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Aristoteles' Poetik

Chapter 12: Register.
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About This Book

Credits: Alexander Bauer, Jana Srna and the Online Distributed Proofreading Team at https: //www. pgdp. net (This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Books project. ) Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1897 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert. Verschiedene Schreibweisen wurden nicht vereinheitlicht, sofern die jeweiligen Formen im Text wiederholt vorkommen.

Register.

Dieses Register ist ein Erklärungs-Behelf, der sich vorzugsweise an Namen von Personen und Schriften anlehnt. Auf die sonstigen Artikel wird in Anmerkungen unter dem Texte der Übersetzung verwiesen.

Abfahrt (der Griechen von Troia). a) S. 32. Ilias 2, 155ff. verhindert es nur Athenas Erscheinen und ihre Einwirkung auf Odysseus, daß das von Agamemnon in Versuchung geführte Griechenheer diese Probe schlecht besteht und an der Eroberung Troias verzweifelnd die Heimfahrt antritt.

b) (S. 54). Gemeint ist die angebliche Heimfahrt des Griechenheeres, das sich in Wahrheit nach Tenedos begab, um im gelegenen Augenblicke wieder nach Troia zurückzukehren und den in Sorglosigkeit gewiegten Feind zu überrumpeln. Wer ein solches Drama gedichtet hat, ist uns unbekannt.

Ägeus S. 64 s. Medea.

Ägisthos (S. 28). In welchem Lustspiele Klytämestra’s Buhle statt von Orestes getötet zu werden, schließlich dessen guter Freund ward, ist unbekannt, vielleicht in des Alexis, eines Dichters der mittleren Komödie, „Orestes“.

Agathon 448/7 geboren, geistvoller athenischer Tragödiendichter; auch Gesprächsperson des platonischen „Gastmahls“. Kaum 30 Verse von ihm sind uns erhalten. Der S. 40 und S. 64 angedeutete Ausspruch des Ag. lautet wie folgt: „Daß viel des Unwahrscheinlichen geschieht, Das eben möchte man wahrscheinlich nennen.“ Die nur hier erwähnte „Blume“ des Agathon kann kaum etwas anderes gewesen sein, als ein bürgerliches Trauerspiel (S. 20). Von einem Drama Agathon’s, in dem Achill’s Charakter geschildert war (S. 33), ist uns anderweitig nichts bekannt.

Aias-Tragödien (S. 39). Außer in dem erhaltenen sophokleischen Drama dieses Namens ward das Schicksal des Helden, der ob der im Streit um Achill’s Waffen erlittenen Kränkung dem Schwermut und schließlich dem Tode verfallen ist, noch mehrfach behandelt, so von Äschylos (in einer Trilogie), von dem jüngeren Astydamas, von Karkinos und Theodektes.

Alkmeon (S. 27 u. 30) lieferte den Stoff zahlreicher Tragödien. Er ward zum Muttermörder, indem er den Tod seines Vaters Amphiaraos rächen wollte, den die durch ein kostbares Geschmeide (das Halsband der Harmonia) bestochene Eriphyle zur Teilnahme am thebanischen Kriegszuge bewogen hatte, in welchem er sein Ende fand.

Amphiaraos (S. 36) Drama des Karkinos (s. d.). Wenn Amphiaraos (der im Kampfe gegen Theben von einem Erdspalte verschlungene und dann als Orakeldämon verehrte Held) in dem uns sonst unbekannten Drama das Heiligtum verlassen hatte, während die Bühnenvorgänge noch seine Anwesenheit darin voraussetzten, so kann dies nur dann dem Dichter entgangen und von den Zuschauern bemerkt worden sein, wenn der ihn darstellende Schauspieler mittlerweile in einer anderen Rolle die Bühne wieder betreten hatte.

Antigone, das bekannte Trauerspiel des Sophokles. Gemeint sind S. 30 hier V. 1231ff., wo ein Wächter berichtet, wie der über die Verurteilung seiner Braut ergrimmte Haemon gegen seinen Vater, den Fürsten Kreon, das Schwert gezückt hat, dem dieser jedoch auswich.

Ariphrades wird nur hier S. 51 genannt.

Astydamas (S. 30), der ältere der zwei Dichter dieses Namens, ein Urgroßneffe des Äschylos, von dessen „Alkmeon“ wir nur einen Vers besitzen. Der Bau des Dramas ist völlig unbekannt.

Badescene (der Odyssee) S. 34. Die alte Amme erkennt Odysseus, dem sie das Bad bereitet (Od. 19, 386ff.) an der Narbe jener Wunde, die ihm einst auf dem Parnaß (vgl. S. 18) der Zahn eines Ebers beigebracht hatte. Den Hirten zeigt Odysseus selbst jene Narbe, um sie von seiner Identität mit ihrem Herren zu überzeugen.

S. 58. In derselben Partie des Epos (Od. 19, 164ff.) stellt sich Odysseus der Penelope als ein kretischer Gastfreund ihres Gemahles vor und schildert dessen Gestalt und Tracht so getreu, daß der Bericht bei ihr vollen Glauben findet. Das ist nun, wie Aristoteles andeutet, ein Fall jenes fehlerhaften oder vielmehr übereilten Schließens aus der Wirkung auf die Ursache. Wäre der Fremdling — so etwa schließt Penelope — dem Odysseus, wie er vorgiebt, auf dessen Fahrt begegnet, so wüßte er ihn getreu zu schildern. Darum nimmt sie die Erzählung von jener Begegnung gläubig auf.

Bettlergang (S. 54). Gemeint ist ohne Zweifel das Abenteuer des Odysseus, der mit verunstaltetem Gesicht und in Lumpen gehüllt als Kundschafter Troia besuchte, wo Helena ihn erkannt hat. Wer dieses Thema dramatisch behandelte, ist unbekannt.

Chaeremon (S. 3 u. 56), tragischer Dichter, von dessen zum Teil nur zur Lectüre bestimmten Dramen, zu denen auch der „Kentauros“ gehörte, wir eine Anzahl Bruchstücke besitzen.

Chionides (S. 5), der älteste uns bekannte attische Lustspieldichter, soll nicht lange nach 500 seine Tätigkeit begonnen haben. Von ihm und seinem Nachfolger Magnes sind uns kaum ein Dutzend Verse erhalten.

Choëphoren (S. 35). In dieser äschyleischen Tragödie, dem Mittelstücke der „Orestie“ genannten Trilogie, erfolgt die Erkennung des Orestes dadurch, daß Elektra die Farbe der Haarlocke, die Jener am Grabe des Vaters niedergelegt hatte, mit der eigenen Haarfarbe und die Größe seiner Fußtapfen gleichfalls mit den eigenen vergleicht (168ff.), worüber schon Euripides in seiner Elektra (V. 530ff.) spottet.

Danaos s. Lynkeus.

Definition (die) des Menschen (S. 45): „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes zweifüßiges Lebewesen“ — auch anderwärts von Aristoteles als Typus eines einfachen Aussagesatzes verwendet.

Dikäogenes (S. 35), ein Dithyramben- und Tragödiendichter, dessen Stärke weniger im eigentlich Dramatischen als im lyrischen Beiwerke des Trauerspieles bestand. Vgl. Kyprier (die).

Dionysios aus Kolophon (S. 4), Zeitgenosse Polygnot’s, von dem er sich durch den Mangel an Idealität unterschied, was ihm den bezeichnenden Beinamen „der Menschenmaler“ eintrug.

Dithyrambos (S. 3 usw.), ein Lied, das von einem Chor unter Flötenbegleitung gesungen ward und ursprünglich die Schicksale des Dionysos, später auch jene anderer mythischer Gestalten zu ihrem Inhalte hatte. Aus ihm hat sich die Tragödie, gleichwie, da der den Weingott Dionysos umgebende Chor aus Satyren bestand, das Satyrspiel entwickelt. Doch erfuhr der Dithyrambos auch nachher noch selbständige Pflege (s. Kyklope, Philoxenos, Skylla, Timotheos).

Elektra (S. 58). Gemeint ist die in des Sophokles so benanntem Drama erfolgende fictive Meldung von dem Ende des Orestes durch einen Unfall, den er bei den pythischen Spielen erlitten habe. „Damals gab es noch keine pythischen Spiele“ (eingeführt Olymp. 48,3 = 586 v. Chr. Geb.), bemerkt schon ein antiker Ausleger des Dramas.

Empedokles aus Akragas in Sicilien (S. 2 usw.), Philosoph, geb. kurz vor 480 v. Chr. Geb. Von seinen Lehrdichtungen besitzen wir mehrere hundert Verse, teils aus den 3 Büchern „Über die Natur“, teils aus dem „Sühnungen“ genannten Gedichte.

Epicharm (S. 5) auf der Insel Kos geboren, in früher Jugend nach dem sicilischen (hybläischen) Megara gekommen, 486 in Syrakus. Fruchtbarer und gedankenreicher Komödiendichter, von dem wir eine große Zahl von Bruchstücken besitzen.

Erdgebornen (die) (S. 34). Woher dieser Vers (oder richtiger Versteil) stammt, ist unbekannt. Die böotischen „Sparten“, das aus der (von Kadmos ausgestreuten) Saat von Drachenzähnen entsprossene Geschlecht, sollen durch ein lanzenförmiges Muttermal ausgezeichnet gewesen sein.

Eriphyle s. Alkmeon.

Eukleides der alte (S. 50), eine nur aus dieser Stelle bekannte Persönlichkeit. Daß die Worte, in denen Eukleides die Licenz der poetischen Dehnungen und Kürzungen verspottet, diese dichterische Freiheit selbst parodieren, sagt zwar Aristoteles deutlich genug, ist aber bisher seltsamer Weise nicht bemerkt worden.

Eurypylos (S. 54), ein Bundesgenosse der Troer, den Neoptolemos im Kampfe tötet. Wer ihn zum Helden einer tragischen Dichtung gemacht hat, ist unbekannt.

Glaukon (S. 63). Ein auch aus Platon’s Gespräch Ion bekannter Homer-Erklärer, vielleicht identisch mit dem Verfasser eines Buches über Vortragskunst.

Hadesdramen (S. 39). Dergleichen waren der „Steinewälzer Sisyphos“ von Äschylos, der „Peirithus“ des Sophokles und andere mehr.

Haemon s. Antigone.

Hegemon von Thasos (S. 4). Von seinen parodistischen Dichtungen sind uns 21 Hexameter erhalten.

Hektor. Die Art seiner Verfolgung (S. 57 u. 60) durch Achill, der ihn dreimal um die trojanische Ringmauer jagt, während sein abwehrendes Kopfnicken genügen soll, um all die Tausende der Griechen von der Teilnahme an der Verfolgung zurückzuhalten (Il. 22, 205), ward von anderen antiken Homer-Erklärern als naturwidrige „Erfindung“ bezeichnet.

Helle (S. 31). Die überwiegende Sagentradition läßt Helle in jugendlichem Alter sterben. Daß sie dem Poseidon einen Sohn geboren hat, wird nur vereinzelt gemeldet. Von dem, was unser Text enthält, fehlt in der sonstigen Sagenüberlieferung jede Andeutung.

Herakleis (S. 18). Herakles-Dichtungen waren von Kinäthon (Mitte d. 8. Jahrh.), Peisandros (Mitte d. 7. Jahrh.), Panyassis (dem Oheim Herodot’s) und anderen bekannt. Von des Panyassis 14 Bücher umfassender Dichtung sind nicht ganz unerhebliche Überreste erhalten.

Hermokaikoxanthos (S. 46), ein aus drei Flußnamen: Hermos, Kaikos und Xanthos zusammengesetzter Personenname. Woher der neuerlich aus der arabischen Übersetzung mit Wahrscheinlichkeit wiedergewonnene Vers entnommen ist, wissen wir nicht.

Herodot (S. 19) aus Halikarnaß, dessen uns erhaltenes großes Geschichtswerk von Aristoteles, wie auch sein neuentdecktes Buch „Vom Staatswesen der Athener“ lehrt, trotz mancher dagegen erhobenen Ausstellungen in hohem Maße geschätzt ward und darum hier typische Verwendung finden konnte.

Hippias von Thasos (S. 62). Ein nur aus dieser Stelle und einem darauf Bezug nehmenden antiken Commentar bekannter Ausleger der homerischen Gedichte.

Ilias (die kleine) S. 54. Umfangreiche epische Dichtung des Lesches (7. Jahrh.), von der uns fast nichts erhalten ist. Von „mehr als acht“ Dramen spricht Aristoteles wahrscheinlich darum, weil der Stoff der letzten drei — mit „und“ angefügten — in diesem Epos nur mehr summarisch behandelt war, während erst die Iliupersis (das im sogen. epischen Cyklus zunächst folgende Heldengedicht) ihn breiter ausgeführt hat. So will er sagen, daß die Kl. Ilias streng genommen den Stoff zu acht, wolle man aber minder genau rechnen, zu mehr, nämlich eilf Dramen enthält.

Ilion’s Zerstörung S. 40 (Iliupersis), ein dem Milesier Arktinos zugeschriebenes Epos in zwei Büchern, das den Schluß des trojanischen Krieges schilderte. Uns ist eine Inhaltsangabe und wenige Verse davon erhalten. Ein also betiteltes Drama hat Iophon, der Sohn des Sophokles, gedichtet; es ist nichts davon erhalten. Die partienweise Behandlung der „Zerstörung Troias“ durch Euripides bezieht sich auf dessen verlorenes Drama Epeios und unter den erhaltenen auf die Hekabe und die Troerinnen.

Iphigenie (in Aulis) S. 32. Vgl. V. 1213ff. mit 1368ff. des euripideischen Dramas.

— — (in Tauri) S. 24 und 36. Die von Aristoteles gebilligte Erkennung der Iphigenie erfolgt in dieser Weise. Sie beschließt, den einen der beiden Ankömmlinge mit einem Brief an die Ihrigen in die Heimat zu entlassen und wiederholt für den Fall, daß der Brief unterwegs verloren ginge, seinen Inhalt mündlich (760ff.). Orestes hingegen beruft sich, um seine Identität zu erhärten, auf allerlei Gegenstände und Vorfälle im Elternhause (898ff.).

Ixion-Dramen (S. 39). Das Schicksal des gewaltigen Frevlers, der sogar nach der Himmelskönigin Hera die Hand auszustrecken wagte und ob dieser und anderer Missethaten schweren Unterweltstrafen verfiel, haben die drei großen Tragiker und überdies noch einige geringere Dramatiker behandelt. Von alle dem sind uns kaum 10 Verse erhalten.

Kallippides (S. 65), berühmter Schauspieler einer jüngeren Generation als Mynniskos, da er im xenophonteischen Gastmahl als Zeitgenosse des Sokrates erscheint.

Karkinos (S. 34), der jüngere dieses Namens, Tragödiendichter des 4. Jahrh. S. Thyestes.

Kentauros s. Chaeremon.

Kleophon (S. 4 u. 49) dem Zusammenhange nach, in dem er an erster Stelle erscheint, Verfasser epischer Dichtungen. Unklar, ob er mit dem Tragiker gleichen Namens identisch ist.

Krates (S. 10), attischer Lustspieldichter; sein erster Sieg 449. Obgleich der Zeit nach der sogenannten alten Komödie angehörig, erscheint er (von dem wir noch ein halbes Hundert meist kleinerer Bruchstücke besitzen) wie ein Vorläufer der mittleren und neueren Komödie.

Kreon s. Antigone.

Kresphontes (S. 30). Die ergreifende Scene des gleichnamigen euripideischen Trauerspieles, von dem uns ungefähr 30 Verse erhalten sind, hat noch zu Plutarch’s Zeit die stärkste Bühnenwirkung geübt. Polyphontes hatte den Gemahl der Merope getötet, den Thron und die Hand der verwitweten Königin gewonnen. Der im kindlichen Alter stehende Sohn Kresphontes wird von der Mutter heimlich ins Ausland geschickt. Herangewachsen kehrt er heim und giebt vor, den Kresphontes, auf dessen Kopf der Usurpator einen Preis gesetzt hatte, getötet zu haben. Es ward eine Scene herbeigeführt, in der die Mutter dem vermeintlichen Mörder ihres Sohnes gegenüber stand und schon das Schwert gezückt hatte, als der greise Begleiter des Jünglings ihr in den Arm fällt und die Erkennung vermittelt. Der Sturz des Polyphontes bildete den Schluß des Dramas.

Kyklope (der) S. 4. Solch ein Unhold hat im Gegensatze zu den übermenschlichen Göttern als ein gleichsam untermenschliches Sujet gelten können.

Kyprien (die) S. 54. Eine epische Dichtung des Stasinos (7. oder 8. Jahrh.), welche die Vorgeschichte des trojanischen Krieges behandelt hat. Ihren Inhalt kennen wir aus einigen umfangreicheren Bruchstücken und vielfachen Notizen der Alten. Darin fand sich auch jene Scene, auf die der Verfasser der Poetik S. 18 anspielt, daß nämlich Odysseus Wahnsinn heuchelte, um sich dem Heeresaufgebote gegen Troia zu entziehen, — eine Verstellung, der die auf des Palamedes Rat erfolgte Ergreifung und Bedrohung seines Söhnchens Telemach ein rasches Ende bereitete.

Kyprier (die) S. 35. Eine uns anderweitig völlig unbekannte Tragödie des Dikäogenes (s. das.). Wahrscheinlich war Teukros der Held des Stückes. Diesen hatte sein Vater Telamon verstoßen, weil er ohne seinen Bruder Aias von Troia zurückgekehrt war. In Kypros fand er eine neue Heimat und ist nach Telamon’s Tod nach Salamis zurückgekehrt. Beim Anblicke des Bildes seines Vaters mag er in Thränen ausgebrochen und also erkannt worden sein.

Laios s. Oedipus.

Lakonerinnen (die) S. 54. Diese bildeten den Chor eines sophokleischen Dramas, aus dem uns 5 Verse erhalten sind. Die Frauen scheinen zur Umgebung der Helena gehört zu haben. Den Gegenstand des Dramas bildete wahrscheinlich der Raub des heiligen Schutzbildes (des Palladions) von Troia durch Odysseus und Diomedes.

Lynkeus (S. 23 u. 39), eine verlorene Tragödie des Theodektes (s. das.), als deren Inhalt das folgende mit Wahrscheinlichkeit ermittelt worden ist. Hypermestra, eine der Töchter des Danaos, denen der Vater befohlen hatte, ihre Männer in der Hochzeitsnacht zu töten, hat ihren Gemahl L. verschont und ihrer heimlichen Ehe ist ein Knabe (Abas) entsprossen. Die Ergreifung dieses Kindes führt zur Entdeckung des Geheimnisses. Nun soll Lynkeus hingerichtet werden; allein im letzten Augenblicke findet (vielleicht infolge einer Volksempörung) ein Umschwung statt, der die Rettung des Lynkeus und die Tötung des Danaos herbeiführt.

Magnes s. Chionides.

Margites (S. 7f.). Ein altes parodistisches Gedicht, von dessen burleskem Inhalte wenige Verse und einige Nachrichten dürftige Kunde geben. Der Held war ein täppischer Gesell, der in jeder Lebenslage das mindest angemessene that. Als Verfasser dieses und mehrerer anderer Scherzpoeme hat dem Altertume Homer gegolten.

Medea S. 32. Der hier gegen die Lösung der also betitelten euripideischen Tragödie erhobene Tadel gilt dem Umstande, daß Medea, nachdem sie ihre Kinder und Kreusa, Jasons Braut, getötet hat, auf einem von ihrem Ahnen, dem Sonnengott gesandten Schlangenwagen entflieht. Unter dem Ungereimten S. 64 versteht Aristoteles das unvermittelte Erscheinen des Ägeus, der auf dem Wege von Delphi nach Trozen Korinth in dem Augenblicke betritt, wo Medea seines Schutzes bedarf. Die Episode, in der die beiden sich begrüßen und mit einander so vertraut verkehren, als ob sie sich nicht zum ersten Male erblickten, ward vom Dichter im Hinblick auf die Sage von ihrer späteren Vermählung eingeschaltet.

Megarische Komödie (S. 5). Authentische Überreste fehlen. Neuerlich ist die Vermutung aufgetaucht, daß die Gewohnheit attischer Lustspieldichter, plumpe und tölpelhafte Späße megarische zu nennen, den Glauben an die Pflege des Lustspieles daselbst erzeugt habe. Dem widerspricht jedoch eben die Art, in der hier Aristoteles von dem Anspruche handelt, den die Megarer selbst auf die Urheberschaft dieser Kunstgattung erhoben haben.

Melanippe (S. 32). Gemeint ist des Euripides Tragödie „Die weise Melanippe“, von der uns nur wenige Verse erhalten sind, darunter der Anfang der hier erwähnten langen Rede. Die Heldin des Stückes hat unvermählt dem Poseidon Zwillinge geboren, die sie im Rinderstall versteckt und von einer Kuh säugen läßt. Der Vater hält die Kleinen für eine Wundergeburt der Kuh und will sie um dieses ihres monströsen Ursprunges willen verbrennen. Da hält Melanippe, um ihre Sprößlinge zu retten, jene große Rede, die darthun sollte, daß kein in der Natur möglicher Vorgang als widernatürlich zu gelten habe.

Meleager (S. 27). Ein gleich Achill, an den er lebhaft erinnert, zu frühem Tode bestimmter, von gewaltiger Leidenschaft erfüllter Heros. Der Geliebte der kühnen Jägerin Atalante, der Sohn des Oeneus und der Althaea, der im Zornmute die Brüder seiner Mutter erschlägt und darob von ihrem Fluche getroffen wird, war der Held von Tragödien des Phrynichos („die Pleuronierinnen“), des Sophokles, Euripides und Anderer.

Menelaos s. Orestes.

Merope s. Kresphontes.

Mitys (S. 22), war nicht gar lange nach 400 zu Argos im Parteikampfe gefallen. Daß der Urheber seines Todes auf dem Marktplatze von Argos während einer Festfeier von der Statue seines Opfers erschlagen ward, lehrt Plutarch, Vom späten göttlichen Strafgericht, Cap. 8.

Mnasitheos (S. 65), anderweitig unbekannt.

Mynniskos (S. 65), berühmter Schauspieler, der in der Darstellung äschyleischer Rollen glänzte. Komiker haben ihn als Gourmand verspottet.

Myser (die) S. 58. Gemeint ist des Äschylos so betiteltes Drama, dessen Held Telephos zu Tegea in Arkadien seine Oheime erschlagen hatte und (wahrscheinlich vom Orakel dazu veranlaßt) nach Mysien wanderte, um sich dort von der Blutschuld reinigen zu lassen. In der Zwischenzeit mußte der Totschläger strenges Stillschweigen bewahren.

Neoptolemos (S. 54), Achill’s Sohn. Welches Tragikers Werk Aristoteles im Auge hat, ist uns völlig unbekannt.

Nikochares (S. 4) und seine „Deliade“ sind anderweitig unbekannt.

Niobe (S. 40). Da das bekannte Schicksal der Niobe keineswegs durch seinen Stoffreichtum der Behandlung in einer Tragödie widerstrebt, auch von einer epischen Darstellung des Themas nichts bekannt ist, so hat dieses Beispiel mit Recht Befremden erregt und den Verdacht einer Textverderbnis wachgerufen. Von Äschylos gab es übrigens eine Tragödie dieses Namens; daß zwei andere seiner Dramen diese Darstellung vervollständigt haben, ist ohne triftigen Grund vermutet worden.

Nomos (S. 3 usw.). Eine dem Dithyrambos verwandte Dichtungsart, in deren musikalischer Begleitung die Kithara allmälig das Übergewicht über die Flöte gewann.

Odysseus, der verwundete s. Telegonos.

— — in der Skylla s. Timotheos.

— —, der Trugbote (S. 36). Der Autor und Inhalt des Dramas gleich unbekannt. Mit Wahrscheinlichkeit läßt sich vermuten, daß in den im Texte geschilderten Vorgängen der schlaue Odysseus die Rolle des Täuschenden gespielt hat, während der Inhaber des Bogens ein Troer gewesen ist.

Ödipus S. 33 u. 58. Die außerhalb des Dramas liegende Ungereimtheit ist des Ödipus Unkenntnis der Art und Weise, wie sein Vorgänger Laios geendet hat. Nur diese an sich unglaubhafte Unkenntnis hat die Verwicklung herbeigeführt, die den Inhalt des Trauerspieles bildet.

Orestes. Die S. 32 und 64 erwähnte euripideische Tragödie hat folgenden Inhalt: Der als Muttermörder vor ein Volksgericht gestellte Held wird, da sein Oheim Menelaos ihn aus Feigheit verraten hat, verurteilt, will sich jedoch vor seinem Ende noch an des Menelaos Gemahlin Helena, als der Urheberin alles Übels, rächen; da diese von den Göttern entführt ward, wählt er ihre Tochter Hermione zu seinem Opfer. Da erscheint Apoll, um die Versöhnung der Streitenden und die Vermählung des Orestes mit keiner anderen als Hermione zu bewirken.

Pauson (S. 4), jüngerer Zeitgenosse Polygnot’s, überaus fruchtbarer Genremaler, von Aristophanes verspottet, von Aristoteles auch anderwärts getadelt.

Peleus (S. 39). Es ist wahrscheinlich das so betitelte Drama des Sophokles gemeint, dessen Inhalt wir kennen, wenn uns auch nur 10 wenig bedeutende Bruchstücke bekannt sind. Peleus, Achill’s Vater, war während der Abwesenheit des gewaltigen Sohnes aus seinem Reiche vertrieben worden, hatte seinem Enkel Neoptolemos zu begegnen gesucht und ist auf der Insel Kos, wohin er durch Sturm verschlagen war, gestorben. Ähnlichen Inhalt hatte des Euripides gleichnamiges Drama. Es waren Rührstücke, in denen die Gebrechen und die Hilflosigkeit des Greisenalters Stoff zu reicher Klage boten.

Peloponnesische Tragödie (S. 5). Jedenfalls waren Dithyrambos und tragische Chöre, ersterer um und bald nach 600 in Korinth, letzterer in Sekyon zu Hause. Auch Pratinas, ein Zeitgenosse des Äschylos, war zu Phlius im Peloponnes heimisch.

Perser (S. 4). Die einzige uns bekannte dithyrambenartige Dichtung (Nomos) mit historischem Sujet. Nur 3 Verse daraus erhalten. Ihr Verfasser Timotheos, s. das.

Philoktet (S. 51 u. 54). Das Schicksal Philoktet’s ist unseren Lesern aus der erhaltenen Tragödie des Sophokles bekannt. Seine Mitwirkung an der Einnahme Troias hat Sophokles in einem verlorenen Drama dargestellt. Außerdem haben Äschylos, Euripides (von dessen Drama eine größere Zahl von Bruchstücken erhalten ist), Achäos, Theodektes und einige Geringere das dankbare Sujet behandelt.

Philoxenos (S. 4), geb. auf der Insel Kythera (435–380), berühmter Dithyrambendichter; sein „Kyklope“, von dem wir einige Verse besitzen, war eine von dem Dichter schwer gebüßte Persiflage des älteren Dionysios.

Phineussöhne (die) S. 35. Der Sagenstoff ist bekannt, der Verfasser des Dramas unbekannt, ebenso die Personen, von deren Aussetzung und Wiedererkennung der Örtlichkeit im Texte die Rede ist.

Phorkystöchter (S. 39). Dies der Titel eines äschyleischen Satyrspieles, dessen Held Perseus im Kampfe mit Gräen und Gorgonen war. Dasselbe wurde, wie wir kürzlich erfuhren, noch im Frühjahre 339 zu Athen aufgeführt.

Phthiotinnen (die) S. 39, eine uns nur durch vier den Inhalt nicht im mindesten aufhellende Verse bekannte Tragödie des Sophokles. Daß dem Drama, wie so häufig, die den Chor bildenden Personen seinen Namen gaben und daß Achill’s Geschlecht den Mittelpunkt bildete, kann als ausgemacht gelten. Alles übrige ist vage Vermutung.

Pindaros (S. 65), ein uns sonst unbekannter Schauspieler.

Polyeidos (S. 35 u. 37) der Sophist, anderweitig unbekannt.

Polygnot (S. 4) aus Thasos, berühmter Maler des 5. Jahrhunderts, der die „bunte Halle“ in Athen, desgleichen die Lesche in Delphi mit großen historischen Compositionen ausgeschmückt hat.

Probleme S. 61 ff. „es ragten die Lanzen —“ (Il. 10, 152). Diese Aufstellungsweise der Speere befremdete darum, weil das Niederfallen eines einzigen Speeres den Sturz einer großen Zahl zur Folge haben und so der nächtlichen Ruhe des Lagers arge Störungen bereiten konnte.

„Mäuler zuerst nun“ (Il. 1, 50). Da die Seuche von Apoll als Strafgericht über das Griechenheer verhängt wird, so nahm man daran Anstoß, daß auch schuldlose Tiere, und zwar diese zuerst von der Krankheit ergriffen wurden. Darum deutelte man an dem Worte, das Maultiere bezeichnet, und wollte ihm die Bedeutung „Wächter“ aufdrängen.

Daß Dolon zugleich „übel von Ansehn“ und „schnellfüßig“ heißt (Il. 10, 316) schien schwer verständlich, da ein verkrüppelter Körperbau die Eignung zum Schnellaufen ausschließt. Da half eben die im Text erwähnte Deutung der Worte.

Das „kräftiger mische den Trunk“ (Il. 9, 202), das Achill dem Protoklos zuruft, schien einem überfeinerten Geschmacke dort nicht am Platz, wo es die ersten Heerführer der Griechen zu bewirten galt. Darum die gewaltsame Auskunft, das Beiwort gelte nicht der Lauterkeit des Trunkes, sondern der Eile in der Bereitung desselben.

„Alle die anderen nun, so Götter als reisige Männer —“. Unser Homertext ist von dem Widerspruche, den hier eine so kühne Auslegung hinwegschaffen hilft, völlig frei. Derselbe ist durch die Ersetzung des Verses Il. 10, 1 durch den Vers Il. 2, 1 und überdies durch die Vertauschung des Wortes „andere“, das unser Text an beiden Stellen bietet, mit „alle“ entstanden. Schwerlich sind diese Abweichungen einem bloßen Gedächtnisfehler unseres Autors zuzuschreiben.

„Die allein nicht hinabtaucht“ (Il. 18, 489). Man fragte sich verwundert, warum das Bärengestirn das einzige nicht untergehende heiße. Die Antwort auf diese Frage, es werde eben nur das bedeutendste oder bekannteste unter den dem Pol benachbarten Sternbildern genannt, darf wohl als zutreffend gelten.

„Ihm aber gewähren (den Sieg wir) —“. Es sind dies Worte, die man jetzt Il. 21, 297 liest, die man aber einst Il. 2, 15 gelesen haben muß, wo Zeus dem Agamemnon, den er zu erfolglosem Kampf anspornen will, ein ihn irreleitendes Traumbild zuschickt. Man wollte die des obersten Gottes, wie man dachte, unwürdige lügenhafte Siegesverheißung durch Veränderung der Betonung (übrigens im Widerspruch mit dem ganzen Zusammenhang) in eine indirecte, das Ansehen der Gottheit weniger beeinträchtigende Redeform verwandeln. Auch hier zeigt sich, wie bei jener Mißdeutung des „kräftiger mische den Trunk“, ein Mangel an Verständnis für homerische Naivetät.

„Deß Teil vom Regen verfaulet“ (Il. 23, 328). Dasselbe griechische Wörtchen bedeutet je nach der Betonung (und der Verschiedenheit des Hauches) „dessen“ und „nicht“. Dem Zusammenhang der Stelle entspricht einzig und allein das letztere, das unser Homertext ausschließlich kennt.

In dem zweiten empedokleischen (Halb-) Vers gestatten die griechischen Worte ebenso wohl die Auffassung: „gemengt ward, was früher lauter war“, als jene: „lauter ward, was früher gemengt war“. Es ist insbesondere der von Aristoteles nicht mitgetheilte Schluß der zwei Verse (183f. Stein), der zu Gunsten der letzteren entscheidet.

„Das meiste der Nacht ist vorüber —“ (Il. 10, 252f.). Der sonnenklare Sinn der Stelle ist dieser: „Der größere Teil der Nacht ist vorüber, zwei Drittel nämlich; der dritte Teil ist noch übrig.“ Vermöge eines kaum begreiflichen Mißverständnisses haben antike und auch die meisten modernen Erklärer die Worte falsch verbunden und dadurch den Anfang der Stelle besagen lassen: „Mehr als zwei Drittel der Nacht sind vorüber“ —, womit sich denn das folgende: „der dritte Teil ist noch übrig“ nicht wohl zusammenreimen ließ! Doch hat selbst Aristoteles in seinen „Homerischen Fragen“ diesen Unsinn verständlich zu machen nicht verschmäht.

„Weinschenk“ des Zeus heißt Ganymed (Il. 20, 234), obgleich die Götter bekanntlich Nektar und, wie Il. 5, 341 ausdrücklich versichert wird, keinen Wein trinken. Wie wenig buchstäblich der Wein an jener Stelle zu nehmen ist, zeigt am deutlichsten Il. 4, 3, wo Hebe geradezu „Weinschenkin des Nektar“ genannt wird. Eine ähnliche Abschwächung der ursprünglichen Bedeutung hat es bewirkt, daß „Erzschmiede“ bei Homer auch die Bearbeiter des härteren, schwerer zu schmiedenden und darum später in Gebrauch genommenen Eisens heißen.

„Wo die eherne Lanze nun fest stand“ (Il. 20, 272). So heißt es von dem Speer, den Aeneas erfolglos gegen Achills Schild geschleudert hat. Dieser bestand aus fünf Metall-Lagen, darunter einer goldenen. Da schien es denn rätselhaft, daß einerseits das Gold als Hemmnis des weiteren Vordringens des Speers bezeichnet und andererseits gesagt wird, dieser habe zwei jener fünf Metall-Lagen durchbohrt. Sollte die Gold-Lage (so fragte man sich mit berechtigter Verwunderung) im Inneren des Schildes verborgen gewesen und nicht vielmehr seinen leuchtenden Schmuck gebildet haben? Die Lösung dieser Schwierigkeit, die Aristoteles andeutet, scheint dahin zu gehen, daß die auf der Außenseite des Schildes angebrachte Gold-Lage die Gewalt des Stoßes zwar abgeschwächt, aber den Speer nicht zu sofortigem Stillstand gebracht hat.

Ikarios. So heißt in der Odyssee der Vater der Penelope. Es war dies ein in Sparta heimischer Heros, der Bruder des Tyndareos. Da befremdete es die Leser des Odyssee, daß Telemach auf seiner peloponnesischen Erkundigungsreise, die ihn auch nach Sparta führt, den Großvater dort nicht aufsucht. Die Änderung eines Buchstabens sollte das Problem lösen helfen.

Prometheus (S. 39). Fast sicherlich das uns erhaltene äschyleische Drama „Der gefesselte Prometheus“ gemeint, da der uns zum größten Teil bekannte Inhalt der verlorenen Stücke jener Tetralogie dem Zusammenhange weniger zu entsprechen scheint.

Protagoras (S. 42), der berühmte abderitische Jugendlehrer und Philosoph (sogenannter Sophist) des perikleischen Zeitalters, hatte die Unterscheidungen der Grammatik wohl als der erste zum Gegenstande des Studiums gemacht. Wie das Geschlecht der Hauptwörter, so unterschied er zuerst theoretisch die Tempora und Modi des Verbums. Er exemplificierte mit Vorliebe an homerischen Versen, insbesondere an den ersten Versen der Iliade. Obgleich dem großen Aufklärer ein Anflug schulmeisterlicher Pedanterie nicht gefehlt zu haben scheint, so darf man es doch bezweifeln, daß er mit der Bemerkung, Homer gebrauche den Imperativ dort, wo der Optativ (die Redeform des Wunsches) am Platze wäre (Il. 1, 1), einen ernst gemeinten Tadel aussprechen wollte.

Sinon (S. 54). So heißt in der Sage der Grieche, der sich als ein angeblich von seinen Landsleuten Mißhandelter und Bedrohter nach Troia begab, die Troer durch schlaue Vorspiegelungen zur Aufnahme des hölzernen Rosses bewog und den Griechen das Feuerzeichen gab, das sie zur Rückkehr von Tenedos bestimmte (s. Abfahrt von Troia). Von dem also betitelten Drama des Sophokles sind uns nur drei Worte erhalten.

Sisyphos (S. 40). Der verschlagene, Götter verachtende und von den Göttern bestrafte Sohn des Äolos war der Held mehrerer Dramen. Mitunter ward der Schlaukopf selbst überlistet. So von Tyro, der Gattin seines Bruders Salmoneus, die er zu seiner Gemahlin machte, um sich an dem ihm feindlich gesinnten Bruder zu rächen. Einem Orakelspruche gemäß sollten nämlich die aus der Ehe mit Tyro entsprossenen Söhne diese Rache vollstrecken. Die Mutter vereitelte jedoch den Plan, indem sie ihre und des Sisyphos Söhne sofort nach der Geburt tötete.

Skylla (S. 32 u. 65). Gemeint ist der also betitelte Dithyrambos des Timotheos (s. d.), von dessen Dasein uns erst kürzlich ein Papyrus der Erzherzog Rainer’schen Sammlung Kenntnis gegeben hat. Der weibische Charakter des Klaggesanges, den hier der von der Skylla bedrohte Odysseus anstimmte, wird auch in der neu erschlossenen Urkunde tadelnd vermerkt. Zum Verständnisse der zweiten Stelle diene folgendes. Das dramatische Element kam im jüngeren Dithyrambos in der Weise zur Geltung, daß der Flötenspieler und der Führer des aus 50 Sängern bestehenden Chores in Tracht, Haltung und Geberden die zwei Hauptpersonen darstellten. Hier zerrt der Flötenspieler den Chorführer am Gewande, um das Bemühen der Skylla zu versinnlichen, die den Odysseus an sich und ins Verderben zu ziehen bestrebt ist.

Sokratische Gespräche (S. 2). Darunter versteht Aristoteles ausschließlich die Dialoge Platon’s, in denen Sokrates die Hauptgesprächsfigur war, nicht die Dialoge anderer Sokrates-Jünger wie Antisthenes, Phädon usw.

Sophron (S. 2), Syrakusaner, 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts, dichtete in Prosa zum Recitieren bestimmte dramatische Schilderungen des Volkslebens, Mimen genannt, z. B. der „Thunfischer“, die „Frühstücksschwestern“, die „Näherinnen“ u. dgl. m. Über die Eigenart dieser von ihm selbst und seinem Sohne Xenarchos gepflegten Gattung belehren uns besser als die kümmerlichen Überreste die Nachbildungen Theokrits und die jüngst wiederentdeckten Mimiamben des Herondas.

Sosistratos (S. 65), anderweitig unbekannt.

Sthenelos (S. 49), ein mittelmäßiger Tragiker des 5. Jahrhunderts. Eine Lustspielfigur des Aristophanes fragt im Hinblick auf Sthenelos: „Doch wie genieß’ ich dieses Dichters Vers?“, worauf ihm die Antwort wird: „Mit Essigtunke oder salzbestreut“.

Telegonos (S. 30) der „fern geborene“ Sohn des Odysseus und der Kirke, der, ohne den Vater zu kennen, in Ithaka erscheint und ihn im Kampfe tötet. Gemeint ist hier fast sicherlich das sophokleische Drama „Der vom Stachel getroffene Odysseus“, da es ein Rochenstachel war, mittelst dessen ihm den Vater zu töten bestimmt war.

Telephos S. 27. Der Gegenstand von Tragödien des Äschylos, Euripides, Agathon und Anderer. Der Kern der Fabel war dieser. Der Held wächst, von einer Hirschkuh ernährt, fern von seiner Mutter Auge auf, die ihn von Herakles empfangen hatte. Als Lohn für den Beistand, den er dem König von Mysien Teuthras geleistet hat, schenkt ihm dieser die Hand seiner Tochter, die keine andere als eben Auge ist. Diese widerstrebt der Heirat und will Telephos töten, der, als ihre Absicht vereitelt ward, an ihr Rache zu nehmen im Begriff ist. Da erscheint Herakles und offenbart ihnen die lange verborgene Wahrheit. S. auch Myser.

Theodektes (S. 35 u. 39). Geboren zu Phaselis in Lykien, ein Jünger und vertrauter Freund des Aristoteles (vgl. Vorwort). Der mit leiblicher Schönheit nicht minder als mit glänzenden Geistesgaben Begnadete hat ein halbes Hundert Dramen verfaßt, dreizehnmal den tragischen Wettstreit bestanden und darunter achtmal den ersten Preis errungen, wie seine stolze Grabschrift verkündete. Uns sind kaum 70 Verse und von seinen Prosaschriften (unter denen sich eine „Apologie des Sokrates“ befand) ein Dutzend Zeilen erhalten. S. Lynkeus und Tydeus.

Tereus (S. 35). Eine Tragödie des Sophokles, von der uns wenige, aber herrliche Bruchstücke erhalten sind. Der thrakische König Tereus hatte von Pandion, dem Fürsten von Athen, als Lohn für kriegerischen Beistand die Hand seiner Tochter Prokne erhalten, die ihm den Itys gebar. Tereus that der Schwester seiner Gemahlin, Philomele, Gewalt an und schnitt ihr, um ihren Anklagen vorzubeugen, die Zunge aus. Philomele aber giebt durch ein kunstvolles Werk ihrer Hände — die „Stimme des Gewebes“ — der Schwester Nachricht, worauf sie an Tereus durch Hinschlachtung seines Sohnes Rache zu nehmen beschließen. Den Schluß des Dramas bildete die Verwandlung der Hauptpersonen in Vögel.

Theseis (S. 18). Solche Theseusdichtungen waren von Zopyros (wahrscheinlich aus dem 6. Jahrh.), Diphilos (aus dem 5. Jahrh.) und Anderen verfaßt worden.

Thyestes (S. 27). Der durch den verhängnisvollen Bruderzwist bekannte Sohn des Pelops war der Held zahlreicher Tragödien. Das S. 34 genannte Drama des Karkinos (s. d.) scheint mit dem von anderen „Aërope“ betitelten identisch zu sein. Die hier erwähnten „Sterne“ waren ein auf der Schulter befindliches, weiß glänzendes Merkzeichen, das die Pelopiden auszeichnete, wie solche vererbte Muttermale auch heute noch in süd-arabischen Fürstenhäusern begegnen.

Timotheos (S. 4), aus Milet (446–357), berühmter Dithyrambendichter. Er dichtete unter anderem die „Perser“ (s. das.), desgleichen einen Dithyrambenkranz, der die Abenteuer des Odysseus umfaßte und dem auch die „Skylla“ angehörte (s. d.), nicht minder der „Kyklope“, ein „Laertes“ und „Elpenor“.

Troerinnen (S. 54). Ein erhaltenes Drama des Euripides (so benannt nach den den Chor bildenden Kriegsgefangenen), das mit Schreckensscenen angefüllt ist, die der Einnahme von Troia folgten.

Tydeus (S. 35). Über das nur an dieser Stelle erwähnte Drama des Theodektes (s. d.) fehlt jede Kunde, und welche Bewandtnis es mit der hier angedeuteten Erkennung hatte, darüber fehlt es sogar an jeder irgend scheinbaren Vermutung.

Tyro (S. 34). Diese Heroine — die Heldin zweier Dramen des Sophokles — hatte ein Zwillingspaar (Neleus und Pelias) dem Poseidon heimlich geboren und nach der Geburt in einer Mulde ausgesetzt, die sie wahrscheinlich der Flut eines Stromes anvertraute und so der Fürsorge des göttlichen Vaters empfahl. Von einem Roßhirten gepflegt, wuchsen die Söhne heran, trafen, wie uns alte Denkmäler zeigen, mit der Mutter an einem Brunnen zusammen, wurden an der Mulde, die der eine von ihnen mit sich trug, erkannt, und rächten sie dann an der bösen Stiefmutter Sidero.

Umänderung (S. 48). Der Verfasser hat hier (Il. 5, 393) eine der zur Bezeichnung von „rechts“ und „links“ auch sonst im Griechischen und anderwärts ganz üblichen (auch im Deutschen nicht unerhörten) Comparativbildungen seltsamer Weise verkannt. Selbst den Superlativ (gleichsam „rechtest“) kennt das Lateinische.

Veröffentlichte Schriften (S. 33). Darunter versteht Aristoteles hier und anderwärts im Gegensatze zu den uns allein erhaltenen Schul- und Vorlesungsschriften die für ein weiteres Publicum bestimmten, in ungleich gefeilterer Sprache und zumeist in Gesprächsform abgefaßten populären Schriften. Hier ist der bis auf geringe Bruchstücke verlorene Dialog „über die Dichter“ gemeint, der unter anderem auch Fragen der scenischen Ausstattung und selbst der Costümkunde behandelt hat.

Waffengericht (das) (S. 54), ein verlorenes äschyleisches Drama, in welchem Aias und Odysseus um den Besitz der Waffen Achill’s gestritten haben.

Xenarchos s. Sophron.

Xenophanes (S. 61). Der philosophierende Spielmann (geb. um 570 zu Kolophon in Kleinasien, nahe an 100 Jahre alt gest. zu Elea in Calabrien), von dem wir nicht ganz unerhebliche in poetische Form gekleidete Überreste besitzen. Gemeint ist hier ohne Zweifel sein energischer Kampf gegen die menschenartige Auffassung der Götter.

Zeuxis (S. 14), aus Herakleia, Maler des 5. Jahrhunderts, unter dessen Werken Gruppenbilder, wie die Kentauren, die Götterversammlung, und Einzelfiguren, wie Pan, Alkmene, Eros u.s.w., die Hauptrolle spielen.