Folge hatte.

Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik führte er England zu glänzendem materiellen Aufschwung; diese Politik durchzuführen, ermöglichte ihm Englands Seemacht.

1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf. Österreich und Spanien schlossen ein Bündnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete, die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn nötig mit Waffengewalt, zu unterstützen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, 3. September) England, Frankreich und Preußen (Preußen, um seine bedrohten Erbansprüche auf Jülich und Berg sicherzustellen). Rußland zeigte Neigung, mit Spanien-Österreich zu gehen, und auch Preußen wurde 1726 auf diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion an; dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Gründung der Ostende-Kompagnie, sowie Dänemark und Schweden, beide Rußland fürchtend, zu gewinnen. Zum erklärten Kriege kam es nicht. Spanien versuchte, sich Gibraltars zu bemächtigen, jedoch die englische Flotte verhinderte es und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten.

England entsandte 1726 drei Geschwader:

1. 9 Linienschiffe an die spanische Küste, die dort vom Juli bis zum Herbst kreuzten

2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee (April-November), um Dänemark und Schweden zu schützen; Rußland hatte eine starke Flotte unter Generaladmiral Apraxin in Kronstadt zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich ein dänisches Geschwader und mit Rücksicht auf diese Macht ließ sich Rußland bewegen, wieder abzurüsten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom selbstmörderischen Kampfe gefolgt sein.

3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den Kräften der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien Anfang Juni bei Porto Bello. Infolgedessen löschte die schon beladene Silberflotte wieder und die zur Begleitung bestimmten Kriegsschiffe legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien für mehrere Jahre völlig blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten (Walpoles strenge Friedenspolitik).

Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhältnisse jener Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche Sterblichkeit. In den ersten zwei Jahren starben die Admirale Hosier und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate nach seinem Eintreffen, 7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere und Mannschaften.

Spanien greift 1727 Gibraltar an. Dieses Vorgehen in Westindien empfand Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte Gibraltar anzugreifen; früh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die Belagerung. Zum Entsatz erschien im[597] Februar Admiral Wager mit 8 Linienschiffen, darunter 5 zu 70–80 Kanonen. Er führte viel Munition und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon 5 Linienschiffe sowie 2 Mörserboote an. Truppen und Vorräte wurde gelandet, die Belagerungsarbeiten durch die Mörserboote und kleinere Fahrzeuge unter flankierendes Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte Wager in der Straße und vor Cadiz und brachte viele Schiffe auf. Der Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen, setzte Wager seine Gewaltmaßregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728 wurde Frieden geschlossen; beschleunigt, als England eine Verstärkungsflotte rüstete.

In den nördlichen Gewässern wurden in diesen Jahren gleichfalls Streitkräfte für den Fall bereitgehalten, daß der Krieg mit Österreich ausbrechen sollte, sowie überhaupt zu Demonstrationen. Hieran beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen ließ; 1729 vereinigten sich 8 Linienschiffe und 4 schwere Fregatten mit 21 engl. Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner eine englische Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Rußland in der Ostsee.

Diese mehrjährige Spannung endete damit, daß der spanisch-österreichische Bund gelöst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen Kompagnie in Ostende; Spanien ließ (Vertrag von Sevilla 1729) seine Ansprüche auf Gibraltar und Port Mahon endgültig fallen.

1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus. Nach dem Tode Augusts II. wurde in Polen wiederum Stanislaus Leszczynski zum König erwählt. Rußland und Österreich erkannten ihn nicht an, sondern traten für August III. auf, wofür dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; die Russen rückten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis des Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; der gemeinsame Haß gegen Österreich führte diese natürlichen Verbündeten jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schloß sich in der Hoffnung an, Mailand zu gewinnen. Die Verbündeten sicherten sich Englands und Hollands Neutralität durch das Versprechen, die österreichischen Niederlande nicht erobern zu wollen; im Oktober erklärten sie den Krieg an Österreich und griffen an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die Franzosen Lothringen und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die Lombardei bis Mantua. Der König Stanislaus konnte sich jedoch in Polen nicht halten; eine beabsichtigte Unterstützung seitens der Franzosen über See unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands fürchtete.

Stanislaus wurde bald durch den russischen General Münnich in Danzig eingeschlossen. Fleury hatte den Befehl zur Ausrüstung von 34 Linienschiffen in Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin übernahm den Befehl über die sich bildende Flotte. Dieser machte sich anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches Geschwader erschiene; ein solches war tatsächlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit seinem Befehle nur der öffentlichen Meinung ein Zugeständnis machen wollen; er hütete sich, England, das trotz seiner Neutralität eine große Flotte zusammengezogen hatte, durch tatkräftiges Auftreten zur See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division mit 1500 Soldaten und sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese ließ sich dann durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dänischen Gewässern zurückhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl französischer Edelleute erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte blockiert, mußte nach tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der König rettete sich durch Flucht.

Schon 1735 wurde ein Präliminarfrieden zu Wien (definitiv 1738) geschlossen: August III. wurde als König von Polen anerkannt; Stanislaus erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige Herzog von Lothringen erhielt Parma; Österreich mußte seine süditalienischen Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn des Königs von Spanien abtreten.

Der Bourbonische Familienvertrag. So hatte Walpoles Friedenspolitik England dahin geführt, einen alten Verbündeten, Österreich, preiszugeben, und sein Lohn war, daß der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als Königreich beider Sicilien, in bourbonische Hände und damit unter den Einfluß Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst von Fleury verraten. In dem Vertrage zwischen den Häusern Bourbon war nämlich eine geheime Klausel folgenden Inhalts aufgenommen: „Wenn es Spanien und Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die Mißbräuche, die sich besonders durch die Engländer in den Handel eingeschlichen haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem widersetzen sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen Auftreten mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen.“ Bei dem gespannten Verhältnis zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen den Keim zu den baldigen großen Kriegen zwischen England und dem Hause Bourbon in sich.

Die Spannung zwischen England und Spanien blieb aber auch nach dem Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von Reibungen in Handelsinteressen beständig zu. So sandte z. B. England 1735 eine Flotte nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, weil der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige Beschränkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen Ländern, während das Mutterland selber nicht für ihre Bedürfnisse sorgte, mußte zum Schmuggelhandel führen. Diesen betrieben besonders die Engländer, indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmäßigen Handel einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite 576 und 601). Der Zustand war den Kolonisten günstig und wurde von ihnen, sogar von den Gouverneuren, gefördert, aber die Regierung erlitt Verluste und fühlte sich verletzt; sie ergriff Maßregeln zu strengerer Überwachung. Hierbei ging sie oft zu schroff, ungesetzmäßig und grausam vor, aber auch die englischen Seefahrer führten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer früheren großen Freibeuter: „no peace beyond the line.“ Wir werden im nächsten Abschnitt näher hierauf eingehen; hier genüge es, zu sagen, daß gerade Reibungen dieser Art, von den Widersachern Walpoles noch geschickt benutzt, das englische Volk 1739 bis zur Kriegserklärung gegen Spanien brachten.


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Zwölftes Kapitel.
Die Kolonien von 1648–1740.[283]

Wir haben die Gründung der Kolonien im Abschnitt II (Seite 57–90) bis etwa 1648 verfolgt und im Abschnitt III bei der Schilderung der Seekriege die Kämpfe dort soweit erwähnt, als sie taktisch und strategisch wichtig oder auf den Verlauf des Krieges von größerem Einfluß gewesen sind; beides war nur in geringem Maße der Fall. In den Kriegen der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. aber bleiben die Ereignisse in den fernen Gewässern nicht mehr nur Ausläufer des in Europa ausgefochtenen Entscheidungskampfes, die Kolonien hatten an Bedeutung gewonnen. Es handelt sich jetzt um die Seeherrschaft in weiterem Sinne: um den Einfluß auf fremde Länder, den Besitz von Kolonien und die von ihnen abhängige Vermehrung des Nationalwohlstandes der Staaten.

Um ihre überseeischen Verhältnisse — nämlich Umfang, Wert und innere Kraft ihrer Besitzungen dort — zu Beginn des nächsten Abschnittes kennen zu lernen, soweit dies für unsere Zwecke nötig ist, muß ein Überblick über die Geschichte der Kolonien von 1648–1740 gegeben werden.

Mittel- und Südamerika. Westindien.

Spanien. Es ist früher (Seite 69 ff.) die Kolonialpolitik Spaniens in großen Zügen gekennzeichnet und auch auf ihren ungünstigen Einfluß hingewiesen worden; diese Verhältnisse blieben die gleichen, ja sie gestalteten sich noch ungünstiger.

Zimmermann (Band I, Seite 355) leitet den Abschnitt „Die Entwicklung der spanischen Kolonien von 1600–1800“ mit den Worten ein: „Die spanische Kolonialpolitik nimmt nach Beendigung der großen Zeit der Eroberungen von Jahr zu Jahr einen einförmigeren Charakter an, die Verwaltung der einzelnen Kolonien verknöchert immer mehr, die Mißbräuche nehmen ohne Unterlaß zu und Spanien erweist sich als nicht fähig, die reichen Gebiete seines überseeischen Besitzes zu einer ihren natürlichen Anlagen entsprechenden Entwicklung zu bringen“.

Die Verwaltung der Länder bezweckte weiter nur,. möglichst viel Geld aus ihnen zu ziehen, aber nie genügten die eingegangenen Beträge der Regierung in Spanien. Dies führte zur Auspressung aller Rassen, zu ungesetzlichem Arbeitszwang der Indianer, und hierbei arbeiteten die Beamten auch noch in ihre eigenen Taschen; sie waren aber durch schlechte Besoldung zu Bestechlichkeit und Veruntreuung verführt, ja gedrängt worden. Die Erpressungen riefen Aufstände hervor, besonders der Farbigen. Verschiedene Reformversuche durch Entsendung tüchtiger und zuverlässigerer höherer Beamten hatten keinen, oder doch keinen dauernden Erfolg, da die gefährdeten Beamtenkreise usw. diesen entgegenarbeiteten, sogar innere Unruhen herbeiführten. Dies und die Beschränkung des Handels hinderte die volle Entwicklung und lähmte die Kraft der Kolonien gegen äußere Feinde, wenn auch die Bevölkerung zunahm. Da nun auch das Mutterland keinen genügenden Schutz gewähren konnte, so waren Handel und Küsten der Kolonien in der fast ununterbrochenen Kriegszeit von 1648 an wie in dem Jahrhundert vorher den Angriffen der Feinde Spaniens ausgesetzt; wir haben die Hauptereignisse kennen gelernt.

Oft war dann der Verkehr mit Europa völlig unterbrochen, aber auch in Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung möglich. Das Seeräuberunwesen wuchs während des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680 sollen gegen 10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt- aber nicht alleinigen Sitz, gewohnt haben.

Sie hausten nicht nur auf See, sondern plünderten auch die Küsten. Fast in jedem Jahre unternahmen sie größere Züge, so z. B.: 1662, 1665, 1668 Einfälle in Kuba; Plünderungen von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya, Leon, Realeja 1685, von Guayaquil 1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u. a. m. Oft wurden sie von den Engländern oder Franzosen unterstützt, von den erstgenannten z. B. bei den Einfällen in Kuba; wir sahen sie auch an Kriegszügen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche der Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gänzlich zu zerstören, hatten selten und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch den Engländern lästig fielen, wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des 18. Jahrh.).

Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil aus dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden und der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevölkerung und ihrer Bedürfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in Kriegszeiten, wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und die Überwachung nicht streng durchgeführt werden konnte. Als im Spanischen Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen Kolonien mitübernommen hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum Handel mit ihnen. Nach dem Frieden von Utrecht hörten die Angriffe auf und, da gleichzeitig auch die Seeräuber mehr im Zaum gehalten wurden, konnten die Kolonien aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der Beteiligung der Fremden am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt wurde der unerlaubte Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag (siehe Seite 576) begünstigt.

Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages über die Negereinfuhr nach Kuba, Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage und Bedürfnisse der Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den Stand, massenhaft verbotene Ware einzuführen; besonders das Recht Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello zu senden, begünstigte den Schleichhandel. Alle Gegenmaßregeln der spanischen Regierung fruchteten nicht, die Beamten ließen sich bestechen und die Kolonisten begünstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drückten gern ein Auge zu.

Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, so war die Zahl der Durchschlüpfenden doch größer, und in wenigen Jahren rissen die Engländer den ganzen Handel an sich. Für die Kolonien war dies vorteilhaft, ihr Handel blühte auf, aber die Regierung und das Mutterland wurden arg geschädigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelöst und gleichzeitig dem Verkehr mehr Freiheit gewährt wurde, betrug der Umfang des Handels zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon entfielen 224 auf den englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also nur 22%. Das waren die Früchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik.

Soviel über die Verhältnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. Auf den Inseln Kuba, Haiti, Portorico stand es noch ungünstiger, denn diese waren bei weitem nicht so bevölkert als die Festlandskolonien, da hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten ausgesetzt. Sie wurden bald von den französischen und englischen Inseln überholt. Um die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) 40000 Einwohner aller Farben. Kuba exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche hiermit die Angaben für die englischen und französischen Besitzungen. Das doch nur schwach bevölkerte Spanisch-Haiti brachte nicht genug für den eigenen Bedarf hervor und mußte von Mexiko unterstützt werden, während Französisch-Haiti (nur 1/5 der Insel aber mit gegen 300000 Einwohnern, worunter 40000 Weiße) mehr als 6 Millionen Francs abwarf.

Spanien besaß 1740 in Amerika: Die Vizekönigreiche Mexiko und Peru, die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), Neu-Granada (mit Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und die Inseln Kuba, Portorico, Haiti (4/5). Verloren hatte es im letzten Jahrhundert: Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil von Haiti, 1659 von Frankreich besetzt und 1677 als französischer Besitz anerkannt; verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder gar nur beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Völker übergegangen waren. Jamaica war, als wichtiger Stützpunkt für die westindischen Gewässer und auch gegen die Festlandsküste, ein schwerer Verlust.

England hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite 85) sowie 1655 den Spaniern Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich der Besitz und man kann wohl sagen, daß alle Inseln gediehen, besonders als die früh begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. großen Umfang annahm. Einige Angaben mögen dieses veranschaulichen.

Barbados: Nach dem mißlungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die Insel in den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre Milizen hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen französische Besitzungen. Zuckerindustrie und Handel blühten schnell auf; 1656 zählte man 25000 weiße Einwohner und einen jährlichen Verkehr von 100 Schiffen; 1753 bestand die Bevölkerung aus 20000 Weißen sowie 69000 Negern und 200000 Ztr. Zucker wurden ausgeführt.

Jamaica: Es war anfangs schwierig, festen Fuß zu fassen, da die mit ihren Negern in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten die Ansiedlungen bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche abgeschlagen werden mußten; erst im Jahre 1660 räumten die letzten Spanier die Insel; mit den Negern in den Bergen („Maroons“ genannt), die stets weiter durch entlaufene Sklaven verstärkt wurden, mußte noch 150 Jahre gekämpft werden. Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner Anhänger ein; es wurde besonders Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber auch Seeraub, betrieben. Ein berühmter Flibustier, Morgan, führte sogar eine Zeitlang die Geschäfte des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn teilgenommen haben. 1673 zählte man 8500 Weiße und 9500 Neger, der Zuckerrohrbau erreichte hier die höchste Blüte. 1694 wurde die Insel von den Franzosen geplündert. Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs die Negereinfuhr sehr; von 1709–1775 sind 472700 Sklaven eingeführt worden. 1744 betrug der Wert der Einfuhr von England 150000 Lstrl., der der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man vergleiche dies mit den Angaben über Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren 12700 Weiße, 4000 freie Neger und 19200 Sklaven auf der Insel.

St. Christopher (St. Kitts), 1625 von Engländern und Franzosen gemeinsam besiedelt, hatte während der Kriege viel zu leiden, da die beiden Völker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten; erst 1713 ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands über und blühte nun schnell auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weiße und 10000 Neger vorhanden. Von hier aus hatten die Engländer noch im 17. Jahrh. verschiedene der Leewardinseln in Besitz genommen: Nevis, Antigua, Montserrat. Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen 3500 Weiße, 27000 Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die Virgin-Inseln besiedelt. Wie St. Christopher, so hatten auch die andern Leewardinseln während der Kriege unter dem wechselnden Waffenglück zu leiden.

Die Bermudas, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie zählten 1750 gegen 6400 Weiße und 5000 Neger. Auf den Bahamas ließen sich die Engländer 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die Spanier, 1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwüstet, blieben die Inseln lange ein Sitz von Seeräubern und entwickelten sich erst langsam nach einer Strafexpedition 1717.

Auf dem Festlande war der englische Besitz nur gering. Versuche, sich an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang es, eine Ansiedelung in Belize zu gründen, die von Jamaica aus geschützt und 1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte König der Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige Britisch-Honduras). Die Niederlassungen in Guayana — 1652 gegründet, 1654 durch Eroberung von französischem und 1665 von holländischem Besitz dort erweitert — waren 1664 und 1667 wieder geräumt worden.

Frankreich hatte unter Richelieu begonnen, in Westindien Niederlassungen zu gründen (Seite 90), zuerst auf St. Christopher. 1635 wurden der Compagnie des îles de l'Amérique sämtliche zu kolonisierenden Inseln zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen; der König setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft verpflichtete sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen anzusiedeln. Man wollte die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfähige Kolonien gründen, allerdings sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach Frankreich senden und nur von dort ihre Bedürfnisse beziehen. Von 1635–1651 waren in Besitz genommen: Guadeloupe, Martinique, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix. Französische Abenteurer setzten sich auf Tortuga fest, gingen von hier nach der Westküste Haitis hinüber und gründeten die Kolonie St. Domingue.

Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war genötigt, aufgegriffene Bettler und Arbeitsscheue, ja Sträflinge, hinzusenden, sogenannte Engagés, die die ersten drei Jahre nur für freie Station arbeiten mußten. Protestanten wurde die Einwanderung nicht gestattet, obgleich solche wohl gerade Neigung gehabt hätten, wie auch von England gern Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch England litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich mußte besonders die Hinneigung der Hugenotten zu den Holländern und Engländern fürchten. 1642 zählte man 7000 Weiße auf den französischen Antillen.

Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie nachstehende Angaben zeigen werden. Sie überstanden den Niedergang des französischen Seewesens während der Frondezeit; der Handel ging zwar in englische und holländische Hände über, die Kompagnie mußte ihren Besitz an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. Colbert versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunächst auf dem Wege Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales, erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Südamerika sowie in Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden, zeigte sich aber auch nicht leistungsfähig: Es mangelte an Mitteln, weil das französische Kapital noch kein Vertrauen zu überseeischen Unternehmungen hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu hohe Preise. Unruhen waren die Folge und Engländer wie Holländer versuchten in den Kriegen 1665–1667 und 1672–1678 sich der Kolonien zu bemächtigen. Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung übernahm selber die Verwaltung, Gesellschaften wurden nur für Handel zugelassen. Es war dies also ein vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht eigentlich im Sinne Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien für das Mutterland nutzbar zu machen, schärfer durchführen konnte. Er gab den Handel für alle Franzosen frei, schloß die Fremden aber noch strenger aus; er bestimmte nach den Bedürfnissen Frankreichs, was gebaut werden sollte (Zucker, Tabak, Farbhölzer, Kakao); er sorgte für stärkere Negereinfuhr, aber nur durch Franzosen. 1683 hatte Französisch-Westindien 40000 weiße Einwohner und erzeugte schon Zucker über Frankreichs Bedarf. Nach Colberts Tode ging die Einwohnerzahl zurück infolge der durch die Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung holländischer Juden und der harten Behandlung der Hugenotten, deren beider Einwanderung Colbert begünstigt hatte. Dies war um so empfindlicher für die Kolonien, weil gerade der Krieg 1688–1697 ausbrach und neue Angriffe der Engländer brachte. Der Wohlstand litt beträchtlich, weil die Verbindung mit dem Mutterlande meist unterbrochen war und auch die Negereinfuhr stockte. Der Krieg 1702–1713 hatte ähnliche Schwierigkeiten im Gefolge. Martinique, Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, wie wir wissen, in den Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt.

Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung, besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten weiter gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des französischen Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent, Philipp von Orleans, griff durch die Gründung eines Conseil de Commerce bessernd ein; die Gründungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die Compagnie des Indes), die friedliche Politik Fleurys äußerten ihre Wirkung. Wenn auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete, wodurch sogar Unruhen hervorgerufen wurden, trotz verschiedener Negeraufstände und obgleich der Seeraub noch nicht ganz aufhörte, wuchsen Bevölkerung und Wohlstand ganz ungemein. 1754 zählte Martinique 24000 Weiße (60000 Neger), Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000 (230000). Die französische Bevölkerung Westindiens war also der englischen weit überlegen, von der spanischen gar nicht zu reden; die Ausfuhr hatte einen Wert von 150 Millionen Lire, der Seehandel beschäftigte 500 Schiffe.

Auf dem Festland besaß Frankreich, seit 1664, nur Cayenne, kurze Zeit 1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; 1730 gab es hier 20 Zuckerfabriken und große Kaffeeplantagen.

Holland besaß in Westindien nur Curaçao mit seinen kleinen Nebeninseln und von den Antillen St. Eustache, Saba, sowie die Hälfte von St. Martin und auf dem Festlande Surinam. Hollands Versuch, in Brasilien ein größeres Kolonialreich zu gründen, war gescheitert, wie wir wissen (vgl. Seite 88, Seite 198).

Dänemark hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln St. Thomas und St. John 1733 noch St. Croix von Frankreich durch Kauf erworben.

Portugal besaß Brasilien. Bei der Schilderung der Kriege haben wir gesehen, daß diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals und auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt gewesen ist: insbesondere denen der Engländer 1586–1604 (Seite 134), der Holländer 1604–1640 (Seite 88), der Franzosen im Spanischen Erbfolgekriege (Seite 556). Über die inneren Verhältnisse der Kolonie genügt es, zu sagen, daß sie ähnlich wie in den spanischen lagen: Ausbeutung und Unterdrückung jeder Selbständigkeit im geistigen und wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; Ausschluß der Fremden; grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der Kolonisten trotz aller Gesetze und aller Bemühungen der Jesuiten. Die Folge dieser Schäden waren häufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald wichtig für das Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an Zucker und Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in größerer Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand.

Nordamerika.

England hatte um 1648 die Küste von Virginia bis Maine besiedelt (Seite 85), das diese Strecke unterbrechende holländische Neuniederland war 1664 erobert (Seite 252 und Seite 350). 1663 wurde Karolina in Besitz genommen und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England Acadia (mit Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung Georgias. Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der heutigen Union die 13 englischen Kolonien, die sich später lossagten, nämlich: die vier nördlichen Kolonien, die sogenannten Neuenglandstaaten New Hampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die fünf mittleren New York, New Jersey, Delaware (die früher holländischen Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; die vier südlichen Virginien, Nord- und Süd-Karolina, Georgia.

Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer wachsende Einwanderung an Umfang, Bevölkerung und Wohlstand ungemein zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur in fast ununterbrochenen Kämpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stämmen der Küste), die sich bald der Ausdehnung hartnäckig entgegensetzten und zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kämpfen mit den französischen Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter sich, ehe die Grenzfragen einen gewissen Abschluß gefunden hatten, sondern auch wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.[284]

Den älteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbständige Verwaltung zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder Vereinigungen gegründet waren — Massachusetts (Puritaner), Connecticut, Rhode-Island — aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren (Eigentümerkolonien) — Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von York), Pennsylvanien (William Penn) —, sowie denen, die frühzeitig Kronkolonien wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen wählten den Rat des Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die Kolonien von sich abhängiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II. und Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie für England oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und Wandel, Unzufriedenheit, selbst Unruhen waren die Folge.

Der Hauptkampf der Regierung ging naturgemäß gegen die Staaten mit der freiesten Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die später in erstem aufgegangenen New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien waren ohne jede Beihilfe der Regierung gegründet und hatten sich schon zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. 1686 ernannte Jakob II. einen Generalgouverneur über sie sowie über Newyork, das schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und Newyersey; gewaltsam wurden die alten Freibriefe überall eingezogen.

1688 war die Freiheit der Kolonien in großer Gefahr, sie begrüßten daher den Sturz Jakobs II. als eine Erlösung; überall verjagte man die Gouverneure und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu verschaffen. Aber die Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt allmächtige Parlament setzte, wurden nur in geringem Maße erfüllt. Kein englischer Staatsmann war geneigt, den Kolonien die alte Selbständigkeit wiederzugeben, man brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus ihnen bezogen hatte. Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der Opposition, wurde zwar durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia vergrößert, aber nach einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein Rat vom Könige ernannt; der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte, ohne seine Genehmigung durften keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet werden. Die wichtige Kolonie kam so in fast gleiche Lage wie die bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte man auch bald sämtliche Eigentümerkolonien, indem man Verlegenheiten der Besitzer benutzte. Den noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. Connecticut und Rhode-Island, ließ man mehr Freiheiten.

Handel und Schiffahrt blieben beschränkt: Nur in England oder in den Kolonien gebaute, in englischem Eigentum befindliche und mit Engländern bemannte Schiffe sollten zum Handel zugelassen werden; der Absatz der Erzeugnisse war nur in England oder durch dessen Vermittlung gestattet. Die Ausfuhr von Wolle war ganz verboten, die von Holz beschränkt; zu Masten geeignete Bäume durften nur mit königlicher Erlaubnis gefällt werden. Die Eisenbearbeitung war begrenzt, die Errichtung von Hochöfen untersagt und dgl. Man wachte eben darüber, keine Industrie aufkommen zu lassen, um die des Mutterlandes zu schützen und ihren Absatz in den Kolonien zu fördern. Das Parlament nahm auch weiter das Besteuerungsrecht in Anspruch. Die Kolonien bestritten es aber ernstlich, weil sie nicht im Parlament vertreten seien; diese Auffassung brachten sie auch dadurch zum Ausdruck, daß sie alle aus England kommenden Vorschriften erst durch die eigenen Parlamente zum Gesetz erhoben. Zölle und Schiffahrtsabgaben ließen sie sich allenfalls gefallen, gegen direkte Steuern würde sich jedenfalls allgemeiner Widerstand erhoben haben; die Regierung sah dies auch ein. Die Folge der Handelspolitik Englands war eine stete Verschlechterung[607] der amerikanischen Geldverhältnisse. Die Kolonien waren dem Mutterlande tief verschuldet. Von dort erhielten sie reichlichen Kredit zu Unternehmungen aller Art, da sie aber bei dem Handelsverbot aus anderen Ländern kein Geld bekamen und die Schulden in England nicht immer mit ihren Erzeugnissen decken konnten, entstand bald Mangel an barem Gelde. Während der Kriege vor und nach 1700 mußte Papiergeld ausgegeben werden; dieses verdrängte bald das Metallgeld, sank tief im Kurse, und der Handelsverkehr wurde durch den unsicheren Wert der Zahlungsmittel sehr beeinträchtigt.

Trotz aller Hindernisse schritt die Entwicklung stetig fort. Schon um 1688, zur Zeit des ersten größeren Krieges um Kanada (vgl. Seite 473), zählte das englische Nordamerika gegen 200000 weiße Einwohner, zur Zeit des zweiten Krieges (1702, vgl. Seite 565) 260000. Hierzu kamen in den südlichen Staaten Negersklaven, doch war die Zahl noch gering, in Virginia zählte man um 1671 etwa 2000 und 1700 etwa 6000; in den nördlichen Staaten dienten nur sehr wenige auf den Farmen, da die Regierung die Einführung hinderte. Auch der Landbesitz nahm stetig zu, die Indianer wurden immer weiter zurückgedrängt. Im Westen erstreckten sich um 1730 die Farmen bis über die Berge westlich der Neuenglandstaaten, 1724 war das erste Fort (Dummes) im späteren Staate Vermont errichtet. Handel, Schiffbau und Schiffahrt wuchsen: 1738 wurden in Boston allein 38 Schiffe erbaut; 400 Schiffe besorgten jährlich die Ausfuhr Philadelphias, 200–300 die Charlestowns (Karolina). 1744, bei Beginn des ersten Krieges um Kanada im nächsten Abschnitt, kann man mit einer Gesamteinwohnerzahl der englischen Kolonien von 1200000 Seelen, darunter eine Million Weiße, rechnen; auf die 4 Neuenglandstaaten kamen allein 400000 Weiße.

Für 1756, Ausbruch des letzten Krieges um Kanada, liegen genauere Angaben vor. Die Neuenglandstaaten zählten 425000 Weiße, 11000 Neger; die mittleren Staaten 457000 bezw. 71000; die Südstaaten 283000 bezw. 178000. Ganz Englisch-Nordamerika also 1200000 Weiße und 260000 Neger. Man sieht die ungeheure Zunahme der Sklaven, Virginia besaß allein 120000; hier war eine Klasse reicher Plantagenbesitzer von hohem Selbstbewußtsein entstanden.

In den englischen Niederlassungen war jene Form der Kolonisation zur höchsten Entfaltung gekommen, die England eigentümlich ist: Eine Gemeinschaft freier Männer, im wesentlichen sich selbst regierend und auf sich selbst angewiesen, dabei aber mit Begeisterung am alten Vaterlande hängend. Der Beschäftigung nach waren die Kolonisten Ackerbauer, Kaufleute und Seeleute zugleich; in der Beschaffenheit ihres Landes und seiner Erzeugnisse, in seiner langen Küste mit geschützten Häfen hatten sie alle Elemente der Seemacht vereinigt und auch schon viel für deren Entwicklung getan; äußerst eifersüchtig waren sie auf Franzosen und Kanadier. In einem solchen Lande und in einer solchen Bevölkerung hatten die englische Marine und Armee in den nächsten Kriegen eine sichere Grundlage auf der westlichen Halbkugel.

Allerdings wurden die Kolonisten immer unzufriedener mit den Maßnahmen der Regierung. Der Interessengegensatz der sich immer stärker bevölkernden Neuenglandstaaten zum Mutterlande wuchs von Jahr zu Jahr. Er wurde dadurch verstärkt, daß viele Einwanderer aus Irland, Deutschland usw. kamen, die durch keine Bande an[608] England gefesselt waren; die erstarkende Presse schürte und wurde von der öffentlichen Meinung in Schutz genommen. Immer selbstbewußter wurden die Kolonien, immer energischer beanspruchten sie die alten Freiheiten; schon 1705 sagten Stimmen in England voraus, daß sie sich einst freimachen würden. Noch waren sie aber nicht zum Abfall reif, noch waren sie zu stolz auf die Macht des Mutterlandes und auch noch zu sehr in Sorgen wegen der Indianer und der Franzosen in Kanada.

Für Frankreich[285] lagen die Verhältnisse in Nordamerika ganz anders. Wir hörten, daß die Ansiedlung in Acadia und Kanada (Quebec) nur geringe Fortschritte machte (Seite 89). Die unter Richelieu gegründete Gesellschaft hatte nur den Pelzhandel im Auge; sie vergab zwar weite Landstrecken an Unternehmer, um sie zu besiedeln, aber infolge der Einschränkung der Kolonisten durch die Vorrechte der Kompagnie fanden sich nur wenig Einwanderer. Jesuiten dagegen gründeten Stationen zur Bekehrung der Huronen am St. Lorenz- und am Ontario-See. 1642 zählte Kanada nur erst einige Hunderte von Ansiedlern. Sie hatten viel zu leiden von den Angriffen der Irokesen zwischen dem Hudson und dem Erie-See, die besonders von den englischen Ansiedlungen aufgehetzt wurden, als auch diese die Franzosen zu belästigen anfingen; ständige Reibungen zwischen den Jesuiten, später dem Bischof und der Verwaltung traten hemmend für die Entwicklung hinzu. 1663 gab die Kompagnie ihre Rechte und Pflichten an die Krone zurück. Die Regierung lag nun in der Hand eines Conseils, das aus dem Gouverneur, dem Bischof, dem höchsten Verwaltungs- und Justizbeamten sowie einigen Ansiedlern bestand. Die ersten Gouverneure waren tüchtige Männer, sie schränkten die Macht der Geistlichkeit ein und hielten die Irokesen in Schranken. Die Zahl der Einwanderer mehrte sich, vor allem wurden Offiziere und Soldaten der allerdings nur nach Hunderten zählenden Garnisonen mit Land belehnt. 1671 zählte man schon 6000 Weiße; die Erforschung des Landes war fortgesetzt, 1670 hatte man vom Ohio aus den Mississippi erreicht. Von 1672 an stand der besonders tüchtige Gouverneur de Frontenac bis 1698 an der Spitze der Kolonie; unter ihm machte sie große Fortschritte.

Frontenac regelte den Pelzhandel. Wenn einst die Indianer ihre Jagdbeute zu den Niederlassungen gebracht hatten, so kauften jetzt nur Jäger und Händler (die „courreurs des bois“) die Felle in den Indianerdörfern auf, oft im Auftrage der Beamten; Frontenac stellte diesen Übelstand ab. Er gestattete den Branntweinhandel unter Aufsicht der Regierung; bisher hatten die Jesuiten ihn unterdrückt und die Indianer handelten deshalb lieber mit den Engländern. 1682 wurde Frontenac infolge von Umtrieben des Intendanten und der Jesuiten abberufen, und gerade jetzt hatten die Engländer die Irokesen gewonnen, die einen vollständigen Vernichtungskrieg gegen die den Franzosen ergebenen Stämme begannen; gleichzeitig schädigten die Engländer selber von den Niederlassungen an der Hudsonbai aus den Seehandel und die Fischerei bei Acadia. Wir hörten bereits, daß daraufhin bereits im Frieden die Franzosen die Engländer von genannter Bai vertrieben und die Irokesen züchtigten. Nach der Kriegserklärung kam Frontenac zurück.

Bei Ausbruch des ersten Krieges mit England 1688 (vgl. Seite 473) hatte die Kolonie 15000 Einwohner, sie führte auch den langen Krieg glücklich durch. Zwar kam, wie wir wissen, der Plan (1689 und 1696 ins Auge gefaßt), Newyork als eisfreien Hafen zu nehmen, wegen mangelnder Unterstützung vom Mutterlande nicht zur Ausführung. Man hatte in Paris die Kraft der englischen Kolonien unterschätzt und die französische Marine war der ihr zufallenden Aufgabe nicht gewachsen, aber die englischen Angriffe wurden abgeschlagen. Beim Frieden 1697 gab England die Hudsonbay auf und ließ die Franzosen im Besitz der Westküste Neufundlands.

Ebenso glücklich führte die Kolonie den zweiten Krieg (1702–1713, vgl. Seite 565), der der Hauptsache nach auch auf beiden Seiten durch die Kolonisten ausgefochten wurde, obgleich Kanada nur 16000 Einwohner gegen 260000 in den englischen Kolonien hatte. Man muß jedoch dabei beachten, daß englischerseits nur die Neuenglandstaaten in Betracht kamen, daß diese nicht immer einig waren, daß in Kanada Garnisonen regulärer Truppen, wenn auch nur schwache, lagen, die dem Gegner ganz fehlten, und daß die Franzosen über Indianer verfügten, während die Irokesen, von den Engländern verletzt, zur Zeit Frieden mit Kanada hielten; auch an königlichen Schiffen, auf beiden Seiten nur schwach vertreten, scheinen die Franzosen überlegen gewesen zu sein. Als England endlich größere Unterstützungen sandte (1710), wurde Port Royal genommen, der Angriff auf Quebec (1711) scheiterte dagegen kläglich. Infolge des sonstigen Verlaufs des Krieges mußte Frankreich dann die Niederlassungen an der Hudsonbay, ganz Neufundland und Akadia — bis auf die Insel Kap Breton, den Schlüssel zur St. Lorenzbay — an England abtreten. Die Kanadier empfanden diese Zugeständnisse, die Handel und Fischerei erheblich schädigten, schmerzlich und versuchten bei der Ausführung des Vertrages zu retten, was zu retten war. Die Ungenauigkeit der Abmachungen gab dazu genügend Handhaben, weder die Grenzen Akadias noch die des Irokesenlandes waren sicher festgesetzt.

Der Aufschwung, den die kolonialen Bestrebungen Frankreichs nach dem Frieden von Utrecht nahmen, äußerte sich in Kanada besonders darin, daß man sich auf die vorauszusehenden weiteren Kämpfe mit den englischen Kolonien vorbereitete und mit Erforschung des Landes sowie der Ausbreitung des französischen Einflusses im Innern weiter vorging. Die Bedeutung Kanadas gewann mit der durch die Lawschen Unternehmungen hervorgerufenen Besiedlung Louisianas; durch eine Verbindung beider Kolonien wäre den englischen das weitere Vordringen abgeschnitten gewesen.

Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte zu wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde wenig betrieben, die Fischerei war durch die Engländer teilweise lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, er hing aber von der Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich bezogen zu teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jährlichen Ausfuhr an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa gleicher Betrag für Holz, Fische und Tran, während die Kolonie für acht Millionen europäische Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel baren Geldes.

An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die stärkste Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Straße nach Quebec und der französischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu erschließen und um dem Vordringen der Engländer vorzubeugen, wurden auf dem Wege zum Mississippi Stationen gegründet und Forts angelegt, z. B. Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Engländer sofort am Ontario das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See; Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain. So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mündung des Mississippi nach Norden sollte der Anschluß erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger wichtig für uns, nördlich der großen Seen auf 50° Breite bis zu den Rocky-Mountains (1743) vor; man hoffte einen großen nach West laufenden Strom und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese Ausbreitung führte auch während der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die zwar meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Führer aber in Kanada und Neu-England saßen.

Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Maße wie bei den englischen Kolonien; 1744 zählte Kanada etwa 50000 Weiße. Auch der Charakter der Bevölkerung war ein ganz anderer. Die militärische und mönchische Erziehung hemmte die Entwicklung persönlicher Unternehmungslust und freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedürfnisse erforderten, sonst lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat, hierin lag eine Stärke der Kolonie. Die Kanadier haßten die englischen Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen faßte Frankreich das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der früheren Entdeckung auf. Daß die Erschließung und Besiedlung dieses großen Gebietes nicht mit mehr Erfolg vor sich gegangen ist, dürfte größtenteils darauf zurückzuführen sein, daß von seiten des an der großen Wasserstraße gelegenen Louisiana zu wenig geschah.

Louisiana war 1700 an der Mündung des Mississippi gegründet; frühere Versuche, im Süden Nordamerikas Fuß zu fassen, hatte Spanien verhindert, infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen. Die Franzosen erforschten den Fluß mit seinen Zuflüssen und gründeten als Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712 waren erst 380 Weiße, zur Hälfte Soldaten, in fünf kleinen befestigten Posten dort; die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die Compagnie d'Occident (später des Indes, die Schöpfung Laws) vergeben, die auch sofort umfassende Maßregeln für die Besiedlung ergriff. Noch im selben Jahre sandte man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus, 1718 folgten 800 Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen mit Adelstiteln; New Orleans wurde als Sitz der Regierung gegründet. 1719 wurde Pensacola den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720 zurückgegeben. 1719 erhielt Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler hinauszuschaffen. Bedeutende Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch jetzt nicht: die Einwanderer waren minderwertige Leute, die in dem Klima nicht arbeiten wollten oder konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans erwarben bald einen bescheidenen Wohlstand); die Beamten waren unehrlich und liederlich; die Kompagnie hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte, die Regierung verbot jede Industrie, die mit dem Mutterlande in Wettbewerb treten konnte; Kompagnie und Ansiedler legten sich mehr auf Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 gab die Kompagnie ihre Rechte an die Krone zurück; sie behielt nur das Handelsmonopol gegen die Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jährlich einzuführen. Um diese Zeit zählte man 5000 Weiße und 2000–3000 Neger.

Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in Kanada an und hob die Einfuhrzölle für Waren aus Frankreich auf; die Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der Indianer, ihre Tätigkeit beschränkte sich erfolgreich nur auf ein kleines Gebiet am Meere und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und Natchez. Um die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner vorhanden gewesen sein, doch erscheint diese Angabe unsicher.

Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana einen ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 französische Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenüber; kein Wunder, daß der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der germanischen Rasse ausgefallen ist.

Spanien besaß in Nordamerika nur Florida, eine Bezeichnung, unter der man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen Namens zusammenfaßte. Hier waren gegen die erwähnten früheren Ansiedlungsversuche der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. 89) und Pensacola (1696) gegründet.

Ostindien.

Die ungeheure Macht, die Portugal um 1540 in den indischen Gewässern gehabt hatte (Seite 63), war schon bis 1640 durch eigene Schuld sowie durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurückgegangen (Seite 84, 86).

Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Küste Mascat, Ormuz war 1622 an die Perser, von England unterstützt, verloren; in Nord-Vorderindien Banda und Diu; an der Westküste Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis Quilon; an der Ostküste Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von der Inselwelt nur Ceylon und Timor; in China Macao.

Und sie schritt weiter abwärts. Wenn sich auch Portugal 1640 von Spanien lossagte, so nahm Holland doch noch Malakka 1641 weg, ehe der Frieden draußen bekannt geworden war. Der Versuch, den Handel durch Freigabe an alle Portugiesen neu zu beleben, blieb ohne Erfolg; er war schon zu sehr in englische und holländische Hände übergegangen. Weitere Gebietsverluste folgten: 1650 verlor Portugal Mascat an die Araber; in dem neuen Kriege mit Holland (1656–1661, Seite 239) nahm dieses Ceylon, Negapatam, Quilon, Cranganor, Cochin, Cananor; 1661 fiel Bombay (wie Tanger) als Mitgift der Gemahlin Karls II. an England. Die zu Bombay gehörigen Dörfer lieferten die portugiesischen Behörden nicht mit aus und erschwerten den englischen Handel mit dem Festlande; trotzdem blühte die Stadt in englischen Händen schnell auf, während die portugiesischen Plätze verarmten. England schlug 1672 ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Eingeborenen vor, wenn ihm die Anlage von Faktoreien in allen portugiesischen Plätzen zugestanden würde, Portugal sollte die gleichen Vorrechte in englischen Orten erhalten; Portugal aber blieb hartnäckig und belästigte Bombay weiter. England rächte sich durch Gewaltmaßregeln aller Art, die Portugiesen sagten, sämtliche englischen Schiffe hätten Seeraub betrieben; auch unterstützen die Engländer Portugals Gegner offen mit Kriegsmaterial. Gleichzeitig und weiterhin hatte Portugal unter den Angriffen der Mahratten zu leiden, die mit dem Verfall des Reiches des Mogul immer mächtiger wurden. Diese vertrieben Ende der zwanziger Jahre des 18. Jahrh. die Portugiesen aus den meisten ihrer Besitzungen; 1737 eroberten sie die Insel Salsette, den alten wichtigen militärischen Stützpunkt, und von dort Bassein. 1740 war nur noch der jetzige Bestand in portugiesischem Besitz: Diu, Daman und Goa. Portugals Macht in Indien war gebrochen, sein Handel so gut wie vernichtet.

Holland war in unserem Zeitabschnitt an seine Stelle getreten. Die Macht der holländisch-ostindischen Kompagnie um 1648 ist uns bekannt (Seite 86) und soeben ist gesagt, inwieweit sich diese an der Westküste Vorderindiens auf Kosten Portugals ausdehnte, aber auch sonst erweiterte und befestigte sie sich. Die Molukken kamen völlig in die Gewalt der Kompagnie. Um die Preise der Gewürze hochzuhalten und jeden Wettbewerb zu hindern, rottete die Kompagnie sämtliche Anpflanzungen aus, die sie nicht selber nötig hatte; dadurch hervorgerufene Aufstände der Insulaner wurden unterdrückt, die bald verarmte Bevölkerung war dann ungefährlich; die Spanier gaben ihre letzte Befestigung in Tidore auf. In Sumatra faßten die Holländer 1659 durch Eroberung von Palembang an der Ostküste Fuß und 1662 stellten sich auch die Fürsten der Westküste unter ihren Schutz (Hauptkontor in Padang). In längerem Kriege 1660–1669 wurde die Macht Makassars, des Hauptsitzes des Mohammedanismus, von dem aus in jenen Meeren der Widerstand auf den Molukken und in Japan stets unterstützt war, gebrochen. Die Kompagnie wurde dann Herrin von Celebes und machte dem Handel Englands und Portugals hier ein Ende.

Eine Niederlassung auf Borneo konnte sich nur kurze Zeit gegen die wilden Bergstämme halten. 1693 wurde Pondichery den Franzosen abgenommen, aber im Frieden von Ryswijk zurückgegeben. Einen schweren Verlust erlitt die Kompagnie dadurch, daß 1663 die Kolonie auf Formosa an China verloren ging, als hier die Tataren zur Herrschaft kamen.

Der bedeutendste Erfolg der Kompagnie war ihre zunehmende Macht auf Java. Durch andauernde Kämpfe mit den Fürsten von Bantam und Mataram gewann sie großen Landbesitz; sie brachte auch den Handel der Insel ganz in ihre Hand, England räumte 1683 seine Ansiedlung in Bantam. Besonders wichtig wurde Java durch den Kaffeebau, der 1696 eingeführt wurde und so zunahm, daß man ihn wie den Gewürzbau auf den Molukken einschränkte; 1740 lieferte er 4000000 Pfund.

Ihrer Macht entsprechend gebot die Kompagnie über eine große Flotte und über eigene Truppen. In den Jahren 1650–1702 wurden jährlich 15–30 Schiffe nach Indien abgefertigt; in 22 Jahren unter 20, dafür in 12 Jahren über 25. Diese eigentlichen Ostindienfahrer waren wohl armiert; man hatte drei Klassen: zu 38 Kanonen, zu 36, zu 26. Es war mithin stets eine erhebliche Seemacht auf der Station, zu der noch viele kleine Schiffe für den dortigen Zwischenverkehr traten; die aus- und heimsegelnden Convois bildeten kleine Flotten. Holland stand infolgedessen in den Kriegen mit England und mit Frankreich in Indien überlegen da und der Verkehr mit der Heimat wurde nicht unterbrochen, kaum eingeschränkt. Für die Besatzungen der Forts unterhielt man eine europäische Truppe von 2000 bis 3000 Mann, verwendete in den Kriegen auf Java aber auch Eingeborene der anderen Inseln.

Die Vorherrschaft Hollands in Indien stand jedoch auf schwachen Füßen, Verwaltung und Handelspolitik waren ungesund. Die ostindische Kompagnie hatte um 1739 ihren Höhepunkt bereits überschritten, ihr Verfall begann.[286]

Die Kompagnie wurde in Holland geleitet durch ein Direktorium von 17 Teilhabern „Kamer van Zeventienen“): 8 von Amsterdam, 4 von Seeland, 2 von der Maas, 2 vom Norderquartier und der 17. von den drei letzten Provinzen gemeinschaftlich gewählt. Hinzu traten 60 kaufmännische Leiter, deren Zahl in ähnlichem Verhältnis in den Provinzen verteilt war. Draußen stand in Batavia ein Generalgouverneur an der Spitze, auf Vorschlag der Kompagnie von den Generalstaaten ernannt, ihm zur Seite der „Rat von Indien“, bestehend aus den höchsten Beamten zu Batavia und den Gouverneuren der andern Inseln usw. Die Macht und Verantwortung des Generalgouverneurs waren groß; er besetzte mit dem Rat alle mittleren und niederen Beamtenstellen. Die Laufbahn der Beamten stufte sich ab in: Assistent, Buchhalter, Unterkaufmann, Kaufmann, Oberkaufmann (die Direktoren der einzelnen Kontore). Alle Schiffe, außer den nach Ceylon bestimmten, liefen Batavia an, den Sitz des Generaldirektors des Handels. Der Gouverneur war zwar für gewisse Fälle angewiesen, die Entscheidung der „Kammer der XVII“ einzuholen, oder an die Zustimmung des „Rates von Indien“ gebunden, konnte aber fast immer seinem Willen Geltung verschaffen.

Die Kompagnie strebte an, Handel und Wandel allein in der Hand zu behalten. Maßregeln in diesem Sinne waren die schon erwähnte Beschränkung des Gewürz- und Kaffeebaues, Unterdrückung jedes anderen Handels sowohl von seiten anderer Völker wie auch holländischer Kolonisten; wie früher bei den Portugiesen war es verboten, Karten und Aufzeichnungen mit in die Heimat zu nehmen, selbst die Privatkorrespondenz unterlag der Aufsicht. Man trieb aber auch eine übermäßige Sparsamkeit, z. B. in der Besoldung der Beamten.

Trotzdem gingen die Geschäfte nicht dauernd gut und wurden immer schlechter. Dabei wurden hohe Dividenden gezahlt: 1651–1702 meist zwischen 15 und 40%, nur[614] in acht Jahren 0%; 1681–1706 wurde in Indien nur in sieben Jahren ein Gewinn erzielt; 1698 hatte die Kompagnie eine Schuldenlast von 11 Millionen Gulden, fast das Doppelte des Einlagekapitals. Der schnelle Rückgang vom Beginn des 18. Jahrh. an ist aus folgenden Angaben über den Reingewinn zu ersehen: 1613–1696 = 40 Millionen; 1613–1703 = 31½; 1613–1713 = 16½; 1613–1723 = 4,8; 1613–1730 = -7,3; 1613–1779 = -85 Millionen Gulden. Über diese Lage verlautete nach außen nichts; sie ist erst im 19. Jahrh. lange nach dem Zusammenbruch der Kompagnie bekannt geworden. Die Welt sah immer nur die ansehnlichen Dividenden und nahm an, daß alles in bester Ordnung sei. Die Kompagnie hatte stets den größten Kredit, sie hatte ja auch viele Kriegslasten auf sich genommen und noch 1696 den Generalstaaten 8 Millionen für die Verlängerung ihres Privilegs gezahlt.

Die Gründe des Rückganges lassen sich zusammenfassen: 1. die immer mehr umsichgreifende Unzuverlässigkeit der Beamten, ein jeder arbeitete in seine Tasche; ursprünglich waren sie wohl durch zu geringe Besoldung gezwungen, für sich Handel zu treiben und Verletzungen der Rechte der Kompagnie seitens Fremder, selbständiger holländischer Kolonisten und der Eingeborenen durchgehen zu lassen. Günstlingswirtschaft bei Besetzung der Stellen riß ein, überflüssige Posten wurden geschaffen; 2. die strenge Durchführung des Monopols lähmte die Entwicklung der Kolonien, mit der Gebietserweiterung wuchsen die Verwaltungskosten unverhältnismäßig; 3. die Kriege auf Java und Celebes verschlangen große Summen, die Regierung stellte infolge der europäischen Kriege zu bedeutende Ansprüche; 4. in Vorderindien wuchs der Wettbewerb der Engländer.

Englands Macht in Indien war 1648 noch unbedeutend (Seite 84). Die ostindische Kompagnie besaß Faktoreien, teilweise kleine Forts, an der Westküste Vorderindiens (Vorort Surat), an der Koromandelküste (Madras), in Bengalen (Hugly am Gangesdelta), in der Inselwelt nur noch auf Java und Celebes (später geräumt); eigentliches Landeigentum hatte sie nicht, eine größere Befestigung nur in Madras (St. George seit 1639).

Der erste holländisch-englische Krieg brachte der Kompagnie großen Schaden, doch wurde dieser beim Friedensschluß ersetzt (Seite 229) und auch der Wettbewerb seitens der Courtenlinie (Seite 84) durch völlige Verschmelzung mit dieser abgewendet. 1658 wurde das Kapital wesentlich vermehrt und 1661 bestätigte Karl II. der Kompagnie die weitestgehenden Rechte: Überlassung des alleinigen Handels mit Indien; Anerkennung als politische Korporation mit dem Rechte, sich Gesetze und Verfassung zu geben, mit nichtchristlichen Fürsten Krieg zu führen, Festungen zu bauen und Soldaten zu halten; die Regierung behielt sich nur vor, den Vertrag mit dreijähriger Frist kündigen zu dürfen, falls es das Interesse der Krone oder des Volkes erfordere. Als Bombay dem Könige zufiel, wurde auch dieses der Kompagnie zugeteilt durch seine insulare Lage ein wichtiger Stützpunkt. Es begann nun das langsame aber stetige Wachsen der Macht der Kompagnie. Mit ungeheuren Schwierigkeiten, die nicht nur draußen, sondern auch daheim auftraten, hatte sie zu kämpfen.

Ein kurz gefaßter Überblick auf die Geschichte der ostindischen Kompagnie[287] während unseres Zeitabschnittes sei gegeben. Die Geschäfte wurden in Indien von Präsidentschaften geleitet in: Surat, Madras mit Bengalen, Bantam;[615] später fiel Bantam fort, Surat wurde nach Bombay verlegt, Bengalen wurde unter Kalkutta selbständig. Jede Präsidentschaft besaß einige Hauptfaktoreien, von denen die Außenposten abhingen; in England wurden die Schiffe nach einer der Präsidentschaften abgefertigt und von dieser weiter expediert. An der Spitze der Hauptbehörden stand der Präsident mit seinem Rate, dessen Mitglieder wie der Präsident von der Kompagnie ernannt wurden; die übrigen Beamten — ähnlich wie in Holland: Lehrling, Schreiber, Faktor, junger und alter Kaufmann — ernannte der Präsident. Die Besoldung war sehr gering, die Beamten waren auch hier geradezu darauf angewiesen, Durchstechereien zu machen und heimlich Handel zu treiben; auch die Besatzungen der kleinen Garnisonen waren so schlecht bezahlt, daß Meutereien vorkamen.