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Tunisias / Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3) cover

Tunisias / Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)

Chapter 37: Eilfter Gesang.
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About This Book

An expansive heroic poem in twelve cantos follows an emperor who assembles a multinational fleet to assault Tunisian fortresses and free enslaved Christians. Sea battles, sieges, night raids, and a final storm of battle alternate with personal episodes of rescue, captivity, childbirth, death, and mourning. Supernatural forces and resurrected heroes intervene throughout, shaping tides of war and sowing distrust among leaders. The narrative mixes martial spectacle with intimate grief, culminating in the capture of the city, liberation of captives, funerals, and the emperor's reflective return.

Als nun rings im Gefild’ des Krieges Getümmel verhallt war,

Herrschte, die Straßen entlang, in der meilenumkreisenden Hauptstadt,

Grabesstille. Verstummt, und zitternd bei jeglichem Laut schon

Saßen die Menschen daheim, und harrten des nahenden Feindes.

Aber mit wankendem Schritt und thränenumflossenen Wimpern

Traten, je zwei und zwei, die Greis’ aus dem Thore von Tunis:

Aelteste nennt sie das Volk, die am Markt und im wölbenden Stadtthor

Sitzend, sprechen des Rechts Urtheil als kundige Richter.

Fünfzig kamen der Greis’. Ihr Haupt von silbernen Haaren

Spärlich umhüllt, erweckete Mitleid; Achtung geboth ihr

Schneeiger Bart, der tief zu dem goldenen Gürtel herabfloß.

Jeglicher trug in der Rechte herbei den grünenden Oehlzweig, —

Trug in der Linken Geschenk’, und horcht’, erbebend vor Angst, auf:

Denn schon tönete laut, und lauter des eisernen Hufes

Schmetternder Schlag: schon klang das Rasseln der blitzenden Waffen

Näher; des Vor-Zugs reisige Schar herbrauste, dem Sturmwind

Aehnlich, und drang in die Stadt, der bebenden Greise nicht achtend.

Dort, noch glühend vom Kampf, und entrüstet in blutiger Arbeit,

Würgt’ ihr Schwert unseliges Volk, das thörichten Herzens

Hairaddins Worten vertraut’, und, dem Schrecklichen treu sich bewährend,

Muthige Abwehr sann, und furchtbarer Rache gedachte.[86]

Aber umsonst: bald floh die unzählige Menge zerstäubt fort.

Jetzt an der Spitze des jauchzenden Heer’s, in eherner Trommeln

Wirbelndem Ruf, im Drometengetön, und der flatternden Fahnen

Sanftem Gesäusel, erschien der stattliche Kaiser. Die Feldherrn,

Eberstein und Doria rechts — links Guasto mit Ludwig

Folgten ihm. Doria, groß und mächtig im Sturme der Seeschlacht,

Sah ihn erringen den Sieg, und heftete seitdem die Augen

Schweigend auf ihn; ihm pochte die Brust vor erschütternder Ehrfurcht.

Als der Herrscher die Greise, gebeugt im Staube, gewahrte,

Sprang er vom Sattel, und hieß sie mit sanftgebiethender Stimme

Stehen, und sprechen vor ihm mit Muth und würdiger Freiheit.

Siehe, da sprach El-Had, der hundertjährige Greis so:

„Segen mit dir, gewaltiger Heer’- und Völkerbesieger,

Der du mit Huld uns hörst! Nun herrsch’ in Fülle des Glückes

Ueber ein Volk, das jüngst im strafenden Zorne die Vorsicht

Hairaddins Wuth preis gab, des grausamgesinneten Mannes!

Ach, und wir haben doch einst viel bessere Tage gesehen,

Als auf dem Thron von Tunis ein Fürst voll göttlicher Weisheit,

Maula Mehemed, saß, deß’ Staub der Segen des Himmels,

Wie die Sommerflur der thauende Morgen, erquicke;

Als des Siegers Schwert’ erbebten die Gegner, im Frieden

Blühte dieß Land, und rings auf dem weltverbindenden Meer noch

Wogte sein Handelsschiff, des Segens Fülle verbreitend —

Sammelnd im frohen Verkehr! Doch zürne dem eifernden Greis’ nicht,

Herr: denn stets umschwebt ihn das Bild entflohener Zeiten,

Und errette das Volk in den Mauern der zitternden Hauptstadt,

Wo nach dem schrecklichen Kampf der rach’erfüllete Sieger

Wüthet. Vielleicht, daß auch dir ein grauender Vater daheimblieb,

Welcher im Gram des Tages gedenkt, an welchem du hingingst;

Oder am Strande des Meer’s die Mutter des blühenden Säuglings

Deiner, des Gatten, beraubt, aufweint in trauernder Sehnsucht.

Solches erwäg’, und errette — gebiethe dem stürmischen Krieger,

Daß er den lüsternen Blick, voll heiliger Scheu, von des Harems

Thüre verwende, und Leib und Gut dir opfert dein Volk dann!“

Also der Greis, und mild, wie ein liebender Vater den Kindern

Streichelt die Wange zum Trost, zur Ermunterung, nahte der Kaiser

Jetzo dem flehenden Greis’, und sprach mit erheiterten Blicken:

„Ein, und derselb’ erbarmende Gott ist über uns allen,

Der den Sieg uns gab, und den frevelnden Räuber in Staub warf.

Aber nicht mir und den Meinen, nur Muley Hassan, dem König,

Huldige fürder dieß Land: ihm werde das Erbe der Väter,

Ihm der entrissene Thron, die Lieb’ und die Treue des Volkes.

Möge die Zukunft ihm und euch im Segen erblühen!“

Sagt’ es, und nahm die Geschenk’ an köstlichen Früchten und Blumen,

Die, nach der Sitte des Land’s, ihm die zitternden Greise verehrten,

Nahend je zwei und zwei, und die Herolde hieß er, den Kriegern

Einhalt thun mit gebiethendem Wort’, in den Straßen von Tunis.

Jene gehorchten, und bald verstummte der Waffen Getümmel.

Doch welch’ dunkeler Strom ergeußt sich vom Felsengebirg her?

Zahlloswimmelndes Volk entströmt den Thoren der Hochburg.

Ha, die Geretteten sind’s — sie sind’s, erschütternd zu schauen!

Wie, zum Schwarme gereift, die unzählige Menge der Bienen,

Summend, dem duftenden Korb entfährt am sonnigen Lenztag:

Also entströmten auch hier wohl zwanzigtausend der Christen —

Jetzo nicht Sclaven mehr, den Kerkern der Stadt und der Hochburg:

Bleich, ermattet durch Qual, durch Hunger und grause Behandlung!

Glückliche, die nun zuerst umschlangen die Kniee des Kaisers,

Knieend im Staub; auf die Hand ihm preßten die zitternden Lippen —

Netzten mit glühenden Thränen sein Kleid! Nur Stöhnen und Schluchzen

Tönte noch ringsumher aus der angsterregenden Stille.

Jetzt ein Weinen und Heulen erscholl, und jetzo mit einmal,

Furchtbar, hallte Geschrei: „O Vater, Retter, Befreier!“

Wie die Meeresfluth, vom nahenden Sturme gehoben,

Erst nur leis’ aufrauscht; doch bald im schrecklichen Aufruhr

Heulet in Wolkenhöh’n, und braust in des gähnenden Abgrunds

Tiefen, daß, schaudernd vor Angst, ihr die Erd’ und der Himmel erdrönet:

Also ertönte der Schrei der Glücklichen rings um den Kaiser.

Tausender Händ’ empor zu dem Vater im Himmel gehoben,

Zeigten die Bahn, auf welcher des tieferschütterten Herzens

Dank aufflog, und des Segens Füll’ erflehte dem Retter.

Lauter ward das Getös’, und bewegter die wimmelnde Schar dort.

Einer dem andern sank an die Brust, und fragte noch zweifelnd:

„Ist es gewiß: wir frei — entronnen auf immer den Banden?“

Einzeln, dann wieder vereint, dann immer gewaltiger scholl’s nun:

„Werd’ ich dich wiederseh’n, o Vaterland — in der Heimath

Seh’n dich, väterlich Haus, wo mir der fröhlichen Kindheit

Jahre entschwanden im Glück? Werd’ ich den zärtlichen Vater —

Ich die liebende Mutter umfah’n — die holde Geliebt’ ich,

Liebend und treu, und ich, den Freund, die Kinder, und Gattinn?“

Also erscholl’s aus dem brausenden Strom endlosen Entzückens;

Aber der Retter stand im Kreise der staunenden Feldherrn,

Von den seligen Scharen umjauchzt. Er blickte, verstummend,

Ueber die Menge hinaus, in des hochaufwölbenden Aethers

Schimmernden Raum empor (an seinen Wangen herunter

Stürzte die Thrän’) und als er nun senkte das Haupt, und voll Dankes

Preßte die Recht’ an das pochende Herz: da wandt’ er sich lächelnd,

Weinend, nach Eberstein, und sagte mit leiserer Stimme:

„Stürb’ ich doch jetzt: denn ach, mir wurde die Wonne des Himmels!“

D’rauf mit erheitertem Blick begann er, und sagte zu Guasto:

„Edeler Greis, vertraut sey dir die Pflege der Freien,

Daß du mit Vaterhuld, und weis’umschauender Sorgfalt

Stillest die Noth der Hungrigen, und bekleidest die Nackten!

Heimwärts schiffen wir bald. In des Meer’s freiwogenden Fluthen

Rauschet der Kiel, und vom Mast erglänzen die Kränze der Sieger:

Dort den Lieben zur wonnigen Schau. Doch nimmer entschwindet

Uns das errungene Ziel hinfort; nicht welket der Kranz mehr,

Der uns geworden: denn seht: er keimte hienieden, und blühet

Unvergänglich fort in den hehren Gefilden des Himmels!“

Jener führte die jauchzende Schar zu des Meeres Gestad hin,

Sorgend für Aller Wohl nach dem Willen des edelsten Herrschers;

Aber er trat voll Wehmuth ein in die Thore von Tunis!

Anmerkungen zur Tunisias.

Erster Gesang.

[1] Vers 27.

Nach der Schlacht von Zama, soll P. Corn. Scipio den Hannibal gefragt haben: wen er für den größten Feldherrn halte? Dieser nannte zuerst Alexander den Großen, dann Pyrrhus den Epiroten, und den dritten sich selber. Scipio, darüber empfindlich, sprach weiter: „und was würdest du erst gesagt haben, wenn du auch mich überwunden hättest?“ — „Dann“ entgegnet’ ihm jener — „würde ich mich weit über jene Beiden gesetzt haben.“

[2] Vers 29.

Ludwig IX. (der Heilige), König von Frankreich, Sohn Ludwigs VIII. und Blanca’s von Castilien (geb. den 25. April 1215), der durch seine Frömmigkeit, Weisheit in Regierungsgeschäften, und durch persönliche Tapferkeit sich allgemeine Hochachtung erworben hatte, unternahm zuerst einen Kreutzzug nach dem gelobten Lande; eroberte im Jahre 1249 Damiata, und schlug den Sultan von Aegypten zu wiederholten Malen. Allein durch Hungersnoth und ansteckende Krankheiten zum Rückzug gezwungen, verlor er die errungenen Vortheile mit der Freiheit, die er nur durch die Zurückgabe von Damiata, und durch ein großes Lösegeld für sein mitgefangenes Heer, wieder erhielt. Im Jahr 1270 unternahm er einen zweiten Kreutzzug, schiffte nach Afrika über, und eroberte die Veste von Tunis; doch auch hier, wie in Syrien, raffte eine ansteckende Krankheit einen Theil seines Heeres weg, deren Opfer er selbst, am 25. August desselben Jahres, geworden ist. (Siehe dessen Lebensbeschreibung durch Delachaise und des Abtes de Choisi.)

[3] Vers 40.

Hairaddin (Chereddin) und Horuc-Barbarossa, von Mitylene, auf der Insel Lesbos, gebürtig, und, als Korsaren, der Schrecken des mittelländischen Meeres, bemächtigten sich des Thrones von Algier, wohin sie Selim-Euthemi, der König, gegen die Spanier zu Hülfe gerufen hatte. Chereddin übertraf seinen Bruder noch an Kühnheit, und begründete eigentlich das so lange, zur Schande Europa’s, bestehende System der Seeräuberei an der Nordküste Afrika’s. Nachdem er Constantina und noch andere Städte daselbst wegnahm, ernannte ihn Solyman II., oder Prächtige, zum Oberbefehlshaber seiner Flotten. Im Jahr 1535 bemächtigte er sich durch Verrath der Stadt Tunis; sammelte dort eine bedeutende Seemacht, und anstatt, wie im vergangenen Jahre, nur die Küsten Italiens zu plündern, ging er mit nichts Geringerem um, als Sicilien mit einer Menge Türken und Mauren zu erobern, wodurch er sich die Wege zu dem Throne Neapels zu bahnen gedachte. In demselben Jahre wurden seine unabsehbaren Plane durch Carls V. herrlichen Zug nach Tunis vereitelt. Doch Carls unversöhnlicher Feind, Franz I., König von Frankreich, ward Chereddins Verbündeter, mit dessen Macht vereint, er im Jahr 1543 Nizza wegnahm. Er starb im Jahr 1546 zu Constantinopel, — im 88. seines Lebens. An dem Strande des Meeres zu Beschiktasch, am europäischen Ufer des Bosphorus, ist sein Grabmahl (wie Hofrath v. Hammer in seiner Verfassung des osmanischen Reichs Theil II., Seite 317, sagt), und erregt ernste Gefühle bei dem Geräusche der Wogen, die an ihm emporklimmen. (Paul. Jov. in Elog. I. 6. — Hist. I. 33. 41. 44. — Thuan. Hist. L. III.)

[4] Vers 55.

Andreas Doria (geb. 1468) aus einem altadelichen Geschlechte Genua’s, war früher französischer Admiral, wählte aber freiwillig Kaiser Carls V. Flagge, und blieb zur See in dessen Diensten bis zu seinem Tode im J. 1560. Er war der größte Seeheld seiner Zeit; gab Genua eine bessere Verfassung, und ward der Vater und Befreier des Vaterlandes genannt, das er im J. 1528 vom Joche der Franzosen befreiet hatte.

[5] Vers 61.

Muley Hassan (Maula-Hascen), Maula Mehemeds Sohn, König von Tunis. Er war der jüngste Sohn von zwei und zwanzig Geschwistern, unter welchen er seine Brüder, auf den Rath seiner unnatürlichen Mutter, theils blenden, theils tödten ließ, um also zum Throne zu gelangen. Sein älterer Zwillingsbruder, Al-Raschid, entfloh nach Constantinopel, bei Solyman Hülfe zu suchen. Er ward heimlich erwürgt, und der eben von dort absegelnde Chereddin eilte nach Tunis, und bekam bald, im Nahmen des todten Al-Raschid gebiethend, dem das Volk anhing, Goletta die Veste, und dann auch Tunis in seine Gewalt. Muley Hassan ward zwar durch den siegreichen Kaiser in sein ihm entrissenes Land wieder eingesetzt, wurde aber nach wenigen Jahren von seinem Sohn, Hamida, des Thrones beraubt, und geblendet. So kam er zu dem Kaiser nach Augsburg, nochmals um Hülfe zu flehen, und starb auf der Rückreise in Rom. (Siehe: M. Cardonne Histoire de l’Afrique et de l’Espagne etc. T. III. Paris chez Saillant 1765, und Jov. Hist. 33. c.)

[6] Vers 99.

Solyman II. (Suleyman, der Prächtige benannt) folgte Selim I., seinem Vater, im Jahre 1520 in dem türkischen Kaiserreiche nach. Nie ist dieses Reich auf einer glänzenderen Stufe der Macht und des Ruhmes gestanden, als unter diesem, durch Herrscherweisheit und Thatkraft ausgezeichneten Fürsten. Im Jahre 1521 eroberte er Belgrad, und im folgenden Jahre die Insel Rhodus, von wo er die Johanniter-Ritter vertrieb. Im Jahre 1526 gewann er in der Schlacht von Mohatsch den Sieg über den König der Ungern, Ludwig II., der sammt seinem Pferde in einem Moraste zu Grunde ging, und, nachdem er einen großen Theil von Ungern in seine Gewalt bekommen hatte, rückte er im J. 1529 vor Wien, von wo er nach einer vergeblichen Belagerung, da der Kaiser, Carl V., mit einem Heere näher gerückt war, sich schnell nach Ungern hinabzog. Er starb daselbst am 4. September 1566, bei der Belagerung der Veste Sigeth, die Niklas Zriny, ein zweiter Leonidas, so heldenmüthig gegen ihn vertheidigt hatte, im 72. Jahre seines Alters, und im 46. seiner Regierung. (Paul Jov. in Solim.)

[7] Vers 105.

Istambul, Stambul, nennen die Türken die Stadt Constantinopel.

[8] Vers 406.

Die heiligen Urkunden sprechen von einem Orte der ewigen Seligkeit, wohin die Guten kommen, und von welchem die Bösen auf immer ausgeschlossen bleiben. Aus ihnen schöpfte die Allgemeine Kirche die Lehre von einem Mittelzustande, von jenem der Läuterung, durch welche der Uebergang zu jenem möglich wird. Ueber alle drei ist in dieser Kirche, seit der ersten Zeit ihrer Verbreitung bis zu dem heutigen Tage, ein, und derselbe Glaube geblieben, welchen sie bestimmt, und deutlich gelehret hat. In Bezug auf dieses dreifache Geisterreich, von welchem die Kirche Beschreibungen zu geben, weder konnte, noch wollte, ließ sie auch einige Stellen in den Briefen des Apostel Paulus unberührt, die mit jenem in Verbindung gebracht werden konnten. Dieß sind die Stellen, in welchen er von den, im Luftraum wohnenden Geistern spricht, und auf welche der Sänger der Tunisias, und des Rudolph von Habsburg, sein Wunderbares im Epos, (nicht als Exeget, sondern als Dichter) gegründet hat. Im Brief an die Epheser VI. vom 11-13. Vers („Ziehet an die volle Rüstung Gottes, damit ihr stehen könnet gegen die Nachstellungen des Versuchers: denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider Fürstenthümer, Gewalten und Weltherrscher der finsteren Gegenwart: wider die bösen Geister im Uebersinnlichen“) ist von Geistern die Rede, die böser Natur sind, und gegen deren Einflisterungen der Christ zu kämpfen hat. Vorher, III. Cap. 10. V. („Damit den Mächten und Gewalten, im Uebersinnlichen, durch die Kirche“ — die Bekenner der christlichen Lehre, „die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt werde“) spricht er aber von solchen, welchen auf dem Pfade der Läuterung ein Aufschreiten vergönnt zu seyn scheint. Besonders die erstere Stelle fände ihre Erläuterung in jener im I. Brief an die Chorinther XV. Cap. 24. V. &c., wo Paulus von dem Weltende spricht: („... Dann ist das Ende, wenn Gott die Fürsten, Mächte und Gewalten“ — im Uebersinnlichen — „außer Wirksamkeit gesetzt haben wird. Das Letzte aber, was sein Ende erreichen soll, ist der Tod.“)

Daß diese Stellen in den Briefen des Apostel Paulus schon in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung auf eine ähnliche Art ausgelegt wurden, beweisen die merkwürdigen Worte des größten Schriftauslegers aller Zeiten, des h. Hieronymus, der zu obiger Stelle im VI. Cap. des Briefes an die Epheser, sagt: „Haec autem omnium Doctorum opinio est: quod aer iste, qui coelum et terram medius dividens, inane appellatur, plenus sit contrariis Fortitudinibus.“ S. Hieronym. Comment. in Epist. ad Ephes. Q. 3. c. 5.

[9] Vers 465.

Die grundlose Beschuldigung, die der Sectenhaß so vielen, selbst ausgezeichneten Geschichtschreibern eingab, daß nämlich Carl V. nach der Alleinherrschaft in Europa gestrebt habe, ist dem Unpartheiischen wohl aus seinem ganzen Herrscherleben klar genug; doch findet er sie völlig widerlegt durch seine Lage nach dem berühmten Siege, den er bei Mühlberg (24. April 1547) über den Smalkaldischen Bund errungen hatte. Seine ergrimmtesten Gegner sanken dort überwunden zu seinen Füßen; seine spanischen Veteranen, mit vielen italienischen Scharen, standen ihm zu Geboth, und er — begnügte sich dem frechen Uebermuth, der ihn nur als Carl von Gent mehr gelten ließ, ein Ziel gesetzt zu haben, entließ seine sieghaften Scharen, baute auf Treu und Glauben: denn das hatte er wohl nie gedacht, daß sein Liebling, Moritz von Sachsen, den er an seinem Herzen groß gezogen hatte, so undankbar an ihm handeln würde, und gerieth, von diesem mit einem Ueberfall bedroht, schon fünf Jahre (J. 1552) nach jenem Siege, in solche Gefahr, daß er sich, von Gichtschmerzen gefoltert, in einem Tragsessel noch in der Nacht von Innsbruck fort über die Gebirge nach Kärnthen, als ein Flüchtender, mußte tragen lassen.

Zweiter Gesang.

[10] Vers 23.

Ortilo, dessen wichtige Fragmente von den Babenbergern, als Herrschern Oestreichs, Chrysostomus Hanthaler aufgefunden und bekannt gemacht hatte, sagt zu dem Jahr 1191 von Leopold dem Tugendhaften, unter anderm: „Da der Herzog bei der Belagerung (von Ptolemais) so tapfer focht, daß sein ganzer Körper, mit Ausnahme jenes Theils, den der Leibgurt umgab, mit Feindes Blut bespritzt war, so hat in der Folge der Kaiser, Heinrich VI., den Schild Oestreichs, in dem bisher fünf Lerchen zu sehen waren, geändert, und zeichnete solchen durch ein rothes Feld aus, das durch einen weißen Querbalken mitten durchschnitten ist.“ Ortilo war ein Zeitgenosse Leopold des Tugendhaften, und vier Jahre darauf, bei seiner Begräbniß in heil. Kreuz, gegenwärtig. Spätere Schriftsteller, wie Cuspinian, Lazius &c. &c. sind anderer Meinung über die Bedeutung dieses Wapens. (Siehe Fast Campil. T. I. pag. 434, und Recens. Dipl. Geneal. Arch. Campil. pag. 196.)

[11] Vers 58.

In dem Werkchen: Eutropii Diarium Expeditionis Tunetanae a. 1535, die in der Sammlung „Scriptores Rer. Germ. per S. Schardium,“ Gießen, 1673, enthalten ist, wird ausdrücklich gesagt, daß der Kaiser während seiner Abwesenheit die Regierung Spaniens seiner Gemahlinn, Isabella, übergeben, und sogar sein Testament hinterlassen habe: „priusquam Madritio discederet, omnibus adhibitis solemnitatibus testamentum suum condidit,“ pag. 321.

[12] Vers 91.

Hermann, der Sohn des Cherusker-Fürsten, Siegmar (geb. 18 J. vor Chr.), ward in Rom erzogen, und im römischen Heere angestellt. Doch, er beschloß der Retter seines Vaterlands zu werden; vernichtete in seinem 26. Jahre die Legionen des Quintilius Varus in dem Teutoburger Walde, und nachdem er zwölf Jahre hindurch die Angelegenheiten Deutschlands geleitet hatte, besiegte er Marbod, den König der Marcomannen, zwei Jahre vor seinem Tode. Er soll, weil er nach Alleinherrschaft strebte, von seinen Anverwandten ermordet worden seyn. (Tacit. L. I. et II. Annal.)

[13] Vers 97.

Hannibal, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu Karthago), nach seinem berühmten Zuge über die Alpen der Besieger der Römer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cannä &c., wurde bei Zama von dem ältern Scipio besiegt, und starb als Flüchtling in Bithynien (183 J. vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den großen Kampf gegen die Römer begonnen hatte. (Polyb. L. III. c. 17 et 64. Livius. L. 21.)

[14] Vers 97.

Regulus (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom, ward (siehe die folgende Anmerkung) in der Schlacht von Tunis gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslösung ihrer Gefangenen, mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit wahrer Römergröße, rieth: die Gefangenen nicht zu lösen. Er kehrte, seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurück, und soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines natürlichen Todes gestorben seyn. (Polyb. Lib. I.Liv. 17 et 18. — Palmerius, in Appian. pag. 151.)

[15] Vers 143.

Xanthippos hieß der edle Spartaner, der Karthago einen glänzenden Sieg über Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J. 254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht. Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos, der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner, von dem C. Sil. Pun. L. 6 singt:

Nulla viro species, decorisque et frontis egenum

Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris

Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus.

Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerführer aufmerksam; übte das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein; besiegte die Römer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A. Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. — Ihm war das stolze Bewußtseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben: denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurück. (Siehe Fr. Mich. Vierthalers vortreffliche Philosophische Geschichte der Menschen und Völker V. B. S. 306.)

[16] Vers 212.

Attila, König der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er sich gerühmt: das Schwert Tyr’s, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben, ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches Heer, um als die Geißel Gottes, wie er sich nannte, die Erde verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein, drang bis nach Armenien vor, und verwüstete dann das morgenländische Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er überwunden hatte, ihm einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten großen Verheerungszuge nach Frankreich wurde er bei Chalons sur Marne, durch die vereinte Macht der Römer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das Haupt geschlagen; zog sich über den Rhein zurück, und wandte sich zu dem dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er verwüstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flüchtlinge auf den Inseln der Lagune dem berühmten Venedig den Ursprung gaben. Von der Zerstörung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Große, ab. Er kehrte nach Pannonien zurück, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner Vermählung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute erstickt gefunden ward. (Siehe Jornandes; und Bonfinii Hist. Decad. I. L. 7.)

[17] Vers 245.

Tyr nach der nordischen Götterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste unter den Göttern, wie es bei den Griechen Ares war, den die Römer Mars benannten.

[18] Vers 321.

Kabesch. Kabes, eine Stadt im Königreiche Tunis von 25,000 Einwohnern. Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte genannt.

Dritter Gesang.

[19] Vers 26.

Ludwig, Infant, Bruder des Königs Emanuel von Portugal, und der Isabella, Gemahlinn des Kaisers Carl V.

[20] Vers 35.

Ruyter. Hier ist keineswegs der berühmte holländische Seeheld, Michael Hadrian Ruyter (geb. zu Vließingen im J. 1607, gest. 1676) gemeint, der sich vom gemeinen Matrosen bis zum Range eines Admirals aufschwang; die englische Seemacht zu verschiedenen Malen schlug; von seinem Vaterlande nach Verdienst geehret ward, und endlich bei der Unterstützung der Spanier in Sicilien, dem Aetna gegenüber, in einem Treffen durch eine Kanonenkugel den Fuß verlor, an welcher Wunde er bald darauf in der Bay von Syrakus starb, sondern Franz Ruyter, den Paul Jovius in seiner Geschichte des tunetanischen Feldzugs unter den Feldherrn aufführt. (Siehe: Paul Jov. Hist. Lib. 34. pag. 284 Basileae an. 1578.)

[21] Vers 47.

Porto Venere an der südwestlichen Spitze des Genueser Gebiethes.

[22] Vers 49.

Alphons Avalos, Marchese del Vasto (auch Guasto), einer der berühmtesten Feldherrn Carls V. aus dem Hause der Pescara im Königreich Neisen, im J. 1502 geboren, wohnte der Schlacht von Bicocca (im J. 1522) bei; wurde nach Anton Leyva’s Tode Gouverneur von Mailand, und hatte den Oberbefehl des Heeres bei dem Kriegszug nach Tunis. Im J. 1543 entsetzte er Nizza, das von den Franzosen, und ihrem Verbündeten, Chereddin Barbarossa, belagert war. Er starb im J. 1546 zu Vigevano, wahrscheinlich aus Kummer, den ihm die gegen die Franzosen verlorne Schlacht von Cerisoles in Piemont (14. April 1544) zugezogen hatte. (P. Jov. Hist. et Roscio Capit. illustr. p. 288.)

[23] Vers 57.

Das Geschlecht der Ebersteine soll schon zu Carl d. Gr. Zeiten in großem Ansehen gestanden seyn. Was die Geschichte Gewisseres von ihnen gibt, ist: daß Eberhard, der Stammvater der Ebersteine, Hedwig, die Tochter Kaisers Heinrich I. geehlicht, und seinen Hof in Hohentviel gehabt habe. Als Abgesandter des Kaisers an den Papst, erhielt er von diesem am Pfingstfeste zu Rom die goldne Rose zum Geschenk, die er, nach dem Gebrauche der römischen Kirche, getragen hatte, und die bei seiner Heimkunft der Kaiser in den Wapenschild der Ebersteine setzen hieß. Sein Sohn Ludwig wohnte der Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungern vor Merseburg bei. — Die zweite Stammlinie der Ebersteine richtete Graf Otto I. in Pommern zu Neugarten auf. Otto III. der um das Jahr 1370 gelebt, soll der Stifter der würtembergischen Hauptlinie seyn. — Otto II. ein anderer Stammvater der Ebersteine, verbesserte die Herrschaft an der Weser, und erbaute das Schloß Ottenstein. Man sieht noch die Ruinen des Schlosses Eberstein unweit Holzminden an der Weser. (Meibom. Rerum Germ. T. II. p. 515. Luca: Grafen-Saal, pag. 943.)

[24] Vers 74.

Donau, Danubius (Ister hieß er den Alten von Wien hinab) einer der größten Flüsse Europas, da er nach Büsching eine Strecke von 700 Meilen durchläuft, und mehr als 160 größere und kleinere Flüsse in sich aufnimmt, entspringt, nach der gewöhnlichen Meinung, am Schwarzwalde bei Donaueschingen, obschon Andere diese Ehre zwei anderen Quellen, der Brega und Brigach, mit welcher sich jene vereinigt, ertheilen. Die Donau endet an der Küste Bessarabiens ihren Lauf, und stürzt sich durch sechs Arme mit solcher Gewalt in das schwarze Meer, daß ihr Wasser mehrere Meilen weit im Meer noch süß und erkennbar seyn soll.

[25] Vers 119.

Hunyady (Johann Corvinus Hunniades), den, nach einigen, ein walachischer Bojar mit der Elisabeth Paläologa, aus dem Geschlechte der letzten griechischen Kaiser; nach Andern, König Sigismund, außerehlich — mit der Tochter eines edeln Walachen erzeugt haben soll, wurde zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts geboren. Er war, während der Minderjährigkeit des Königs Ladislaus Posth., Statthalter von Ungern, während seines ganzen Lebens ein Schrecken der Türken, die er in verschiedenen Schlachten besiegte, und zuletzt (am 6. August 1456) von Belgrad vertrieb, und starb am 16. Sept. desselben Jahrs. Von seinen zwei Söhnen wurde der ältere, Ladislaus, im folgenden Jahre zu Ofen enthauptet. Der jüngere, Mathias (Corvinus), gelangte zur ungarischen Krone. (Bonfin. Hist. Hung.)

[26] Vers 132.

Zirknitz (Czirknitzer See) im Lande Krain, sechs Stunden von Laibach, gibt dem anstoßenden See den Nahmen, der eine Meile lang, und eine halbe breit ist. Das Wasser dieses wunderbaren Sees versinket gewöhnlich des Jahres einmal durch Oeffnungen, die sich in seinem Bette befinden. Sobald es sich zum Ablauf neiget, eilt Jung und Alt, die Fische in großer Menge herauszuziehen. Nach beiläufig zwanzig Tagen wächst dort, wo erst das Wasser stand, vortreffliches Gras, und nachdem dieses eingeerntet ist, wird noch Hirse darin gebaut, wo auch die Jagdfreunde an Hasen und wildem Geflügel reichliche Beute finden.

[27] Vers 149.

Niclas Salm und Wilhelm Roggendorf, dessen Tochter die Gemahlinn des ersteren war, vereinte auch das Band der zärtlichsten Freundschaft. Beiden als Feldherrn, war die Vertheidigung Wiens gegen Solymans zahlloses Belagerungsheer anvertraut. Eine Kanonenkugel fuhr in den Wall, und schleuderte einen zertrümmerten Stein gegen Salms Schenkel, bei dem letzten Sturm, den Solyman am 14. October 1529 gegen die Wälle Wiens unternahm. An der erhaltenen Wunde starb dann Salm am 4. Mai 1530 zu Marcheck, wohin er sich hatte bringen lassen. (Siehe Taschenbuch für die vaterländische Geschichte durch Freih. von Hormayr &c. vierter Jahrgang. S. 102.)

[28] Vers 238.

Elba, eine kleine Insel des mittelländischen Meeres, von beiläufig zwölf Meilen, Livorno gegenüber. Ihr Hauptreichthum sind die Eisenminen von Rio, deren Erze mehr als die Hälfte reines Metall geben, und von ihrer schillernden Farbe (Eisenglanz) bekannt sind. Porto Ferrajo (Eisenport), mit einer guten Rhede und 3000 Einwohnern, ist die Hauptstadt der Insel.

[29] Vers 372.

Toledo, Pedro Alvarez de Toledo, Vice-König von Neapel, ein Sohn des zweiten Herzogs von Alba, bekam mit seiner Gemahlinn Maria Osorio Pimentel den Staat von Villafranca, und war der Schwieger des ersten Herzogs von Florenz, Cosmus von Medicis.

Vierter Gesang.

[30] Vers 43.

Alba (Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von) war im J. 1508 geboren. Erst unter Carl V., dann unter Philipp II., seinem Sohn, war er stets ein siegreicher Feldherr ihrer Heere. In dem Kriege gegen die Niederländer hatte er nach seiner und seines Herrn Ueberzeugung, Rebellen bekämpft, und in solchen Kriegen hat man wohl sonst auch von ähnlichen, und noch größeren Grausamkeiten gehört; doch da dieser Krieg den Protestanten für einen Religionskrieg galt, und noch heut zu Tag dafür gegeben wird, so mußte er, besonders seit Schillers poetisch-entworfenem Bilde von ihm, als einer der grausamsten Wüthriche geschildert, erscheinen. Andere rühmen an ihm, nebst seinen großen Feldherrntalenten, seine unerschütterliche Treue, und dabei sein freies, offenes Benehmen gegen seinen Regenten, seinen Edelmuth und Weisheit. Indeß ist er von Härte und Grausamkeit nicht frei geblieben. Er starb im J. 1582 im 74sten Jahre seines Lebens.

[31] Vers 43.

Alarcon (Ferdinand d’Alarzon), einer der tapfersten spanischen Feldherrn Carls V. Nach dem Siege von Pavia (24. April 1525), wurde ihm die Bewachung des gefangenen Königs von Frankreich, Franz I., anvertraut, so wie zwei Jahre später, jene über den Papst, Clemens VII., der sich den Kaiserlichen ergeben hatte. (Jov. Hist. 34. cap. — Imhof. Geneal. 20. Fam. Hisp. p. 203.)

[32] Vers 45.

Garzia Lasso (Garzilaso de la Vega), im J. 1503 zu Toledo geboren, ein berühmter spanischer Dichter in der Gattung der Ekloge, Epistel, Oden, Lieder und Sonette. Er wohnte unter Carl V. den Feldzügen im Jahr 1529 gegen Solyman, und im J. 1535 gegen Tunis bei; in dem letzteren wurde er an dem Arm verwundet. Im folgenden Jahre zog er mit dem Kaiser gegen Marseille, als Befehlshaber eines Heertheils, und erhielt bei der Bestürmung eines Thurms die gefährliche Kopfwunde, an welcher er nach drei Wochen im 33. Jahre seines Alters starb. Sein Leichnam wurde in der Folge nach Toledo gebracht. (Jov. Elog.)

[33] Vers 97.

Constantin der Große (geb. im J. 274), erster christlicher Kaiser, soll vor der Entscheidungsschlacht an dem Ponte Milvio (h. z. T. Ponte Molle) bei Rom, gegen den Maxentius, am hellen Mittage, unterhalb der Sonne, ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: „In hoc vinces,“ erblickt haben. (Eusebius in Vita Constantini M. et Hist.)

[34] Vers 179.

Atlas. Der Berg, besteht eigentlich aus zwei Ketten, die sich über den größten Theil von Nordafrika verbreiten. Die eine heißt der Große Atlas (mehr als 11,000 Fuß über der Meeresfläche erhöht), welcher sich vom Reiche Marrokko bis zur Wüste Sahara hinabzieht, und die andre der Kleine Atlas, der sich von Osten nach Westen bis zum Mittelländischen Meere erstreckt. — Nach der Mythologie der Griechen war er einer der Titanen, dem Zeus die Strafe auferlegte, das Himmelsgewölbe zu tragen.

[35] Vers 239.

Janssen von Middelburg. Zacharias Janssen, ein Brillenmacher zu Middelburg in Seeland, war der Erfinder des Fernrohrs im Jahre 1590, indem er zwei Linsen, eine convex, die andere concav, in verschiedener Richtung von dem Auge hielt. Er brachte sie dann in eine Röhre, und bot die gelungensten zwei, von 16 Zoll Länge, dem Prinzen Moritz von Nassau, und Erzherzog Albert an. Der berühmte Galiläi hörte davon in Venedig, und machte sogleich darauf einen Versuch. (Siehe: Hier. Sirturus de Telescop; und Petr. Borell de vero Telescopii Inventore. Hagae-Comitum. 1655.)

[36] Vers 526.

Die Franzosen, unter Lautrec, und die mit ihnen vereinten Schweitzer, wurden bei Bicocca, unweit Mailand, im Mai 1522 durch die Truppen Carls des V. mit großem Verluste geschlagen.

Fünfter Gesang.

[37] Vers 13.

Villiers-L’isle-Adam (Philipp v.), zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts in Frankreich geboren, und zum Großmeister des Johanniter-Ordens von Jerusalem im J. 1521 erwählt. Im folgenden Jahre überzog Solyman die Insel mit einer großen Belagerungsmacht, die jener so tapfer gegen ihn vertheidigte, daß über 100,000 Türken dabei das Leben einbüßten. Amarat, des Ordens Kanzler, ward an ihm zum Verräther, und nur so gelang es endlich Solyman, die Insel gegen Capitulation, und unter der Bedingniß eines freien Abzugs der Ritter und der christlichen Einwohner, zu erringen. Vergeblich suchte er L’isle-Adam in seine Dienste zu ziehen, dessen Heldenmuth er vor seinem Heere, und mitten unter den Leichen der Gefallenen lautes Lob ertheilte. Villiers-L’isle-Adam starb im J. 1534 als Großmeister des Ordens zu Maltha, welche Insel Carl V. ihm zum neuen Ordenssitze geschenkt hatte. (Siehe: Bouhors Siège de Rhodes.)

[38] Vers 75.

Gomert oder Zafrano rechts, und Bona links, heißen h. z. T. die zwei Vorgebirge, von welchen jenes einst dem Apoll, und dieses dem Hermes geweiht war, welchen vorüber die Einfahrt in den tiefer liegenden karthaginensischen Meerbusen geschah. Von dort dehnt er sich im halben Zirkel, bis an die Mündung des hinterhalb liegenden Landsees von Goletta hin, wobei die Landschaft der vormals wegen ihrer heilsamen Bäder berühmten Stadt Rada zur Linken bleibt, und jener gegenüber zeigt sich dann die Lage des zerstörten Karthago, des Oehlwalds, und der steilen Hügel, über welche man zu dem Flusse Makar gelangte. (Jov. Hist. Lib. 34.)

[39] Vers 105.

Der Wasserthurm steht nördlich von dem steilen Felsen — einst die hohe Byrsa, auf welcher der berühmte Tempel des Aeskulap stand, und nahe der schmalen Erdzunge, die das feste Land mit der Halbinsel verband, auf welcher Karthago erbaut war. Auf dieser befanden sich wahrscheinlich die Ställe der Elephanten. Obige Cisternen sind fast die einzigen noch erhaltenen Ueberreste der zerstörten Karthago.

[40] Vers 117.

Goletta, die Veste, hatte zur Zeit Carls V. eine beinahe viereckige Form, und zwei Abtheilungen, von welchen die Wälle der oberen 40, und der unteren 50 Schritte breit waren. Sie enthielt eine vortreffliche Cisterne, in welcher sich das Regenwasser sammelte, und viele bombenfeste Gewölbe zur Aufbewahrung des Kriegsbedarfs. Mit ihr in Verbindung stand vorne an der Mündung des Sees von Tunis, ein mit Wällen versehener Thurm, der vom Meere her jedem Schiffe den Eingang verwehrte. Der See, beiläufig 12,000 Schritte breit und eben so lang, erhält aus dem karthaginensischen Meerbusen sein Gewässer, und ist auf beiden Seiten so seicht, daß man nur in der Mitte desselben auf kleinen Fahrzeugen nach Tunis gelangen kann. (Eutropii Diar. Exp. Tunet. apud Schard. pag. 331. und Jov. Hist. Lib. 34.)

Sechster Gesang.

[41] Vers 83.

Eutropius in seinem Diar. Exped. Tunet. p. 325. (Rerum Germ. Scrip. apud Schard), sagt ausdrücklich: daß vor Allen die Deutschen bei der Landung, über jeden Aufschub ungeduldig, sich auf ihren, in das Wasser gesenkten Speeren auf das Land hinaus geschwungen, und den Kampf mit dem Feinde sogleich begonnen haben.

[42] Vers 79.

Pizarro (Francisco), ein Spanier, von unbekannter Herkunft, ging mit noch andern Abenteurern nach der neuen Welt, verband sich im J. 1524 mit Diego d’Almagro, und eroberte Peru, nachdem er den Inca Atahualba auf eine grausame Art hatte hinrichten lassen. Er war schon früher zum Statthalter der neu zu entdeckenden Länder ernannt worden, und er traf wirklich sehr viele Vorkehrungen zum Besten jener Länder, die um so mehr in Erstaunen setzen, da er nicht einmal des Lesens und des Schreibens kundig war. Er wurde im Jahr 1541 durch einen Anverwandten Almagro’s getödtet, nachdem früher dieser von Pizarro zum Tode verurtheilt worden war. Die Stadt Lima verdankt ihm ihre Gründung. Sonst ist sein Nahme mit der Beigabe eines grausamen Eroberers auf die Nachwelt gekommen. (Siehe W. Robertson History of America in II Volumes London 1777.)

[43] Vers 386.

Casas (Bartholomeo de las), Bischof von Chiapa in Mexico, im J. 1471 in Sevilla geboren. Schon in seinem 19. Jahre reiste er mit dem Weltentdecker Columbus nach St. Domingo, kehrte aber von dort wieder nach Spanien zurück, um sich im Orden der Dominikaner zum Missionär vorzubereiten. Voll glühendem Enthusiasmus für ein wichtiges Anliegen der Menschheit, stand er beinahe durch 50 Jahre als ein Anwald der mißhandelten Einwohner der neuen Welt da, und schrieb, und unternahm häufige Reisen nach Europa, sie vor dem Throne zu vertreten; doch war das Interesse so vieler Großen dabei gefährdet, und er starb im Jahr 1556 zu Madrid, ohne daß er bedeutende Vortheile für jene erwirkt hätte. Unter seinen Schriften (gedruckt Sevilla im J. 1552) ist auch eine Geschichte von Westindien. (Siehe Perez del Castillo Mex. Hist.)

[44] Vers 521.

Freundsberg (Georg von Frundsberg, Frondsberg &c. Herr von Mindelheim, geb. 1475 und gest. 1528 daselbst), kaiserlicher Feldherr, wegen seiner persönlichen Tapferkeit und Leibesstärke berühmt, da er ein wildanlaufendes Pferd sogleich fest halten, und den stärksten Mann mit einem Finger von der Stelle drängen konnte. Er bildete sich unter Max I. und Carl V. in der Kriegskunst aus, half dem Letztern die Schlacht von Pavia (im J. 1525) gewinnen, und führte auch das folgende Jahr 12,000, auf eigene Kosten geworbene Krieger, dem kais. Feldherrn Carl von Bourbon, gegen Clemens VII. nach Italien zur Verstärkung zu, wo ihn bei Ferrara, bei einem Aufstand der Krieger wegen rückständiger Löhnung, der Schlag traf, und dann zwei Jahre darauf sein Tod erfolgte. (Siehe Herrn Georgen und Kasparn von Frundsberg ritterliche Kriegsthaten. — Jov. in Elog. Hist.)

[45] Vers 592.

Byrsa hieß die Burg von Karthago, auf dem Gipfel eines steilen Felsens, um welchen ringsher die einst mächtige Stadt Karthago erbaut war. Dort befand sich der herrliche Tempel des Aeskulap, zu welchem man auf 50 Stufen hinanstieg, und in dessen Flammen die Gattinn Hasdrubals, der zu dem Zerstörer Karthago’s, Scipio, überging, sich stürzte, nachdem sie vorher im Angesichte der Römer und ihres feigen Gemahls, ihre beiden Kinder ermordet hatte. J. 146 vor Chr. G. (Siehe Vierthalers phil. Gesch. der Menschen und Völker. V. Band.)

Siebenter Gesang.

[46] Vers 85.

Zama, der Ort, vor welchem der große Held Karthagos, Hannibal, durch den römischen Feldherrn Scipio im J. 201 vor Chr. überwunden ward, lag zwischen Adrumetum und dem, fünf Tagreisen davon entfernten, Karthago.

[47] Vers 190.

An dem Ufer des Bagrada (h. z. T. Medscherdah), der nicht fern von Utika vorüberfloß, soll der Consul M. Atil. Regulus eine ungeheure Schlange, deren Länge auf 120 Fuß angegeben wird, mit Katapulten beschossen, und getödtet haben. (A. Gell. L. VI. c. 3. — Valer. Max. L. I. c. 8.) Wahrscheinlich war sie eine Riesenschlange (Boa Constrictor).

[48] Vers 329.

Barda heißt die Sommerresidenz des Dey von Tunis, mit einem weitläufigen Schlosse, und den schon zu Carls V. Zeiten berühmten bardäischen Gärten an der Küste von Maritia. Sie liegt an der Westseite von Tunis, und hängt durch die Gärten mit der Stadt zusammen.

[49] Vers 410.

Houris sind, nach Muhameds Lehre, die blendend schönen Jungfrauen, welche von zarter, ätherischer Gestalt, die Seligkeit der Männer in seinem Paradiese ausmachen. Die Schilderungen von ihnen sind ganz in dem orientalisch-üppigen Geschmack entworfen.

Achter Gesang.

[50] Vers 54.

Laufgräben (tranchée’s) sind drei bis sechs Fuß tiefe, zehn und zwölf Fuß breite, in verschiedener Richtung gegrabene Wege, welche mit der zum Wall, gegen eine belagerte Festung aufgeworfenen Erde, die Belagerer in den Stand setzt, sich ihr mit Sicherheit nähern zu können.

[51] Vers 199.

Thor der Glückseligkeit, heißt der Eingang zu dem Harem des Großherrn, der dem Aga der Verschnittenen anvertraut ist. (Siehe Hrn. Joseph von Hammers Verfassung des osmanischen Reichs, Band II. Seite 9.)

[52] Vers 201.

Circassien, eine große Landschaft in Asien, welche sich von dem schwarzen bis zum caspischen Meere erstreckt, und nördlich von dem Caucasus begränzt wird. Ihre Bewohner, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts, sind sehr wohlgestaltet, und die Letzteren werden vorzüglich für die türkischen Harems gesucht. Ihre Männer sind treffliche Reiter, ungemein tapfer im Felde, und daheim Verehrer des Gastrechts. Der größte Theil ihres Landes ist dermalen unter russischer Bothmäßigkeit.

[53] Vers 284.

Bagrada, h. z. T. Medscherdah, ein Fluß, der in der Nähe von Buschatter (Utika) sich in das Mittelmeer ergießt.

Neunter Gesang.

[54] Vers 15.

Turkestan, das eigentliche Stammland der heutigen Türken, ist eine Landschaft in Mittel-Asien, die von dem Königreiche des großen Moguls, von der großen Tartarey, von Catay und Zagatey begränzt wird. Das Land ist sehr fruchtbar, dessen Einwohner Tartaren sind, und sich zur muhamedanischen Lehre bekennen.

[55] Vers 58.

Varus (Quintilius), unter Augusts Regierung erst Proconsul in Syrien, dann in denen, seit Julius Cäsar eroberten deutschen Provinzen, wurde durch das Haupt der Cherusker, Hermann, aus seinem verschanzten Lager bis in den Teutoburger-Wald, h. z. T. Grafschaft Lippe, gelockt und dort sammt seinen drei Legionen zu Grunde gerichtet. Varus entleibte sich selbst. August soll sich bei der erhaltenen Nachricht die Haare gerauft, und ausgerufen haben: „Varus, schaffe mir meine Legionen wieder!“ (Tacit. Sveton. Velej. Pater. L. I. 2.)

[56] Vers 103.

Beduinen, oder nomadische Araber, sind unabhängige, freie Stämme muhamedanischer Religion, die unter ihren Fürsten (Emir) oder Familienhäuptern (Scheich) die Wüste, größten Theils unter Zelten lebend, bewohnen. Sie sind Krieger und Hirten zugleich, und verachten stolz alle übrigen Beschäftigungen. Seit Jahrtausenden sind ihre Sitten dieselben geblieben, wie sie in den allerältesten Urkunden, nämlich in der h. Schrift, durch Moses, geschildert werden. (Niebuhr, Beschreibung von Arabien, S. 379 und f. — D’Arvieux III. 125.)

[57] Vers 382.

Natter. (Cerastes) Hornschlange — nach dem Volksglauben auch die Königsschlange genannt, weil sie, laut jenem, eine Krone auf dem Haupte haben soll. Die arabischen Gaukler pflegen der Hornschlange zarte Vogelklauen einzusetzen, um damit das Volk zu täuschen.

[58] Vers 477.

Bürgerkrone, war bei den Römern eine große Auszeichnung für Jenen, der in der Schlacht einem Bürger das Leben gerettet hatte. Sie war von Eichenlaub gemacht, und führte die Aufschrift: „Ob civem servatum.“ Bei Schauspielen, oder im Senate, wo sie getragen wurden, stand die ganze Versammlung vor ihm auf.

[59] Vers 520.

Cornelia, die Mutter der Gracchen, war die Tochter des älteren Scipio, des Siegers bei Zama, und hatte zwei Söhne, Tiberius Sempronius, und Cajus, mit ihrem verstorbenen Gatten, Tib. Semp. Gracchus, erzeugt, der zweimal Consul war, und die Insel Sardinien eroberte. Jene beiden, von ihrer trefflichen Mutter gebildeten, und mit den schätzbarsten Eigenschaften ausgerüsteten Söhne, fanden in den, von ihnen erregten bürgerlichen Gährungen (der ältere im J. 133, und der jüngere im J. 121 vor Chr.) den Tod, indem sie als Tribunen zu sehr nach der Volksgunst gestrebt, und das agrarische Gesetz gegen den Senat durchzusetzen gesucht hatten. (Liv. I. 41. c. 12. — Valer. M. Plutarch etc.)

Zehnter Gesang.

[60] Vers 116.

Zender und Gingir, zwei große, gen Süden unterhalb des Aequators liegende Länder in Afrika, unter dem 50-55. Grad der Länge, und dem 5-8. Grad der Breite.

[61] Vers 117.

Gleicher, Aequator der Erde, oder Aequinoctial-Linie, und von den Seefahrern die Linie genannt, ist derjenige größte Kreis unserer Erdkugel, der von den Polen der Erde in allen Punkten um neunzig Grade absteht. Alle Orte, die er durchschneidet, haben gleich lange Tage und Nächte: daher der Nahme Aequator.

[62] Vers 146.

Altai, auch Belgian genannt, ein großes Gebirg Asiens in der Nord-Tartarey, und im Königreiche Montgal.

[63] Vers 146.

Ural, in der tartarischen Sprache ein Gürtel, ist die beinahe 300 Meilen lange Gebirgskette, die von dem caspischen Meere beginnend, Europa von Asien scheidet, und Sibirien von dem übrigen Theile Rußlands trennt.

[64] Vers 160.

Samum von den Arabern; von den Hebräern זִלְעָפָה; von den Türken Samyel, und in Afrika Hamaddan genannt, ein heißer Wind, der in den Monathen Juni und Juli in Arabien, Persien, Babylonien, und in den Wüsten von Aegypten; aber am heftigsten, zuweilen schon im März und noch im November, in Nubien weht. Er dauert höchstens nur 7 bis 8 Minuten, aber er tödtet augenblicklich Alle, die aufrecht stehen; daher ist es nöthig, sich auf das Antlitz niederzuwerfen, die Sohlen dem Winde zuzukehren, und so wenig als möglich Athem holend, den Mund auf den Boden zu pressen. So streicht er dann unschädlich vorüber, da er zwei Schuh hoch über der Erde dahin zieht, aber dennoch ein heftiges Zittern und starken Schweiß verursacht. Die Thiere tödtet er zwar nicht, doch senken auch sie den Kopf zur Erde, und zittern am ganzen Leibe. Die Vorbothen des Samums sind, nach Brüce, röthliche Sandsäulen, die sich in die Luft erheben und stets näher schweben. Die Getödteten werden sogleich schwarz und zu Mumien gedörrt. (Brüce’s Reisen &c. im Auszug Rinteln I. S. 496 und S. 129 folg. &c. — Thevenot Voy. 295. — Ives II. 83. &c.)

[65] Vers 358.

Kairvan (Cairoan, Carvan), eine Stadt im Gebiethe von Tunis nicht ferne von dem Meerbusen von Kabesch. Sie war die erste, welche die Muhamedaner in Afrika, unter dem dritten Kalifen in Syrien, Ottmann, gegründet hatten, und wegen ihrer hohen Schule berühmt. Doch wurde sie, bald nach der Heimkehr Carls V. von Tunis, mit diesem Königreiche vereinigt. (Marmol. Africae L. 6.)

[66] Vers 359.

Constantina (Cuguntina), die Stadt, nach Einigen das alte Cirtha, in Nord-Afrika, liegt auf einem hartzugänglichen Felsengebirge, weßwegen sie überaus fest ist, und gehört nun zu Algier. Zu Anfange des vierten und fünften Jahrhunderts sind da zwei Concilien gehalten worden, von welchen in den Werken des h. Augustinus die Acta aufbewahrt sind.

[67] Vers 510.

Die volle Lage geben, heißt das schnelle Abfeuern aller Kanonen auf der Seite eines Kriegsschiffes.

[68] Vers 732.

„The Emperor marched into the Goletta through the breach; and turning to Muley-Hassan, who attended him, „Here“ — Says he — „is a gate open to you, by which you shall return to take possession of your dominions.“ (Robertson Histor. of Charles V. III. T. Book V.)

Eilfter Gesang.

[69] Vers 44.

Vampyren, die größte Gattung der Fledermäuse; und unter diesen wird hier der so genannte Blutsauger (V. Spectrum) gemeint, dessen Heimath die neue Welt, Surinam, Guiana, Brasilien u. s. w. ist. Durch das Wehen seiner Flügel erquickt er den Schlummernden, leckt ihm mit seiner rauhen Zunge die Haut auf, und wenn das Blut, an welchem er sich satt gesogen hatte, aus einer Hauptader strömt, so kann sich der Fortschlummernde leicht verbluten. (S. Tob. Wilhelm Unterh. aus der Naturgeschichte der Säugethiere, 1. Thl.)

[70] Vers 255.

Valladolids Turnierbahn. Carl V. ließ in seinem bereits vorgerückten Jünglingsalter noch wenig von dem hohen Verstande, und der Thatkraft ahnen, die ihn in der Folge als Herrscher so sehr auszeichneten, so, daß Viele, die nicht tief genug sahen, versucht waren, ihn für blödsinnig zu halten, bis er auf dem Turniere zu Valladolid (im J. 1517), durch seine Gewandtheit in allen ritterlichen Uebungen, und den Wahlspruch seines Schildes: „Nondum!“ All’ in Erstaunen setzte. (Siehe Freih. von Hormayrs Oestr. Plut. 6. Heft S. 423.)

[71] Vers 259.

Während Carl V. nach seiner Wahl zum röm. Kaiser, und wegen entstandener Feindseligkeiten mit Frankreich, in Deutschland, in den Niederlanden und in England, von Spanien abwesend war, brach Empörung und Bürgerkrieg in allen Theilen dieses Königreichs aus. Er begann im Mai 1520 zu Toledo, wo das Haupt der Empörer, Don Juan de Padilla, Sohn des Commandanten von Castilien, war, und in den spätern Gefechten, im April des Jahrs 1521 von dem Generale der königlichen Truppen gefangen und enthauptet ward. (Robertson History of the Reign of the Emp. Charles V. II. Volume. B. 3.)

[72] Vers 262.

Franz I., König von Frankreich, bewarb sich sehr heiß um die deutsche Kaiserkrone; da aber diese seinem Nebenbuhler, Carl V., zu Theil ward, so trieb ihn, von jener Zeit an, die Rachgier unaufhörlich, diesen zu demüthigen, und ihm in seinen Unternehmungen Hindernisse in den Weg zu legen. Vereint — und Beide hatten so viele Ursache, sich gegenseitig zu achten! — hätten sie unsäglichem Jammer, der erst Deutschland, dann mehrere Länder Europa’s traf, wehren können. (Siehe obiges Werk, II. B.)

[73] Vers 265.

Den Titel christlichste Majestät, führten die Könige von Frankreich bis auf die neuesten Zeiten, und zwar seit Chlodwig dem G. J. 496, wo er ihm selber von dem Pabst beigelegt ward.

[74] Vers 266.

Franz I. war der erste christliche Fürst, der mit dem Erbfeind der Christenheit offenbar in ein Bündniß trat. La Forest, sein Geschäftsträger in Constantinopel, schloß (im J. 1336) solches mit Solyman II. ab, vermöge welchem dieser Neapel und Ungarn feindlich überziehen sollte. Es wurde ihm auf eine furchtbare Art Genüge geleistet! (Siehe obiges Werk, III. B.)

[75] Vers 278.

Man sehe Vogts Staats-Relationen. VI. Bandes 2. Heft.

[76] Vers 289.

Der Bauernkrieg in Franken und Schwaben wurde durch Johann Böhme, einen Bänkelsänger im Würzburgischen, veranlaßt, wo er Freiheit und Gleichheit aller Stände predigte. Der Krieg kam dort im J. 1525 zum Ausbruch, und kostete über 50,000 Bauern das Leben. Mehr als 180 Schlösser und Burgen lagen im Schutt, und 26 Klöster waren vernichtet. — Er verpflanzte sich auch nach Sachsen und Thüringen, wo Thomas Münzer, erst Schullehrer in Aschersleben, dann Prediger in Zwickau, sich mit dem Haupte der Wiedertäufer, Klaus Storch, verband, und später zu Altstedt in Thüringen die Gemeinschaft der Güter predigte. Er kehrte nach Sachsen zurück, verband sich mit einem andern Schwärmer, Pfeiffer, und sammelte einen großen Haufen Aufrührer um sich, bis er gegen die ausgesandten sächsischen, hessischen und braunschweigischen Heerhaufen (15. Mai 1525) die Schlacht verlor, sammt seinem Anhänger, Pfeiffer, gefangen, und in Mühlhausen hingerichtet ward. (Sleidan. de statu rel. L. 5. — Fabritius de orig. Sax.)

[77] Vers 293.

Der dreißigjährige Krieg (von 1618-1649) — eine Folge der Reformation — biethet ein Schauspiel unerhörter Grausamkeiten dar. Während diesen ward Deutschland von einem Ende zum andern durch Mord und Brand verödet, und um viele Millionen Menschen ärmer gemacht. Der westphälische Friede setzte ihm zwar ein Ziel; aber was durch ihn zerstört worden, wird wohl keine Zeit mehr ersetzen. (Siehe Schillers und Westenrieders Geschichte des dreißigjährigen Krieges.)

[78] Vers 315.

Die Geschichte von beinahe zwei Jahrzehenden vor der Völkerschlacht von Leipzig liefert die unwiderlegbaren Belege zu dieser Stelle!

[79] Vers 320.

18. Oktober 1813!!

[80] Vers 328.

Leser! möchte dir der Zuruf nicht fremd seyn, welchen der gütigste Landesvater am 1. Hornung 1806 an seine Völker richtete, und der mit den Worten beginnt: „Ich habe meinen guten und treuen Völkern den Frieden gegeben!“ — und mit den Worten endet: „Durch das wechselseitige Band des festesten Vertrauens und der innigsten Liebe mit meinen Unterthanen verbunden, werde ich nur dann erst glauben, meinem Herzen als Fürst und Vater genug gethan zu haben: wenn Oestreichs Flor fest gegründet, wenn vergessen ist, was seine Bürger litten, und nur das Andenken an meine Opfer, an ihre Treue, und an ihre hohe unerschütterliche Vaterlandsliebe noch lebt!“

[81] Vers 342.

St. Just. Nicht ferne von der Stadt Placenzia, in Estremadura, lag das einsame Kloster der Hieronymitaner, St. Just, das Carl V. viele Jahre vor seiner Abdankung zu seinem einstigen Asyl erkoren hatte. Es lag in einem lieblichen Thale mit einem hellen Bach, mit Hügeln und Wäldern umher, und war wegen seiner gesunden Luft berühmt. Einige Monate vor seiner Ankunft erschienen dort Werkleute, die seine aus fünf bis sechs Klosterzellen bestehende Wohnung, mit einem Ausgang in den Garten, den er selbst pflegen, und dem andern in die Capelle, wo er seine Andacht halten wollte, bereiteten. Er zog daselbst am 24. Februar des J. 1557 ein, und starb am 12. September 1558 in seinem 59. Lebensjahre.

Zwölfter Gesang.

[82] Vers 336.

Grätz, die Hauptstadt der Steyermark, und der Sitz des Guberniums von Inner-Oestreich, mit beiläufig 40,000 Einwohnern.

[83] Vers 340.

Im Jahre 1532 stand Solymann II. mit einer ungeheuren Macht vor Wien, und zog sich bei der Annäherung Carls V., der an der Spitze eines Heeres von mehr denn 90,000 Mann zum Entsatz herbeieilte, durch Ungarn bis nach Constantinopel zurück. (Jov. Hist. L. 30. p. 100.)

[84] Vers 344.

Bei der Beschreibung des letzten Kampfes vor Tunis, führt Jovius (Hist. L. 34. p. 361 apud Schard.) die Worte Carl V. an, der mitten im Kugelregen Del Guasto diese Antwort gab. („Subridens Caesar, et ne id timeret, subdens, quando Augustorum Caesarum nemo unquam tormenti violentia concidisset.“)

[85] Vers 555.

Psalm 125.

[86] Vers 608.

Robertson sagt von der Plünderung der Stadt Tunis durch die Christen (History of the Reign of the Emperor Charles V. Vol III. p. 115): „Above thirty thousand of the innocent inhabitants perished on that unhappy day, and ten thousand were carried away as slaves.“ — Eutropius im Werke (Diarium Expeditionis Tunetanae p. 334. apud Schard.) sagt: „Post introitum Imperatoris in urbem, ecce tibi Miles Hispanus aliquotque alii stationarii, passim in aedes magno impetu irruunt, .... Mauros resistentes occidunt, spoliant, compilant, evertunt omnia cum pulvere.“ — P. Jovius Hist. Lib. 34. pag. 363 apud Schard sagt: „Primus inhiantium praedae impetus, uti invadentium et effringentium fores varii casus tulerunt, promiscua caede cruentus fuit.“ — Beide setzen hinzu: „Caesar sevitiae modum imposuit, pronunciarique jussit, capitale fore, si quis Tunetanum violaret civem, aut in servitutem abduceret.“ — Sepulveda, dem Carl V. sein ganzes Leben erzählte, und mit jenen Beiden ihm gleichzeitig war, sagt: „In hac direptione ex oppidanis pauci gladio conciderunt, et hi suo magna ex parte stulto consilio, qui muros rebus desperatis, ne conati quidem tueri, suas domos, uxoresque et liberos defendere quidam tentaverunt. Qua temeritate milites irritati in nonnullos sine discrimine parumper saevierunt, praesertim Germani etc.“ (Siehe: Opera P. Sepulvedae Vol. I. p. 405. Matriti ex Typ. Reg. 1780.) — Dieß zur Würdigung obiger Geschichte!