The Project Gutenberg eBook of Der Occultismus des Altertums

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Title: Der Occultismus des Altertums

Author: Karl Kiesewetter

Contributor: Ludwig Kuhlenbeck

Release date: July 2, 2013 [eBook #43078]
Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

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Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes.

Der Occultismus des Altertums

von

Karl Kiesewetter.

Verlags-Signet

Leipzig,
Verlag von Wilhelm Friedrich.

Druck von Emil Herrmann senior in Leipzig.


Der Occultismus des Altertums.

Von demselben Verfasser erschien in gleichem Verlage:
Geschichte des neueren Occultismus.
Broschiert Mark 16,–, gebunden Mark 18,–.

Geheimwissenschaften.
Broschiert Mark 16,–, gebunden Mark 18,–.


Inhaltsverzeichnis.

Der Occultismus des Altertums.

I. Buch.

Der Occultismus bei den Akkadern, Babyloniern, Chaldäern und Assyriern.

I. Kapitel.

Religionsphilosophie, weiße und schwarze Magie der Akkader.

Eine aus der Bibliothek des Königspalastes von Niniveh stammende Tafel mit den Fragmenten von 28 Zaubersprüchen. – Die akkadische Magie. – Religion der Kuschiten. – Planetengötter. – Tammuz. – Die obersten zwölf Götter. – Astralgeister. – Die obersten Naturgeister der Akkader. – Sieben Maskim. – Die akkadischen Beschwörungen der Maskim. – Die akkadischen Krankheitsbeschwörungen. – Mesmerisierte Bäder. – Verschiedene Arten von Talismanen. – Heilmesmerismus. – Transplantation der Krankheiten. – Der Bildzauber. – Die Verwünschung. – Silik-mulu-khi. – Das Urbild des Paktes mit dem Teufel. – Das Intellektualsystem der Akkader. – Die akkadische Geisterlehre. – Lehre von den Feruern.

II. Kapitel.

Das Divinationswesen der Chaldäer.

Die Astrologie. – Observatorien. – Die Loswahrsagung. – Belomantie. – Die Beobachtung des Vogelflugs. – Wahrsagung aus den Eingeweiden der Opfertiere. – Traumdeutung. – Die wahrsagerische Beobachtung der Wolken und atmosphärischen Erscheinungen. – Die Fulguration. – Wahrsagerei aus Erdbeben. – Phyllomantie, Wahrsagung aus der Bewegung und dem Rauschen der Bäume. – Die Schlange als wahrsagendes Tier. – Baalzebub, Baalfliege, Herr der Fliege. – Träume von Feuer und Flammen. – Incubation. – Nekromantie.

II. Buch.

Der Occultismus der Meder und Perser.

Erste Abteilung.

Der medische Magismus.

Das System des Magismus. – Kambyses in Ägypten. – Feier des Magiermords. – Geist des ursprünglichen Mazdeismus. – Der siebenstöckige Thurm zu Borsippa. – Der babylonische Gestirn- und Planetendienst. – Die Trias. – Die drei Weltzonen. – Zrvâna-akarana, Ahuramazdâ und Angrômainyus. – Der Brauch der Menschenopfer. – Die turanischen Ureinwohner Mediens. – Die Wurzel aller Schlangen- und Teufelskulte. – Directe Nachkommen der alten Angrômainyusverehrer. – Yezidis oder Teufelsanbeter.

Zweite Abteilung.

Der Zoroastrismus.

I. Kapitel.

Das Leben Zoroasters.

Sohn des Poraschasp und der Dogdo. – Zendavesta. – Amschaspands. – Die vier Elemente des Menschenkörpers. – Parsismus. – Gustaspes. – Die mediumistischen Erscheinungen der Feuerfestigkeit und des forcierten Pflanzenwachstums. – Spuren der Physiognomik. – Das Darunopfer mit Wein, Wohlgerüchen, Milch und einem Granatapfel. – Sein Körper, aller Verwundung unfähig. – Der Brahmine Tschengregatscha. – Ardjaspes. – Iran. – Gründung des Cypressendienstes.

Dritte Abteilung.

Der religionsphilosophisch-occultistische Inhalt und die Kosmogonie des Zoroastrismus.

I. Kapitel.

Der religionsphilosophisch-occultistische Inhalt des Zoroastrismus.

Der Unendliche und Anbeginnlose Ahuramazdâ und Angrômainyus. – Zrvâna-akarana. – Die Feruer aller Wesen. – Gedanken du Prels anticipiert. – Die sieben Amschaspands. – Bahman. – Schahriver. – Sapandomad. – Chordad. – Amerdad. – Die Izeds. – Die Stufenleiter der Izeds. – Mithra. – Korschid. – Aban. – Ader. – Anahid. – Amiran. – Ard. – Arduisur. – Aschtad. – Asman. – Barzo. – Behram. – Dahman. – Din. – Farvardin. – Gosch. – Goschorun. – Mah. – Mansrespand. – Neriosengh. – Pavand. – Rameschne-kharan. – Raschne-rast. – Serosch. – Taschter. – Vad. – Venant. – Zemiad. – Der Urvater der Menschheit. – Die sieben Erzdews. – Kampf der guten und bösen Geister. – Der Tod. – Die Auferstehung der Toten.

II. Kapitel.

Der zoroastrische Kultus.

Liebe und Haß, Sympathie und Antipathie. – Zoroaster gebietet unähnlich dem indischen Quietismus keine empfindungslose Geistesstille, keine Abtötung des Leibes. – Das heilige Altarfeuer Behram, das heilige Wasser Zahre, welches auf dem Urberg Albordj entspringt, und der heilige Hombaum, aus welchem der Lebenssaft, das Wasser der Unsterblichkeit hervorquillt. – Die Zauberer als Hände und Füße, Augen und Zungen von Angrômainyus betrachet. – Zweck der Religion Lichtwerdung der ganzen Schöpfung. – Die allgemeine Harmonie alles Lebendigen. – Gemeinde der Lebendigen. – Körper des Urworts. – Das Wort, das Urwesen, durch welches alle Wesen geworden sind, was sie sind. – Es ist eins mit der Lebenskraft und dem göttlichen Wesen. – Das erste Gesetz. – Das Werk der Finsternis. – Erhaltung der Reinheit der Seele. – Feuerdienst. – Die Reinigungen. – Das Wasser. – Das Fasten.

III. Kapitel.

Auszug aus dem Bun-Dehesch, der parsistischen Kosmogonie.

Ahuramazdâ und Angrômainyus. – Die beiden Urprinzipien. – Die Fixsterne der Sichtbarkeit. – Meschgah. – Kaiomorts. – Sieben Fixsterne als Wächter. – Schöpfung des Wassers. – Der Urstier. – Der Hund Sura. – Meschia und Meschiane. – Von der Zeugung. – Eine Art mystischer Zoologie. – Von der Auferstehung der Toten und Wiederherstellung der Leiber. – Sostosch. – Vom sublunarischen Himmel. – Ewige Dauer.

IV. Kapitel.

Die Orakel Zoroasters.

Aphorismen. – Oneirokritik des Astrampsychus. – Kommentar des Psellos. – Plethon. – Incarnationen. – Das Bild von den Ausklopfern der Seele. – Paradies. – Der Astralkörper. – Hefe der Seele.

III. Buch.

Der Occultismus der Inder.

Veden. – Rigveda. – Yayurveda. – Samaveda. – Artharvaveda. – Sabäismus. – Göttertrias: Brahma, Wischnu, Schiwa. – Brahma. – Der vergeistigte Mazdeismus. – Das Gesetzbuch des Manu. – Die kosmogonischen Philosopheme. – Äther (âkâsa). – Reincarnationen. – Die Weltendauer. – Pessimismus der indischen Religionsphilosophie. – Drei Dimensionen des Raumes. – Tamas. – Maya. – Satya. – Sankhyaphilosophie. – Echtheit der Theosophie. – Yogi. – Autohypnose. – Somatrank. – Atma. – Traumschlaf. – Ekstase. – Das Manas. – Indische Astrologie. – Die Siebenzahl. – Die Wochentage. – Tierkreis. – Die Entstehung des Tierkreises. – Harmonie des Makrokosmos mit dem Mikrokosmus. – Die eigentliche Astronomie. – Der Brahmane und später portugiesische Abbé Faria. – Schaustellungen der Bokte-Lamas. – Hucs Bericht über die magischen Wunderheilungen. – Der französische Gesandte Gobineau. – Zauberei in Camerun. – Oberstlieutenant T. G. Frazer. – Die wandelnden Krüge. – Die Fakire Jacolliots. – Covindasamy.

IV. Buch.

Der Occultismus der Ägypter.

I. Kapitel.

Der ägyptische Occultismus als Priesterwissenschaft.

Jamblichus. – Die ägyptischen Priester. – Porphyrius. – Die Hofzauberer Pharaos. – Die Heilgottheiten der Ägypter. – Isis. – Horus. – Apis. – Phtha, das Bild des unendlichen Geistes.

II. Kapitel.

Der Heilmagnetismus bei den alten Ägyptern.

Bentrosch-Stele nach der Übersetzung des Professor Dr. Lauth. – Chonsu Heilgott. – Der ägyptische Hypnotiseur. – Die sa-Striche. – Festmachen. – Erzeugung von Hypnose und Somnambulismus.

III. Kapitel.

Die eigentliche magische Heilkunde der Ägypter.

Hermes Trismegistos. – Die hermetische Litteratur. – Heilkräfte gegen Hautkrankheiten und Epilepsie, gegen Augenkrankheiten, Zahnleiden, Ohrenleiden, Nasenleiden, für die Kehle, für den Magen, für die Gedärme, für die Blase, für die Geschlechtsteile, für die Gebärmutter, für die Nieren. – Humoralpathologie. – Der Grundsatz: similia similibus. – Homöopathie. – Impfung und Serumtherapie. – Ebn Esras.

IV. Kapitel.

Die Seelenlehre der alten Ägypter.

Wahrscheinlichkeit, daß die Kabbala auf Moses zurückzuführen. – Totengericht. – Wägung des Herzens. – Das Zwischenreich. – Die Unterwelt Amenti. – Paradies. – Papyrus, Totenbuch. – Der Mensch als Monade in einer Siebenteilung. – 92. Kapitel des Totenbuches. – Tetragramme oder magische Quadrate.

V. Buch.

Der Occultismus der Hebräer.

I. Kapitel.

Die schwarze Magie der Hebräer.

Elementarwesen des Feuers, der Luft, des Wassers und der Erde. – Salamander, Sylphen, Undinen und Pygmäen. – Pflanzlicher Nephesch (Astralleib). – Gewisse Vorgänge im modernen Mediumismus. – Mit Hilfe der Elementarwesen ausgeführte Magie. – Der Sohar. – Das magische Schauen. – Monen. – Astrologie der Tagewählerei. – Nichusch, wahrsagende Deutung der Erscheinungen und Veränderungen irdischer Dinge. – Doresch ha Methim, ein Befragen der Toten. – Der Kischuph. – Beschwörung der Satanim. – Habal de Garmin. – Schädigende Willensmagie.

Zweite Abteilung.

Die Kabbala.

I. Kapitel.

Das Alter der Kabbala.

Joseph ben Akiba. – Simon ben Jochai. – Gemara. – Mischna. – Rabbi Zera. – Die mysteriöse und heilige Lehre der Merkaba. – Das Tetragrammaton. – Maimonides. – Geheimlehre über die Schöpfung und die Natur der Gottheit. – Kultus des Buchstabens. – Kabbalisten im Gegensatz zu den Essäern. – Die Adepten der Kabbala.

II. Kapitel.

Die kabbalistischen Bücher. – Die Authenticität des Sepher Jezirah.

Überlieferung des Talmud. – Die Darstellungsweise des Jezirah. – Autorität des Moses Botril. – Rabbi Akiba. – Der Verfasser des Buches der Schöpfung.

III. Kapitel.

Die Authenticität des Sohar.

Rabbi Moses ben Nachman. – Rabbi Ascher. – Rabbi Gedalia. – Jehuda ben Gerim. – Simon ben Jochai. – Der Verfasser des Sohar. – Moses von Leon. – Die Emanationslehre, Grundlehre des ganzen im Sohar entwickelten Systems. – Hieronymus, von den zehn mystischen Namen. – Die Stephiroth. – Die Kette der Tradition. – Supplement des Sohar. – Die kabbalistischen Lehren durch mündliche Tradition überliefert. – Das System des Simon ben Jochai. – Das Copernikanische System. – Der heilige Augustin über denselben Gegenstand.

IV. Kapitel.

Die Lehren der kabbalistischen Bücher. – Analyse des Sepher Jezirah.

Das Buch Jezirah. – Die zweiunddreißig wunderbaren Wege der Weisheit. – Die zehn Sephiroth. – Die zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets. – Das letzte Wort des kabbalistischen Systems. – Transformation des Symbols zur Idee.

V. Kapitel.

Analyse des Sohar. – Die allegorische Methode der Kabbalisten.

Die Kabbalisten schoben auf eine den Profanen unbekannte Weise in mysteriösem Sinn den historischen Thatsachen und positiven Geboten eine geheime Bedeutung unter. – Origenes, Homil 7 in Levit.

VI. Kapitel.

Die Anschauungen der Kabbalisten über die göttliche Natur.

Das Buch des Geheimnisses. – Dreizehntausend Myriaden Welten. – Der Name des Unendlichen En Soph. – Die göttlichen Attribute. – Idra Suta. – Der höchste Gedanke oder das Wort. – Besondere Rolle der einzelnen Sephiroth und ihre Gruppierung nach Trinitäten und Personen. – Hegel. – Die Personen dieser Trinität als drei aufeinanderfolgende und absolut notwendige Phasen des Denkens und Seins. – Mit der Hegelschen Philosophie vergleichbar, eine Verbindung von Ideen Platos und Spinozas. – Die drei ersten Sephiroth. – Die Sephiroth bilden in ihrer Gesamtheit den himmlischen oder idealen Menschen. – Absolute Identität der Existenz und des Gedankens. – Schechinah. – Die immanente Kraft der Dinge. – Das Buch der Geheimnisse. – Die Könige von Edom, die Welten, welche bestanden, noch ehe sich die Formen gebildet hatten, um als Mittelglied zwischen der Schöpfung und der göttlichen Wesenheit in ihrer größten Reinheit zu dienen. – Von dem Geschlechtsunterschied des idealen Menschen. – Die Metempsychose. – Die Dämonen. – Hüllen.

VII. Kapitel.

Die Weltanschauung der Kabbalisten.

Kommentatoren des Sepher Jezirah. – Das Dogma von der Schöpfung. – Ex nihilo nihil. – Der Erzengel des Bösen. – Samael. – Die Kabbalisten über die Physiognomik. – Die vier Gestalten des mystischen Wagens des Hesekiel. – Von der himmlischen und der höllischen Hierarchie. – Der Engel der Reinheit (Tahariel), der Barmherzigkeit (Rachmiel), der Gerechtigkeit (Zadkiel), der Befreiung (Padael), und der berühmte Raziel, welcher mit eifersüchtigen Augen die Geheimnisse der kabbalistischen Weisheit bewacht. – Der Engel des Feuers Nuriel, der des Lichts Uriel. – Die Absicht dieser Allegorien. – Die große Hure oder die Meisterin der Ausschweifungen Lilith. – Die Dämonologie der Kabbalisten eine notwendige Ergänzung ihrer Metaphysik.

VIII. Kapitel.

Die Lehrmeinung der Kabbalisten von der menschlichen Seele.

Drei Principien oder vielmehr drei Grade der menschlichen Existenz. – Das individuelle Princip. – Von den Androgynen Platos. – Dogma der Präexistenz. – Die Lehre von der moralischen Prädestination. – Diejenigen welche auf der Welt Böses thun, haben schon im Himmel angefangen, sich vom Heiligen zu entfernen. – Probe der Seelenwanderung (Gilgul). – Die Rückkehr der Seele in den Schoß der Gottheit. – Palast der Liebe. – Küsse der Liebe. – Das Dogma vom Sündenfall.

Anhang.

Blüten vom Baume der Kabbala.

Grundstoff (Huli) der Welt. – Isaak Loriah: Sepher Cch'wanoth, Fol. 46. – Massel (Genius, transcendentales Subject). – Nischmath Chajim, Fol. 101. – Nephesch. – Machschaba (Imagination). – Mairecheth Aeloluth, Fol. 41, 63. – Der Ruach der Tiere. – Der umkreisende Äther. – Gedanken des Herzens wirken auf den Äther ein. – Esarah Maimeroth, Fol. 49.

VI. Buch.

Der Occultismus der alten Griechen.

I. Kapitel.

Die jonischen Naturphilosophen.

Berührung des Occultismus mit der Philosophie. – Thales von Milet. – Seine Lehre vom flüssigen Urstoff. – Hylozoimus. – Aussprüche des Thales. – Anaximander. – Der gasförmige Urzustand. – Nebularhypothese. – Entstehen und Vergehen der Welten. – Anaximenes. – Bedeutung der Verdünnung und Verdichtung. – Hippo, Idaeus und Diogenes von Apollonia. – Kreisbewegung. – Heraclit der Dunkle. – Sein ist Werden. – Lehre von den Weltperioden. – Das große Jahr. – Beziehungen zu Zoroaster.

II. Kapitel.

Pythagoras und die Alt-Pythagoräer.

Geschichte seines Lebens. – Geheimbund. – Die einfachsten Zahlenbestimmungen der musikalischen Harmonie. – Zahlenmystische Spielereien. – Theologie der alten Pythagoräer. – Die kosmologischen Einsichten. – Harmonie der Sphären. – Metempsychose, richtiger Metemsomatose. – Palingenesie. – Sexuelle Enthaltsamkeit. – Genuß der Bohnen.

III. Kapitel.

Die Eleaten.

Xenophanes. – Skepsis. – Reiner Monotheismus. – Parmenides. – Vorläufer der Naturphilosophie des Telesius. – Warmes und Kaltes. – Zeno, der Eleat. – Einheit des Seins. – Wesen von Raum und Zeit. – Wirklichkeit und Erscheinung. – Gesetz der bestimmten Anzahl. – Rangordnung der Realitäten.

IV. Kapitel.

Empedocles, Pherekydes, Epimenides von Kreta.

Praktiker auf dem Gebiete der sog. Geheimwissenschaften. – Medizin-Mann. – Hypnotische Technik. – Goëtie. – Charlatanerie. – Kreislauf des Stoffwechsels. – Attraktionskraft und Repulsionskraft. – Liebe und Haß. – Darwinistische Theorie. – Antizipation der Lehre von der indirekten Auslese. – Seelenwanderungslehre. – Vegetarismus. – Pherekydes. – Sehertum. – Theogonie. – Epimenides von Kreta. – Jatromanten. – Nona. – Epidemische Geisteskrankheit. – Reinigungsceremonien. – Orpheotelesten. – Das Wunder suggestiver Massenheilung.

V. Kapitel.

Die Geheimlehre der Mysterien.

Bacchische und cerealische. – Kreta. – Soziale Nebentendenz. – Die bacchischen Mysterien. – Ahnung der göttlichen Einheit. – Geheimkult indischen Ursprungs. – Dionysos. – Zagreus. – Die Siebenzahl. – Weltökonomie. – Spiegelbecher. – Phallus. – Lingam und Yoni. – Die Welt des Scheins. – Becher der Reinigung oder Wiedergeburt. – Spekulative Analyse der indischen Ideen. – Die schaffende Gottheit Welt-Lingam. – Die cerealischen Mysterien.Die Eleusinien. – Erntefeste. – Die sog. kleinen Mysterien. – Erkennungszeichen. – Die letzte Weihe, epopteia. – Selbstschau. – Conx ompax. – Spiritismus. – Unsterblichkeit. – Demeter eine Gottheit mit doppeltem Charakter. – Spekulative Analyse des Inhalts der eleusinischen Lehre. – Die Toten sind Demetrier. – Die Thesmophorien. – Der Ackerbau als das fruchtbarste Prinzip der Humanität. – Mysterium der Ehe. – Natürlich geschlechtliche Basis der Ehe. – Neuntägige Enthaltung von geschlechtlichem Verkehr. – Sthenien. – Die Orgie in Halimus. – Schamlose Seite altheidnischer Feste. – Kteis. – Orgiasmus. – Die samothrakischen Mysterien. – Todesfeier des Dionysios. – Orphiker. – Heilige Sage.

VI. Kapitel.

Anaxagoras.

Nus, Verstand. – Homöomerien.

VII. Kapitel.

Die Atomistiker, insbesondere Demokritos.

Leucippos. – Demokrit. – Atomverbindungen. – Quantitative Beziehungen. – Primäre und sekundäre Eigenschaften. – Besonderer Seelenstoff. – Sophistik.

VIII. Kapitel.

Sokrates und sein Dämonium.

Problem des sog. Genius. – Glauben an die Orakel. – Dämonion. – Vulgäre Psychologie. – Unbegreiflichkeit des Phämomens. – Dühring. – Dramatische Spaltung des Ich. – Du Prels Mystik der alten Griechen.

IX. Kapitel.

Platon.

Platon der Vater des Idealismus. – Traum des Sokrates. – Große Reise nach Cyrene und nach Ägypten. – Syrakus. – Dionysios. – Dion. – Unverletzte Virginität. – Platos Lehre. – Der Theätet, der Sophist und der Politikos. – Parmenides. – Ideenlehre. – Bedeutung der platonischen Ideen. – Lotze in seiner Metaphysik. – Verhältnis der Ideenwelt zur Gottheit. – Phädrus, Philebus, die Republik und der Dialog von den Gesetzen. – Unsterblichkeit der Seele. – Phaedon, der Staat, Phaedrus, Timaeus und das Gastmahl. – Der intelligible Charakter. – Ästhetische Mystik.

X. Kapitel.

Aristoteles.

Universal-Gelehrter. – Scholastik. – Überschätzung. – Exoterische und esoterische Schriften. – Form und Stoff. – Dualismus. – Seelenlehre. – Entelechie. – Persönliche Substanz. – Der thätige Intellekt. – Der leidentliche Intellekt. – Rationalistische Theorie der Träume.

VII. Buch.

Der Occultismus der alten Römer.

I. Kapitel.

Einfluß der Etrusker auf die römische Religion.

Die Verhüllten.

II. Kapitel.

Die Religion der Römer.

Die Religion im Dienste des Staates. – R. v. Ihering. – Machiavellismus der Römer. – Ver sacrum. – Jupiter. – Mars. – Quirinus. – Juno. – Die Matronalien. – Ficus Ruminalis. – Nebenbedeutung allerintimster Natur. – Lupercus. – Lupera. – Innuus. – Unfruchtbarkeit. – Februare. – Rock der Juno. – Subigus. – Prema. – Pertunda. – Perfica. – Fluonia. – Lucina. – Befriedigung des Geschlechtstriebes. – Janus. – Saturn. – Das goldene Zeitalter. – Ceres, Liber und Libera. – Fascinum = Phallus. – Flora. – Euhemeristische Mythologie. – Die Freudenmädchen. – Die römische Venus. – Volupia, die eigentliche Göttin der Wollust. – Angeronia. – Cloacina. – Minerva. – Vulcan. – Faunus. – Ficarii und Incubi. – Fatua. – Pales. – Priapus. – Anna Perenna. – Acca Laurentia. – Die Apotheose eines Freudenmädchens. – Die geschlechtliche Sinnlichkeit des Römers. – Volksmetaphysik.

III. Kapitel.

Unsterblichkeitsglaube und Jenseitsvorstellung.

Eine sozial sehr zweckmäßige Eigenschaft. – Genien, Laren oder Manen und Lemuren. – Manen. – Totenfest. – Aller-Seelenfeier. – Larenopfer. – Venus Libitina. – Beziehung der Demeter zum Tode und zur Zeugung.

IV. Kapitel.

Der Glaube an Magie und symbolische Handlungen.

Cicero in seiner Schrift über die Weissagung. – Ausführung des Naturforschers Plinius.

V. Kapitel.

Weissagung und Zeichendeuterei. Orakel. Sibyllinische Bücher.

Werfen der Loose. – Orakel. – Tibur. – Somnambule Zustände. – Orakel zu Tumae. – Sibylle. – Neun Bücher Weissagungen. – Die sog. sibyllinischen Bücher. – Eine sibyllinische Weissagung.

VI. Kapitel.

Beobachtung der Himmelszeichen, Vögel, Blitze u. s. w., und Opferschau.

Augurium. – Auguren. – Der Glaube der alten Römer an die Unfehlbarkeit der Auspicien. – Geheimwissenschaft. – Verfahren. – Flug der Vögel. – Fressen der heiligen Hühner. – Cicero über die Auspicien. – Opferschauer. – Haruspicium. – Ein Wort Hannibals. – Beobachtung der Blitze. – Jupiter, Elicius. – Wettermagie.

VIII. Buch.

Der Occultimus der Alexandriner, Neupythagoräer und Neuplatoniker.

Vorbemerkung.

Erste Abteilung.

Die Alexandriner.

I. Philo von Alexandria

I. Kapitel.

Philos Leben und Lehrweise.

Alexandria. – Bibliothek. – Philos Leben. – Versuche, das alte Testament esoterisch zu deuten. – Die mystische Reise nach Haran. – Ekstase der indischen Sonnen- und Mondkinder. – Der Logos.

II. Kapitel.

Philos Mystik.

Sekte der Essäer durch buddhistische Missionäre gestiftet. – Sündenfall. – Askese oder Unterricht. – Heraustreten aus dem eigenen Ich.

III. Kapitel.

Die Elemente der Gnosis bei Philo.

Theosophie Philos. – Die doppelte Erkenntnis.

II. Die Therapeuten und Essäer.

Josephus. – Ihre Gütergemeinschaft.

Zweite Abteilung.

Die Neupythagoräer.

Apollonius von Tyana.

Parallele Christi. – Zweifel an der Existenz des Apollonius. – Eduard Baltzer. – Apollonius, ein entschiedener Spiritist. – Julia Domna. – Philostratus von Lemnos. – Mysterien des Aeskulapdienstes. – Schweigezeit. – Die indischen Brahmanen. – Ereignisse im Leben des Apollonius. – Parallele aus der Autobiographie des Bürgermeisters Barth. Sastrow zu Stralsund. – Gymnosophisten.

Dritte Abteilung.

Die Neuplatoniker.

I. Kapitel.

Plotinos.

Plutarch. – L. Apulejus. – Ammonios Sakkas. – Longinos. – Porphyrius. – Die Verstandeswelt, das Muster der Sinnenwelt. – Das Geisterreich. – Die Einkörperung der Seele. – Zwei Wege, zum Schauen des Einen, Ersten und Höchsten.

II. Kapitel.

Porphyrius, Jamblichus, Proklus, Sosipatra.

Vereinigung mit Gott. – Vehikel der Seele. – Dämonologie. – Mantik. – Jamblichus. – Materialisation. – Schrift De mysteriis Aegyptiorum. – Annahme eines Astralleibes. – Prachtstück der theurgischen Weisheit. – Proklus. – Sosipatra.

III. Kapitel.

Hierokles und sein Kommentar zu den goldenen Sprüchen des Pythagoras. – Die letzten Neuplatoniker.

Vierundfünfzig Strophen der goldenen Sprüche. – Hierokles. – Erkenntnis der Doppelnatur des Menschen. – Die mystische Reinigung.

IV. Kapitel.

Synesios, der letzte Neuplatoniker, sein Leben und seine Lehren.

Hypatia. – Cyrenaica oder Pentapolis. – Messias-Putsch. – Synesios in Konstantinopel. – Schrift „Die Ägypter, oder über die Vorsehung“. – Bischofswürde. – Die Schrift über die Träume.

V. Kapitel.

Die Gnostiker und Manichäer.

IX. Buch.

Der Occultismus der Kelten und Germanen.

Erste Abteilung.

Die Kelten.

I. Kapitel.

Die Druiden.

Das Religionssystem der Kelten. – Pentalpha. – Geheimlehre. – Die auf Eichen wachsende Mistel. – Triaden. – Oberdruide.

II. Kapitel.

Gottesdienst und Geheimlehre der Druiden.

Menschenopfer. – Teutates. – Seelenführer. – Esus oder Hesus. – Die Insel Mona. – Hu gadarn. – Die Gotteinheit der britischen Kelten. – Mysterien vom Tode des Hu. – Ceridwen. – Tetragrammaton. – Lehrgebäude des Kesselordens.

Zweite Abteilung.

Der Occultismus der Germanen.

Entwickelungsgeschichte der germanischen Mythologie.

I. Kapitel.

Die Weltschöpfung der Edda. Yggdrasil.

Dualismus eines bösen und guten Weltprinzips. – Der Mythus vom Weltbaum.

II. Kapitel.

Der Götterhimmel der Germanen.

Die Edda. – Odin. – Odin-Wodan. – Das Gespensterheer. – Die Erzählung der Edda vom Dichtertrank. – Der runenkundige Gott. – Lehre vom Doppel-Ich. – Thor und Loki. – Balder. – Hödur. – Deutung dieses Mythus. – Frigg. – Iduna.

III. Kapitel.

Götterdämmerung und Wiedergeburt.

Ragnarök. – Weltuntergang. – Esoterische Idee der Wiedergeburt.

X. Buch.

Der Occultismus der barbarischen Völker.

Skythen. – Toxaris und Anacharsis. – Massageten. – Geten. – Zamolxis. – Hyperboräer. – Abaois. – Taurer.

Vorwort.

Am zweiten Ostertage v. J. (1895) starb Karl Kiesewetter, einer der eifrigsten Forscher auf dem Gebiete des „Wunderbaren und Geheimnisvollen“, der Verfasser der „Geschichte des neueren Occultismus“, der „Geheimwissenschaften“ und des ersten Halbbandes dieses Buches über den „Occultismus des Altertums“. Ein plötzlicher Tod entriß ihn im besten Mannesalter seinem eigenartigen Studiengebiete, auf dem er augenscheinlich eine erstaunliche Belesenheit und Quellenkunde besaß.

Die Verlagshandlung wandte sich nun an mich, mit dem Antrage, die Herstellung des zweiten Halbbandes dieses Buches unter Benutzung des Kiesewetterschen handschriftlichen Nachlasses zu übernehmen und zwar genau nach der bereits von Kiesewetter festgestellten Disposition. Die Einsicht des handschriftlichen Nachlasses ergab, daß der Verstorbene nur das achte Buch seiner Disposition, den Abschnitt über die Alexandriner, Neupythagoräer und Neuplatoniker ausgearbeitet hatte.

Der wohlwollende Leser möge die ganze von mir gelieferte Arbeit nicht etwa als ein Werk auffassen, das mit wissenschaftlicher Prätension sich etwaigen ähnlichen Forschungen über „vergleichende Religionswissenschaft“ zur Seite stellen möchte, sondern als das Ergebnis dilettantischer Nebenstunden, als eine dem gebildeten Dilettanten selber, der über keine Zeit und keine genügende Ausdauer verfügt, aus dem Staube der Bibliotheken und dem Studium schwerfällig gelehrter Originalwerke das ihn Interessierende selber herauszusuchen, gewidmete Skizze eklektischer Streifzüge ins Gebiet der Mystik.

Dixi et salvavi animam meam.

Jena, im Februar 1896.

L. Kuhlenbeck.

Erstes Buch.
Der Occultismus bei den Akkadern, Babyloniern, Chaldäern und Assyriern.

Erstes Kapitel.
Religionsphilosophie, weiße und schwarze Magie der Akkader.

Der Occultismus ist so alt wie die ihrer selbst bewußte Menschheit, und selbst wo uns die Hieroglyphen Ägyptens im Stich lassen, führt uns die Keilschriftlitteratur der Euphrat- und Tigrislande in die graueste Urzeit des Menschengeschlechts hinauf und zeigt uns, daß zum allermindesten tausend Jahre vor Beginn der beglaubigten Geschichte der Occultismus in seinem Kern derselbe war wie heute. Natürlich wechselten mit den verschiedenen Staatsreligionen seine Formen, und wir haben deshalb den stets gleichen esoterischen Kern unter den wechselnden Hüllen der Dogmen nachzuweisen sowie auch seine fortschreitende Weiterbildung und Ausreifung.

Vor noch nicht einem Menschenalter – im Jahre 1866 – veröffentlichten die englischen Orientalisten Sir Henry Rawlinson und Norris im zweiten Band der Cuneiform Inscriptions of Western Asia eine aus der Bibliothek des Königspalastes von Niniveh stammende Tafel mit den Fragmenten von 28 Zaubersprüchen, welche, wie Lenormant sagt[1]: „von der Existenz einer so künstlichen und zahlreichen Dämonologie bei den Chaldäern zeugt, wie sie sich ein Jacob Sprenger, Jean Bodin, Wier oder Pierre de Lancre wohl nimmer vorgestellt hätten. Es erschließt sich uns darin eine ganze Welt von bösen Geistern, deren Rangordnung mit vieler Gelehrsamkeit festgestellt, deren Persönlichkeiten sorgfältig unterschieden und deren besondere Eigenschaften scharf präcisiert sind.“

Außerdem entdeckte Layard an gleicher Stelle die gegenwärtig im British Museum aufbewahrten Fragmente eines umfangreichen magischen Werkes von zweihundert Tafeln, welches für Chaldäa wohl das Gleiche war, was die alten Inder in ihrem Atharva-Veda besaßen, nämlich eine Sammlung aller Formeln, Beschwörungen und Hymnen der chaldäischen Magier, von denen die Schriftsteller des Altertums berichten.

Diese Urkunden sind in akkadischer, einer den finnischen und tartarischen Dialekten verwandten turanischen Sprache abgefaßt, welche von den vorgeschichtlichen Ureinwohnern Chaldäas, den Akkadern, gesprochen wurde. Assurbanhabal ließ dieselben im siebenten Jahrhundert v. Chr. für seine Palastbibliothek mit der überlieferten assyrischen Interlinearversion abschreiben, ohne welche sie wohl nicht mehr verstanden worden wären, weil damals die akkadische schon über tausend Jahre eine tote Sprache war.

Dieses Erbe der Akkader, welches offenbar aus ältern im Laufe der Zeit zusammengestellten Überlieferungen besteht, führt in eine altersgraue Zeit hinauf, in welcher, wie wir sehen werden, neben dem Kultus kosmischer und tellurer Potenzen der Glaube an die Einheit und Geistigkeit des göttlichen Wesens bestand.

Die akkadische Magie beruhte auf einem vollständigen wohlgegliederten mythologischen System, welches in seinen Ursprüngen über das dritte Jahrtausend vor Christus zurückreicht. In diesem Jahrtausend wanderten vermutlich in das von den Akkadern bewohnte nachmalige Chaldäa Kuschiten ein, welche Sprache, Religion und Volkstum der Akkader allmählich in den Hintergrund drängten. In Babylonien wie in Chaldäa bildeten sich verschiedene Religionsformen aus, bis ums Jahr 2000 König Sargon eine einheitliche Staatsreligion einführte, die in Chaldäa und Babylonien wie später auch in Assyrien galt.

Diese Staatsreligion beruhte zum Teil auf der der syrischen und phönicischen verwandten Religion der Kuschiten; sie nahm aber viele akkadische Elemente auf, und so beginnt denn die bis zur Zeit Alexanders des Großen reichende Periode der „Chaldäer“. Allerdings nahmen in dieser Mischreligion die akkadischen Elemente mit ihrer Dämonenlehre und ihren Exorcismen einen untergeordneten Rang ein, und ihre Pfleger waren eine niedere Kaste von Zauberpriestern, welche durch ihre Beschwörungen Krankheiten und Bezauberungen zu heilen, Dämonen zu vertreiben, widrige elementarische Einflüsse zu zerstreuen usw. usw. suchten. Die oberste Priesterkaste waren die Chaldäer, welche – wie die persisch-medischen Magier – sich nur mit Astronomie und Astrologie befaßten.

Da bei den genannten Völkern Kultus und Occultismus auf das engste verbunden sind, müssen wir zunächst zu einer Darstellung ihrer Religionslehren übergehen.

Nach chaldäisch-babylonischer Anschauung ist die Erde von den als Gottheiten gedachten Meer, Ocean und Chaos (chald. Tiamat, Apsu und MummuΘαυάτϑ, Ἀπασῶν und Μωυμῖς des Berosus) geboren. Jedoch werden diese mystischen Gottheiten im öffentlichen Kultus nicht verehrt, sondern an ihre Stelle tritt zuerst die oberste Trias der männlichen Gottheiten, welcher eine gewisse Ähnlichkeit mit der christlichen Dreieinigkeit nicht abzusprechen ist. Die erste Person dieser Trias ist Anu (Himmel), der Erstgeborene, der Uralte, der Älteste der Götter, der Vater der Götter, der Gebieter der Finsternis. Er ist der Herr des Himmels und des Weltalls, schon ehe er dem Chaos eine feste Gestalt gegeben hatte, und zugleich der Gott der Welt und Zeit. Auf ihn folgt Ea, die das All durchdringende, belebende, lenkende und befruchtende göttliche Weisheit, der über dem Meer schwebende Geist. Die dritte Person dieser Trias ist Bel (akkad. Mul-ge), der Gebieter und die Personifikation der geordneten Schöpfung, der Bildner des Sternenhimmels und Lenker der geordneten Bewegung der Himmelskörper.

Diese drei Personen der obersten göttlichen Trias sind in ihrem Wesen gleich und gleich mächtig, ohne jedoch auf gleicher Stufe der Emanation zu stehen; Anu ist stets der Vater des Ea, aber bald der Vater und bald der Bruder des Bel.

Dieser obersten männlichen Trias steht eine weibliche gegenüber, Anat (akkad. Anu), Belit (akkad. Ningelal) und Davkina, welche man sich als der weibliche Ausdruck und Form der männlichen Trias dachte. Diese Gottheiten sind androgyner Natur, und dieser uralten Anschauung entstammen die von den Orphikern und Neuplatonikern gelehrten hierhergehörigen Mythen der klassischen Völker.

Der Begriff der Androgynie war bei den Chaldäern auch auf die Planetengötter übertragen, wie es denn von der Venus (Dilbat) heißt: