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Die Metalle bei den Naturvölkern

Chapter 3: Fußnote:
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About This Book

A systematic survey traces how so-called primitive societies obtain, process, and use metals, focusing on iron, copper, tin, and bronze and their relevance to prehistoric interpretation. It compares geographical regions—Africa, South and Southeast Asia, Oceania and the Americas—using traveler accounts, museum specimens, and interdisciplinary evidence from geology, ethnography, chemistry and linguistics. The work weighs independent invention against diffusion, outlines traditional smelting and smithing practices, and notes regional patterns in metallurgical sequence and alloying. European and Semitic metal traditions are set aside to emphasize largely self-contained metallurgies among non-European peoples and the urgency of documenting vanishing indigenous techniques.

The Project Gutenberg eBook of Die Metalle bei den Naturvölkern

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Title: Die Metalle bei den Naturvölkern

Mit Berücksichtigung prähistorischer Verhältnisse

Author: Richard Andree

Release date: April 17, 2025 [eBook #75891]

Language: German

Original publication: Leipzig: Verlag von Veit & Comp, 1884

Credits: Peter Becker, Iris Schröder-Gehring and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE METALLE BEI DEN NATURVÖLKERN ***

Seite I DIE METALLE BEI DEN NATURVÖLKERN
MIT BERÜCKSICHTIGUNG
PRÄHISTORISCHER VERHÄLTNISSE

VON

 

RICHARD ANDREE.

 

MIT 57 ABBILDUNGEN IM TEXT.

 

 

LEIPZIG,

VERLAG VON VEIT & COMP.

1884.

Vorwort und Einleitung.

Die Darstellung und Benutzung der Metalle bei den sogenannten Naturvölkern ist noch nicht im Zusammenhange und mit Rücksicht auf den Vergleich behandelt worden. Und doch bietet dieses Thema nicht allein vom ethnographischen und allgemein kulturhistorischen Standpunkte aus ein hohes Interesse; auch bei der Beurteilung prähistorischer Fragen ist es von Wichtigkeit zu wissen, wie die primitiven Völker zur Kenntnis der Metalle gelangen, wie sie dieselben erschmelzen und benutzen, denn hier eröffnet sich die Aussicht, auf dem Wege der Analogie wertvolle Ergebnisse zu gewinnen.

Wie bei so vielen ethnographischen Dingen, ist es auch auf diesem Gebiete die höchste Zeit, zu sammeln und zu retten, was noch vorhanden ist. Europäische und amerikanische Metalle dringen bei erleichtertem Verkehr bis in die fernsten Erdenwinkel und vernichten altheimische Industrien der Naturvölker. Schon erlegt der centralafrikanische Schwarze den Elefanten mit dem Hinterlader und die weltberühmten Damaszenerklingen von Schiras und Meschhed in Persien werden nur noch aus russischem Eisen geschmiedet. Die einheimische Metallindustrie der meisten Naturvölker ist auf den Aussterbestand gesetzt, sie ist den billigeren und besseren europäischen Erzeugnissen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig, die letzte Stunde naht für sie und noch, so fürchten wir, ist manche wichtige Thatsache nicht eingeheimst, die uns Aufschluß zu geben vermöchte über das ursprüngliche Verfahren in diesem oder jenem Zweige der Metalltechnik. Von den Reisenden, auf deren Berichte wir zum großen Teile angewiesen sind, ist im allgemeinen nur wenig Aufmerksamkeit dem uns hier interessierenden Gegenstande zugewendet worden, einmal, weil die hüttenmännische Einsicht den meisten mangelt und dann, weil die Wichtigkeit der Sache für prähistorische Fragen erst neuerdings erkannt wurde, zumal seit Christian Hostmann in seiner vernichtenden Kritik der Dreiperiodenteilung mit Erfolg auf die Bedeutung der Metallurgie bei den Naturvölkern hinwies. Wenige Ausnahmen abgerechnet, unter denen einer der genialsten Reisenden der Gegenwart, Georg Schweinfurth, hervorragt, sind wir meist auf dürftige Berichte angewiesen, die uns das Bild der Darstellung und Benutzung der Metalle bei den Naturvölkern liefern müssen. Wünschenswerte Ergänzungen bringen die in unseren Museen aufgestapelten Schätze.

Sehr wohl ist der Verfasser sich bewußt gewesen, daß bei der Behandlung der so weitschichtigen und in die verschiedensten Wissensgebiete eingreifenden Aufgabe eigentlich nur mit vereinten Kräften etwas vollständiges zu erreichen ist und daß ein einzelner hier nicht zum Abschluß gelangen kann. Geognosie und Geographie, Ethnographie, Hüttenkunde, Chemie, Prähistorie und Linguistik — alle diese Wissenschaften verlangen Berücksichtigung bei der Bearbeitung unseres Themas, und wo wäre der Mann, der von sich sagen dürfte, er beherrsche sie gleichmäßig? Da wird jeder nach seinem Wissensstandpunkte auf Lücken stoßen. Aber doch mußte der Anfang gemacht und das Gebäude wenigstens aus dem Rohen heraus gestaltet werden. So gebe ich denn, was ich fand, als Beiträge, Stoff und Grundlage für den weiteren Ausbau.

Der europäische und der semitische Kulturkreis sind in der vorliegenden Arbeit ausgeschlossen. Was die Metalle innerhalb derselben betrifft, so haben so zahlreiche Gelehrte sich damit beschäftigt und die interessierenden Fragen der Lösung nahe gebracht, daß auch nicht einmal von einer Rekapitulation die Rede sein konnte; auch wird sich im Verlaufe der Darstellung zeigen, daß die Einwirkung jener wichtigsten Kulturkreise unserer Erde auf die Metallindustrie der Naturvölker eine kaum nennenswerte war, ja, daß die letzteren, bis auf die neue, umgestaltende Zeit, fast ganz unberührt von jenen blieben. Dagegen war es des Vergleiches wegen geboten, die ostasiatischen und amerikanischen Kulturvölker in die Betrachtung einzubeziehen und zu fragen, ob sie von Einfluß auf die Metallurgie benachbarter Naturvölker waren: aber auch jene zeigen in bezug auf die Metalle abgeschlossene Reiche mit geringen oder gar keinen Ausstrahlungen auf die Nachbarn.

Die Metalle, welche wesentlich ins Auge zu fassen waren, sind Eisen, Kupfer, Zinn und die Legierung aus den beiden letzteren, die Bronze. Um diese drehen sich wichtige wissenschaftliche Streitfragen, sie sind es, die in kultureller Beziehung vor allen anderen in Betracht kommen, während die edlen Metalle eine geringere Rolle spielen, auch bei ihnen sich noch kein Streit um „Entlehnung der Kenntnis“ erhoben hat, ihr Vorkommen im augenfälligen gediegenen Zustande einen solchen auch unnötig machte.

Geographisch vorschreitend, beginne ich den Rundgang mit den alten Ägyptern, denen neben der Bronze in den ältesten Zeiten zweifellos das Eisen bekannt war. Daß von ihnen die Eisenkenntnis zu den benachbarten Nigritiern gelangte, läßt sich keineswegs mit Bestimmtheit behaupten, eher neige ich der Ansicht zu, daß die Eisenbearbeitung ein durchaus ursprüngliches Gewerbe der Neger ist, die ein „Eisenreich“ für sich bilden, von so ausgeprägter Entwickelung, daß neuerdings ein durch wenig Kritik ausgezeichneter Kopf alle Eisenindustrie von den Schwarzen abzuleiten versucht.[1] In Afrika folgte das Eisen direkt auf den Stein und zwar entwickelte sich die Eisendarstellung im Nordosten oder in Centralafrika, von wo sie erst spät nach dem Süden gelangte. Kupfer, wiewohl es auch von den Negern erschmolzen wird, ist nur auf wenige Gebiete beschränkt, von denen aus es auf dem Handelswege verbreitet wird. Es ist höchstens gleichalterig mit dem Eisen bei den Nigritiern, und von einer dem Eisen vorangehenden „Kupferperiode“, geschweige denn von einer „Bronzeperiode“ kann in Afrika keine Rede sein.

Vorderindien bietet ein abgeschlossenes Reich für sich. Auch hier ist eine Steinzeit nachweisbar und eine Einführung der Metalle von außen her nicht zu erkennen. Daß Vorderindien das Stammland aller Bronze gewesen sein soll (Worsaae), erweist sich als eine willkürliche Annahme. Alte Bronzen gehören dort zu den größten Seltenheiten; sie sind von ganz anderer Zusammensetzung als unsere Bronzen und kommen zusammen mit Eisen vor. Vorderindien war in alter Zeit kein „Bronzeland“, es bezog selbst im Altertum sein Zinn aus dem fernen Abendlande, denn die reichen und näher liegenden hinterindischen Zinnvorkommnisse waren damals wohl noch kaum erschlossen. Dagegen deuten häufige alte Kupferfunde auf das hohe Alter dieses Metalles in Indien, das heute dort, ebenso wie das Eisen, noch nach uralter Art erschmolzen wird nach Methoden, die in mancher Beziehung an jene der Nigritier erinnern, ohne daß dabei an Entlehnung gedacht zu werden braucht. Ob Eisen, ob Kupfer das ältere Metall in Vorderindien war — wer vermag das heute mit Sicherheit zu entscheiden? Zwar spricht sich die vergleichende Sprachforschung zu Gunsten des Kupfers aus, aber die Sicherheit ihrer Entscheidung läßt manches zu wünschen übrig. Als ein Ausfluß der indischen Metallarbeit ragen in unser europäisches Kulturleben die konservativen Zigeunerschmiede hinein mit uralten Methoden und Instrumenten; ihnen ist eine besondere Betrachtung gewidmet, welche allerdings von des sonst verdienten Bataillard's Phantasien, daß nämlich die Zigeuner die Verbreiter der alten Bronzekultur in Europa waren, nichts wissen mag.

Abermals ein selbständiges metallurgisches Reich bilden die malayischen Völker. Ihr wohlcharakterisiertes, seit uralter Zeit bei ihnen heimisches Verfahren der Eisenbereitung reicht von Madagaskar bis Neuguinea und im Norden bis zu den Philippinen. Eisen ist ihr ältestes Metall. Kupfer, das sie gleichfalls, aber weniger darstellen, erscheint später und ebenso die Bronze.

Hinterindien, von wo die uns angehenden Nachrichten spärlich fließen und wo das Studium der Metalle bei den hochinteressanten Aboriginern des Innern eine dankbare Aufgabe bilden würde, tritt uns mit prähistorischen Zeugen der jüngeren Steinzeit in Gesellschaft von Bronzen entgegen und deutet durch die Verschiedenartigkeit der Methoden, nach denen seine Urvölker (in Kambodja und Birma) das Eisen gewinnen, auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellung desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse.

Für das in seiner Kultur völlig isoliert dastehende China wird bereits vor 3500 Jahren eine hochentwickelte Bronzeindustrie bezeugt und Sinologen sind geneigt, der Bronze dort die Priorität vor dem Eisen zuzuerkennen — ob aber nicht unter dem Einflusse skandinavischer Anschauungen? Eisen ist in der älteren chinesischen Litteratur neben Zinn und Kupfer gleichfalls ein durchaus bekanntes Metall und die chinesische Eisendarstellung erscheint uns noch jetzt als eine ganz eigentümliche, von der aller übrigen Völker völlig geschiedene und selbständige. Daß aber die Chinesen, die in so vielen Dingen die Lehrmeister der Japaner gewesen, letzteren auch die Eisenkenntnis übermittelt haben sollten, läßt sich kaum annehmen: denn Japan zeigt in dieser Richtung ein ganz anderes Verfahren als China, nämlich die Eisenschmelzung in Öfen, während China bis zum heutigen Tage nur in kleinen Schmelztiegeln sein Eisen gewinnt. Für China sind die prähistorischen Verhältnisse noch wenig oder gar nicht studiert, wiewohl wir wissen, daß auch dieses Land seine Steinzeit hatte; in Japan aber, wo Europäer einflußreich wirken und Gelegenheit zu Studien haben, erkannte man die große Ähnlichkeit der dortigen vorgeschichtlichen Funde mit jenen Europas, die Übereinstimmung der zugehauenen und polierten Steingeräte, gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch in Japan für älter als das Eisen anspricht.

Licht beginnt sich zu verbreiten über den Norden Asiens in prähistorischer Zeit. Nicht alle sibirischen Völkerschaften befanden sich, als die russischen Entdecker in das Land kamen, im Zustande der Steinzeit; einzelne Stämme verstanden es bereits, das Eisen zu reduzieren und zu schmieden, wohl als ein Erbteil türkischer Völker, die, aus Centralasien kommend und als Eroberer eindringend, die Eisenkunde mitbrachten. Aber lange vor den eisenkundigen Türkvölkern hatten vom Ural bis zum Altai finnische Stämme, die in der Tradition als „Tschuden“ fortleben, eifrig Bergbau und Metallschmelzerei betrieben. Kupfer war ihr Hauptmetall, das sie zu schmelzen und gießen verstanden. Neben dem Kupfer der Tschuden und dem Eisen der Türken erhielt sich aber im fernen Osten der alten Welt, da, wo diese sich Amerika nähert, die Steinzeit, welche erst den erobernden Russen wich und bei den Tschuktschen in ihren letzten Ausläufern heute vor unseren Augen dahinsiecht.

Nicht geleugnet kann werden die Einheit des Menschen in der alten und neuen Welt. Aber die Differenzierung beider liegt so weit zurück, daß von einer gemeinsamen Quelle ihrer beiderseitigen Metallkenntnisse keine Rede sein kann. Oder, wenn man grundlos diese Kenntnis von der alten nach der neuen Welt gelangen ließ, warum dreht man, mit gleich gutem Grunde, die Sache nicht einmal um und läßt die Inkaperuaner die Bronzelehrmeister der Asiaten werden? Das gäbe doch Abwechselung. Auch in der neuen Welt zeigen sich die „Metallreiche“ unabhängig von einander. Eisen kannte man im vorkolumbischen Amerika nicht, wenigstens kein künstlich dargestelltes; aber Meteoreisen wurde wiederholt, so namentlich von den Eskimos, benutzt und auf ähnlicher Stufe stand auch die Anwendung des gediegenen Kupfers in Nordamerika. Es wird von den Indianern wie weicher Stein verarbeitet und kennzeichnet höchstens die Grenze zwischen Stein- und Metallzeit. Der große Kulturfortschritt, die Erze mit Kohlen zu reduzieren und die Metalle im Feuer zu behandeln, ist dreimal in Amerika gemacht worden: in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber selbständig und unabhängig von einander. In Mexiko war Kupfer das Hauptmetall, seltener war Bronze und beide wurden noch neben dem Stein benutzt, im ganzen auch, wie die spärlichen Funde beweisen, nicht häufig. Weiter war man in bezug auf die Bronze in Peru, wo umgekehrt die Kupfergeräte seltener sind. Alle metallurgischen Arbeiten dieser amerikanischen Kulturvölker wurden ohne Gebläse ausgeführt. Die Analysen der Bronzen ergeben eine große Verschiedenheit in der Zusammensetzung und keinerlei Übereinstimmung zwischen mexikanischen und peruanischen Erzeugnissen.

In alle die hier aufgezählten Länder, den größeren Teil unserer Erde, brauchten die Europäer nicht erst die Metalle zu bringen, weil sie selbständig dort entdeckt und verarbeitet worden waren. Das Eisen freilich haben sie in Amerika eingeführt; der Nordwesten erhielt es ziemlich spät durch die Russen, in die übrigen Gebiete hatten sich Spanier, Portugiesen und Briten geteilt. Den Peruanern und Mexikanern war dasselbe nur „schwarzes Kupfer“. Metalllos war die Südsee, deren zahlreiche Inselfluren sich über ein Gebiet von hundert Längengraden erstrecken und wo zunächst die Spanier mit der Verbreitung des Eisens begannen. Aber volle drei Jahrhunderte hat hier der Prozeß der Metallverbreitung in Anspruch genommen, denn erst das achte Jahrzehnt unseres Säkulums sah den Abschluß auf Neuguinea, dessen Bewohner die letzten unseres Erdballes waren, welche in die Metallkenntnis eingeführt wurden.

Überblicken wir alle Gebiete, die wir mit Rücksicht auf die Metalle durchwandert haben, so vermögen wir wohl eine große Abwechselung, nirgends aber die „gesetzmäßige Reihenfolge“ von Stein, Bronze, Eisen zu entdecken. Bei den Naturvölkern, die wir jetzt in ihrem Verhalten zur Metalldarstellung zu übersehen vermögen, ist kein Grund für die Anlegung einer solchen Zwangsjacke vorhanden. Die thatsächlichen Verhältnisse lassen da nichts Schablonenhaftes erkennen. Hat es doch schon an und für sich wenig Wahrscheinlichkeit, daß alle Völker in den verschiedensten Ländern und ganz unabhängig, ohne Verkehr mit einander, zu derselben Reihenfolge in der Erfindung der Metalle gelangt sein sollen: Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen. Wir werden im Verlaufe der Darstellung sehen, daß gediegenes Kupfer, wo es vorhanden, von Naturvölkern im kalten Zustande zu Waffen und Geräten gehämmert wird; auch metallisches Zinn ist durch zufälliges Ausschmelzen bekannt geworden. Doch zur Mischung der beiden räumlich getrennten und nur durch den Verkehr zusammengeführten Metalle, zu ihrem kunstreichen Formen und Gießen gehört mehr, als im Durchschnitt bei Naturvölkern verlangt werden kann. Die Bronzedarstellung ist nicht so einfach und leicht, wie jene des Eisens, welches die primitivsten Völker zu erschmelzen wissen, während Bronze stets mit einem höheren Kulturgrad verknüpft ist. Daraus mag man sich die Parallele für unsere europäischen Vorfahren ziehen, die in ihrem primitiven Zustande sicher eher auf die Eisendarstellung, als auf das Komponieren und Formen der Bronze verfielen.

Eine zweite Lehre, die wir aus dem Verhalten der Naturvölker gegenüber den Metallen zu ziehen vermögen, betrifft die so beliebten Entlehnungstheorien. Wieviel Mühe und Gelehrsamkeit ist nicht aufgewendet worden, um die Metallkenntnis von einem Mittelpunkt gleichsam konzentrisch ausgehen, sie durch ein Volk zum anderen verbreiten zu lassen! Man braucht nur einmal die verschiedenen nach und nach aufgestellten „Ursprungsquellen“ und „Lehrmeister“ zusammenzustellen und man wird da auf eine beträchtliche Anzahl Konkurrenten und auf die wunderlichsten Widersprüche stoßen. Ich glaube, daß auf die Entlehnung und das Übergehen der Metallkenntnis von einem Volke auf das andere noch zuviel Gewicht gelegt wird und daß dadurch weit schwierigere Verhältnisse künstlich geschaffen werden, als in der That vorliegen. Ohne für viele Fälle das Entlehnen und Lernen auszuschließen — sie liegen zu häufig offenkundig zu Tage —, meine ich doch, daß uns ein gesunder Polygenismus weiter bringt, der die Metalle auch da erfunden sein läßt, wo sie in selbständiger Weise uns entgegentreten.

Leipzig, im Februar 1884.

Dr. R. Andree.

 

Fußnote:

1 Le fer, comme emploi industriel, est originaire d'Afrique. En effet, c'est en Afrique seulement (!!) que nous rencontrons des peuples sauvages, connaissant l'emploi du fer, sachant le produire et travailler. Dieser Satz des Herrn Gabriel de Mortillet (Bulletins de la soc. d'Anthropol. 1883. 562) zeigt wiederum die große Oberflächlichkeit des bei uns noch ernst genommenen Mannes.

Inhalt.

  Seite
Vorwort und Einleitung.  
Das Eisen bei den Nigritiern   1
  Eisen den Altägyptern bekannt 1. — Älteste ägyptische Eisenfunde 1. — Das Eisen in den Inschriften 2. — Meteoreisen führt nicht zur Kenntnis des künstlichen Eisens 2. — Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von Nord nach Süd 3. — Kulturbeziehungen zwischen Negern und Altägyptern 3. — Altägyptische Blasebälge 4. — Die Steinzeit Afrikas 4. — Historische Nachrichten über dieselbe 5. — Traditionen aus derselben 6. — Funde aus der Steinzeit 6. — Späte Eisenkenntnis in Südafrika 7. und auf Fernando Po 8. — Eisenindustrie im Nilgebiete bei den Bari 8. — Bei den Djur 10. — Schmelzöfen der Djur 11. — Eisen bei den Bongo 12. — Eisenindustrie in Centralafrika 15. — Bei den Monbuttu 15. — In Uganda 16. — Am Kongo 16. — Manjema, das centralafrikanische Eisenland 17. — Die Metalle in Lunda 19. — Bei den Ganguellas 19. — Eisenindustrie in Ostafrika 20. — Die Raseneisenerze 20. — Rohe Art der Verhüttung in Ostafrika 21. — Kunstfertige Schmiede und Drahtziehen am Kilimandscharo 21. — Eisengewinnung der Waitumba 23. — Eisenindustrie am Njassasee 24. — Steinhämmer 25. — Eisenmangel bei den Masai 25. — Eisenindustrie im äquatorialen Westafrika 26. — Bei den Fan 26. — Eisenindustrie in Nordwestafrika 27. — Fremde Einflüsse in diesem Teile des Kontinentes 27. — Eisen als Geld 27. — Eisen in Tibesti 28. — In Bornu und Sokoto 29. — In Futa Djallon 29. — Bei den Mandingo 30. — Goldarbeiter der Mandingo 32. — Eisenindustrie in Südafrika 33. — Mangelnde Kenntnis bei den Buschmännern 33. — Eisengewinnung der Hottentotten 33. — Eisenindustrie der Kaffern 34. — Der Marutse 35. — Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie 35. — Uralte bodenständige Industrie 36. — Das Rohmaterial, der Laterit 37. — Rösten der Erze, Zuschläge, Köhlerei 37. — Arten des Ausbringens 38. — Die Gebläse 38. — Das Produkt 39. — Die Schmiedearbeit 39. — Fremde Einflüsse 40. — Die Stellung der Schmiede in Afrika 40. — Zauberkraft des Eisens 41. — Die europäische Parallele 43. — Reste der alten Eisendarstellung in Europa 44.  
Das Kupfer bei den Nigritiern   45
  Vorkommen und Darstellung 45. — Hofrat e Nahhas und seine Kupferhütten 46. — Das Katangakupfer 47. — Weite Verbreitung desselben 48. — Kupfer am Binué, in Angola, Namaqualand und Transvaal 48. — Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege 49. — Kupferlegierungen in Afrika 50. — Die Bronze der Ägypter 50. — Alter derselben 50. — Zinndarstellung bei den Negern 51. — Einfuhr von Messing 51. — Bronzedarstellung bei den Kaffern 52. — Drahtziehen der Neger 53. — Goldarbeiten an der Goldküste 53. — Formen und Gießen in Guinea 54. — Priorität des Eisens 55. — Kupferhandel 56. — Gegenseitige Wertstellung des Eisens und Kupfers 56.  
Das Kupfer in Vorderindien   58
  Die Steinzeit in Vorderindien 58. — Das Alter indischer Bronzen 58. — Die Quellen des Zinnhandels 59. — Nur eine Fundstätte von Zinn in Vorderindien 59. — Vorderindien bezog sein Zinn aus dem Abendlande 59. — Zinn in Drangiana, Chorassan 60. — Seltenheit alter indischer Bronzen 61. — Alte Kupfergeräte in Vorderindien 62. — Bergbau auf Kupfer in Indien 63. — Die Kupferhütten von Chetri 64.  
Das Eisen in Vorderindien   66
  Alte Eisenfunde in Vorderindien 66. — Eisen aus den megalithischen Denkmälern in Malabar 66. — Die Tumuli von Oapur 67. — Ausgrabungen in den Barrows der Centralprovinzen 67. — Gegenwärtige Eisenproduktion in Indien 69. — Vorkommen der Eisenerze 69. — Verschiedene Schmelzmethoden 69. — Der Eisenhüttenbetrieb in Orissa 70. — In Katak 72. — In Alwar 72. — In Firospur 73. — In Kamaon 73. — Eisenschmelzen der Khasias 74. — Eisendarstellung auf Ceylon 75. — Priorität des Kupfers oder Eisens in Indien 76. — Sprachliche Gründe für das höhere Alter des Kupfers 77. — Der indische Stahl (Wootz) 78. — Alte Nachrichten über das Eisen 78. — Eisenbenutzung auf den Andamanen 79.  
Die Zigeuner als Metallarbeiter   79
  Indische Schmiede 79. — Zigeunerschmiede 80. — Schmelzöfen der schottischen Zigeuner 81. — Die Calderari 81. — Die Malkotsch 81. — Bataillard's Ansichten über die Bronze 82. — Die Zlotari oder Gelbgießer in Galizien 82. — Ihre Bälge 83.  
Die Metallurgie der Malayen   84
  Alter der Metallkenntnis bei den Malayen 84. — Stellung der Schmiede 85. — Die malayischen Gebläse auf Sumatra 86. — Eisenschmelzen der Dajaks 87. — Die Gebläse auf den Philippinen und in Pegu 88. — Schmiede der Igorroten 89. — Schmiede auf Neuguinea 89. — Malayisches Schmelzverfahren und Gebläse auf Madagaskar 90. — Kupfer bei den Malayen 91. — Kupferindustrie der Igorroten 92. — Zinn bei den Malayen 95. — Vorkommen der Zinnerze in Hinterindien 95. — Alter der Zinnkenntnis in Hinterindien 96. — Zinngruben von Malakka 96. — Von Bangka 97.  
Die Metalle in Hinterindien   98
  Die jüngere Steinzeit in Kambodja 98. — Alte Bronzen in Kambodja 98. — Die Eisengewinnung der Cuois in Hinterindien 99. — Eisenschmelzen in Birma 101.  
Die Metalle in China und Japan   103
  Steinzeit in China 103. — Alte Bronzen in China 104. — Ting-Urnen 104. — Shang-Vasen 105. — Zusammensetzung der chinesischen Bronzen 106. — Alter der Bronze und des Eisens in China 106. — Die eiserne Pagode von Tai-ngan-fu 107. — Gegenwärtige Eisenindustrie Chinas 107. — Die Eisenschmelzen von Schansi 108. — Prähistorisches aus Japan 110. — Die Muschelhaufen von Omori 110. — Japanische Steingeräte 111. — Heutiger Bergbau der Japaner 111. — Aufbereiten der Erze 112. — Eisenschmelzöfen in Japan 113. — Verhältnis von Kupfer und Eisen in Japan 114.  
Die Metalle im Norden Asiens   114
  Die Ostjaken als Eisenschmelzer 114. — Jakutische Eisenindustrie 115. — Steinzeit Sibiriens 116. — Steinzeit in Kamtschatka 117. — Einführung des Eisens durch die Russen 117. — Steinzeit und Eisen bei den Tschuktschen 118. — Die alten Tschudenbergbaue im Ural 119. — Dergleichen im Altai 120. — Wer waren die Tschuden? 121. — Kurgane und alte Gräber in Sibirien 122. — Bronzefunde von Krasnojarsk 122. — Die Kurgane am oberen Jenisei 123. — Jüngere und ältere Gräber 124. — Die Türkstämme führten das Eisen ein 126. — Sprachliche Gründe dafür 127.  
Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen   128
  Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. — Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos 129.— Meteoreisen in den Mounds 132. — Einführung des europäischen Eisens in Grönland 132. — Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien 133. — Japanische Dschonken vom Kuro Siwo verschlagen 133. — Der Tabak in Nordwestamerika durch die Russen eingeführt 134. — Eiseneinführung in Unalaschka, am Nutkasunde, in Britisch Kolumbia 134. — Europäisches Eisen in kalifornischen Indianergräbern 135. — In Gräbern in Yukatan 136. — Die Patagonier als Eisenarbeiter 136. — Schmiede in Nordwestamerika 137. — Tradition der Tinné 137. — Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern 137.  
Das Kupfer bei den Nordamerikanern   139
  Kupfergerät der Eskimos 139. — Der Kupferminenfluß 139. — Kupfergeräte der Tinné 140. — Der Athna oder Kupferfluß 140. — Die alten Kupferbergwerke am Oberen See 140. — Verfall derselben 141. — Verbreitung der Kupfergeräte vom Oberen See 142. — Funde in den Mounds 142. — Beschaffenheit der alten Kupfergeräte 144.  
Kupfer und Bronze in Mexiko   145
  Die Bronzegebiete Amerikas 146. — Kultur der Mexikaner 147. — Kupfergeräte der Mexikaner 148. — Die Zinngruben von Tasco 150. — Bronze der Mexikaner 150. — Die Metalltechnik in Mexiko 151. — Bergbau in Mexiko 152. — Kupfer in Nikaragua 153.  
Die Metalle bei den Chibchas   153
  Isolierte Kultur der Chibchas 153. — Gold- und Bronzeobjekte der Chibchas 154. — Goldarbeiten von Antioquia 154.  
Kupfer und Bronze in Peru   155
  Metallgeräte der Inkaperuaner 156. — Kupfer 156. — Kupfergeräte in Chile 156. — Analysen peruanischer Bronzesachen 157. — Die Bronzen von Chimu 158.  
Die Verbreitung des Eisens auf den Südseeinseln   160
  Bekanntwerden der Insulaner mit dem Eisen 160. — Wertschätzung desselben 160. — Eisen auf Neuguinea 162. — Abschluß der Eisenverbreitung über den Globus 162. — Archaistische Formung der neuen Eisengeräte bei den Naturvölkern 163 — und in prähistorischer Zeit 164. — Sprachliche Anpassung 164. — Wirkungen des Eisens auf die Ozeanier 165.  

Verzeichnis der Abbildungen.

  Seite
Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach Wilkinson   4
Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach v. Harnier 9
Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach Schweinfurth 11
Fig. 4. Durchschnitt desselben 11
Fig. 5. Grundriß desselben 11
Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach Schweinfurth 12
Fig. 7. Grundriß desselben 12
Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach Schweinfurth 13
Fig. 9. Zange der Bongo. Nach Schweinfurth 14
Fig. 10. Bongolanzen. Nach Schweinfurth 14
Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach Livingstone 25
Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach Lambert 30
Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach Holub 35
Fig. 14. Zange der Marutse. Nach Holub 35
Fig. 15. Handakupferbarre. Nach Cameron 47
Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach Brooke 64
Fig. 17. Eisenofen in Orissa. Durchschnitt. Nach Blanford 70
Fig. 18. Seitenansicht desselben 70
Fig. 19. Obere Ansicht desselben 71
Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach Blanford 71
Fig. 21. Ausgepreßter Balg in Orissa. Nach demselben 71
Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach Hooker 73
Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach Kopernicki 83
Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach Temminck 87
Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung Riebeck 88
Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach Ellis 91
Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach Moura 100
Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach Blanford 102
Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der Shang-Dynastie. Nach v. Richthofen 104
Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie. Nach v. Richthofen 105
Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach Sabine 130
Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys, west of 100th meridian 135
Fig. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte. Nach Shortt 143
Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach Dupaix 148
Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach Putnam 149
Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach Putnam 149
Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach Putnam 149
Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach Leemanns 154
Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach Ewbank 156
Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte. Nach Squier 159
Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben 159
Fig. 55-56. Peruanische Bronzemesser. Nach demselben 159
Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben 159