Selbst die Königs- und Universitätsstadt Königsberg misst sich kaum mit mancher Stadt von 20–30000 Einwohnern hinsichtlich graphischer Produktion. Erst 1523 war die Druckerei dort durch Hans Weynreich eingeführt, dessen Offizin nach vielen Wandlungen zur Zeit des dritten Jubelfestes in den Händen Joh. Fr. Reussners war.
Das bedeutendste Geschäft ist das von Joh. Heinr. Hartung, durch Übernahme der J. Stelteschen Buchdruckerei 1732 gegründet. Durch Umsicht und Unermüdlichkeit erwarb sich Hartung allgemeines Ansehen. Die Stände von Livland und Kurland übertrugen ihm den Druck der lettischen Bibel und der cyrillischen Postille; für erstere erhielt er 7000 Thaler. Neben seiner Buchdruckerei trieb er bedeutenden Verlags- und Sortimentshandel und sein 1746 erschienener Sortimentskatalog war über 400 Seiten stark. In Leipzig hatte er während der Messe offenes Gewölbe. Zu seinem grossen Geschäft erwarb er noch die erwähnte Reussnersche Hof- und akademische Buchdruckerei. Er verschied in Leipzig 1756 während der Ostermesse.
Nachdem sein ältester Sohn bereits 1759 gestorben war, übernahm 1763 der jüngere Gottlieb Leberecht Hartung das Geschäft, nach dessen Tode dirigierte es seine Witwe Sophie Charlotte mit Mut und Ausdauer, bis sie es 1817 ihrem Sohne Georg Friedrich Hartung übertragen konnte. Die von Hartung herausgegebene „Königsberger Zeitung“ ist eine der ältesten Deutschlands und ihre Geschichte lässt sich bis auf das Jahr 1640 verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmückende preussische Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808 hatte die Zeitung eine grössere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der Nähe um Königsberg geführt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen Gefahren ausgesetzt wurde.
Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Königsberg war, geht aus den Aufzeichnungen über die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehülfen und 28 Lehrlingen auf; da die Hartungsche Druckerei 20 Gehülfen und 7 Lehrlinge beschäftigte, so kommen auf sechs Druckereien 25 Gehülfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa 100 Personen.
Von Königsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. Kanter nach Marienwerder als Hofbuchdrucker berufen, um die königlichen Arbeiten zu liefern; die Offizin besteht noch heute Danzig.mit 5 Schnellpressen. In Danzig sind die bedeutendsten Druckanstalten die von Jul. Sauer und von A. W. Kafemann, letztere ist Stettin.zugleich mit Schriftgiesserei verbunden. Stettin hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige Firma H. G. Effenbart beging 1879 ihr 300jähriges Jubiläum. Noch um zwei Jahre älter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H. Hessenland. R. Grassmann, zugleich Schriftgiesserei, beschäftigt elf Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter.
In Rostock besteht die Offizin von Adlers Erben (6 Schp.) seit 1635. Ausser in Rostock hat D. C. Hinstorff, bekannt als der Verleger und Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschäfte in Wismar (5 Schp.) und Ludwigslust. Die grösste Druckerei Schwerins ist die von W. Sandmeyer (8 Schp.).
Neuruppin kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma Gustav Kühn arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen Zahl von Hülfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden. Oehmigke & Riemschneider beschäftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter hauptsächlich mit den bekannten Bilderbogen.
Lübeck verlor seine Bedeutung, die es in der früheren Periode eine zeitlang hatte, und auch Hamburg nimmt nicht eine solche Stellung ein, wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevölkerung nach, zweiten Stadt des Reiches erwarten könnte. Vielleicht wären seinerzeit die Bemühungen des Friedr. Andreas Perthes, Hamburg zu einem Emporium des buchhändlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen, wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet hätte[231]. Nur für den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in neuerer Zeit ist es Sitz einiger grösserer Verlagshandlungen geworden.
Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten.
Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter Deutschlands unter seinen Buchdruckern zählen. Eine zeitlang war nämlich Lessing Associé des Buchdruckereibesitzers Joh. Joach. Christ. Bode. Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt und Lessing trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius ein. Die „Hamburgische Dramaturgie“, die „Antiquarischen Briefe“ und die Abhandlung „Wie die Alten den Tod gebildet“ sind von den eigenen Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten Gelehrten mit lohnenderem Ertrage für Verfasser und Verleger zu veröffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, für das geplante „Deutsche Museum“ seine „Hermanns Schlacht“ und Gerstenbergs „Ugolino“ herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so dass der eigentümliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten für Lessing aufgelöst, dessen finanzielle Bedrängnisse, welche seinen Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzögerten, jedenfalls zum grössten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind.
Das grösste der heutigen Etablissements ist das von J. F. Richter (2 Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu nennen die Aktiengesellschaft Neue Börsenhalle, welche die „Börsenhalle“ und den „Correspondent“ druckt, Hermanns Erben (1 Rotm., 6 Schp.), Diederich & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. Adler verbindet mit Buchdruckerei und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschäft mit Lehrmitteln. F. Schlotke wurde schon in dem Kapitel über Maschinen erwähnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des „Journal für Buchdruckerkunst“ (S. 356).
Das holsteinische Städtchen Itzehoe besitzt die bedeutende Buchdruckerei von G. J. Pfingsten, dessen weitverbreitete „Itzehoer Nachrichten“ namentlich vor und während der dänischen Kriege einen grossen Einfluss übten.
In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden Wandsbeck hat die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz aufgeschlagen. Gustav W. Seitz lernte erst als Setzer, versuchte sich dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er später in München seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft. Nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig Handpressen zu beschäftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in dem äussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von Süs, „Der erste Gedanke“, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz der Abmahnungen des Künstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollständigen Sieg. Unter seinen vielen Blättern ist der grosse Aquarelldruck „Auroras Triumphzug“ nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung.
Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch Schrauben verstellbaren Stäben angebracht war, durch stärkere Anspannung resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrössern oder zu verkleinern. In dieser veränderten Gestalt wurde dann das Bild auf einen Stein übertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grössen ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natürlich auf die ganz verhältnismässig richtige Vergrösserung oder Verkleinerung nach Höhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen ebenso viele Steine gehören, im vollkommensten Passen der Umränderungen hergestellt werden können.
In Wandsbeck übte um 1875 Otto Radde (durch Mühlmeister & Johler dort, später in Hamburg) ein eigentümliches Verfahren, um Öldruckbilder herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstückchen zu einem Mosaikbild gefügt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben mittels Blechschablonen in die nötigen Formen gebildeten Blöcke in einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein Öldruckbild, das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler Liepmann in Berlin lieferte 1842 einige recht hübsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung. Auch ein Engländer, J. M. Johnson, hatte es geübt, um Landkarten zu illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander übergehen müssen. Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie) ist es ganz still geworden.
Die Handelsstadt Bremen ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender Verlagsplatz geworden, deshalb beschränkten sich die Buchdruckereien hauptsächlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grössten Offizinen sind die von C. Schünemann (9 Schp., 120 Arb.), welche die „Bremer Nachrichten“ und die „Weser-Zeitung“ druckt, und Gebr. Hauschild, die hauptsächlich Accidenzarbeiten liefern.
In Oldenburg sind G. Stalling und die Schulzesche Hofbuchdruckerei, je mit 4 Schnellpressen, thätig. In dem kleinen Detmold besteht seit 1570 die Meyersche Hofbuchdruckerei, welche, jetzt mit Steindruckerei verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hält.
In Hannover findet eine rege Druckthätigkeit hauptsächlich für Zeitungs- und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz für die Herstellung von Handlungsbüchern geworden. Obenan in letzterer Richtung stehen J. C. König & Ebhardt mit 29 Schnellpressen, darunter 14 für mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12 Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hülfsmaschinen und einem Personal von 350 Köpfen. Auch Edler & Krische (10 Schp., 200 Pers.) und die Hannoversche Geschäftsbücherfabrik arbeiten in ähnlicher Richtung, während R. Leunis & Chapman die Handeltreibenden mit Tüten und ähnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschäftigen.
Die Gebr. Jänecke (als Farbenfabrik Jänecke & Schneemann S. 319) gaben ihrem Druckgeschäft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.), sowohl als Zeitungsdruckerei („Hannöverscher Courier“) wie als Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner Klindworths Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die Schlütersche Buchdruckerei (2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die Hahnsche Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Königreichs in den Händen. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. — Die Universitätsstadt Göttingen hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung gehabt.
Münster, in der Zeit der Humanisten ein so wichtiger Platz (I, S. 51), macht sich wie Paderborn und Trier (Fr. Lintz, 7 Schp.) hauptsächlich nur durch seinen streng katholischen Verlag bemerkbar. Oberhausen verdient Erwähnung als der erste Platz in Deutschland, wo die Rotationsmaschine (durch A. Spaarmann) eingeführt und zum Bücherdruck verwandt wurde. In Minden liefert E. C. Brunn (6 Schp.) namentlich Post- und merkantile Arbeiten.
G. D. Bädeker in Essen beschäftigt 150 Arbeiter und zehn Schnellpressen, die Bädekersche Buchdruckerei in Elberfeld 6 Schnellpressen namentlich mit Eisenbahnarbeiten; daselbst drucken auch S. Lucas mit 14, R. L. Friderichs mit 10 Schnellpressen.
L. Schwann übersiedelte von Neuss nach Düsseldorf und errichtete dort eine grosse Offizin (10 Schp., 120 Arb.), welche namentlich bedeutende Accidenzien in Chromoxylographie liefert. Dass Düsseldorf als Sitz der berühmten Kunstschule sich auch im Kunstverlag auszeichnet, ist fast selbstverständlich. Als Kunstdruckerei hat L. Baumann, früher Arnz & Co., einen Ruf; die „Düsseldorfer Monatshefte“ waren weltbekannt. A. Bagel, früher in Wesel, hat eine sehr bedeutende typographisch-lithographische Anstalt (21 Schp., 150 Pers., Papierfabrik) und liefert namentlich Arbeiten für Schulen, Bilderbücher u. dgl.
Bonn gehört zu denjenigen Universitätsstädten, wo namentlich der orientalische Druck gepflegt wird, besonders durch die Druckerei von C. H. Georgi.
Köln, im frühen Mittelalter die berühmte hohe Schule der Wissenschaft und der Typographie, von wo aus das Licht Gutenbergs über die Niederlande und den Norden ausgegangen war, lieferte später nur ultramontane Schriften und musste sogar seinen berühmten Namen zur Einschmuggelung verbotener oder gar schmutziger Bücher hergeben, die überall hin mit der Firma „Peter Hammer“ oder „Pierre Marteau“ und Druckort Köln verbreitet wurden.
Von den Offizinen hat die der Verlagshandlung J. P. Bachem in der katholischen Welt eine grosse Bedeutung und druckt mit ihren 9 Schnellpressen mehrere Zeitschriften und Zeitungen mit katholischer Richtung. Die Langensche Buchdruckerei beschäftigt 16 Schnellpressen, die von W. Hassel 10.
Am öftesten wird jedoch in der neuern typographischen Geschichte Köln auf Grund der Offizin der Kölnischen Zeitung genannt, mit der auf dem Kontinent nur die der Wiener „Neuen Freien Presse“ in den technischen und redaktionellen Einrichtungen wetteifern kann.
Bereits 1651 gab es zu Köln eine Zeitung, die als Stammmutter der jetzigen „Kölnischen Zeitung“ zu betrachten ist: die im Besitz von Franz Köntgen erscheinende „Postamts-Zeitung“, welcher er den Namen „Kölnische Zeitung“ gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin, die von Gereon Arnold Schauberg bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts gegründet war[232].
Als Schauberg das Blatt von Köntgen erwarb, hatte es eine Auflage von 250 Exemplaren. Der frühere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte monatlich ein halber Thaler zugelegt werden.
Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die „Kölnische Zeitung“ auf Marcus Du Mont über, welcher sich in demselben Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Köln schmachtete damals wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die „Kölnische Zeitung“ 1809 einfach zu erscheinen aufhören. Der Kaiser entschädigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000 Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der Zeitungsstempel in Preussen eingeführt wurde, hatte es bereits über 2000 Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre 1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte, allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die „Kölnische Zeitung“ ist heute ein Weltblatt und druckt täglich eine Auflage von 30 bis 40 tausend Exemplaren.
Unter solchen Verhältnissen wurden die Lokalitäten mehrmals zu enge und im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von über 300000 Mark in der Breitenstrasse ein höchst zweckmässiger Neubau, der am 26. September 1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrössert wurde. Das erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar 1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint.
Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brüder Joseph und Michael Du Mont das Geschäft im alleinigen Besitz und zwar übernahm Michael die Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits am 3. März 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern sowie seinem treuen Freunde und Associé Wilhelm Ferdinand Schultze aus Magdeburg, welcher 1844 in das Geschäft getreten war, das umfangreiche Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von Berlin, nachdem bereits früher der Telegraph in grossartiger Weise benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen die Kosten für Telegramme 25000 M. und öfters wurden mehr als 20000 Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen.
Nachdem die „Kölnische Zeitung“ mehrmals ihre Pressen durch neue verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen, und zwar von König & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen Exemplare liefern stündlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren für diese und noch für 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen. 1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben beschäftigt. Reich dotierte Kranken- und Unterstützungskassen sind mit der Offizin verbunden.
Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ältesten Sohnes Josephs, starb am 30. November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens ausgerüstete W. F. Schultze, der ausserordentlich viel dazu beigetragen hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der erwähnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird.
Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse zu würdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Köln die Offizin der „Kölnischen Zeitung“ unbesucht lässt. So erschien eines Nachmittags im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der Redacteure, Hermann Grieben, einige begrüssende Zeilen, die, in wenigen Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berühmten Besucher überreicht wurden; sie mögen hier einen Platz finden:
Fußnoten:
[223] Aug. Potthast, Die Abstammung der Familie Decker. Berlin 1863. — Börsenbl. f. d. d. B. Januar 1877. — Ann. d. Typ. 1877, Nr. 388.
[224] Durch eine mit allerhöchster Erlaubnis dem Buchhändler Rud. Wagner in Berlin gestattete Ausgabe der Holzschnitte, welche ganz vorzüglich in der Staatsdruckerei ausgeführt wurde, sind diese glänzenden Schöpfungen Menzels dem Publikum seit dem Jahre 1882 zugänglicher geworden.
[225] Die letzte Wandlung der Anstalt wird weiter unten zu behandeln sein.
[226] J. Fr. Unger, Denkmal eines Berlinischen Künstlers und braven Mannes, von seinem Sohne. Berlin 1789.
[227] J. Fr. Unger, Probe einer neuen Art deutscher Lettern. Berlin 1793. — Die zweite Probe erschien unter der Form: „Die neue Cäcilia“, 1794. Unger schrieb ferner: „Etwas über die Holz- und Formschneidekunst“.
[228] Schrieb flüchtige Blicke auf die letzten 40 Jahre der Buchdruckerkunst. Berlin 1840.
[229] Geschichte der seit 300 Jahren in Breslau befindlichen Stadtbuchdruckerei. 1804.
[230] Geschichte der Buchdruckerkunst in Königsberg. 1840.
[231] Clemens Th. Perthes, Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.
[232] Geschichte der „Kölnischen Zeitung“ und ihrer Druckerei. Diese wahrhaft prächtige Gelegenheitsschrift erschien anlässlich der Gewerbe-Ausstellung in Düsseldorf 1880, wo M. Du Mont-Schauberg eine komplette Zeitungsdruckerei mit Rotationsmaschine ausgestellt hatte. Das Werk enthält höchst interessante Beiträge zur Geschichte der Zeitungen, zeichnet sich daneben durch eine fast beklagenswerte Abwesenheit alles und jeden Hervorhebens der leitenden Persönlichkeiten aus.
Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. Die illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u. a. Die Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen. München: Aufschwung aller graphischen Künste, Kasp. Braun, Fr. Hanfstängl, J. Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg. Regensburg. Augsburg. Rheinische Städte. Frankfurt a. M. Mainz und das Einweihungsfest. Freiburg i. Br. Dornach: Ad. Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal, die Bibliothek.
Die Schweiz. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. Zürich: Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. Zollikofer. Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern.
NOCH vor Ablauf der vergangenen Periode hatten der Westen und der Süden Deutschlands ihr typographisches Übergewicht verloren. Die blühenden Hauptsitze der Buchdruckerei und des Buchhandels, Nürnberg und Augsburg, waren von ihrer Höhe zurückgegangen und wurden zu Anfang unseres Jahrhunderts bayrische Provinzialstädte, während die Hauptstadt Bayerns keine Anstrengungen machte, um ein Emporium des Bücherverkehrs in Süddeutschland zu werden, wie es wohl möglich gewesen, wenn Gutenbergs Kunst von oben dieselbe Unterstützung und Förderung gefunden hätte, wie die bildende Kunst. Der hohe Glanz Basels war hinfällig geworden; es blieb zwar eine sehr respektable schweizerische Universität, der europäische Ruf war jedoch dahin. Strassburg zählte seit seiner Überrumpelung durch die Franzosen im Jahre 1681 nicht mehr zu Deutschland und galt in jüngster Zeit mehr als Festung denn als Sitz der Wissenschaft und Kunst. Frankfurt am Main hatte als Bücheremporium längst Leipzig den Platz räumen müssen, war auch nicht bestrebt, wenigstens als Verlagsort, ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale zu legen, und die Heimat der Druckkunst, Mainz, hatte es nie versucht, die günstigen Antezedentien zu benutzen und die Erbschaft Gutenbergs im Geiste des Erfinders anzutreten.
Unter diesen Verhältnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert herein hauptsächlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar hauptsächlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst, verbunden mit Tüchtigkeit, kaufmännischer Klugheit und dem nötigen Mut „ins Zeug zu gehen“ gepaart.
Seinen ersten Ruhm verdankt Stuttgart, wie erwähnt, der Familie Cotta. Johann Friedrich Cotta, ein Urenkel des Begründers des Cottaschen Geschäfts in Tübingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universität, war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im österreichischen Reiterdienst gestanden und auch er fühlte Neigung für den Militärdienst und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tübingen als Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehörende Buchhandlung in Tübingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhändlerische Carrière zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und Mühen in Besitz des Tübinger Geschäfts und verband sich zuerst mit einem redlichen, aber für den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn. Dieses Geschäftsverhältnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelöst.
Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhältnis zu Goethe und Schiller, ein Verhältnis so schön, wie es zwischen Autor und Verleger nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes Pläne führten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verständigte sich Cotta mit Dr. Posselt über die Herausgabe der Allgem. Zeitung.„Allgemeinen Weltkunde“, aus der dann die „Allgemeine Zeitung“ entstand. Posselt erkannte jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach Augsburg verlegt und ging nunmehr gewöhnlich unter der Bezeichnung „die Augsburgerin“.
Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart über; der alte Adel wurde wieder aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf.
Es gelang Cottas Thätigkeit, Umsicht und Liberalität, nach und nach alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Für ein aufkommendes Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend für Cotta und seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: „Ich wünsche, Sie bestimmten das Honorar für die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften. Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der neben der Überzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar nie ein Äquivalent für die Arbeit sein könne, und dass mithin ein Akkord nie die Verbindlichkeiten des Buchhändlers in einem solchen Falle erschöpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre Freundschaft zu schätzen weiss“.
Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten Buchhändler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen aus damaliger Zeit war Dinglers „Polytechnisches Journal“. Von seiner Liebe zur Kunst geleitet gründete er in München eine grossartige Anstalt für Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grösserer die Kunst fördernder Werke: Gaus' Prachtwerk über „Nubien“; Platners topographisches Werk über „Rom“, das jedoch nicht zur Vollendung gelangte; Bröndsteds „Reise in Griechenland“; die Werke von Moritz Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a.
Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thätigkeit im Dienste des Vaterlandes und seine Vorzüge als Landwirt gehen über den Rahmen dieses Handbuches hinaus.
Sein Sohn Georg von Cotta fand ein zwar hochberühmtes, aber auch auf Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschäft vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten zu beseitigen, dabei doch vollständig im Geiste des Vaters fortwirkend. Im Jahre 1839 erwarb er das Göschensche Geschäft in Leipzig, wodurch er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in München und brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung. Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die Autoren war er äusserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel, auch wurde nicht immer die nötige Sorgfalt auf die Korrektheit und gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben gerufenen Zeitschriften hat die „Deutsche Vierteljahrsschrift“ besondere Bedeutung.
Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprägter Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die „Augsburger Allgemeine“ geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen Stempel aufdrückten (S. 398). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach München über.
Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschäft in den gemeinschaftlichen Besitz der Familie über. Die Firma Cotta war selbstverständlich diejenige, welche die grösste Einbusse durch den Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in München verkauft.
1879 übergaben Cottas ihre Buchdruckerei für zehn Jahre in Pacht an Gebrüder Kröner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der Firma um die Litteratur sind, so lässt es sich nicht leugnen, dass die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begünstigt wurde. Erst in späterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B. Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes Übersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a.
Ihre früheren, selbst die Prachtausgaben der deutschen Klassiker leiden an wesentlichen Mängeln. So sehr auch ihre sogenannten Schillerausgaben zur weitesten Verbreitung der besten Werke noch vor Ablauf der diesen gewährten Schutzfrist beigetragen haben, so wenig dienten sie, den Geschmack für hübsche Buchausstattung zu wecken. Dagegen muss in die Wagschale gelegt werden, dass nie ein Buch aus ihren Pressen hervorging, bei welchem die Spekulation über die Ehre der Litteratur ging.
Eine alte ehrenwerte Firma Stuttgarts ist die 1681 gegründete J. B. Metzlersche, die, was ein seltener Fall ist, sich in letzter Zeit vollständig verjüngt hat und kühn den Kampf mit den jungen frisch aufblühenden Firmen aufnehmen konnte. Im Jahre 1876 trennten sich die Besitzer Ad. Bonz und L. Werlitz. Letzterer setzte das Stammgeschäft fort, welches 1881 sein zweihundertjähriges Jubelfest feiern konnte.
Adolf Bonz ist als der eigentliche Stifter des Deutschen Buchdrucker-Vereins zu betrachten. Schon jahrelang vor dem Entstehen desselben hatte er für das Zustandekommen gewirkt. Seine grosse geschäftliche Erfahrung, sein reiches positives Wissen als studierter Mann und Jurist, verbunden mit einer grossen Klarheit und einer unerschütterlichen Ruhe, befähigten ihn ganz besonders zur Leitung grösserer Versammlungen, und er hatte gute Gelegenheit, dieses Talent bei zwei der schwierigsten Verhandlungen in dem Vereinsleben, dem Eisenacher Buchdruckertage am 10. März 1872 und der ausserordentlichen Generalversammlung zur Statuten-Revision in Frankfurt am Main am 14. und 15. September 1874, zu bewähren. Er war bei dem schweren Kampfe, um Stuttgart dem Vereine treu zu erhalten, stets das vermittelnde und versöhnende Prinzip[233].
Für den Aufschwung der Metzlerschen Buchdruckerei interessierte er sich lebhaft und es entstanden unter seiner Leitung mehrere schöne Illustrationswerke, als Scheffels „Trompeter von Säkkingen“; Scheffels „Bergpsalmen“ sowie dessen „Gaudeamus“ und „Juniperus“. Die nach dem Tode von A. Bonz entstandene neue Firma A. Bonz Erben strebt in ähnlicher Richtung und gehört zu denen, die allen ihren Druckwerken grosse Sorgfalt widmen und diese auf die ganze Einrichtung und die Behandlung des Formats ausdehnen.
Eine ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurückschauende Buchdruckerfirma ist die der Gebrüder Mäntler, jetzt Gebrüder Kröner. Durch ihre Illustrationsdrucke glänzt diese Firma als ein Stern erster Grösse, und kein Jahr vergeht, in welchem nicht Prachtwerke von Bedeutung, teils dem eigenen Verlage zugehörend, teils für fremde Rechnung gedruckt, ihre Pressen verlassen. Es seien darunter einige aus dem eigenen Verlage Kröners genannt: „Unser Vaterland“ in den verschiedenen Abteilungen: das bayrische Gebirge, Tirol, Steiermark, Nord- und Ostsee, Rheinfahrt; Jägers Wanderungen durch die Tierwelt. Eines der weniger bekannten und umfangreichen, „Hugdietrichs Brautfahrt“, dürfte in konsequenter und korrekter Durchführung als eine typographische Musterleistung bezeichnet werden.
Im Jahre 1879 nahmen Kröners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mäntlersche Buchdruckerei in das Cottasche Lokal übergesiedelt war, bietet sich das für den Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen eingerichteter und vollständig getrennt in einem Raum arbeitender Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine „zusammengeschmolzen“ werden.
Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort zu begründen. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die illustrierten Unternehmungen sich geradezu überstürzten, erwachte auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rührigen Verleger und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in Leipzig, bereitwillige Unterstützung bei den dortigen Geldmännern. Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung F. G. Franckh.zu setzen wussten, stand obenan F. G. Franckh. Unter der Firma „Verlag der Klassiker“ in Pforzheim, der 1839 in den Besitz von Dennig, Finck & Co. überging und nach Stuttgart übersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die hauptsächlich mit französischen Clichés illustriert wurden. Doch wagte man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen zu „1001 Nacht“ deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmückung einer französischen Ausgabe. J. Scheible brachte ein kleines „Universum“, C. Krabbe die Übersetzung von Swifts „Gullivers Reisen“ u. s. w.
Derjenige, welcher die grössten und andauerndsten Erfolge in dieser Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war Eduard Hallberger, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen Buchhandels und der neuen Typographie.
Hallberger trat zuerst in das väterliche Geschäft, gründete jedoch 1848 eine eigene Firma und übernahm 1850 die mit drei Schnellpressen arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 gründete er die Zeitschrift „Illustrierte Welt“; 1858 fasste er den Plan zu einem „Über Land und Meer.“grossen illustrierten Unterhaltungsblatt „Über Land und Meer“[234]. Hackländers Name als Redacteur war ein tüchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in Stuttgart geübt.
Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert von Gustav Doré, in zwei Ausgaben, für Lutheraner und Katholiken, einen hohen Platz ein. Sein Meisterstück ist jedoch „Ebers' Ägypten“.„Ägypten in Wort und Bild“ mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers. Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes Monument der graphischen Künste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Würdig schliesst sich an dieses „Palästina“.an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht: „Palästina“, zu welchem Werk England einen Teil des künstlerischen Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt wurden. Ein wichtiges Werk sind die „Klassiker der Musik“, herausgegeben von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die ägyptischen Romane von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter.