Inhaltsverzeichnis.
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| Vorwort | VII |
| Tiergestaltenverbesserer | 1 |
| Schämen sich manche Tiere? | 8 |
| Der Respekt der Raubtiere vor den Menschen | 15 |
| Können nur Herdentiere zu Haustieren gemacht werden? | 20 |
| Die angebliche Nervosität der Tiere | 27 |
| Gibt es Tiere, die sich spiegeln? | 33 |
| Tiere als Heuchler | 46 |
| Verstellungskünste bei Vogeleltern | 53 |
| Straußenpolitik | 58 |
| Wittern die Geier Tierleichen? | 64 |
| Die Schnepfe als angeblicher Mediziner | 70 |
| Sichtotstellen als Rettungsmittel | 73 |
| Das Wiedererkennungsvermögen bei Menschen u. bei Tieren | 76 |
| Anhang | 81 |
Vorwort.
Zu den vor zwei Jahren erschienenen Tierfabeln soll das vorliegende Buch eine Fortsetzung bilden. Was ich dort im Vorwort sagte, gilt auch hier: es sind nämlich nicht nur wirkliche Fabeln behandelt worden, sondern auch solche Fälle, deren Unwahrheit noch nicht völlig ausgemacht ist.
Ich hoffe, daß auch die vorliegende Arbeit dazu beiträgt, weiteren Kreisen Interesse für die meist so verkannte Tierwelt einzuflößen.
Wegen der Zuschriften und Kritiken verweise ich auf den Anhang.
Berlin W. 57, Ende Februar 1907.
Der Verfasser.
Tiergestaltenverbesserer.
Obwohl jeder, der sich eingehend mit dem beschäftigt, was die uns umgebende Natur an Tieren und Pflanzen geschaffen hat, m. E. beinahe täglich einen neuen Grund zu größerer Bewunderung findet, so fehlt es nicht an Leuten, die einen ganz entgegengesetzten Standpunkt einnehmen. Fast mit einer gewissen Geringschätzung sprechen sie von den geschaffenen Gebilden, die deutlich durchblicken läßt, sie selber hätten die Sache viel zweckmäßiger gestaltet. Namentlich zwei Tiere sind wegen ihrer angeblichen Unzweckmäßigkeit kritisiert worden, das Nilpferd und die Giraffe. Da ich nirgends gelesen habe, daß diesen tadelnden Urteilen widersprochen wäre, so sei es in nachstehendem gestattet, den Beweis zu liefern, daß die Sache sich denn doch nicht so einfach verhält, wie die gelehrten Herren Kritiker vermeinen.
Ich halte es nämlich für einen der verhängnisvollsten Irrtümer, der Natur ins Handwerk pfuschen zu wollen.
Über das Nilpferd schreibt ein berühmter Philosophieprofessor (Lotze, im Mikrokosmus, 2. Aufl. Bd. 2 S. 77): Wir bewundern die entsetzliche Stärke des Nilpferdes, aber in der Tat ist dies mehr eine zerstörende als eine arbeitende, und wir würden in Verlegenheit geraten, wenn wir entsprechend große Vorteile nachweisen sollten, die dieses schwierig verwendbare Kapital dem Tiere selbst in seinen natürlichen Lebensverhältnissen verschaffte.
Hierauf ist folgendes zu erwidern. Wenn der Hippopotamus nach dem Wunsche des Herrn Professors klein und zierlich gestaltet wäre, so existierte kein einziges Exemplar heute mehr. Ob das ausgewachsene Tier in seiner jetzigen Gestalt unter den Raubtieren Feinde hat, darüber streiten die Afrikareisenden. Brehm und andere verweisen die Kämpfe zwischen Löwen und Flußpferden in das Reich der Fabel, Bronsart von Schellendorf will selbst ein totes gesehen haben, das Wunden aufwies, die ihm ein Leopard, also ein viel kleineres Raubtier als der Löwe, zugefügt hatte. Für die Ansicht Bronsarts spricht der Umstand, daß die Nilpferde hauptsächlich in der Nacht ihr heimisches Element verlassen und weiden gehen, ferner daß die Eingeborenen versichern, es geschehe das aus Furcht vor einem Überfalle durch Löwen und Leoparden. Allerdings könnte man wieder einwenden, daß die beiden genannten Raubtiere mit Vorliebe in der Nacht auf Raub ausgehen, doch scheint ein Anschleichen bei der nächtlichen Stille schwieriger als am Tage zu sein. Überdies soll der Löwe zu dieser Zeit sein Kommen regelmäßig durch Brüllen anzeigen.
Wir können die Sache hier auf sich beruhen lassen, jedenfalls kann nicht der geringste Zweifel bestehen, daß der junge Hippopotamus ohne den Schutz der Mutter unfehlbar ein Opfer von großen Raubtieren, auch von wilden Hunden usw. werden würde. Aber selbst in seinem heimischen Element, wohin er sonst flüchten könnte, wäre er seines Lebens nicht sicher, denn ein junges Nilpferd würde allein in Kürze ein Opfer eines Krokodils werden. Dasselbe Schicksal würde ein ausgewachsenes Nilpferd erleiden, wenn es, wie der Kritiker wünscht, nur klein und zierlich wäre.
Sieht man von diesen Feinden ab, so kommt noch ein anderer Umstand hinzu, der ein kleines Nilpferd bei seiner Nahrungssuche gefährden würde. Bei seinen Weidegängen ebenso wie bei seinen Wanderungen nach anderen Flüssen und Seen stößt es in seiner Heimat häufig auf undurchdringliches Dickicht. Wäre das Nilpferd etwa von der Größe eines Hundes, so wäre es schlimmer daran als ein Mensch, der wenigstens mit Werkzeugen sich mühsam einen Weg bahnen kann. Gerade aber durch die Wucht ihres kolossalen Leibes können Elefanten, Nashörner, Kafferbüffel und ebenso auch unsere Nilpferde schnurgerade Wege oder Tunnels durch das dichteste Gestrüpp brechen. Dadurch werden sie zu Wohltätern für die Menschen, indem diese ihre Straßen gern benutzen. Die Afrikareisenden, namentlich v. Wißmann, heben diesen Umstand besonders hervor.
Ich glaube hiernach bewiesen zu haben, daß es vorläufig doch besser ist, wir überlassen die Schöpfung der Flußpferde der Natur und nicht unseren Gelehrten.
Auch den Elefanten hielt derselbe Professor für zu groß, doch brauchen wir hierauf nicht näher einzugehen, da alles, was vom Nilpferd gesagt ist, auch für das Rüsseltier zutrifft.
Was die Giraffe betrifft, so hat ein Kritiker (Wolfgang Kirchbach, im Zeitgeist 1902, Nr. 24) folgendes an ihr auszusetzen gehabt. Er betrachtete nämlich mit seinem Freunde die beiden Giraffen im Berliner Zoologischen Garten und sah, wie diese Tiere Heu fraßen, ferner, daß sie die Beine grätschen müssen, um frisches Gras vom Boden aufzunehmen. Er folgerte hieraus, daß der Hals dieser Tiere nicht zu lang, sondern vielmehr die Beine zu hoch geraten seien, oder daß der Rücken zu kurz sei. Indem er die Anpassungstheorie verwirft, setzt er seinem Freunde seine Theorie über die Giraffe auseinander, von der ich die markantesten Stellen in nachstehendem anführe. »Sie sehen, daß jedes Tier, Pferd, Ochse, Esel, alle vierfüßig laufenden Tiere zunächst so organisiert sind, daß sie mit dem Maul die Erde unter sich und mit ihren schlanken Affenhänden, Elefantenrüsseln und anderen Gliedmaßen auch Nahrung bis zu einer gewissen Höhe über sich erlangen können. Klettertiere wie Eichhörnchen und Affen kommen in diesem Verhältnis am höchsten. Unter ihnen zeichnen sich die Einhufer und Zweihufer durch Hälse aus, die so lang sind, daß sie trotz einer beträchtlichen Höhe des Rückgrats vom Boden doch auch, ohne die stehende Stellung, den Wandergang zu verlassen, den Boden abweiden können. Ein ganz bestimmtes Verhältnis der Halslänge zur Höhe der Vorderbeine und bis an die Schlüsselbeine ergibt sich daraus. So ist das Pferd zwar langhalsig, aber sein Hals ist nicht zu lang, sondern gerade lang genug, um den Boden zum Abweiden mit dem Maule zu erreichen; eine große Bequemlichkeit für diese Weidetiere, daß sie nicht erst niederzuknieen brauchen und mitten im Weiden, ohne zeitraubendes Aufspringen, auch gleich weiterlaufen können. Nun betrachten Sie die Giraffe! Ihr Hals ist eher etwas zu kurz geraten im Verhältnis zu ihren hohen Beinen, und wenn wir etwas an ihr zu lang fänden, so müßten wir uns zuerst fragen: Warum sind diese Beine so lang? Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, daß der Giraffenhals im Verhältnis zur Größe des ganzen Tieres durchaus nur der Länge eines Pferdehalses entspricht. Soweit er, nach unten gebogen, zu kurz scheint, ist in Erwägung zu ziehen, daß er gerade lang genug ist, um höher gewachsenes Gras, wie es in den Verbreitungsgebieten der Giraffe wächst, bequem zu erreichen. Wenn sie, um ganz kurzes Gras zu erreichen, die Beine etwas breit stellen muß, so ist das für die Erwerbung anatomischer Eigentümlichkeiten im Kampfe ums Dasein ein schlechtes Zeugnis, denn eigentlich müßten ihre Beine dafür allmählich durch Anpassung etwas kürzer geworden sein. Das ist ihnen aber gar nicht eingefallen.« Weiter heißt es:
»Wie wollen Sie also, mein Herr, behaupten, die Giraffe habe ihren allzu langen Hals durch ›Anpassung‹ im Lamarck-Darwinschen Sinne erhalten in Anbetracht der hohen Bäume, während ihr Hals einfach zu kurz ist? Und sie frißt ja Gras, mein Herr, es fällt der Giraffe gar nicht ein, nur vom Laube zu hoher Bäume zu leben; der Kampf um Erhaltung und Nahrung weist sie gar nicht darauf an, das Laub von Bäumen abzufressen. Womit ich Ihnen das beweise, mein Herr? Eben mit diesen beiden schönen Berliner Giraffen vor uns. Hier in diesem Antilopenhaus ist weder die berühmte Palme noch eine Acacia giraffae noch sonst ein Baum, den diese Giraffen abweiden, sie leben seit Jahren von Heu, Gras und anderen Futterdingen, welche in Ermangelung edler Giraffenbäume die Direktion des Zoologischen Gartens in hochherziger Weise diesen afrikanischen Persönlichkeiten zur Verfügung stellt. Daraus erkennen Sie klar, daß die Blätter hoher Bäume, besonders der Akazie, für besagte Giraffen nur eine gelegentliche Delikatesse sind, wie für jedes Pferd die Blätter vieler Bäume auch. Die Giraffen haben ihre langen Beine und Hälse nicht, weil sie genötigt sind, von hohen Bäumen zu fressen, sondern sie fressen davon, weil sie zufällig so lange Vorderbeine und Hälse haben, genau wie der Elefant mit seinem Rüssel sich auch aus beträchtlicher Höhe die schönsten Früchte bricht.«
Diese Deduktion hört sich sehr gelehrt an, basiert aber völlig auf Irrtum. Dabei wollen wir die Berechtigung oder Nichtberechtigung der Anpassungstheorie an dieser Stelle ganz auf sich beruhen lassen. Dem Kritiker genügt es, daß er Giraffen Heu fressen sieht, und sofort steht es für ihn fest, daß Baumlaub nur Leckerbissen für sie sind. Jeder Tierbeobachter weiß, daß sich Tiere in der Gefangenschaft an Dinge gewöhnen, deren ausschließlicher Genuß auf die Dauer ihren Tod herbeiführt. Gefangene Gemsen fressen ebenfalls unser gewöhnliches Gras, gehen dafür aber auch bald ein, weil ihnen die trockenen Alpenkräuter fehlen. Ausführlich hat sich über diesen Punkt Girtanner ausgesprochen (Der Zoologische Garten, Bd. 21, S. 1) und nachgewiesen, daß nur die unzweckmäßige Ernährung die Schuld daran trägt, wenn gefangene Gemsen so bald eingehen. Reicht man dagegen unserer europäischen Antilope Wildheu und namentlich Baumlaub, so kann man sie jahrelang in vorzüglichem Zustande erhalten. Es heißt bei ihm: »Für Gemsen in zoologischen Gärten des Tieflandes wäre heutzutage mit nicht allzuhohen Spesen Wildheu, wie es die Gemse liebt, in großen Quantitäten per Eisenbahn leicht zu verschaffen. Man muß dieses kurze, feine, mit seinem starken würzigen Geruch weithin duftende Heu nur kennen, um leicht zu begreifen, wie sehr die Gemse, weit von den Bergen entfernt, anders danach schnuppert und sich streckt, als nach dem schwachen geruchlosen Gewächs der Ebene. — Nur neben dem im Winter als Hauptsache verfütterten Heu dürfen ohne Nachteil Küchenabfälle, Kohl, Salat, Kartoffelhäute, Rüben usw. und nur in ganz kleinen Quantitäten gereicht werden, sind aber bei leichtesten Darmkatarrh-Erscheinungen auf längere Zeit zu entziehen. Werden sie hingegen, wie oft zu sehen, der Bequemlichkeit und Wohlfeilheit halber und gewöhnlich erst noch als einzige Abwechselung mit dem schädlichen, besonders jungen Gras gebraucht, so geht die Gemse den Weg alles Fleisches, nachdem zuerst das Fleisch in erstaunlich kurzer Zeit von der Gemse gegangen ist.«
Kühe kann man mit Fischen füttern, wir hatten einen Hund, der Obst fraß usw. Daraus folgt natürlich noch nicht, daß die Rinder Fleischfresser und die Hunde Vegetarier sind. Daß es in zoologischen Gärten so wenige Giraffen gibt, liegt nicht bloß an der Seltenheit der Tiere, sondern vornehmlich daran, daß gerade die Nahrung zu wünschen übrig läßt.
Wir haben noch ein anderes und zwar heimisches Tier, das ebenfalls Baumzweige und Blätter frißt, ich meine das Elentier. Obwohl es bei uns noch in Ostpreußen vorkommt, können sich gewiß nur wenige Leser entsinnen, jemals in einem zoologischen Garten ein Exemplar dieses Tieres gesehen zu haben. Hören wir, welchen Grund Brehm, der doch gewiß eine unbestrittene Autorität auf diesem Gebiete ist, hierüber sagt: »Leider ertragen die nach Europa gebrachten Giraffen die Gefangenschaft nur bei bester Pflege längere Zeit. Die meisten gehen an einem eigentümlichen Knochenleiden zugrunde, welches man ›Giraffenkrankheit‹ genannt hat. Ursachen der letzteren dürften Mangel an Bewegung und ungeeignete Nahrung sein. Nach den Erfahrungen, welche ich an Elchen gemacht habe, glaube ich, daß namentlich Gerbsäure dem Giraffenfutter zugesetzt werden muß, um ihr Wohlbefinden zu fördern; denn gerade die Mimosenblätter sind besonders reich an diesem Stoffe.«
Baumlaub ist also für die Giraffen kein Leckerbissen, sondern etwas Unentbehrliches. Schillings hat bei seinen zahlreichen Beobachtungen überhaupt niemals gesehen, daß die Giraffe freiwillig Gras frißt. (Mit Blitzlicht und Büchse S. 231.)
Zur Erreichung des auf dem Baume wachsenden Futters braucht die Giraffe ihren langen Hals und hohe Beine. — Ja, wäre es denn nun nicht besser, die Giraffe hätte kürzere Beine oder einen längeren Rücken, damit sie, ohne die Beine zu grätschen, bequem wie ein Pferd oder ein Rind grasen könnte? Darauf kann man nur mit einem entschiedenen Nein antworten.
Angenommen, die Giraffe könnte bequem grasen und Baumlaub wäre für ihre Gesundheit nicht notwendig — was ja leicht denkbar wäre — so ergäben sich folgende Konsequenzen.
In ihrer Heimat gibt es zahllose Antilopen-, Zebra-, Straußenherden, die alle auf Grasnahrung angewiesen sind. Grasten die Giraffen, so würden sie natürlich den Tieren, die Baumlaub nicht erreichen können, vielfach die unentbehrliche Nahrung fortfressen.
Ferner sei folgendes bemerkt: Die Giraffe ist eines der größten Tiere und wird von ihren Feinden, namentlich von Menschen und Löwen, schon aus weitester Ferne gesehen. Besonders würde das der Fall sein, wenn sie auf freier Ebene graste. Die Bäume dagegen gewähren ihr einen Schutz, der nicht hoch genug anzuschlagen ist.
Wir wollen über diesen Punkt v. Wißmanns Ansicht hören. In seinen afrikanischen Jagderlebnissen heißt es: Diesmal traf ich das wundervolle Wild in einem lichten Hochwald, der aus Bäumen bestand, die ich noch nicht gesehen hatte — ganz helle, ebenfalls fleckige Stämme, die der Giraffe durch gleiche Färbung denselben Schutz gewähren wie Mimosenwälder.
Ferner kommt folgendes in Betracht.
In die weiten wasserarmen Wildnisse, welche die Giraffe bevorzugt, kommen Europäer äußerst selten, und diese Gelände sind nicht offene, weit übersichtliche Steppen, sondern lichte, weite, meist aus Akazien bestehende Wälder, die der Giraffe Äsung bieten und die sie dem Auge verbergen. Es gehört schon Übung dazu, sie zwischen den gefleckten Akazienstämmen und anderen, meist hell gefärbten Bäumen herauszufinden, wenn sie sich nicht bewegt.
Schließlich noch eins. In meinem Buche: »Ist das Tier unvernünftig?« habe ich ausführlich dargetan, daß alle Geschöpfe mit guten Augen — wie auch der Mensch — nicht wittern können, also z. B. Affen, Vögel, daß umgekehrt alle feinnasigen Tiere wie Hunde, Hirsche usw. schlecht sehen können. Die Giraffe gehört zu der ersten Klasse; wie schon ihr wundervolles Auge anzeigt, kann sie ausgezeichnet sehen, vermag aber nicht zu wittern.[1] Das kann man z. B. daraus deutlich erkennen, daß sie Damen die künstlichen Blumen vom Hute genommen hat, was kein feinnasiges Tier jemals tun würde. Jetzt, wo es nach dem Wunsche der Natur geht, holt sie ihr Futter von hohen Bäumen und hat während des Fressens von ihrer turmartigen Höhe einen unendlich weiten Gesichtskreis. Ginge es nach dem Herrn Kritiker, so weidete sie, hätte ihren Kopf zur Erde geneigt und könnte naturgemäß unendlich leichter beschlichen werden.
Auch hier wollen wir uns auf v. Wißmann berufen. Er sagt darüber folgendes: Schwierig ist die Jagd auf dieses Wild, denn die enorme Höhe des Lichtes über dem Boden erlaubt ihm nicht nur einen weiten Umblick, sondern auch Einblick in niedrige Dickungen, die sein Feind zum Anschleichen benutzt. — Das Auge ist nicht allein der schönste Schmuck der Giraffe, sondern auch ihr schärfster Sinn, ihre beste Waffe im Kampfe ums Dasein.
Also vorläufig wollen wir Nilpferde und Giraffen lieber so lassen, wie sie geschaffen sind, und sie nicht nach den Wünschen mehr oder weniger gelehrter Kritiker ummodeln.
[1] Es liegt ein Mißverständnis vor, wenn Schillings (a. a. O. S. 239) annimmt, ich behaupte, Giraffen könnten nicht riechen. Sicherlich könnten sie ebenso riechen wie der Mensch, aber beide vermögen nicht zu wittern wie der Hund und andere Nasentiere.