Zu Seite 2:
ἄλλως kündigt in den chemischen Papyri ein neues Rezept ähnlichen Inhaltes (als ἄλλο oft auch nur ein neues Kapitel) an, in den Zauberpapyri aber eine Variante in textkritischem Sinne. Dies zeigte schon WESSELY in seiner Ausgabe der Londoner und Pariser Zauberpapyri („Denkschriften der Wiener Akademie“ 1888; mit reichen Indices), in den „Wiener Studien“ (1886), usf.; von den dort aufgespeicherten neuen Materialien machte DIETERICH ausgiebigen Gebrauch (REITZENSTEIN; WESSELY).
Zu Seite 5:
Magnesia (im heutigen Sinne) als Abführmittel kennt bereits HIPPOKRATES im 5. Jahrhundert v. Chr. (HOPPE, A. Nat. 8, 97). — Den Namen Magnesia führten bekanntlich mehrere Städte: Magnesia am Mäander, am Sipylos, in Thessalien usf.
Zu Seite 9:
ἐπίβαλε = wirf ein, wirf hinein, ist schon bei HIPPOKRATES (5. Jahrhundert v. Chr.) ein gebräuchlicher Ausdruck, der oft angewandt wird, wenn vom Zusammenmischen der Arzneien die Rede ist (z. B. üb. FUCHS 3, 506).
Zu Seite 14:
Marienglas, eine Abart des Gipses, ist selbstverständlich nicht identisch mit Glimmer, wie aus Zeile 8 von oben herausgelesen werden könnte.
Vitriole. Vgl. den eingehenden Aufsatz K. B. HOFMANNS „Über die Kenntnis der klassischen Völker von den Vitriolen und der Stypteria“ („Journal für praktische Chemie“ II, Bd. 86, 305).
Bemerkenswert ist es, daß im Spätlateinischen „Atramentum“ die Bedeutung „Interpunktionszeichen“ annahm (MAIGNE D’ARNIS, 234).
Zu Seite 24:
Leidener und Stockholmer Papyrus. Frau HAMMER-JENSEN versuchte den Nachweis, daß diese Papyri in keiner Beziehung zur Alchemie stünden, und daß bei vielen ihrer Vorschriften hauptsächlich gallische und indische Herkunft vorauszusetzen sei („Berichte der Dänischen Akademie“, Kopenhagen 1916, 279). Nach DIELS liegt der Hauptmangel ihrer Abhandlung darin, daß sie die beiden Papyri für sich herausgriff, den allgemeinen Zusammenhang mit der gesamten zugehörigen Litteratur aber nicht verfolgte, ja anscheinend gar nicht einsah („Deutsche Litteratur-Zeitung“ 1917, 592). Eine ausführlichere Widerlegung, die auf eine Reihe von Einzelheiten eingeht, veröffentlichte LIPPMANN („Chemiker-Zeitung“ 1917, 589).
Vgl. auch HAMMER-JENSENS Artikel „Färbung“ (PW., Spl. 3, 461), der die nämlichen Ansichten verficht wie ihre oben erwähnte Abhandlung und in chemisch-technischer Hinsicht vieles zu wünschen übrig läßt.
Zu Seite 26:
Bücher aus Gräbern. Das Einlegen von Büchern in Gräber und ihre Benützung als Toten-Beigaben war in Ägypten sehr häufig, daher konnten sagenhafte Erzählungen mit Recht an diesen Gebrauch anknüpfen (SCHUBART, „Das Buch bei Griechen und Römern“, Berlin 1907, 10; BOLL, „Offenb.“ 136 ff.).
Zu Seite 26:
Beiblatt des Stockholmer Papyrus. Vermutlich ist κοίνα (κοινοῦ?) der Imperativ des seltenen κοινάω (κοινοῦσθαι) = „sich anvertrauen“, z. B. θεῷ, dem Gotte. Hiernach umfaßt die Zauberhandlung zuerst ein Gebet: „Sonne usf. nimm mich an, der ich vor dich trete“; sodann heißt es „vertraue dich [dem Gotte] an“ (teile ihm dein Anliegen mit); „hierauf salbe dich, und du wirst ihn mit eigenen Augen sehen (καῖ ἀυτοπτήσεις)“, d. h. er wird erscheinen und dir Antwort geben (REITZENSTEIN).
Zu Seite 32:
Lexikon der χρυσοποιία. Dieses sog. Lexikon ist eine Sammlung kurzer, ursprünglich nicht alphabetisch geordneter Worterklärungen, wie es deren auch z. B. zur Septuaginta und zu HOMER gab; da die Veröffentlichung BERTHELOTS aber nicht seiner Anordnung und Abfolge in den Handschriften folgt, so läßt sich vorerst nicht absehen, zu welchem Corpus chemischer Schriften es gehört haben mag und ob es auch die Deutung jener Ausdrücke anstrebt, die gerade in den Schriften des PSEUDO-DEMOKRITOS vorkommen (REITZENSTEIN).
Zu Seite 35:
Kobalt. In altägyptischen Gläsern und Perlen wies zuerst DAVY Kobalt nach (BERTHELOT, „Coll.“ 2, 9; „Intr.“ 245); verschiedene Forscher fanden es in Glasuren und Tonwaren (BLÜMNER 2, 97; 4, 413, 503), und letztere enthalten zuweilen bis 5,3% davon (KLEIN, „Chemisches Zentralblatt“ 1913, 587). — Über den Zusammenhang zwischen Kobathia und Kobalt s. „Coll.“ 1, 245, sowie RULANDUS, „Lexicon Alchemiae“ (Frankfurt 1612, 158), über Kobalt in „deutschen Sagen“ MAIGNE D’ARNIS („Lexicon“ 527). Nach W. HOMMEL bezeichnete „Kobelt“ ehedem Abfälle der verschiedensten Art („Chemiker-Zeitung“ 1912, 918).
Zu Seite 46:
HOMER. Die Gegensätze, in denen HOMERS „altväterische“ Art und Denkweise mit jener der „neueren“ Zeiten stand, waren schon im 5. Jahrhundert v. Chr. so lebhafte geworden, daß bereits ANAXAGORAS (500–428?), nach anderen aber erst sein Schüler METRODOROS mit der allegorischen Auslegung begann und HOMER als „Physikos“ hinzustellen bemüht war, d. h. als Erforscher und Darsteller des Weltganzen[7201]. Daß PLATON, Gründen allgemeiner Art folgend, die homerischen Gedichte als Bildungsmittel der Jugend in seinem Idealstaate verwarf[7202], trug vielleicht bei, derlei Bestrebungen zu fördern, und jedenfalls gewannen sie in der Folgezeit fortdauernd an Boden, namentlich bei den ohnehin der allegorischen Deutung so geneigten Stoïkern; dies gilt schon für die älteren Mitglieder der Schule[7203], in weit höherem Grade aber für die jüngeren. Zu Beginn der Kaiserzeit erklärte der Stoïker HERAKLIT (der im übrigen nicht näher bekannt ist und fälschlich mit seinem großen alten Namensbruder identifiziert wurde)[7204], anders als allegorisch aufgefaßt wäre HOMER geradezu ein Frevler gewesen[7205], daher habe man z. B. das Beilager der APHRODITE und des ARES als Zusammentreffen dieser beiden Gestirne aufzufassen, die Kämpfe der Götter als Konjunktionen der Planeten, u. dgl. mehr[7206], — wie denn auch schon im 1. Jahrhundert v. Chr. ASKLEPIADES von MYRLEIA einen ausführlichen Kommentar zu HOMER in rein astrologischem Sinne verfaßte[7207]. Des HERAKLIT Zeitgenosse, APION von Alexandria, sowie KRATES von Mallos und deren Nachfolger erblickten in HOMER die denkbar tiefste Quelle verborgener Weisheit aller Art[7208], und in seinen Epen eine Enzyklopädie, enthaltend die Summe aller Künste und Wissenschaften[7209]; neu war damals, allem Anscheine nach, diese Auffassungsweise nicht mehr, denn schon zur Zeit der späteren Ptolemäer soll sie mit Anlaß gegeben haben, HOMER zu vergöttern und ihm Altäre und Tempel zu bauen[7210], seine Werke aber als „Losbücher“ und die aufgeschlagenen Verse als „Omina“ anzusehen, ganz so wie dies später betreff des VERGIL, und bis in die Neuzeit hinein bezüglich der Bibel geschah[7211]. Ähnlichen Anschauungen und den bewährten Grundsätzen allegorischer Auslegung huldigten auch PLOTINOS (204–270)[7212] nebst seiner Schule sowie PORPHYRIOS (272–304?), wofür als Beispiele nur die Symbolik der Grotte auf Ithaka angeführt sei, ferner die der CIRCE als Urbildes magischer Kunst, und die des ACHILLEUS als Dämons, — unter welcher Gestalt er seit dem 3. Jahrhundert steigende kultische Verehrung genoß[7213].
Die Kirchenväter waren mit HOMER meist wohlvertraut; IRENÄUS z. B. (um 180) führt als Belegstellen willkürlich zusammengestoppelte homerische Verse an[7214], und noch der hl. BASILIUS (um 350) zitiert solche wiederholt zu den Wundern, die die hl. THEKLA zu Seleukia vollbrachte, wo sie als Nachfolgerin der ATHENE in deren Tempel hauste, vor dem man den Gläubigen nach wie vor geweihte Seife verkaufte, damit sie dem Heiligtume in ritueller Reinheit zu nahen vermöchten[7215]. Wie also im christlichen Seleukia, so war die Kenntnis HOMERS auch sonst in Vorderasien sehr verbreitet, und teilweise Übersetzungen besaßen selbst die Armenier und Syrer[7216], welchen letzteren aber HOMER auch als „Vater der Lügenreisen“ und deshalb als Babylonier galt[7217]. Für einen Ägypter hinwiederum, und zwar für einen Thebaner und Sohn des Propheten HERMES, hält den HOMER HELIODORUS (um 250)[7218]; nach einem etwa gleichalterigen magischen Papyrus ist er wie „der Gewährsmann aller Dinge“ so auch der Verfasser eines Zauberbuches, und der 18. Absatz der unter dem Namen des AFRIKANOS überlieferten „Kesten“ enthält eine magische Interpolation in eine sog. homerische Hymne, die HOMER zum Erfinder der Zauberkunst zu stempeln sucht[7219]. Verschiedene Überlieferungen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte lassen HOMER seine Weisheit bald aus den Archiven des ISIS-Tempels schöpfen, bald sie von Geistern und Dämonen empfangen, woraufhin dann seine Werke als teuflisch und deren Leser als verdammt bezeichnet wurden[7220]; homerische Verse und Fragmente finden sich auch in Zauberbücher und -sprüche eingeschoben[7221], und da HOMER auch den ihn allegorisch auslegenden Gnostikern[7222] als Autorität, den Ssabiern aber sogar als Mitbegründer ihrer Religion galt[7223], können Äußerungen wie die der (syrischen) Schriften des PSEUDO-DEMOKRITOS oder des „Papyrus Kenyon“ nicht überraschen.
Erwähnt sei noch, daß auch mittelalterliche medizinische Abbildungen nach antiken Vorlagen den „OMERUS auctor“ nebst HERMES mit der Zauberwurzel Moly[7224], oder „OMERUS“ mit der heil- und zauberkräftigen Wurzel der Paeonia (Pfingstrose) zeigen[7225], sowie daß mittelalterliche alchemistische Pseudepigraphen, z. B. die des PSEUDO-PLATON, HOMER neben PYTHAGORAS, EUKLID, PTOLEMAIOS u. A. als alchemistischen Autor anführen[7226].
Zu Seite 47:
Männliches und Weibliches. Nach ägyptisch-hellenistischer Lehre, die selbst aber wieder iranischen Ursprunges ist, entsteht die Welt durch Vereinigung zweier Elemente, eines männlichen und eines weiblichen (REITZENSTEIN).
Zu Seite 48:
Lutieren von Töpfen mit Lehm oder einem Gemenge von Lehm und Haaren erwähnt schon HIPPOKRATES (üb. FUCHS 3, 528; 2, 481); er gedenkt auch des Lutierens von Rohren für Dämpfe (ebd. 3, 608).
Zu Seite 50:
Aludel. Nach DOZYS Wörterbuch (Supplement) ist al uthâl im Arabischen lediglich als chemischer Fachausdruck bekannt, während für uthâl = Rohr kein Beleg vorliegt, und Rohr im Arabischen jedenfalls nicht uthâl heißt (JACOB). — Nicht ausgeschlossen scheint es, daß, wie Alambik aus al und ἄμβιξ (Ambix), so Aluthâl aus al und αἰθάλη (Aithále) zusammengesetzt ist; das Wort bezöge sich dann ursprünglich nicht sowohl auf die (tönerne oder gläserne) Hülle, als auf deren Inhalt, also auf den in ihr zu kondensierenden Dampf. Vermutlich ist Vermittlung durch das Syrische anzunehmen (RUSKA). — Tatsächlich bezeichnet BAR BAHLUL in seinem im 10. Jahrhundert auf Grund weit älterer Quellen verfaßten „Syrischen Lexikon“ (ed. DUVAL, Paris 1901) das Gerät Atâl als „zur Destillation [Sublimation] dienend“, und schon in einem Papyrus, der aus dem 8. oder 9. Jahrhundert herrühren dürfte, findet sich neben dem „Topf auf dem Topf“ auch das Atâl genannte Gefäß erwähnt (SEIDEL, „Der Islam“ 1, 238, 263). — Nach E. WIEDEMANNS Angaben im „KAHLBAUM-Gedenkbuch“ vertritt al uthâl die Stelle des griechischen σωλήν = Röhre, Rohr, und auch die sog. Aludeln, wie sie z. B. in Idria noch bis in die neueste Zeit hinein zur Kondensation von Quecksilberdämpfen dienten, sind Rohre oder rohrähnliche Gebilde.
Zu Seite 58:
Tabula smaragdina: die Tafel (στήλη) aus Edelstein ist in der Offenbarungslitteratur häufig, ja fast für sie typisch (REITZENSTEIN).
Zu Seite 60:
AGATHODAIMON. Vgl. die ausführlichen, zahlreiches Neue bietenden und vieles Ältere berichtigenden Aufsätze von GANSCHINIETZ (PW., Spl. 3, 38) und von ANDRES (ebd. 3, 101). Nach ersterem sind getrennt zu behandeln: 1. Die menschengestaltige griechische Gottheit, die eine weder ursprüngliche noch eines eigentlichen Kultus gewürdigte war und vermutlich in ähnlicher Weise Boden faßte wie die AGATHE TYCHE. 2. Die Schlangengottheit, d. i. der griechische Schutz- und Hausgott in Schlangenform. 3. Der Gott der hellenistischen Zeit, entstanden (wohl in Alexandria) durch Verbindung des vorigen mit dem in gleicher Form dargestellten und verehrten ägyptischen AGATHODAIMON, sowie durch Identifikation mit dem schlangenförmig abgebildeten CHNUM oder KNEPH und mit HERMES-TOTH; in dieser Gestalt tritt er, nicht selten neben seinem Gegenbilde KAKODAIMON, in der okkultistischen Litteratur auf, in der Hermetik, Astrologie, Alchemie, Gnostik, in den Zauberbüchern usf.
Der Eigenname AGATHODAIMON bleibt bis in das 4. Jahrhundert nachweisbar; sein bekanntester Träger ist wohl der alexandrinische Geograph des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, ein Nachfolger des PTOLEMAIOS, der u. a. auch die fälschlich als „ptolemäische“ bekannte Weltkarte entwarf (FISCHER, ebd. 3, 59; M. G. M. 16, 178).
Im Orient lebte AGATHODAIMON zusammen mit HERMES bis in die spätesten Zeiten fort, wie u. a. das philosophische Handbuch des Persers SCHIRAZI (gest. 1640) zeigt (HORTEN, „Der Islam“, Beiheft 2; Straßburg 1913). Den alten Quellen gemäß, aus denen er schöpft, sind ihm AGATHODAIMON und HERMES neben EMPEDOKLES, PYTHAGORAS, SOKRATES und PLATON „die ältesten griechischen Philosophen“ (a. a. O. 14, 16, 146, 254) und neben PLATON und PYTHAGORAS die ältesten Astrologen (ebd. 16, 147, 229); AGATHODAIMON stammte wie THALES und ANAXIMENES aus Milet (ebd. 199), er war ein guter Geist und Engel, der u. a. dem HERMES die Offenbarung vermittelte (ebd. 201), und verfaßte vielerlei Bücher und Schriften (ebd. 242, 254).
Zu Seite 63:
Schreiben der ISIS an HOROS. Die Form des Briefes ist eine bei den Herausgebern magischer Schriften sehr beliebte (WESSELY; vgl. dessen „Ephesia Grammata“, Wien 1886, 4).
Zu Seite 64:
Eid der ISIS: Eide dieser Art sind in den Ritualen der Mysterien-Religionen nicht selten und gelten auch in der Buch-Offenbarung noch als bindend für den Leser. Der vorliegende [dessen Überlieferungen nicht unerheblich auseinander gehen, s. bei KOPP, a. a. O.] gehörte ursprünglich wohl einem griechischen Mysterienbrauche an, worauf das Schwören beim Acheron (nicht Charon!) zurückweist, doch ist ihm durch Interpolationen eine mehr orientalische Fassung zuerteilt (REITZENSTEIN).
Zu Seite 64:
Gleich- und Einswerdung. Formeln wie die zwischen HOROS und dem durch AMNAEL vorgestellten CHNUM gebrauchte sind in der Mystik des Zeitalters weitverbreitet (REITZENSTEIN, „Poimandres“ 142; WEINREICH, A. Rel. 19, 166).
Zu Seite 68:
Moses (Pseudo-Moses). In der mystischen Litteratur werden ihm zahlreiche Werke zugeschrieben, u. a. ein Schlüssel-, Mond-, Erzengel-Buch u. dgl. (WESSELY, „Ephesia Grammata“, Wien 1886, 6).
JAMNES und MAMBRES gelten in der mystischen Überlieferung als die beiden Zauberer, die dem MOSES am Hofe des Pharao entgegentreten (REITZENSTEIN).
Zu Seite 71:
Euagia. Einen angeblichen Ort dieses Namens gibt es in Wirklichkeit nicht, JOHANNES wird vielmehr bezeichnet als Oberpriester τῆς ἐν εὐαγἰᾳ θυσίας, bei dem in frommem Sinne [dargebrachten] Opferfeste (REITZENSTEIN). — Möglicherweise war aber die ganze Abhandlung auch betitelt als die des Oberpriesters JOHANNES „τοῦ τῆς εὐαγίας [μνήμης]“ = „seligen Angedenkens“; derartige Beinamen sind nämlich in der frühchristlichen Zeit außerordentlich häufig, und wir besitzen auch ausreichende Belege dafür, daß das Weglassen des Wortes μνήμης in dieser Verbindung zum Sprachgebrauche geworden war (WESSELY; s. „Neue philologische Rundschau“ 1889, Nr. 11, S. 174).
Tutia. „Al Tûtijâ ist ein Rauch“ (arab. duchân, auch dukhân) sagt ALQAZWINI im „Steinbuch“ („Das Steinbuch aus der Kosmographie des ALQAZWINI“, üb. RUSKA, Heidelberg 1896, 11). — Nach VULLERS bezeichnet im Sanskrit Tuthia ursprünglich ein Collyrium aus der Pflanze Amomum xanthorhiza, später aber auch Präparate, die anscheinend aus Vitriolen gewonnen wurden; der Zusammenhang von Tutia mit dem persischen Dûd = Rauch, Ruß (Lampenruß) muß daher für mindestens fragwürdig gelten (JACOB). — Nach vor Jahren erteilter Auskunft des verstorbenen Prof. Dr. R. PISCHEL ist Tuthia im Sanskrit selbst ein Fremdwort.
Zu Seite 73:
Zu SAʿDI. Das angeführte Gedicht fährt fort:
und zeigt jedenfalls keine Beziehung zu einer bestimmten Persönlichkeit (JACOB). — [Bei SCHLECHTA, a. a. O., lautet die Überschrift: „Alchemie“.]
Zu Seite 74:
AFRIKANOS schöpfte vielfach aus den Schriften des (Pseudo-) DEMOKRITOS, namentlich auch aus dem Buche über „Sympathien und Antipathien“ (W. KROLL, PW. 10, 116).
Zu Seite 78:
Amalgam = μῖγμα, Magma, arab. „Almagma“? — In der arabischen Arithmetik wird als Magmuʿ, Almagmuʿ, das Vereinigte, die Summe, die Summation bezeichnet (RUSKA, „Zur älteren arabischen Algebra und Rechenkunst“, Heidelberg 1917, 17).
Zu Seite 81:
Hen to pan (ἕν τὸ πᾶν) ist eine ursprünglich religiöse Formel = „Eines und Alles“, „Eins ist das All“, und wird oft mit den Worten fortgesetzt καῖ πᾶν ὁ θεός = „und Alles die Gottheit“; für dieses mysteriöse All dient die Schlange Uroboros als Symbol (REITZENSTEIN).
Zu Seite 86:
Kerátion. Seitdem Kaiser KONSTANTIN die reine Goldwährung festgestellt hatte, ist Keration (κεράτιον) eine der allergewöhnlichsten byzantinischen Münzen: ¹⁄₇₂ des Goldpfundes war das νομισμάτιον (Nomismátion; Solidus), und dieses zerfiel in 24 aus Silber gemünzte Teile namens κεράτιον (Kerátion). Goldwechsler und Agioteure erklärten dann einzelne goldene Solidi für minderwertig und nahmen sie nur mit einem Aufgelde von 1, 2, 3, ... Karaten an; hieraus erklärt sich die Entstehung der Ausdrücke 18- oder 14karätiges Gold, die also Gold bedeuten, das statt 24 Karate nur 18 oder 14 Karate Wert besitzt (WESSELY).
Zu Seite 88:
Milch der schwarzen Kuh: sie ist im Zauberwesen ein häufig angewandtes Mittel zur Vergottung und war ursprünglich wohl die „Milch der Göttin“, die den Genießenden, also auch den Mysten, unsterblich machen soll (REITZENSTEIN).
Zu Seite 101:
Artabe. Der Name dieses Maßes, „Artab“, ist nach SETHE ursprünglich ein persischer, gewann aber allmählich weite Verbreitung und findet sich im Assyrischen, Armenischen, Aramäischen, Griechischen und Spätägyptischen. (Zitat in Verlust geraten.)
Zu Seite 109:
SALMANAS. SELMAN ist ein gut arabischer Name, und SELMAN AL-FARISI (= SELMAN der Perser) ein wohlbekannter Genosse des Propheten, der bei verschiedenen Sekten der Derwische eine sehr wichtige Rolle spielt, und über den eine umfangreiche Litteratur vorhanden ist; vgl. MÜLLER, „Der Islam im Morgen- und Abendlande“ (Berlin 1885; 1, 135); JACOB, „Türkische Bibliothek“ 9, 26 und 16, 26, 32 und oft; HUART, „SELMAN DU FARS“ (in „Mélanges DERENBOURG“, Paris 1909, 297 und „École pratique des hautes études“, Paris 1913). — Der griechische Name SALMONEUS ist als lautlich abweichend anzusehen (JACOB).
Zu Seite 112:
Tartarum. Durdijj ist im Persischen ein Bodensatz, z. B. in Milch, Öl oder Wein (WESSELY). — Durd bezeichnet im Persischen die Hefe; eine Form Durdijjun erscheint sprachlich fehlerhaft, und die Gleichsetzung mit Tartarum trägt willkürliches, ja gewaltsames Gepräge, kann aber immerhin vorgekommen sein (JACOB). — Durdî = Hefe findet sich erwähnt bei HIRSCHBERG-LIPPERT, „Die arabischen Augenärzte“ (Leipzig 1906) 2, 245.
Zu Seite 116:
Kurkuma. Bei den Arabern ist dies die Gelbwurzel (Curcuma longa) und ihr gelber Farbstoff, bei den Syrern aber häufig der Safran (MEYERHOF, nach LÖW, „Der Islam“ 6, 263).
Zu Seite 123:
Logos: vgl. SCHMIDT, „Realistische Stoffe im humanistischen Unterricht“ (Leipzig 1913, 58).
Orphiker und Pythagoräer. Die mystischen Lehren der Orphiker, wie die Theorie vom Kreislauf, von der Parallelität des Mikro- und Makrokosmos usf., weisen entschieden auf den Orient zurück, desgleichen lassen verschiedene Züge bei den Pythagoräern erkennen, daß sie auf die babylonische Astrologie aufmerksam geworden waren; hieraus wieder erklären sich die entsprechenden Anspielungen in den Werken PLATONS, bei dem z. B. am Schlusse des „Staates“ als Träger der Offenbarungs-Bilder auch geradezu der Pamphylier ER, Sohn des ARMENIOS, genannt wird (BOLL, „Aus der Offenbarung Johannis“, Leipzig 1914, 2; BOLL und BEZOLD, „Sternglaube und Sterndeutung“, Leipzig 1918, 23 ff., 97). — Betreff der Vermutung, daß gewisse Überlieferungen der Pythagoräer und Hippokratiker (etwa seit der Mitte des 5. Jahrhunderts) auf die 7 Planeten und auf die Stellung der Sonne unter ihnen anspielen, s. PFEIFFER, „Sternglauben“ (35, 38, 110, 128).
Zu Seite 126:
Äther ist bei PORPHYRIOS der Name des Feuers (THOMAS VON AQUINO, üb. SCHNEIDER 3, 229).
Bei HOMER bedeutet αἴθων (aíthon) als „der Feuergelbe“ den Löwen; doch heißt so auch eines der vier Sonnenrosse des HELIOS (KELLER, „Die antike Tierwelt“, Leipzig 1909 ff.; 1, 25, 247).
Zu Seite 129:
PARMENIDES. Verschiedene wichtige Anschauungen dieses Philosophen sind durch Vermittlung der Orphiker und der Mysterienkulte dem Orient entlehnt, u. a. die von der Herabkunft der Seele aus dem Himmel, von ihrem Wiederaufstiege nach dem Tode, von der Umwandlung der Seelen in Sterne, vom Zusammenwirken des Männlichen und Weiblichen, usf.; wie weit sie babylonischen oder iranischen Ursprunges sind, bleibt noch zu untersuchen (PFEIFFER, „Sternglauben“ Leipzig 1916, 128 ff., 124 ff.; BOLL, „Offenb.“ 32).
Zu Seite 136:
ἄνω und κάτω. Diesen Gegensatz kennt auch bereits HIPPOKRATES (5. Jahrhundert v. Chr.) und spricht von ἄνω und κάτω als von „einem Wege, ... der in stetem Wechsel eingeschlagen wird“ (üb. FUCHS 1, 284, 291 und oft).
Zu Seite 156:
Askese. Über Wichtigkeit und Macht der Askese, namentlich der kultischen Keuschheit, vgl. BOLL, „Offenb.“ 32.
Zu Seite 163:
Babylonische Astronomie. Nach BOLL waren die Babylonier zwar gute Beobachter und Rechner, aber keine Systematiker (M. G. M. 16, 173), und dies ist betreff der Entwicklung einer wissenschaftlichen Astronomie sehr beachtenswert. — Während z. B. die Erkenntnis der Identität von Morgen- und Abendstern bei beobachtenden Astronomen bis gegen 2000 v. Chr. zurückzureichen scheint, galt trotzdessen VENUS allgemein als Morgenstern für männlich und als Abendstern für weiblich, demnach als zweigeschlechtlich. Ihre Bezeichnung als „einen Bart tragend“ (Venus barbata) ist aber auch den Beziehungen zu sonstigen, in ihre Nachbarschaft tretenden Gestirnen zuzuschreiben; in ähnlicher Weise nimmt sie bei Annäherung der anderen Planeten, z. B. des Mars, Merkur, Jupiter, eine gelbe, rote, weiße (?) „Krone“ an, ganz so wie in gleichem Falle der Mond eine goldene, silberne, bronzene, kupferne, eiserne, glänzende, weiße, rote, usf. (BOLL und BEZOLD, „Sternglauben“ 7, 10 ff.; BOLL, „Offenb.“ 48).
Zu Seite 166:
Stellvertretung der Gestirne, u. a. zwischen Sonne und Saturn, aber auch zwischen Planeten und Fixsternen, erfolgte bei den Babyloniern gemäß der Ähnlichkeit der Farben, für die hier Abstufungen vom Roten zum Weißen festgelegt waren; die der nämlichen Farbenklasse zugehörigen Gestirne wurden gleichgesetzt und konnten sich vertreten (BOLL und BEZOLD, „Sternglauben“ 7, 17, 103).
Zu Seite 167:
Planetenzahl. Die Zahl der Planeten betrug bei den Babyloniern ursprünglich 5 und erst später, von einem vorerst nicht genau bestimmbaren Zeitpunkte an, 7; PETOSIRIS redet noch bald von 5, bald von 7, VETTIUS VALENS (im 2. Jahrhundert n. Chr.) dagegen nur von 7 (BOLL, „M. G. M.“ 16, 54). Nach JOSEPHUS (1. Jahrhundert n. Chr.) entsprach der siebenarmige Leuchter im Tempel zu Jerusalem den sieben Planeten (THOMAS VON AQUINO, üb. SCHNEIDER, 6, 426).
Neun Planeten, durch Mitzählung von Kopf und Schwanz des „Drachens“ nach indischer Art kennt bei den Arabern schon im 10. Jahrhundert ALKHWARIZMI (E. WIEDEMANN, „Beitr.“ 47, 229).
Zu Seite 169:
Zikurrat. Nach KOLDEWEY ist an den bisher allein genau geprüften Unterteilen der Zikurrat, u. a. derer von Assur, Borsippa („welche Stadt zu Babylon etwa im Nachbarverhältnis von Charlottenburg zu Berlin steht“) und Khorsabad, weder eine Spur von stufenförmigem Aufbau nachweisbar, noch gar eine solche von Etagen in verschiedenen Farben, noch endlich die angenommene Art des Zuganges. Insbesondere betreff Borsippas „ist alles Einbildung und die Ruine zeigt heutigen Tages nichts davon“. Was PLACE hinsichtlich Khorsabads von „Verbrämung mit emaillierten Ziegeln“ sowie von „äußerem, schneckenförmig herumführendem Rampenaufgang“ angibt, stimmt entweder mit der Wirklichkeit gar nicht überein, oder ist doch durchaus unsicher. Beim Zikurrat in Assur ist ein Teil des Belages noch gut erhalten, aber auch er besitzt weder Aufgänge, noch Etagen, noch Verbrämungen von gebrannten Steinen („Die Tempel von Babylon und Borsippa“, Leipzig 1911; 58, 66; 65, 66; 63). — Auf dieses wichtige Werk machte mich Herr Prof. Dr. PRINZ aufmerksam; wie es sich hiernach mir den sehr bestimmten antiken Berichten (besonders bei HERODOT) und mit den mittelalterlichen (bei den arabischen Autoren) verhält, bleibt vorerst dahingestellt, und ebenso muß erst neu ermittelt werden, was die im Laufe des 19. Jahrhunderts tätigen Reisenden eigentlich ausgegraben und untersucht haben.
Vgl. noch KOLDEWEYS neuesten Aufsatz, der sich u. a. auf eine von SCHEIL herausgegebene babylonische Tontafel von 229 v. Chr. stützt („Mitteilungen der Deutschen Orientalischen Gesellschaft“, Maiheft 1918; Auszug mit Abbildung: „Leipz. Illustr. Zeitung“ 1918, 166).
Zu Seite 175:
Carmen = Beschwörung kommt schon bei TIBULL sowie bei JUVENAL vor (ed. FRIEDLAENDER, Leipzig 1895, 298).
Elemente. Ein Rest der Elementen-Verehrung hat sich in den österreichischen Alpenländern erhalten, z. B. in Tirol und Salzburg: am Christabend findet das „Füttern der Elemente“ statt, indem man Mehl und allerlei Speisen in Luft, Wasser und Feuer wirft sowie in die Erde vergräbt (ANDREE, „Votive und Weihgaben ...“, 21).
Zu Seite 180:
Athanasia. Als ἀθανασίας φάρμακον, ἀντίδοτον τοῦ μὴ ἀποθανεῖν = „Mittel der Unsterblichkeit, schützend vor dem Tode“ bezeichnet noch der hl. IGNATIUS (um 100) das „Genießen des Fleisches Christi“ bei der Eucharistie (GOGUEL, A. Rel. 15, 280). — GALENOS erwähnt ἀθανασία als eine Arznei der alexandrinischen Ärzte (BERENDES, „Das Apothekenwesen“, Stuttgart 1907; 34).
Zu Seite 183:
Astrologúmena. Das Buch, in dem die Anrede mit τέκνον (Kind) der üblichen Weitergabe des Geheimnisses vom Vater an den Sohn entspricht, ist vor 150 v. Chr. geschrieben, und „nur ein Autor spielt hinter den beiden Masken des Oberpriesters NECHEPSO und des Königs PETOSIRIS“, der vielleicht mit einem Herrscher aus dem 7. Jahrhundert zu identifizieren ist. Einem hellenistischen Zuge gemäß gelten Könige, oft zusammen mit Priestern, als bevorzugte Empfänger göttlicher Offenbarungen (BOLL, „Offenb.“ 6, 138 ff.; BOLL und BEZOLD, „Sternglaube“ 29). Könige werden „als von höherem und stärkerem Wesen“ angesehen, und haben daher auch das Geisterreich und das Naturleben in ihrer Gewalt; hiermit wieder hängt es zusammen, daß die Metallgötter (s. oben S. 81) und die Planetengötter als „Könige“ erscheinen, so die Planetengötter als „Scepterträger“ schon auf dem Zodiakus (Tierkreis) von Denderah (PFEIFFER, „Sternglauben“ 100; BOLL, „Sphaera“, Tafel 2–5).
Zu Seite 184:
Wochentage (die 7) waren in Rom zu Beginn der Kaiserzeit bereits wohlbekannt; TIBULL will am Sabbat, der wegen seines Zusammenhanges mit SATURN für verdächtig und verrufen galt, nicht verreisen („Elegien“ lib. 1, Nr. 3, Vers 18), HORAZ am Sabbat nichts Geschäftliches unternehmen („Satiren“ lib. 1, Nr. 9, Vers 69). Aber auch im EVANGEL. MATTHAEI (cap. 20) soll die Flucht nicht am Sabbat stattfinden (BOLL, „Offenb.“ 134). Durch römische Soldaten wurde der Gebrauch der Wochentage auch schon frühzeitig nach Gallien und dem Rheinlande gebracht (NILSSON, A. Rel. 19, 68, 118; BOLL und BEZOLD, „Sternglauben“ 84).
Zu Seite 186:
Orientalische Einflüsse. Die sog. hippokratische Schrift über die „Siebenzahl“, die bald nach 450 v. Chr. verfaßt sein dürfte, zählt die 4 Elemente in der Reihenfolge Erde, Feuer, Wasser, Luft, oder Feuer, Wasser, Luft, Erde auf. Als bedeutsame, wenngleich nicht genau entsprechende Parallele ist anzuführen, daß nach der iranischen Eschatologie die auferstehende Seele zurückfordert: von der Erde das Gehirn, vom Wasser das Blut, vom Feuer die Lebenskraft (das Leben), dagegen die Haare von der Pflanze (BOLL, „Offenb.“ 61).
Zu Seite 193:
Sophist, σοφιστής, bedeutet in den Zauberpapyri nicht selten soviel wie Zauberer (REITZENSTEIN, „Myst.-Rel.“, Leipzig 1910, 68, 90).
Zu Seite 200:
MUHAMMEDS Himmelfahrt; s. über diese die eingehende Abhandlung von SCHRICKE („Der Islam“ 6, 1).
Zu Seite 202:
Astrologie. Vom höheren geschichtlichen Standpunkte aus bezeichnet sie GÜNTHER als eine Durchgangsepoche menschlichen Wissens und Denkens, die überwunden werden muß, wenn Fortschritte erzielt werden sollen (M. G. M. 16, 175). — Dem Umstande, daß die Astrologie (was als höchst wichtiger Vorzug erschien!) zugleich als Wissenschaft und als Religion, oder, wie CUMONT sagt, als „wissenschaftliche Theologie“ galt, ist der ungeheure und andauernde Einfluß zuzuschreiben, den sie auf Naturwissenschaft und Medizin ausübte; ihre Geschichte läßt die der Völkerverbindungen mit einzig dastehender Klarheit und Sicherheit hervortreten, und ihre Litteratur ist in wahrhaftem Sinne Weltlitteratur (BOLL, „Offenb.“ 114; BOLL und BEZOLD, „Sternglauben“ 65, 71 ff., 91).
Zu Seite 204:
Bewirken oder Anzeigen? Zu PFEIFFERS „Sternglauben“ zu ergänzen sind die Seitenzahlen 2 ff., 47 ff., 61, 63, 65, 68 ff., 78 ff.
Zu Seite 210:
Planeten-Konstellationen. Diesen entsprechend ließen nach einer Überlieferung bei THOMAS VON AQUINO die „Ägypter“ verschiedene Pflanzensamen vermengen und geschlechtliche Vereinigungen verschiedener Tierarten stattfinden (üb. SCHNEIDER 6, 447).
Zu Seite 212:
Farben der Sterne. Angaben über diese für sehr wichtig angesehenen Farben finden sich schon im „Tetrabiblos“ des PTOLEMAIOS, woselbst sie sichtlich babylonischen Ursprungs sind, sowie bei seinen späteren Nachfolgern, z. B. bei HEPHAISTION im 4. Jahrhundert (BOLL, M. G. M. 16, 173).
Zu Seite 226:
HERMES TRISMEGISTOS als angeblicher Geograph wird erwähnt in dem um 1490 verfaßten „Deutschen Ptolemäus“ (Neudruck ed. FISCHER, Straßburg 1910; Vorr., S. 31).
Zu Seite 231:
HERMES TRISMEGISTUS oder MERCURIUS führt gegen Ende des 12. Jahrhunderts DANIEL von MORLEY an (SUDHOFF, A. Nat. 8, 8, 14, 16); im 13. erwähnt THOMAS von AQUINO den „Poimandres“ des TRISMEGISTUS sowie den HERMES TRISMEGISTUS selbst (üb. SCHNEIDER 2, 75, 77; 7, 584). Sein Andenken geriet also auch hiernach sicherlich niemals völlig in Vergessenheit; vgl. auch die öfteren Berufungen auf HERMES in des ALBERTUS MAGNUS (echter) Schrift „De mineralibus“ (Cöln 1569), die selbst wieder ausschließlich aus den Werken älterer Vorgänger schöpft.
Nach einer Bemerkung in der „Κόρη κόσμου“ verfaßte HERMES TRISMEGISTOS seine Schriften schon vor Erschaffung der Welt! (BOLL, „Offenb.“ 8).
Zu seinen technischen Erfindungen (vgl. S. 258 dieses Werkes) gehört nach arabischen Autoren auch die der Seife, und zwar machte er sie kraft einer besonderen Offenbarung (E. WIEDEMANN, „Beiträge“ 54, 317).
Zu Seite 232:
Kore, Κόρη κόσμου. In frühptolemäischer Zeit erfolgte eine Verschmelzung des ISIS-Dienstes mit den DEMETER-Mysterien zu Eleusis, bei denen KORES Wege hinab in die Unterwelt und wieder herauf zur Oberwelt (ἄνω καὶ κάτω, áno kai káto) eine bedeutsame Rolle spielten (ROEDER, PW. 9, 2128; HILLER, PW. 1, 2322).
Nach REITZENSTEIN sind die Ansichten KROLLS und ZIELINSKIS wie betreff der Herleitung einer „höheren Hermetik“ aus Arkadien so auch bezüglich der in entscheidenden Punkten irrig und unannehmbar[7227]. Die Κόρη κόσμου die jedenfalls erst dem 3. Jahrhundert n. Chr. und der Zeit nach dem Auftreten MANIS (des Begründers des Manichäismus) angehört[7228], rührt von einem Verfasser her, der ein umfangreiches Material nach vielen Richtungen hin trefflich beherrscht, es aber rein synkretistisch und völlig kritiklos verarbeitet, um ein religiöses Buch für Gebildete zu schreiben, aber nicht der religiösen, sondern der litterarischen Wirkung halber, — was schon an sich als ein für die ganze Epoche höchst charakteristisches Zeichen anzusehen ist[7229]. Dem Werke liegen, abgesehen von der vielfachen Benützung des platonischen „Timaios“ (besonders in stilistischer Hinsicht)[7230], drei Hauptquellen zugrunde[7231]: 1. eine ursprünglich iranische Kosmogonie, 2. eine griechische philosophische Schrift, deren Begriffsbildungen mit den religiösen Überlieferungen der ersteren verschmolzen werden[7232], 3. die hellenistisch-ägyptische OSIRIS-Tradition, der die entscheidenden Erlösungslehren entnommen sind.
Dem iranischen Schöpfungsmythus, der sich allmählich durch ganz Vorderasien verbreitet zu haben scheint, jedoch unter Verdunkelung oder völliger Abstreifung seines dualistischen Grundgedankens[7233], entstammen verschiedene wichtige Züge. Die geordnete Welt wird in mehreren Stufen erschaffen, und zwar durch Auflösung des Chaos, der „schwarzen Einheit der Materie“, wobei der Himmel mit seinen Sternen, die trockene Erde, sowie die Wasserfläche zum Vorschein kommen[7234]. Ein Urgott, eine Urgöttin, oder eine Urseele (PSYCHE), aus der alle Einzelseelen entspringen, irrt vom Schöpfer ab, sinkt herab in die Materie, wird aber am Ende der Dinge aufs neue mit dem höchsten Gotte vereint und steigt wieder empor zum Himmel[7235]. Die lebendigen Menschen sind eine innige Verbindung von Hyle und Psyche[7236]; aus Feuer und Luft, den beiden Elementen des Lichtreiches, bestehen die Seelen, die nach dem Sündenfalle, d. h. nach dem Abirren vom Schöpfer, bestraft werden, nämlich durch Bindung an die aus Wasser und Erde gebildete Hyle der Leiber, die gemeine Materie[7237]. Über die Schicksale der Menschen berät der höchste Gott mit HERMES, der als sein νοῦς (Nûs) und seine ψυχή (Psyche) erscheint, sowie mit den übrigen Göttern, besonders mit jenen der Planeten, die überlegen, was jeder von ihnen für die Menschen tun könnte; schließlich wird jenen, die einen reinen und gerechten Lebenswandel führen, Erlösung und Rückkehr in den Himmel versprochen[7238]. Schon nach dem ersten Erscheinen der Urseele (Psyche) tritt aber auch der „Herrscher der Finsternis“ in Gestalt eines furchtbaren Drachen hervor[7239]; „Herrscher der Finsternis“ hießen jedoch auch die „Archonten“, d. s. die Planetengeister, die „mit Sünde (= Materie) verbunden“ am Himmel umherirren und die Schöpfung bedrohen[7240]. Anscheinend unter dem Einflusse dieser bösen Geister sündigen die Menschen und häufen Frevel auf Frevel, bis sich die Elemente klagend vor dem höchsten Gott einfinden und von ihm eine neue Emanation (ἀπόρροια) erflehen; er sendet OSIRIS und ISIS, die abermals Recht, Ordnung und Frömmigkeit auf Erden verbreiten, dann aber kraft eines Zauberhymnus wieder gen Himmel auffahren. Nach anderen Quellen vertreten jedoch ihre Stelle DIONYSOS, „der Sohn des Gottes“ (nämlich des ZEUS), oder MITHRAS, der „Mittler“ zwischen höchstem Gott und Menschheit[7241].
Zu Seite 233:
AGATHODAIMON. Nach LANES „Manners and customs of the modern Egyptians“ (London 1860) besaß noch um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts jedes Quartier der Stadt Kairo seinen Schutzgeist oder AGATHODAIMON, der in Schlangengestalt verehrt wurde (RESCHER, „Der Islam“ 9, 27).
Zu Seite 236:
Gnostik. Schon HERDER („Werke“ ed. SUPHAN, Berlin 1893; 9, 276) spricht sich sehr bestimmt dahin aus, daß die Gnostik in die vorchristliche Zeit zurückreicht, also in jene des Hellenismus. Dieses meist für sehr jung gehaltenen Ausdruckes bedient er sich öfters (vgl. 10, 184) und entlehnte ihn vermutlich seinen Quellen; schrieb doch z. B. bereits HEINSIUS ein Werk „De lingua hellenistica“ (Leiden 1643).
Zu Seite 240, 244 (s. auch Seite 203):
Buchstabenmystik, Anrufung der 7 Vokale α, ε, η, ι, υ, ο, ω, u. dgl., hängen enge mit der Anschauung zusammen, daß der Name der Götter ein Teil ihres Wesens sei; aus ihr erklärt sich die Macht, die der Kenntnis des „wahren Namens“ zugeschrieben wird, aber auch die Scheu, diesen auszusprechen, wie sie z. B. bei den Juden zutage tritt (BOLL, „Offenb.“ 32). — Vgl. die „hundert schönen Namen“ Allahs.
Kraft der Worte. Daß bestimmte Worte eine ganz besondere Kraft ausüben und daher bei allerlei kirchlichen Zerimonien hauptsächlich oder ausschließlich in der vorgeschriebenen bestimmten Sprache zu gebrauchen sind, deutet noch THOMAS VON AQUINO unverkennbar an (üb. SCHNEIDER 11, 12).
Zu Seite 245:
Zahlzeichen, griechische. Die Benützung der Buchstaben als Zahlzeichen ist nach LARFELD im 8. Jahrhundert v. Chr. aufgekommen, und zwar zu Milet (RUSKA, „Zur ältesten arabischen Algebra ...“, 41).
Zu Seite 245:
Zahlenwerte von Namen. Daß es nach spätgriechischen und „syrisch-chaldäischen“ Überlieferungen von großer Wichtigkeit ist, den Zahlenwert zu erkennen, der den Namen Erkrankter entspricht, meldet u. a. der „Codex Hertensis“ des 9. bis 12. Jahrhunderts (SUDHOFF, A. Med. 10, 310).
Zu Seite 248:
MITHRAS. Die älteste litterarische Erwähnung des MITHRAS findet sich in der „Thebaïs“ (Ges. 1, Vers 717), die STATIUS zwischen 81 und 92 n. Chr. verfaßte (POPPELREUTER, „Der Islam“ 8, 295).
Zu Seite 265:
SALOMON. Über die ungeheure Zaubermacht, die der Orient dem König SALOMON zuschrieb, vgl. RESCHER, „Der Islam“ 9, 5 u. 49.
Zu Seite 298:
Chamäleon als Namen einer Muschel hat nichts mit dem ägyptischen Chamäleon zu tun, sondern ist eine Entstellung des persischen und arabischen Kalamûn, das selbst wieder vom griechischen ὑποκάλαμον (Hypokálamon) herkommt, d. i. die Steckmuschel, aus deren Byssus das „Meerwolle“ genannte, goldig schimmernde Gewebe gemacht wurde (HELL, „Enzykl. des Islam“ 1, 100).
Chamäleon. Der syrische Lexikograph BAR BAHLUL sagt von dem seltenen Worte Kemelaʾaʾ: „das ist Kimia, Alkîmijâ“ (arabisch!); er kennt auch das Tier Kemelintos oder Kemeliun, bringt jedoch die Namen selbst nicht in Verbindung. Der Versuch einer solchen kann nur aus spätgriechischer Zeit herrühren, da aber für einen Griechen der Zusammenhang zwischen χημεία und χαμαιλέον ernsthaft nicht wohl in Frage zu kommen vermag, so handelt es sich wohl um eine Art Wortwitz von der Gattung jener, der so zahlreiche bei ISIDORUS von SEVILLA auftauchende „Etymologien“ angehören (RUSKA).
Vom Chamäleon als „Kemmeltier“ sprechen noch mittelhochdeutsche Quellen, z. B. HUGO von TRIMBERG gegen 1280 im „Renner“ (ed. EHRISMANN, Tübingen 1909; 3, 79); vorübergehend erwähnt er in diesem Werke auch die Alchemisten, (ebd. 2, 299).
Zu Seite 311:
Harut und Marut. Diese Sage ist nach LITTMANN babylonischen Ursprunges, die beiden Namen sind jedoch späterer, (in dieser Überlieferung) iranischer Herkunft („HARUT und MARUT“ in „Festschrift für F. C. ANDREAS“, Leipzig 1916, 70).
Zu Seite 315:
Alloiosis der Nahrungsmittel nennt GALENOS (2. Jahrhundert n. Chr.) deren Umänderung im Laufe der Verdauung (MEYER-STEINEG, „Studien zur Physiologie des GALENOS“, A. Med. 6, 423).
Zu Seite 320:
Xerion. Das aus dem griechischen ξήριον entstandene Iksîr findet sich im Persischen bereits bei FIRDUSI, um 1000 n. Chr.; als al-iksîr (Elixir) geht es dann zu den Arabern über (JACOB). — In der „Augenheilkunde“ des IBN MASAWAIH (777–857) ist Iksîr oder Elixir noch = trockenes Streupulver (PRÜFER und MEYERHOF, „Der Islam“ 6, 252), ebenso in den Schriften der arabischen Augenärzte um 1000 (HIRSCHBERG-LIPPERT 1, 210).
Zu Seite 320:
Stein der Weisen. Nach uigurischer, wohl aus Kreisen der Manichäer stammender Tradition (um 900) erhielten die sog. hl. 3 Könige vom Christuskinde als Gegengabe für ihre Geschenke ein von der steinernen Krippe abgebrochenes Stückchen, das sie, weil es von ungeheuerlicher Schwere war und ihnen unbrauchbar erschien, in einen Brunnen warfen, aus dem hierauf ein feuerblitzender Glanz bis zum Himmel aufstieg. Da nun aus gewissen, bei GREGOR von TOURS (539–594), ALMAʿSUDI (gest. 956) und MARCO POLO (gegen 1300) erhaltenen Berichten die Legende zu erschließen ist, der die Weisen führende Stern sei, einem Meteore gleich, in einen Brunnen bei Bethlehem herabgefallen, so glaubt HOMMEL, man habe in diesem abgebrochenen Stückchen Stein den Ursprung des „Steins der Weisen“ zu erblicken, der bestimmt gewesen sei „den glücklichen Findern eine Gold- und Segensquelle zu werden“ („Münchener Neueste Nachrichten“ Nr. 8 vom 5. Januar 1918; den Hinweis auf diesen Aufsatz verdanke ich Herrn Geh.-Rat Prof. Dr. G. JACOB). — Inwieweit in dieser Sage der Ursprung des „Steins der Weisen“ liegen soll, ist jedoch zunächst nicht einzusehen, und die Frage, ob eine Verbindung bestehe, bedarf wohl erst noch weiterer Untersuchung.
BOLOS von MENDE war auch eine ergiebige Quelle für die Verfasser der sog. „Steinbücher“ sowie des zwischen 300–400 n. Chr. in Syrien entstandenen, „Physiologus“ genannten Tierbuches (WELLMANN, M. G. M. 16, 374). Seinen Schriften entstammen ferner jedenfalls die Anschauungen über (Pseudo-) DEMOKRITOS als „Wettermacher“ (PFEIFFER, „Sternglauben“ 93 ff.).
Zu Seite 331:
PSEUDO-DEMOKRITOS’ Schrift über den Magnet (περὶ τῆς λίθου) erwähnt HOPPE in seiner Abhandlung über Magnetismus und Elektrizität im Altertume (A. Nat. 8, 95).
Zu Seite 347:
Zeichen für Sonne und Mond, vielleicht auch für Sterne (Planeten?) sollen sich schon auf Tontrommeln aus der Steinzeit vorfinden, die Gräbern nächst Halle und Merseburg entstammen (HOOPS 3, 286).
Zu Seite 351:
Zeichen für Planeten und Metalle. In seiner Abhandlung „Bruchstücke einer antiken Schrift über Wetterzeichen“ äußert sich WESSELY zu dieser Frage wie folgt: Die bekannten Zeichen für die 5 Planeten entstanden aus den Abkürzungen ihrer griechischen Namen; kursives κρ mit dem Abkürzungsstrich in entstellter Form wurde zum Zeichen für Κρόνος, die Majuskelform Ζ mit dem Abkürzungsstrich zu dem für Ζεύς, und ebenso kursives αρ und ερ mit dem Abkürzungsstrich, sowie Φ, das seine alte Gestalt am besten bewahrte, zu dem für Ἄρης, Ἑρμής und Φωσφόρος. Die beiden ersten Zeichen, sowie das letzte, erkannte richtig schon SALMASIUS („Sitzungsberichte der Wiener Akademie“ 142, 1; S. 12, Anm. 2).