Die Provinzen.

In Moskau wird die graphische Kunst in ziemlich umfangreicher Weise geübt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202 Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen Seliwanowski bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte Synodalbuchdruckerei (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmässige Einrichtung. Mor. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere.

Dorpat hatte schon 1624 eine Offizin, Mitau 1774, Odessa 1825. Charkow mit seiner 1804 gegründeten Universität erhielt 1820 eine Druckerei. In Warschau sind namentlich H. & M. Orgelbrand durch ihre hebräischen Drucke bekannt.

In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische.

Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berühmten Kloster Etzschmiazin bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein zweiter Druckort ist Nachitschewan, wo 1794 unter anderem eine Übersetzung von Fénelons Télémaque erschien. Tiflis hat mehrere Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie Sarepta befand sich seit dem Jahre 1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. Astrachan erhielt zu Anfang des Jahrhunderts, Kasan 1815 Offizinen.

In den Gouvernementsstädten Sibiriens finden sich zwar Buchdruckereien, jedoch primitivster Einrichtung, nur Jekaterinenburg und Irkutsk haben gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens, welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In Selenginsk wurde auf Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in mongolischer Sprache gedruckt.

Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr über Mangel an Lumpen, die namentlich nach England ausgeführt werden. Die Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik liefert jährlich etwa sieben Millionen Spiele.

Statistisches.

Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der erschienenen Bücher betrug 2589. 1870 war der Wert der Büchereinfuhr 1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel.

Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhältnismässig sehr geringe und betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa.

Zeitungswesen.

Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der „Golos“ (die Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die Times eine bestimmte Tendenz, aber ein ebenso feines Gehör für das, was kommen würde. „Die neue Zeit“, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas an Verbreitung eingebüsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast den Sieg über die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen, wogegen die „Russische Wahrheit“ einen gebildeten Ton anschlug. Auch das „Gerücht“ hielt sich von Chauvinismus frei. Die „Moskauer Zeitung“ hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande südlich und östlich von Moskau Geltung.

Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, „Der Regierungsbote“. Als offiziös konnten das Journal de St. Pétersbourg und die Agence générale russe und im Auslande der Brüsseler Le Nord, allenfalls auch der „Russische Invalide“ gerechnet werden. Neben der russischen St. Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehören der Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits 1877 ihr 150jähriges Jubiläum gefeiert.

Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter Präventiv-Zensur, müssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht zeitweiliges oder auch vollständiges Verbot nach sich. In ausländischen Angelegenheiten haben die grossen Blätter ziemlich freien Spielraum, und sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie man gewöhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung.

Manche Städte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kämpfen hat, mag daraus erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit für Satz und Druck.

DIE DONAULÄNDER.

Die jüngsten Staaten.

Wir wenden uns jetzt den jüngsten selbständig gewordenen Mitgliedern des europäischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung für die Presse erst der Zukunft gehört. Mit der Erlangung des politischen Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblühen des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Gährung überstanden, so ist es bei der Bildungsfähigkeit der betreffenden Völker auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wünschen bleibt, dass es nicht deutschfeindlichen Einflüssen gelingen möge, nationale und geistige Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Völker selbst am meisten gegen ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges Interesse handeln würden.

Serbien.

Serbien[270]. Als die neue Ära in unserem Jahrhundert für Serbien begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des Wissens oder vielmehr der Unwissenheit.

Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem Woiwoden von Celat, Georg Cernojević, 1493–1495 veranstaltete, mit cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik den schönsten slawischen Druck nennt, wie überhaupt die Erzeugnisse der südslawischen Pressen an innerem und äusserem Wert die ihnen um einige Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke übertrafen.

Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI. Jahrhundert in den Kämpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte Russland die südslawischen Länder mit Kirchenbüchern, bis die eigene Staatsdruckerei die Lieferung derselben übernehmen konnte. Ferner that die englische Bibelgesellschaft manches für die Verbreitung des Neuen Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk übersetzen und mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich Übersetzungen, wurden in Österreich und Deutschland gedruckt.

Die Staatsdruckerei.

Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt. Dieselben wurden zuerst in Kragujevac aufgestellt, um unter der Leitung Berrmanns aus Wien erst nur liturgische Bücher mit russischen Lettern zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Fürsten Milosch nach Belgrad verlegt und mit noch drei Handpressen, später mit zwei König & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei wurde von dem Stuttgarter Ockenfuss eingerichtet. Um den Typenschnitt machten sich zwei andere Deutsche, Schröpel († 1864) und dessen Faktor Walter aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr als 50 Setzer und Lehrlinge beschäftigt und zahlreiche Arbeiten wurden sowohl für den Staat wie für Private ausgeführt, ausserdem die Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt.

Um 1850 wurde auch die Lithographie durch einen Deutschen, Braumann, eingeführt. Karten, Pläne und andere chromographische Arbeiten wurden in guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr gut gedruckt.

Die serbische Sprache.

Die serbische Sprache, die auch seit 1830 von den Kroaten als Schriftsprache adoptiert wurde, wird von Kennern als reich, kurz, energisch und melodiös geschildert. Der Linguist Vuk führt in seinem Wörterbuch mehr als 62000 Wörter auf. Bis jetzt beschäftigte sich die serbische Presse meist mit dem Druck von Lehrbüchern und mit Übersetzungen, doch hat die Originallitteratur schon bedeutende Anfänge aufzuweisen. Das 1838 vom Fürsten Milosch gegründete Lyceum wurde 1863 Universität. 1841 gründete Fürst Michael die „Gesellschaft für serbische Litteratur“, die ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen wurde und durch ihr Jahrbuch (Glasnik) viel wirkte.

Zeitungen.

Als Gründer der politischen Presse im europäischen Stil ist Miloš Popović zu betrachten, der von 1841–1861 fast ununterbrochen die offizielle Zeitung redigierte und dann im Verein mit Dr. Rosen eine quasi offiziöse Zeitung gründete. Da diese die gelesenste von allen war und trotzdem nur in 750 Exemplaren gedruckt wurde, so lässt sich ein Schluss auf die Grösse des Lesepublikums der übrigen im Jahre 1866 in Belgrad erschienenen Blätter ziehen. Mit dem Buchhandel ist es auch noch nicht sonderlich bestellt.

Graphische Künste.

Auf dem Gebiete der vervielfältigenden Künste haben sich einige Persönlichkeiten vorteilhaft bekannt gemacht. Natal, Bonifacij und Martin Rota-Kolunić wirkten als Kupferstecher bereits im XVI. Jahrhundert in Rom. Unter den zahlreichen Stichen des letzteren ist namentlich „Das jüngste Gericht“ bekannt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts gab Joseph Milowuk Bildnisse berühmter Serben in Kupferstich heraus. Sein Sohn machte einen Versuch mit einer illustrierten Zeitung in Belgrad und suchte somit für den Holzschnitt in Serbien Bahn zu brechen; doch war der Erfolg kein bedeutender.

Um die Lithographie und die Photographie in Serbien erwarb sich die meisten Verdienste Nastas Jovanović. Vom Fürsten Milosch nach Wien gesandt, um dort die Kupferstecherkunst zu lernen, gründete er später einen nationalen Kunstverlag, in welchem sich zahlreiche Blätter mit historischen Vorwürfen befanden. In seinen Unternehmungen ward er von Wiener Künstlern, namentlich von Vincenz Katzler, unterstützt.


Rumänien.

Rumänien. Das Rumänische ist die Muttersprache von über zehn Millionen Menschen, hat also für die Typographie der Zukunft eine nicht geringe Bedeutung. Es wird nicht allein in Rumänien gesprochen, sondern ist auch in den östlichen Teilen Ungarns, im Banat und in Siebenbürgen, in Bessarabien, Podolien und in der Bukowina verbreitet. Von manchem wird die rumänische Sprache irrtümlich für eine slawische gehalten; sie stammt jedoch aus dem Lateinischen und schliesst sich ziemlich eng an das Italienische an, erscheint deshalb auch den Bewohnern der eigentlichen Kulturländer Europas nicht so fremdartig als die slawischen Idiome.

Die dortige Typographie befindet sich schon im raschen Aufblühen. Bereits in der Mitte der siebenziger Jahre unseres Jahrhunderts befanden sich in Rumänien in zwölf Städten verteilt 34 Buchdruckereien mit 217 Gehülfen und 117 Lehrlingen. Von diesen kamen auf Bukarest zwölf Druckereien mit 138 Gehülfen, 108 Lehrlingen, 27 Maschinen und 11 Handpressen. Die Regierung ist sehr um die Einführung der Papierfabrikation bemüht. Für das Interesse, welches in diesem jungen, der Kultur zugeführten Staat für die Typographie herrscht, spricht das Erscheinen zweier Fachzeitschriften.


Bulgarien.

Bulgarien. Diese jüngste Staatenschöpfung in Europa hat begreiflicherweise noch zu sehr mit den notwendigen Existenzfragen zu kämpfen, um auf dem Gebiete der Presse schon wesentliches leisten zu können. Erst kommen, wie überall, die Zeitschriften und die Unterrichtsbücher. Seit 1824 liessen bulgarische Emigranten zahlreiche Schul- und kirchliche Bücher im Auslande drucken und Druckereien wurden 1870 in Salonik und Smyrna zu diesem Zwecke begründet. Ein Journal Ljuboslovic erschien bereits in den Jahren 1844–1846 in Smyrna. Die erste in Bulgarien in der Landessprache erschienene Zeitung war 1849 Czarigradskij Vestnik, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung und ging 1861 ein. Ein in Odessa herausgegebenes Blatt Mirozrenie wurde, obwohl politisch ganz harmlos, verboten. 1879 erschienen in Konstantinopel und Rumänien 14 bulgarische Zeitschriften.

Sofia hat jetzt sechs Zeitungen aufzuweisen, unter welchen das wöchentlich erscheinende Regierungsblatt. Die in deutscher Sprache erscheinende „Bulgarische Korrespondenz“ ist zur Aufklärung des Auslandes bestimmt. Unter den Zeitungen befindet sich auch eine illustrierte, Bolgarskaya Illywstratsiya. Rustschuck hat zwei Journale, unter welchen das oppositionelle Bolgarin die stärkste Verbreitung hat. In Sistowa, Tirnowa, Philippopel und Sliwnia giebt es je eine Zeitung.

GRIECHENLAND.

Griechenland.

Griechenland war eines der letzten Länder, nicht nur in Europa, in welchem die Buchdruckerkunst ein festes Heim fand.

Unter der Herrschaft der Türken hatte sich nur ab und zu eine wandernde Druckerei eingefunden, um rasch wieder zu verschwinden, eine bleibende Stätte für die Typographie gab es nicht. Die notwendigsten liturgischen, daneben einige wenige Unterrichtsbücher wurden bei Nikolas Glyky in Venedig, einige auch in Wien und Paris gedruckt.

Der Errichtung zweier Offizinen auf den jonischen Inseln durch General Bonaparte wurde bereits (S. 172) gedacht. Zu Anfang des Jahrhunderts fanden schwache Versuche zur Gründung griechischer Zeitungen in Konstantinopel, Smyrna und Bukarest statt. Auszüge aus der heiligen Schrift in neugriechischer Sprache liess 1817 der Missionär Wilson auf Corfu drucken. 1818 folgte dort eine politische Zeitschrift in italienischer und neugriechischer Sprache. Bereits früher hatte der Missionär Lowndes eine albanesische Bibel, wahrscheinlich das erste gedruckte Buch in albanesischer Sprache, dort ausführen lassen.

Der Freiheitskampf.

Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen überall in Europa die grösste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollständige Druckerei-Einrichtung (S. 180), die in Nauplia ihre Stätte fand. Missolunghi erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope brachte eine solche nach Athen; ausserdem erhielten Korinth, Patras, Hydra, Chios und Aegina Pressen. Auf Aegina erschien während der Präsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt „Ephemeriden“; auf Hydra „Der Freund des Gesetzes“, in Missolunghi die „Hellenische Chronik“, in Korinth die „Trompete von Hellas“.

Regierung König Ottos.

Als König Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten gekommen waren, ein so kläglicher, dass es nicht einmal möglich war, die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszuführen. Unter den mit dem Könige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11 Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in München war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen wurde das, noch 1870 dreimal wöchentlich erscheinende „Jahrhundert“ gegründet. „Der Erlöser“ erschien zweimal wöchentlich in italienischer und neugriechischer Sprache. 1834 gründete die Amerikanisch-Englische Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Ansichten eine gut eingerichtete Buchdruckerei, die viele Schulbücher, an welchen Griechenland noch sehr arm war, lieferte[271].

Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natürlich noch nicht. Auch hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27. Juli 1882 verstorbene Buchhändler und deutsche Konsul Karl Wilberg durch seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite.

Aufblühen der Presse.

Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr beschränkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung König Georgs 1863 wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen, und das litterarische Leben ist in raschem Aufblühen begriffen. Eine illustrierte griechische Zeitung Hesperos, herausgegeben von Dr. J. Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt.

Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst über dessen glückliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollständig erlosch, um einer tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es jedoch den „Barbaren“ seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen, die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklärung zu verbreiten und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen.

Der „Barbar“ Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus, indem er ihm seine äusserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen unvergängliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, für immer die Gewähr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkümmerung und Finsternis anheimfallen könne. Und so mögen die folgenden, dem Denkmal im Hofe „Zum Gutenberg“ entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons stehen.

Was einst Pallas Athene dem griechischen Forscher verhüllte,
Fand der denkende Fleiss deines Gebornen, o Mainz!
Völker sprechen zu Völkern, sie tauschen die Schätze des Wissens;
Mütterlich sorgsam bewahrt, mehrt sie die göttliche Kunst;
Sterblich war einst der Ruhm; SIE gab ihm unendliche Dauer,
Trägt ihn von Pol zu Pole, lockend durch Thaten zur That;
Nimmer verdunkelt der Trug die ewige Sonne der Wahrheit,
Schirmend schwebt ihr die Kunst, Wolken verscheuchend, voran.
Wandrer, hier segne den Edlen, dem so viel Grosses gelungen,
Jedes nützliche Werk ist ihm ein Denkmal des Ruhms.

Fußnoten:

[258] Cam. Nyrop, Bidrag til den danske Boghandels Historie. 2 Teile. Kopenhagen 1870. — Klein, Adressebog for den danske norske og svenske Boghandel. — Nyerop in Læsendes Aarbog for 1801.

[259] C. Nyrop, Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst. Kopenhagen 1881.

[260] M. Truelsen, Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark. Kopenh. 1881.

[261] C. Piil, Die Chemitypie. Leipzig 1846.

[262] C. Nyrop, Christian Sörensen. Et Industribillede. Kopenhagen 1869.

[263] Det islandske Literaire Selskabs Love. Kopenhagen 1851. — Nyerop, Læsendes Aarbog for 1801.

[264] Paul Botten-Hansen, La Norvège littéraire. Christiania 1868. — Beretning om Säcularfesten i Christiania 1840.

[265] Einer der neuesten Verlagsartikel der Firma ist J. G. Nordins Handbok i Boktryckare konsten, ein so vorzügliches, nebenbei gesagt typographisch so vortrefflich ausgestattetes Lehrbuch der Kunst, wie es Deutschland nicht besitzt. Am 1. April 1883 begann ein neues Fachjournal: Nordisk Typograf-Tidning. Am 1. Juli 1883 und den folgenden Tagen feierte Schweden die 400jährige Einführung der Kunst, bei welcher Gelegenheit eine Festschrift des erwähnten J. G. Nordin im Verein mit dem um die Bibliographie Schwedens verdienten Bibliothekar G. E. Klemming: Svensk Bogtryckeri-Historia 1483–1883, 1. Teil, erschien. Der Teil reicht leider nur bis zu dem erwähnten Momma (etwa bis 1770). Aus demselben geht jedoch hervor, dass nunmehr die Thatsache feststeht, dass gleichzeitig mit Joh. Snell (I, S. 75) ein zweiter deutscher Buchdrucker, Nic. Gothan, der früher schon in Magdeburg eine Offizin hatte, 1483 in Stockholm ein Buch, Vita St. Katherine, druckte.

[266] Journ. f. B. 1878, Nr. 7.

[267] Das Journ. f. B. 1872 bringt eine sehr detaillierte Beschreibung des Instituts, von Th. Goebel.

[268] Seine Erfahrungen hat er in seinem „Handbuch der Heliographie“ mit Atlas, Berlin 1872, niedergelegt.

[269] Die folgenden Angaben beziehen sich auf das Jahr 1879. „Golos“ ist seitdem eingegangen.

[270] F. Kanitz, Serbien. Leipzig 1868.

[271] Coromilas, Dem., Catalogue des livres publiés en Grèce. L'Exposition Vienne 1873.

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A. NAMEN- UND SACHREGISTER.