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Die jenische Sprache

Chapter 54: Nachträge.
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Die Darstellung versammelt Einleitung, Anmerkungen und umfangreiche Verzeichnisse veralteter sowie aus der Zigeunersprache stammender Lexeme, ein Deutsch–Jenisch-Wörterbuch, eine alphabetische Liste jenischer Stammwörter, Sprachproben und tradierte Schnadahüpfel. Sie dokumentiert einen süddeutsch geprägten Händlerjargon, behandelt Herkunft und Wandel geheimer Sprechweisen und ordnet das Material redaktionell durch Korrekturen, Ergänzungen und erläuternde Anmerkungen. Die Wortlisten und Beispielsätze fungieren als Nachschlagewerk und kulturgeschichtliche Quelle zu den Sprachgewohnheiten umherziehender Handwerker und Händler; anstößige Prosastellen wurden ausgesondert, musikalische Überlieferungen dagegen als authentischer Bestand erhalten.

1.

Ei, g’want sein Kocheme,

Denn sie tun nobis als schoren,

Wann sie lore Rande füllen

Und dof mit der Sore springen.

Hei ja! Viva!

Grandscharle was pflanzst du da?[2288]

2.

Schicksel, was hat auch der Kochem g’schmust?

Er hat g’schmust: Wann er vom Schoren pficht,

Schefft er gleich wieder zu mir[2289].

3.

Jann mei’ Bos,

Bos mei’ Bos,

Pflanz’ mei Bos um,

Bik’ mein Schund,

Zehnthalb Pfund,

Weil der’n wohl gunnt!

4.

Model, was hat der Fiesel g’schmust,

Wo er ist ’bostet zu dir?

Er hat g’schmust, wenn er nobis eine andere bestiebt,

Bostet er gleich wieder zu mir[2289].

5.

Do’ drüben auf’m Bergele

Haun i d’ Derchermodel karessiert,

No’ hauret ihrs Schmunkschottele,

Der Berg na’ g’marschiert.

6.

Jenischer Benges, bist nena g’want,

I schmelz dir in d’Griffling,

No’ bohlst da an d’ Wand.

7.

Jesses Marerkele, vors Grandscharleskitt

Grandscharleskitt, Grandscharleskitt,

Wenn du mi’ nobis schniffst,

No’ schmelz d’r in’s G’nick.

Holdri, Holdra, Holdro!

Nachträge.

Nachträge zu Band 63. Zu S. 5, Anm. 8: Die Verallgemeinerung des Wortes jenisch zu der Bedeutg. „klug“ findet sich auch schon bei Thiele 259, dem Fröhlich 1851 gefolgt ist.

Zu S. 19, Anm. 48 a. E.: Mit dem zigeun. chadschē do parr, d. h. „gebrannter Stein“ = Backstein steht in Übereinstimmg. in Wittichs W.-B. g’funkter Kies = Ziegelstein.

Zu S. 105, Anm. 173 a. E.: Der (im Anschluß an Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432) vertretenen Herleitung von Mamere = Mutter vom französischen ma mère steht entgegen, daß die rotw. Quellen ganz überwiegend die Vokabel mit mm (also Mammere od. [wie z. B. v. Grolman 44 u. T.-G. 112 u. andere] Mammer) schreiben, woraus zu schließen, daß der Ton auf die erste Silbe zu legen ist. Nach einer gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau (Wien) würde es sich deshalb wohl um das in den meisten Mundarten (auch im Schwäbischen [s. Fischer, a. a. O.]) bekannte Wort Mamme = Mutter handeln, das mit der Endung -re versehen worden. Zur Erklärung dieses Vorgangs aber vermag allerdings auch Landau nur zu verweisen auf „die polnisch-jüdische verächtliche Bezeichnung für Mutter: Mammeru (mit dem Hauptton auf a und der Pejorativendung -ru)“.

Zu S. 123, Anm. 229: Die Vokabel Ulme (-ma) = Leute findet sich in der Form Ohlen und mit der Bedeutg. „Welt“ auch bei Pfister 1812 (303); vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. V, Sp. 55 unter „Olem“ vbd. mit I, Sp. 448 unter „Aulem“.

Nachträge zu Band 64. Zu S. 138, Anm. 539 (Zeile 5 von unten) ist das non vor nobis zu streichen.

Zu S. 140, Anm. 550: Die Beschränkung des Ausdrucks Mokum auf die Bedeutung „Dorf“ findet sich auch in der von H. Weber in Groß’ Archiv, Bd. 59 veröffentlichten Liste von Wörtern der Kundensprache (s. das. S. 283 vbd. m. S. 266). Zu S. 174, Anm. 850: Eine Zusammensetzung mit Schuberle ist auch noch Schuberleweisling (d. h. eigentl. „Geistsonntag“ = Pfingsten (worüber das Näh. schon S. 155, Anm. 689 [zu „Feiertag“] angeführt).

Zu S. 142, Anm. 565 vbd. mit S. 336, Anm. 1454 ist zu Flu(h)tegroanikele = Meerschweinchen zu bemerken, daß es sich hierbei wohl um eine Diminutivbildung von Groanikel handelt.

Zu S. 164/165, Anm. 763. Für Fünflamme = Schürze stellte mir Dr. A. Landau die folgende Etymologie zur Verfügung, die in der Tat weniger gesucht erscheint als die von A.-L. 540 gegebene, der ich mich angeschlossen. Er denkt nämlich an die ältere Bedeutung von Flamm (Flamme) = „Haut, Lappen“ (s. Grimm, D. W.-B. III, Sp. 1712, Nr. 2), wozu zu vgl. auch französ. flamme — „Lappen, Wimpel, Fähnchen“ (vom lat. flamma). In den vom D. W.-B. III, Sp. 1714, Nr. 3 zitierten Stellen aus Musculus („Hosenteufel“) scheint Flamme u. Hosenflamme soviel wie „Hosenlatz“ zu bedeuten. Fünflamm(e) wäre demnach aus Flamm(e) analog gebildet wie Fürfleck = „Schurzfell, Schürze“ (s. D. W.-B. IV 1, 1, Sp. 727; vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 786) aus Fleck (Grundbedtg.: „pannus, Lappen, Fetzen“; s. D. W.-B. III, Sp. 1741, Nr. 1). Vgl. auch Fürschurz u. bes. noch Fürtuch (= „[Weiber-]Schürze“; s. Näh. D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 920/21, Nr. 2).

Zu S. 180, Anm. 929: Gari = penis ist (nach Pollak 213) auch noch der neueren Wiener Gaunersprache bekannt.

Nachtrag zu Band 65. Zu S. 65, Anm. 2262: In rotwelschen Quellen des 19. Jahrhunderts (so z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [326], v. Grolman 46 u. T.-G. 130 u. Karmayer G.-D. 209) kommt das Wort Massi(c)k auch für „Schwätzer“ oder „Verräter“ vor. Man könnte dabei an einen Zusammenhang mit dem rotw. massern, hebr. masâr = „verraten“ (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 76) denken; jedoch kann sich jene Bedeutung auch ohne dem entwickelt haben, da es ja nur begreiflich ist, daß die Gauner, um ihren gefährlichsten Feind, den Verräter, zu bezeichnen, zu den stärksten Ausdrücken greifen.

Anmerkungen.

[1] Die Versicherung des Vrfs. (s. unten „Einleitung“, S. 25), daß er das von ihm mitgeteilte Wortmaterial aus eigener praktischer Kenntnis und „nicht aus Büchern“ geschöpft habe, erscheint im allgemeinen gewiß glaubwürdig. Immerhin hat er aber bei der Zusammenstellung und Bearbeitung des Stoffs auch wohl einige Bücher zur Hand gehabt, wie sich denn z. B. die Benutzung von Rich. Liebichs Schrift „Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache“ (Leipz. 1863) an mehreren Stellen (bes. auch der „Einltg.“) nachweisen läßt. S. Näh. in m. Anmerkgn. zur „Einltg.“; vgl. auch in dieser „Vorbemerkg.“ weiter unten S. 16 ff.

[2] Aus der Überschrift ist dies übrigens nicht ersichtlich. Ich habe daher in meinen „Beiträgen zum Rotwelsch“ usw. (im „Archiv“, Bd. 33, 38 ff.) — in Übereinstimmung mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, 6. Aufl. (1914), S. 503, Anm. 3 — dieses Zigeuner-Vokabular unter Jühlings Namen zitiert und halte daran der Gleichmäßigkeit halber auch in der vorliegenden Arbeit fest. — Über Aufsätze Wittichs in einer anderen Zeitschr. s. noch Groß, a. a. O., S. 511, Anm. 2 a. E.

[3] Zu der Nr. 25 der Sprachproben („Dächlespflanzerulme“) war vom Verf. bemerkt, daß „in dieser Skizze ... fast alle Wörter der jenischen Sprache enthalten“ seien. Gerade hier mußte ich aber — aus den im Text genannten Gründen — Kürzungen vornehmen.

[4] Die in Nr. 1 u. 2 von W. mitgeteilten „Schnadahüpfel“ stimmen z. B. nach dem Inhalt und zum Teil auch nach der Form fast ganz mit einigen „Strophen aus Jauner-Liedern“ überein, die den „Schmusereyen“ im W.-B. des Konstanzer Hans (1791) angehängt sind (s. Kluge, Rotw. I, S. 260).

[5] Es soll nämlich herstammen vom hebr. jânâ(h) = „übervorteilen, überlisten“, das auch als das Stammwort von „Gauner“ angesehen wird. Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 632 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 490

[6] In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes (näml. in der Wiener Kellnersprache 1714 [176]) erscheint es allerdings noch in speziellerem Sinne („eine gewisse Redensart“ [d. h. Sprechweise] der Wiener Kellner, „welche sie die jenische Sprache nennen“), aber schon wenige Jahre später (in der Dillinger Liste 1721 [182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — „jenische Sprache“ für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die Ludwigsburger Gesamtliste 1728 erkennen (198: „Jaunerisch oder Jenisch“). Weitere Belege sind dann: Hildburghaus. W.-B. 1753 ff. (235); Bierbrauer 1753/58 (242); Sulzer Zigeunerliste 1787 (251: „Die Sprache der Jauner, die Jenische Sprache genannt“); W.-B. des Konst. Hans 1791 (252: „Die Jauner- oder Jenische Sprache“; vgl. 258: sie [die Gauner] schmusen auf Jenisch = „sie reden auf ihre Sprache“); Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (260-262); Schöll 1793 (268); Schintermicherl 1807 (288: „Die sog. jennische Sprache“); Reichsanzeiger 1810 (290: jännisch); Pfister 1812 (301: kochemer Lohschen = jenische Sprache); v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 (310: „die eigentlichen Gauner, Jenische [oder Romanische] Leute“); Brills Nachrichten 1814 (314); Christensen 1814 (315, 316); Falkenberg 1818 (333, im Titel); Stradafisel 1822 (356: „in der jännischen oder sog. Diebessprache“); v. Grolman 30 u. T.-G. 95 (jenisch = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen; jenische Sprache = Gaunersprache); Wenmohs 1821 (358); Eberhardts Poliz.-Nachrichten 1828 ff. (364: „Die sog. Jenische oder Kochemer Sprache“); Pillwein 1830 (365: „Die sog. Jähnische Sprache“); v. Train 1832 (366, im Titel: „... Gauner- u. Diebs-, vulgo Jenische Sprache“); Karmayer 86-88 u. 158 (jendig, jenisch [auch innig] = gaunerisch, rotwelsch [innig noch bes. = der jenischen Sprache kundig]; jenig, jenisch, der jenische Stand = alle der jenischen Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; jen(d)ig oder jendisch parlen = jenisch reden); Castelli 1847 (340); Fröhlich 1851 (399: jênisch = gaunerisch, spitzbübisch, auch klug [in dieser Verallgemeinerung hier zum ersten Male; vgl. die gleichsam umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von kochem, Kochemer (= Gauner) vom hebr. châkâm = „klug, gescheit“, „der Kluge, Gescheite“ (s. Günther, Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2)]; daher: jênische Leute = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551 (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; jenische Leut = kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; jenisch kacheln [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); Wiener Dirnenspr. 1886 (417: jenisch = klug, gaunerisch); Lindenberg 185 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren); Klausmann u. Weien X (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch; jenische Leute = kluge, im Gaunertum erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); Groß 470 (jenisch = klug, gescheit, Gauner; jenisch kacheln = Gaunerspreche reden) u. E. K. 42 (innig = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt mit dem Gaunerwesen vertraut ist); Pollak 217 (Jenisch = Gaunersprache); Rabben 66 (jenisch kacheln = in der Gaunerspreche reden); Ostwald (Ku.) 71 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren; vgl. 72: jenisch kacheln = die Gaunersprache reden).

[7] So definiert H. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 93 den Begriff „jenisch“ grundsätzlich durch „wer oder was zu Landfahrern u. dergl. gehört“, und ähnlich sagt Ostwald (Ku.) 71: „Jenisch sind alle fahrenden Leute, die nicht vom Sinde (s. [Ku.] 143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind“. Dazu: jenischer Adel = „Landfahrer, Vagabunden“ (bei Fischer, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die Kundensprache „jenische Sprache“ genannt wird, erklärt Ostwald (Ku.) 71 zwar für „irrtümlich“, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere Bezeichnung Jenisch-Tippern — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch „Kundensprache“ wiedergegeben.

[8] S. dazu näh. Angaben bei Fischer, a. a. O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als „Jenisch“ findet sich ausdrücklich z. B. auch bei Kluge (Rotw. I, Sp. 476 ff., 490), W. Zündel in d. Württembg. V.-J.-Heften für Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. R. Kapff in der Z. f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.

[9] Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig erkannt, daß in dieser Quelle besonders „der schwäbische ... Dialekt ... überall stark hervor“tritt.

[10] Vgl. dazu auch schon oben S. 3, Anm. 4.

[11] S. dazu Näh. bei Günther, Rotwelsch, S. 7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet auch die erste erfolgreiche Bekämpfung des Gaunertums (durch Männer wie den berühmten „Malefiz-Schenk“, den Oberamtmann Schäffer u. a. m.) eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei E. Arnold in Groß’ Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd. 53, S. 121 ff.

[12] S. den (von mir mit Erläuterungen versehenen) Aufsatz von H. Weber, „Die Lingelbacher Musikantensprache und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer“, in den „Hess. Blättern für Volkskunde“, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.

[13] Vgl. Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl., Leipzig 1910), S. 71.

[14] Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß manche Händler, z. B. in der Pfalz und in Franken für ihren (bes. stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung Lôchne-kôdesch (so in der Pfalz [s. Kluge, Rotw. I, S. 438]) oder Lotekhôlisch (so in Franken [s. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus dem jüd. loschon (ha-)kodesch = die „Sprache der Heiligkeit“ oder „heilige Sprache“, d. i. das Hebräische. S. Landau in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der schwäb. Händlerspr. (482) bedeutet lotekorisch nur „jüdisch.“ Das Wittichsche Jenisch kennt den Ausdruck (auch dafür) nicht.

[15] Über die Etymologie dieser Wörter s. das Näh. in den Anmerkgn. zum W.-B. selbst (unter den betr. deutschen Bedeutgn.).

[16] Nur substantivisch gebrauchte Eigenschaftswörter, wie Dof = Glück, Pracht (eigtl. dof = gut) — bzw. nobis Dof = Trübsal (eigtl. = nicht gut), Molum = Rausch (eigtl. m. = berauscht) u. Schofel = Gefahr, Not, Schmach (eigtl. sch. = schlecht) sind nicht hier, sondern unter den Eigenschaftswörtern (lit. c) aufgeführt worden. Ebenso ist für die substantivischen Ableitungen von Adjektiven (wie z. B. Schofelei = Unglück, Schoflerei = Gericht von schofel) oder von Zeitwörtern (wie etwa Kasperer = Betrüger von kaspere, Schmuser = Schwätzer von schmusen u. Schwäche = Viehtränke, Schwächerei = Trank, Trinkgelage von schwächen) auf die Rubriken b u. c zu verweisen.

[17] Mit Ausnahme bloßer Ableitungen von (den unter a genannten) Hauptwörtern, wie z. B. eidofema = einkerkern (von Dofes), a(n)kluften, aus-, verkluften = ankleiden, ausziehen, verkleiden (von Kluft), kohlen = belügen, betrügen (von Kohl), schenegeln = arbeiten (von Schenagel), schurele = begatten und in Zus. mit Präpos, für sehr verschiedene Begriffe gebr. (von Schure) u. a. m.

[18] Über substantiv. Ableitungen hiervon s. schon S. 7, Anm. 16 a. E.

[19] Bloße Ableitungen von Hauptwörtern, wie scheneglich = fleißig von Schenagel), schmelemerisch = zigeunerisch (von Schmelemer), oder von Zeitwörtern, wie begerisch = sterblich, krank (von begeren), diberich u. schmusich = gesprächig (von diberen u. schmusen), sind hier nicht berücksichtigt worden.

[20] Über den Gebrauch von dof, molum, schofel als Substantive s. schon oben S. 7, Anm. 16. — Auch begerisch (s. Anm. 19) kommt als Hauptw. (= Siechtum) vor.

[21] Die in Klammern gesetzten Vokabeln halte ich persönlich nicht (od. doch nicht in erster Linie) für hebräischer Herkunft. Näh. s. in den betr. Anmkgn. zum W.-B.

[22] Bloße substantivische Ableitungen von (den unter b genannten) Zeitwörtern (wie etwa Bascher = Käufer, Dercher = Bettler, Sichere = Küche u. a. m.) sind hier außer Betracht geblieben.

[23] Ausgenommen solche, die (wie z. B. kafleren = schlachten u. ei’leken = einkerkern) sicher oder (wie z. B. bosen [bosme] = lecken) vielleicht erst wieder von den unter a genannten Hauptwörtern (Kafler, Lek, Bos) abgeleitet sind. S. das Näh. in den einschläg. Anmerkgn. zum W.-B.

[24] Selbständige Eigenschaftswörter dieser Art sind nicht vorhanden. Für bloße adjekt. Ableitungen (wie z. B. dercherich = bettelhaft, dürftig von dem Zeitw. derchen) sei auf die Anmerkgn. zum W.-B. verwiesen.

[25] S. z. B. Patris = Vater, wohl auch g’want = anmutig u. dergl. (von quantum) und Ki(e)bes = Kopf (von caput) sowie nobis = nicht, das jedoch in erster Linie dem Italienischen zuzuweisen sein dürfte (s. das Näh. im W.-B. unter „Dietrich“), ebenso wie Vergondert = Konkurs und bosten = gehen (vermittelt durch unsere Lehnwörter Gant und Post). Auf ältere Lehnwörter aus dem Lateinischen gehen vermutlich noch zurück Kolb = Pfarrer und Sins = Herr (s. das Näh. im W.-B. selbst), während zu durme = schlafen, ruhen, liegen wohl zunächst das Französische (dormir) heranzuziehen sein dürfte. Vgl. auch die Latinisierungen auf -us bei Wörtern deutscher oder fremder Herkunft (wie Bikus = Essen, Rochus = Zorn).

[26] S. für das Französische: Bommerling = Apfel (von pomme), Mamere = Mutter(= „ma mêre“), Scharrisele = Kirschen (von cerises), ferner Feneter = Fenster und Furschet = Gabel (die Wittich in seiner „Einltg.“ beide unter den Zigeunerwörtern aufgeführt hat; s. dort in den Anm. das Näh. dazu). Über durme s. schon die vorige Anm. Das Zeitw. baschen = kaufen (vgl. oben S. 9) — vielleicht vom französ. passer — kann auch dem Italienischen (passare) zugeteilt werden. Mehr vom ital. grande als vom französ. grand beeinfußt worden ist ferner wohl grandich = groß usw. In erster Linie italien. Herkunft sind endlich nobis (s. oben Anm. 25) und Strade = Weg, Straße. Über Fehte = „Quartier“ s. das W.-B. unter „Hauswirt“. Über Vergondert und bosten vgl. oben Anm. 25.

[27] Auf das Slawische (Polnische) nämlich: sicher Rawine = Leiter (nur vielleicht auch Bauser = Angst bezw. bausen = fürchten und Stöber = Baum); s. das Näh. im W.-B. unter „Leiter“, „Angst“ und „Apfelbaum“; auf das Nordische (Schwedische usw.): Fehma = Hand (und vielleicht auch [das damit wohl zusammenhängende] Zeitw. febern = schreiben); s. das Näh. im W.-B. unter „Hand“ und „abschreiben“.

[28] Hingewiesen sei bes. auch noch auf die fast ganz mit dem Rotwelsch übereinstimmende Bildung der Standes- und Berufsbezeichnungen, namentlich in der Form von Zusammensetzungen mit gewissen substantisierten Tätigkeitsformen, wie Pflanzer (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 12 ff.) — so z. B. Funkpflanzer = Heizer, Schrendepflanzer = Zimmermann — und Schenegler (vgl. Archiv, Bd. 46, S. 304ff.) — so z. B. Bichschenegler = Münzarbeiter, Hitzlingschenegler = Ofensetzer — oder mit selbständigen Hauptwörtern mit der Bedeutung „Mann“ („Herr“, „Kerl“, „Bursche“ u. dergl.) bezw. — für weibl. Personen — „Frau“ („Mädchen“), wie Kaffer (vgl. Archiv, Bd. 48, S. 328 ff.), Gadscho (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 331 ff.), Sins (vgl. Archiv, Bd. 38, S. 270), Benk (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.), Freier (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.), Fiesel (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 157 ff.) oder (für weibl. Pers.) Moss und Model (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.). Beispiele: Leilekaffer = Nachtwächter, Rädlingskaffer = Fuhrmann; Begergadscho = Leichenbeschauer; Begersins = Arzt, Sturmkittsins = Ratsherr; Rattebenk = Nachtwächter, Stradebenk = Straßenwärter; Fehtefreier = „Quartierbursche“; Verkemersfiesel = Handelsbursche, Sicherfiesel = Koch; Deiselmoss = Hebamme, Begermoss = Leichenfrau; Galmamodel = Kindermädchen usw.

[29] Ausnahmen, wie z. B. die dem Rotwelsch entlehnten, ursprünglich dem niederd. Sprachgebiet angehörenden Vokabeln Buxa(-e) = Hose u. schlummere = liegen (eigtl. „schlafen“, arg.: Schlumerkitt = Herberge) oder wie Strauberts = Haare, das wohl mit dem norddeutsch. Plural-S, wie in „Jungens“, „Mädchens“, versehen sein dürfte, bestätigen nur die Regel.

[30] Merkwürdig ist, daß zuweilen bei demselben Worte der Singular auf -leng, der Plural dagegen auf -ling gebildet worden, so z.B. bei Schmaleng = Katze u. Stupfleng = Igel.

[31] Mehrere ähnliche Beispiele enthält auch das Pleißlen der Killertaler (s. Kluge, Rotw. I, S. 435, 436).

[32] Dagegen ist die Endung -es (wie z. B. in Benges = Bursche u. dgl., dambes [eigtl. Rausch, dam = berauscht], Guf(f)es = Prügel) auch sonst im Rotw. u. den verw. Geheimsprachen bekannt (vgl. Pott, Zigeuner II, S. 33, Nr. 2), aber in den einzelnen Fällen wohl verschieden zu deuten (s. Pott I, S. 103, 104; vgl. auch Behaghel, Deutsche Sprache [5. Aufl. 1911], S. 308). Bei Guf(f)es erblickt Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 in -es die abgeschwächte hebr. Plural-Endg. -ôth.

[33] Auch sie ist (wie ebenfalls sonst in den Geheimsprachen) nicht nur an Wörter deutschen Stammes, sondern auch an solche fremder Herkunft angehängt worden (s. z. B. Käfferle, zu Kaffer [aus dem Hebr.]; Doberle = Beil, zu Dober = Axt, Gachnele = Küchlein, d. h. Hühnchen, zu Gachne = Henne, Huhn, u. Gaschele = Kinder, eigtl. „kleine Leute“, zu Gasche od. Gadsche = Leute, plur. von Gadscho = „Kerl“ [alle drei aus dem Zigeun.], Sinsle = Junker, zu Sins = Herr [vermittelt wohl durch e. latein. Lehnwort], Scharrisele = Kirschen [aus dem Französ.]). Im übrigen ist noch zu beachten, daß sie nicht immer bloß eine Verkleinerung gegenüber dem Stammwort bedeutet (wie dies z. B. allerdings der Fall bei Fi[e]sele od. Freierle = Junge, Knabe [zu Fi[e]sel, Freier = Bube, Bursche (Jüngling) bezw. fremder Bursche], Mössle = Jungfrau [zu Moss = Frau], Schmalerle = Kätzchen [zu Schmaler = Katze], Trabertle = Füllen [zu Trabert = Pferd] u. a. m.; vgl. auch noch Doberle = Beil [zu Dober = Axt; s. oben], Füchsle = Goldstück [zu Fuchs = Gold], Späusle = Splitter [zu Spraus = Holz]), sondern zuweilen den ursprünglichen Begriff auch vollständig verändert (s. bes. Schwächerle = Brust, Euter [aber Schwächer = Rausch, Trunkenheit], Krächerle = Nuß [aber Kracher = Wald]; vgl. auch Schurele u. Schure [worüber Näh. im W.-B. unter „abbiegen“] u. Hegesle = Knödel u. Heges = kleines Dorf [bei denen aber wohl kein gleicher Stamm zu Grunde liegen dürfte]). Eine Mittelstufe nehmen ein die Ausdrücke Kittle (zu Kitt = Haus), da es in Wittichs Vokabular sowohl „Gartenhaus“ als auch spezieller „Arrest, Gefängnis“ bedeutet (wie im Rotw. Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar „Junggeselle“ und „Greis“, aber auch den „männlichen Samen“ bedeutet [s. zu letzterer Bedeutg., die eine längere Erklärung erfordert, das Näh. in den Anm. zum W.-B. unter „Onanie treiben“). Manchmal findet sich endlich sogar nur die Verkleinerung als selbständiger Begriff, während ein entsprechendes unverkleinertes Stammwort (wenigstens im Jenischen) fehlt, so bei Dächle = (Regen-)Schirm, Räp(p)le = Mark, Scharrisele = Kirschen, Schuberle = Geist, Gespenst, Steinhäufle = Stadt, Stupfle = Dorn.

[34] Dieses Beispiel steht keineswegs etwa vereinzelt da; vgl. u. a. auch noch Krachersäftlingbrandling = Heidelbeerkuchen u. Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht.

[35] So z. B. Bereime u. Zeine (doch wohl beides eigtl. = bereime[n], zeine[n] = zahlen) = Zahlung, Dupfen (eigtl. = stechen) = Stich, Muffen (eigtl. = riechen) = Geruch, Glemsen (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter Begriffsverengerung) Bleisgeren oder Pfreimen (eigtl. = zahlen) = Steuern.

[36] So z. B. Begert (eigtl. = gestorben) = Leiche, Verdibert (eigtl. = verraten) = Verrat, Vergondert (eigtl. wohl = „vergantet“, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, Vergrönt (eigtl. = verheiratet) = Ehe, Vermuft (eigtl. etwa = „verfault“, dann verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. — Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für Adjektive vor (so z. B. begert = tot, gefebert [geschrieben] = schriftlich, grandich bikt [viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: gneis nobis (eigtl. „[ich] kenne nicht“] = unbekannt, hauret nobis (eigtl. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (eigtl. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich u. a. m.

[37] Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 63, Anm. 64.

[38] Beispiele: a) Gebrauch von Adjektiven für Substantive: Mit Flexion der Adjektive (also z. B. Wo[h]nischer = Katholik, nobis Dofs [d. h. eigtl. „nichts Gutes“] = Übel) kommt dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv erhoben worden, s. z. B. die schon oben S. 7, Anm. 4, in anderem Zusammenhange erwähnten Wörter Dof (bezw. nobis Dof), Molum u. Schofel, für letzteres als Synon. auch Lenk, ferner Bauserich (eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, Begerisch (eigtl. krank) = Siechtum, Biberisch (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost, Dercherich (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, Grandich (groß) = Höhe, Gewalt u. a. m.; über Flu(h)tich = Nässe s. lit. b am Ende; über Stumpf = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) Gebrauch von Substantiven für Adjektive: schwächer (Rausch) u. dambes (eigtl. wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, kohl (Lüge) = verlogen, leile u. ratte (Nacht) = dunkel, schei(n) (Tag, Helle) = hell; vgl. auch flu(h)te = naß, während Flu(h)tich für „Nässe“ angeführt ist, wobei aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten (Schreibfehler?).

[39] Vgl. auch noch Lanenger (Soldat), sowohl = Infanterist wie Kavallerist („Husar“), Begerisch = Siechtum im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.

[40] S. daselbst auch über das — gleichfalls eine Art Aushilfsfunktion versehende — von Schure abgeleitete Zeitw. schurele (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. pflanzen.

[41] Die zigeunerischen Ausdrücke sind im folgenden ausschließlich nach dem Werke von R. Liebich über die Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren Wörterbüchern (vgl. unten S. 22) keines eine deutsch-zigeunerische Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen, ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.

[42] S. Näh. noch im W.-B. unter „Amtmann“. Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im Wittichschen Jenisch, wonach über grandicher (als Komparativ aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) grandich — als Superlativ — steht, so daß z. B. grandich Sins mehr als grandicher Sins, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter „Bischof“), ist der Zigeunersprache unbekannt.

[43] Noch weitere Verbindungen dieser Art mit grandich s. im W.-B. in der Anm. zu „Adler“.

[44] Außer Verbindungen von Haupt- und Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von mehreren Hauptwörtern, wie z. B. Patris und Mamere (zigeun. o dad te i dai), d. h. „Vater und Mutter“ = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für (im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. Flu(h)te bostet mer herab (zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. „(das) Wasser läuft mir herab“ = ich schwitze.

[45] Weitere Bezeichnungen dieser Art für Vögel s. im W.-B. unter „Adler“. Auch dem oben (S. 16) erwähnten Spronkert-Flössling = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho, d. h. „gesalzener Fisch“.

[46] Über den als Wortspiel zu betrachtenden Ausdruck Sprauskritzler (zig. [u. a. auch] gaschtĕno lil), d. h. „Holzbrief“ = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum W.-B. — Über den Einfluß des Aberglaubens, besonderer Gebräuche usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter „Bachstelze“ und „Löwenzahn“.

[47] So heißt z. B. das Aas im Jensichen mufiger Bossert od. Mass (d. h. „stinkendes Fleisch“), im Zigeun. mulo mass (d. h. „totes Fleisch“), der Pfau im Jenischen Dofefläderling (d. h. „schöner Vogel“), im Zigeun. (u. a. auch) gisĕwo tschirkŭlo (d. h. „stolzer Vogel“), die Wanze im Jenischen Mufkenem (d. h. „Stinklaus“), im Zigeun. platti oder lōli tochūw (d. h. „platte oder rote Laus“), der Mond im Jenischen Leileschei (d. h. „Nachtlicht“), im Zigeun. rattískĕro kamm (d. h. „Nachtsonne“), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch) lenker oder schofler) Kritzler (d. h. „schlechter [böser] Brief“), im Zigeun. (u. a. auch) gālo lil (d. h. „schwarzer Brief“) usw.

[48] So heißt z. B. im Jenischen der Adler grandicher Flederling (d. h. „großer Vogel“ [vgl. oben S. 16]), im Zigeun. dagegen dui menakro tchírkŭlo (d. h. „der doppelhalsige Vogel“, und zwar nach Liebich, S. 146 wahrscheinlich deshalb, „weil dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen Wappenschilde begegnet ist“), weiter die Tanne im Jen. Jahre- oder Kracherstöber (d. h. „Waldbaum“), im Zigeun. dagegen mellĕlo ruk (d. h. „schwarzer Baum“), der Diamant im Jen. dofer Kies (d. h. „schöner Stein“), im Zigeun. dikkapáskĕro parr (d. h. „durchsichtiger Stein“), der Backstein im Jen. Kittleskies (d. h. „Hausstein“), im Zigeun. chadschēdo od. lōlo parr (d. h. „gebrannter“ od. „roter Stein“), der Bleistift im Jen. Feberschure (d. h. „Schreibding“), Im Zigeun. geschtĕno pōr (d. h. „hölzerne Feder“) usw.

[49] Vgl. z. B. grandich Sins (eigtl. „größter Herr“) = König (s. oben S. 17, Anm. 42), zig. (meist) kralo, grandiche Gachne (eigtl. „große Henne“) = Hahn, zig. paschno(-lo) od. pussin, Schofeleiflederling (eigtl. „Unglücksvogel“) = Rabe, zig. korāko, grandich Flu(h)te (eigtl. „großes [od. größtes] Wasser“) = Meer, zig. sēro, grandiche Kitt (eigtl. „großes Haus“) = Hof, zig. medrīa, dofe Kitt (eigtl. „schönes Haus“) = Schloß, zig. filĕzzin, dofer Schmunk (eigtl. „gutes Fett“) = Butter, zig. kīl u. a. m.

[50] Über Bommerling konnte dagegen das Erforderliche schon unter „Apfel“ angegeben werden, da ja das einfache Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.

[51] Und zwar sind diese Aufzählungen der Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in der Form „Deutsch-Jenisch“ — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge der deutschen Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.

[52] Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor dem Stammworte findet, ist das letztere dort mitbehandelt worden, so z. B. Schure unter „abbiegen“ (= abschurele) u. nicht erst unter „Achsel“, wo Schure zum ersten Mal selbständig auftritt, Funk = Feuer unter „abbrennen“ (abfunken), Ruadel = Wagen unter „abfahren“ (abruadlen), das Zeitw. muffen = riechen, wie schon im Text bemerkt worden, unter „Aas“ (= mufiger Bossert od. Mass) usw.

[53] Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in Eningen (einem von Kluge, Rotw. I, S. 479 ff. nicht berücksichtigten Orte) vorkommen. Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden (zitiert: Eningen [S. 206, Anm. 1]).

[54] Zu dieser Definition des Begriffs „Gaunersprache“ durch Wittich vgl. Günther, Rotwelsch, S. 2 und Anm. 1 vbd. mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447 u. Anm. 2.

[55] Etwas weiter unten hat der Verf. aber doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl. dazu Anm. 58 auf S. 23.

[56] S. dazu Näh. im Vokabular unter „fahrende Leute“.

[57] Diese Behauptung dürfte dahin zu berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff „jenische Sprache“ der geschichtlich früher auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in meiner „Vorbemerkung“, S. 4 und Anm. 6.

[58] In der Fassung dieses Satzes hat sich der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die Liebich, Die Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder Berufssprachen zur Gaunersprache gegeben hat.

[59] Auch dieser Satz stimmt fast wörtlich mit dem überein, was Liebich, a. a. O., S. 114, 115 über das Verhältnis der Zigeunersprache zur Gaunersprache bemerkt hat. — Der Sache nach ist das von Wittich Gesagte übrigens unlängst auch von W. Zündel in den „Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte“ usw., N. F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. („Auch weist der richtige Zigeuner einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten will, zurecht: goi dig hawo jenari, d. h. ‚sieh da, was für ein Jenischer‘“.)

[60] Auch hierbei zeigt sich Anschluß an Liebichs ähnliche Bemerkungen über die Zigeunersprache (a. a. O. S. 118).

[61] Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln ist hebräischen Ursprungs (vgl. schon m. „Vorbemerkung“, S. 9). Während für Bomm = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen teils Wörter eines anderen Stammes eingetreten (so für abgeholcht, holchen, Jamm, mich kohlert, malochen, Mogumle, Palar), teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der Form geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für Baiser, Mahlbosch, schornen). Als doch nicht völlig veraltet erscheinen nach dem Vokabular selbst: Fehma = Hand und Schofelkitt = Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter „Arrest“); zopfen ist zwar im Wörterbuch für „stehlen“ nicht erwähnt, dagegen findet es sich unter „erwischen“ sowie in der Zusammensetzung herauszopfen = herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete Subst. Zopferei = Diebstahl. Auch Schücksel für „Mädchen“ fehlt im W.-B., aber unter „Hure“ ist die Verbindg. schofle Schüx (also unverkleinert) angeführt. Daß Mochum (statt des älteren Mokem) noch jetzt sowohl „Stadt“ wie „Dorf“ bedeuten soll, ist aus dem Glossar nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form Mocham) nur unter „Dorf“ — nicht auch unter „Stadt“ — aufgeführt ist. Das vom Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte Rawine = Leiter habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form und Bedeutung auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis von Wittich selber nicht mit aufgenommene veraltete oder in der Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere Bemerkungen gegeben.

[62] Das Stammwort holchen (= gehen) findet sich (in dem bes. verwandten Quellenkreise) schon im Dolm. der Gaunerspr. 92, ferner im W.-B. des Konst. Hans 255 (= laufen, springen; vgl. 260: abg’holcht), bei Schöll 271, 272 (= laufen, gehen) u. im Pfulld. J.-W.-B. 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (hulchen = springen). Zur Etymologie des (schon bei G. Edlibach um 1490 [20] in der Form alcha bezeugten) Wortes (vom hebr. hâlak) sowie über weitere Belege s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.

[63] S. Näh. im W.-B. unter „davongehen“.

[64] S. Näh. im W.-B. unter „Gasthaus“.

[65] Übereinstimmend schon: Dolm. der Gaunerspr. 99 u. W.-B. des Konst. Hans 256; im Pfulld. J.-W.-B. 346: Bum u. noch in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 75: Pumps (od. Pummerkessel). Zur Etymologie (Abkürzung nach den Anfangsbuchstaben von Bores-Medine u. ähnl. [d. h. „Land der Kühe“] aus hebr. pârâ[h], jüd. pôrô = „Kuh“ und medînâ[h] = „Landschaft, Gerichtsbezirk, Provinz“) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter „Pumser“) u. Anm. 1.

[66] S. Näh. im W.-B unter „Hand“.

[67] S. im W.-B. unter „Daumen“.

[68] Vgl. oben Anm. 62.

[69] S. im W.-B. unter „abgehen“.

[70] Übereinstimmend schon: Dolm. der Gaunerspr. 100, W.-B. des Konst. Hans 256, 257 u. Schöll 271; vgl. Pfulld. J.-W.-B. 339 (Jum [wie auch schon im Basl. Gloss. v. 1733 [202]). Dagegen hat auffälligerweise in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u. Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. Rabben 65 u. Ostwald (Ku.) 71]) das Dimin. Jämchen (od. Jem[m]chen) die Bedeutung „Jahr“ (daher z. B. ein Jemmchen abreißen = ein Jahr im Gefängnis zubringen [Ostw., a. a. O.]). Zur Etymologie (vom hebr. jôm = „Tag“) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter „Jomschmi[e]r[e]“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter „Jam“), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei Jämchen keine Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Verquickung von Jamm = Tag mit Jann = Jahr (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl. Näh. im W.-B. unter „alljährlich“), vielleicht aber als bloße Entstellung des Auslauts von „Jahr“ anzusehen ist. Auf gleiche Weise könnte ev. auch Jämchen selber entstanden sein.

[71] S. Näh. im W.-B. unter „alltäglich“.

[72] S. dazu schon Dolm. der Gaunerspr. 94 (es kollert mich = es hungert mich); W.-B. des Konst. Hans 258 (es kohlert mi); vgl. auch Schöll 272 (Koler = Hunger, kolerig = hungrig); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (Kolter = Hunger; kolderig = ausgehungert, kolterik = hungrig). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter „koldere[n]“), vbd. mit Sp. 575 (unter „kolderig“) und Sp. 574 (unter „Kolder“) dürften die Vokabeln in Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. cholera = „Galle“, wozu auch das nhd. „Koller“ gehört (vgl. darüber Weigand, W.-B. I, Sp. 1095/96). Dagegen ist in Kohldampf u. ä. = Hunger (vgl. Schütze, S. 75, 76), das auch der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. (71) sowie der pfälz. u. schwäb. Händlerspr. (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. Fischer, a. a. O., Sp. 574; vgl. auch Weber-Günther, S. 191.

[73] S. im W.-B. unter „Abendessen“.

[74] S. unter „Frauenrock“.

[75] Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung nur aufzufassen als eine Kürzung von schiebes malochen (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im W.-B. des Konst. Hans vorkommt (258: Jetzt maloch i’ schiabes = jetzt gehe ich fort). Zur Etymologie von malochen (aus dem hebr. melâ’kâ[h] = „Arbeit, Verrichtung“) s. Groß’ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.

[76] S. über schiebes: oben S. 26, Anm. 63, über bosten: oben S. 26, Anm. 69.

[77] S. unter „Dorf“.

[78] S. unter „Stadt“.

[79] Übereinstimmend hiermit hat schon das W.-B. des Konst. Hans 256, 257 (in den „Schmusereyen“) Palar u. Balar = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur Ballar anführt, das auch der Dolm. der Gaunerspr. 91 hat; ganz ähnlich ferner Schöll 272 u. das Pfulld. J.-W.-B. 339 (Balar) sowie andere Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. Grolman 5 u. T.-G. 90). Die Etymologie bleibt (nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 581) „unklar“. Einen Zusammenhang mit dem für „Wald“ vorkommenden kundensprachl. Ballat (s. z. B. Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder Ballert (s. dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu gewagt.

[80] S. Näh. unter „Bauerndorf“.

[81] S. Näh. unter „Abort“, „arg“ und „Arrest“.

[82] S. im W.-B. „Arrest“, vgl. auch „Gefängnis“ und „Zuchthaus“; unter letzterem Wort ist jedoch Dofes nicht angeführt.

[83] S. unter „ausstehlen“.

[84] S. Näh. unter „Hure“.

[85] S. unter „Beischläferin“.

[86] S. unter „Diebstahl“.

[87] S. unter „anfassen“.

[88] S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.

[89] S. Näh. im W.-B. unter „Branntwein“ und „Apfelwein“. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das Pfulld. J.-W.-B. (338 u. 346).

[90] S. Näh. unter „Bürgermeister“.

[91] Mit dieser Bedeutungserweiterung ist das Jenische wieder zu dem Begriffe des hebr. Stammwortes zurückgekehrt; s. schon oben „Vorbemerkung“, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das W.-B. unter „besonnen“.

[92] Zwis = zwei haben schon der Dolm. der Gaunerspr. 102, das W.-B. des Konst. Hans 256, 257 u. das Pfulld. J.-W.-B. 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits der Niedd. Lib. Vagat (78) kennt die Form swis. Vgl. dazu Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in dem schwäb. Quellenkreise bekannte) Zahlwort tribis oder dribis = drei.

[93] Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß ich es nach dem „deutsch-jenischen Wörterbuche“ (sowie nach einzelnen Stellen von Wittichs „Einleitung“) noch vervollständigt habe (es fehlten in ihm ursprünglich die Wörter Bellel, Gib, Loli [Lolo], Maro, Rat, schornen und Tschai); nicht darin aufgenommen sind dagegen die bloßen Ableitungen bogelich = gierig, lubnen = huren, matschen = fischen u. Matscher = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche Vokabeln, bei denen nur vermutungsweise auch zigeunerischer Ursprung angenommen werden könnte (wie z. B. bei Ki[e]bes = Kopf [s. Näh. unter „Angesicht“), Kritsch = Bürgermeister [s. d.] u. Toberich = Tabak, auch Pfeife [s. d.]). Zu Feneter u. Furschot ist zu sagen, daß sie zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter „Fenster“ u. „Gabel“), eigentlich aber natürlich, aus dem Französischen herstammen, von dem sie ev. auch direkt entlehnt sein könnten (vgl. „Vorbemerkung“, S. 10, Anm. 26). Lomel = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter „Klinge“). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der Wörter Bogeia u. Dibolde (statt zigeun.: Gogeia u. Bipolte) s. d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.

[94] Da Wittich die Zigeunerwörter durchweg in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch Jühling in Groß’ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen „alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache“ (vgl. „Vorbemkg.“ S. 2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls danach angeführt.

[95] S. das deutsch-jenische W.-B. unter der deutsch. Bedeutg.

[96] S. das W.-B. unter „Eber“.

[97] S. das W.-B. unter „anzahlen“.

[98] S. unter „Barchent“.

[99] S. „Appetit“.

[100] S. „anfragen“.

[101] S. „Axt“.

[102] S. „Abort“.